Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz

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Horace Tapscott – Thoughts of Dar es Salaam | Im Opener könnte man auch das hier fast für ein klassizistisches Unterfangen halten, zum Label (Arabesque) würde das ja passen – doch zum Glück straft Tapscott das schon im ruppigen zweiten Stück Lügen. Mit Ray Drummond und Billy Hart wurde Tapscott am 30. Juni und 1. Juli 1996 im Eastside Sound in New York mitgeschnitten und es gibt schon ein paar Zugeständnisse, dünkt mich: da sind nur vier Tapscott-Stücke zu hören, aber das zweite, „Bibi Mkuu: The Great Black Lady“ von Alan Hines, und das dritte, „Lullaby in Black“ von Thurman Green, stammen aus dem engen Umfeld. Dazu kommen allerdings drei Bebop-Klassiker: „Social Call“ von Gigi Gryce (klasse Tapscott über eher konventionelle Begleitung), „Oleo“ (mit tollem Schlagzeug-Solo) von Sonny Rollins und als Closer „Now’s the Time“ von Charlie Parker. Und manches kommt hier schon verblüffend konventionell daher, etwa Tapscotts Opener „As a Child“. Allerdings hat das Trio einen so eigenen, dunklen Sound, stark von Ray Drummonds Bass geprägt, und ist rhythmisch nicht nur dank der stets unberechenbaren Drums von Billy Hart ebenso eigenwillig unterwegs, dass nie echt keine Langeweile aufkommt. Francis Davis nennt in den Liner Notes neben den Vorbildern Monk und Weston überraschend aber durchaus einleuchtend Horace Silver als den Pianisten, an den ihn Tapscott am stärksten erinnere: „Tapscott’s music, despite its greater angularity, has about it an earthiness that is similar to Silver’s, and Tapscott’s many vamps and ostinatos give his performances a similar hypnotic, locked-into-the-bass quality. The difference, of course, is that this Horace is a post-sixties ecstacist who offers a powerful synthesis of hard bop and free jazz.“ – Das Album hätte, zusammen mit dem anderen auf Arabesque – vielleicht einen neuen Karriereschritt einleiten können oder Tapscott zumindest in weiteren Kreisen bekannt machen können. Doch leider starb der Pianist im Februar 1999 mit gerade einmal 64 Jahren.

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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba