Die wunderbare Welt der Oper

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    kingberzerk

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    gypsy tail wind (…) Aber ich glaube einfach nicht, dass es dagegen simple Lösungen gibt oder dass Publikumsbeschimpfungen etwas nützen.

    Ich versuche das Ganze ebenfalls etwas abzukürzen und weise nur kurz daraufhin, dass meine abschätzige Betrachtung des Publikums keinem Zweck dient. Es ist nur eine Haltung, nichts weiter. Wirkung erhoffe ich mir von der Kindererziehung, von Einflüssen im Bekanntenkreis und von der Zeitung.

    --

    Tout en haut d'une forteresse, offerte aux vents les plus clairs, totalement soumise au soleil, aveuglée par la lumière et jamais dans les coins d'ombre, j'écoute.
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    #9995727  | PERMALINK

    themagneticfield

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    Beiträge: 32,525

    TheMagneticFieldWahrscheinlich werden die Enthusiasten jetzt die Hände virtuell über dem Kopf zusammenschlagen, dennoch meine Frage (da „wirkliche“ Aufführungen zumindest bei mir nicht um die Ecke stattfinden):
    Es gibt ja mittlerweile diese Live Aufführungen der Metropolitan Opera in diverse Kinos Deutschlands übertragen. Kompletter Humbug oder irgendwie doch eine Alternative für Leute, die eben eher selten die Möglichkeit haben so etwas in exzellenter Aufführung zu sehen?

    So dann doch mal etwas verspätet die Rückmeldung @niquaiz @gypsy-tail-wind. Wir waren dann jetzt vor ein paar Wochen in Don Giovanni und im Großen und Ganzen war ich durchaus angetan, auch wenn man im Kino den Eindruck bekam, man wäre in einen Ausflug des ortsansässigen Altersheims geraten. Wir waren mit Abstand die Jüngsten und sind weit davon entfernt jung zu sein. War aber auch mal ganz spannend, sonst ist man auf Festivals ja eher immer bei den Ältesten.
    Musikalisch hat mir das, ohne großer Opernkenner zu sein, durchaus gut gefallen, vor allem Adam Plachetka als Leporello, Matthew Rose als Masetto bei den männlichen und Serena Malfi als Zerlina und Hibla Gerzmava als Donna Anna bei den weiblichen Darstellern würde ich da hervorheben wollen.
    Was ich, von der Musik abgesehen, als sehr positiv wahrgenommen habe, war dieser Blick in den Orchestergraben und in der Pause und nach dem Stück der Blick hinter die Bühne, den man so natürlich sonst nicht geboten bekommt. Das führt mich aber auch gleich zum negativen Aspekt, denn durch die eben sehr fokussierte Kameraführung, war man für meinen Geschmack deutlich zu oft zu stark auf den Darsteller fixiert, so dass das Gesamtbühnenbild mir persönlich oftmals zu sehr unterging. Da hätte ich mir einfach viel mehr die Totale gewünscht.
    Insofern wäre das Erlebnis vor Ort für mich sicherlich deutlich fruchtbarer (vom optischen), ohne dass ich den Abend insgesamt jetzt als schlecht empfunden hätte.
    Wir haben auch durchaus ins Auge gefasst das Ganze zu wiederholen, vielleicht (rein von den Bildern geleitet) mit Rusalka.
    Kann mir da irgendjemand was zu sagen, lohnend, dramatisch, depressiv, lustig….?

    zuletzt geändert von themagneticfield

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    "Man kann nicht verhindern, dass man verletzt wird, aber man kann mitbestimmen von wem. Was berührt, das bleibt!
    #10002285  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    @themagneticfield verspäteten Dank für Deine Schilderung, die ich schon längst gesehen hatte … das mit der Engführung der Kamera erlebe ich ähnlich bei DVDs bzw. TV-Übertragungen (manches, was auf arte oder 3sat gezeigt wird, gibt es kurz darauf, manchmal sogar schon zum Zeitpunkt der Übertragung, auch auf DVD … ich habe inzwischen eine beträchtliche Sammlung, die aber momentan nur dazu dient, zu wissen, dass ich die Sachen irgendwann anschauen bzw. in manchen Fällen wieder einmal anschauen kann, wann immer ich mag, z.B. die grossartige „Elektra“ in Patrice Chéreaus Regie aus Aix-En-Provence). In der Oper selbst ist man halt immer ziemlich weit weg, wenn man keine superteuren Plätze mitten im Parkett kaufen mag oder kann – ein kleines Fernglas mag gute Dienste tun (wirklich mitgenommen habe ich das aber bisher nur in Verona in der riesigen Arena, werde es künftig aber wohl auch hier in Zürich tun, beim letzten Mal wäre ich einige Male froh darum gewesen).

    Zur „Rusalka“ kann ich leider gar nichts sagen, wüsste auch nicht, wer hier im Forum mehr wissen könnte, ev. @soulpope?

    __

    Selber habe ich punkt 12 eine Karte für die fünf-aktige Fassung von „Don Carlo“ (Regie: Peter Stein, dir. Myung-Whun Chung) in der Scala gekauft, man gibt die Salzburger Inszenierung, die ich mit grosser Begeisterung auf 3sat gesehen habe (irgendwo findet sich dazu wohl auch ein Post von mir), aber mit anderer Besetzung (also ohne Kaufmann und Harteros) … hoffe, der Platz ist ordentlich, sah in der Animation gut aus, jedenfalls keine Säule vor der Nase (2. Reihe auf dem 1. Rang, nicht weit neben der Mitte – die billigsten Karten waren schon weg, weil der Vorverkauf am Schalter schon um 9 Uhr begann, online bzw. telephonisch erst ab 12 Uhr, aber 60€ für eine fünfstündige Aufführung ist doch völlig im Rahmen).

    „Don Carlo“ sehe ich schon im Dezember in Zürich, hier aber in der vier-aktigen Mailänder Fassung von 1884 – warum ich aber trotzdem hinwollte: Harteros gibt in Zürich die Elisabetta. (Wiederaufnahme einer Inszenierung von Bechtolf, den ich glaub ich meist langweilig finde, am Pult steht Fabio Luisi, den ich noch nie in Aktion gesehen habe.)

    Aber gut, die Oper finde ich tatsächlich enorm faszinierend, ich denke sie zählt inzwischen zu meinen Lieblingsopern … werde sie wohl noch einige Male hören bis zu den Vorstellungen bzw. bis zur Mailänder Vorstellung (um die herum ich meinen nächsten kleinen Urlaub geplant habe, zwei Jazzkonzerte an zwei Wochenenden, dazwischen in die Oper … freue mich sehr).

    EDIT: Die Suchfunktion taugt also wieder halbwegs, wenigstens wenn man weiss, was man sucht … hier eine knappe Erwähnung des Salzburger „Don Carlo“, auf der nächsten Seite dann noch etwas mehr:
    http://forum.rollingstone.de/foren/topic/ich-hoere-gerade-klassische-musik/page/160/#post-8424929

    __

    Ansonsten, in Sachen Oper: leider habe ich ja Mozarts Serail letzte Woche krankheitshalber sausen lassen müssen … da ärgert mich nicht nur das weggeworfene Geld (nahezu dreistellig für einen okayen Platz, also preislich fast ähnlich wie die Scala) sondern eben auch, dass ich Olga Peretyatko jetzt also immer noch nicht live gesehen habe. Vielleicht ist das besser, denn von den Besprechungen her scheint sie mit den Koloraturen der Konstanze etwas Mühe zu haben (und die Regie scheint auch ziemlich fragwürdig agiert zu haben, inklusive unsinniger Verschiebungen von ein paar Nummern).

    zuletzt geändert von gypsy-tail-wind

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #123: Dr. Lonnie Smith (1942–2021), 21.10., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #7: tba | No Problem Saloon, #29: tba
    #10015541  | PERMALINK

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    http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Mario-Barth-mit-versteckter-Kamera-im-Opernhaus-Hannover

    Ok, das ist mal echt Glück. Ich gehe erst morgen hin. Schlimm genug, dass der Mann überhaupt die Stadt/das Haus betreten darf.

    Das soll übrigens keine Aufforderung sein, dieser miesen Online-Ausgabe, der ohnehin nicht sonderlich guten Zeitung Geld für den Artikel zu zahlen. Es tut mir auch Leid, den Thread damit zu verschmutzen, es hat mich nur bewegt. Und ich freue mich sehr auf die gelobte Inszenierung von Manon Lescaut.

    --

    #10015553  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Mario Barth ist postfaktisch – da wird hoffentlich keiner auch nur einen Zloty dafür hergeben.

    Bei mir nächste Woche „Don Carlo“ – wie es scheint wirklich mit Harteros, die am vergangenen Wochenende bei der ersten Vorstellung der Wiederaufnahme ausfiel – heute war die zweite Vorstellung, die sie allem Anschein nach gesungen hat, nächsten Mittwoch habe ich Karten.

    Und arbeitsbedingt verfiele auch meine Karte für Verdis „Macbeth“ im Mai – meine Mutter nimmt sie mir ab (ich lade sie auch zu „Don Carlo“ ein) und ich habe gerade eine Karte für eine spätere Vorstellung, die passen wird/soll/muss gekauft (hoffe, das geht ohne zu bezahlen, ist nämlich nicht postfaktisch, auch wenn dieselbe Postille immer wieder die unsägliche Cora Stepfan druckt):
    http://www.nzz.ch/feuilleton/buehne/das-zerbrechende-ich-1.18722561
    (Die Wiederaufnahme ist nicht mit Currentzis und teilweise anderer Besetzung.)

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    #10042593  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Opernhaus Zürich, 7. Dezember 2016:
    Don Carlo
    Oper von Giuseppe Verdi (Mailänder Fassung in vier Akten von 1884)

    Musikalische Leitung Fabio Luisi
    Inszenierung Sven-Eric Bechtolf
    Bühne Rolf Glittenberg
    Kostüme Marianne Glittenberg
    Lichtgestaltung Jürgen Hoffmann
    Choreinstudierung Ernst Raffelsberger
    Janko Kastelic

    Elisabetta di Valois Anja Harteros
    Filippo II René Pape
    Don Carlo Ramon Vargas
    Rodrigo, marchese di Posa Peter Mattei
    La principessa d’Eboli Marina Prudenskaya
    Il grande inquisitore Rafal Siwek
    Un frate Ildo Song
    Tebaldo Soyoung Lee
    Voce dal cielo Sen Guo
    Il conte di Lerma Otar Jorjikia
    Deputati fiamminghi Andrzej Filonczyk
    Dmytro Kalmuchyn
    Huw Montague Rendall
    Dimitri Pkhaladze
    Stanislav Vorobyov
    Ildo Song

    Philharmonia Zürich
    Chor der Oper Zürich
    Zusatzchor der Oper Zürich
    SoprAlti
    Statistenverein am Opernhaus Zürich
    Solo-Cello Bruno Weinmeister

    Grossartige Sache, auch wenn es praktisch keine Regie gab (man stand halt da und sang, ruderte mal etwas mit den Armen … passt leider zu meinem bisherigen Gesamtbild von Bechtolfs Arbeit). Dafür eine tolle Bühne, die mit den Kostümen zusammen ein feines Ensemble bildete: scharfe Kontraste, ganz wie sie der Oper entsprechen (Rolf und Marianne Glittenberg, mehr von ihnen hier: http://www.nzz.ch/article9YO7S-1.331306). Aber was für ein Sänger_innenfest! Einzig Don Carlo war wohl etwas weniger grossartig als der ganze Rest der bis in die kleinen Rollen hervorragend besetzten Wiederaufnahme. Nicht nur die versammelte Riege auf der Bühne, auch das Orchester war grossartig aufgelegt. Prudenskayas Eboli beeindruckte (ging aber im Terzett – im zweiten Akt dieser Fassung, glaube ich – in den beiden Männerstimmen unter, im Quartett mit Elisabetta später dann aber nicht), ihre Arien und sonstigen Solo-Parts waren wirklich klasse. Matteis Posa war ebenso toll, vermutlich von den Männern der beeindruckendste an diesem Abend. Und klar, Harteros ist derzeit wohl wirklich nicht zu toppen. Ihre Stimme als solche, ihr Pianissimo, die gehaltenen Noten … wunderbar. Pape als alter König war ebenfalls gut, ganz besonders in der Solo-Szene zu Beginn des dritten Aktes. Auch Siwek (der Inquisitor) und Song (der Frate) waren sehr gut. Vargas in der Titelrolle hätte wohl in einem etwas weniger glänzenden Ensemble eine sehr gute Figur gemacht, aber in diesem Umfeld reichte es halt nicht immer – allerdings fiel er auch keineswegs in einem Masse raus, als dass man das ständig gedacht hätte, auch er hatte sehr gute Momente.

    Allerdings ist wirklich zu bedauern, dass man den ersten Akt (Fontainebleau) wegliess – es macht den Plot eigentlich unverständlich. Nichtsdestotrotz ist diese Oper inzwischen eine meiner allerliebsten. Und ich sehe sie am 1. Februar in der Mailänder Scala gleich noch einmal – in der vollständige fünf-aktigen Fassung dann! (Bei der – anscheinend rundum weniger gelungenen – Erstaufführung dieser Inszenierung gab man vor ein paar Jahren wie es scheint die fünf-aktige Version und Zubin Mehta stand am Pult, das musste nicht sein: http://www.nzz.ch/versteinert-vor-angst-1.15435684)

    : . : . : . :

    Opernhaus Zürich, 21. Dezember 2016:

    Die Entführung aus dem Serail
    Oper von Wolfgang Amadeus Mozart

    Musikalische Leitung Maxim Emelyanychev
    Inszenierung David Hermann
    Bühne Bettina Meyer
    Kostüme Esther Geremus
    Lichtgestaltung Franck Evin
    Choreinstudierung Jürg Hämmerli
    Sound-Collagen Malte Preuss
    Dramaturgie Beate Breidenbach

    Bassa Selim Sam Louwyck
    Konstanze Olga Peretyatko
    Blonde Claire de Sévigné
    Belmonte Pavol Breslik
    Pedrillo Spencer Lang
    Osmin Nahuel Di Pierro
    Janitscharen Katarzyna Rzymska, Bettina Siegfried, William Lombardi, Michael Schwendinger

    Orchestra La Scintilla
    Zusatzchor der Oper Zürich
    Statistenverein am Opernhaus Zürich

    Nachdem ich im November krankheitshalber eine teure Karte hatte verfallen lassen, kaufte ich mir für die Dernière dieser Neuinszenierung noch eine billige (stellte sich aber als sehr guter Platz heraus … muss mir langsam merken, welche billigen Plätze wirklich was taugen), denn ich wollte Peretyatko doch noch sehen – und hörte auch im Pausengespräch mit einem älteren Herrn in der Tonhalle (der seine Abo-Karte für den „Serail“ weitergereicht hatte, weil ihm die Kritiken die Lust verdarben), dass die Inszenierung doch ganz in Ordnung sein soll. Der erste Schreck war die Ankündigung, dass Peretyatko erkältet sei, aber singen werde, lediglich um etwas Nachsicht bitte. Das stellte sich zum Glück als überflüssige Warnung heraus – es dauerte wohl da und dort ein paar Töne, bis ihre Stimme frei war (Järvi hatte im Konzert in der Tonhalle neulich übrigens mittendrin einige Male gehustet, zum Schluss sogar mit Taschentuch, während er einhändig weiterdirigiert).

    Was nun die umstrittene – im Tagesanzeiger verrissene, in der NZZ diskutierte – Inszenierung betraf: die Grundidee ist es, die Handlung als innere im Kopf von Belmonte darzustellen, als Eifersuchtsdrama, als Wahn mit Doppelgängerpaar (Pedrillo und Blonde) und einem stummen Verführer, sehr toll von Sam Louwyck gespielt, dieser Bassa Selim, der sich nachts um Belmonte schlängelte, jeder Berührung auswich bzw. sich zurückstossen liess, der aber auch zumal fürs Publikum sichtbar das Bett mit der angebeteten Konstanze teilte, aber ob sie sich ihm nun hingab oder nicht, bleibt natürlich unklar, denn wir sind ja nur im Kopf von Belmonte. Der Rahmen für das Drama um Belmontes krankhafte Eifersucht ist ein schickes Restaurant, in dem dieser zum Auftakt seiner Konstanze gleich mal vorwirft, ihn zu betrügen (so wird auch vom Sinn her denn einiges umgestellt, die grosse „Martern“-Arie von Konstanze zumal, während anderes dann doch nicht mehr so ganz passt, Blondes „Zärtlichkeit und Schmeicheln“-Arie etwa) – und in dem Osmin quasi als Personifizierung der Ängste des Belmont den Oberkellner mimt. Angst vor dem Verlust, Angst vor der gesellschaftlichen Blamage (die tritt natürlich umgehend ein, denn Konstanze schliesst sich in der Toilette ein und die ganze Bude glotzt), Angst auch vor der „Abweichung“: in der „Vivat Bachus“-Szene wird es später handfest homoerotisch zugehen zwischen Pedrillo und Osmin. Zudem ist anzufügen, dass fast komplett auf die gesprochenen Dialoge verzichtet wurde, dass zwischen einigen Nummern dafür eine leise pochende oder sirrende Geräuschkulisse eingebaut wurde, die wohl das Blut in Belmontes Kopf darstellen sollte, seine innere Erregung.

