james 'blood' ulmer

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    gypsy-tail-wind
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    James Blood Ulmer – Odyssey | Ich glaube hier bin ich grad einfach in erster Linie mal zutiefst fasziniert, dass das derselbe Ulmer ist, den ich heute Morgen auf so völlig anders gearteten Alben gehört habe. Die Stimme ist toll, die Gitarre richtig schön eingefangen, das Zusammenspielt mit Charles Burnham an der Violine und Warren Benbow am Schlagzeug klappt hervorragend, oft wirken die drei wie eins. vorgarten hat über mehr dazu geschrieben, auch ein Zitat von Ulmer, in dem dieser erklärt, dass er alle Saiten der Gitarre auf denselben Ton gestimmt hat. Ich brauche hier eine Weile, um reinzukommen (bin schon fast beim Closer angekommen, bis ich überhaupt was zu schreiben anfangen mag), das scheint jedenfalls eher eher an die alten Blueser oder an Rock mit Swamp-Faktor (Little Feat, The Band) anzuknüpfen als an die eigenen Alben … ich habe „Odyssey“ tatsächlich bis heute noch nie gehört und brauche vermutlich noch ein paar Anläufe, um das zu greifen. Das zugehörige Live-Album kenne ich nicht, ebensowenig das nachfolgende, bei dem Amin Ali die Gruppe zum Quartett macht. Weiter geht es mit einem Track von „Children“ von David Murray, den vorgarten treffend beschreibt:

    ulmer & murray stacheln sich erstmal in einer art schnellem blues gegenseitig an, plaxico & smith sorgen für ungeheuren druck, die impulse werden sofort innerhalb der band umgewandelt, zusammen spielenn sie den staub aus den teppichen in david bakers trockenem aufnahmeraum.

    Das ist in der Tat knochentrocken aufgenommen und Plaxico spielt auch den Bass total trocken. In der Mitte hebt Murray irgendwann ab, bricht ins Falsett aus, spielt eine Art Gospelsolo, während die Rhythmusgruppe phasenweise noch trockener dahinzustapfen scheint. Irgendwie hat das in seiner unfassbaren Reaktionsschnelligkeit auch etwas sehr Stoisches – das läuft und läuft und läuft, obwohl sich ständig Störfaktoren einmischen. Ulmer hat hier all seine Eigenwilligkeit zurück, die auf „Odyssey“ vor lauter Schönklang etwas in den Schatten gerät (sie ist da, aber nicht in your face) und klingt wirklich nahezu verstimmt, doch je länger die fast zwölf Minuten dauern, desto stimmiger wird alles.

    Übrigens, wo die Flamingos grad im Briefkasten lagen: „Hand-painted photography by Ming Smith (Gambella, Ethiopia)“

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #162: Neuentdeckungen aus dem Katalog von CTI Records, 8.4., 22:00; # 163: 13.5., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
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    #12342787  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    James Blood Ulmer/George Adams Phalanx – Got Something Good for You | Nächste Runde, nachdem ich „Children“ doch vollständig anhörte (die Trio-Tracks sind wirklich super, mit dem Arco-Bass in „All the Things You Are“ hab ich kein Problem), wieder mit George Adams, dazu Amin Ali und Calvin Weston, September 1985 im Volkspark-Studio in Hamburg. Den energiegeladenen Opener finde ich schon mal umwerfend, danach gibt sich Ulmer als funky Bluessänger über eine tighte, aber mir etwas zu abgekartete Begleitung. Adams setzt ein paar Akzente und Ali ist tatsächlich auch hier toll – wie auf dem ganzen Album (ich wusste übrigens bis heute nicht, dass er ein Sohn von Rashied Ali ist). Anderswo gibt es kleine Riffs, die kreisen, stampfende Grooves – irgendwie manches wirklich recht limitiert, aber trotzdem oft hypnotisch. „A Night Out“ ist eine Solo-Performance von Adams, in der sein Sax in einen Dialog mit einem in einer Art Sing-Sang vorgetragenen Text tritt. Das ist schon ziemlich toll, nicht nur vom Saxophonspiel her, sondern auch, wenn die Strategie gegen die „flying saucers“ lautet: „Keep on loving, baby“. Begeisterung will sich hier allerdings nicht einstellen. Ich glaub, das ist das erste Album, bei dem ich eher auf wen anderes achte oder warte als auf den Leader (George Adams, in den Ensembles aber auch öfter mal Ali).

    David Murray – Recording NYC. 1986 | Ganz anders die nächste Runde, ein Sideman-Auftritt mit David Murray, aufgenommen am 10. Mai 1986 im Sound Ideas Studio in New York. Mit dem rockenden „Red Car“ von Butch Morris geht es los, Fred Hopkins (b) und Sunny Murray (d) treiben das gekonnt und eigenwillig an – und lassen es so klingen, als gäbe es eine Welt mehr an Platz hier als in der Phalanx (was ja irgendwie in deren Namen schon enthalten ist, da ist einfach kein Platz, das ist ja das Konzept, Platz zu lassen würde alles gefährden). Ulmer findet sich ein zwischen dem toll klingenden Sax von Murray, der in „Long Goodbye“ (wieder Morris) singt, und dem Bass von Hopkins, der auch dann offen und frei klingt, wenn er wie hier sehr viel spielt. Auch Sunny Murray blüht gerade in dieser Ballade auf, steuert ständig Fills bei, die aus allen Richtungen ausser der erwarteten zu kommen scheinen. Das geht so weiter, mal spielen Murray und Ulmer unisono, dann gehen alle vier ihrer eigenen Wege. Hopkins‘ Bass hält zwar alles zusammen, ist aber auch mit Abstand die berechenbarste Stimme hier – und vielleicht manchmal etwas langweilig. Ein Highlight ist sicher auch das von vorgarten angesprochene „Kareem“, in dem die Rhythmusgruppe mal mehr Raum kriegt. Auch in „According to Webster“ gibt es ein längeres Gitarrensolo, in dem das Trio zeigt, wie toll es funktioniert. Murray greift quasi ständig an, droht alles zu überrollen, während die anderen stoisch bleiben, Ulmer mehr an Texturen als an einer Geschichte interessiert ist, Hopkins zwischendurch aus dem starren Trott findet und anger mit anderen beiden zusammenfindet. Nach der wahnsinnig tollen Powerballade „Patricia“ – Murray ist wirklich unfassbar gut um den Dreh herum! – mit ganz schöner Gitarrenpassen, gibt es zum Abschluss das 14minütige, ziemlich freie „Light Years“, in dem Ulmer als erster ran darf, bevor Murray nochmal zu einem irren Höhenflug ansetzt. Hopkins verschmelzt hier super mit Sunny Murray, die beiden treiben das Stück gemeinsam mit irrem Drive voran – und beide kriegen sie dann auch mal ein Solo, zuerst Sunny Murray und dann Hopkins mit dem Bogen im Flageolett. Das Album ist alles andere als perfekt – aber toll!

    Original Phalanx | Das zweite Phalanx-Album ist dann irre gut, läuft gerade in Schleife – neben Adams (ts, fl) und Ulmer (g) sind hier Sirone (b) und Rashied Ali (d) dabei. Vom ersten Moment an packt mich das direkt, hier passt wirklich alles: das kommt als ein Kollektiv daher, und passend hat Adams drei, haben Sirone und Ulmer je zwei Stücke beigetragen. Auch wo die Grooves supertight sind (das geht auch mit Kontrabass, wenngleich nicht so funky), die Beats trocken (verhältnismässig, für Alis Verhältnisse) wirkt hier alles offen, frei. Das macht wirklich unglaubliche Freude! Auch wenn das Bandmusik ist: die Beiträge von George Adams hier sind phantastisch, er findet sich in diesem freien Setting hervorragend zu recht und spielt umwerfend. Auch Sirone (den ich eh generell zu wenig im Blick habe) und Ali sind hervorragend, vom Leader ganz zu schweigen. Hier flimmert und vibriert alles … das perfekte Album für die 36 Grad oder was immer wir hier inzwischen haben (hinterm geschlossenen Fensterladen auf dem Sims waren’s über 40). Bis hierhin zweifellos mein Lieblingsalbum (gefolgt von „Revealing“, da bleib ich durchschaubar ;-) ).

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    #12342799  | PERMALINK

    vorgarten

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    gypsy-tail-windBis hierhin zweifellos mein Lieblingsalbum (gefolgt von „Revealing“, da bleib ich durchschaubar ).

    sehr schön, so geht es mir auch! ich habe noch eine totale schwäche für die music-revelation-alben ab ELEC. JAZZ, aber das ist natürlich völlig andere, ultra-harte, ganz präzise arrangierte musik. die erste PHALANX steht wirklich ganz weit oben in meinem persönlichen olymp.

