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soulpope "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"Registriert seit: 02.12.2013
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Ray Bryant „Manteca“ (Pablo Records) 1976 … der Pianist, George Duvivier (b) und Grady Tate (dr) tanzen höllisch ab … aber welches der drei Pablo Alben in die Liste ergo Qual(ität) der Wahl ….
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Chick Corea / David Holland / Barry Altschul – A.R.C. | Meine zweite Runde mit Corea in diesem Faden – 11. bis 13. Januar 1971 im Tonstudio Bauer für ECM, natürlich mit einer hervorragenden Formation, die mit Anthony Braxton dazu auch als Circle unterwegs war. Den ganzen Komplex von Aufnahmen ab „The Song of Singing“ schneide ich jetzt zum dritten mal hier im Forum an (und so manche Aufnahme habe ich doppelt, das geht schon los mit „Tones for Joan’s Bones“ und „Inner Space“, danach mit „The Song of Singing“, „Circulus“ und „Circling In“, wo auch nochmal Aufnahmen von den „Now He Sings…“-Sessions dabei sind, manches hab ich zudem auf LP und CD … ein grosses Durcheinander, in dem ich nicht schlau eingekauft habe). Bei der Blue Note- und der ECM-Strecke gehörten jeweils gewisse der Aufnahmen zu meinen Neuentdeckungen, jetzt ist es ein Wiederhören über die Labelgrenzen hinaus (wobei ich Blue Note weglasse). A.R.C. ist ein so gleichberechtigtes Trio, wie es bis dahin echt selten ist – auch nicht bei Howard Riley. Am ehesten vielleicht noch bei Paul Bley – aber hier ist das wieder anders, Holland und Altschul nehmen von Beginn an selbstverständlich prägende Rollen ein, sind nicht einfach Teil des im gemeinsamen Interplay erarbeiteten Ganzen sondern quasi von Beginn schon Ganze dabei. Drei Ganze, die sich ergänzen, umkreisen, belauern. Nicht jedes Stück funktioniert dabei gleich gut, aber das das Ergebnis kann sich sehen lassen.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tbaredbeansandrice
gypsy-tail-windOh, ich lass die anderen bloss aus Zeitgründen weg – und weil die eh alle nicht in meine Top 20 gehören. Welche ich wie gut fand, weiss ich nicht genau, aber in der Erinnerung ist „Voices“ am stärksten.
In meiner Top20 wird es voraussichtlich viermal Kikuchi geben, Poesy, Sunrise und die beiden Tethered Moon Alben, die vorgarten oben gepostet hatte … Aber natürlich ist, genau wie bei Hawes, die Frage, wie groß die Spitzengruppe sein darf, und was sonst noch in die Liste muss…
Die ewigen Fragen bei solchen Listen
Ich glaub, meine wird die klassischste hier, weil bei so manchem (inkl. Tethered Moon) keine langjährigen oder klar etablierten Favoriten vorhanden sind. Es ist so oder so keine leichte Aufgabe!
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Hier die nächste Runde, wieder aus London:

Howard Riley – Flight | Im März 1971 ist jetzt Tony Oxley dabei, und das merkt man schon im lärmig-stillen Opener, „Motion“ von Riley, die ganze A-Seite füllend. Der Bass kratzt und schabt (Lachenmann im Fortissimo), im Klavier werden Saiten und Objekte bewegt, und Oxley bewegt das alles mit seinen Becken, Trommeln, Glocken, Schellen, Ketten und anderen Objekten noch einmal mit, fast könnte man denken, dass hier auch noch das Studio oder ein Zuspielband mit elektronischer Musik im Spiel ist. Der Tag, den das Vorgänger-Album heraufbeschwörte, ist in der Zwischenzeit wohl gekommen, denn dazwischen fand ein Durchbruch statt in die völlig freie Musik. Gewisse Neuerungen – auch mit Strom – gab es tatsächlich, wie Riley im kurzen Kommentar zur Platte schreibt: „By incorporating new techniques into the group (Tony Oxley’s frame and amplification, and his use of knitting needles rather than drum sticks at certain points. Barry Guy’s amplifier and foot pedal) we can utilise a far wider sound spectrum. So, in the course of one improvisation, we can use instrumental sounds traditionally associated with musc, or sounds associated more with electronic music, or we can combine the two elements simultaneously. It all adds up to a broader range of feelings and ideas.“ – Riley ergänzt aber auch, dass – wie immer bei seinem Trio – keine „only in the studio“-Techniken wie Overdubs zum Einsatz gekommen seien, alles also im Augenblick vom Trio gespielt wurde. Das sprengt dann dennoch fast den Rahmen dessen, was man sich unter „Klaviertrio“ im Jazz so vorstellen mag – allerdings ist das grossartig!
