Der letzte Film, den ich gesehen habe (Vol. II)

Startseite Foren Kulturgut Für Cineasten: die Filme-Diskussion Der letzte Film, den ich gesehen habe (Vol. II)

Ansicht von 15 Beiträgen - 52,831 bis 52,845 (von insgesamt 52,850)
  • Autor
    Beiträge
  • #12598613  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
    Biomasse

    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 70,655

    pfingstluemmelKlingt für mich erst mal wie Le couperet von Costa-Gavras. (Ach, haben beide die gleiche Romanvorlage…ok.)

    Yep, aber der Trailer wirkt doch deutlich besser, finde ich!

    --

    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
    Highlights von Rolling-Stone.de
    #12598621  | PERMALINK

    pfingstluemmel
    Darknet Influencer

    Registriert seit: 14.09.2018

    Beiträge: 8,920

    Ich meinte natürlich „die selbe“. Ist schon ewig her, seitdem ich Costa-Gavras Film gesehen habe, fand den damals aber gut.

    --

    Come with uncle and hear all proper! Hear angel trumpets and devil trombones. You are invited.
    #12598643  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
    Biomasse

    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 70,655

    pfingstluemmel
    Ist schon ewig her, seitdem ich Costa-Gavras Film gesehen habe, fand den damals aber gut.

    Ich auch, durchaus! Sah ihn, als er regulär in den Kinos lief.

    --

    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
    #12598803  | PERMALINK

    friedrich

    Registriert seit: 28.06.2008

    Beiträge: 5,622

    Endlich gesehen:

    One Battle After Another (Paul Thomas Anderson, 2025)

    Mit dem Dreh dieses Films wurde gerade erst begonnen, als Trump seine zweite Amtszeit als us-Präsident begann. Umso erstaunlicher, wie politisch aktuell er ist. White Suprematists, Migration, Widerstand.

    Nicht unbedingt repräsentativ für OBAA – jedenfalls nicht thematisch – aber toll, ist die einerseits so einfache, andererseits so spektakuläre Autoverfolgungsjagd gegen Ende des Films. Zwei Autos fahren auf einer Landstraße hintereinander her. Am Steuer nicht einmal die Hauptdarsteller. Na und? Aber die Topografie der Straße, Kamera, Schnitt und Musik machen daraus etwas Atemberaubendes:

    Kein CGI, keine KI.

    --

    Das RS-Forum droht, vom Netz zu gehen. Registriert euch bei StoneFM !
    #12599351  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
    Biomasse

    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 70,655

    Gestern im Kino – ein Highlight aus der gerade endenden „Freelance Women“-Reihe: The Fugitive (USA 1947) von John Ford und (ungenannt) Emilio Fernández. Henry Fonda als Priester auf der Flucht in einem Land, in dem Religion verboten ist (aus durchaus plausiblen Gründen, hollywoodesk komplett verdreht: quasi postkolonialer Freiheitskampf im Caudillo-Stil), Dolores Del Rio als „Indigene“, die ihm hilft … vor allem aber einfach ein mitreissender Fluss an Bildern, die in den Sets zwischen Kaserne, Kirche, Markt, fast schon pastoral lauschigen Flussufern und Wüste eine geradezu barocke Üppigkeit erreichen. Völlig bekloppter Film, aber sehr toll.

    --

    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
    #12599597  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
    Biomasse

    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 70,655

    Gestern im Kino die letzte von drei Vorstellungen der Premiere von The Chronology of Water (USA/LV 2025) in der Schweiz. Kirsten Stewarts Regiedebüt ist ein grossartiger Bilderreigen, der auch ohne Worte hervorragend funktionieren würde (aber im Gegensatz zu Forts verdrehtem Moralstücklein hab ich mir das hier nicht wünschen müssen). Imogen Poots in der Hauptrolle – jener der Schriftstellerin Lidia Yuknavitch, auf deren gleichnamigem Memoir von 2011 der Film beruht – ist grossartig. Stewart erzählt – wohl in Anlehnung an das Buch – in „flashes“, in zunächst überhaupt nicht chronologisch aneinandergereihten Bildern aus der Erinnerung, kurzen Szenen, Überblendungen. Umgesetzt ist das alles sehr toll mit überbelichteten Bildern, natürlich Aufnahmen im Wasser … die Metaphorik mag etwas abgedroschen sein (Jim Belushi als Ken Kesey spricht es später mal aus: „Fuck metaphors!“), aber sie trägt den Film, und sie gehört nun mal zur Geschichte von Yuknavitch, die als Teenager Ambitionen als Schwimmerin hatte. Das alles ist eng verwoben und mit der Zeit wird der Film chronologischer bzw. setzen sich die Puzzlesteine – Missbrauch durch den Vater, eine alkoholkranke Mutter, die allem nur abwesend zuschaut, die ältere Schwester als grosses Vorbild, die dem allem dann entflieht (Thora Birch, ebenfalls toll), die „geerbte“ Suchtkrankheit … – zusammen und es entsteht eine Geschichte. In dieser Geschichte beginnt Yuknavitch auch, das Buch zu schreiben, auf dem der Film wiederum beruht. Richard Brody hat über den Film geschrieben, was er da aber gegen Ende als Schwächen darstellt, kann ich nicht unbedingt nachvollziehen bzw. habe ich gerade schon ziemlich anders beschrieben (ohne Brodys Kritik, die ich vor ein paar Wochen schon gelesen hatte, noch präsent zu haben).

    --

    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
    #12599637  | PERMALINK

    friedrich

    Registriert seit: 28.06.2008

    Beiträge: 5,622

    Wir schauen uns auf der Berlinale einige fast vergessene Klassiker an.

    Dead Mountaineer’s Hotel (Hukkunud Alpinisti hotell)
    (Grigori Kromanov • USSR • 1979)

    Genau genommen ein estnischer Film, auf den die drei geladenen Gäste (eine Frau vom estnischen Filminstitut, einer der Darsteller und der Filmkomponist) sichtlich stolz waren. Der Film kam mir vor wie eine Mischung aus Agatha Christie, The Shining und Science Fiction. Im besten Fall bietet die Berlinale Filme, die wie ein Fenster in eine unbekannte Welt sind. Hier ist es sogar eine geheime Welt.

    Der Komponist Sven Grünberg erzählte amüsiert, das er eigentlich nicht erste Wahl war. Aber Arvo Pärt, der ursprünglich vergesehen war, setzte sich ins Ausland ab, ein anderer Komponist war nach einem Besäufnis nicht mehr auffindbar. So kam es, dass der Film statt eines Soundtracks mit klassicher Musik einen Soundtrack mit elektronischer Musik von Grünbein bekam.

    --

    Das RS-Forum droht, vom Netz zu gehen. Registriert euch bei StoneFM !
    #12599643  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
    Biomasse

    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 70,655

    Das klingt toll @friedrich – Grüsse nach Berlin und viel Vergnügen die nächsten Tage!

    --

    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
    #12599653  | PERMALINK

    themagneticfield

    Registriert seit: 25.04.2003

    Beiträge: 34,155

    pfingstluemmelZuletzt gesehen:

    Yves Saint Laurent (Regie: Jalil Lespert – Frankreich, 2014) 6/10
    Coco avant Chanel (Regie: Anne Fontaine – Frankreich/Belgien, 2009) 5/10
    The Blood Beast Terror (Regie: Vernon Sewell – Großbritannien, 1968) 4,5/10
    Soldaten des Lichts (Regie: Julian Vogel/Johannes Büttner – Deutschland, 2025) 7,5/10
    She Dies Tomorrow (Regie: Amy Seimetz – USA, 2020) 7/10
    Upír z Feratu – Der Autovampir (Regie: Juraj Herz – Tschechoslowakei, 1982) 7,5/10
    Ohne viel eigenes Zutun schlagen Plattformen wie YouTube oder TikTok eine wahre Flut an Videos vor, in denen halbseidene Lifecoachs auf Bauernfang aus sind. Seit jeher versuchen Beutelschneider sich an Krankheiten und dem Leid anderer Leute gesundzustoßen, wirklich neu ist das alles nicht. Die übliche Pampe aus Ernährung, Fitness, Spiritualität/Esoterik und undurchsichtigen Finanztipps wird angerührt, nun eben online, die Sektenform bleibt offensichtlich.
    In Soldaten des Lichts enthalten sich die Filmemacher eines Kommentars und lassen den Scam-Gurus Zeit und Raum sich selbst zu offenbaren. Und weil diese Leute nicht nur gewiefte Betrüger sind, sondern auch passionierte Selbstdarsteller (muss man wohl, wenn man sich 24/7 mit dem eigenen Smartphone broadcastet), fällt ihnen mehr aus dem leeren Kopf als gut für das Betrugsmodell wäre: Halbverdautes Wikipedia-Wissen, esoterischer Schmu, Ökofritzen-Salbadereien und handfestes Nazi-Gedankengut, gepaart mit den üblichen Hirnfürzen des Unternehmertums, immer auf der Suche nach ausbeutbaren Mitmenschen oder verwertbarer Umwelt. (Der „geistige Führer“ dieser Bande weist darauf hin, dass er früher „Vertriebler“ war. Keine weiteren Fragen.)
    Soldaten des Lichts ist auch ein Porträt wildgewordener Kleinbürger, die während der Corona-Pandemie zum allerersten Mal die Kränkung erfahren mussten, sich selbst zurückzunehmen, zum Wohle der Gemeinschaft. Das hat man bis heute nicht verziehen und flüchtet sich in Umsturz- und Rachephantasien. Natürlich pflegt diese Szene auch Kontakte zu Reichsbürgern und Souveränisten.
    Wohin das alles führen kann, wenn man Quacksalbern und Kurpfuschern nicht das Handwerk legt, zeigt das Schicksal von Timo M., der sich im Laufe der Corona-„Rebellion“ radikalisiert und durch den Umgang mit der Szene einen psychischen Knacks erleidet, welcher zu Essstörungen und später zu seinem Tod führt. Alles befeuert durch irgendwelche manipulativen Ernährungscoachs und Fitnesswichser, die Nahrungsergänzungsmittel verkaufen wollen, um ihre Nazi-Freunde zu unterstützen. Ich kann gar nicht in Worten ausdrücken, wie sehr mich diese Leute anwidern. Mögen die Schlangen an ihrem eigenen Öl ersticken. [Zur Zeit in der ZDF Mediathek streambar.]

    In der Regel bin ich bei deiner Kritik am Spießbürgertum ja nicht so nah bei dir (weil es mir gerne mal zu verallgemeinernd auf alles aufgestülpt wird, was nicht deinem eigenen Lebensstil entspricht), aber das ist (leider) absolut on point. Mit Entsetzen sehe ich das bis heute mehr als einmal in meinem (ehemaligen) Bekanntenkreis.

    --

    "Man kann nicht verhindern, dass man verletzt wird, aber man kann mitbestimmen von wem. Was berührt, das bleibt!
    #12599669  | PERMALINK

    friedrich

    Registriert seit: 28.06.2008

    Beiträge: 5,622

    gypsy-tail-windDas klingt toll friedrich – Grüsse nach Berlin und viel Vergnügen die nächsten Tage!

    Danke!

    Ich hatte in den letzten Jahren die Berlinale für mich eigentlich ausfallen lassen. Tagelang das Programm durchforsten, mit sowieso schon am Ende des Winters auf dem Zahnfleisch kriechenden Immunsystem bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und Nieselregen zu nachtschlafener Zeit Filme ansehen, deren Qualität dem Lotterieprinzip unterliegt – das wollte ich mir nicht mehr antun! Meine Gefährtin hat mich aber inzwischen umgestimmt und letztes Jahr sahen wir drei Filme in der Reihe Classics (oder Retrospektive), die alle begeisternd waren. Da kann man sich einerseites drauf verlassen, dass die Kuratoren für Qualität sorgen, andererseits sind das oft auch Filme, die irgendwo irgendwie verschüttet gegangen sind, aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden oder zur Entstehungszeit aus irgendwelchen Gründen – zumindest im deutschsprchigen Raum – kein Publikum fanden. Oder Filme, die man sonst niemals wieder auf großer Leinwand sehen kann. (Wieder)Entdeckungen!

    Grüße zurück in die Schweiz!

    --

    Das RS-Forum droht, vom Netz zu gehen. Registriert euch bei StoneFM !
    #12599793  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
    Biomasse

    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 70,655

    Mein Film heute fiel aus – noch nie erlebt: man habe den Schlüssel, um das DCP abzuspielen, nicht zur Verfügung … gab natürlich Geld zurück und ne Freikarte (was mir nichts bringt, weil ich eh immer einen Pass, mit dem ich dann so oft hin kann, wie ich will, ohne dass die einzelnen Vorstellungen noch was kosten). Gezeigt werden hätte sollen Magnificent Obsession von John M. Stahl (USA 1935), mein letzter Besuch bei der „Freelance Women“-Reihe. Nun, dann halt nicht … Ab Montag dann Lino Brocka-Retro. Da kenne ich bloss „Bona“ (am Festival in Bologna gesehen) und freue mich sehr auf mehr.

    --

    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
    #12599969  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
    Biomasse

    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 70,655

    Heute hat’s wieder geklappt, sogar mit ein paar Sonnenstrahlen auf dem Rückweg aus der Matinée: Lydia – Aufzeichnungen aus dem Irrenhaus (CH 2025), ein Dokumentarfilm über die einzige (überlebende) Tochter des wichtigsten Schweizer Industriekapitäns des 19. Jahrhunderts (Mastermind hinter dem Gotthardtunnel, Gründer der neulich verpufften Schweizerischen Kreditanstalt, sein fetter Hintern thront immer noch an bester Lage in Zürich direkt vor dem Hauptbahnhof). Sie heiratete den Sohn eines Kollegen des Vaters, versuchte später mit dem Kunstmaler Karl Stauffer ein neues Leben zu starten – was erfolgreich von den Männer-Seilschaften hinter der Familie des Ehemanns zunichte gemacht wurde und im Suizid beider endete. Seltsamer Film mit Historiker*innen und einer Psychiaterin in Interviews, einer Off-Stimme, die aus Welti-Eschers sehr präzisen Antworten im Rahmen ihrer Befragung, als die Männer sie in Rom in einer Irrenanstalt sperrten, liest, und dazu stummen Bildern einer Doppelgängerin, die durch italienische Palazzi und Ruinen von solchen schreitet, während Welti-Eschers Worte zu hören sind. Funktioniert am Ende überraschend gut.

    --

    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
    #12600095  | PERMALINK

    friedrich

    Registriert seit: 28.06.2008

    Beiträge: 5,622

    Berlinale, Film Nummer 2. Something completely different.

    Party Girl (Daisy von Scherler Mayer, 1995)

    Mary ist eine 20-something Anfang/Mitte der 90er in New York und interessiert sich eigentlich nur für Tanzpartys, schrille Klamotten und berauschende Substanzen. Aber Mary braucht Geld. Sie ist wegen Veranstaltung einer illegalen Party verhaftet worden. Ihre Patentante stellt die Kaution. Um das Geld wieder reinzubekommen nimmt Mary einen Job in der von ihrer Patentante geleiteten öffentlichen Bibliothek an. Und dann trifft sie noch Mustafa, eigentlich Lehrer aus dem Libanon, der sich aber in NYC seinen Lebensunterhalt als Falafelverkäufer verdienen muss. Das passt natürlich alles nicht so gut zusammen und führt zu allerlei Komplikationen.

    Die Regisseurin und ihr Co-Autor Harry Birkmayer waren persönlich anwesend und letzterer erzählte auf Deutsch mit sympathischen Akzent, dass er das Jahr 1990 in Berlin verbracht und die damalige Techno-Partyszene miterlebt hatte. Beide waren Fans von Screwball Comedys und wollten dieses Genre in die 90er übersetzen. Der Film wurde low budget gedreht und war in den USA ein überraschender Independent-Hit.

