Startseite › Foren › Über Bands, Solokünstler und Genres › Eine Frage des Stils › Blue Note – das Jazzforum › Das Piano-Trio im Jazz › Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz


Joe Albany – Birdtown Bird: Recorded Live at the Montmartre | Nach zwei Minuten schreit schon jemand im Hintergrund eine Aufmunterung rein, einige Sekunden später Bass-Solo, bald Fours mit den Drums, in weniger als fünf Minuten haben die hier eigentlich schon alles abgehandelt – der Opener, das Titelstück von Joe Albany, ist auch gleich eins der Highlights dieses Mitschnitts voller Bebop-Melancholie aus Kopenhagen. Begleitet wird Albany (der ja nur so ein Dreiviertel-Bebopper war, aber das kümmert 1973 und in Europa nicht mehr) von Hugo Rasmussen und Hans Nymand. So fokussiert wie auf dem Opener klingt das Trio leider allerdings nicht immer auf diesem – in CD-Form – überlangen Album, das vielleicht mehr Dokument als Album ist. Dokument eines Künstlers auch, natürlich, der in seiner Zeit viel zu schlecht dokumentiert worden ist.
Auf der Platte gab es neun Stücke, den Closer, ein 5minütiges „A Night in Tunisia“ liess man für die 69minütige CD weg, schob dafür zwischen die A-Seite und den grösseren Teil der B-Seite noch drei Bonustracks ein, die zusammen auch eine LP-Seite füllen könnten („Yardbird Suite“, „All the Things You Are“, „When Lights Are Low“). Ich mag diesen Mitschnitt ganz gerne, aber im Kontext hier fällt er – wie so einiges, was ab dem Moment in Europa oder auch für japanische Label (in Japan oder wenn die nach New York reisten, um Alben zu produzieren) ziemlich heraus. Solche Dokumente von älteren Leuten, die sich gar nicht erst bemühen, Anschluss zu finden, gibt es ab dem Dreh rum immer zahlreicher – das Revival der Achtziger hatte halt auch seine Vorboten. Und auch wenn vielleicht am Abend davor Hampton Hawes am selben Ort spielte (dessen Kopenhagener-Aufnahmen lasse ich gerade aus, aber auch weil ich gestern die noch fehlende CD, „Blues for Bud“, endlich mal bestellt habe) oder wenn Jamal in Montreux das Fender Rhodes auf die Bühne karren liess, scherte das Albany vermutlich überhaupt nicht. Aber gut, gute Musik hat kein Ablaufdatum und es gibt keine Pflicht, am Puls der Zeit zu bleiben. Albany hat in seinem Idiom einiges zu sagen und das macht auch wirklich Spass, aber geht halt im aktuellen Kontext schon ein wenig unter.
--
"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba