Das Piano-Trio im Jazz

Ansicht von 15 Beiträgen - 1,006 bis 1,020 (von insgesamt 1,057)
  • Autor
    Beiträge
  • #12584787  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
    Biomasse

    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 69,788

    Junko Onishi Trio – Live at the Village Vanguard / Live at the Village Vanguard II | Ich weiss noch, wie geplättet ich beim ersten Hören war, vor fünf Jahren – genauer im Oktober 2020, als wir alle die meiste Zeit zuhause herumgesessen sind und neue Musik noch wichtiger war als die meiste Zeit davor und danach. Vom 6. bis 8. Mai 1994 nahm Jim Anderson das Trio von Onishi im wichtigsten Jazzclub der Piano-Trio- (und vermutlich der Jazz-)Geschichte auf. An ihrer Seite hat die Pianistin Reginald Veal und Herlin Riley – und diese Combo ist vermutlich bis heute meine liebste, denn so tight und integriert klingt sie sonst glaub ich nicht (zumindest nicht in den Jahren bis zum Rückzug, die späteren Sachen habe ich noch nicht gut im Ohr, teils noch gar nicht angehört, aber tatsächlich vor ein paar Jahren mal gezielt nachgekauft … im März kommt wieder ein Album, „American Classics“). Ich denke hier wirklich immer wieder an das Jamal Trio mit Fournier und Crosby: auch Veal und Riley haben ein Gespür für grosse Bögen und lange Phrasen, für kleinste Verschiebungen oder allmählich sich verändernde kleinste Nuancen – aber sie können auch blitzschnell das Tempo oder den Beat wechseln, wenn das gefragt ist. Der unbedingte Wille zur Form, zum Drama, scheint die Freiheit keine Sekunde einzuschränken – Onishi klingt hier, als sei sie bei sich angekommen, habe ihr Ding haargenau gefunden. Jedes Stück Stück ist für meine Ohren ein Knaller, die Auswahl hervorragend, die Arrangements durchdacht und hervorragend umgesetzt. Mingus („So Long Eric“), Berlin („Blue Skies“), Lewis („Concorde“), Gershwin („How Long Has This Been Goin‘ On?“), De Lange/Van Heusen („Darn That Dream“) und Ornette („Congeniality“) gibt es auf dem ersten, noch 1994 veröffentlichten Album. Auf dem ein Jahr später folgenden Vol. 2 sind es Gryce („The House of Blue Lights“), Livingston/Evans („Never Let Me Go“), Monk („Brilliant Corners“), Ozawa/Yoneyama („Ringo Oiwake“ – das scheint ein Pop-Song aus den Fünfzigern oder so zu sein, irgendwas mit Äpfeln oder Apfelblüten vom Land oder so – das Stück dauert 20 Minuten und geht neben an Jamal erinnernden Locked-in-Grooves durch ruhige Teile und auch durch unbegleitete Improvisationen von allen dreien), und Caesar/Youmans („Tea for Two“). Das zweite Album ist insgesmat ruhiger und zeigt vielleicht auch, dass Onishi inzwischen über eine breitere Palette verfügt, ohne deshalb von der unglaublichen Energie, die ihr Debüt prägt, etwas eingebüsst zu haben. Die Begeisterung ist jedenfalls auch fünf Jahre später immer noch da.

    --

    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
    Highlights von Rolling-Stone.de
    Werbung
    #12584797  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
    Biomasse

    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 69,788

    Ronnie Mathews with Buster Williams and Kenny Washington – Shades of Monk | Ein paar Tage später fand sich dieses Trio in einem Studio in derselben Stadt ein, um ein Album aufzunehmen, das Monk im Titel führt, aber neben drei seiner Stücke („Hackensack“, „Light Blue“ und “ Crepuscule with Nellie“) und dem mit ihm verbundenen „Sweet and Lovely“ noch sechs von anderen Komponisten enthält. Da sind Wayne Shorters „Contemplation“ und „Marie Antoinette“ sowie als Closer „Is That So“ von Duke Pearson, der Bassist brachte zudem seine Originals „Christina“ und „Toku-Do“ mit, Mathews sein „K.W.“, ein Vehikel für den Drummer der Session. Produziert und die Liner Notes geschrieben hat David Murray. Ich hab die CD laut Discogs seit knapp zwei Jahren – vermutlich als Folge unserer Monk-Strecke angeschafft und noch kaum gehört. der heutige Eindruck ist auf jeden Fall positiv. Vermutlich sollte ich doch mal wieder „Selena’s Dance“ (1988 mit Stafford James und Tony Reedus) hervorkramen, das ich im Gedächtnis immer noch als stärkstes der mir bekannten Alben abgelegt habe (das frühe „Doin‘ the Thang“, das hier erwähnte „Trip to the Orient“ und das etwas enttäuschende „Dark Before the Dawn“ von 1990 mit Ray Drummond/Billy Higgins). Das Trio hier zieht von lyrischen Balladen bis zur funky Version von „Sweet and Lovely“ (Backbeat und ein Bass-Ostinato) so ziemlich alle Register. Für meine Ohren ein hörenswertes Album, das mich aber nicht wirklich fesselt, ohne dass ich genau sagen könnte, woran das liegt. Nicht an den Monk-Stücken jedenfalls, die sind gelungen.

    --

    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
    #12584831  | PERMALINK

    soulpope
    "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"

    Registriert seit: 02.12.2013

    Beiträge: 56,976

    Kenny Barron Trio „Jackie-Ing“ (Reservoir „New York Piano Series“) 1992 …. der Pianist hat oft – so wie hier – die stärksten Momente bei den Interpretationen von Kompositionen seines Übervaters Thelonious Monk … sehr suprig auch Bassist Rufus Reid .. jedoch eine punktgenaue und minutiös exekutierte Arbeit von Victor Lewis stiehlt hier allen die Show …. btw insgesamt ein hörenswertes Piano Trio Album ….

    --

      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #12584851  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
    Biomasse

    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 69,788

    Michele Rosewoman – Spirit | Fünf Jahre vergehen, bis 1996 Rosewomans zweites Trio-Album erscheint – aufgenommen schon zwei Jahre zuvor im Juli 1994 beim Montréal Jazz Festival mit Kenny Davis und Gene Jackson, derselben Rhythmusgruppe wie auf ihrem 1992 aufgenommenen dritten Album mit Quintessence, „Harvest“. Ansonsten liegt noch ein Album mit der Band von Ralph Peterson Jr. dazwischen, das mir noch fehlt („Art“, das einzige mit Rosewoman). Das Tempo der Veröffentlichungen nimmt hier also bereits merklich ab. Das Konzert aus Montréal kam bei Blue Note und Somethin‘ Else heraus, nicht bei Enja, wo die Quintessence-Alben erschienen sind. Das Trio öffnet mit „Dolphin Dance“ von Hancock, lässt zwei Originals der Pianistin folgen, „in a Mood“ und „Independence Day“, welches Richard B. Kamins in den Liner Notes an Herbie Nichols erinnert, bevor mit „When Sunny Gets Blue“ ein Pop-Songa us den Fünfzigern zu hören ist. Weiter geht es mit dem Traditional „For Agayu“, „a sequence of traditional Dahomey Chants in the ‚Arara‘ dialect, originally arranged for New Yor-Uba, a 12-piece ensemble with percussionists and vocalists, led by Ms Rosewoman, that celebrates in a contemporary musical setting, the Afro-Cuban folkloric tradition.“ – Zum Trio kommt hier die Stimme von Rosewoman, quasi als Chor zum Lead des Klaviers. Es folgen drei weitere Originals, „Where It Comes From“, „Passion Dance Blues“ und „For Monk“ – und diese drei Stücke sind vielleicht das stärkste Segment des langen Konzerts, sie zeigen eindrücklich Rosewomans Drive und Ideenreichtum. Als Closer gibt es dann noch „Spirit“ von Earth, Wind & Fire, wieder mit Gesang. Das Album habe ich – wie „Occasion to Rise“, im Nachgang an unsere Enja-Vertiefung angeschafft und soweit ich mich erinnern kann, noch gar nie gehört. Es gefällt mir besser als der Vorgänger, wirkt wesentlich geschlossener, viel mehr aus einem Guss als „Occasion“. So richtig krieg ich Rosewoman allerdings auch hier nicht zu greifen – das geht mir anders als mit den Quintessence-Alben.

    --

    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
    #12584861  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
    Biomasse

    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 69,788

    Tethered Moon – Masabumi Kikuchi, Gary Peacock, Paul Motian – Play Kurt Weill | Hier finde ich nun eine um die andere von den besten Weill-Interpretationen … ein Album, das aus der Stille einen Rausch schafft, im Opener, dem „Alabama Song“, dafür nur ein ein oder zwei Minuten benötigt, anderswo aber auch in der Stille, in der Stasis geradezu, verharrt. Unendlich zärtliche Musik von zerbrechlicher Schönheit. Ich glaube, das war mein erstes Album von diesem Trio … vielleicht weil ich vor 20 Jahren oder so mal bei einer Theateraufführung der „Dreigroschenoper“ in der Band spielte, berührt mich die zarte, minimalistische Version vom „Barbara Song“ hier besonders. Danach wird Peacocks Bass zum Moritatensänger, bevor er dann hinter Kikuchis zweihändigem „Solo“ Walking-Bass spielt. Dann geht es in die USA mit dem „September Song“ (neun Minuten Stillstand – aber Motian!), „It Never Was You“, „Trouble Man“, „Speak Low“ und dem Closer „My Ship“, vor den noch der „Bilbao Song“ eingeschoben wird – nochmal Berlin mit Brecht. Vielleicht am Ende mein allerliebstes Album von der Gruppe, Kikuchi gelingt es hier an mancher Stelle, das Klavier wenigstens so schön wie Jarrett zum Singen zu bringen – berührt mich sehr. (Und lief die Tage schon ein paar Male, ohne dass ich hier geschrieben hatte.)

    Die Aufnahme entstand im Dezember 1994 in der Power Station in New York.

    --

    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
    #12584887  | PERMALINK

    vorgarten

    Registriert seit: 07.10.2007

    Beiträge: 13,364

    ART von peterson kann ich sehr empfehlen, rosewoman ist da ziemlich toll und graham haynes ist auch dabei. SPIRIT kenne ich nicht, aber kenny davis und gene jackson kann ich mir in einem pianotrio sehr gut vorstellen. das kurt-weill-album von tethered moon ist mittlerweile auch mein liebstes in dieser reihe, obwohl mein erstkontakt mit kikuchi die piaf-hommage war.

    gestern:

    iyer, crump, gilmore, historicity (2009), accelerando (2011), break stuff (2014) / sorey, diehl, brewer, continuing (2023)

    das alles ist musik, die mir sehr nah ist. iyers bestes trio bringt nochmal neue aspekte ins format ein, sorey – auf völlig andere weise – auch. iyers verschmelzung von nervösem post-m-base und historischer schroffheit („wildflower“ von nichols wird aktualisiert, aber auch ellington), während das trio sich an einer art handgemachtem breakbeat versucht und dabei maximal flexibel bleibt (gemeinsam leicht beschleunigen, langsamer werden, nicht naheliegende akzente suchen), verrät natürlich auch einflüsse, die hier bisher keine rolle gespielt haben (sowohl klassische indische als auch electronica, disco und avant r&b). mit crump und gilmore hat das vielmehr punch als beim aktuellem trio (das natürlich bewusst einen etwas anderen weg eingeschlagen hat), vor allem auf ACCELERANDO wird die intensität schon wieder lässig und die mitspieler nehmen sich mehr raum, weshalb ich das – und natürlich auch wegen des materials – nach wie vor das spannendste album finde.

    soreys zweites trio-album ist vielleicht das geschlossenste, mit der ungehetzten feier von sound und groove, wo nur dann mal an der schraube gedreht wird, wenn fürs erste alles gesagt ist und ein neuer impuls gebraucht wird. ich mag MESMERISM noch einen tick lieber, vielleicht auch, weil das damals auf anhieb so besonders war – aber ich betrachte keins der bisher drei alben als selbstverständlich. ist doch eigentlich völlig verrückt, dass man in den 2020er jahren plötzlich noch mal was neues aus dem klaviertrio-format herausholen kann…

    --

    #12584907  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
    Biomasse

    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 69,788

    Abdullah Ibrahim Trio – Yarona | Wie sehr ich dieses Album liebe, ist ja bekannt – es steht in meiner inzwischen eingereichten Liste, war ja klar. Ibrahim in der Form seines Lebens mit Marcus McLaurine am Kontrabass und George Johnson am Schlagzeug, live im Sweet Basil in New York – das hier wie eine Konzerthalle oder eine Kirche klingt. Wir hören den Bass vibrieren, kriegen jede Nuance der Besen auf den Fellen mit, hören Ibrahim leise mitsingen. Ein paar Töne braucht er im Opener „Nisa“ nur und die Aura ist gesetzt. Dann ein Riff, in das die Rhythmusgruppe einfällt, flexibel und dehnbar wie das singende Klavier des Leaders. Bald wechselt Johnson an die Sticks, gibt Schub. Das Trio hebt ab und kommt erst gute 50 Minuten später wieder zur Ruhe, wenn das Album viel zu schnell zu Ende ist. Auf dem Programm steht zwar eine Art „Best of“-Auswahl, aber das ist alles so perfekt verwoben, dass es mir schwer fällt, Highlights zu nennen: „African River, „African Marketplace“, das diekt in „Tintinyana“ übergeht … McLaurine kriegt ab und zu etwas Raum, lässt seinen Bass für ein paar Takte singen, während der Leader in sich horcht und dann neu ansetzt. Es gibt haufenweise magische Momente hier: den Übergang von „Duke 88″zu „Cherry/Mannenberg“, den Einsatz des wirbelnden Schlagzeugs in „Tuang Guru“ – und dann ist da der lakonisch-perfekte Closer, „Barakaat“.

    Die Aufnahmen entstanden am 13. und 14. Januar 1995 – und ich hatte das Album schon im Enja-Faden vorgestellt.

    --

    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
    #12584919  | PERMALINK

    vorgarten

    Registriert seit: 07.10.2007

    Beiträge: 13,364

    parker, yamamoto, thompson, luc’s lantern (2005)

    das wiederhören von einigen favoriten aus den letzten jahren ist bei mir noch offen. william parkers klaviertrio-album kenne und liebe ich seit erscheinen, es ist tatsächlich besonders bzw. nicht das, was man erwartet: kein trio aus dominanter bassisten-perspektive oder im loft- oder zumindest thirsty-ear-spirit. es gehört zu seiner musikalischen intelligenz und allgemeinen zurückhaltung, dass er hier hauptsächlich melodische kompositionen geschrieben hat, in deren ausführung das klavier die hauptrolle spielen darf. und diese kompositionen sind auf einfache art wirklich schön, hintergründig und perfekt für ein kleines ensemble geeignet. eri yamamoto spielt selbst auch durchaus zurückhaltend, aber komplex, und so ergibt sich musik von gebundener freiheit, die sich ungewöhnliche vignetten erlaubt, aber eigentlich kollektiv an einer sanften schönheit arbeit, ohne dass sich das unbedingt richtung ECM empfehlen würde.

    edit. eri yamamoto hat selbst einen ganzen stapel trio-aufnahmen veröffentlicht, erst bei jane street, dann auf AUM, der drummer (ikuo takeuchi) ist immer der gleiche, die bassisten wechseln. ich habe davon nur COBALT BLUE (thirsty ear, 2006), das ist etwas zupackender als LUC’S LANTERN, eigentlich ziemlich überzeugend, ich höre es aber nur selten, es fehlt etwas, was ich aber nicht näher benennen könnte.

    --

    #12584939  | PERMALINK

    kathisi

    Registriert seit: 18.09.2010

    Beiträge: 1,568

    vorgartenART von peterson kann ich sehr empfehlen, rosewoman ist da ziemlich toll und graham haynes ist auch dabei. SPIRIT kenne ich nicht, aber kenny davis und gene jackson kann ich mir in einem pianotrio sehr gut vorstellen. das kurt-weill-album von tethered moon ist mittlerweile auch mein liebstes in dieser reihe, obwohl mein erstkontakt mit kikuchi die piaf-hommage war. gestern: iyer, crump, gilmore, historicity (2009), accelerando (2011), break stuff (2014) / sorey, diehl, brewer, continuing (2023) das alles ist musik, die mir sehr nah ist. iyers bestes trio bringt nochmal neue aspekte ins format ein, sorey – auf völlig andere weise – auch. iyers verschmelzung von nervösem post-m-base und historischer schroffheit („wildflower“ von nichols wird aktualisiert, aber auch ellington), während das trio sich an einer art handgemachtem breakbeat versucht und dabei maximal flexibel bleibt (gemeinsam leicht beschleunigen, langsamer werden, nicht naheliegende akzente suchen), verrät natürlich auch einflüsse, die hier bisher keine rolle gespielt haben (sowohl klassische indische als auch electronica, disco und avant r&b). mit crump und gilmore hat das vielmehr punch als beim aktuellem trio (das natürlich bewusst einen etwas anderen weg eingeschlagen hat), vor allem auf ACCELERANDO wird die intensität schon wieder lässig und die mitspieler nehmen sich mehr raum, weshalb ich das – und natürlich auch wegen des materials – nach wie vor das spannendste album finde. soreys zweites trio-album ist vielleicht das geschlossenste, mit der ungehetzten feier von sound und groove, wo nur dann mal an der schraube gedreht wird, wenn fürs erste alles gesagt ist und ein neuer impuls gebraucht wird. ich mag MESMERISM noch einen tick lieber, vielleicht auch, weil das damals auf anhieb so besonders war – aber ich betrachte keins der bisher drei alben als selbstverständlich. ist doch eigentlich völlig verrückt, dass man in den 2020er jahren plötzlich noch mal was neues aus dem klaviertrio-format herausholen kann…

    Alles Alben, die auch mir ganz nahe sind – insbesondere seit ich in diesem Jahr beide Leader live erleben durfte!

    BREAK STUFF und CONTINUING werden auch in meiner Top 20 in der  parallelen Umfrage auftauchen – dazu noch prominent das letztjährige Album von Sorey – THE SUSPECTIBLE NOW. MESMERISM liegt noch auf dem „ungehört“ Stapel, das werde ich bis zum Umfrageende ändern. ACCELERANDO und HISTORICITY muss ich nochmal nachhören, ist eine Weile her.

    Schon lustig, das die besten neuen Pianotrioalben gerade von einem Schlagzeuger als Leader präsentiert werden.

    --

    Love goes on anyway!
    #12584951  | PERMALINK

    soulpope
    "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"

    Registriert seit: 02.12.2013

    Beiträge: 56,976

    Joe Haider „Kollektiv“ (Kick Records) 1973 …. mit Isla Eckinger  (b) + Allen Blairman (dr) …. freie Trioimprovisation bilden den Rahmen für Solodarbietungen der drei Musiker .. eine interessante Struktur, welche sich dann nach mehrmaligem Hören immer stärker verzahnt …. btw eine dringlich Erinnerung, welch 🤯Weltklassebassist🤯 Isla Eckinger damals war .. btw Joe Haider spielt hier auch E-Piano, was diese Platte in denn 90ern zu einem gesuchten Sammlerstück für „Rare Groove“ Adoranten werden liess ….

    --

      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #12584967  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
    Biomasse

