Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz

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gypsy-tail-wind
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The Ahmad Jamal Trio – The Awakening | Anfang Februar 1970 war das Jamal Trio zurück im Studio für Impulse. Das funktioniert sehr viel besser als „Tranquility“, Jamals Opener zum Beispiel gefällt mir sehr gut, und dass Jamal ein tolles Instrument spielt und diesem tolle Klänge abgewinnt, wie Leonard Feather in den Liner Notes schreibt, stimmt ebenfalls (George Sawtelle in den Plaza Sound Studios). Aber so richtig abheben tut vieles dann doch nicht, dünkt mich. Die von Feather hervogestrichene Ballade „I Love Music“ ist schon schön, aber zieht sich auch etwas – und das wird mit dem Closer der ersten Seite nicht besser: Jamals „Patterns“ fängt ein wenig wie ein „Poinciana“-Aufguss an, bis Jamil Nasser ein eins dieser zweitaktigen auf- und wieder absteigenden Bass-Licks fällt, wie sie bei Jamal so typisch sind. Frank Gant klöppelt dazu einen Beat – und dann passiert irgendwie: nichts. Das ist schon bei drei Minuten lang, aber da ist das Stück halt erst in der Hälfte. Die zweite Hälfte ist mit Herbie Hancocks „Dolphin Dance“, dem alten Klassiker „You’re My Everything“, Oliver Nelsons „Stolen Moments“ und zum Ausklang „Wave“ von Antonio Carlos Jobim. Hancocks Stimmung kann Jamal nicht einfangen, aber die, die er schafft, ist auch recht schön. Im Nelson-Stück klappt das mit der Stimmung besser, finde ich. Den Standard finde ich leider im Vergleich mit ähnlichen Einspielungen Jamals in früheren Jahren nur mässig überzeugend, der Bossa ist zu schnell, aber gefällt mir nicht schlecht. Fazit: Weiterhin alles andere als ein Lieblingsalbum, auch wenn ich einige Dinge höre, die ich sehr mag – nicht zuletzt den Sound des Klaviers (aber nicht so sehr den des Basses, der irgendwie unkonturiert klingt, auch etwas dünn, mehr Lautstärke als Volumen, fast ein Vorbote von Hässlichkeiten yet to come).

Ein Nachgedankte: das mit dem Sound ist vielleicht so in Ding wie mit Tyners Label-Debut acht Jahre früher – da kann man sich auch im Sound verlieren und einfach den Stimmungen nachhorchen … und das kann man bei „The Awakening“ definitiv auch tun, aber das reicht mir gerade nicht – und das ist auch Jamals Verdienst, weil auf dem Album davor halt schon einiges mehr zu gehen scheint.

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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba