Die wunderbare Welt der Oper

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  • #9939469  | PERMALINK

    Anonym
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    Gestern Abend lief im Heute Journal ein Werbehype zugunsten Anna Netrebkos Verismo-Sammlung. Gefakte Interviews, Cover Mutmaßungen, das ganze Überhöhungsprogramm. Sie orientiert sich an Callas‘ Puccini-Recital und den lyrischen und Koloraturarien, die sie in der ersten Hälfte der fünfziger Jahre eingesungen hat. Der Vergleich zeigt, dass Netrebko weder stimmtechnisch noch singdarstellerisch der Callas das Wasser reichen kann. Eine glatte Überforderung der Stimme. Nach einer Livedarbietung der Turandotarie ohne gnädige Studiotechnik dürfte Netrebkos Stimme ernsthaft in Gefahr sein! Ansonsten gilt, salopp gesagt, jede Note eine andere Farbe. Gekauft wird wahrscheinlich trotzdem.

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    #9939491  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Hm, in der NZZ wurde die CD neulich ziemlich abgefeiert:
    http://www.nzz.ch/feuilleton/musik/phono-anna-netrebko-verismo-schimmern-und-scheinen-ld.114431

    (Von Boitos „L’atra notte“ brauche ich eigentlich wohl nur Caballé … aber da ist ja noch die feine Einspielung mit Freni unter de Fabritiis.)

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #133: Revivals in den 90ern und eine Neuheit aus der Romandie - 14.6., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #7: tba | No Problem Saloon, #29: tba
    #9939533  | PERMALINK

    Anonym
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    Die Platte ist ja nicht schlecht, aber mein Urteil ergibt sich aus dem Vergleich. Ihre Tongebung ist unstet, der Klangregler greift ab und zu bei den Pianissimi gnädig verstärkend ein, weil sie ohne Mikrofon nicht von Netrebko dynamisiert werden können, und die Höhen sind grell mit offenen Vokalen, wo sie gedeckt sein sollten! Sichere Zeichen für technische Probleme. Bei Callas‘ Aufnahmen findest du das nur selten. Die Turandot hat sie denn auch in sicherer Selbsteinschätzung schon ab 1949 nicht mehr auf der Bühne gesungen.

    Hier gibt es viel Schönklang und ein im Vergleich schlechter Tenorpartner. Ist aber auch ihr Gatte.

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    #9939539  | PERMALINK

    Anonym
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    Warum Björn Woll in der NZZ die Platte so abfeiert, ist mir etwas schleierhaft, ist der Mann sonst doch ein Kenner! Aber auf technische Gesangsparameter geht er auch gar nicht wirklich ein! Ich denke, dass ein Jürgen Kesting mit unbestechlichen Ohren die Platte anders beurteilen wird. Ich höre sie mir noch mal an, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es für mich besser wird.

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    #9939747  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Ich kenne Woll nicht … und kaufe die CD wohl eh nicht.

    Sorry falls ich’s vergessen habe, @Bgigli: was hältst Du eigentlich von der neuen „Aida“ von Pappano, mit Kaufmann und Harteros? Finde sie ziemlich gut, aber so tief drin bin ich ja noch lange nicht (Kaufmann knödelt kaum und Harteros‘ stimmliche Härte ist abgerundet genug als dass sie mich kaum stört).

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    #9940727  | PERMALINK

    Anonym
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    Die Aufnahme ist ziemlich gut, Pappano ist ein sängerfreundlicher Dirigent, der die musikalische Dramaturgie Verdis adäquat umsetzen kann. Kaufmanns Radames ist erstaunlich lyrisch, tonal im Sinne Verdis Notationen „richtig“ gesungen. Bspw. singt er das Schluss-B der Romanze diminuendo, was großartig klingt, weil es seine zärtlichen Gefühle für Aida auch klanglich glaubwürdig umsetzt. Er dürfte zur Zeit der einzige Spinto-Tenor sein, der solche Partien adäquat bewältigen kann ohne ständig im Gebrüll zu enden. Harteros ist kein wirklicher Spinto-Sopran, denn in „Ritorna Vincitor“ kommt sie hörbar an ihre Grenzen, die sie aber nicht überschreitet wie es Netrebko auf ihrem Verdi-Recital und auf der neuesten Verismo-Platte fast ständig tut. Dafür hören wir flutende Pianissimi, die man höchstens bei Caballe oder Milanov mal hören konnte.

    --

    #9941701  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Danke für die Rückmeldung! Ich bin sonst ja mit Kaufmann nicht immer völlig glücklich, aber hier überzeugt mich auch. Die Details, die Du erwähnst, könnte ich so nicht benennen – keine Ahnung, ob sie sich zum Gesamteindruck fügen, den ich nach dem Hören habe. Dass Pappano ein guter Verdi-Mann ist, habe ich schon bei einer anderen Oper mal gedacht, aber ich weiss leider nicht mehr, welche es war oder woher die Übertragung (3sat oder arte) stammte.

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    #9945157  | PERMALINK

    kingberzerk

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    Suchte über den „Empfehlungen“-Thread nach einer zeitgenössischen, überzeugenden Einspielung von Rossinis Barbiere. Eine befreundete Sopranistin empfahl mir Joyce DiDonato. Die DVD mit der Inszenierung aus der Pariser Oper mit Bruno Campanella am Pult ist okay, aber für mich nicht weiter beachtenswert. Die Inszenierung entspricht ungefähr dem, was ich an Oper uninteressant finde – das Element „Theater“ ist dabei mehr oder weniger ein Witz. Wer gutes, zeitgenössisches Theater mag, ahnt vielleicht, was ich meine. Musikalisch ist das in Ordnung, aber nicht mehr. Sollte Joyce DiDonato da eine Referenzkünstlerin heutiger Zeit sein, kann ich das mit Mühe vielleicht nachvollziehen, aber letztlich ist mir das auch egal. Da interessiert mich mehr, was Anna Prohaska so macht, auch wenn die Rosina nicht ihre Rolle ist.

    Im Grunde suchte ich nur eine Alternative zu der fast historischen, aber durch und durch klassischen Einspielung mit Tito Gobbi und Maria Callas (Alceo Galliera) – aber gefunden habe ich sie noch lange nicht. Brauche ich auch nicht, denn diese Einspielung ist wirklich genau mein Ding. Eine angemessene Inszenierung wird vielleicht mal entwickelt werden. Vielleicht mal von Sasha Waltz oder Jan Lauwers, oder von einem bislang noch gänzlich Unbekannten, aber was gerade so am Pomp-Theater abgeht, hat offenbar wenig mit dem zu tun, was mich dabei interessiert.

    zuletzt geändert von kingberzerk

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    Tout en haut d'une forteresse, offerte aux vents les plus clairs, totalement soumise au soleil, aveuglée par la lumière et jamais dans les coins d'ombre, j'écoute.
    #9945173  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Hm, die Frage ist halt doch auch, ob man denn dieses Repertoire heute noch als zeitgemässes Theater inszenieren kann. Das sind ja quasi die Telenovelas vergangener Zeiten. Klar kann man den Kern der Plots (es geht ja doch um Liebe und Betrug, Mord und Totschlag) als „zeitlos“ betrachten und als allgemeingültig oder sowas, aber man kann sich ja zugleich auch nicht über die Musik und die Libretti hinwegsetzen. Bzw. würde man dies tun, sollte man sich eben überlegen, ob man nicht ein anderes Werk zur Aufführung bringen möchte. Das muss nicht was Zeitgenössisches sein, es geht ja z.B., wie ich in Zürich erleben konnte, mit Debussy, es ging wohl ebenso mit Berg (Wozzeck, ebenfalls in Zürich, hatte ich leider verpasst, gab es aber auf arte concert und kriegt man auf DVD/BluRay).

    Es geht aber auch, traditionell oder halbwegs traditionell zu inszenieren, wenn man Leute hat, die auf der Bühne was hergeben und mehr als eine halbe Drehung nach links und einen kleinen Schritt nach rechts hinkriegen – der Rosenkavalier 2014 in Salzburg (ich sah die Inszenierung im Fernsehen, habe sie immer noch im Zwischenspeicher, weil ich sie nochmal anschauen möchte) war grossartig.

    Mag sein, dass das alles Glücksfälle oder Ausnahmen sind, leider will ja wohl das Publikum selten Debussy oder Berg hören, Richard Strauss ist ja auch schon grenzwertig genug …

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    #9945609  | PERMALINK

    kingberzerk

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    Wenn das nicht mehr ginge, wäre das der verdiente Tod der Oper.

    Aber es geht. Es gibt genügend Regisseure, die etwas können. Die Frage ist nur, warum so wenige es tun, denn der Bedarf ist groß. Eine „Lulu“-Inszenierung mit Christine Schäfer als DVD kann ich nur empfehlen. Und wo wir gerade dabei sind: Die „Lulu“-Suite mit Anna Prohaska, Claudio Abbado und den Berliner Philharmonikern war einfach umwerfend. Eine konzertante Darbietung, aber Prohaska war einfach Lulu, da gab’s keine zwei Meinungen. Mehr braucht es gar nicht für meinen Geschmack. Der ganze Tand und Quatsch. „Salome“-Darstellerinnen gab es auch mehr als eine, und wieviele wunderbare Mozart-Sängerinnen. Die Frage ist nur, ob das auch alles gewünscht ist. Das Opernpublikum ist bekanntlich konventionell. Nicht nur die Oper ist Panne, sondern auch das Publikum, das von ihr bedient sein will. Inszenierungen wie zum Beispiel der Holländer von Dieter Dorn sind leider die Ausnahme.

    Vielleicht ist der Film der Zukunft der Oper.

     

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    #9945629  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Der Tod der Oper ist eben das Publikum … im ernst jetzt: als Verdi, Puccini oder Wagner ihre Opern schrieben, war das eben noch Musik aus der damaligen Gegenwart. Wenn wir heute wieder einmal die „Zauberflöte“ oder „Tosca“ (wird die überhaupt noch gespielt, oder war Callas die finale Vollendung?) auf die Bühne bringen, ist das ein subventioniertes Spektakel von einer Elite für eine Elite. Die gesellschaftliche Relevanz der Oper in Italien um 1900 oder irgendwo in Westeuropa heute ist doch einfach nicht zu vergleichen (und Wien in den Vierzigern und Fünfzingern war wohl auch nochmal anders mit seinem Mozart-Ensemble, eine Art Biotop, wo es aber auch noch was galt, „Kammersänger“ zu werden oder sich den Status als „die Sena“ zu erwerben).

    Ich bin halt was schlaue Regietheater-Einfälle betrifft bei der Oper überaus skeptisch, bin da eher für Schlichtheit und habe meist Mühe damit, wenn versucht wird, Verdi oder Puccini oder gar Mozart „in die Gegenwart zu holen“ (fand jetzt z.B. die Haneke-Inszenierung von „Così fan tutte“ auch nicht besodners gut) – warum denn? Klar muss man das nicht mit Perücke und Puder und Plüsch machen, aber vorspiegeln als sei das Musik, die irgendwas mit der heutigen Zeit zu tun hat, muss man eben auch nicht. Aber gut, die Musik hat insofern was mit der heutigen Zeit zu tun, als dass sie immer noch hörenswert ist, dem Publikum Unterhaltung bietet (Unterhaltung geht ja auch anders als der Schmarrn, den Hollywood für weisse männliche Teenager raushaut) – darin liegt wohl auch schon eine Gegenwartsrelevanz, aber Manon Lescaut muss nicht im Auto fliehen und sowas.

    Exemplarisch fand ich z.B. Chéreaus „Elektra“ aus Aix – sah ich im Fernsehen und holte mir dann auch noch die BluRay (oder DVD, weiss nicht mehr wofür ich mich in dem Fall entschied).

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    #9960683  | PERMALINK

    kingberzerk

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    Die Oper als historische Soap? Verstehe. Das Argument kann ich zwar nicht teilen, aber sei’s drum. Eben gerade gesehen:

    Barbara Hannigan ist ohnehin eine Granate. Wie hier zu erleben:

    Wer solche Sänger auf der Bühne hat, braucht sich um die Zukunft der Oper keine Sorgen zu machen. Fehlt nur noch das Publikum.

     

    zuletzt geändert von kingberzerk

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    #9960795  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    kingberzerk Die Oper als historische Soap? Verstehe. Das Argument kann ich zwar nicht teilen, aber sei’s drum.

    Na ja, der Vergleich hinkt insofern, als die Oper natürlich  in der längsten Zeit ihrer Existenz keine Belustigung für das einfach Volk war (wobei es ja heute noch auffällig ist, wie anders ihr Rang in Italien in der älteren Generation noch ist – die gingen wohl selten oder nie in die Oper, aber man hatte Radio und vielleicht auch einen Plattenspielen und ein paar Aufnahmen von Caruso, Gigli, del Monaco, man kannte die Musik Verdis – und lebte mit ihr. Das geht ja bis in die Blasmusik (von der in Italien eine ganz andere Tradition exisitert als unsere emotional vertrocknete steife Version davon), in der gerne Adaptionen von Verdi-Arien gespielt werden.

    Dass Hannigan mit noch so tollen Performances von Ligeti oder was weiss ich eine solche Lücke nicht zu füllen mag (und dass es auch nicht unbedingt angebracht ist, deshalb das Publikum zu beschimpfen, auch wenn ich selbst die Neigung dazu habe), dürfte auf der Hand liegen. Keine Ahnung, was heute den Platz der Oper einnimmt … die ganzen TV-Casting-Shows wohl, die (a)sozialen Medien haben den Marktplatz abgelöst; ins Theater gehen bedeutete – und tut es noch immer, aber die Bedeutung ist halt eine ganz andere geworden – ja immer auch Sehen und gesehen werden.

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    #9960861  | PERMALINK

    kingberzerk

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    gypsy tail wind

    kingberzerk Die Oper als historische Soap? Verstehe. Das Argument kann ich zwar nicht teilen, aber sei’s drum.

    Na ja, der Vergleich hinkt insofern, als die Oper natürlich in der längsten Zeit ihrer Existenz keine Belustigung für das einfach Volk war (wobei es ja heute noch auffällig ist, wie anders ihr Rang in Italien in der älteren Generation noch ist – die gingen wohl selten oder nie in die Oper, aber man hatte Radio und vielleicht auch einen Plattenspielen und ein paar Aufnahmen von Caruso, Gigli, del Monaco, man kannte die Musik Verdis – und lebte mit ihr. Das geht ja bis in die Blasmusik (von der in Italien eine ganz andere Tradition exisitert als unsere emotional vertrocknete steife Version davon), in der gerne Adaptionen von Verdi-Arien gespielt werden. Dass Hannigan mit noch so tollen Performances von Ligeti oder was weiss ich eine solche Lücke nicht zu füllen mag (und dass es auch nicht unbedingt angebracht ist, deshalb das Publikum zu beschimpfen, auch wenn ich selbst die Neigung dazu habe), dürfte auf der Hand liegen. Keine Ahnung, was heute den Platz der Oper einnimmt … die ganzen TV-Casting-Shows wohl, die (a)sozialen Medien haben den Marktplatz abgelöst; ins Theater gehen bedeutete – und tut es noch immer, aber die Bedeutung ist halt eine ganz andere geworden – ja immer auch Sehen und gesehen werden.

    Now you lost me completely. Zum einen finde ich es schwierig, der oberen Parenthese zu folgen, da eine Klammer fehlt, doch abgesehen von dieser formalen Petitesse war der Soap-Vergleich doch ursprünglich von Dir und mir erscheint es wie eine polemische Ausflucht, Hanningan die Verantwortung für die Rettung des Operngenres zuschieben zu wollen, nur weil sie die Aufgabe für mich erfüllt. Oder wie Prohaska, Ligeti und Schäfer, nur um einige zu nennen. Und Theaterleute wie die bereits genannten. Die Entscheidung, ob die das dann für mich leisten oder nicht, kannst Du schon gern mir überlassen :) In dieser Soap-Opera, die ich gepostet habe, steckt mehr Inszenierungsleben als in den letzten drei Opern-DVDs zusammen, die ich leider gekauft habe.

    Was die Oper historisch für eine Funktion hatte – ob Unterhaltung oder nicht – kannst Du ja auch nicht benennen. Ich aber nehme mir das heraus und beschimpfe das heutige Opernpublikum. Ganz ungerecht und pauschal natürlich, denn es ist dessen Schuld, dass sich das Interessante nicht durchsetzt und das Uninteressante dominiert. Im Theater ist es ja ähnlich, nur dass es dort weniger Entschuldigungen gibt, wenn eine Inszenierung nicht gut ist. Oper ist ja was Teures und muss bezahlt werden. Und es gibt den Bedarf nach Festlichkeit und Pomp und Konventionalität. Deshalb bleibt man lieber bei seinen Leisten.

    zuletzt geändert von kingberzerk

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    gypsy-tail-wind
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    kingberzerk Now you lost me completely. Zum einen finde ich es schwierig, der oberen Parenthese zu folgen, da eine Klammer fehlt, doch abgesehen von dieser formalen Petitesse war der Soap-Vergleich doch ursprünglich von Dir

    Natürlich war der Vergleich von mir, ich versuchte ihn ja gerade zu erläutern, zu korrigieren. Ich habe auch kein Problem damit, mal in eine falsche Richtung zu denken und dies nachträglich zuzugeben. Wir sind hier in einem Forum, da sollte Raum für sowas sein.

    kingberzerk … und mir erscheint es wie eine polemische Ausflucht, Hanningan die Verantwortung für die Rettung des Operngenres zuschieben zu wollen, nur weil sie die Aufgabe für mich erfüllt. Oder wie Prohaska, Ligeti und Schäfer, nur um einige zu nennen. Und Theaterleute wie die bereits genannten.

    Ähm, ich glaube da jubelst Du mir was unter – ich mag den Tonfall nicht so sehr und habe eh längst das Gefühl, wir reden bloss aneinander vorbei. Aber gut: ich schiebe Hannigan gar keine Verwantwortung für nichts zu (ausser für ihr eigenes Tun und Lassen), mag sie überdies sehr (nicht, dass da noch ein Missverständnis entsteht).

    Wenn die Oper heute einen anderen Stellenwert hat – einen geringeren, einen elitärereren als je zuvor -, liegt das weder an Hannigan noch an Ligeti. Die Produktionskosten sind schlicht kaum mehr tragbar (die Subventionen für Opernhäuser sind absurd hoch und fehlen durchaus anderswo im Kulturbereich), dass die Eintrittspreise dennoch hoch sind schliesst eine grosse Zahl der Menschen bereits aus. Das Desinteresse ist aber natürlich auch selbstverschuldet, so gesehen kann man das Publikum durchaus auch mal beschimpfen, das sich von den Casting-Shows und dem omnipräsenten Infotainment abstumpfen lässt. Aber ein grösseres Interesse – z.B. durch „relevantes“ Theater auf Opernbühnen – würde daran nicht viel ändern, auch bei einer maximalen Auslastung würde kaum ein Opernhaus auch nur die Hälfte seines Budgets selbst tragen können. Kultur soll was kosten, das ist gar keine Frage, aber welche Kultur soll die Allgemeinheit wieviel kosten? Sollten nicht eher Compagnien, die mit kleinerer Flamme kochen und in ihrem Kommentar zur Gegenwart viel bissiger sind, viel schneller reagieren können, als die altehrwürdigen Stadttheater und Opernhäuser, Unterstützung finden? Oder sollten gerade diese sich nicht domestizieren und einbinden lassen, auf das Hamsterrad verzichten, dem das Buhlen um öffentliche Gelder allenthalben gleicht? Ich weiss die Antworten auf diese Fragen auch nicht, aber ich finde sie sollten diskutiert werden – und das nicht nur in den Zirkeln, die zum Zielpublikum der erwähnten High-End-Häuser zählen.

    kingberzerk Die Entscheidung, ob die das dann für mich leisten oder nicht, kannst Du schon gern mir überlassen

    Ich sehe den Smiley, aber im Kontext des ganzen Beitrages empfinde ich diese Aussage dennoch als ziemlich weit über die Ziellinie hinausgeschossen.

    kingberzerk Ich aber nehme mir das heraus und beschimpfe das heutige Opernpublikum. Ganz ungerecht und pauschal natürlich, denn es ist dessen Schuld, dass sich das Interessante nicht durchsetzt und das Uninteressante dominiert. Im Theater ist es ja ähnlich, nur dass es dort weniger Entschuldigungen gibt, wenn eine Inszenierung nicht gut ist. Oper ist ja was Teures und muss bezahlt werden. Und es gibt den Bedarf nach Festlichkeit und Pomp und Konventionalität. Deshalb bleibt man lieber bei seinen Leisten.

    Und das, mit Verlaub, ist mir zu schnell geschossen und zu einfach gedacht. Trotz der offenen Fragen oder Diskussionspunkte oben: Wenn kein Publikum vorhanden ist, was soll das ganze denn? Beschimpfen ändert kaum etwas (bzw. bewirkt wohl eher noch zusätzliches Fernbleiben). Wenn ein kleines Publikum vorhanden ist, sollte man sich eher darum bemühen, es zu vergrössern, mehr Hörer_innen für „zeitgenössische“ Musik (das fängt wohl so um 1900 an … fast alles danach ist dem Publikum ja leider bis heute ein Gräuel), für anderes als die immer gleiche Klassik und Romantik zu gewinnen, ja überhaupt ein jüngeres Publikum zu gewinnen. Da sehe ich dann gerade die stark subventionierten Institutionen in der Pflicht. Aber das muss irgendwie mit dem Publikumsinteresse einhergehen, wenn man allein in der Oper sitzt ist auch niemandem geholfen. Auch den Künstlern nicht, denn ich glaube nicht, dass irgendjemand gerne vor leeren Rängen spielt oder singt. Was nun interessant ist und was uninteressant, muss sich eben irgendwie im Wechselspiel von Künstlern, Veranstaltern und Publikum herauskristallisieren, immer wieder neu. Natürlich finde ich es krass, wenn bei einer Weinberg-Symphonie das versammelte Publikum mit den Füssen zu scharren beginnt, weil der Wohlklang der Wiener Klassik kurz mal für zwanzig Minuten beiseite geschoben wird. Aber ich glaube einfach nicht, dass es dagegen simple Lösungen gibt oder dass Publikumsbeschimpfungen etwas nützen.

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