Clark Terry

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    gypsy-tail-wind
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    katharsisWieder eines derjenigen (Impulse)Alben, welches ich noch nie gesehen habe.

    Gesehen hab ich das auch noch nie… das Netz macht’s möglich… wunderbares Album!

    katharsisDie Vibraphonisten verdienen übrigens auch mal einen eigenen Thread, nicht zuletzt da ich im Laufe der Zeit herausgefunden habe, dass es doch etliche mehr gibt, außer Bobby Hutcherson! :lol:
    Im übrigen gibt es wohl kein anderes Musikinstrument, bei dem die Spieler so permanent mitsummen, wie das Vibraphon. Dickerson, Charles, Pike…jedesmal fällt mir das auf!

    Oh ja, besonders Milt Jackson! Und Terry Gibbs!
    Aber auch Lionel Hampton, Red Norvo…
    Soll ich mal den Berendt hervorkramen und einen Thread mit Liste am Anfang starten?

    Was das mitsummen betrifft, bei Dickerson oder Charles ist mir das nie ähnlich negativ aufgefallen wie bei Pike.

    --

    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #136: We Jazz Records 2022, 13.12., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #7: tba | No Problem Saloon, #30: tba
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    #7860167  | PERMALINK

    katharsis

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    gypsy tail windOh ja, besonders Milt Jackson! Und Terry Gibbs!
    Aber auch Lionel Hampton, Red Norvo…
    Soll ich mal den Berendt hervorkramen und einen Thread mit Liste am Anfang starten?

    Was das mitsummen betrifft, bei Dickerson oder Charles ist mir das nie ähnlich negativ aufgefallen wie bei Pike.

    Ich meinte das auch nicht unbedingt störend, manchmal ist das einfach nur komisch. Wenn ich aber an Pike denke, dann hast Du schon recht. „In a sentimental mood“ auf „Pike’s Peak“ bspw.!

    Starte doch einen eigenen Thread, gerne auch mit Lieblingsalben. Ich steige da gerne ein (auch in den Candid-Thread).

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    "There is a wealth of musical richness in the air if we will only pay attention." Grachan Moncur III
    #7860169  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    1975 trat Clark Terry mit Jazz at the Philharmonic in Montreux auf. Die Band bestand aus Terry und Roy Eldridge (t), Benny Carter (as), Zoot Sims (ts), Joe Pass (g), Tommy Flanagan (p), Keter Betts (b) und Bobby Durham (d).
    Terry eröffnet die Solos auf „For You“, gefolgt von Sims. Sehr schön, wie Joe Pass begleitet, mit funky Licks oder weichen Akkorden, die er einstreut. Sims klingt muskulös, Durham begleitet ihn aktiv, verfällt hinter Eldridge dann in seine typischen (und auf die Dauer ermüdenden) Rim-Shot-Muster… das macht Pass aber locker wett! Nach Carter folgt Pass dann auch mit einem schönen Solo – sein Ton gefällt mir ausserordentlich gut, ist hier allerdings in der „heissen“ Live-Atmosphäre nicht perfekt eingefangen. Zuletzt folgt Flanagan, hinter sich die gewohnte Rhythmusgruppe des Trios, das lange Zeit Ella Fitzgerald begleitet hat. Den Out-Chorus führt Eldridge an, das ganze gerät reichlich chaotisch, macht aber Spass.
    „Autumn Leaves“, das zweite Stück, dauert exakt 18 Minuten, Terry spielt hier Trompete (sonst Flügelhorn), die Rhythmusgruppe (inklusive Pass) scheint eine Art Arrangement zu spielen, die Bläser verhauen ihren Einstieg aber komplett, schleichen sich leise tastend rein… Eldridge bläst wieder den Lead, Sims umspielt seine Melodie. Carter übernimmt das erste Solo. Terrys Solo wird zunächst nur von Betts Kontrabass begleitet, er spielt mit einem Dämpfer, schnell, verspielt schlägt er Haken… dann folgt Sims, die Rhythmusgruppe kocht inzwischen, sein Tenorsolo beginnt langsam, aber wie immer macht es Freude, seiner Improvisationslust zu folgen. Eldridge fängt ruhig an, um sich – sein bewährtes Mittel – zu steigern, bis er eine Aufregung erreicht, die auf sein Mitmusiker und das Publikum übergreift. Es folgen Pass, Flanagan und Betts.
    Eldridge eröffnet den Reigen auf „If I Had You“ mit einem rasanten Solo, zu weiten Teilen in Double Time. Sims folgt, trocken, swingend und doch lyrisch. Terry folgt, mit einem nachdenklichen Solo, dann Carter mit seinem wunderbar singenden Ton. Dann folgt Pass, schliesslich Flanagan mit einem sehr schönen Solo.
    Das letzte Stück ist „I Never Knew (That Roses Grew)“, das schnellste und kürzeste des Albums. Terry eröffnet mit einem schönen Solo, gefolgt von Carter, Eldridge und Sims. Pass prägt wieder die Begleitung und flechtet auch mal kurze Linien ein, als Kommentar zu den Solisten. Es folgt ein letzter chaotischer Shout-Chorus.
    Ein weiteres Stück, „Sunday“, findet sich auf der Montreux Collection mit diversen Aufnahmen vom Festival 1975. Terry eröffnet den Solo-Reigen, gefolgt von Sims, Eldridge, Carter… schöner Mainstream Jazz mit Platz für verschieden Stile – zum Ende die obligaten Fours mit Durham.

    Eine ganz ähnliche Band trommelten Norman Granz und Count Basie im Mai 1976 zusammen, das Resultat waren Basie Jam 2 und Basie Jam #3. Clark Terry, Benny Carter und Joe Pass sind erneut zu hören, zudem Al Grey, Eddie „Lockjaw“ Davis, John Heard und Louis Bellson. Die Atmosphäre ist entspannt und es gibt ausführlich Gelegenheit, die Bläser zu hören, alles ausgeprägte Charakterköpfe und Individualisten. Auch Pass ist solistisch zu hören und dieses Mal ist sein klarer, singender Ton adäquat eingefangen.
    „Doggin‘ Around“ (von Herschel Evans, die anderen drei Stücke entstanden wohl spontan im Studio) zieht das Tempo an, „Kansas City Line“ ist mit fast 15 Minuten das längste der Stücke und swingt langsam. Die letzte Nummer ist „Jjjjjump“. Auf dem zweiten Album gibt’s den schnellen „Bye Bye Blues“ mit einem mitreissenden Solo von Lockjaw, den alten Klassiker „Moten Swing“, die Ballade „I Surrender, Dear“ mit wunderschönen Soli, und zum Abschluss den „Song of the Islands“.

    Von 1976 stammt dieses Album, von Terrys eigener Big-B-A-D-Band Live! At Buddy’s Place, in New York. In der Band sitzen Musiker wie Frank Wess, Ernie Wilkins, Charles Davis, Chris Woods, Paul Cohen, Richard Williams oder Eddie Bert, die Rhythmusgruppe besteht aus Ronnie Mathews, Ed Soph und Victor Sproles – erstklassig also! Solistisch zu hören sind neben Terry auch Mathews, Richard Williams, das ganze Sax-Register (inklusive des mir sonst unbekannten Saxophonist Dr. Ronnie Oldrich) und immer wieder Chris Woods, der Altsaxophonist, der auch mit Terrys kleinen Combos spielte in jenen Jahren.
    Die Musik ist aufregender, moderner Big Band Jazz, irgendwo zwischen den 60er Bands von Woody Herman und Buddy Rich anzusiedeln. Drummer Ed Soph weiss zu überzeugen, er treibt die Band und liefert das Fundament, das jede Big Band braucht. Nach dem rasanten Opener „Modus Operandi“ (comp/arr Ernie Wilkins) folgt Ellingtons „Come Sunday“ (arr. Wilkins), Terry soliert wohl am Flügelhorn, im Ensemble sind auch Flöten zu hören (wohl Wess und Woods). Jimmy Heaths „Gap Sealer“ (arr. Heath) beginnt mit einem Sopransolo von Ernie Wilkins, dann folgt Terry und schliesslich ist noch kurz Charles Davis am Barisax zu hören.
    Weiter geht’s mit „Jeep’s Blues“ von Johnny Hodges und Duke Ellington, Chris Woods schlüpft mehr als kompetent in die Rolle von Hodges, spielt mit sattem Sound und genug Eigenem im Spiel als dass das eine blosse Kopie wäre. Auf „Swiss Air“ sind als Soliten Frank Wess mit einem wunderbaren Sopransaxsolo und Richard Williams zu hören, Mathews spielt ein kurzes Piano-Intro, Terry übernimmt den Lead im Thema. Es folgt „Big Bad Blues“, ein neues Stück von Wilkins, in dem Mathews wieder mit einem Intro zu hören ist, später auch Wilkins und Terry, und die ganze Performance über sind Soph und Sproles prominent – eine wirklich hervorragende Rhythmusgruppe!
    Das letzte Stück ist Walt Levinskys „Sugar Cubes (Gribbines)“. Mathews spielt ein ausgedehntes Intro, ziemlich Basie-like, nach Terry ist noch einmal Chris Woods zu hören, dann der Posaunist Eddie Bert (ein völlig unterbewerteter, viel zu selten zu hörender Musiker). Ihm folgt ein weiteres Trompetensolo, von Dale Carley. Im Out-Chorus gibt die Rhythmusgruppe nochmal richtig Gas, schöne Big Band Musik ist das, mit kreischenden Trompeten, treibenden Drums und fetten Sätzen, die nie allzu sauber klingen.

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    #7860171  | PERMALINK

    redbeansandrice

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    gypsy tail windWas mir beim Hören von Terry immer deutlicher klar wird ist, dass seine Spielhaltung eine im „alten“ Jazz verwurzelte ist. Sein Ton, sein ganzes Auftreten ist viel näher bei einem Roy Eldridge, einem Vic Dickenson oder einem Ben Webster – er kann zwar problemlos mit modernen Jazzern spielen, aber im Kern ist seine Musik anders, unbeschwert von den technischen Hürden, die mit dem Bebop aufgebaut wurden und die zu einer Einengung der Expressivität der persönlichen Ausdrucksformen im Jazz geführt haben.
    In Kürze: Terry schert sich einen Dreck darum, ob er technisch mithalten kann, es geht ihm um den Ausdruck, um Charakter, um Persönlichkeit, wie sie in der Bebop Orthodoxie nicht mehr möglich war. So jedenfalls meine Theorie…

    katharsis

    Diese Beobachtung finde ich sehr stichhaltig, auch wenn ich bei weitem nicht so viel kenne, wie Du! Das erklärt eben sehr schön, wie Du sagst, dass er sich nicht auf ein Kräftemessen mit anderen einlässt.

    bin mir nicht ganz so sicher – klar ist wohl, dass Terry sich in einem Maße der Enterntainerei verschrieben hat, das seit dem Bebop irgendwie verboten war, und das zu Recht [und ich erinnere dich, gypsy, an deine Beschwerde über Armstrongs Auftreten in meinem Lieblingsfilm…]; wie immer man das nennt oder interpretiert – es besteht kein Zweifel, dass Terry auch in die Trompete rülpsen würde, wenn daraufhin irgendwer vor Lachen vom Stuhl fällt (und auf dem Mundstück spielen ist ja letztlich nichts anderes…); das irritiert alles umso mehr, wo Terry ja neben Miles Davis der zweite große Exponent der berühmten Trompetenschule von St Louis ist – und es zwischen den beiden ja durchaus Gemeinsamkeiten gibt – nur hier eben überhaupt nicht…

    vom Ton her find ich nämlich, ist Terry zunächst mal ein toller lyrischer Trompeter, der etwa auf Tadd Damerons Big Band Album ein prima Figur neben Leuten wie Joe Wilder macht, und zeigt, dass er dieser Rolle absolut beherrscht (die des lyrischen Trompeters, nicht brüchig wie Miles oder KD, sondern eben so ein schöner voller, trauriger Sound wie Wilder, Wilbur Harden….); und irgendwie liegt hier für mich eine seltsame Spannung – (anders als etwa der von Dizzy) ist das hier kein Stil, der danach schreit mit brachialem Humor aufgemotzt zu werden… wer sie noch nicht kennt: ich empfehle einmal mehr sehr die Radiosendung über Freddie Webster, den gemeinsamen Nenner (und Vorgänger) von Miles, Dizzy, Terry und so vielen anderen…

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    #7860173  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Ich kann nicht drüber urteilen, wie Terry seine „mumbles“ und sein Spiel auf dem Mundstück live eingesetzt hat, aber die paar Mundstück-Soli, die ich auf meinen CDs habe, die machen durchaus rein vom Musikalischen her Sinn, da muss ich Dir also einigermassen widersprechen.

    Ich kenne ja Deine Abneigung gegen Terry und habe sie lange Zeit auch geteilt, aber irgendwie hab ich seine Musik in den letzten Tage neu kennen- und schätzen gelernt (siehe Post #7 oben).

    Was die Bemerkung zum Stil betrifft: was ich damit meine ist, dass unter Swing-Musikern (oder wie immer man sie nennen will) eine sehr viel grössere Bandbreite an persönlichen Stilen und Ausdrucksformen zu finden ist. Man denke an Buck Clayton, Harry Edison, Terry, Ray Nance, Roy Eldridge, Vic Dickenson, Dicky Wells, Benny Morton, J.C. Higginbotham, Johnny Hodges, Benny Carter, Willie Smith… bei den Tenoristen fang ich jetzt gar nicht an mit auflisten… nur so viel: Pres, Hawkins, Webster, Chu Berry, Byas, Bud Freeman…

    Das änderte sich mit der Ankunft des Bebop, z.B. am Altsax gab’s zum Beispiel bis Ornette kam keinen, der einen eigenen Stil neben jenem von Parker entwickeln konnte – mal bewusst etwas extrem ausgedrückt und durchaus auch so gemeint, dass Dolphy letzten Endes Parkers tollster, begabtester und eigenwilligster Schüler war. Beim Tenor ist die Lage etwas anders, auch Leute wie Moody, Gordon oder Gray bewegten sich noch irgendwo zwischen Swing und Bop, Lester Young war der prägende Einfluss. Sonny Rollins und wenig später Coltrane haben dann aber einen ähnlich grossen (und wir hatten das schon: teilweise fatalen) Einfluss ausgeübt.

    In Kürze ist es wohl, dass das hohe Tempo der Musik die Ausdrucksmöglichkeiten einschränkt, was die Variationen des Tons betrifft etwa (das kann ich auch selber von meiner bescheidenen Spiel-Erfahrung nachvollziehen… wie Bennie Wallace es etwa schafft, mit seinem riesigen, altmodischen Sound Linien zu blasen, die so verworren und sprunghaft sind wie jene Dolphys, das verblüfft mich zum Beispiel immer wieder).

    Man kann es wohl auch umdrehen und sagen, dass im Bebop eine Reduktion aufs Wesentliche stattfand, dass die Musik verschlankt und entschlackt wurde. Das würd ich nun auch nicht bestreiten wollen. Aber die grosse Fülle an persönlichen Tönen, die war jedenfalls weg, das Spektrum wurde schmaler. Im Free Jazz brach es dann nochmal auf, aber nicht für sehr lange. Und was danach so kam, das kennen wir ja, die meisten jungen Mainstream-Jazzer sind bis heute noch einigermassen in der Bebop- und Postbop-Orthodoxie gefangen.

    Das wär nun wohl alles fürs Jazz-Philosophicum… :-)

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    #7860175  | PERMALINK

    redbeansandrice

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    gypsy tail wind
    Das änderte sich mit der Ankunft des Bebop, z.B. am Altsax gab’s zum Beispiel bis Ornette kam keinen, der einen eigenen Stil neben jenem von Parker entwickeln konnte – mal bewusst etwas extrem ausgedrückt und durchaus auch so gemeint, dass Dolphy letzten Endes Parkers tollster, begabtester und eigenwilligster Schüler war. Beim Tenor ist die Lage etwas anders, auch Leute wie Moody, Gordon oder Gray bewegten sich noch irgendwo zwischen Swing und Bop, Lester Young war der prägende Einfluss. Sonny Rollins und wenig später Coltrane haben dann aber einen ähnlich grossen (und wir hatten das schon: teilweise fatalen) Einfluss ausgeübt.

    bevor ich richtig antworte: Ich hör Konitz und Desmond ja weiter von Parker weg als Coleman…

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    #7860177  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    redbeansandricebevor ich richtig antworte: Ich hör Konitz und Desmond ja weiter von Parker weg als Coleman…

    Ja, das stimmt. Aber viel naher bei Parker als etwa Pres und Hawkins je nahe waren. Ich will nicht alles nivellieren oder in einen Topf werfen, mein Vergleich ist nur relativ gemeint.

    Jedenfalls möchte ich v.a. die grosse Ausdruckskraft der „alten“ Jazzer nie missen müssen, auch wenn meine endlose Faszination für Bebop stets bleiben wird!

    Ach ja, Charlie Mariano gab’s auch noch!

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    gypsy-tail-wind
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    1976 nahm Terry auch am Summit Meeting teil, das Vanguard mit Elvin Jones und James Moody organisierte. Aus Herb Wongs Liner Notes:

    Veteran stars Clark Terry, James Moody, and Elvin Jones were recording together for the first time. This maiden voyage was sufficiently motivating in itself. Add the re-emergence of altoist Bunky Green from a decade of of relative relative quiescence (he has been teaching in the jazz program at Chicago State University and jazz sax at Northwestern) to the potion. And young, giftedly endowed Roland Prince exerts another thrust on his azimuth to his destiny as a jazz guitarist of the first magnitude. Steeped in jazz tradition with long Christian-like flowing lines, Roland is a fertile swinger prompting shouts of admiration. Completing the mix of which totaled the unusual rapport is the eloquence of the other three musicians. Albert Dailey, whose superb musicianship cooked with exquisite taste and just the right temperatures, was an excellent choice for piano. His lucid, expressive blowing has been heard with bands of Sonny Rollins, Coleman Hawkins, Charles Mingus, Art Farmer, and Woody Herman…and as accompanist to Sarah, Damita Jo., and Betty Carter. Then there’s Trinidadian Dave Williams‘ manifest playing as Elvin Jones‘ regular bassist; her his abundant contribution speaks for itself. Prior to his association with Elvin, Dave had played with Kenny Barron, Ornette Coleman, Phil Woods, and Cedar Walton. Lastly, percussionist Angel Allende completes the balance of the scales.

    Das erste Stück, „Tee Pee Music“ von Terry, ist nicht wirklich gelungen, Moody wirkt fahrig, aber Green steuert ein schönes Solo bei, ebenso Prince. Daileys elektrisches Piano ist in diesem Kontext etwas gewöhnungsbedürftig. Bunky Greens „Blues for Clark“ erinnert mit dem Bass-Ostinato stark an Miles‘ „All Blues“, Terry spielt ein schönes Solo mit Dämpfer, Moody wirkt viel konzentrierter. „Moody Magic“, ein Stück von Ed Bland, ist lyrischer, zurückhaltender. Jones begleitet Daileys E-Piano-Solo sehr aktiv, es folgt Prince, dann Moody, er übrigens ausschliesslich Tenorsax spielt.
    Die zweite Hälfte des Albums besteht aus zwei längeren Nummern, „Summit Song“ von Green und „Jones“ von Duke Ellington/Pauline Reddon. Das erste Stück beginnt meinem kurzen Drum-Intro, dann steigen nacheinander Williams, Allende und Dailey ein. Das Thema ist lyrisch-melodiös, Green spielt das erste Solo, dann folgt Terry mit einem sehr tollen Solo, Moody ebenso, mit langem Atem baut er ein schönes Solo auf. Prince folgt, gefällt mir ziemlich gut, auch wenn er ab und zu etwas nach Plastik klingt (mein grosses Gitarrenproblem, wenn der Sound nicht rein und singend oder schneidend hart ist…). Jones spielt ein ziemlich relaxtes Solo. Und relaxt geht es auch auf dem abschliessenden „Jones“ zu und her, über einen fetten Shuffle Beat wird das Thema präsentiert, Terry growlt, Moody bläst das erste Solo, mit solidem Ton und voller Ideen.

    1977 schnitt Norman Granz wieder diverse Konzerte am Montreux Jazz Festival mit und veröffentlichte sie auf seinem Pablo Label. Clark Terry spielte bei den Pablo All-Stars aber auch mit Oscar Peterson, Milt Jackson und anderen. Ich habe (neben dem Quartett-Album von Benny Carter, Joe Pass‘ Solo-Album und der DVD von Lockjaws Konzert) nur die CDs mit dem „Pablo All-Stars Jam“ sowie die „Montreux Jam Sessions“, auf denen verschiedene Besetzungen zu hören sind, darunter eben auch Clark Terry.
    Zum Auftakt spielt er mit Petersons Trio (NHOP und Bobby Durham) sowie Dizzy und Lockjaw eine überraschende Balladen-Version von „Perdido“, dann folgt „Mack the Knife“ in derselben Gruppe. Mit Milt Jackson/Ray Brown (woeie Lockjaw und Jimmie Smith) spielt Terry dann „Red Top“, den eingängigen Blues-Klassiker. Es folgen je ein Stück vom Dizzy Gillespie Jam (mit Jon Faddis, Jackson, Brown, Smith und Monty Alexander) und vom Basie Jam (Eldridge, Grey, Dickenson, Benny Carter, Sims, Brown und Smith) sowie zum Abschluss „Donna Lee“ vom All-Stars Jam (aber nicht auf dem All-Stars Album zu finden). Die Musik wirkt besser geplant und die Band viel besser eingespielt als die chaotische Jam Session von 1975. Terry glänzt besonders in „Red Top“ mit einem expressiven Blues-Solo, allerdings stellt Lockjaw danach alles in den Schatten!
    Auf dem All-Stars Album finden sich fünf Stücke (eins davon, „Sweethearts on Parade“, ein CD-Bonustrack), mit Terry, Ronnie Scott, Pass, Milt Jackson, NHOP und Durham hatte Peterson eine schöne Gruppe beisammen, die sehr eingespielt wirkt. Pass‘ Begleitung sticht wieder heraus, ebenso NHOPs äusserst solider und beweglicher Bass. Terry soliert wunderbar frisch und lyrisch, Scott sehr solide. Milt Jackson in der Band zu haben macht Spass, er und Peterson waren ein eingespieltes Team. Wunderschön auch Terrys Balladenfeature „God Bless the Child“.

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    redbeansandrice

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    gypsy tail wind
    In Kürze ist es wohl, dass das hohe Tempo der Musik die Ausdrucksmöglichkeiten einschränkt, was die Variationen des Tons betrifft etwa (das kann ich auch selber von meiner bescheidenen Spiel-Erfahrung nachvollziehen… wie Bennie Wallace es etwa schafft, mit seinem riesigen, altmodischen Sound Linien zu blasen, die so verworren und sprunghaft sind wie jene Dolphys, das verblüfft mich zum Beispiel immer wieder).

    Man kann es wohl auch umdrehen und sagen, dass im Bebop eine Reduktion aufs Wesentliche stattfand, dass die Musik verschlankt und entschlackt wurde. Das würd ich nun auch nicht bestreiten wollen. Aber die grosse Fülle an persönlichen Tönen, die war jedenfalls weg, das Spektrum wurde schmaler. Im Free Jazz brach es dann nochmal auf, aber nicht für sehr lange. Und was danach so kam, das kennen wir ja, die meisten jungen Mainstream-Jazzer sind bis heute noch einigermassen in der Bebop- und Postbop-Orthodoxie gefangen.

    soweit stimm ich ja bedingt zu, man könnt auch sagen, dass Klang einfach ein Stück weit in den Hintergrund trat (als Abgrenzungskriterium); stattdessen (stell ich mir vor) hatten Leute dann so Markenzeichen wie, dass sie auf der 4 gerne die 11 spielen, Sachen, die dem Laien kaum auffalen dürften… wie sich der Individualismus im Jazz von 1935 bis 1960 entwickelt hat, das kann ich schlecht beurteilen – ich kann ja aus den späteren Jahren mehr Tenoristen, Trompeter, Pianisten… unterscheiden als vorher (wo es am Tenor zum Beispiel im wesentlichen eine etwas breitere Hawkins-Schule und Young gab), aber man muss wohl beides viel gehört haben, um hier wirklich mitreden zu können…

    aber der, der mit der buntesten Fliege auf die Bühne kommt und und am lautesten grinst, ist nicht unbedingt der größte Individualist… anders gesagt, für mich ist Terry ein völlig respektabler Trompeter (etwa auf dem Level von Blue Mitchell) mit einem zu bescheuerten Drumherum (aber das hab ich in der Tat schon viel zu oft geschrieben)

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    #7860183  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    OK, aber Moodys Lederjacke ist röter :lol:

    Im ernst, das mit den Distiktionsmerkmalen stimmt sicher – dass das alles ins Technische, für den Laien (und ehrlich gesagt oft auch für mich) unhörbare verschoben wurde.

    Was den Vergleich betrifft: ich hab in den letzten Jahren meine Kreise stetig in die 40er, 30er und ein wenig auch schon in die 20er zurück erweitert – es gibt da einfach unheimlich viel zu entdecken, eine Vielfalt von individuellen Stimmen, wie es sie nach Parker und Gillespie und später nach Coltrane irgendwie nicht mehr zu scheinen gibt. Das ist natürlich auch nur mein persönlicher (und momentaner) Eindruck, aber ich habe das Gefühl, je mehr ich mich in den Jazz aus New Orleans, Chicago, in die Musik der Condonites, in die alten Big Bands hineinhöre, desto grösser wird die Vielfalt dessen, was es da zu entdecken gibt.

    Aber zurück zu Terry – siehst Du denn eins der Alben, die ich in den letzten Tagen gehört und hier erwähnt habe als Beispiel für „respektabler Trompeter mit einem zu bescheuerten Drumherum“?
    Ich kann nur nochmal wiederholen: ich habe das selber ja auch nicht erwartet, dass ich beim ausführlichen Hinhören mein Urteil dermassen revidieren würde… aber es freut mich natürlich auch, Terry auf diese Weise überhaupt erst richtig zu entdecken. Und bescheuertes Drumherum höre ich auf den genannten Alben eigentlich keins… hätte kein so grosses Problem, wenn Du die Jazz at the Philharmonic Sachen als das betrachten würdest (auch wenn das gar nicht meine Meinung ist – die Bemerkung von Chris Albertson hierzu halte ich jedenfalls für unbedingt bedenkenswert), aber nicht mal das Balladen-Album ist bekloppt… im Gegenteil, es ist durchaus auf dem Level eines Sinatra-Konzept-Albums würd ich behaupten. Wenn man das zuckersüss findet und nicht mag, OK, damit hab ich kein Problem, aber bescheuert ist das jedenfalls nicht.

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    thelonica

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    Erstmal bin ich ziemlich überrascht, dass Du doch sehr viel von Clark Terry kennst.
    Ich kenne kaum eines der hier vorgestellten Alben, „Brilliant Corners“ aber schon.

    Zum Humor von Clark Terry:
    Da habe ich eigentlich weniger ein Problem mit,
    würde seine ernsteren Alben aber wahrscheinlich vorziehen. Mancher fragt sich vielleicht, warum Elvin Jones bei dem Vanguard Album mitgemacht hat? Passte das überhaupt? Elvin Jones, der auf Bildern sonst sehr ernst rüberkommt, hatte aber durchaus Humor. Ich erinnere mich an unterhaltsame Anekdoten zu Aufnahmen in Schweden. Terry’s Humor ist nochmal ein anderes Kaliber, und auf gar keinen Fall ist er ein musikalisches Leichtgewicht. Vielleicht hat auch seine lockere, loyale Art viele Zusammenarbeiten erst möglich gemacht und man schätzte dies besonders. Auf Blue Mitchell’s „A Sure Thing“ spielt Terry z.B. nicht ein einziges Solo. Sein Rolle bei Riverside Records könnte man noch thematisieren bzw. vertiefen.

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    #7860187  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Terry hat halt einfach wie viele Studio-Musiker Sessions gespielt – mit Keepnews war er bekannt, er war offensichtlich ein guter Notenleser und demnach gefragt. Es heisst ja auch, dass er die Leitung der NBC „Tonight Show“ Band nur wegen der „falschen“ Hautfarbe nicht gekriegt habe… in diesem Sinne war er halt eben der Studio-Pro, der aber auch Jazz-Aufnahmen machte. Laut den Liner Notes von Keepnews zum Reissue von „Serenade to a Bus Seat“ hat Terry ja keine unwichtige Rolle gespielt bei Riverside, tauchte immer mal wieder auf – aber eben, nachdem seine eigenen Alben eingespielt waren vor allem als Session-Musiker. Das haben allerdings damals viele gemacht, schau mal, wer auf den Alben von Sam Jones („The Chant“) oder Milt Jackson („Big Brass“) so alles in der Band sitzt… das waren halt einfach Jobs, die man wohl gerne machte, erst recht, wenn man dabei auch noch schöne Arrangements mit tollen Leuten spielen konnte – im Vergleich mit der TV-Show-Arbeit (oder z.B. in James Moodys Fall, Auftritten in der Glitzerwelt von Las Vegas) war das ja sicher noch die bessere Wahl.
    Und an Möglichkeiten als Jazz-Solist aufzutreten hat es Terry ja nie gefehlt, er wollte bloss ein geregeltes Leben mit seiner Familie haben, nachdem er viele Jahre on the road zugebracht hatte.

    Was Elvin betrifft… es gibt doch viele Fotos, wo er mit breitem Grinsen und triefendem Schweiss hinter seiner Küche sitzt… dass der keinen Humor haben könnte, darauf bin ich noch nie gekommen! Auch in seinem Spiel – das macht ja auch einfach Spass, ganz unabhängig von der starken Wirkung und der unglaublichen Technik.
    Jones war in den 70ern selber (wie Terry) ein Vanguard-Künstler, ich hab neben dem „Summit Meeting“ auch noch sein „New Agenda“ auf dem Label. Ist nicht wesentlich besser, obwohl da seine eigene Band zu hören ist.

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    gypsy-tail-wind
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    Im September 1977 enstand in London unter der Leitung von Peter Herbolzheimer ein Balladen-Album in grosser Besetzung. Terry wird von einer Big Band (u.a. mit Kenny Wheeler, Nat Peck, Dave Horler, Stan Sulzman, Tony Coe, Ronnie Ross sowie der Rhythmusgruppe Gordon Beck, Martin Kershaw, Chris Laurence und Alan Ganley) und Streichern begleitet, er steht als Solist im Mittelpunkt, die Rhythmusgruppe ist aber sehr prominent abgemischt und Beck kriegt zwei Solos (auf „Clark After Dark“ und „Willow Weep for Me“), Gitarrist Kershaw eins auf „Girl Talk“. Zudem sind kurz Dave Horler („Clark After Dark“) und Tony Coe („Girl Talk“) solistisch zu hören.
    Terry glänzt schon auf dem einleitenden „Misty“ mit wunderschönem, warmem Ton (er beschränkt sich aufs Flügelhorn), Beck ist sehr prominent zu hören. Es folgen „Nature Boy“, „Georgia on My Mind“ und „November Song“, dann „Clark After Dark“, das Herbolzheimer geschrieben hat. Die zweite Hälfte besteht aus „Willow Weep for Me“, „Yesterdays“, „Emily“, „Angel Eyes“ und zum Abschluss Neal Heftis „Girl Talk“.
    Die Streicher sind manchmal etwas gar üppig gesetzt, die Bläser werden oft nur als Klangteppich und für Schattierungen genützt – das ganze ist allerdings sehr zweckdienlich und bietet Terry einen erstklassigen Hintergrund. Er macht das beste daraus und glänzt mit schönen Soli. Beck ist mit Abstand der prominenste Begleiter, macht seinen Job sehr gut, ebenso Chris Laurence, der sich auch immer wieder mal ins Geschehen einmischt und aufhorchen lässt.

    Das Album wurde 2007 in der „Jazzclub“-Billigreihe von Universal Deutschland neu aufgelegt – das Cover sieht so aus:

    Lohnt jedenfalls die 3-4€, die das kostet!
    Das Album gehört anscheinend zu Terrys liebsten.

    Im Quintett mit Chris Woods (as,fl), Horace Parlan (p), Victor Sproles (b) und Bobby Durham (d) wurde Clark Terry dann im Dezember 1978 im Casino Luzern vom Schweizer Radio mitgeschnitten. Wer keine Streicher-Alben, Big Bands oder lockeren Jams will ist hiermit gut bedient.
    Das Programm öffnet mit Charlie Parkers „The Hymn“ und endet eine Stunde später mit „Somewhere Over the Rainbow“. Dazwischen stehen vor allem Originals auf dem Programm: „Straight No Chaser“, „God Bless the Child“, Durhams „The Silly Samba“, George Wallingtons „Lemon Drop“, dazu „I Want a Little Girl“ und „On the Trail“, sowie „Somebody Done Stole My Blues“. Terry singt auf „Little Girl“ mit feiner, leiser Stimme, Woods baut ein paar von Hodges‘ charakteristischen Slurs in seine Solo-Passagen ein.
    Eins der Highlights is das schnelle „Straight No Chaser“, in dem Terry, Woods und Parlan tolle Blues-Soli abliefern. Sproles begleitet ausgezeichnet, Durham swingt enorm. „On the Trail“ ist zwar eine Novelty-Nummer, aber ich hör sie doch immer gerne… Woods spielt ein tolles Solo, danach präsentiert Terry seinen Trompeten/Flügelhorn-Dialog.

    Meine letzte Aufnahme mit Clark Terry ist Count Basie Get Together von 1979 – eine weitere entspannte Session, die Terry neben Harry „Sweets“ Edison, Eddie „Lockjaw“ Davis und Budd Johnson sowie Basie, Freddie Green, John Clayton und Gus Johnson präsentiert. Durch die Anwesenheit von Johnson erhält die Session eine besondere Qualität, Lockjaw ist gefordert, die Atmosphäre ist etwas weniger relaxt als anderswo, und das tut der Musik wohl gar nicht schlecht. Für mich ist das jedenfalls eins der schöneren unter den zahlreichen Pablo Small-Group Alben Basies.
    Nach der mittelschnell swingenden „Ode to Pres“ folgt mit Basie’s Bag ein langsamer Titel mit einem tollen Solo von Terry. „Swinging on the Cusp“ ist wieder lebendiger, die beiden Trompeten stellen das Thema vor – sehr schön! Dann solieren sie im Dialog… nur von Freddie Green begleitet. Johnson spielt dann ein Solo am Barisax, auch das gefällt… Johnson ist überhaupt – darum auch die obige Bemerkung – ein Musiker, den es wo immer er auftaucht zu beachten gilt – selbst im halb ausgegorenen „All American“ von Terry weiss er zu überzeugen mit seinem Spiel. Mit „Like It Used to Be“ sind wir wieder beim langsamen Tempo. Basie öffnet mit einem seiner sparsamen Piano-Soli, es folgen schöne Soli aller vier Bläser. „My Main Men“ ist wieder mittelschnell, dann folgt zum Abschluss des Albums ein längeres Balladen-Medley, mit Davis (I Can’t Get Started), Terry (What Will I Tell My Heart), Johnson (Talk of the Town), Basie (I Can’t Give You Anything But Love) und Sweets (I’m Confessin‘ That I Love You).
    Wie gesagt, ohne viel über die Musik zu sagen für mich eins der besten Small-Group-Alben von Basie.

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    NACHTRAG – Ein paar Gramophone Reviews:

    Duke with a Difference (October 1961)
    Buddy Tate with Clark Terry – Tate a Tate (November 1962)
    In Orbit (aka Clark Terry and the Thelonious Monk Globetrotters) (November 1969)
    Oscar Peterson Trio + 1 (March 1965)
    Everything’s Mellow (February 1967)
    The Power of Positive Swinging (April 1994)

    Ed Thigpen – Out of the Storm (April 1967)
    Lionel Hampton – You Better Know It (October 1965)

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    Und zum Abschluss: der Sterne-Thread für Clark Terry.

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #136: We Jazz Records 2022, 13.12., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #7: tba | No Problem Saloon, #30: tba
    #7860191  | PERMALINK

    redbeansandrice

    Registriert seit: 14.08.2009

    Beiträge: 12,106

    gypsy tail wind
    Aber zurück zu Terry – siehst Du denn eins der Alben, die ich in den letzten Tagen gehört und hier erwähnt habe als Beispiel für „respektabler Trompeter mit einem zu bescheuerten Drumherum“?

    also: ich denke ich kenn nur zwei Terry Alben wirklich gut; zunächst das mit Gonsalves (also, das erste von diesem Argo Twofer), das könnt mir an sich super gefallen, die Band ist prima, aber Terry verleidet mir das irgendwie, und ich kann das Solo auf dem Mundstück nicht als musikalisch richtige Entscheidung hören… und auf dem Quartett-Album muss ich eigentlich auch immer bei Guten Abend gute Nacht aufhören, obwohl ich vorher durchaus manches höre, was mir gefällt… das Album mit Monk find ich letzlich wohl frei von diesen Makeln, Serenade to a Bus Seat hab ich noch nicht genug gehört, All-American halt ich einfach nicht aus, aber das endet für mich an einem Punkt, an dem Terry noch nicht viel beigetragen hat…

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    #7860193  | PERMALINK

    nail75

    Registriert seit: 16.10.2006

    Beiträge: 44,154

    gypsy tail windSonny Rollins und wenig später Coltrane haben dann aber einen ähnlich grossen (und wir hatten das schon: teilweise fatalen) Einfluss ausgeübt.

    NEIN!

    Clark Terry ist mir egal, aber das musste mal wieder in aller Deutlichkeit gesagt werden. Wieso eigentlich? Durch ständiges Wiederholen wird es nicht richtiger!

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    Ohne Musik ist alles Leben ein Irrtum.
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