    Am Pult der Scintilla – dem HIP-Ensemble des Opernhauses, das ich zum ersten Mal in Aktion erlebte – stand Maxim Emelyanychev, der für den schon während der Probenarbeit krankheitshalber ausgefallenen Teodor Currentzis einsprang (ihn habe ich bisher leider immer verpasst, aber sowohl hier wie auch bei Shostakovich, s.u., gab es würdigen Ersatz). Das Orchester spielte formidabel auf (im Gegensatz zum Verriss im Tagesanzeiger hörte ich keinesfalls Patzer am laufenden Band) und ich fand es überhaupt klasse, eine Oper mit solcher Begleitung live zu hören, kannte ich bisher ja nur auf CD und das ebnet im Vergleich ja schon sehr ein.

    Peretyatko als Konstanze mag da und dort mit ihrer eher leichten Stimme tatsächlich an die Grenzen gekommen sein, ich fand sie allerdings sängerisch wie darstellerisch überzeugend. Pavol Breslik als Belmonte gefiel mir gut, aber Spencer Langs Pedrillo war eine Spur besser, intensiver, direkter – letzteres Prädikat passt auch auf Claire de Sévignés Blonde. Es ist, als hätte das „niedere“ Paar sich weniger mit dem Ballast der Interpretation zu befassen, schliesslich waren sie ja nur Doppelgänger, der Belmont’schen Phantasie entsprungen. Nahuel Di Pierro hat nicht ganz die nötige Tiefe für Osmin – aber da bin ich vorbelastet, ausser Gottlob Frick kann keiner die Rolle wirklich perfekt singen, glaube ich.

    : . : . : . :

    Opernhaus Zürich, 27. Dezember 2016:
    Lady Macbeth von Mzensk
    Oper von Dmitri Schostakowitsch

    Musikalische Leitung Vasily Petrenko
    Inszenierung Andreas Homoki
    Bühne Hartmut Meyer
    Kostüme Mechthild Seipel
    Lichtgestaltung Franck Evin
    Choreinstudierung Ernst Raffelsberger
    Dramaturgie Claus Spahn

    Katerina Ismailowa Gun-Brit Barkmin
    Boris / Geist des Boris Pavel Daniluk
    Sinowij Oleksiy Palchykov
    Sergej Misha Didyk
    Axinja Kismara Pessatti
    Sonetka Deniz Uzun
    Zwangsarbeiterin Sen Guo
    Der Schäbige / Kutscher Michael Laurenz
    Pope / Alter Zwangsarbeiter Wenwei Zhang
    Polizeichef / Wächter / Sergeant Valeriy Murga
    Verwalter / Polizist Dimitri Pkhaladze
    Hausknecht Dmytro Kalmuchyn
    Lehrer Trystan Llŷr Griffiths
    1. Vorarbeiter Michael Laurenz
    2. Vorarbeiter Gyula Rab
    3. Vorarbeiter Huw Montague Rendall
    Mühlenarbeiter Robert Weybora

    Philharmonia Zürich
    Chor der Oper Zürich
    Statistenverein am Opernhaus Zürich

    Gestern gab es schliesslich, als krönenden Abschluss eines enorm intensiven Musikjahres (klick), das auch ein kurzes aber tolles Opernjahr war – das erste überhaupt nach fast 20 Jahren Pause – den krönenden Abschluss mit Schostakowitschs „Lady Macbeth“.

    Barkmin in der Titelrolle war schon 2013 dabei, als die Inszenierung erstmals in Zürich gezeigt wurde (da stand Currentzis am Pult): http://www.nzz.ch/feuilleton/buehne/scharf-gewuerzt-1.18060319. Bei dieser letzten Wiederaufnahme engagierte man Vasily Petrenko, und unter seiner Leitung war das Orchester einmal mehr phänomenal. ich hatte einen teuren Platz mit perfektem Blick auf die Bühne und auf das Orchester und Petrenko, der mir öfter wie ein Magier vorkam (obwohl ich noch nicht mit Schostakowitschs Symphonien angefangen habe, muss ich mir Petrenko da mal merken). Ich habe keine Worte für das Gehörte, aber es war unglaublich intensiv, die ganzen kleineren Rollen um Barkmin herum waren ebenfalls sehr gut besetzt, besonders gut gefiel mir der dunkle Mezzo von Deniz Uzun, aber auch Wenwei Zhang als Pope war klasse, ebenso Valeriy Murga als Polizeichef … aber auch die Rollen des Sergej, des lüsternen Schwiegervaters etc. waren bestens besetzt. Im Orchester gab es fünf oder sechs Schlagzeuger, dazu ein über dem Graben positionierter weiterer Mann am Xylophon. Nicht nur die Blechbläser (mit Tuba) hatten viel zu tun, auch im Holz gab es immer wieder solistische Ausflüge (von den drei Flöten und Piccolos, der Bassklarinette, der ersten – von drei – Klarinetten, den Fagotten oder dem Kontrafagott). Eine zupackende, handgreifliche, manchmal vulgäre Musik, die noch gesteigert wird durch die Banda, die in Clown-Kostümen auf der Bühne mitten im Geschehen positioniert war, geleitet (auf der Bühne) von Michael Laurenz, der eine Doppelrolle als Kutscher und als der Schäbige übernahm, in einem Kostüm, das an Kubricks „A Clockwork Orange“ erinnerte. Ganz gewiss nichts für feine Gemüter (die beiden älteren Herren neben mir ganz vorne in der Loge kamen nach der Pause nicht mehr, obwohl ihnen gerade die Sexszenen hervorragend zu gefallen schienen … vielleicht hatten sie schon genug nach den ersten fünf Bildern/zwei Akten).

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    #10050337  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Opernhaus Zürich, 4. Januar 2017

    ALCINA
    Oper von Georg Friedrich Händel

    Musikalische Leitung – Giovanni Antonini
    Inszenierung – Christof Loy
    Bühne – Johannes Leiacker
    Kostüme – Ursula Renzenbrink
    Lichtgestaltung – Bernd Purkrabek
    Choreografie – Thomas Wilhelm
    Dramaturgie – Kathrin Brunner

    Alcina – Cecilia Bartoli
    Ruggiero – Philippe Jaroussky
    Morgana – Julie Fuchs
    Bradamante – Varduhi Abrahamyan
    Oronte – Fabio Trümpy
    Melisso – Krzysztof Baczyk
    Cupido – Barbara Goodman

    Orchestra La Scintilla
    Statistenverein am Opernhaus Zürich

    Gestern in der Oper … extra länger geschlafen und kürzer gearbeitet, um zwischen 19 und 23 Uhr nicht wegzudösen (es gab leider zwei überlange Pausen, musste jeweils auch umgebaut werden, die ganze Vorstellung dauert daher wirklich fast genau vier Stunden). Erneut war La Scintilla zu hören, das Spezialisten-Ensemble für alte Musik, mit dem Bartoli auch schon aufgenommen hat (auf meinen Stapeln liegt die BluRay von Rossinis „Otello“ mit Bartoli). Es leistete unter Giovanni Antoninis Leitung einmal mehr ganze Arbeit, und der Dirigent griff für eine Passage (bzw. Begleitung einer Arie) im zweiten Akt auch mal noch selbst zur Blockflöte.

    Die Inszenierung – im „Bauch“ eines Barocktheaters – kam mir etwas unmotiviert aber überaus stimmig vor, es gab ein paar Statisten mit Tiermasken, die auf der Bühne herumlagen, einen „Lift“ (der natürlich von der anderen Seite – das Publikum sass quasi hinter der Bühne – dazu diente, die Schauspieler im Boden zu versenken), es gab eine obere und untere Ebene (Bühne bzw. Untergrund), am Ende versank die böse Zauberin, als ihr Bann gebrochen, mittels des erwähnten Liftes im Bühnenboden, aber bis dahin hatte das Bühnenbild gedreht und das war dann fürs echte Publikum gedacht – ein paar Stroboskop-Blitze gab es frei Haus dazu. Doch die Figurenführung war effektiv und die Spannung wurde über die volle Länge fast immer gehalten.

    Die Hauptsache aber – selbstverständlich – der Gesang. Cecilia Bartoli in der Titelrolle war durchaus eindrücklich, vor allem wie sie auch enorm leise singen und die Spannung perfekt halten konnte. Philippe Jaroussky als Ruggiero war insgesamt für mein Empfinden eher noch eindrücklicher – sein Gesang bis ins letzte Detail perfekt, ohne darob die Lebendigkeit des Vortrages zu vergessen oder einfach nur in Schönklang zu versinken. Die Morgana von Julie Fuchs war ebenfalls erstklassig; wie Bartoli war sie schon bei der ersten Aufführung dieser Inszenierung vor zwei, drei Jahren mit dabei, statt Jaroussky sang damals Malena Ernman – ich kenne sie nicht gut, bin aber doch sehr froh, Jaroussky bei seinem überzeugenden Debut an der Oper in Zürich gehört zu haben, überdies bietet das Stück ja eh schon genügend Verwirrungspotential mit Bradamante/Ricciardo. Diese wurde sehr überzeugend von Varduhi Abrahamyan gesungen (auch aus der Erstaufführung dabei, wie übrigens auch Giovanni Antonini, der Mann am Pult) – mit einem dunklen aber überaus warmen Alt.

    Nicht zu verachten waren auch die Tanzeinlagen. Ein sechsköpfinges Ensemble von Tänzern gab es zuerst während des mittleren Teils der Ouvertüre und dann erneut – und ausgiebig – im dritten Akt zu bewundern. Witzig auch der Einfall mit dem nicht mehr ganz taufrischen Cupido, der immer wieder auftaucht (auch als Referenz im Text), stumm verkörpert von der Tänzerin Barbara Goodman. Ein paar Chor-Extras gab es im dritten Akt auch noch, da und dort ein paar Statisten, und natürlich die beiden ebenfalls solide gesungenen kleineren männlichen Rollen des Oronte (Fabio Trümpy) und des Melisso (Krzysztof Baczyk).

    Zumindest in jüngerer Zeit, wenn nicht überhaupt, war das meine erste opera seria auf der Bühne – natürlich kann man die Reihung von Nummern langweilig finden, aber was Händel sich da alles an Melodien einfallen liess, ist wirklich beeindruckend, und wenn das mit einem so tollen Sänger_innen-Ensemble und in einer durchaus brauchbaren Inszenierung aufgeführt wird, dann vergisst man den Nummern-Revue-Charakter leicht und es entsteht durchaus ansprechendes Theater.

    Auf jeden Fall ein fabelhafter musikalischer Auftakt ins neue Jahr, keine Frage!

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    #10053183  | PERMALINK

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    Eine verspätete Nachfrage. Ramon Vargas war nicht gut als Don Carlos? Überrascht mich sehr, weil ich ihn als sehr gewissenhaften und technisch sicheren Sänger, der ohne Forcierungen auskommt, kenne.

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    #10053197  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    bgigliEine verspätete Nachfrage. Ramon Vargas war nicht gut als Don Carlos? Überrascht mich sehr, weil ich ihn als sehr gewissenhaften und technisch sicheren Sänger, der ohne Forcierungen auskommt, kenne.

    „nicht gut“ wäre übertrieben, aber in diesem überragenden Ensemble fehlte ihm da und dort ein wenig das Volumen und die Durchsetzungskraft. Es gab Szenen, in denen ich ihn toll fand, aber auch welche, in denen er von Peter Mattei oder Anja Harteros salopp gesagt an die Wand gesungen wurde.

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    #10095885  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Opernhaus Zürich, 18. Februar 2017

    MÉDÉE
    Oper von Marc-Antoine Charpentier

    Musikalische Leitung: William Christie
    Inszenierung: Andreas Homoki
    Bühne: Hartmut Meyer
    Kostüme: Mechthild Seipel
    Lichtgestaltung: Franck Evin
    Choreographische Beratung: Katrin Kolo
    Choreinstudierung: Jürg Hämmerli
    Dramaturgie: Werner Hintze, Fabio Dietsche

    Médée: Stéphanie D’Oustrac
    Jason: Reinoud Van Mechelen
    Créon: Nahuel Di Pierro
    Créuse: Mélissa Petit
    Oronte: Ivan Thirion
    L’Amour, Captif de l’Amour, Premier Fantôme: Florie Valiquette
    Nérine: Carmen Seibel
    Arcas, Second Corinthien, La Jalousie: Spencer Lang
    Un Argien, La Vengeance: Roberto Lorenzi
    Une Italienne: Sandrine Droin
    Premier Corinthien, Un Argien, Un Démon: Nicholas Scott
    Cleone: Gemma Ni Bhriain
    Deuxième Fantôme: Francisca Montiel

    Cembalo: Paolo Zanzu
    Laute: Brian Feehan, Juan Sebastian Lima
    Cello: Claudius Herrmann
    Gambe: Martin Zeller
    Violone: Dieter Lange

    Orchestra La Scintilla
    Chor der Oper Zürich
    Mitglieder von Les Arts Florissants

    Phänomenale Sache gestern, „Médée“ von Marc-Antoine Charpentier im Opernhaus Zürich. Mit der Inszenierung, der Bühne, konnte ich mich nicht umgehend anfreunden. Christian Wildhagen hat sich in der NZZ sehr kritisch zu Homokis Arbeit bei dieser Oper geäussert, doch mir haben die Inszenierungen der „Divertissements“ (sie sind es, die Wildhagen nicht mochte) einigermassen eingeleuchtet, am Ende fand ich das alles sehr stimmig und durchaus aus einem Guss.

    Ansonsten: phantastische Musik, bei der Wort und Musik sich die Waage halten, bei der jeder Schnörkel der Singstimmen dem Text dient – und nicht etwa der Betonung von gesanglichen Qualitäten. Letztere sind allerdings gerade von grösster Bedeutung – und nach der etwas zweifelhaften Diktion einiger Stimmen beim „Don Carlo“ neulich in Mailand (mein Bericht versteckt sich hier): Was für ein riesiger Genuss, eine Oper zu hören, in der alle der französischen Sprache mächtig sind, perfekt idiomatisch vom Anfang bis zum Schluss! Kleinere Probleme der Diktion, eine gewisse Unverständlichkeit nimmt man ja alle Tage in Kauf, wenn man in die Oper geht; ich bin längst darauf eingestellt, da und dort etwas Nachsicht walten zu lassen – umso mehr war es wie ein Schlag ins Gesicht gestern: einfach perfekt, bis ins Detail.

    Stéphanie d’Oustrac hat die Rolle der Medea wahrlich absorbiert, eine ebenso beeindruckende Sängerin wie Schauspielerin, die schon länger mit William Christie arbeitet. Die kleineren Hauptrollen waren ebenfalls überzeugend besetzt, Reinoud Van Mechelens hoher Tenor war immer wieder bezaubernd, auch Nahuel Di Pierro, Mélissa Petit und Ivan Thirion überzeugten, ebenso die verschiedenen kleinen Rollen. Beeindruckend auch einmal mehr Chor und La Scintilla, von Christie teils vom Cembalo aus geleitet (es gab daneben im Graben ein zweites Cembalo und auch eine kleine Orgel – leider konnte ich nur in der Pause kurz runterblicken, ansonsten sah ich nur wenig vom Orchester). Das Orchester wurde v.a. in den Bläsern durch einige Zuzüger verstärkt, der Chor durch eine „haute contre“-Sektion von Christies Les Arts florissants. Gerade der Chor beeindruckte mich einmal mehr, er hat ordentlich was zu tun bei dieser Oper und auch das klappte stets bestens.

    Die Bühne war zweistöckig eingerichtet, wobei die obere Etage manchmal ganz nach oben gezogen, öfter so weit heruntergefahren wurde, dass sie quasi zu einer Stufe wurde. Dahinter gab es noch einen Raum, der allerdings nur für Auf- und Abgänge verwendet wurde, doch das war alles sehr einfach, grafisch auch in der farblichen Ausstattung. Stéphanie d’Oustrac beherrschte die Bühne förmlich, kaum tauchte sie auf (und sie war fast immer da) – eine enorme Präsenz und Ausstrahlung. Man merkt der Oper an, dass Charpentier die Figur der Medea wohl ursprünglich mochte – sie kriegt immer wieder unglaublich schöne Musik, ist überhaupt Herz und Zentrum der Oper. Mir ging es so, dass ich viel eher auf ihrer Seite war – auf der Seite der Schwarzen (und dunkelhaarigen), nicht auf der Seite der stets hell gewandeten (und passenderweise auch noch blonden) Créuse, die für ihr Schicksal wohl nicht viel kann, aber dennoch nicht sympathisch wird – auch nicht im musikalisch überaus betörenden Liebesduett mit Jason.