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    #12342999  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Music Revelation Ensemble | Das nächste Album stammt nach acht Jahren Pause wieder vom Music Revelation Ensemble. Murray (ts), Ulmer (g), Tacuma (elb) und Jackson (d) sind dabei, als das fast einstündige – man ist im CD-Zeitalter angekommen: 3. & 4. Februar 1988, A & R Recording, NYC, Jim Anderson – zweite Album entsteht, das eine Reihe von sechs öffnet, die über ein knappes Jahrzehnt für DIW entstehen sollten. Das geht gleich mit irrem Groove los, ein paar dreckige Gitarreneinwürfe, ein kleines Sax-Lick, ein rollender Marching-Beat und darunter der irre Bass, der dann auch das lange erste, völlig unbegleitete Solo kriegt. Tacuma gehört mit einem anderen, späteren Bass-Album zum Soundtrack meiner Jugend, und auch hier gilt: hätten wir das hier gekannt damals, es wäre rauf und runter gelaufen! Das ist irre toll, klingt phantastisch, wirkt wie ein gut konzipiertes und doch sehr freies Set. Teils kommt das wohl aus der Musik von Ornette Coleman, aber die funky Beats von Jackson sind nochmal was ganz Eigenes: wie er mit marching drum rudiments auf der Snare immer wieder irre mitreissend federnde Beats trommelt. Das Fundament, das er der Gruppe damit gibt, ist erdbebensicher und befreit Tacuma, der oft in der mittleren Lage spielt. Oft ist gar nicht klar, ob wir gerade ein Gitarrensolo mit sehr aktivem Bass oder ein Basssolo mit einer ständig sich einmischenden Gitarre hören – die zwei sind in einem stetigen Dialog. Darüber erhebt sich Murray, der um den Dreh herum (von seinen Januar 1988-Sessions sind gestern alle fehlenden Teile aufs Mal eingetroffen, ich freue mich sehr darauf!) echt unschlagbar. Aber auch er fügt sich immer wieder ein, rifft, streut einzelne Töne oder kleine Motive ein, Kürzel, die sich in den Klangteppich fügen, der sich ständig wandelt. Zum Beispiel in „Nisa“. Das Stück (wie alle ausser dem gemeinsamen Closer „Burn“ von Ulmer) kann man als eine Art harmolodisch-freie walking ballad hören. Hintenraus wird eine Art Drone-Groove daraus, Ulmer lässt seine Gitarre wie eine Sitar wabern und spielt kleine Ornamente. Verdammt ist das gut!

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    #12343029  | PERMALINK

    wahr

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    Ich mach mich auch mal ein bisschen an Ulmer ran und starte mit Revealing. Die Rezensionen von vorgarten und gypsy tail wind dazu finden sich hier (vorgarten) und hier (gypsy). Ich kenne das Album seit einem guten halben Jahr, seit ich es mir als CD besorgt habe.

    James Blood Ulmer – Revelation (rec. 1977, VÖ 1990)
    „Revealing“, Titelstück und Albumeröffner, ist anfangs eigentlich fast das schwierigste Stück, verknotet sich in den ersten Minuten, als wollten hier mal alle zeigen, welche Muster zum Weben bereit stehen. Nach vier Minuten setzt dann Ulmer zum Solo an, das aber mehr eine Art Ensemble-Solo ist – und damit so weit von Coleman’s Prime Time nicht weg ist. Mich begeistert gleich Ulmers trockener Ton hier, der über alle Stücke durchgehalten wird und nicht darauf anlegt, den Leader rauszuhängen. Verzerrungen (auch beim Bass) scheinen mir eher unabsichtlich über dezente Bandübersteuerungen eingebracht. Sie werden von mir gerne genommen, aber ich finde hier kann man gut hören, dass Ulmer eher von klaren Noten spielenden Gitarristen wie Grant Green kommt, nur das er sich nicht dafür interessiert, Melodien auszuspielen, sondern sie meist nur kurz andeutet, Stops spielt, Pausen, sich wieder einordnet, mit gut gesetzten, seltsamen Akkorden den Beat unterstützt.
    „Raw Groove“ dann schön treibend, die spielen einfach fantastisch zusammen, die vier. Cecil McBee bringt manchmal einen dichten bassigen Unterton rein, immer auf Sendung immer auf Empfang. Doug Hammond an den Drums ist kein Derwisch, aber das verschafft der Musik ein starkes Rückgrat. Besonders die dunkle Grundstimmung auf dem letzten Stück – „Love Nest“ – ist sehr großartig. Bass und Drums zerfließen in eine faszinierende untergrundige Allianz. George Adams an der Bassklarinette – statt am Tenorsax wie auf dem Rest des Albums – verschafft dem Stück nochmal ein besonders intimes Gefühl, dabei bleibt aber alles irgendwie auf dem Boden. Könnte ich ewig hören.
    Mit „Overtime“ – wir skippen nach diesem Exkurs wieder zurück in die Trackreihenfolge – legt Ulmer auch gleich offen, warum er so ein großes Potenzial sowohl bei Jazz- als auch Rockhörern hat. Strenges Grundgerüst, treibender Beat der Drums, der Bass kommuniziert ständig, ohne aufdringlich zu sein, Ulmer haut kleine Akkordbruchstücke rein und unterstützt die kurzen Breaks. Das ist schon alles sehr meisterhaft. Dann sein Solo, kurze schnelle hellere volle Cluster, die meist in einem kurzen Akkordfragment enden, der genau auf dem Break liegt. Ulmers Fähigkeit, Noten zu spielen, indem er sie weglässt. Eigentlich ist sein Stil auf Revealing so ziemlich das Gegenteil von Jimi Hendrix, diesem ewig faulen Vergleich. Großes Quintett, große Musik. Gut, dass kein Piano dabei ist, das womöglich alles in Melodieläufe ersoffen hätte. Einziges Manko: Die Tracks werden etwas lieblos und schnell ausgeblendet. Wie schön wäre es, wir könnten den Vieren lauschen, wie die Tracks wirklich enden, wie sie sie auslaufen lassen, bis kein Instrument mehr zu hören ist. Igrendwo müssen die Bänder doch noch rumliegen. Who knows the secrets of the master tape?