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soulpope "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"Registriert seit: 02.12.2013
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Tommy Flanagan Trio „Mainstem“ (Pablo Record) 1975 …. wehe wenn sie losgelassen …. im den 70ern war das Tommy Flanagan Trio mit Keter Betts (b) und Bobby Durham (dr) die etwas schaumgebremste Kapelle von Ella Fitzgerald …. schlussendlich bei dieser Duke Ellington Komposition kommen jede Menge aufgestauter Ernergien zum Vorschein, ja es brechen förmlich die Dämme … schon guad …
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"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)tokyo recital ist eins der wenigen flannagan alben die noch vor der brust habe, ob es den favoriten von ihm noch gefählich werden kann glaub ich eher weniger, 2x flanagan wird wohl drin sein….
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Hat Zappa und Bob Marley noch live erlebt!
soulpope "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"Registriert seit: 02.12.2013
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lotterlotta tokyo recital ist eins der wenigen flannagan alben die noch vor der brust habe, ob es den favoriten von ihm noch gefählich werden kann glaub ich eher weniger, 2x flanagan wird wohl drin sein….
Bei mir ist Tommy Flanagan nur mit einer (eigentlich zwei, aus denen zu wählen wäre ..) spät70er Aufnahme noch „im Rennen“ …. na schau ma mal …. btw aber „Tokyo Recital“ hat heute deutlich dazugewonnen ….
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"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)

Ahmad Jamal – Freeflight / Outertimeinnerspace | Montreux im 17. Juni 1971 – und Jamal spricht nicht nur (wie Hawes schon mehrfach, zunächst im Stil von „gehört sich nicht“, er wolle nur Holz, dann milder und schliesslich auch mal „E-Piano stand bereit, aber genutzt hab ich’s dann doch nicht) vom Fender Rhodes sonder spielt es auch, und zwar in „Effendi“, dem Opener, den er von McCoy Tyner geborgt hat. Ein kurze Version von Hancocks „Dolphin Dance“ folgt, bevor es mit „Manhattan Reflection“ ein Original und mit „Poinciana“ zum Abschluss ein Evergreen der eigenen Karriere gibt. Claude Nobs spricht zu Beginn zwar von „ungefähr einer Stunde“, aber die Band war ins Rollen geraten und das Publikum hatte wohl auch keine Einwände, es gibt also Nachschlag, und nach den drei zehn- und elfminütigen Stücken (plus eben „Dolphin Dance“, das nicht ganz fünf dauert) gibt es auf dem zweiten Album noch zwei seitenfüllende Tracks, „Bogota“ (Richard Evans) mit knapp 16 und „Extensions“ (Jamal) mit fast 20 Minuten. Da das Label zwischen den Alben gerade auch covertechnisch eine Grenze überschritt, gab’s fürs zweite Album direkt ein paar Wölkchen … ich vermute allerdings eher, dass die Designer high waren als das Trio, das sehr gut aufgelegt wirkt, aber auch mit Hochdruck zur Sache geht – auch im Hancock-Stück, das eigentlich gar nicht zu erkennen ist, erst nach zwei Minuten taucht etwas unmotiviert und unschön gespielt die Melodie auf. Jamal verwurstet das Mood-Piece in eine schweisstreibende Hochleistungsperformance. Dass die Alben der Abfolge des Konzerts entsprechen glaube ich nicht, da ist zu viel Applaus an seltsamen Orten zwischendurch und es gibt auch die eine oder andere Zwischenansage an den Übergängen zwischen den Stücken, wie es sie eher gegen Ende eines Sets gibt (vielleicht war „Dolphin Dance“ die kurze Zugabe nach dem schon fast 70 Minuten lange Set?), und die Hauptansage wurde fürs zweite Album einfach nochmal verwendet und mit der zu „Bogota“ gehörenden Jamal-Ansage montiert. „Poinciana“ ist für meine Ohren wieder mal ein Highlight – hier funktioniert die Dramaturgie und Jamil Nasser ist am Bass wirklich super – Frank Gant war aber vielleicht doch etwas high, wenn man sich sein elendes Becken auf Zwei und Vier anhört. Das gehört wie die Rim-Shots von Bobby Durham in die Kiste des Vergessens gesperrt. Ich finde das einen tollen Trip und kann mir vorstellen, wie einen das im Saal damals weggetragen hat … aber bei den Jamal-Favoriten kann es dann doch nicht ganz vorn mitspielen.