    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 69,788

    Tommy Flanagan Trio – Sea Changes | Klassizismus jenseits der Retro-Strömungen der Zeit – auch wenn Peter Washington und Lewis Nash, die beiden Begleiter, durchaus Berührungen mit dieser anderen Welt hatten. Wie der Drummer schon im Opener, dem Titelstück von Flanagan, zwischen Swing und Shuffle hin und herspringt und dabei noch viel eindeutiger hip-hop-informiert ist als Johnson bei Ibrahim, ist sehr toll. Washington kriegt hier auch gleich sein erstes Solo – und die sechseinhalb Minuten des Stückes öffnen mit der grössten Gelassenheit eine ganze Welt. Ich höre das vielleicht auch irgendwie als Partner-Album zum schon im Februar 1993 eingespielten „Upon Reflection“ von Hank Jones (mit zwei Veteranen allerdings, Bruder Elvin am Schlagzeug und George Mraz am Bass), in der zeitlosen Eleganz und der Fähigkeit, mühelos in der Zeit zu sein und dennoch auch ganz bei sich zu bleiben. Ich kenne zwei Trio-Alben von Flanagan aus der zweiten Hälfte der Neunziger, die für mich seine vielgerühmten Enja-Alben in den Schatten stellen (ich hab sie die letzte Zeit nicht direkt gegengehört, aber die Enja-Strecke ist ja noch nicht so lang her). Todd Barkan und Satoshi Hirano (Alfa Jazz) haben das Album gemeinsam produziert, und bei Flanagan hat man den Vorteil, dass das Einbeziehen von Standards kein Zugeständnis für den (japanischen) Markt bedeutet. Allerdings gibt es zuerst drei weitere Originals, die nächsten zwei vom Album, auf den der Titel anspielt („Overseas“): „Verdandi“ und „Delarna“, dann „Eclypso“, inzwischen fast selbst ein Klassiker, wieder mit tollem Bass-Solo und dann einem Dialog von Flangan und Nash. „How Deep Is the Ocean“, „C. C. Rider“ und „Between the Devil and the Deep Blue Sea“ bilden dann den ersten Standards-Block, bevor es mit „Beat’s Up“ nochmal ein Flanagan-Stück gibt (auch auf „Overseas“). „I Cover the Waterfront“, „Relaxin‘ at Camarillo“ und eine feine Solo-Version von „Dear Old Stockholm“ (die letzten beiden erneut Wiederaufnahmen von „Overseas“) bilden zum Abschluss den zweiten Standards-Block. Das ist ein relativ traditionelles Trio, aber die Begleiter sind sehr präsent, Washington setzt auch in der Begleitung immer wieder einen Gegenpunkt zum Klavier und Nash ist superb, auch mit den Besen (das Solo in „Verdandi“!). Beim Leader ist der wahnsinnig schöne Ton zu bewundern, die elegante Phrasierung, der Swing, der Ideenreichtum. Jim Anderson hat die Aufnahme am 11. und 12. März 1996 im Clinton Recording Studio gemacht.

    PS: Um das Peterson-Album mit Rosewoman werde ich mich kümmern, danke! Ich kenne inzwischen fünf seiner Blue Note/Somethin‘ Else Alben und finde die alle gut bis super!

    --

    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
    #12585003  | PERMALINK

    vorgarten

    Registriert seit: 07.10.2007

    Beiträge: 13,364

    kathisi
    BREAK STUFF und CONTINUING werden auch in meiner Top 20 in der parallelen Umfrage auftauchen – dazu noch prominent das letztjährige Album von Sorey – THE SUSPECTIBLE NOW. MESMERISM liegt noch auf dem „ungehört“ Stapel, das werde ich bis zum Umfrageende ändern. ACCELERANDO und HISTORICITY muss ich nochmal nachhören, ist eine Weile her.

    auf jeden fall schön, dass du mitmachst, @kathisi.

    --

    #12585009  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
    Biomasse

    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 69,788

    Horace Tapscott – Thoughts of Dar es Salaam | Im Opener könnte man auch das hier fast für ein klassizistisches Unterfangen halten, zum Label (Arabesque) würde das ja passen – doch zum Glück straft Tapscott das schon im ruppigen zweiten Stück Lügen. Mit Ray Drummond und Billy Hart wurde Tapscott am 30. Juni und 1. Juli 1996 im Eastside Sound in New York mitgeschnitten und es gibt schon ein paar Zugeständnisse, dünkt mich: da sind nur vier Tapscott-Stücke zu hören, aber das zweite, „Bibi Mkuu: The Great Black Lady“ von Alan Hines, und das dritte, „Lullaby in Black“ von Thurman Green, stammen aus dem engen Umfeld. Dazu kommen allerdings drei Bebop-Klassiker: „Social Call“ von Gigi Gryce (klasse Tapscott über eher konventionelle Begleitung), „Oleo“ (mit tollem Schlagzeug-Solo) von Sonny Rollins und als Closer „Now’s the Time“ von Charlie Parker. Und manches kommt hier schon verblüffend konventionell daher, etwa Tapscotts Opener „As a Child“. Allerdings hat das Trio einen so eigenen, dunklen Sound, stark von Ray Drummonds Bass geprägt, und ist rhythmisch nicht nur dank der stets unberechenbaren Drums von Billy Hart ebenso eigenwillig unterwegs, dass nie echt keine Langeweile aufkommt. Francis Davis nennt in den Liner Notes neben den Vorbildern Monk und Weston überraschend aber durchaus einleuchtend Horace Silver als den Pianisten, an den ihn Tapscott am stärksten erinnere: „Tapscott’s music, despite its greater angularity, has about it an earthiness that is similar to Silver’s, and Tapscott’s many vamps and ostinatos give his performances a similar hypnotic, locked-into-the-bass quality. The difference, of course, is that this Horace is a post-sixties ecstacist who offers a powerful synthesis of hard bop and free jazz.“ – Das Album hätte, zusammen mit dem anderen auf Arabesque – vielleicht einen neuen Karriereschritt einleiten können oder Tapscott zumindest in weiteren Kreisen bekannt machen können. Doch leider starb der Pianist im Februar 1999 mit gerade einmal 64 Jahren.

    --

    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
    #12585029  | PERMALINK

    vorgarten

    Registriert seit: 07.10.2007

    Beiträge: 13,364

    the necks, townsville (2007)

    von den necks berücksichtige ich hier nur die live-alben, weil sie dort alles improvisatorisch aus der trio-konstellation entwickeln – die viererbox ATHENEAUM etc. bleibt außen vor (weil: box / dokument), PHOTOSYNTHETIC habe ich als schächeres album im gedächtnis und auch nicht physisch vorliegend, also ist TOWNSVILLE das ‚andere‘ album, dass ich in diesem rahmen wiederhöre. verrückt, wie konzise das ist: bucks beschränkt sich ausschließlich auf becken, abrahams bleibt bis zu den letzten 5 minuten tonal und in dur, swanton umspielt erst 4 akkorde, dann – auch bis kurz vor schluss – 2. im gesamteindruck eine wellenbewegung, und da ich gerade eine woche lang nur aufs meer geschaut habe, weiß ich, dass das nichts mit gleichförmigkeit zu tun hat. kleine wirbel, größere und kleinere ausläufer, eine größere gezeiten-erzählung, plötzlich kann wind aufkommen. mittlerweile sind die necks live nicht mehr so puristisch in ihren entwicklungen, oder vielleicht ist TOWNSVILLE ohnehin eine ganz große singuläre sache und deswegen veröffentlicht worden (seitdem gab es kein anderes live-album mehr). mir sind sie hier eigentlich am nahesten, ein live-phänomen (ohne die studioproduktionen schmälern zu wollen). interessant: der applaus wurde hier abgeschnitten.

    --

    #12585033  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
    Biomasse

    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 69,788

    vorgarten

    kathisi
    BREAK STUFF und CONTINUING werden auch in meiner Top 20 in der parallelen Umfrage auftauchen – dazu noch prominent das letztjährige Album von Sorey – THE SUSPECTIBLE NOW. MESMERISM liegt noch auf dem „ungehört“ Stapel, das werde ich bis zum Umfrageende ändern. ACCELERANDO und HISTORICITY muss ich nochmal nachhören, ist eine Weile her.

    auf jeden fall schön, dass du mitmachst, @kathisi.

    Unbedingt, ja :good:

    vorgarten
    the necks, townsville (2007)
    von den necks berücksichtige ich hier nur die live-alben, weil sie dort alles improvisatorisch aus der trio-konstellation entwickeln …

    Ich habe „Piano Bass Drums“ im Index grad doch noch nachgeführt – unsere kurze Unterhaltung dazu kann man ja mitzählen.

    --

    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
Ansicht von 15 Beiträgen - 1,006 bis 1,020 (von insgesamt 1,057)

Schlagwörter: , ,

Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.