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Yancy Körössy – Identification | A propos Art Tatum … nicht nur Martial Solal fand in Europa eigene Wege, um an das Spiel des grossen Pianisten anzuknüpfen und es fortzuschreiben. Auch der 1926 in Cluj geborene und 2013 in Bukarest verstorbene ungarischstämmige rumänische Pianist János (aka Ianci, Yancy, Janci, Iancsi usw.) Körossy gehört zu den Virtuosen, die da ansetzten, wo Tatum aufhörte. Wie Solal findet Körössy eine modernere harmonische Sprache, in der er das tut – im Fall seines vielleicht besten Albums am 9. September 1969 in Villingen für MPS und mit Hans Rettenbacher und Charly Antolini an seiner Seite. Schon 1960 hatte Körössy in Prag seine ersten Aufnahmen im Trio-Format gemacht, das Format war für ihn also altbekannt, und er schöpft auf „Identification“ aus den Vollen. Es gibt Standards („All the Things You Are“, „Bye Bye Blackbird“, „Stella by Starlight“, „I Can’t Give You Anything But Love“, „Stompin‘ at the Savoy“) und Originals („Sorrow“ und das Titelstück von Körössy, „I’m On My Way“ von Rettenbacher). Die Grooves bewegen sich zwischen Bop und Groove, werden oft intensiv, manchmal überborden sie so sehr, dass sie schon allein deshalb fast ins Freie durch brechen. Später kamen vermehrt auch Klänge aus seiner Heimat dazu, er verwob Jazz mit rumänischer Folklore oder liess sich auch mal von George Enescu inspirieren. Vielleicht kommt die Figur, von der das Trio sich im Titelstück zu freien Ausbrechen, auch aus der Tradition? Jedenfalls ist das ein ziemlich irrer Trip, der danach durch eine weitere halbe Rag-Nummer zurückgeholt wird, „I Can’t Give You Anything But Love“ mit einem tolle Intro von Körössy. Wenn danach die Rhythmusgruppe einsteigt, wird die Rag-Stimmung ihrerseits aufgebrochen und das Trio rompt mit steigender Intensität durch die Nummer, Antolini spielt immer dichtere Kommentare und Fills, das Klavier schrammt am Funk vorbei … rein von der Pianistik her dünkt mich da auch Newborn recht nah. Im Closer stoppen die drei dann den Flow und finden ausgerechnet in „Stompin‘ at the Savoy“ zum völlig freien Spiel. Vor zwanzig Jahren wäre das ein Lieblingsalbum gewesen, heute nicht mehr ganz.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tbaHighlights von Rolling-Stone.deJohn Carpenters „Escape From New York“ – „Die Klapperschlange“: 17 knallharte Fakten
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The Barry Harris Trio – Magnificent! | Barry Harris war vielleicht einer dieser Musiker, die mit zunehmendem Alter einfach immer besser werden? Sieben Jahre nach dem letzten Trio-Album (davor nahm er für sein neues Label Prestige 1967 und 1968 schon je ein Sextett-Album auf) ist Harris wieder mit einem Trio zu hören: Ron Carter ist zurück für einen Sideman-Job im Mainstream und Leroy Williams mit seinem „dancing, darting beat“ (Ira Gitler in den Liner Notes) sitzt am Schlagzeug, was er die kommenden Jahre bei Harris immer tun sollte. Los geht es rasant mit „Bean and the Boys“, dem Leader in Powell-Territorium aber mit Linien und Einfällen, die es so bei den ersten Beboppern noch nicht gegeben hätte. An Kanten mangelt es Harris wirklich nicht, auch wenn sein Spiel am Ende gerade so elegant – und ja: schön – ist wie das von Hank Jones oder Tommy Flanagan. Sein „You Sweet and Fancy Lady“ ist ein sehr schönes mittelschnelles Original, in dem die drei einen tollen Groove finden und Williams an den Besen tatsächlich tänzelt. „Rouge“ ist dann eine ausgewachsene Ballade, in der Carter mit tollen Gegenlinien glänzt, auch wenn er bloss begleitet. Beide Albumhälften enden mit Charlie Parker: „Ah-Leu-Cha“ und „Dexterity“ am Schluss des Albums. Dazwischen gibt es noch zwei Originals, „Just Open Your Heart“ mit einem Monk’schen Intro und „Sun Dance“, sowie den Balladen-Klassiker „These Fooolish Things (Remind Me of You)“. Nicht nur beim Closer denke ich hier in mancher Trio-Passage auch mal an das Jarrett-Trio, das ja auch hie und da Bebop-Klassiker neuinterpretiert hat.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
Siegfried Kessler, Barre Phillips, Steve McCall – Live at the „Gill’s Club“ | Letzte Runde aus dem Jahr 1969, live im Gill’s Club in Paris am 26. und 27. Dezember 1969 für eins der Label von Gérard Terronès. Der 1935 in Saarbrücken geborene Pianist trat mit den unwesentlich älteren Amerikanern Barre Phillips am Kontrabass und Steve McCall am Schlagzeug auf. Für das CD-Reissue wurden nicht nur fast 10 Minuten von „LB“ wiederhergestellt („long & improvised version“ steht dazu, 22:25 Minuten statt 12:40) sondern auch noch ein knapp 13minütiges „Milestone“ (Miles Davis) ergänzt. Die fünf Stücke der LP von 1970 stammen bis auf den Opener „Elyane“ alle von Phillips. Der Opener beginnt maximal frei mit Tupfern des Klavier, einzelnen Becken- und Trommelschlägen, einem frei gestrichenen Bass, der ständig ins Falsett wechselt. Erst nach vier, fünf Minuten schält sich in der linken Hand und den Drums allmählich ein Groove heraus – und nach über sechs Minuten dann plötzlich ein kleines Thema, das im Bass zwischen zwei Akkorden wechselt und halbe Flamenco-Anklänge kriegt. Das Stück entwickelt über fast 18 Minuten einen grossen, tollen Bogen. „Journal Violone“, „Spikenard“ und „Silver Cloud“ heissen die drei kürzeren Phillips-Stücke, die folgen. Das erste hier als eine Art Free-Ballade, natürlich mit Phillips im Zentrum. Das Klavier gesellt sich mit einfachen Melodiefetzen dazu, die Drums punktieren ein wenig. Im zweiten ist das Tempo schnell, die Räume vm „Journal“ werden wieder verdichet. Im dritten tänzeln Bass und Drums einen Walzer und das Klavier setzt sich dazwischen, stört mal, macht dann wieder mit. Das Riff wird bald punktiert, das Klavier schiebt Arpeggien herum – aber eigentlich bleibt der Bass auch hier die ganze Zeit im Lead. In „LB“ findet das Trio dann schon nach kurzem freien Intro einen raschen Puls, wobei der Bass und die Drums nie zusammen zu sein scheinen sondern irgendwie parallel ihre Wege gehen, während das Klavier dazu grummelt und kleine Melodien oder Akkorde einstreut. Phillips spielt zwischen schnellen Passagen auch mal double stops und McCall überrollt bald alles mit seinen Attacken. Nach ein paar Minuten beruhigt sich das Geschehen, der Puls löst sich auf, Phillips greift zum Bogen. Nach einigen Minuten findet der Bass ein neues Riff, das vielleicht ein wenig arabisch klingt. Die Drums gesellen sich jetzt passend dazu, das Klavier rifft, und so findet das Stück dann nach 22 Minuten sein Ende (keine Ahnung, welcher Teil weggekürzt wurde für die LP, vermutlich eher der erste). Dann noch „Milestones“, Phillips lässt den Bass ausklingen, Kessler deutet das Thema bruchstückhaft an, McCall spielt einen Puls, der mehrere Tempi gleichzeitig andeutet. Ziemlich toll, wie das läuft – bis es recht unvermittelt zu einem Ende kommt, und damit auch die 73 Minuten Musik auf der CD. Gefällt mir sehr gut, auch von der Stimmung her, die an diesen Abenden herrschte.
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soulpope "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"Registriert seit: 02.12.2013
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Einzelperlen „revisited“ …. :
Barry Altschul „Cmbeh“ (Muse Records) 1977 …. in einem Leaderprojekt mit Quintett- und Solostücken nahm der Schlagzeuger auch ein undurchdringliches Piano Trio inkl. Muhal Richard Abrams und Dave Holland auf …. hier „bezeugt“ der Pianist seinen nachhaltigen Einfluss auf Don Pullen (auch dies ein missing link aus den 60ern) und Dave Holland spendet für diesen „Free Bop“ Track selbstlos ein schier unpackbares Solo …. drängende und ungemein interessante Musik ….
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"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
The Chris McGregor Trio – Our Prayer | Noch eine Runde von 1969, genaues Datum unbekannt, aber aufgenommen in London (Sound Techniques) am selben Tag wie die Septett-Session „Up to Earth“. Drauf gekommen natürlich wegen Barre Phillips, der hier mit Louis Moholo ein freigeistiges Gespann bildet, das McGregor vielleicht nicht so emanzipiert entgegentritt, wie das beim Trio von Siegfried Kessler der Fall ist, aber ein sehr freier Geist weht auch hier, obwohl die Musik durchaus auch im Cape Jazz und seinen Riffs und Grooves verwurzelt bleibt. Es gibt hier zuerst drei kürzere Stücke und dann im zweiten Teil ein langes, fast 26 Minuten. Bis auf das hektische dritte von Phillips hat sie alle McGregor komponiert. Was McGregor zu dem Zeitpunkt alles absorbiert hat, weiss ich nicht so genau, aber auf jeden Fall einiges, bis hin zu Cecil Taylor und den anderen Free Jazzern, denen er viel näher verbunden ist als etwa Monk. Und natürlich trägt das nervöse Schlagzeug von Moholo, flächig und zugleich immer wieder in der Attacke, sehr viel bei zum Erfolg dieses Albums, das erst mit sehr viel Verspätung (zusammen mit „Up to Earth“) 2008 bei Fledg’ling herauskam. Zum Glück sind diese Aufnahmen herausgekommen!
(Falls ich von 1969 noch was Wichtiges nachhören sollte, bitte ich um einen Hinweis
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
The Ahmad Jamal Trio – The Awakening | Anfang Februar 1970 war das Jamal Trio zurück im Studio für Impulse. Das funktioniert sehr viel besser als „Tranquility“, Jamals Opener zum Beispiel gefällt mir sehr gut, und dass Jamal ein tolles Instrument spielt und diesem tolle Klänge abgewinnt, wie Leonard Feather in den Liner Notes schreibt, stimmt ebenfalls (George Sawtelle in den Plaza Sound Studios). Aber so richtig abheben tut vieles dann doch nicht, dünkt mich. Die von Feather hervogestrichene Ballade „I Love Music“ ist schon schön, aber zieht sich auch etwas – und das wird mit dem Closer der ersten Seite nicht besser: Jamals „Patterns“ fängt ein wenig wie ein „Poinciana“-Aufguss an, bis Jamil Nasser ein eins dieser zweitaktigen auf- und wieder absteigenden Bass-Licks fällt, wie sie bei Jamal so typisch sind. Frank Gant klöppelt dazu einen Beat – und dann passiert irgendwie: nichts. Das ist schon bei drei Minuten lang, aber da ist das Stück halt erst in der Hälfte. Die zweite Hälfte ist mit Herbie Hancocks „Dolphin Dance“, dem alten Klassiker „You’re My Everything“, Oliver Nelsons „Stolen Moments“ und zum Ausklang „Wave“ von Antonio Carlos Jobim. Hancocks Stimmung kann Jamal nicht einfangen, aber die, die er schafft, ist auch recht schön. Im Nelson-Stück klappt das mit der Stimmung besser, finde ich. Den Standard finde ich leider im Vergleich mit ähnlichen Einspielungen Jamals in früheren Jahren nur mässig überzeugend, der Bossa ist zu schnell, aber gefällt mir nicht schlecht. Fazit: Weiterhin alles andere als ein Lieblingsalbum, auch wenn ich einige Dinge höre, die ich sehr mag – nicht zuletzt den Sound des Klaviers (aber nicht so sehr den des Basses, der irgendwie unkonturiert klingt, auch etwas dünn, mehr Lautstärke als Volumen, fast ein Vorbote von Hässlichkeiten yet to come).
Ein Nachgedankte: das mit dem Sound ist vielleicht so in Ding wie mit Tyners Label-Debut acht Jahre früher – da kann man sich auch im Sound verlieren und einfach den Stimmungen nachhorchen … und das kann man bei „The Awakening“ definitiv auch tun, aber das reicht mir gerade nicht – und das ist auch Jamals Verdienst, weil auf dem Album davor halt schon einiges mehr zu gehen scheint.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba

tethered moon, tethered moon / triangle (1991)
ich habe die beiden jetzt genauso gehört, wie schon mal im kikuchi-thread beschrieben, „kikuchi-spitzenklasse“, steht bei redbeans. ich höre ab jetzt im stillen weiter, über das meiste aus den 90ern bis heute habe ich schonmal geschrieben. ich lese weiter mit, möchte bald die liste fixieren, kürze ab und schreibe nur noch, wenn was herausknallt oder fragen aufwirft.
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BOBBY TIMMONS – Soul Food
Hier im Stream. Billy Higgins war perfekt für das Format Piano Trio, ansonsten schätze ich vielleicht nur das Bertha Hope Album mit Billy Higgins etwas mehr. Am Ende der 1. Seite und auf der 2. Seiten wird es etwas mehr Straight-ahead, Timmons spielte für „Make Someone Happy“ und „Angel Eyes“ schöne längere Intros. Viel Potential (besonders „Angel Eyes“) für einen größeren Lauf bei dieser Gruppe, was aber nicht sein sollte. „Soul Food“ ist wahrscheinlich das letzte Trio Album von Timmons, danach war er aber noch etwas aktiv. „From The Bottom“ erschien 1970, es sind aber Aufnahmen von 1964. Die sind auch toll, weil Timmons auch Vibes spielte (sowas hatten Hampton Hawes oder Bill Evans in der Zeit nicht gemacht). Timmons hatte auf seinen Platten jedenfalls oft auch ein paar Klassiker/Standards, wegen denen lohnt es sich auch die Alben mal genauer zu hören. Interessant genug jedenfalls, wenn man Timmons nicht nur auf Soul Jazz reduziert (ähnlich wie bei The Three Sounds).
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Gary Peacock Trio – Eastward | Abend- und Morgenmusik von Gary Peacock, aufgenommen in Kawaguchi bei Tokyo im Februar 1970 mit Masabumi Kikuchi und Hiroshi Murakami, und Peacocks Debut als Leader. Ein lyrisches Album von einer Stunde länge (müsste heute als Doppel-LP neu aufgelegt werden, die Originalpressung kann ja nichts taugen
) mit Stücken, die ich am ehesten in der Nähe von Herbie Hancock höre von den Stimmungen her („Empyrean Isles“, „Maiden Voyage“, „Speak Like a Child“), ruhige Atmosphäre auch wenn es bewegt wird, ein singendes Klavier (kein singender Pianist) mit sehr schönen Touch, der Bass natürlich sehr präsent, eigentlich im Lead, aber das setzt sich auch als Trio super zusammen. Die Tempi sind meist getragen, was den Musikern aber Verdichtungen und Doppelungen erlaubt, ohne dass Hektik aufkäme. Ostinatos, Orgelpunkte, offene Akkorde … nur das kürzeste Stück in der Mitte ist schnell und hat eine ausgereifte Struktur, über die Kikuchi dann ein halbes Telegramm-Solo spielt. Dessen „Little Abi“ ist als zweitletztes Stück auch schon dabei. Der Closer ist dann auch von Beginn an wieder bewegter, zupackender – das einzige Stück vom ersten Aufnahmetag und Murakami spielt hier lauter und auch etwas schneidiger auf als meistens hier. Auf der Rückseite des Covers gibt es ein Close-Up von Peacocks Händen auf dem Griffbrett:
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
Howard Riley – The Day Will Come | Auch in England gab es 1970 bei Columbia einstündige Platten … ich habe wohl auch noch irgendwo „Angles“, den Vorgänger von Howard Riley und sein Debut bei CBS 1969, aber es läuft jetzt noch „The Day Will Come“, mit Barry Guy und Alan Jackson. Das Trio öffnet mit Stücken in einer nachdenklichen Stimmung … und ist darin von Peacocks Album nicht so weit entfernt, auch wenn die Musik wie mich dünkt anders funktioniert, eher kleine Motive als Grundlage hat als offene Akkorde oder Skalen. Das Material haben je zur Hälfe Riley und Peacock beigesteuert. Es gibt Minimalistisches, geräuschhaft Freies, Anklänge an Monk, auch freie Balladen und zum Ende mit dem Titelstück sogar eine Art Groove-Hymne.
Fürs CD-Reissue von 1999 hat Riley ein paar Zeilen des Rückblickes beigesteuert – davon der grössere Teil:
Most importantly, it was a working and therefore evolving band. The music evolved through playing gigs rather than being a one-off studio project, and I think the record reflects that. Secondly, I was aware of other piano trios up to and including that period, and remember feeling that it was essential to arrive at a distinctive group sound. Which leads into the third point – the second half of the 1960s saw the beginning of a distinctive European approach to jazz and improvised music. In Britain an amazing number of figures who later became internationally renowned were just starting out. It was an exciting innovative time.
The music on The Day Will Come used compositions by Barry and myself to provide a general springboard for improvising. Also, the writing tended to suggest challenging areas to improvise in, and it wasn’t always easy to play – we rehearsed. Because it was a working Trio the music changed from month to month, as is confirmed by the other CBS recording by this Trio (Angle from 1968/69, also now available on CD).
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
Hampton Hawes – High in the Sky | Grüsse aus der Flughafenlounge … und ein toller Start mit „The Look of Love“ über eine insistierendes Ostinato von Leroy Vinnegar und natürlich mit einem völlig eigenen Beat von Donald Bailey, der hier durchgängig grossartig aufspielt. Hawes fällt in eine Begleitfigur, die glaub ich Hank Jones für „Love for Sale“ auf „Somethin‘ Else“ erfunden hatte? (bei 3:45 oder so und dann vor dem abschliessenden Thema nochmal). Danach gibt es fünf Originals von das, das erste „Evening Trane“ dem Saxophonisten gewidmet. Alles First Takes, schreibt Hawes in den Kommentaren auf der Hülle, und so wirkt das auch: forschend, neugierig, entspannt und offen, wie das aber nur in einem passenden Umfeld und mit den passenden Leuten geht. Nach einem weiteren Vamp-Stück, „Muffin Man“, geht es auf Seite 2 mit dem langen Titelstück zur Sache, hier agiert das Trio frei und vor allem die Drums wegen sich immer dichter ein ins lange Klaviersolo des Leaders, der gegen Ende ein paar Arpeggien spielt, die am Atonalen vorbeischrammen. In der Ballade „Carmel“ flirrt das Klavier – und ich denke wieder kurz an Herbie Hancock. Zum Ausklang gibt es mit „Spanish Girl“ eine Art Bossa/Calypso-Ballade, in der Bailey wieder seine Schellen dabei hat und Hawes das Klavier singen lässt. Das Album wäre ohne den unaufdringlichen Mann am Bass übrigens nicht halb so gut: Leroy Vinnegar hat ja eh einen unglaublich tollen Beat, einen schönen, tiefen Sound und dazu eine immense Gelassenheit. Er findet immer die richtige Töne und braucht derer nie viele. So öffnet er Raum für Bailey, der zu dem Zeitpunkt in einer ganz eigenen Welt unterwegs ist. Wie bei den Aufnahmen von Phineas Newborn, die ich gestern hörte, könnte ich mir hier gut vorstellen, dass das eine Live-Aufnahme ist.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tbaÜber Eastward hab ich öfter nachgedacht die Tage, zum einen, weil ich die Platte im Laden hab stehenlassen (hab ja die CD, die für diese Musik vielleicht das richtige Format ist… Wobei bei Japan Suite die Platte neulich schon irgendwie ein Schritt nach vorn war) zum anderen, weil ich es von diesem Schwung Kikuchi / Peacock Alben erstmal rausgelassen hab aus der engeren Wahl … Weil ich es immer schwächer fand als Voices (hier nicht zulässig wegen dem zweiten Schlagzeuger) und Poesy… Aber vielleicht muss ich doch nochmal nachprüfen
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.Oh, ich lass die anderen bloss aus Zeitgründen weg – und weil die eh alle nicht in meine Top 20 gehören. Welche ich wie gut fand, weiss ich nicht genau, aber in der Erinnerung ist „Voices“ am stärksten.
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Michel Sardaby Trio – Night Cap | Ich bin weiterhin verblüfft, wie das kontextuelle Hören immer wieder zu kleineren Offenbarungen führt. Das hier ist dann die jüngste, mein letztes Album von 1970 gerade (ich kürze jetzt auch da und dort ab, lasse z.B. die Three Sounds im It Club weg, die zwei nächsten von Peacock/Kikuchi auch). Dass Connie Kay eigentlich alles andere als ein zurückhaltender Drummer war, kann man hier eindrücklich hören … dass er ein sehr eigener Drummer war, gerade wenn er nicht nur mit den Besen brav durch die Moves ging, kommt ebenso schön zum Zug – auch im direkten Vergleich mit Donald Bailey. Am Bass ist hier Percy Heath dabei, Kays langjähriger MJQ-Kollege. Das ist auch eine phantastisch klingende Aufnahme (ich hab die CD mit der Nummer von 1993 bei Discogs, aber als Mini-LP, eine Ausgabe, die es genau so dort nicht zu geben scheint). Der Bass ist – auch im Vergleich zum schummrigen Vinnegar-Sound – sehr klar, sehr tief, sehr voluminös eingefangen, das Klavier klingt irre schön und von den Drums hört man wirklich das klitzekleinste Detail. Heath öffnet das langsame Titelstück mit einem sprechenden Blues-Solo, fällt am Ende einen Walking-Bass und dann – press roll – gibt Kay den Auftakt für das Klavier, das den Blues singt und funky wird – aber mit einer beeindruckenden Klarheit im Ton, einer eigenen, leicht verzögerten Phrasierung. Später dann double time … und ich drehe den Lautstärke-Regler zum vierten Mal höher, weil das so super klingt, dass ich am liebsten in die Musik reinkriechen möchte. Einen Standard gibt es hier zum Ausklang, „Satin Doll“ von Duke Ellington – und da darf dann auch nochmal Heath glänzen. Das ist glaub ich nach „Down to Earth“ von Ramsey Lewis das Album, das bei mir beim aktuellen Wiederhören am meisten gewonnen hat. Müsste ein grosser Klassiker sein!
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tbagypsy-tail-windOh, ich lass die anderen bloss aus Zeitgründen weg – und weil die eh alle nicht in meine Top 20 gehören. Welche ich wie gut fand, weiss ich nicht genau, aber in der Erinnerung ist „Voices“ am stärksten.
In meiner Top20 wird es voraussichtlich viermal Kikuchi geben, Poesy, Sunrise und die beiden Tethered Moon Alben, die vorgarten oben gepostet hatte … Aber natürlich ist, genau wie bei Hawes, die Frage, wie groß die Spitzengruppe sein darf, und was sonst noch in die Liste muss…
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Schlagwörter: Jazz, Piano, Piano Trio
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