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Mal Waldron / Jimmy Woode / Pierre Favre – Black Glory
John Taylor Trio – DecipherAntipoden im Juni 1971 – ein gesetzter Favorit und ein erst in den letzten Jahren entdecktes Album. Waldron nahm in der Zeit alle paar Monate ein grossartiges Album auf und dieses erste aus München sticht dabei für meine Ohren wirklich heraus. Minimalistischer Groove-Jazz, hypnotisch, karg und doch von einer immensen Wärme. Pierre Favre hat noch nicht seine leicht schiefe späte Time entwickelt, aber es klingt dennoch die halbe Zeit so, als seien die drei alle auf einer eigenen Ebene unterwegs. Doch legt man das alles übereinander, funktioniert es natürlich perfekt und entwickelt einen widerspenstigen Sog, dem ich mich schon nach drei, vier Minuten von „Sieg Haile“, das die ganze erste Seite einnimmt, kaum entziehen kann. „La Gloire du noir“ ist vielleicht noch packender, und nach „The Call“ gibt es mit „Rock My Soul“ einen tollen Abschluss, der leider ausgeblendet wird. (Netterweise gibt es auf „Mal Waldron Plays the Blues at the Domicile“ noch einen Nachschlag, der geradeso toll ist.)
John Taylors „Decipher“ kam zwar erst 1973 heraus und in manchen Diskographien steht als Aufnahmedatum „1972/73“, aber für die CD-Ausgabe von 2017 hat Edel eine Innenhülle erstellt, auf der das Originalband der Session zu sehen ist. Da steht u.a. „Villingen“ und „21. Juni 1971“ sowie „H.G. Brunner-Schwer“ bei „Künstl. Produktionsleitung“. Nach dem dunklen Groove-Minimalismus gibt es hier einen virtuosen Flow, der Hancock, Tyner und Corea absorbiert hat. Taylor konnte sein Spiel als Hauspianist im Ronnie Scott’s verfeinern. Hier hat er Chris Laurence und Tony Levin dabei, die der Rasanz der Musik mit der nötigen Lockerheit begegnen können und stets zur Stelle sind, hinter, vor und neben dem Klavier. Wie Waldron hat auch Taylor alles Material selbst komponiert. Es ist abwechslungsreich und durchaus ansprechend, finde ich – aber das zieht doch alles so halb an mir vorbei, nicht nur heute sondern auch bei den bisherigen Anläufen. Chris Laurence am Bass gefällt mir wie immer gut (nicht, dass ich den jemals verfolgt hätte, aber er taucht schcon recht auf, von Ardley über Beckett, Coe, Dean, Guy, Skidmore, Surman bis zu Westbrook, Wheeler oder Winstone).
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soulpope "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"Registriert seit: 02.12.2013
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Al Haig „All Blues“ (Interplay) 1977 …. Al Haig nimmt in Jahr 1977 mehrmals in New York auf, diese Session am 18ten Februar @ RCA Studios …. für den Schlagzeugerpart wird hier Jimmy Wormworth aus der Versenkung geholt und den Bass übernimmt wieder Jamal Nasser …. Letzterer übernimmt ultra lässig das bekannte Intro und erhält einen langen Solospot, welcher seine Fähigkeiten unter Beweis stellt …. meine „favorisierte“ Al Haig Piano Trio Aufnahme ist schon lange in Stein gemeißelt, aber die ggstdl Produktion (mit dem Titel „Serenpidity“) passt allemal ….
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"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
Siegfried Kessler / Gus Nemeth / Stu Martin – Solaire | Noch ein Album auf dem Sommer 1971 – und was für eins! Souffle Continu hat es 2023 neu herausgebracht, da lernte ich es erst kennen. Das ist zwar dichte, rasante Musik – aber auch eine Gegenposition zur eingeschliffenen Virtuosität und dem Flow von John Taylor. Hier ruckelt und wackelt alles, auch wenn der Bass rast, die Drums Puls Spielen und das Klavier Lauf um Lauf heraushaut. Und die Atmosphäre ist so dunkelschwarz, wie es das Cover suggeriert. Gus Nemeth hatte in den USA mit Charlie Ventura aufgenommen und 1959 auch bei einem Album mitgespielt, das Bernard Peiffer (klick) in New York aufnahm, dann kam er irgendwann nach Paris, wo er ab 1971 auf Platten bei Futura/Marge, mit Steve Potts und anderen auftaucht – und wirkte an zwei Lieblingsalben mit, denen, die Hal Singer für as-shams/The Sun machte, mit und ohne Kippie Moeketsi. Stu Martin gehörte in der Zeit ebenfalls fest zur kreativen Szene in Europa – und die zwei sind im Trio mit Kessler echt perfekt, da ist ständig etwas los, die Musik ist unberechenbar, überraschend, offen, hart, düster – und manchmal fast schon bedrohlich in ihrer Kompromisslosigkeit.
Und weil ich Gus Nemeth etwas nachgestiegen bin, sehe ich, dass er 1969/70 mit Keith Jarrett unterwegs war und es wohl zahlreiche Mitschnitte gibt – mit Aldo Romano oder auch Paul Motian, davor mit Bob Ventrello, statt Nemeth war auch ach mal Haden oder Jean-François Jenny-Clark dabei, und das Set auf YT vom 18. April 1970 ist mglw. mit Haden – scheint nicht alles gesichert, aber hier gibt es ganz viele Infos:
https://www.keithjarrett.org/past-concerts/#1969
In den Zeitraum fällt der Abend, als Miles Davis mit Frau und Holland/DeJohnette Jarrett in Paris auschecken gingen und es zu einem Jam von Jarrett mit Holland/DeJohnette kam (Nov 3, 1969 beim Link).--
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Joe Haider – Katzenvilla | Oktober 1971 im Studio von Horst Jankowski in Stuttgart. Joe Haider aus München verwirklicht einen Wunsch und nimmt eine Trio-Platte auf, die beim Krautrock-Label Spiegelei erscheint. Mit sich hat er die beste (nie gewesene Mal Waldron-)Rhythmusgruppe aus der Schweiz: Isla Eckinger und Pierre Favre. Haider hat keine Eile, keinen Druck, geht mit viel Gelassenheit an die Aufgabe, und lässt den Sidemen Raum. Eckinger ist schon im Opener super, spielt ein Riff, dann auch ein tolles Solo, während Haider etwas rifft und dann auch Favre eine Art Nicht-Solo beiträgt – leider ist der Bass-Sound auch hier wieder bereits auf dem Weg in die Abgründe der Siebzigerjahre, aber zum Glück noch im Rahmen. Neun Minuten dauert der laszive Groove von „My Little Darling“, ebensolang nach dem kurzen „Fate of a Child“ (ein Riff-Stück, das eher nach Lacy als Monk klingt) das Titelstück, alles von Haider komponiert. Mit dem frei improvisierten Gemeinschaftsstück „EJP“ („Eckinger, Joe, Pierre“, nehme ich an) beginnt die kürzere zweite Seite des Albums, auf der dann noch zwei Haider-Stücke folgen: das langsame „And Now?“ und „Capricorn“, ein schneller Closer, der relativ konventionell losgeht und dann immer freier wird: das Klaviersolo löst sich quasi im Laufen auf, Favre reitet Attacken, irgednwann ist der Puls dahin, ein Schlagzeugsolo wird zum Dialog mit dem Bass. Ein echt schönes Album, das trotz klarer Inside-Orientierung von einem freien Geist durchweht wird, trotz vieler einfacher Grooves nie unterkomplex wirkt sondern im Gegenteil in seiner relativen Gradlinigkeit und Einfachheit grosse Tiefe gewinnt. Auch eine kleine Wiederentdeckung – lief schon lange nicht mehr (ich hab damals die JHM-CD-Ausgabe gekauft … 2000 erschienen, ich kenne das Album schon lange und mochte es immer schon).
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
Masahiko Sato, Peter Warren, Pierre Favre – Trinity | Mein letztes Album von heute hat @vorgarten im Enja-Faden sehr schön beschrieben – besonders: „ganz wichtig, dass die drei nicht hetzen, die stille aushalten, den schattenklängen nachhören, ohne etwas bekanntes abzurufen“ – den Aspekt mit dem nicht hetzen hörte ich gerade bei Haider sehr stark (z.B. im Vergleich mit Jamal, der in der Zeit halt konstant forciert, oder auch im Vergleich mit John Taylor) – aber während bei Haider ganz viel Erwartbares neu zusammengesetzt wird und dabei tolle, sehr frei wirkende Grooves gefunden werden, geht es hier in eine ganz andere Richtung, die fast bis zum Versiegen der Musik auf die Spitze getrieben wird. Und dann tauchen diese Effekte aus, wie aus dem Jenseits, dazu ein gestrichener Bass. Ein grossartiges, rätselhaftes Album.
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Joe Albany – Birdtown Bird: Recorded Live at the Montmartre | Nach zwei Minuten schreit schon jemand im Hintergrund eine Aufmunterung rein, einige Sekunden später Bass-Solo, bald Fours mit den Drums, in weniger als fünf Minuten haben die hier eigentlich schon alles abgehandelt – der Opener, das Titelstück von Joe Albany, ist auch gleich eins der Highlights dieses Mitschnitts voller Bebop-Melancholie aus Kopenhagen. Begleitet wird Albany (der ja nur so ein Dreiviertel-Bebopper war, aber das kümmert 1973 und in Europa nicht mehr) von Hugo Rasmussen und Hans Nymand. So fokussiert wie auf dem Opener klingt das Trio leider allerdings nicht immer auf diesem – in CD-Form – überlangen Album, das vielleicht mehr Dokument als Album ist. Dokument eines Künstlers auch, natürlich, der in seiner Zeit viel zu schlecht dokumentiert worden ist.
Auf der Platte gab es neun Stücke, den Closer, ein 5minütiges „A Night in Tunisia“ liess man für die 69minütige CD weg, schob dafür zwischen die A-Seite und den grösseren Teil der B-Seite noch drei Bonustracks ein, die zusammen auch eine LP-Seite füllen könnten („Yardbird Suite“, „All the Things You Are“, „When Lights Are Low“). Ich mag diesen Mitschnitt ganz gerne, aber im Kontext hier fällt er – wie so einiges, was ab dem Moment in Europa oder auch für japanische Label (in Japan oder wenn die nach New York reisten, um Alben zu produzieren) ziemlich heraus. Solche Dokumente von älteren Leuten, die sich gar nicht erst bemühen, Anschluss zu finden, gibt es ab dem Dreh rum immer zahlreicher – das Revival der Achtziger hatte halt auch seine Vorboten. Und auch wenn vielleicht am Abend davor Hampton Hawes am selben Ort spielte (dessen Kopenhagener-Aufnahmen lasse ich gerade aus, aber auch weil ich gestern die noch fehlende CD, „Blues for Bud“, endlich mal bestellt habe) oder wenn Jamal in Montreux das Fender Rhodes auf die Bühne karren liess, scherte das Albany vermutlich überhaupt nicht. Aber gut, gute Musik hat kein Ablaufdatum und es gibt keine Pflicht, am Puls der Zeit zu bleiben. Albany hat in seinem Idiom einiges zu sagen und das macht auch wirklich Spass, aber geht halt im aktuellen Kontext schon ein wenig unter.
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Beck / Mathewson / Humair – Jazz Trio | Fontana Studios, Mailand, Januar 1972 – Gordon Beck, Ron Mathewson und Daniel Humair, das „Jazz Trio“, damals beim Label Dire erschienen. Da braucht es keine Präliminarien, keine hübschen Tunes, das Trio ist schnell drin in der „Suite No. 5“ von Beck, die auf der ersten Plattenseite zu finden ist, dreiteilig und knapp 19 Minuten lang. Die B-Seite enthält das zweiteilige „All in the Morning“, 17 Minuten lang und vom Trio gemeinsam erarbeitet. Das Trio war zu der Zeit die „European Rhythm Machine“ (Beck hatte schon 1970 oder so George Gruntz abgelöst, Mathewson kam wohl 1971 oder 1972 für Henri Texier, er ist nur auf dem letzten Album der Gruppe vom Montreux Jazz Festival 1972). Die waren also bestens eingespielt, gehen hier aber andere, viel freiere Wege. Die Musik bleibt allerdings sehr zugänglich und auch sehr zupackend. Das Album gefällt mir ausgezeichnet – wenn ich die Musik kontextualisieren müsste, würde ich es mal so versuchen: Das Trio findet einen Mittelweg zwischen Kessler (minus die Dunkelheit), Taylor (minus die Evans-Stimmungen) und Haider (minus die Groove-lastigkeit) – und nimmt dann doch von allem etwas zurück und baut draus etwas Eigenes. Das steht irgendwo in der neuen Tradition, die auf Tyner, Hancock und Corea aufbaut, hat keine Berührungsängste zur Avantgarde, weiss aber auch, wie toll eine swingende Combo sein kann.
Das war glaub ich mal eine Empfehlung von @soulpope, über die ich sehr froh bin. Kann man hier streamen und auch nach wie vor kaufen (CD-Reissue von 2005):
https://gordonbeck.bandcamp.com/album/jazz-trio-with-ron-mathewson-daniel-humair--
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Elvin Jones / Masabumi Kikuchi – Hollow Out | Das Duo, das in Wahrheit ein Trio ist – der Name von Gene Perla durfte nicht mit aufs Cover. Er war der Bassist bei der Session am 25. November 1972, die zwar in New York stattfand, aber für die japanische Philips. Ein sehr lebendiges Trio mit den flächigen Drums von Jones, dem herumgrummelnden Bass von Perla (der Sound wird in der Zeit wirklich fast von Monat zu Monat schlechter, dünkt mich) und den stotternden, arpeggierenden Einwürfen von Kikuchi am Klavier. @vorgarten schreibt, wie der hier eher Corea als Tyner höre – dem schliesse ich mich an, ich höre hier tatsächlich auch eine Nähe zum Trio A.R.C., auch wenn Jones nicht so frei aufspielt wie Altschul oder zumindest nicht annähernd so agil, und auch wenn Perla nicht über die Autorität von Holland verfügt, Kikuchi nicht die blitzschnellen Richtungswechsel von Corea pflegt: im Klang-Gewand, in der offenen Konzeption, der Anlage des Materials, wirkt das nicht unähnlich auf mich. Nach dem freien „Ginkai“, das Jones an den Trommeln beendet, ist „Little Abi“ – auf der LP am Anfang der B-Seite – wieder dabei und wird tatsächlich zum heimlichen Kern des Albums. Jones an den Besen, Perla bleibt mehrheitlich ganz in der Tiefe und da klingt sein Bass nicht so schlecht. Auch das hab ich lange nicht angehört, ein Lieblingsalbum ist es nicht, aber schon sehr schön.
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Schlagwörter: Jazz, Piano, Piano Trio
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