Der letzte Film, den ich gesehen habe (Vol. II)

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    seenus

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    4 aventures de Reinette et Mirabelle (Éric Rohmer, 1987) * * * * 1/2

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    Tradition is one of those words conservative people use as a shortcut to thinking.
    Highlights von Rolling-Stone.de
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    #11530079  | PERMALINK

    ford-prefect
    Feeling all right in the noise and the light

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    Straight Outta Compton (2015) mit Paul Giamatti

    Erzählt von den Ursprüngen und der Gründung der harten HipHop-Kapelle N.W.A aus einem verrufenen Vorort namens Compton nahe Los Angeles und die Entstehung des gleichnamigen Hit-Albums von 1988, das maßgeblich den amerikanischen Westcoast-Gangsta-Rap prägte. Aus der Combo und ihrem Umfeld entstammen spätere Solomusiker wie Ice Cube, Dr. Dre, Eazy-E, Tupac Shakur und Plattenmogul Suge Knight. Eazy-E starb 1995 an einer Aids-Erkrankung, da der Rapper auf After-Show-Partys jahrelang leichtfertig ein Groupie nach dem anderen vernaschte, ohne sich über geschützten Verkehr Gedanken zu machen. Was der Film nebenbei schonungslos vor Augen führt.

    Würde gerne wissen, ob die Szene, in der Ice Cube aus Wut darüber, finanziell über den Tisch gezogen worden zu sein, mit Baseballschläger und Kumpels das Büro seines Plattenbosses verwüstet, authentisch ist und sich tatsächlich so zutrug. Spannend und unterhaltsames Biopic, das im Gedächtnis bleibt. Paul Giamatti spielt den ersten Manager von N.W.A, der die Gruppe groß rausbrachte. Giamatti verkörperte 2003 den Comic-Texter Harvey Pekar in dem Film „American Splendor“, einer meiner Lieblingsfilme.

    zuletzt geändert von ford-prefect

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    If you know the words please sing along
    #11531479  | PERMALINK

    motoerwolf

    Registriert seit: 25.10.2006

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    Ich komme zur Zeit überhaupt nicht mehr hinterher mit dem Schreiben auch noch so banaler und kurzer Kritiken, denn letztlich schaue ich immer noch lieber Filme als dass ich darüber schreibe. So hänge ich mit den Kritiken locker 20-30 Filme hinterher…

     

    Flucht vor dem Tode (The Cimarron Kid, Budd Boetticher, 1952)
    Ein früher Boetticher-Western, der nicht ganz die Qualität der Filme des Ranown-Zyklus erreicht, aber dennoch sehr gelungen ist. Bill Doolin a.k.a. The Cimarron Kid (Audie Murphy) ist ein soeben aus dem Kittchen entlassener Sträfling. Der Zug, mit dem er heim fährt, wird von der Dalton-Gang überfallen, und da Doolin früher Kontakt zu der Bande hatte, wird er jetzt für einen Mittäter gehalten. Aus seinem Plan von einem neuen Leben wird so nichts, letztlich bleibt ihm (gefühlt) nichts anderes übrig, als der gesellschaftlichen Meinung über ihn gerecht zu werden und sich der Gang tatsächlich anzuschließen. Schnell wird er sogar ihr Anführer. Wird er jemals wieder in ein bürgerliches Leben zurückkehren können? Boetticher erzählt die Geschichte recht flott, trotzdem bleibt die Entwicklung, die Doolin durchläuft, größtenteils nachvollziehbar und glaubhaft. Und auch wenn nicht alle Elemente der Geschichte komplett durchdacht erscheinen, punktet der Film auf der anderen Seite wieder beispielsweise mit der Darstellung seines einzigen Schwarzen, der hier kein Klischee ist und dessen Moralität auch nicht übertrieben herausgestellt wird um eine progressive Haltung zu demonstrieren. Ich gebe 7/10 Punkten.

     

    Ohne Dollar keinen Sarg (El precio de un hombre, Eugenio Martín, 1966)
    José Gómez Faradin (Tomás Milián) ist ein Verbrecher auf dem Weg ins Gefängnis. Seine gute Freundin Anna verhilft ihm während einer rast jedoch durch das Zustecken eines Revolvers zur Flucht. Letztlich war das keine gute Idee, denn Faradin ist durch und durch verdorben, ihm Gegensatz zu Anna bedeutem ihm alte Freunschaften nichts. Daher terrorisiert er mit seiner Bande bald auch sein Heimatdorf, das ihm eigentlich wohlwollend gegenüber stand. So kommt es, dass der Kopfgeldjäger Luke Chilson, der hinter Faradin her ist und im Dorf zunächst gehasst und verachtet wurde allmählich zum Helden der Dörfler wird. Bis er aber seinen Kampf gewinnen kann, muss Chilson ziemlich heftig leiden. Dieses Leiden wird recht explizit gezeigt, wodurch der Film wie so viele seines Genres bei Kritikern einen schweren Stand hatte. Selbst die aber haben zumindest zum Teil erkennt, dass Martíns Film formal großartig ist und einen starken Soundtrack hat. Von mir bekommt diese Genreperle 8/10 Punkten.

     

    Das Brandmal (Branded, Rudolph Maté, 1950)
    Choya (Alan Ladd) ist ein kleiner Gauner, der sich überreden lässt, sich bei einer reichen Familie als deren verlorener Sohn einzuschleichen. So gedenkt man, der Familie die Last des Geldes zu nehmen. Dummerweise ist die Familie aber eine richtig nette, besonders die Tochter des Hauses. Das bringt Choya in echte Nöte. Als er dann auch noch erfährt, dass der echte Sohn südlich der Grenze als Ziehsohn eines Gangsterbosses lebt, wird die Sache richtig kompliziert.
    Ich habe nie von diesem kleinen Meisterwerk gehört, bin nur zufällig auf Amazon Prime darauf gestoßen und habe den Film im Rahmen meines „Ein-Western-am-Tag-Projektes“ geschaut. Was für ein Glück! Die Besetzung spielt toll, die Kameraarbeit ist prima und auch die Geschichte ist stark. Besonders hervorheben muss man hier die zweite Hälfte des Films, wenn der tatsächliche Sohn und sein Ziehvater ins Spiel kommen. Ähnliche Konflikte hat man da schon deutlich plumper umgesetzt gesehen. Ich bin ziemlich angetan und gebe 8,5/10 Punkten.

     

    Django – Ein Silberdollar für einen Toten (L’ira di Dio, Alberto Cardone, 1967)
    Djangos bzw. eigentlich Mikes Freundin wird von sieben Männern ermordet, er selbst schwer zusammengeschlagen und das Geld, das er für den Kauf einer Farm gespart hat, immerhin 10.000 Dollar, wird ihm gestohlen. Es bleiben ihm nur sieben Silberdollar, und so begibt er sich auf einen Rachefeldzug, bei dem er jedem getöteten Schurken einen der Silberdollars als Markenzeichen hinterlässt. Der erfahrene Zuschauer ist hier ein wenig im Nachteil, denn erstens fällt ihm sofort auf, dass der Film einen großen Fehler enthält (keiner der Schurken erkennt Mike, wenn dieser zur Abrechnung erscheint) und außerdem ist es für ihn keine große Überraschung, wer sich am Ende als der Auftraggeber der Schurken herausstellt. Ein Totalausfall ist das Werk nicht, aber leicht unter dem Durchschnitt liegt er schon. Daher nur 4/10 Punkten von mir.

    zuletzt geändert von motoerwolf

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    And all the pigeons adore me and peck at my feet Oh the fame, the fame, the fame
    #11531493  | PERMALINK

    ford-prefect
    Feeling all right in the noise and the light

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    motoerwolfIch komme zur Zeit überhaupt nicht mehr hinterher mit dem Schreiben auch noch so banaler und kurzer Kritiken, denn letztlich schaue ich immer noch lieber Filme als dass ich darüber schreibe. So hänge ich mit den Kritiken locker 20-30 Filme hinterher…

    Geht mir genauso. 30 Filme sind es aber bei mir nicht, gewaltige Zahl.

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    If you know the words please sing along
    #11531495  | PERMALINK

    ford-prefect
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    motoerwolfDjango – Ein Silberdollar für einen Toten (L’ira di Dio, Alberto Cardone, 1967)
    Djangos bzw. eigentlich Mikes Freundin wird von sieben Männern ermordet, er selbst schwer zusammengeschlagen und das Geld, das er für den Kauf einer Farm gespart hat, immerhin 10.000 Dollar, wird ihm gestohlen. Es bleiben ihm nur sieben Silberdollar, und so begibt er sich auf einen Rachefeldzug, bei dem er jedem getöteten Schurken einen der Silberdollars als Markenzeichen hinterlässt. Der erfahrene Zuschauer ist hier ein wenig im Nachteil, denn erstens fällt ihm sofort auf, dass der Film einen großen Fehler enthält (keiner der Schurken erkennt Mike, wenn dieser zur Abrechnung erscheint) und außerdem ist es für ihn keine große Überraschung, wer sich am Ende als der Auftraggeber der Schurken herausstellt. Ein Totalausfall ist das Werk nicht, aber leicht unter dem Durchschnitt liegt er schon. Daher nur 4/10 Punkten von mir.

    Da steht die Zahl 7 wohl für die sieben Todsünden … wie im Roman „Das Parfum“ von Patrick Süskind oder im Film „Sieben“ mit Brad Pitt und Morgan Freeman.

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    If you know the words please sing along
    #11531599  | PERMALINK

    motoerwolf

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    ford-prefect

    motoerwolfDjango – Ein Silberdollar für einen Toten (L’ira di Dio, Alberto Cardone, 1967)
    Djangos bzw. eigentlich Mikes Freundin wird von sieben Männern ermordet, er selbst schwer zusammengeschlagen und das Geld, das er für den Kauf einer Farm gespart hat, immerhin 10.000 Dollar, wird ihm gestohlen. Es bleiben ihm nur sieben Silberdollar, und so begibt er sich auf einen Rachefeldzug, bei dem er jedem getöteten Schurken einen der Silberdollars als Markenzeichen hinterlässt. Der erfahrene Zuschauer ist hier ein wenig im Nachteil, denn erstens fällt ihm sofort auf, dass der Film einen großen Fehler enthält (keiner der Schurken erkennt Mike, wenn dieser zur Abrechnung erscheint) und außerdem ist es für ihn keine große Überraschung, wer sich am Ende als der Auftraggeber der Schurken herausstellt. Ein Totalausfall ist das Werk nicht, aber leicht unter dem Durchschnitt liegt er schon. Daher nur 4/10 Punkten von mir.

    Da steht die Zahl 7 wohl für die sieben Todsünden … wie im Roman „Das Parfum“ von Patrick Süskind oder im Film „Sieben“ mit Brad Pitt und Morgan Freeman.

    Ich glaube, das wäre überinterpretiert.

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    #11531601  | PERMALINK

    motoerwolf

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    ford-prefect

    motoerwolfIch komme zur Zeit überhaupt nicht mehr hinterher mit dem Schreiben auch noch so banaler und kurzer Kritiken, denn letztlich schaue ich immer noch lieber Filme als dass ich darüber schreibe. So hänge ich mit den Kritiken locker 20-30 Filme hinterher…

    Geht mir genauso. 30 Filme sind es aber bei mir nicht, gewaltige Zahl.

    Allein von den seit dem 30.6. im Kino gesehenen zehn Filmen habe ich noch keinen hier genannt. Der zehnte war heute um 17:30 Uhr Bad Luck Banging or Loony Porn, jetzt folgt mit Minari der elfte.

    zuletzt geändert von motoerwolf

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    #11531603  | PERMALINK

    plattensammler
    Dabble In Om - More Oomph! Charmebolzen

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    Die Vögel (1962) von Hitchcock. Habe ich seit Jahren (Jahrzehnten?) nicht mehr gesehen. Immer noch ein unglaublich guter Film.

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    My V is for Vendetta Thought that I'd feel better But now I got a bellyache
    #11531637  | PERMALINK

    ford-prefect
    Feeling all right in the noise and the light

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    motoerwolf

    ford-prefect

    motoerwolfDjango – Ein Silberdollar für einen Toten (L’ira di Dio, Alberto Cardone, 1967)
    Djangos bzw. eigentlich Mikes Freundin wird von sieben Männern ermordet, er selbst schwer zusammengeschlagen und das Geld, das er für den Kauf einer Farm gespart hat, immerhin 10.000 Dollar, wird ihm gestohlen. Es bleiben ihm nur sieben Silberdollar, und so begibt er sich auf einen Rachefeldzug, bei dem er jedem getöteten Schurken einen der Silberdollars als Markenzeichen hinterlässt. Der erfahrene Zuschauer ist hier ein wenig im Nachteil, denn erstens fällt ihm sofort auf, dass der Film einen großen Fehler enthält (keiner der Schurken erkennt Mike, wenn dieser zur Abrechnung erscheint) und außerdem ist es für ihn keine große Überraschung, wer sich am Ende als der Auftraggeber der Schurken herausstellt. Ein Totalausfall ist das Werk nicht, aber leicht unter dem Durchschnitt liegt er schon. Daher nur 4/10 Punkten von mir.

    Da steht die Zahl 7 wohl für die sieben Todsünden … wie im Roman „Das Parfum“ von Patrick Süskind oder im Film „Sieben“ mit Brad Pitt und Morgan Freeman.

    Ich glaube, das wäre überinterpretiert.

    Hätte ich den Film bereits damals 1998 gekannt, als wir Das Parfum im Deutschunterricht lasen und andere literarische und filmische Werke suchten, in denen die Zahl 7 eine dominante Rolle spielt, hätte ich den nennen können … und bei meiner Lehrerin glänzen.

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    #11531791  | PERMALINK

    motoerwolf

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    ford-prefect

    motoerwolfIch komme zur Zeit überhaupt nicht mehr hinterher mit dem Schreiben auch noch so banaler und kurzer Kritiken, denn letztlich schaue ich immer noch lieber Filme als dass ich darüber schreibe. So hänge ich mit den Kritiken locker 20-30 Filme hinterher…

    Geht mir genauso. 30 Filme sind es aber bei mir nicht, gewaltige Zahl.

    Gerade mal gezählt, es sind tatsächlich 39…

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    #11531801  | PERMALINK

    stormy-monday
    verdreckter Hilfssheriff

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    Boah! Wo Ihr immer die Zeit hernehmt. Serien gucken, 39! Filme, auch im Kino. Heftig. Ich bin froh, wenn ich auf 15 Filme im Kino im Jahr komme.
    Aber okay, Ihr nehmt Euch die Zeit. Schön.

    Ach so. Danke für die Rezis hier. Ein Lesevergnügen.

    zuletzt geändert von stormy-monday

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    Hey! Ho! Let's GO!!!!!!
    #11531867  | PERMALINK

    kurganrs

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    motoerwolf

    ford-prefect

    motoerwolfIch komme zur Zeit überhaupt nicht mehr hinterher mit dem Schreiben auch noch so banaler und kurzer Kritiken, denn letztlich schaue ich immer noch lieber Filme als dass ich darüber schreibe. So hänge ich mit den Kritiken locker 20-30 Filme hinterher…

    Geht mir genauso. 30 Filme sind es aber bei mir nicht, gewaltige Zahl.

    Gerade mal gezählt, es sind tatsächlich 39…

    @motoerwolf:good:
    Jede Deiner Rezensionen lese ich gerne. Ich freue mich auf Deine nächsten Texte.  :bye:

    #11532157  | PERMALINK

    motoerwolf

    Registriert seit: 25.10.2006

    Beiträge: 5,256

    So, hier sind schon mal Eindrücke zu dreien der letzten Kinofilme, die ich gesehen habe.

     

    Fast & Furious 9 (F9, Justin Lin, 2021)

    In meinen Augen ist das der bisher schlechteste Film der Reihe. Ich bin ja im Prinzip ein eher wohlwollender Kinogänger / Filmegucker, aber hier ist erstens langsam die Luft raus und zweitens sind bei F9 einige Sequenzen so übertrieben, dass sie selbst mir zu blöd sind (z.B. das Fahren über eine einstürzende Hängebrücke, später das Schwingen eines Autos mittels eines Trägerseils dieser Brücke über den Abgrund, siehe Trailer). Wenn das die Qualitätssicherung sein soll, die man sich von Lins Rückkehr auf den Regiestuhl versprach möchte ich nicht wissen, wie der Film ohne ihn ausgesehen hätte. Zwar gibt es auch ein paar ganz nette Szenen, aber die sind relativ rar. Am besten gefällt mir da noch, dass Brian (Paul Walker) noch immer in den Film integriert wird. Für mehr als 5/10 Punkten reicht das aber nicht, und schon die könnten unter Umständen zu hoch gegriffen sein. Allerdings könnte umgekehrt mein Eindruck auch etwas zu negativ sein, weil ich nie ein schlimmeres Publikum als in diesem Film erlebt habe. Dummes Gelaber ohne den Versuch, ein wenig Rücksicht zu nehmen, entsetzlich lautes Popcorn und Nachos, ständige Toilettengänge und haufenweise Menschen, die dauernd auf ihr Handy glotzen verderben natürlich jeden Film.

     

    Monster Hunter (Monster Hunter, Paul W.S. Anderson, 2020)

    Der Film ist laut, schnell, ohne Verschnaufpause und voll auf die Zwölf. Natürlich ist er auch dumm und belanglos, allein, das ist völlig egal. Wer hier Arthouse erwartet hat selbst schuld. Die Handlung ist mit dem Satz Menschen kämpfen gegen Monster erschöpfend erklärt. Die Umsetzung ist aber wirklich klasse, und es macht (nachdem das Hirn ausgeschaltet ist) einfach Spaß, diesen schörkellosen Actionkracher anzusehen. In diesem Sinne gebe ich die volle Punktzahl von 10/10. Das heißt, der Film leistet genau das, was er verspricht, verdammt solide und spaßige Unterhaltung. Die Punkte sollen ausdrücklich nicht bedeuten, dass hier ein ewiger Klassiker geboten wird, der neue und tiefe Erkenntnisse über das Leben, das Universum und den ganzen Rest bietet.

     

    Bad Luck Banging or Loony Porn (Babardeală cu bucluc sau porno balamuc, Radu Jude, 2021)

    BLBOLP will dagegen genau das, uns das Leben erklären. Dazu bedient sich Jude ungewöhnlicher Mittel. Am Anfang des Films steht der Hardcoreporno, den der Titel verheißt. Den hat die Lehrerin Emilia „Emi“ Cilibiu mit ihrem Mann für private Zwecke gedreht, doch dummerweise ist er auf PornHub gelandet und wurde von Emis SchülerInnen gesehen. Daher muss Emi nach dem dem Vorspann in Teil 1 des Films („Einbahnstraße“) durch Bukarest zu ihrer Vorgesetzten, der Rektorin, laufen. Im Grunde passiert hier weiter nichts, sie begegnet ein paar Menschen (Blumenhändlern, Falschparkern usw) und läuft und läuft. Die Kamera schweift dabei immer mal wieder von Emi ab um zum Beispiel die Fassaden von Ruinen gleichsam abzutasten, wenn Emi an ihnen vorbei läuft. Wirkliche Handlung gibt es erst, als sie bei der Rektorin eintrifft, aber viel passiert auch hier nicht. Es wird lediglich besprochen, dass bezüglich des Skandals ein Elternabend einberufen wurde. Trotz Corona übrigens, der Film setzt nämlich der Pandemie geradezu ein Denkmal. Masken überall, sowie Gespräche über Corona und die Coronadiktatur am Rande verorten den Film zeitlich sehr genau im Hier und Jetzt. Es folgt „Teil 2: Kurzes Wörterbuch der Anekdoten, Zeichen und Wunder“, ca 40 Minuten ohne jede Handlung. Es werden Begriffe genannt und oft sehr zynisch erläutert, von Blowjob über Vergewaltigung, oft mit Bezug zur Rumänischen Vergangenheit und Gegenwart. Dazu gibt es Archivbilder genauso wie extra gedrehtes Material zu sehen. Bilder von Kriegsopfern und Fotzen (sic!) wechseln sich ab, Betrachtungen über Nationalismus oder die Analogie zwischen Kino und der Sage um Perseus und die Medusa stehen gleichberechtigt neben einem gespielten Blondinenwitz. „Teil 3: Praxis und Anspielungen (Sitcom)“ schließlich zeigt den Elternabend, der ein Tribunal über Emi wird. Noch einmal zeigt Jude uns sämtliche widerwärtigen Fratzen der Moderne, Militarismus, Nationalismus, Antisemitismus, Heuchelei, Wichtigtuerei, you name it. So wie der Film drei Teile hat, hat er auch drei Enden. Einen Freispruch, einen Schuldspruch und einen Schuldspruch, in dessen Folge Emi zu Wonder Woman wird, mit einem Netz alle Eltern fängt und sie dann mit einen großen Dildo oral penetriert. Mit klassischem Kino hat das zwischendurch wenig zu tun, hier wird mit den Mitteln der Satire und der Groteske eher ein filmisches Essay zur Lage der (nicht nur rumänischen) Menschheit geliefert. Jude geht hier nicht ein Problem an, sondern alle. Das ist viel gewollt, aber überraschenderweise ist auch viel gelungen, wenn man denn bereit ist, sich darauf einzulassen. Das werden viele nicht sein. Als der Film losging, waren mit mir sechs Menschen im Kino, doch die ersten gingen noch vor dem Vorspann (während des Pornos), der Rest nach ca einer halben Stunde. Eine Wertung mag ich hier nicht geben, aber wer abseitiges Kino verträgt, dem möchte ich eine Empfehlung aussprechen.

     

    PS: Danke für den immer wieder erfolgenden Zuspruch, den ich hier bekomme!

    zuletzt geändert von motoerwolf

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    #11532981  | PERMALINK

    cleetus

    Registriert seit: 29.06.2006

    Beiträge: 16,012

    Fear Street 1994, 1978 und 1666 – Splattertrilogie, die dramaturgisch eigentlich für 16jährige inszeniert wurde, aber das Gegenteil von jugendfrei ist. Da wird schon mal genüßlich draufgehalten, wenn die Axt ein-, zwei-, drei- und ein viertes Mal schwungvoll in den Teenie-Brustkorb reinflatscht, überhaupt hat der Sounddesigner große Ambitionen bewiesen, das ganze Geflutsche, Geskwische und Gehacke prägnant wiederzugeben. Fans von Sabrina und Stranger Things könnten mal ein Auge riskieren, ich wurde ganz annehmbar unterhalten. 6/10

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    Don't be fooled by the rocks that I got - I'm still, I'm still Jenny from the block
    #11533565  | PERMALINK

    motoerwolf

    Registriert seit: 25.10.2006

    Beiträge: 5,256

    James Bond 007 – Lizenz zum Töten (Licence to Kill, John Glen, 1989)
    Für mich etwas überraschend habe ich hier in gewisser Hinsicht den besten Bondfilm überhaupt gesehen. Was daran liegt, dass er weniger bondartig ist als alles davor und das meiste danach. Endlich einmal gibt es einen Plot, der nicht wie die Erwachsenenversion eines Micky Maus-Comics wirkt. Drogen bzw. das damit zu verdienende Geld reichen als Motivation für Schurken völlig aus, der Wunsch nach Rache für seine Freunde macht Bond fast schon zu einem Menschen, während er sonst ja eher eiskalt dargestellt wird (diesbezüglich freue ich mich schon auf Im Geheimdienst Ihrer Majestät, den ich gleich zum ersten Mal sehen werde). Dalton und seine Bondbeiträge scheinen mir reichlich unterschätzt. Ich gebe hier 6,5/10 Punkten mit Tendenz zu 7.

    Django – Unerbittlich bis zum Tod (Il mio nome è Mallory… “M” come morte, Mario Moroni, 1971)
    Als Rachewestern ist dieser Beitrag ziemlich belanglos. Robert Woods Darstellung des Django (bzw. Mallory) ist eher fad und nicht besonders glaubwürdig und auch der Rest eigentlich keiner Erwähnung wert. Wäre da nicht die deutsche Tonspur. Die muss man gehört haben, um zu glauben, was alles möglich ist in diesem Metier. Dabei sind es nicht unbedingt die Sätze als solche, die verstörend wirken, sondern ihr Vortrag. Da sprechen die Kinder in der Blümchengruppe des KiGa in Hintertupfingen glaubhafter. Im Original braucht den Film kein Mensch, auf Deutsch wäre er ein sehr guter Teil der SchleFaZ-Reihe. Schaut man ihn unter der Prämisse, macht er sogar irgendwie Spaß. Realistisch betrachtet kann ich aber nur 1,5/10 Punkten geben.

    The Final Girls (The Final Girls, Todd Strauss-Schulson, 2015)
    Eine gelungene Horrorkomödie um eine Gruppe junger Erwachsener, die in einem Slasherfilm landen, in dem die verstorbene Mutter der Protagonistin mitspielt. Hier stimmt einfach alles, der Film hat Charme, Witz, gute Ideen, die Schauspieler leisten gute Arbeit, die Technik ebenso. Durch die Prämisse der Story wird der Film auf eine Metaebene gehoben, weswegen gerade Fans des Genres ihren besonderen Spaß an dem Film haben dürften. Das ist zwar nicht der erste Metaslasherfilm, aber ein sehr gelungener, denn seine Figuren und deren Schicksale gehen dem Zuschauer näher, als das im Genre normal ist. Bitte nicht mit Final Girl aus dem gleichen Jahr verwechseln, einem völlig anderen und deutlich schwächeren Genrebeitrag. 8,5/10 Punkten ist mir das wert.

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    And all the pigeons adore me and peck at my feet Oh the fame, the fame, the fame
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