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Junko Onishi Trio – Live at the Village Vanguard / Live at the Village Vanguard II | Ich weiss noch, wie geplättet ich beim ersten Hören war, vor fünf Jahren – genauer im Oktober 2020, als wir alle die meiste Zeit zuhause herumgesessen sind und neue Musik noch wichtiger war als die meiste Zeit davor und danach. Vom 6. bis 8. Mai 1994 nahm Jim Anderson das Trio von Onishi im wichtigsten Jazzclub der Piano-Trio- (und vermutlich der Jazz-)Geschichte auf. An ihrer Seite hat die Pianistin Reginald Veal und Herlin Riley – und diese Combo ist vermutlich bis heute meine liebste, denn so tight und integriert klingt sie sonst glaub ich nicht (zumindest nicht in den Jahren bis zum Rückzug, die späteren Sachen habe ich noch nicht gut im Ohr, teils noch gar nicht angehört, aber tatsächlich vor ein paar Jahren mal gezielt nachgekauft … im März kommt wieder ein Album, „American Classics“). Ich denke hier wirklich immer wieder an das Jamal Trio mit Fournier und Crosby: auch Veal und Riley haben ein Gespür für grosse Bögen und lange Phrasen, für kleinste Verschiebungen oder allmählich sich verändernde kleinste Nuancen – aber sie können auch blitzschnell das Tempo oder den Beat wechseln, wenn das gefragt ist. Der unbedingte Wille zur Form, zum Drama, scheint die Freiheit keine Sekunde einzuschränken – Onishi klingt hier, als sei sie bei sich angekommen, habe ihr Ding haargenau gefunden. Jedes Stück Stück ist für meine Ohren ein Knaller, die Auswahl hervorragend, die Arrangements durchdacht und hervorragend umgesetzt. Mingus („So Long Eric“), Berlin („Blue Skies“), Lewis („Concorde“), Gershwin („How Long Has This Been Goin‘ On?“), De Lange/Van Heusen („Darn That Dream“) und Ornette („Congeniality“) gibt es auf dem ersten, noch 1994 veröffentlichten Album. Auf dem ein Jahr später folgenden Vol. 2 sind es Gryce („The House of Blue Lights“), Livingston/Evans („Never Let Me Go“), Monk („Brilliant Corners“), Ozawa/Yoneyama („Ringo Oiwake“ – das scheint ein Pop-Song aus den Fünfzigern oder so zu sein, irgendwas mit Äpfeln oder Apfelblüten vom Land oder so – das Stück dauert 20 Minuten und geht neben an Jamal erinnernden Locked-in-Grooves durch ruhige Teile und auch durch unbegleitete Improvisationen von allen dreien), und Caesar/Youmans („Tea for Two“). Das zweite Album ist insgesmat ruhiger und zeigt vielleicht auch, dass Onishi inzwischen über eine breitere Palette verfügt, ohne deshalb von der unglaublichen Energie, die ihr Debüt prägt, etwas eingebüsst zu haben. Die Begeisterung ist jedenfalls auch fünf Jahre später immer noch da.

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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba