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  • #1024063  | PERMALINK

    whole-lotta-pete

    Registriert seit: 19.05.2003

    Beiträge: 17,435

    Jedenfalls is der Thread hier guter Nachlesestoff, und wenn du den weiterhin mit verlinktem Inhaltsverzeichnis pflegst sowieso.

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    #1024065  | PERMALINK

    hal-croves
    אור

    Registriert seit: 05.09.2012

    Beiträge: 4,617

    Link Wray & The Raymen – Same (1959)

    Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad – und Link Wray liefert den Soundtrack dazu. Kleiner Scherz natürlich – aber immerhin passend insofern, als Wray bekanntermaßen einige seiner späteren Alben in einem alten Hühnerstall in Accokeek, Maryland aufnahm. Und – soviel Ketzerei sei erlaubt – passend auch insofern, als der unsterbliche Ruhm, den Wray sich zweifellos als wichtiger Einflussgeber für Rockstatuen wie Pete Townshend und Iggy Pop erworben hat, angesichts der lustigen kleinen Lieder, die auf dem vorliegenden Album versammelt sind, für Ohren von heute erst mal nachvollziehbar gemacht werden muss. Das gelingt wohl am besten, indem man Musik anderer Rock’n’Roll-Berühmtheiten der späten Fünfziger Jahre hört; dann wird schnell deutlich, wie außergewöhnlich der schneidend-rohe Gitarrensound Wrays in jener Zeit war.

    Und, herrgottnochmal, wem zuckt es nicht in den Beinen, und zwar ganz gehörig, jawollja, wenn „Caroline“ ertönt? Und so ausgezeichnet eingestimmt, bleibt man auch gleich in einem flotten Groove bei „Slinky“, das auch gleich wesentlich aggressiver klingt. „Right Turn“ ist dann bereits so schneidend scharf, dass man es ohne weiteres als Paläo-Punk einordnen darf, wenngleich das Tempo gemäßigt bleibt. „Rendezvous“ allerdings ist in seiner Harmlosigkeit und Seichtigkeit geradezu verstörend – eine liebliche Tanznummer, bei der man gerne ausgiebig schmunzeln darf, auch wenn sie zwischendurch mit forscheren Passagen auf Trab gebracht wird. Mit „Raw-Hide“, „Radar“ und „Comanche“ findet Wray dann schließlich ganz zu sich selbst und setzt mit letztgenanntem auch seiner indianischen Herkunft ein Denkmal. Das ist der Sound, mit dem er, der als Erfinder des Power-Chords gilt, berühmt wurde.

    Insgesamt frappiert die Platte durch die enorme Wirkung, die sie angesichts ihrer offenherzigen Simplizität entfaltet. „Link Wray & The Raymen“ ist ein ganz schlichtes What-you-hear-is-what-you-get-Album, das eine in ihrer Einfachheit sehr beeindruckende Musikalität offenbart. Fast alles, was später unter dem Stichwort „Garage-Rock“ veröffentlicht wurde, ist vergleichsweise verquast und schwachbrüstig dagegen; Link Wray besaß nämlich ein bewundernswertes Gespür sowohl für Eingängigkeit als auch für Aggressivität, wie man es kaum jemals später bei Pop- und Rockmusikern fand. Er starb 2005 im Alter von 76 Jahren und wurde in der Krypta der Christianskirche in Kopenhagen beerdigt. Ehre und Liebe seinem Angedenken!

    Tracklist:
    1) Caroline
    2) Slinky
    3) Right Turn
    4) Rendezvous
    5) Dixie-Doodle
    6) Ramble
    7) Hand Clapper
    8) Raw-Hide
    9) Lillian
    10) Radar
    11) Comanche
    12) Studio Blues

    ****1/2

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    "Edle, freie Unbefangenheit bei Allem. ... Alle übrigen Vollkommenheiten sind der Schmuck unsrer Natur; sie aber ist der der Vollkommenheiten selbst. ... Sie ist mehr als Leichtigkeit, sie geht bis zur Kühnheit: sie setzt Ungezwungenheit voraus und fügt Vollkommenheit hinzu. Ohne sie ist alle Schönheit todt, alle Grazie ungeschickt: sie ist überschwenglich, geht über Tapferkeit, über Klugheit, über Vorsicht, ja über Majestät." (Baltasar Gracián) =>mehr<=
    #1024067  | PERMALINK

    asdfjkloe

    Registriert seit: 07.07.2006

    Beiträge: 6,894

    Bobby & The Midnites

    1981, vielleicht in einer kleinen Schaffenspause während seiner Arbeit für Grateful Dead, erschien im November diese LP von Bob Weir.
    Dieses war die erste von zwei Veröffentlichungen und die Band bestand damals aus diesen Musikern:

    Bob Weir (guitar, vocals)
    Bobby Cochran (guitar, vocals)
    Alphonso Johnson (bass)
    Brent Mydland (keyboards, Hammond B 3, vocals)
    Matthew Kelly (harmonica, vocals)
    Billy Cobham (drums)

    Angesichts dieser Musiker wäre es nicht vermessen, von einer Supergroup zu sprechen,und eine recht ungewöhnliche Besetzung war es obendrein, dergestalt, dass aus dem Jazz Rock/Fusion-Lager Alphonso Johnson und Billy Cobham mitwirkten.

    Die LP wurde schnell zu einer meiner damaligen Lieblingsplatten, enthielt sie doch eine recht ungewöhnliche Mischung von Musik, einerseits poporientierter als Grateful Dead, andererseits sehr gradlinig rockend, und ganz viel dazwischen, seien es Reggae-Elemente bei “Book Of Rules“, mit einem fröhlichen Sound des Sommers, oder aber auch Einiges, dass naheliegender Weise an die Dead erinnert.

    Leichte Ausflüge in den Prog Rock schimmern durch bei “Me Without You“, aber nach einem Einstieg mit teils holperndem Sound, ein Song, der in sich abwechslungsreich ist, geht die Post anschließend ab mit “Too Many Losers“, für mich der Hit der Scheibe, mit direktem Zugang ins Blut.Vertrackte Rhythmen bei “Fly Away“ treffen auf Gradlinigkeit des Rock bei “Festival“, aber auch zurückhaltende Klänge gibt es mit “Carry Me“.

    Der vermutete Jazz Rock ist eigentlich gar nicht präsent, aber insbesondere Cobham macht am Schlagzeug ordentlich Druck und verschafft dem Sound so einen energischen Background. Richtig promoted, hätte der eine oder andere Song durchaus einen ordentlichen Hit abgeben können, aber trotz der hochkarätigen Besetzung flopte das Album damals letztlich.

    Dennoch zählt diese Platte für mich persönlich zu einem jener zeitlosen Alben, die mehr Erfolg verdient hätten , mit Musik, die ich immer wieder gern höre.Denn sie kann durchaus gute Laune vermitteln, weil sie recht locker und ungezwungen vorgetragen wird.

    Die Songs:

    01:Haze (Brent Mydland, Daoud Shaw, Bob Weir, Bobby Cochran, Matthew Kelly) (5:08)
    02:Too Many Losers (Cochran, Weir) (3:50)
    03:Far Away (Weir, Cochran, Kelly) (3:34)
    04:Book of Rules (Alphonso Johnson, Barry Llewellyn) (3:31)
    05:Me, Without You (John Perry Barlow, Alphonso Johnson) (3:12)
    06:Josephine (Weir) (6:11)
    07:(I Want to) Fly Away (Barlow, Weir) (3:55)
    08:Carry Me (Weir) (4:27)
    09:Festival (Weir) (4:59)

    --

    #1024069  | PERMALINK

    ragged-glory

    Registriert seit: 22.03.2007

    Beiträge: 11,762

    Hal CrovesLink Wray & The Raymen – Same (1959)

    Meines Wissens ist das Album von 1960. So oder so: wirklich gute Platte. Musik, die so schmucklos, uneitel und minimalistisch ist, dass jeder Bullshit-Detektor arbeitslos würde.

    --

    #1024075  | PERMALINK

    asdfjkloe

    Registriert seit: 07.07.2006

    Beiträge: 6,894

    Billy Bremner – Bash!

    Möglicherweise ist der Schotte Billy Bremner Einigen bekannt geworden als Gitarrist der legendären Formation Rockpile mit Dave Edmunds, Nick Lowe und Terry Williams, doch war der Musiker auch bereits vorher als Studiogitarrist aktiv. (The Luwers, Fatso)

    Ferner konnte man seinem Spiel lauschen bei Produktionen von Elvis Costello, Carlene Carter, Kirsty MacColl und vielen anderen.

    Nach Rockpile fand man ihn kurzzeitig bei den Pretenders (“Back On The Chain Gang“) wieder, bevor er 1984 dieses, sein erstes Soloalbum, “Bash!“ veröffentlichte.

    Meine LP mit ursprünglich11 Stücken ist dann später als CD um 5 weitere aufgestockt worden.

    Hier alle Titel:

    01. Fire in My Pocket (4:15)
    02. Losing My Touch (3:32)
    03. Shatterproof (3:17)
    04. Love Is Stranger Than Fiction (2:35)
    05. The Perfect Crime (3:23)
    06. Tired and Emotional (And Probably Drunk) (3:06)
    07. Loud Music in Cars (2:44)
    08. Going Steady With a Heartache (3:38)
    09. When These Shoes Were New (3:14)
    10. The Boat That’s Sunk a Thousand Ships (3:18)
    11. When Love Goes to Sleep (3:44)
    12. Laughter Turns to Tears (3:21)
    13. Look at That Car (2:44)
    14. Meek Power (3:03)
    15. The Price Is Right (3:02)
    16. Yes Please! (2:40)

    Obgleich damals relativ untergegangen, enthält die Platte wirklich schöne Musik, unter anderem die Coverversion von Elvis Costello’s “Shatterproof“.

    Grundsätzlich gibt es Einflüsse von Rockpile, Nick Lowe und Edmunds, aber auch solche von Squeeze bestimmen das Bild der Kompositionen, alles kurze Stücke mit hohem Wiedererkennungswert, von denen der eine oder andere Titel sicher das Potential für einen Hit gehabt hätte/bzw. hat.

    Doch ist hier offensichtlich am breiten Publikumsgeschmack vorbei produziert worden, schade eigentlich.
    Denn das ist wirklich direkt ins Blut gehende Musik, direkt “auf den Punkt“ gespielt , locker rockend und absolut partytauglich, auch für lange Autofahrten.

    Nach dieser Veröffentlichung zog Bremner nach Kalifornien, dann nach Nashville und in den 90ern nach Schweden. wo er auch als Produzent arbeitete.

    Leider wurde diese Platte eine der so typischen Produktionen für den “Grabbeltisch“, ist aber noch heute auch regulär noch erhältlich.

    Unterm Strich bleibt letztlich Musik mit dem gewissen ’Gute-Laune-Faktor’, Musik, der man gern zuhören mag.

    Die Band:

    Billy Bremner (Guitar,Vocals),
    Pete Wingfield (Keyboards),
    Billy Livsey (Keyboards),
    Gavin Povey (Piano),
    James Eller (Bass, Guitar),
    Dave Kerr-Clemenson (Bass, Guitar).
    Bobby Irwin (Drums),
    Terry Williams (Drums).

    --

    #1024077  | PERMALINK

    hal-croves
    אור

    Registriert seit: 05.09.2012

    Beiträge: 4,617

    Adam Green – Sixes & Sevens (2008)

    Der Titel ist gut gewählt. Adam Green entwirft in seinem fünften Soloalbum ein ziemlich krauses Crossover zwischen Hippie-Schlagerpop, Siebziger-Discosound und klassischer Las-Vegas-Show. Die große Klammer wiederum, die das ganze Sammelsurium zusammenhält, ist ein riesiges Zwinkersmiley, hinter dem sich, wie bei Morning after Midnight, auch mal gähnende Leere verbirgt. Andererseits ist auf diesem seltsamen Album auch Platz für It’s a Fine, eine wunderschöne, ruhige Ballade, während Exp. 1 kompletter Bullshit ist. Außerdem ist die Platte viel zu lang.

    Doch kaum habe ich das geschrieben, überrascht mich plötzlich und geradezu mit Urgewalt das Slideguitar-Gewitter mit Indianergetrommel in Leaky Flask. Und Bed of Prayer verzaubert und entführt uns in unseren inneren Urwald. Das ist dann wohl auch die größte Stärke von „Sixes & Sevens“: dass sie in ihrer chaotischen Vielfalt echte Höhepunkte bereithält, die den Hörer bereitwillig das Chaos als Vielfalt gutheißen lassen.

    Allerdings hat kein Song auf Kraut und Rüben das Format, herauszuragen und in Erinnerung zu bleiben. Dazu fehlt dann doch zu sehr ein charakteristischer Kern, der einem großen Lied sein unverwechselbares Gepräge gibt. Unterhaltungsmusik für ratlose Kiffer mit Geschmack – auf dieses Motto könnte man „Sixes & Sevens“ ein wenig boshaft bringen, aber nicht ohne anzuerkennen, dass es gute Unterhaltung ist, die Adam Green uns da angedeihen lässt.

    Tracklist:
    1. Festival Song
    2. Tropical Island
    3. Cannot Get Sicker
    4. That Sounds Like A Pony
    5. Morning After Midnight
    6. Twee Dee Dee
    7. You Get So Lucky
    8. Getting Led
    9. Drowning Head First
    10. Broadcast Beach
    11. It’s A Fine
    12. Homelife
    13. Be My Man
    14. Grandma Shirley and Papa
    15. When A Pretty Face
    16. Exp. 1
    17. Leaky Flask
    18. Bed of Prayer
    19. Sticky Ricki
    20. Rich Kids
    Bonus Tracks on some editions:
    21. Heartbreaker
    22. Spoonful (Live)
    23. I Wanna Die (Live)
    24. Salty Candy (Live Austria Nuke Festival 2006)

    ***

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    "Edle, freie Unbefangenheit bei Allem. ... Alle übrigen Vollkommenheiten sind der Schmuck unsrer Natur; sie aber ist der der Vollkommenheiten selbst. ... Sie ist mehr als Leichtigkeit, sie geht bis zur Kühnheit: sie setzt Ungezwungenheit voraus und fügt Vollkommenheit hinzu. Ohne sie ist alle Schönheit todt, alle Grazie ungeschickt: sie ist überschwenglich, geht über Tapferkeit, über Klugheit, über Vorsicht, ja über Majestät." (Baltasar Gracián) =>mehr<=
    #1024079  | PERMALINK

    hal-croves
    אור

    Registriert seit: 05.09.2012

    Beiträge: 4,617

    Immaculate Fools – Another Man’s World (1990)

    Mit dieser Besprechung komme ich der Aufforderung nach, mich näher über meine Empfindungen und Erfahrungen zu erklären, die ich beim Hören des vorliegenden Albums gemacht habe. Wie angekündigt, habe ich mir dafür Zeit gelassen, bis mein erstes Urteil keinen Einfluss mehr auf meine Haltung ausübt; außerdem habe ich mir den Umstand zunutze gemacht, dass ich mich, ganz anders als beim ersten Hören, nicht in einer freudig-euphorischen, sondern eher in einer zweifelnd-wehmütigen Stimmungslage befinde. Ich habe geglaubt, dass diese Stimmungslage es mir erlaubt, mich besser in das Album einzufühlen und es angemessener würdigen zu können. Leider ist diese Erwartung nicht eingetroffen.

    Ich will also auch diese zweite Bewertung von „Another Man’s World“ mit der Einschränkung versehen, dass mein Urteil fehlerhaft sein und in der Zukunft sich noch ändern kann. Allein, ich vermag das nicht zu glauben. Zunächst muss ich allerdings einen Begriff revidieren, den ich kürzlich zur Bewertung des Albums gebrauchte. Ich nannte es „unstimmig“ im Sinne von „inkonsistent“, und zwar in bezug auf die Bilder und Gefühle, die es in mir weckt. Das führe ich im Nachhinein darauf zurück, dass meine damalige Stimmung in der Tat gar nicht zur Stimmung des Albums passte. Aber auch jetzt fühle ich mich mit der Musik, die es enthält, nicht gut; sie wirkt auf mich altbacken und schal sowohl in ihrer Phraseologie als auch im Gebrauch der Mittel, z.B. was die eingesetzten Instrumente betrifft; vor allem Prince ist doch eine ziemliche Qual für meine Ohren. Da erklingen genau die Flöten-, Orgel- und Geigentöne, die ich einfach nicht mehr hören mag, weil ich sie viel zu oft, und zwar gerade auch auf mittelmäßigen Platten gehört habe. Aber das ist natürlich schon eine rein subjektive Wertung meinerseits; sicherlich werden mir viele darin zustimmen, dass die Immaculate Fools hier sich sehr nach den Waterboys anhören, nur ist das für mich alles andere als ein Kompliment für die Platte.

    Immerhin gelingt es zum Ende von Falling Apart Together, aus dem leicht bräsigen Indie-Folk-Rock-Einerlei auszubrechen und so etwas wie Schmerz und Zorn erklingen zu lassen. Und der Titelsong ist ein wirklich hübscher Einstieg ins Album. Ansonsten aber ist es von ein und demselben gemütvollen Midtempo durchzogen, das sich wie Mehltau auf die Musik legt. Das beeinflusst leider auch mein Hörerlebnis von Kevin Weatherills Gesang nachteilig; was bei „Dumb Poet“ noch leidenschaftlich und schiefmäulig zugleich klang, hört sich hier lediglich nölig-larmoyant an. Immerhin ist sein Gitarrenspiel sehr ausdrucksstark und bewahrt dadurch das Album vor dem Absturz in die Unhörbarkeit, aber wirklich retten kann es die Platte auch nicht. Gleichzeitig muss ich einräumen, dass ich leicht nachvollziehen kann, wie andere Hörer dieses Album sehr lieben können; es hat markante Eigenheiten, die es leicht identifizierbar machen und die, entsprechende Vorlieben vorausgesetzt, Menschen durchaus beglücken können. Und auch wenn diese Vorlieben nicht meine sind, will ich das gerne der Platte zugute halten.

    Tracklist:
    1) Another Man’s World 5:28
    2) Sad 4:06
    3) Prince 7:34
    4) This Is Not Love 4:06
    5) Bad Seed 6:38
    6) Falling Apart Together 6:04
    7) Come On Jayne 4:27
    8) Got Me By The Heart 6:06
    9) Stop Now 5:39
    10) Fighting Again 5:02

    **1/2

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    "Edle, freie Unbefangenheit bei Allem. ... Alle übrigen Vollkommenheiten sind der Schmuck unsrer Natur; sie aber ist der der Vollkommenheiten selbst. ... Sie ist mehr als Leichtigkeit, sie geht bis zur Kühnheit: sie setzt Ungezwungenheit voraus und fügt Vollkommenheit hinzu. Ohne sie ist alle Schönheit todt, alle Grazie ungeschickt: sie ist überschwenglich, geht über Tapferkeit, über Klugheit, über Vorsicht, ja über Majestät." (Baltasar Gracián) =>mehr<=
    #1024081  | PERMALINK

    sokrates
    Bound By Beauty

    Registriert seit: 18.01.2003

    Beiträge: 19,111

    asdfjklöBobby & The Midnites
    Der vermutete Jazz Rock ist eigentlich gar nicht präsent, aber insbesondere Cobham macht am Schlagzeug ordentlich Druck und verschafft dem Sound so einen energischen Background. Richtig promoted, hätte der eine oder andere Song durchaus einen ordentlichen Hit abgeben können, aber trotz der hochkarätigen Besetzung flopte das Album damals letztlich.

    Dennoch zählt diese Platte für mich persönlich zu einem jener zeitlosen Alben, die mehr Erfolg verdient hätten , mit Musik, die ich immer wieder gern höre.Denn sie kann durchaus gute Laune vermitteln, weil sie recht locker und ungezwungen vorgetragen wird.

    1. Ich finde es gut, dass Du hier mitpostest – der ein oder andere hatte Dich im Verdacht, nicht mehr als nur Sternethreads anzulegen. ;-)

    2. Tatsächlich gibt es auf diesem Album, anders als man erwarten könnte, keinen Jazzrock zu hören.

    3. Allerdings hätte auch die beste Promo nicht viel gebracht; um ein Hit zu werden, braucht eine Platte auch ein paar solche – die fehlen. Die Songs schieben dank Cobham schön, bleiben aber kaum im Ohr hängen. Weir ist als Sänger zudem ziemlich begrenzt.

    --

    „Weniger, aber besser.“ D. Rams
    #1024083  | PERMALINK

    asdfjkloe

    Registriert seit: 07.07.2006

    Beiträge: 6,894

    Im Sinne der Ausführungen meines Vorposters und um den Verdacht endgültig aus dem Weg zu räumen, meine ‚Existenz‘ beruhe ausschließlich aus ‚Sternenstaub‘, hier eine weitere Vorstellung eines entweder vielen unbekannten oder längst vergessenen Albums:

    Gene Parsons – Melodies

    Die Byrds verknüpfen die meisten in der Regel mit ihrer ersten Besetzung, also McGuinn/Clark/Crosby/Hillman/Clarke.

    Doch im Laufe ihrer wechselvollen Zeit etablierte sich schließlich ihre letzte Formation, in der immerhin die letzten drei Alben eingespielt wurden.
    Und so waren es die Mitglieder Roger McGuinn, Clarence White, Skip Battin und Gene Parsons , die den Sound der Band gemeinschaftlich bestimmten und dabei doch sehr viel Individualität einbrachten.
    Gene Parsons, der Schlagzeuger, machte da keine Ausnahme und nach dem Ende der Band konzentrierte er sich auf sein Soloschaffen.
    Nach “Kindling“ aus 1973 erschien 1979 diese zweite Soloplatte.

    Wurde sie seinerzeit von der Kritik auch nicht unbedingt überschäumend gefeiert, so zählte sie von Beginn an jedoch zu meinen Lieblingsplatten, eine, die ich vielleicht im erweiterten Kreis mit auf ’die Insel’ mitnehmen würde, einfach so als Entscheidung ’aus dem Bauch heraus’.
    So erinnere ich mich noch, dass ich damals recht aufgeregt war, als ich von der Existenz dieser Schallplatte erfuhr und so schnell es ging, war sie mein.
    Und von Anfang an hat mich die Musik gefesselt und bis heute ist diese Faszination erhalten geblieben.

    Diese Faszination rührt vermutlich auch von der Güte der Musiker, die dazu beitrugen, dass diese Musik rundum gelungen präsentiert wurde:

    Gene Parsons (guitar, drums, bass, banjo, percussion, pedal steel guitar, harmonica, vocals)
    Herb Pedersen (vocals)
    Albert Lee (guitar)
    Luis Cabaza (keyboards)
    Greg Harris (guitar, mandolin)
    Bob Warford (guitar)
    Roger Bush (bass)
    Joey Larsen (guitar)
    Pierre Bensusan (mandolin)
    Peter Wasner (piano)
    David Vaught (bass)

    Eine Menge ’Prominenz’ war also dabei. Mir hat/te es vor allem der Gitarrist Bob Warford angetan, der die Tradition und Spielweise von Clarence White in feinster Weise weitertrug und am Leben hielt. Sein String Bender-Sound ist ein ’i-Tüpfelchen’ auf der Platte. (White hatte diese Gitarrenzurichtung bekanntlich zusammen mit Gene Parsons entwickelt, dieser betreibt das Geschäft wohl noch heute)

    Hier alle Titel der Platte:

    01:My Kingdom for a Car (Phil Ochs) (4:19)
    02:Melodies from a Bird in Flyght (Gene Parsons) (4:07)
    03 :Mama Papa (Gene Parsons) (4:09)
    04:Won’t Last Long (Gene Parsons, Steve Zaretsky) (4:32)
    05:Way Out There (Bob Nolan) (3:31)
    06:Hot Burrito #1 (Gram Parsons, Chris Ethridge) (4:40)
    07:No Fire Here Tonight (Gene Parsons) (3:46)
    08:Pastime (Gene Parsons) (2:55)
    09:Little Jewels (Gene Parsons) (3:50)
    10:Why Have You Been Gone So Long (Mickey Newbury) (3:27)

    So finden wir einen Mix verschiedener Spielarten aus Country, Bluegrass und Country-Rock vor, mit einigen Höhepunkten und einigen weniger spektakulären Stücken.

    Bewegend ist für mich auf jeden Fall diese herrliche Widmung an den verstorbenen Freund Clarence White, “Melodies from a Bird in Flyght“.

    Für gelungen halte ich auch die Interpretationen von Newbury’s “Why have you been gone so long“(auch eine der letzten Stücke, die White vor dem tragischen Unfall aufnahm) und Gram Parsons’/Etheridge’s „Hot Burrito # 1“.

    Nicht immer gelungen ist wohl der Gesang, was mir die Gesamtatmosphäre der Musik jedoch nicht verderben kann.
    Auch gibt es aus objektiver Sicht sicher den einen oder anderen schwächeren Song, meine Einschätzung des Albums ist letztlich jedoch sehr subjektiv geprägt

    Rundum ergibt sich so eine gelungene, “warme und herzliche“ Ausstrahlung der gesamten Musik, die für mich durchaus an die beiden letzten Alben der Byrds atmosphärisch anknüpfen kann.

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    #1024085  | PERMALINK

    hal-croves
    אור

    Registriert seit: 05.09.2012

    Beiträge: 4,617

    Monks – Black Monk Time (1966)

    Dieser Beitrag handelt von einem der dreistesten Täuschungsmanöver der Popgeschichte und könnte mit der Schlagzeile The Great Rock’n’Roll Swindle Reloaded überschrieben sein. Jedoch ist weder von den wilden Zeiten des UK-Punk Mitte bis Ende der Siebziger Jahre noch vom Payola-Skandal 1959 die Rede, sondern von einer grotesken künstlerischen Überschätzung einer Gruppe totaler Dilettanten, die ohne weiteres als realsatirische Illustration z.B. des vielfach angefeindeten Dire-Straits-Songs „In the Gallery“ und ähnlicher Kritiken an einem vollkommen überzüchteten l’art-pour-l’art-Verständnis dienen könnte. Der Schreiber dieser Zeilen gehörte allerdings selber zu den willigen Opfern dieses in seiner Lachhaftigkeit nahezu unglaublichen Bluffs, daher will ich mich vor Gehässigkeit hüten und der Versuchung einer Abrechnung widerstehen; hinter einem ausgestreckten Zeigefinger verbergen sich bekanntlich drei weitere Finger, die auf einen selbst zurückweisen.

    Schauen wir zunächst, welche Meriten dem vorliegenden Album vonseiten seiner Liebhaber zugerechnet werden. Im deutschsprachigen Wikipedia-Artikel heißt es dazu: „1961 kamen die fünf zukünftigen Mitglieder der Monks als US-Soldaten in die hessische Garnisonsstadt Gelnhausen. Sie begannen schon bald in der örtlichen Militärkapelle miteinander Musik zu machen. In ihrer Freizeit entstand die Coverband The Five Torquays, zunächst noch in verschiedenen Besetzungen, aber ab 1964 mit den fünf Musikern, die später als Monks die erste Avantgarde-Popband der Musikgeschichte bilden sollten. Nach der Entlassung aus der US-Armee spielten die Five Torquays 1964 für ein Jahr in süddeutschen Clubs. Bei einem dieser Auftritte in der Stuttgarter Rio-Bar wurden sie von Walther Niemann (ehemaliger Folkwangschüler, u. a. bei Max Burchartz) und Karl-H. Remy (ehemaliger Schüler der Hochschule für Gestaltung Ulm) angesprochen. Niemann und Remy waren seit geraumer Zeit auf der Suche nach einer Band, die sie nach ihren Vorstellungen modellieren konnten. […]
    Niemann und Remy arbeiteten an der weiteren Entwicklung ihres Gesamtkonzepts. Die noch recht zahmen Texte der Probeaufnahmen (2007 als monks demo tapes 1965 veröffentlicht) wurden zu scharfen dadaesken Anklagen gegen den Vietnam-Krieg. Ästhetisch ging man neue Wege, indem man statt der weichen, langhaarigen, blumenkinderhaften Popaufmachung die schwarzweißen Kontraste des Kalten Krieges wählte. Obendrein steckten die beiden Produzenten die fünf Musiker in Mönchskutten, statt eines Schlips trug man Galgenstricke um den Hals.[…]
    Die Musik, die später auf Black Monk Time zu hören ist, ist in jeglicher Hinsicht wilder, härter, schneller als die 7 Monate zuvor aufgenommenen Probeaufnahmen. Black Monk Time, ähnlich wie das erste Album von Velvet Underground, bedeutete einen tiefen Einschnitt in die Geschichte der doch eher süßlichen und vom R&B und Blues beeinflussten Popmusik. Erstmals werden diese Einflüsse bewusst negiert und es entsteht eine Art von Artrock, die dem Rolling Stone zufolge im Glauben an ihre populäre Wirkung eingespielt wurde: Sie setzte den Maßstab für den nachfolgenden Garagenrock und sogar Punk- und Grungemusik. Julian Cope meinte in seinem Krautrocksampler sogar, dass die Platte das Zwischenstück zwischen der Beatmusik und dem Krautrock von bundesrepublikanischen Gruppen wie Can, Faust und Kraftwerk darstellte. Filmemacher Dietmar Post behauptet, dass die Monks keineswegs Garagenrock darstellten, da dieser Begriff nur auf amerikanische Bands in den USA zutraf. Für ihn verweist das musikalische Experiment eher auf die zukünftigen Genres Heavy Metal, Punk, Industrial und Techno.
    Als im Zusammenhang mit dem Dokumentarfilm Monks – The Transatlantic Feedback das Tribut-Album Silver Monk Time vorgestellt wurde, wurde deutlich, wie sehr sich Bands wie The Fall, Jon Spencer, Faust oder auch Mouse on Mars auf die Monks beziehen. Mouse on Mars gingen sogar soweit zu behaupten, dass ihre Hommage ‚Momks Time‘ den Versuch darstellte, die Wichtigkeit und den Sound der Monks ins 21. Jahrhundert zu transportieren.“

    Diese Ausführungen sind ein Paradebeispiel für die von maßlosen Übertreibungen geprägten Eulogien, die den Monks zuteil geworden sind. Dazu gehört ganz wesentlich die vollkommen deplazierte Kontrastierung mit „der doch eher süßlichen und vom R&B und Blues beeinflussten Popmusik“, die mit den Monks genauso wenig zu tun hat wie jene mit ihr. Dieser Vergleich soll offenkundig die angeblichen Verdienste der Band um einen „härteren Sound“ im Pop hervorheben, was aber angesichts der dabei völlig verschwiegenen The Who, Pretty Things, Yardbirds (Roger the Engineer) sowie der Rolling Stones um so lachhafter ist, als die Autoren sich nicht entblöden, dieser im Jahr 1966 mit ihrer naiven Einfalt sogar schon etwas rückständigen Platte „einen tiefen Einschnitt in die Geschichte“ der so vollkommen einseitig skizzierten Popmusik zuzuschreiben. Die Nennung der Platte als gleichrangig mit dem Debütalbum von The Velvet Underground setzt der Groteske natürlich endgültig die Narrenkappe auf. Dass eine solche Überschätzung von aktiven und prominenten Musikern geteilt wird, macht sie weder wahrer noch besser.

    Wenn man sich allerdings von dieser kompletten Fehleinschätzung abwendet, kann man immerhin sagen, dass „Black Monk Time“ als naives und primitives Beat-Entertainment halbwegs funktioniert. Erstaunlicherweise konnte ich mir die Platte zweimal hintereinander anhören, ohne mir damit größere Schmerzen zuzufügen; sie ist relativ eingängig, hat ein paar hübsche Riffs und Hooks (v.a. – wenn auch offenkundig geklaut – in „We Do Wie Du“) und mit „I Hate You“ sogar fast einen richtigen Song, der zudem auch noch eine tragende Idee besitzt. Hingegen wäre es aber unangebracht zu verschweigen, dass so etwas wie Songwriting auf diesem Album fast inexistent ist; zumindest ist zu konstatieren, dass die Songs in nahezu jeder Hinsicht vollkommen unterentwickelt sind. Letzten Endes bleibt davon nur der eine oder andere Soundeffekt in Erinnerung (v.a. bei den Gitarren), den man vor „Black Monk Time“ tatsächlich noch nicht gehört haben dürfte, sowie ein mokantes Schmunzeln über die eigene Verführbarkeit, sobald etwas vermeintlich Besonderes und Seltenes, das der ungebildete Pöbel nicht kenne, die geistige Eitelkeit zu kitzeln verspricht.

    Tracklist:
    1) Monk Time 2:47
    2) Shut Up 3:16
    3) Boys Are Boys and Girls Are Choice 1:26
    4) Higgle-Dy – Piggle-Dy 2:31
    5) I Hate You 3:36
    6) Oh, How to Do Now 3:16
    7) Complication 2:23
    8) We Do Wie Du 2:12
    9) Drunken Maria 1:46
    10) Love Came Tumblin‘ Down 2:30
    11) Blast Off! 2:15
    12) That’s My Girl 2:27

    **

    --

    "Edle, freie Unbefangenheit bei Allem. ... Alle übrigen Vollkommenheiten sind der Schmuck unsrer Natur; sie aber ist der der Vollkommenheiten selbst. ... Sie ist mehr als Leichtigkeit, sie geht bis zur Kühnheit: sie setzt Ungezwungenheit voraus und fügt Vollkommenheit hinzu. Ohne sie ist alle Schönheit todt, alle Grazie ungeschickt: sie ist überschwenglich, geht über Tapferkeit, über Klugheit, über Vorsicht, ja über Majestät." (Baltasar Gracián) =>mehr<=
    #1024087  | PERMALINK

    daniel_belsazar

    Registriert seit: 19.04.2006

    Beiträge: 1,253

    Hal CrovesMonks – Black Monk Time (1966)

    **

    Bei der Musik mag ich dir recht geben, die Platte reizt mich auch nicht. Diese TV-Performance von 1966 im Beat Club allerdings ist inklusive des Stylings der Zeit dann doch schon ziemlich weit voraus.

    --

    The only truth is music.
    #1024089  | PERMALINK

    Anonym
    Inaktiv

    Registriert seit: 01.01.1970

    Beiträge: 0

    muss das sein…

    --

    #1024091  | PERMALINK

    Anonym
    Inaktiv

    Registriert seit: 01.01.1970

    Beiträge: 0

    Monroe Stahrmuss das sein…

    Was denn? Die Monks waren wirklich eine ziemlich schreckliche Band…

    --

    #1024093  | PERMALINK

    Anonym
    Inaktiv

    Registriert seit: 01.01.1970

    Beiträge: 0

    kramerWas denn?

    das sinnloseste Full Quote der Forumsgeschichte.

    --

    #1024095  | PERMALINK

    hal-croves
    אור

    Registriert seit: 05.09.2012

    Beiträge: 4,617

    — (hat sich erledigt)

    --

    "Edle, freie Unbefangenheit bei Allem. ... Alle übrigen Vollkommenheiten sind der Schmuck unsrer Natur; sie aber ist der der Vollkommenheiten selbst. ... Sie ist mehr als Leichtigkeit, sie geht bis zur Kühnheit: sie setzt Ungezwungenheit voraus und fügt Vollkommenheit hinzu. Ohne sie ist alle Schönheit todt, alle Grazie ungeschickt: sie ist überschwenglich, geht über Tapferkeit, über Klugheit, über Vorsicht, ja über Majestät." (Baltasar Gracián) =>mehr<=
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