    Ergänzung: das Piano, das Pianissimo immer wieder – die Oper Zürich ist ja zum Glück recht klein (ich war dennoch froh um mein kleines Fernglas, um d’Oustrac auch aus der Nähe sehen zu können – Wahnsinn, diese Frau!) und es ist problemlos möglich, zwei Stimmen und ein paar hingetupfte Cembalo-Töne ganz leise in den Raum klingen zu lassen. Die Intimität, die gestern dadurch erzeugt wurde, hatte oft etwas fast schon Voyeuristisches, Übergriffiges: Man sieht und hört und fühlt etwas, das einen eigentlich überhaupt gar nichts angeht. So zumal der erzeugte Eindruck. So richtig laut wie beim Züricher „Don Carlo“ im letzten Herbst wurde es natürlich bei Charpentier nicht, aber wie Christie mit der Dynamik, der Lautstärke gearbeitet hat, war unglaublich eindrücklich. Es ist dies wohl auch der Hauptunterschied zu den CD-Einspielungen (auch von Christie, er hat deren zwei gemacht und insgeheim wünsche ich mir eine dritte mit d’Oustrac – oder doch lieber eine Film-Produktion davon, keine Ahnung, ob in Zürich Kameras liefen, gestern jedenfalls nicht, aber zu wünsche wäre es), denn diese Differenzierungen kriegt man daheim einfach nicht hin bzw. sie würden einen nur aufregen, weil man die ganze Zeit am Lautstärkenregler drehen müsste, um nicht die Wände einstürzen zu lassen oder um überhaupt etwas hören zu können.

    Aber ja, die Sache mit dem Piano und der dabei nicht nur gehaltenen sondern noch gesteigerten Spannung beherrschen d’Oustrac und Van Mechelen wenigstens so gut wie die Bartoli!

    (Diese letzten beiden Abschnitte schrieb ich nach Bgiglis Post unten)

    zuletzt geändert von gypsy-tail-wind

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    Neid, Gypsy, blanker Neid packt mich gerade.!? Ich kann da nur mit La Cenerentola und Cécilia Bartoli im Konzerthaus Dortmund letzten Samstag kontern.

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    #10095897  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    bgigliNeid, Gypsy, blanker Neid packt mich gerade.! Ich kann da nur mit La Cenerentola und Cécilia Bartoli im Konzerthaus Dortmund letzten Samstag kontern.

    Ich denke mal, das gestern war mein Konzert des Jahres :-)

    Wird jedenfalls sehr schwierig, das zu toppen – wirklich in jeder Hinsicht grossartig!

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    #10138033  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Übermorgen höre ich „L’elisir d’amore“ an der Oper hier in Zürich – gehe in erster Linie hin, weil ich Nello Santi mal (bzw. mal wieder, nach über 20 Jahren und keiner Erinnerung mehr) in einer Belcanto-Oper hören will. Eine andere vollständige Aufnahme als die obige mit Pavarotti und Sutherland aus der grossen Pavarotti-Box, die ich gerade zum ersten Mal seit der Anschaffung vom Regal holte, liegt mir erstaunlicherweise noch nicht vor. Güden/di Stefano unter Molinari-Pradelli habe ich soeben noch dazubestellt.

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    #10140343  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    L’ELISIR D’AMORE
    Oper von Gaetano Donizetti

    Musikalische Leitung: Nello Santi
    Inszenierung: Grischa Asagaroff
    Bühne und Kostüme: Tullio Pericoli
    Bühne: Gigi Saccomandi
    Choreinstudierung: Jürg Hämmerli
    Lichtgestaltung: Jürgen Hoffmann

    Adina: Olga Kulchynska
    Nemorino: Juan Francisco Gatell
    Belcore: Levente Molnár
    Dulcamara: Renato Girolami
    Giannetta: Hamida Kristoffersen
    Begleiter des Dulcamara: Jan Pezzali

    Philharmonia Zürich
    Chor der Oper Zürich
    Statistenverein am Opernhaus Zürich

    Gestern die Premiere der Wiederaufnahme (nicht der ersten, 2014/15 lief die Inszenierung mit Luisi auch an der Scala) von Donizettis „L’elisir d’amore“ – am Ende stehende Ovationen für Nello Santi, der der Züricher Oper seit seiner Zeit als Leiter (1958-1969 – die NZZ berichtete über sein Jubiläumskonzert zum 85. letzten Herbst, hatte mir noch überlegt, hinzugehen, aber Tschaikos Vierte hörte ich dann später in der Tonhalle mit Dutoit und war ziemlich gespalten) … die Inszenierung von Asagaroff ist hübsch, Bühne und Kostüme von Pericoli bringen die Oper ins ursprüngliche ländliche Setting zurück (die letzte Fassung, die ich vom Liebestrank sah, verpflanzte den Plot nach Malpensa, den Mailänder Flughafen (auch eine Scala-Produktion glaube ich, sah sie auf arte oder 3sat). Also: alles sehr harmlos, aber liebevoll gemacht. Und viel mehr hatte ich nicht erwartet, ging ja in erster Linie hin, um Santi in seinem Element zu hören – und das hat sich denn auch mehr als gelohnt. Musikalisch finde ich „L’elisir“ betörend schön, es gab denn auch so oft Szenenapplaus, wie ich es noch nie erlebt habe (was kein Massstab ist, bin ich doch erst seit einem knappen Jahr regelmässiger Operngänger, nach einer Pause von fast 20 Jahren, davor ging ich auch bloss fünf oder sechs Mal pro Saison, wobei im Schüler-Abo mit fünf Vorstellungen stets eine eher dümmliche Operette – den Scheiss gab’s bei Pereira immer – und ein Ballet dabei waren, also letztlich nur drei „richtige“ Opern, dazu kam dann noch der eine oder andere Besuch ausserhalb des Abos, eine Inszenierung von Jenufa und der Holländer in einer Berghaus-Inszenierung haben sich eingeprägt).

    Olga Kulchynska als Adina überzeugte in ihrem Rollendebut. Als Nemorino ist ab der nächsten Vorstellung das Ensemblemitglied Pavol Breslik dabei (den ich neulich als Belmonte hörte, der kriegt den Nemorino gewiss sehr gut hin), aber gestern sang zum einzigen Mal Juan Francisco Gatell (sein Debut am Haus) und auch er gefiel sehr gut. Die polternden Bartone übertrieben nicht zu sehr und auch die Giannetta war adäquat besetzt. Santi dirigierte hinter dem Klavier stehend (darauf lag ein kleinformatiges Notenbuch, wohl ein Klavierauszug aus Gedächtnisstütze, er dirigiert ja sonst stets auswendig) und setzte sich manchmal oder spielte im Stehen, wenn es obligates Klavier brauchte. Am Ende auf die Bühne zu kommen, war wohl ein echter Kraftakt, aber wie schön er die Musik zu formen versteht, wie farbig und vielfältig das alles klingt! Aber klar, die Partitur hält auch sehr viel bereit – ein Wunder für eine innert zweier Wochen geschriebene Opern, denn die Orchestrierung ist wirklich fabelhaft, da ein Solo-Fagott, dort ein paar Harfen-Arpeggi zu Pizzicato-Streichern … einzig bei der ganz am hinteren Rand der recht tiefen Bühne stehenden Bühnenmusik in der Szene mit der dann abgeblasenen Hochzeit am Anfang des zweiten Teiles gab es gewisse Probleme mit der Abstimmung, sonst war das keine Hauptprobe, die man rasch zur Schülervorstellung machte (leider, aber egal, wenn nur einer den den fünfzig oder sechzig Pennälern später mal wieder hingeht, hat sich’s gelohnt, und so unruhig waren sie gar nicht mal) sondern ein gelungener Auftakt zu einer Reihe von insgesamt nur fünf Aufführungen.

    Next up, am Diestagabend: Massenets „Werther“ mit einem wie man in der NZZ las anscheinend phänomenalen Juan Diego Flórez in der Titelrolle:
    http://www.opernhaus.ch/vorstellung/detail/werther-02-04-2017-18667/
    Sah die Oper vor ein paar Jahren in einer sehr ordentlichen Aufführung an der Oper am Rhein in Duisburg und freue mich auf ein Wiedersehen bzw. -hören! (Nehme an, diese von Tatjana Gürbaca eingerichtete Inszenierung wird die etwas bieder-brave von Duisburg locker toppen.)

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    #10143577  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Werther
    Oper von Jules Massenet

    Musikalische Leitung : Cornelius Meister
    Inszenierung : Tatjana Gürbaca
    Bühne und Lichtgestaltung : Klaus Grünberg
    Bühnenbildmitarbeit: Anne Kuhn
    Kostüme: Silke Willrett
    Kostümmitarbeit: Carl-Christian Andresen
    Choreinstudierung: Ernst Raffelsberger
    Dramaturgie: Claus Spahn

    Werther: Juan Diego Flórez
    Charlotte: Anna Stéphany
    Sophie: Mélissa Petit
    Albert: Audun Iversen
    Le Bailli: Cheyne Davidson
    Schmidt: Martin Zysset
    Johann: Yuriy Tsiple
    Brühlmann: Stanislav Vorobyov
    Käthchen: Soyoung Lee
    Charlottes Geschwister: Loïg Duméril, Linda Heiligtag, Valeria Mosca, Mia Schweizer, Rima van Dijk, Linda Weidmann

    Philharmonia Zürich
    Kinderchor der Oper Zürich
    SoprAlti
    Statistenverein am Opernhaus Zürich

    Keine Zeit, viel zu schreiben, aber das war erneut ein phänomenaler Musik- und Theater – also Musiktheater, genau wie neulich schon mit Trojahns „Orest“ – Abend gestern! Flórez ist schlichtweg grossartig in der Titelrolle, Anna Stéphany bei ihrem Rollendebut als Charlotte ebenfalls, und die Inszenierung ist äusserst stimmig, auf die Handlung und die geschilderten Milieus perfekt abgestimmt, sie trifft (trotz der (t)ollen „Klopstock!“-Ausfrufe und dem Ossian-Schmonzes, den Massenet eigentlich zu seiner Zeit schon hätte streichen können), und am Ende, wenn der klaustrophobische Bühnenraum sich plötzlich öffnet, die zweite Welt dann aber – nicht wie in Lars von Triers „Melancholia“ mit „dieser“ Erde kollidiert sondern vorbeizieht – geradezu rührend, wenn ein uraltes, stummes Doppelgängerpaar die unmögliche Liebe der beiden Protagonisten verkörpert. Petit fand ich ebenfalls klasse in ihrer kleinen Rolle, und auch die anderen kleineren Rollen waren gut besetzt.

    Das Orchester ist transparent, die Tutti-Passagen empfand ich als überhaupt nicht störend, kann natürlich sein, dass darans eit der Premiere noch ein wenig gearbeitet wurde (und auch das Saxophon fand ich völlig in Ordnung). Faszinierend fand ich persönlich auch, wie sich die französische Oper zwischen „Faust“ und „Pelléas et Mélisande“ entwickelte und wie ich das jetzt anhand dreier Vorstellungen innert relativ kurzer Zeit nachvollziehen konnte (der „Faust“ war mittelprächtig, der Debussy eine Epiphanie und der gestrige „Werther“ stand dieser kaum nach).

    Hier etwas ausführlicher die NZZ:
    https://www.nzz.ch/feuilleton/opernhaus-zuerich-die-leiden-der-jungen-charlotte-ld.155159

    http://www.opernhaus.ch/vorstellung/detail/werther-05-04-2017-18670/

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