    Ich habe mich gewundert, das ich Party Girl noch gar nicht kannte, aber er ist im deutschsprachigen Raum damals nicht ins Kino gekommen. Sehr schade, denn Party Girl ist ein großer turbulenter Spaß. Screwball, coming of age, eigentlich auch Zeitdokument. Hauptdarstellerin Parker Posey ist ebenso nervig wie sympathisch, einfach umwerfend. Die Ereignisse überschlagen sich, die Dialoge sind messerscharf (zugegeben: soweit ich sie verstanden habe, denn der Film lief im Original ohne UT) und außerdem durchzieht ein toller Soundtrack mit house music den Film. Dazu möchte ich am liebsten selbst eine Party schmeißen. Mary und ihre Freunde sehen übrigens etwa so aus wie Dee-Lite.

    Da der Film nicht in Deutschland in die Kinos kam, wurde der Soundtrack hier auch nicht veröffentlicht und ist nur teuer gebraucht zu haben. Hat den zufällig jemand?

    Party Girl komplett im Netz.

    --

    Das RS-Forum droht, vom Netz zu gehen. Registriert euch bei StoneFM !
    #12600659  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
    Biomasse

    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 70,655

    Gestern zum einstieg in die kleine Brocka-Retro (neun von ca. 40 Filmen, ich hoffe, dass ich 6-7 davon schaffe, „Bona“ kenne ich schon) Manila in the Claws of Light (Maynila sa mga kuko ng liwanag) (Philippinen 1975). Davor gab es eine kurze Einführung von der Autorin und Übersetzerin Annette Hug, in der einiges an Hintergründen zur philippinischen Kulturwelt der Siebziger und Achtziger zu erfahren war (z.B. das die Eliten-/Bildungssprache damals überall Englisch war, in der Literatur auch geblieben ist, im Kino änderte sich das mit der Generation von Brocka). Der Film ist in seiner Mischung aus hartem Sozialdrama und plakativer, am Mainstreamkino angelehnter Liebesgeschichte, ein ziemlich wilder Ritt, dokumentiert die krassen Arbeitsbedingungen von Taglöhnern auf dem Bau, die korrupten Machtstrukturen dahinter, Frauenhandel, Alltag in Slums usw., und bei all dem wird die Stadt selbst zur eigentlich Hauptdarstellerin.

    --

    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
    #12601029  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
    Biomasse

    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 70,655

    Quer durch den Olivenhain (Zire darakhatan zeyton) (IR/FR 1994) – gestern Kino im Rückspiegel mit
    Abbas Kiarostami. Ein Film über die Dreharbeiten an einem Film, während derer sich die Story des Films mit jener des Films im Film immer mehr überlappt.

    Interessant gerade im Vergleich mit den „Correspondencias“ von Kiarostami mit Víctor Erice, wo Kiarostami eine gewisse Ungeduld mit dem Blick des Spaniers zeigt, der ständig um sich selbst, um Erinnerungen und das eigene Filmschaffen kreist und quasi nichts Neuer reinlassen kann in eine fast hermetisch wirkende Welt, aus der Kiarostami dann mit der meisterhaften Episode der Quitte, die in den Bach fällt, ausbricht und den filmischen Dialog dadurch plötzlich in Bewegung zu setzen vermag. Hier ist es Kiarostami, der um sich kreist … aber er tut das nicht, um Reminiszenzen und Erinnerungen auszubreiten sondern er nutzt die Selbstreflexion als Mittel, seine Geschichte zu erzählen, beschreitet damit dann doch wieder völlig andere Wege als Erice.

    „Es handelt sich um ein paradigmatisches Beispiel für modernes, selbstreflexives Autorenkino, in dem Fiktion und Film-im-Film-Struktur ineinander übergehen. Kino reflektiert hier seine eigenen Bedingungen und stellt die Frage, wie Realität im Film konstruiert wird.“ – so Linda Waack, vom Seminar für Filmwissenschaft der Universität Zürich, die dieses Semester die Filmtheorie-Vorlesung hält, die direkt davor im Kino gestartet ist.

    --

    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
Ansicht von 15 Beiträgen - 52,831 bis 52,845 (von insgesamt 52,850)

Schlagwörter: , , ,

  • Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.