    zuletzt geändert von wahr
    #12343033  | PERMALINK

    wahr

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    gypsy-tail-wind Music Revelation Ensemble | Das nächste Album stammt nach acht Jahren Pause wieder vom Music Revelation Ensemble. Murray (ts), Ulmer (g), Tacuma (elb) und Jackson (d) sind dabei, als das fast einstündige – man ist im CD-Zeitalter angekommen: 3. & 4. Februar 1988, A & R Recording, NYC, Jim Anderson – zweite Album entsteht, das eine Reihe von sechs öffnet, die über ein knappes Jahrzehnt für DIW entstehen sollten. Das geht gleich mit irrem Groove los, ein paar dreckige Gitarreneinwürfe, ein kleines Sax-Lick, ein rollender Marching-Beat und darunter der irre Bass, der dann auch das lange erste, völlig unbegleitete Solo kriegt. Tacuma gehört mit einem anderen, späteren Bass-Album zum Soundtrack meiner Jugend, und auch hier gilt: hätten wir das hier gekannt damals, es wäre rauf und runter gelaufen! Das ist irre toll, klingt phantastisch, wirkt wie ein gut konzipiertes und doch sehr freies Set. Teils kommt das wohl aus der Musik von Ornette Coleman, aber die funky Beats von Jackson sind nochmal was ganz Eigenes: wie er mit marching drum rudiments auf der Snare immer wieder irre mitreissend federnde Beats trommelt. Das Fundament, das er der Gruppe damit gibt, ist erdbebensicher und befreit Tacuma, der oft in der mittleren Lage spielt. Oft ist gar nicht klar, ob wir gerade ein Gitarrensolo mit sehr aktivem Bass oder ein Basssolo mit einer ständig sich einmischenden Gitarre hören – die zwei sind in einem stetigen Dialog. Darüber erhebt sich Murray, der um den Dreh herum (von seinen Januar 1988-Sessions sind gestern alle fehlenden Teile aufs Mal eingetroffen, ich freue mich sehr darauf!) echt unschlagbar. Aber auch er fügt sich immer wieder ein, rifft, streut einzelne Töne oder kleine Motive ein, Kürzel, die sich in den Klangteppich fügen, der sich ständig wandelt. Zum Beispiel in „Nisa“. Das Stück (wie alle ausser dem gemeinsamen Closer „Burn“ von Ulmer) kann man als eine Art harmolodisch-freie walking ballad hören. Hintenraus wird eine Art Drone-Groove daraus, Ulmer lässt seine Gitarre wie eine Sitar wabern und spielt kleine Ornamente. Verdammt ist das gut!

    Das klingt alles unheimlich lecker und mussichhabn. Danke! Erdbebensicheres Drumming, sehr schön ausgedrückt! :)

    #12343035  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Phalanx – In Touch | Drei Alben in drei Jahren plus ein Nachzügler (eine Aufnahme von 1986 mit dem Line-Up des ersten Albums), der wohl nur bei Gigs verkauft wurde. Nummer drei ist wieder mit Adams, Ulmer, Sirone und Rashied Ali aufgenommen worden, am 27. und 29. Februar 1988 im A & R Recording in NYC (Jim Anderson) und geht mit einem offenen Groove los, der erst recht beim Einstieg der vokalisierten Flöte von Murray (Ulmer spielt hier auch wieder etwas Flöte) wieder einen definitiven indischen Touch hat. Sehr moody, dieses Stück von Adams mit dem Titel „Keeping Still“. Sirone und Ali spielen eine zurückhaltende, aber sehr tolle Begleitung dazu. Und Ulmer ist überall zugleich, wie so oft. Im Intro des nächsten Stücks gibt’s dann Ulmer an der Flöte und Adams am Sopransax – dazu gestrichenen Kontrabass und einen tollen Beat von Ali. Dann ein paar Takte Schlagzeug und danach ist Ulmer an der Gitarre. Das klingt phasenweise nicht weit von der Musik von Miles Davis Mitte der Siebziger entfernt, dünkt mich, auch wenn es ganz anders funktioniert. vorgarten beschreibt, wie sich der Sound Ulmers hier verändert hat – vielleicht ist das auch der Grund, dass ich an Davis denken muss? Vielleicht ist es auch das Sopransax von Adams im zweiten Stück? Er und Sirone haben je zwei Stücke beigetragen, Ulmer ebenfalls – das ist also weiterhin ein explizit kollektives Konzept hier, das einmal mehr super funktioniert, aber mich nicht ganz so anspricht, wie „Original Phalanx“. Dennoch: es gibt wahnsinnig tolle Stimmungen hier, immer wieder – und eine gewisse Melancholie (vgl. vorgartens schon verlinkten Post) kann ich hier durchaus auch hören, nicht zuletzt in Adams‘ „Spanish Endeavors“ mit Sopransax und starkem Basssolo. Oder gleich im folgenden „Look and See“, wo Ulmer zunächst Flöte neben Adams‘ ruppigem Tenor spielt, dann aber schnell an die Gitarre wechselt. Sirone ist hier echt super – vielleicht meine grosse Entdeckung auf dem Album. Er ist ja auf einigen grandiosen Alben zu hören, nicht zuletzt mit einer von Cecil Taylors besten Gruppen (zu der auch Ronald Shannon Jackson gehörte), mit Noah Howard, Marion Brown oder natürlich mit dem Revolutionary Ensemble, aber irgendwie habe ich ihn bisher nie so richtig verfolgt.

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #162: Neuentdeckungen aus dem Katalog von CTI Records, 8.4., 22:00; # 163: 13.5., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
    #12343037  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Es kann aber auch Erdbeben auslösen @wahr – das gehört dialektisch gedacht mit dazu ;-)

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    #12343039  | PERMALINK

    wahr

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    gypsy-tail-windEs kann aber auch Erdbeben auslösen @wahr – das gehört dialektisch gedacht mit dazu

    habe ich auch so mitgedacht. harmolodische logik. wir verstehen uns. :)

    #12343099  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Music Revelation Ensemble – Elec. Jazz | Ein seltsamer Titel – ich nehme an, es geht eher um Elektrizität als um Elektoren, aber wer weiss das schon, die Alben wurden ja leider alle nur für den japanischen Markt herausgebracht, es gibt keine englischen Liner Notes und keine Columbia-Übernahmen wie bei manchen DIW-Alben von David Murray, dem einzigen Musiker neben Ulmer, der hier vom Vorgänger-Album noch dabei ist. Die Rhythmusgruppe besteht für zwei Alben, die im März 1990 (A & R, Jim Anderson – die Aufnahme ist wirklich gut, Anderson war ja auch bei Enja stets ein Garant, mehr noch als die Marciano-Brüder in ihrem Systems Two, würde ich sagen) und im Oktober 1991 aufgenommen wurden, aus Amin Ali (elb) und Cornell W. Rochester (d). Nach dem Rausch mit Tacuma/Jackson muss ich hier erstmal meine Ohren etwas justieren. Ali fand ich ja auf den gestern mit ihm gehörten Alben grundsätzlich super, aber ich glaube ich mag Tacumas Swag schon etwas lieber. Rochester hat nicht die Power von Jackson oder die Multidirektionalität von Alis Vater – aber er behauptet sich natürlich hervorragend – eben: wenn das Gehör mal drauf eingestellt ist. Im Vergleich zum unbetitelten Album wirkt die Musik hier schlanker, weniger spektakulär, ist aber weiterhin wahnsinnig schön anzuhören, das Zusammenspiel ist dicht, es gibt auch mal ein geradezu klassisches Unisono-Thema im Blues „No More“ mit ts/g in perfektem Einklang, Walking Bass und rudimentär kargem Swing-Beat dazu. Ulmer klingt wieder anders als auf dem letzten Phalanx-Album, verwaschener, verwischter, klanglich reicher. Vielleicht sind es wirklich der Swing, die Jazz-Roots von Rochester, die hier das Gefüge am stärksten verändern – sein Spiel ist oft recht karg, aber die Akzente gezielt gesetzt und alles andere als erwartbar. Das Album ist nach dem Zwiebelprinzip aufgebaut: in der Mitte liegt der Blues an vierter Stelle. Opener und Closer sind zwei Teile von „Exit“ (Tracks 1 und 7), um den Blues herum gibt es zweimal „Big Top“ (Tracks 3 und 5), zwischen „Exit“ und „Big Top“ liegen jeweils noch zwei einzelne Stücke: „Inter City“ an zweiter und „Taps Dance“ (toll, wie das Trio – besonders Rochester! – hier aufspielt, um dann für Murray unvermittelt einen karibischen Groove anzustimmen) an sechster Stelle. Das funktioniert schon alles super, ist sehr druckvoll – auch in Murrays Soli, vorgarten, der das alles besser kennt als ich, schreibt passend von Schwerstarbeit und Sauerstoffzelt. vorgarten beschreibt auch schön die unglaubliche Variabilität von Ulmers Gitarre hier. Sie ist überall (ausser, wenn sie mal aussetzt) und bietet dabei eine immense Palette an Sounds, Klangfarben, Verfremdungen.

    Music Revelation Ensemble – After Dark | Die nächste Runde stammt dann aus Sound on Sound Studio in New York (Alex Head) – und es gibt auf dem in der Mitte des wieder sieben Stücke von Ulmer enthaltenden Albums liegenden Titelstück statt dem MRE das Intercity String Quartet (Jason K. Hwang, v I; Rudi Berger, v II; Ronald Lawrence, vla; Michelle Kinney, vc) zu hören – beim Streicher-Arrangement wurde Ulmer von A. E. McClelland unterstützt. Der Gitarrenton ist dieses Mal wieder schärfer – ob das immer eine bewusste Entscheidung war oder auch mit dem jeweiligen Studio-Setup und Tonmeister zu tun hat? Nach einem frenetisch dichten Opener öffnet sich die Musik im langen „Never Mind“, Ali brummelfunkt, Rochester stampft, Murray legt los und Ulmer ist wieder überall, unter, über, hinter und vor den anderen gleichzeitig – das ist er erst recht im folgenden „Maya“, einer Art freien Swamp-Groove-Nummer im Dreiertakt, der bald aufbricht. Die Erweiterung des Gitarrensounds durch das Streichquartett klappt sehr gut – schön, wie das Stück sich verändert, wenn die Gitarre mitzuspielen aufhört, dann später die Drums dazustossen. ich freue mich sehr auf das nächste Album, das in der Aufnahmechronologie zwischendrin liegt (ich übersprang es rasch, um die zwei MRE-Alben mit dem gleichen Line-Up gemeinsam zu hören – machte dann allerdings ein paar Stunden Pause dazwischen). Ansonsten funktioniert das alles nach dem inzwischen bewährten Konzept, sehr tight, oft sehr dicht, kollektive Improvisation in vorgespurtem Rahmen, der aber auch viel Freiräume lässt, es wird geschwitzt (z.B. von Murray in „Back Talk“), es gibt die ornettisch anmutenden gemeinsame Riffs, die satten Grooves (mit immer mehr slapped Bass, dünkt mich?) … und dann an zweitletzter Stelle auch noch eine Swingnummer, „What‘ Your Name“, die vorgarten in seinem Post zum Album völlig richtig als Highlight herausstreicht.

    Zwei tollen Alben, aber ich glaub das erste auf DIW ist mir, Stand heute, eine Spur lieber.

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #162: Neuentdeckungen aus dem Katalog von CTI Records, 8.4., 22:00; # 163: 13.5., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
    #12343121  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    James Blood Ulmer – Harmolodic Guitar with Strings | Alice E. McClelland lautet der volle Name der Arrangeurin vom Streicherstück „After Dark“ – sie ist auch hier dabei, hat die ganze Musik gemeinsam mit Ulmer arrangiert. Gespielt wird sie von Ulmer (g, voc), der ein kurzes Solo-Intro spielt, und dem Quartette Indigo mit John Blake (Gayle Dixon, v I; John Blake, v II; Ron Lawrence, vla; Akua Dixon Turre, vc). Und ausgerechnet hier gibt es nun auch mal englische Liner Notes, die allerdings von der Grafikabteilung sabotiert werden (sehr mühsam zu lesen in mittelgrau auf hellblauem Ulmer-Gittarenhände-und–hals-Foto). Darin ist allerdings die Erzählung zu finden, wie Ulmer 1972 zu Ornette Coleman kam und dann zu seiner eigenartigen Gitarrenstimmung gefunden haben will:

    As Blood reminisces about those days woodshedding, he laughs, „Coleman used to drill me, and I used to play for him so much! Like he used to get his horn and say, ‚Play B-flat. Play. E-flat. Gimme this; gimme that.‘
    „I went through about six months of that. I said, ‚Listen, I’m going to find out the way to play the guitar where, when Coleman asks me to play E-flat or B-flat, I ain’t got none.‘ I went to sleep and I dreamt the whole tuning–the whole tuning the guitar that totally eliminated scales and chords. I woke up, took my guitar, and tuned the notes to all of the notes that I had dreamed about and started playing it. And it worked!
    „I went to show that to Coleman. I sat down and said, ‚Alright now, let’s play.‘
    „He said, ‚Play E-flat.‘
    „I said, ‚I ain’t got not E-flat.‘
    „He sait, ‚Play B-flat.‘
    „I ain’t got no B-flat! In fact, all my strings is tuned to one note. I have one note here with six strings tuned to the same sound.‘ And it got us music!“

    Ulmer erläutert dann noch, wie seine Art von „harmolodics“ völlig anders funktioniere als die von Coleman, nur „melody“ hätten sie gemeinsam. Bei Coleman gehe es um Symmetrien, bei ihm, Ulmer, um Diatonik. Ulmers Musik funktioniert mit tonalen Zentren, er bewegt sich in der „key signature“, der Haupttonleiter eines Stückes, und konzipiert seine eigenen Tunes entsprechend: „I make sure to write all my stuff in a tone center, or inside of a tonal drone.“ (Alle Zitate stammen aus den Liner Notes von Michael Jarrett, der noch ohne Not die seltsame Aussage macht, Ornettes Harmolodics-Theorie sei „the basis for most ‚free jazz'“, was ich höchst irritierend finde.)

    Die Zusammenarbeit mit dem Streichquartett funktioniert auch auf Albumlänge erstaunlich gut. Die Gitarre wabert, das Streichquartett singt mehrstimmig dazu – bis Ulmer in „Maya“ dann wirklich singt. Das Stück, das auch auf „After Dark“ zu finden ist, klingt hier wie ein Kinderlied, die Gitarre nach Americana, wahnsinnig warm und resonant, fast ein wenig nach Lagerfeuerromantik. Die Violine, die sich zur Gitarre gesellt ist wohl die von John Blake, der ja quasi als gefeaturter Gast angekündigt ist – und natürlich Erfahrungen als Improvisator hat? Jedenfalls ein echt spezielles Album voller schöner Texturen – und für mich gerade auch ein schöner Ruhepunkt zwischen dem harten Funk des MRE, mit dem es hier gleich weiter geht (zur Blues Experience komme ich dann auch, da habe ich bisher bloss ein Album). Auch wenn manches etwas brav, beschaulich geraten ist, sind die vor allem drei mehrteiligen Stücke („Arena“, „Page One“, „Black Sheep“) ziemlich toll. „Maya“ ist nach dem zweiten davon eingestreut und mit über zehn Minuten länger als die Suiten davor und danach. Als Closer gibt es dann noch eine ebenfalls recht lange Version von „Theme from Captain Black“, das dem Album noch ein paar Momente der Freiheit und Komplexität beschert, die davor eher fehlen.

    (Der Post von vorgarten zum Album ist hier.)

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    #12343125  | PERMALINK

    vorgarten

    Registriert seit: 07.10.2007

    Beiträge: 12,715

    es macht großen spaß, eure texte zu lesen!

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    #12343141  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Music Revelation Ensemble – In the Name Of | Auf seinen letzten drei Alben ist das MRE als Trio mit Gästen unterwegs: Ulmer (g), Ali (elb) und Cornell W. Rochester (d) begrüssen hier je dreimal Sam Rivers (ss, ts, fl – je einmal) bzw. Arthur Blythe (as) und einmal Hamiet Bluiett (bari). Wieder sieben Stücke also, auf jedem ein Bläser dabei, und wieder alles von Ulmer komponiert. Ein tighter Opener mit einem beeindruckenden Rivers am Sopran, dann eine kreisende Swing-Nummer mit Ornette-Touch und Blythe. Ali (noch mehr Slap-Bass) und Rochester sind wirklich toll, sie agieren streckenweise sehr frei und verlieren doch nie den funky Puls. Und zugleich bieten sie zusammen mit Ulmer einen irre guten Background für die Flüge der Bläser, die hier dank Rivers und Bluiett so breit aufgestellt sind, wie noch nie davor auf einem Ulmer-Album. Er selbst klingt wieder phantastisch hier (Eastside Sound, NYC, 6 & 7. Dezember 1993, Joe Ferla) und die Gäste, besonders natürlich Rivers, sorgen für viel Abwechslung – und er ist in allen seinen drei Stücken so stark, dass ich mir gleich ein, zwei ganze MRE-Alben mit ihm wünsche! Fairerweise ist aber auch Arthur Blythe spitze, sein satter Sound am Altsax ein super Pendant zu Ulmer. Und was Rivers angeht, hat vorgarten in seinem Post zum Album ja auch noch ein Set im Quartett mit diesem, Kim Clarke (elb) und Aubrey Dale (d) aus Leverkusen verlinkt, das ich die Tage auch mal noch anhören werde. Wo ich grad den Post von vorgarten verlinke und lese: „In the Name Of“ scheint mir besser zu gefallen – und am Stück durchhören kann ich das auch bestens, grad mit dem früh platzierten wunderbaren Flötenstück und dann dem After Hours Blues zum Ausklang. Finde das ein starkes Album!

    In den Liner Notes von Steven Dalachinsky (keine Ahnung, ob der japanische Text ein anderer ist oder eine Übersetzung) gibt es eine Art Gespräch mit Ulmer, in dem er das MRE und ganz allgemein sein Verständnis von Jazz, sein musikalisches Konzept erklärt:

    „Why the Music Revelation Ensemble?“

    „The purpose was in creating a sound that doesn’t inhibit. A freedom to play within Jazz. It was a job to do. To create a system where David Murray, Arthur Blythe, Julius Hemphill, Sam Rivers, Hamiet Bluiett could use their energy. They need to feel it as they play. The way that David plays … it’s the power of Coltrane, Miles, Bud Powell … that they had to play against the piano sound … didn’t make them feel like they were playing as strong. The freedom of David’s playing needs another kind of outlet. A rhythm section to equalize that power so that they can feel the same power that they could not feel before like Wynton Kelly behind John Coltrane … but the guitar sound, the way I designed it, allows for them to get that power so that they can play as free as they were playin‘ without concentrating on the chords and the scales. that’s why the bass is used the way it is used. That’s why you need the Fender bass. Because remember Jazz is something that has separated all the pools of music.“

    „But why specifically the electric bass?“

    „Well since Bud Powell and them there’s been rock and roll, rhythm and blues, funk and now hip hop, and all that music is electric sound … So if you want to have Jazz grow you got to incorporate all that music in to Jazz. ‚Cause remember Jazz was classical sounding, like blues and Dixieland. The whole thing made it Jazz. If you want to play Jazz you should incorporate everything. Just creating, putting the sounds that haven’t been created yet. To re-establish what Jazz is. They established what Jazz was too quick.“

    „And then they went into fusion which is not really Jazz … Right?“

    „Jazz. They tried to incorporate the element of jazz too quick and that’s why they ended up with fusion. They knew the blueprint and developement [sic] but they didn’t know enough about the whole element … You know what I mean. They didn’t know enough about John Coltrane and Bud Powell and Dizzy and all these brothers and whatnot … so they didn’t put enough of that in there … So what I was trying to do is to create a thing that has all these basic sounds of jazz … all the chords … Major. Minor. Augmented. Diminished … I play every kind of chord you can hear under the f—in‘ sun behind the players while they’re playin‘ so as to make sure that they list every territory that was ever played by these other musicians but that also fits into their free sound. So that’s what’s behind that. I extended the musical language by adding what’s always been left out and created a group that had all the color sounds of jazz.“

    ~ Liner Notes von Steven Dalachinsky, NYC 1994

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    gypsy-tail-wind
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    vorgartenes macht großen spaß, eure texte zu lesen!

    Es macht grossen Spass, die Alben endlich mal alle konzentriert zu hören – sind zahlreiche echte Entdeckungen dabei! Danke für den Anstoss. Dass sowas bei mir gern mal länger dauert, ist hier ja bekannt ;-)

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    gypsy-tail-wind
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    vorgarten

    james blood ulmer blues experience, live at the bayerischer hof, in + out 1994, rec. 25.4.1994
    ulmer (g & voc), amin ali (eb), aubrey dayle (dm)

    hier treffen sich endlich innovative aufnahmetechnik, das richtige material, eine effiziente band und etwas magie. laut ulmer das definitve album, was seine musik angeht, auch das definitive trio (ali ist wieder dabei), ich kann dem nicht widersprechen. ohne einen zweiten, ‚richtig gestimmten‘ gitarristen liegt das ganze spotlicht auf ulmers spiel, schon im ersten stück, in dem er vor allem rhtyhmusgitarre spielt, ist das atemberaubend: welcher ton da nur angerissen wird, welcher ausschwingt, welche idee da nur angedeutet, welche durchgearbeitet wird, in wie vielen farben das klingt. jeden song hier gibt es auch in anderen aufnahmen, aber wenn man die essenz und nicht den überschuss hören will, und manchmal gehört der überschuss zur essenz, dann ist man mit diesem album richtig. einschränkung meinerseits: das durchgeknallte der frühen sachen fehlt, die jugendliche energie, und von seinem jazzmaterial ist das nicht ganz weit weg, aber mir dann doch ein bisschen zu weit. aber klar, es sind die 90er und wir sind hier in münchen.

    As far as I can recall this was my 21st recording and, to tell you the truth, I think it’s the best damn record I did up to that point because we were really making music that night. I was especially happy with the way I played. The vibes where right, the inspiration was there and it was just one of those rare nights where you can feel the electricity in the air, you are hot to play and you just sense that everything you go for you are going to achieve.

    Das hol ich dann einfach mal so nach oben – meine erste Begegnung mit der Blues Experience (da guckt Hendrix dann halt doch vorbei, auch wenn Ulmer ja stets den Einfluss verneint und Wes Montgomery nennt). Kann ich alles nachvollziehen, das Gitarrenspiel ist stellenweise wirklich atemberaubend, gerade in der wirklich tollen, sehr transparenten, aber auch schön warmen Aufnahme. Aber mit dem Gesang tu ich mich hier zum ersten Mal etwas schwerer – dieses Zitter-Vibrato, das er manchmal einstreut (besonders in „Crying“) geht irgendwie gar nicht an mich, obwohl ich sonst die Stimme durchaus attraktiv finde. Von der Gitarre her finde ich das aber wirklich umwerfend. Die Stücke ohne Gesang sind phänomenal, auch wenn Aubrey (dem ich hier zum ersten Mal begegne – die CD lief schon mal, aber nur so nebenbei, was natürlich in diesem Fall echt nicht sinnvoll ist) mit den anderen Drummern auf Ulmers Alben nicht so ganz mithalten kann. Er macht sein Ding und zusammen mit Ali ergibt das schon ein sehr stimmiges Fundament – und das ist vielleicht noch eine Aussage, wie ich „Live at Bayerischer Hof“ höre: als ein Gitarren(+Gesangs)album mit einer sehr, sehr Rhythmusgruppe. Nicht als Gruppenmusik wie bei Phalanx oder dem Music Revelation Ensemble. Anders, aber auch sehr sehr gut. Eins meiner Highlights gerade ist sicherlich „Street Bride“. Die knapp sechs Minuten sind eine ganze Welt! Weil hier Blues gespielt wird, hält Ali den Slap-Bass sehr im Zaum, aber im langen Closer, den Ulmer mit Wah-Wah-Gitarre öffnet, wird es dann doch nochmal ziemlich funky – mit Gesang, der mir auch ganz gut passt, und mit einem langen, unbegleiteten Bass-Solo von Ali.

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