Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz

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Mal Waldron / Jimmy Woode / Pierre Favre – Black Glory
John Taylor Trio – Decipher

Antipoden im Juni 1971 – ein gesetzter Favorit und ein erst in den letzten Jahren entdecktes Album. Waldron nahm in der Zeit alle paar Monate ein grossartiges Album auf und dieses erste aus München sticht dabei für meine Ohren wirklich heraus. Minimalistischer Groove-Jazz, hypnotisch, karg und doch von einer immensen Wärme. Pierre Favre hat noch nicht seine leicht schiefe späte Time entwickelt, aber es klingt dennoch die halbe Zeit so, als seien die drei alle auf einer eigenen Ebene unterwegs. Doch legt man das alles übereinander, funktioniert es natürlich perfekt und entwickelt einen widerspenstigen Sog, dem ich mich schon nach drei, vier Minuten von „Sieg Haile“, das die ganze erste Seite einnimmt, kaum entziehen kann. „La Gloire du noir“ ist vielleicht noch packender, und nach „The Call“ gibt es mit „Rock My Soul“ einen tollen Abschluss, der leider ausgeblendet wird. (Netterweise gibt es auf „Mal Waldron Plays the Blues at the Domicile“ noch einen Nachschlag, der geradeso toll ist.)

John Taylors „Decipher“ kam zwar erst 1973 heraus und in manchen Diskographien steht als Aufnahmedatum „1972/73“, aber für die CD-Ausgabe von 2017 hat Edel eine Innenhülle erstellt, auf der das Originalband der Session zu sehen ist. Da steht u.a. „Villingen“ und „21. Juni 1971“ sowie „H.G. Brunner-Schwer“ bei „Künstl. Produktionsleitung“. Nach dem dunklen Groove-Minimalismus gibt es hier einen virtuosen Flow, der Hancock, Tyner und Corea absorbiert hat. Taylor konnte sein Spiel als Hauspianist im Ronnie Scott’s verfeinern. Hier hat er Chris Laurence und Tony Levin dabei, die der Rasanz der Musik mit der nötigen Lockerheit begegnen können und stets zur Stelle sind, hinter, vor und neben dem Klavier. Wie Waldron hat auch Taylor alles Material selbst komponiert. Es ist abwechslungsreich und durchaus ansprechend, finde ich – aber das zieht doch alles so halb an mir vorbei, nicht nur heute sondern auch bei den bisherigen Anläufen. Chris Laurence am Bass gefällt mir wie immer gut (nicht, dass ich den jemals verfolgt hätte, aber er taucht schcon recht auf, von Ardley über Beckett, Coe, Dean, Guy, Skidmore, Surman bis zu Westbrook, Wheeler oder Winstone).

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