Kulturelle Aneignung und Identitätspolitik

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  • #11424793  | PERMALINK

    plattensammler
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    https://taz.de/Fremdsprachen-bald-verboten/!5758780/

    „Bigos ist ein polnisches Nationalgericht, das sollten wir unseren Nachbarn nicht wegnehmen“, sagt der ehemalige Juso-Chef dem Portal queer.de. „Wir können es gerne essen, wenn wir in Warszawa in ein Restaurant gehen, aber vielleicht sollten wir darauf verzichten, es selbst kochen zu wollen.“ Auf Nachfrage antwortete Kühnert: „Unsere Nachbarn könnten sich beleidigt fühlen, wenn wir ihr Nationalgericht nicht richtig kochen. Vielleicht empfinden sie das als eine Art Germanisierung der polnischen Küche.“

    „Wenn ich eine Sprache lerne, eigne ich mir die Kultur eines Landes an“, betonte Kühnert. „Nolens volens begebe ich mich in einen fremden Diskursraum, und die Leute, die ihre Sprache sprechen, sind nicht mehr unter sich und fühlen sich womöglich bedrängt.“

     

     

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    #11424881  | PERMALINK

    pfingstluemmel
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    Avril, Avril

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    Come with uncle and hear all proper! Hear angel trumpets and devil trombones. You are invited.
    #11424997  | PERMALINK

    plattensammler
    Dabble In Om - More Oomph!

    Registriert seit: 11.05.2019

    Beiträge: 409

    Spielverderber! :-)

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    #11425049  | PERMALINK

    ewaldsghost

    Registriert seit: 19.07.2016

    Beiträge: 652

    Ja, ein ziemlich gelungener Aprilscherz. Aus dem sich Rechtsaußen garantiert mit Zitaten bedienen wird.

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    #11425575  | PERMALINK

    latho
    No pretty face

    Registriert seit: 04.05.2003

    Beiträge: 32,789

    ewaldsghostJa, ein ziemlich gelungener Aprilscherz. Aus dem sich Rechtsaußen garantiert mit Zitaten bedienen wird.

     
    True, aber das kannst du nicht verhindern. Sonst fälschen die sich das Zeug zurecht, Wirklichkeit stört deren Anhang doch nur.

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    #11441833  | PERMALINK

    bullschuetz

    Registriert seit: 16.12.2008

    Beiträge: 1,818

    Nach Caroline Fourest hat nun auch Sahra Wagenknecht eine buchdicke Kritik der Identitätspolitik aus einer prononciert linken Perspektive vorgelegt.

    Ich finde, dass sowohl Fourest bisweilen ins Einseitige kippt als auch Wagenknecht eher eine Streitschrift als eine differenzierte Analyse geschrieben hat. Man kann ihren Argumenten mit Gegenargumenten begegnen.

    Aber was wirklich irrwitzig ist: Wagenknecht vorzuhalten, sie sei jetzt so ne Art Halbnazi und besorge das Geschäft der AfD. Das ist ein intellektuell derart unterirdischer Versuch, sich um eine Debatte zu drücken, dass es mir die Schuhe auszieht.

    Letztlich kommen da jetzt dieselben Torschlagargumente wie bei Thierse.

    Ich persönlich bin irgendwie erleichtert, dass nicht nur rechte Arschgeigen mein Unbehagen an der Identitätspolitik und ihren Konzepten wie Kulturelle Aneignung teilen, sondern dass auch explizit linke Köpfe meine Bedenken teilen.

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    #11441845  | PERMALINK

    plattensammler
    Dabble In Om - More Oomph!

    Registriert seit: 11.05.2019

    Beiträge: 409

    ewaldsghostJa, ein ziemlich gelungener Aprilscherz. Aus dem sich Rechtsaußen garantiert mit Zitaten bedienen wird.

    Haha, ja, so doof sind die in der Regel tatsächlich. Oder sie interessieren sich halt nicht für Tatsachen. Aber ob die nun Zitate erfinden oder Aprilscherze zitieren, ist ja auch egal. Man kann ja deshalb nicht aufhören Scherze zu machen.

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    #11441941  | PERMALINK

    irrlicht
    Nihil

    Registriert seit: 08.07.2007

    Beiträge: 30,413

    bullschuetz Aber was wirklich irrwitzig ist: Wagenknecht vorzuhalten, sie sei jetzt so ne Art Halbnazi und besorge das Geschäft der AfD. Das ist ein intellektuell derart unterirdischer Versuch, sich um eine Debatte zu drücken, dass es mir die Schuhe auszieht.

    Diese Vorwürfe gibt es ja schon seit Jahren und sie sind natürlich eine hinreißende Illustration, was in der Debatte immer mehr ins Wanken kommt. In gehorsamer Distinktion vor „den Rechten“ und allgemein dem nicht bildungsbürgerlichen Pöbel, wird alles, was die Festen der Werte in der eigenen Peer Group antastet, nur noch mit spitzen Fingern angefasst. Kein Dialog, keine Wissensaneignung, kein Interesse an Konflikt, kein Perspektivwechsel, kein konstruktiver Streit, kein Aushalten von Ambivalenzen und Zwischentönen. Gemeinhin ist das natürlich heuchlerisch bis ins Mark, aber mitunter hat man, gerade in den asozialen Netzwerken, immer mehr das Gefühl, es tummeln sich dort zunehmend mehr Lifestyle-Linke, politische Tourist*innen, die im besten Fall fleißig wohlklingende Adjektive auswendig gelernt habe, im schlimmsten schon mit dem ersten Satz an den eigenen Prinzipien scheitern. Natürlich alles ungleich besser, als der irre, gewaltbereite Fakel-Mob, aber oft sind das nur verschiedene Schattierungen von Vollpfostentum.

    --

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    #11442211  | PERMALINK

    latho
    No pretty face

    Registriert seit: 04.05.2003

    Beiträge: 32,789

    Da stimme ich dir uneingeschränkt zu, @irrlicht. Wir hatten es ja an anderer Stelle: ich habe das Buch von Wagenknecht nicht gelesen (hab das auch nicht vor), aber einen ihrer Artikel dazu. In meinen Augen hat sie recht mit der Analyse, dass die „Arbeiter“ keine „Arbeiterparteien“ mehr wählen, hat mit den Effekten der Bildungsrevolution in den 70ern zu tun – Abitur ist mittlerweile in der SPD-BT-Fraktion fast zu 100 % vorhanden, innenstädtisches Bürgertum herrscht vor, postmaterialistische Einstellungen etc. Wirkliche Aufstiegschance gibt es für die Unterschicht nicht mehr und das wird gerne zugunsten von Themen wie Gleichberechtigung von Schwarzen (in Deutschland) etc unter den Tisch gekehrt. Verstärkt in den, genau, asozialen Medien, die keine wahre Reichweite haben, aber halt unter Journalisten und Kulturschaffenden beliebt sind, so dass auch die weltfremdesten Aufrufe zuversichtlich in den Massenmedien erscheinen – Empörung allerorten. Gefährlicher Quatsch und inzwischen kalter Kaffee ist dagegen Wagenknechts Hinterherlaufen der Rechten mit AFD-light-Sprüchen gegen EU oder „Fremdarbeitern“ (kam ursprünglich von ihrem hubby).
    Der langsam aufkommende, mir sehr willkommene Widerstand gegen die Critical-Whiteness- (und Trump-)Filterblasen scheint ja langsam an Fahrt zu gewinnen. In den USA trommelt die bei der Times im Streit gegangene Bari Weiss Truppen zusammen (sie selber kommt aus der rechts-liberalen, leicht zionistischen Ecke).
    Wie man auch immer zu einzelnen Themen steht, unter Demokraten muss ein Austausch darüber möglich sein – aber es wird vor allem auf Twitter/Facebook/Telegram ein faux radicalism zelebriert, weil eben momentan „Politik“ schick ist.

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    #11442829  | PERMALINK

    nicht_vom_forum

    Registriert seit: 18.01.2009

    Beiträge: 3,920

    lathoIn meinen Augen hat sie recht mit der Analyse, dass die „Arbeiter“ keine „Arbeiterparteien“ mehr wählen, hat mit den Effekten der Bildungsrevolution in den 70ern zu tun – Abitur ist mittlerweile in der SPD-BT-Fraktion fast zu 100 % vorhanden, innenstädtisches Bürgertum herrscht vor, postmaterialistische Einstellungen etc.

    Das ist aber nicht alles. Selbst Leute in klassischen Arbeiterberufen sehen sich ja inzwischen kaum noch als „Arbeiter“. Sobald die wirtschaftliche Lage gut genug für Familie, Haus, und Urlaub ist, lassen das Bewusstsein dafür, dass man immer noch stark fremdbestimmt ist und kollektiv mehr zu erreichen ist als individuell, und die Bereitschaft, sich für andere einzuschränken, stark nach. Außerdem vergrößert sich der Horizont und damit ändern sich ggf. die als relevant empfundenen Probleme. Der ökologische Fußabdruck einer Aldi-Avocado war eben in den 60ern auch noch kein Thema.

    Wirkliche Aufstiegschance gibt es für die Unterschicht nicht mehr und das wird gerne zugunsten von Themen wie Gleichberechtigung von Schwarzen (in Deutschland) etc unter den Tisch gekehrt.

    Ich sehe da einen Zusammenhang. M. E. ist das kein Zufall, sondern wird forciert. „Diversity“ kostet ein Unternehmen schließlich kein Geld – mit etwas Glück sind die neu eingestellten Frauen und PoC ja sogar billiger und, siehe Thatcher, noch skrupelloser – nicht unwahrscheinlich, wenn sie dieselben Institutionen durchlaufen haben. Echte Aufstiegsmöglichkeiten, z. B. mit der Abkehr von „flachen Hierarchien“ in großen Unternehmen, hätte dagegen unangenehme Auswirkungen auf den Gewinn. Von den Kosten von deutlichen Verbesserungen der Arbeitsbedingungen bei den „Unterschicht“-relevanten Berufen (und verschiedenen anderen) ganz abgesehen.

    Der langsam aufkommende, mir sehr willkommene Widerstand gegen die Critical-Whiteness- (und Trump-)Filterblasen scheint ja langsam an Fahrt zu gewinnen. In den USA trommelt die bei der Times im Streit gegangene Bari Weiss Truppen zusammen (sie selber kommt aus der rechts-liberalen, leicht zionistischen Ecke).

    Bei den Kritikern von Identity Politics und Critical Whiteness scheinen mir aber auch verschiedene useful Idiots wie Thierse dabei zu sein, die dann wieder aus der Ecke von Tichy, AfD und Co. genutzt werden, um zu zeigen, dass das ganze Humanitätsgedusel rund um Flüchtlinge, Alltagsrassismus und -sexismus etc. jetzt „sogar SPD-Mitgliedern“ schon zu weit geht.

    --

    Reality is that which, when you stop believing in it, doesn't go away.  Reality denied comes back to haunt. Philip K. Dick
    #11443091  | PERMALINK

    bullschuetz

    Registriert seit: 16.12.2008

    Beiträge: 1,818

    @nicht_vom_forum Ja, die Vereinnahmung durch Tichy, PI-News, AfD & Co ist ein Dauerproblem. Ich finde es deshalb wichtig, dass sich innerhalb der Linken eine differenzierte Debatte entwickelt. Die identitätspolitische Linke als „totalitär“ zu bezeichnen, finde ich genauso maßlos, wie Kritiker der identitätspolitischen Linken als mindestens reaktionär, tendenziell gar als rassistisch abzutun.

    Oder um es mal zu personalisieren: Wolfgang Thierse und Alice Hasters sind doch beide vernünftige Leute und haben genug an Haltung gemeinsam, um bei allen Meinungsverschiedenheiten produktiv miteinander diskutieren zu können. Die wahre Front verläuft doch nicht zwischen Hasters und Thierse (und auch nicht zwischen Tichy und Höcke, wenngleich beide sicher verschiedene Grade von Radikalität verkörpern), sondern zwischen Hasters/Thierse auf der einen und Tichy/Höcke auf der anderen Seite.

    Leider hat sich die Linke historisch schon oft schwer getan, derlei zu kapieren.

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    #11443095  | PERMALINK

    plattensammler
    Dabble In Om - More Oomph!

    Registriert seit: 11.05.2019

    Beiträge: 409

    Ich fand diesen Beitrag zu Thierses Aussagen recht treffend: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/die-identitaetspolitik-des-wolfgang-thierse-normalitaet-ist-die-cancel-culture-des-alten-weissen-mannes/26996920.html

    Das „Problem der Linken“ hat Nancy Frazer ganz gut auf den Punkt gebracht: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/die-identitaetspolitik-des-wolfgang-thierse-normalitaet-ist-die-cancel-culture-des-alten-weissen-mannes/26996920.html

    Das Problem ist nicht der Kampf für Feminismus, LGBTQ-Rechte und gegen Rassismus, sondern die Trennung dieses Kampfs vom Kampf für soziale Gerechtigkeit.

    Und wer mehr Zeit zum Lesen hat: https://www.blaetter.de/ausgabe/2017/februar/fuer-eine-neue-linke-oder-das-ende-des-progressiven-neoliberalismus

    Nancy Fraser vergaloppiert sich dabei auch nicht, wie es die Wagenknecht macht.

    zuletzt geändert von plattensammler

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    Please don't put your life in the hands Of a rock 'n' roll band Who'll throw it all away
    #11443179  | PERMALINK

    bullschuetz

    Registriert seit: 16.12.2008

    Beiträge: 1,818

    plattensammler Ich fand diesen Beitrag zu Thierses Aussagen recht treffend: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/die-identitaetspolitik-des-wolfgang-thierse-normalitaet-ist-die-cancel-culture-des-alten-weissen-mannes/26996920.html

    Danke für den Link! In der Sache bin ich da allerdings ganz anderer Meinung.

    Diesen Text empfinde ich zwar passagenweise durchaus als sehr bedenkenswert, gleichzeitig aber haargenau als lehrbuchreifes Musterbeispiel für die Maßlosigkeit der identitätspolitischen Linken, die ich oben beschrieben habe – eine Maßlosigkeit, die alles, was von der eigenen Haltung abweicht, mit dem moralischen Holzhammer zertrümmert, eine Maßlosigkeit, die zwischen Thierse und Hitler offenbar nicht mehr unterscheiden kann, eine Maßlosigkeit, die anscheinend mehr rhetorische Aggression gegen einen konservativ angehauchten Sozialdemokraten alter Schule entwickeln kann als gegen einen manifesten Rechtsextremisten wie Björn Höcke.

    Ein paar Beispiele aus dem Text: Thierse wolle „jede Debatte über die bestehenden Verhältnisse abwürgen“, er betreibe „Cancel Culture“, er  trete ein für die „Vorherrschaft und selbstverständliche Überlegenheit der Norm“ (und wo immer das „absolut“ gesetzt werde, ende es „in einer Katastrophe“ – aha, gleich sind wir beim von Thierse angestifteten Völkermord), stelle sich in die Nähe von Trump und Bolsonaro – und weil der Autor sich sorgt, dass das alles immer noch nicht „woke“ genug sein könnte, setzt er  ein unterirdisch dämliches, vollkommen aus dem Ruder laufendes Wortspiel drauf: „Die Norm ist ein Fetisch aus Deutschland.“

    Geht’s noch? Nein, so geht’s nicht. So nämlich wird Thierse mal eben via Paul Celan mit Hitler kurzgeschlossen und zum Advokaten der „Entmenschlichung“ gemacht. Da kann ich mir ein ebenfalls dämliches Wortspiel nicht verkneifen: Die Maßlosigkeit ist ein Grasdackel aus der Tagesspiegel-Redaktion.

    Das ist genau das, was ich wirklich komplett Banane finde. So sorgt man argumentativ dafür, dass der Unterschied zwischen Thierse, Bolsonaro, Trump und Hitler nur noch graduell ist. Wer aber den Faschismus bereits wittert, wo jemand nicht ganz so woke ist wie man selber, dem gehen irgendwann die Worte aus für den wahren Faschismus – und auch die Mitstreiter im Kampf gegen die wirklich Bösen.

    Im Übrigen hängt mir der auch in diesem Text wieder mal vorgebrachte Vorwurf vom „alten weißen Mann“ zum Halse raus.

    Stellen wir uns nur mal kurz vor, wir würden ein Argument, das Alice Hasters vorbringt, aburteilen mit dem Hinweis, das Geschwätz sei „typisch Frau“, und so einen Unsinn könne auch „nur eine Schwarze“ erzählen – wären wir uns da etwa nicht einig, dass es sich um Rassismus und Sexismus der allerdümmsten und allerselbstgefälligsten Sorte handelt?

    Ich weiß, die identitätspolitische Linke findet den „Alter weißer Mann“-Vorwurf okay und lehnt den „schwarze Frau“-Vorwurf ab, denn der AWM sei ja privilegiert und die SF unterdrückt. Aber kann man so wirklich eine vernünftige Debatte führen?

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    #11443233  | PERMALINK

    plattensammler
    Dabble In Om - More Oomph!

    Registriert seit: 11.05.2019

    Beiträge: 409

    Also ehrlich gesagt, sehe ich da weder „Maßlosigkeit“, noch „moralische Holzhammer“, noch „Thierse = Hitler“. Das ist ein ganz vernünftiger Debattenbeitrag, der auf Denkfehler von Thierse (u.v.a.m.) hinweißt, der ja denkt, er spricht sich gegen Identitätspolitik aus, gegen „Cancel Culture“, aber selbst genau das macht: Identitätspolitik und „Cancel Culture“. Seine Idendität ist nämlich „der Normale“ und er und die anderen Normalen wollen zum Beispiel keine Gendersternchen. Das wollen die anderen – dass müssen dann ja im Thierse’schen Denken die Nicht-Normalen sein – die sollen damit aber mal aufhören, weil keiner von den Normalen das haben will. Er will also die Gendersternchen canceln. Dabei will er doch keine „Cancel Culture“, oder? Ich halte Thierse einfach mal zugute, das er einfach nur naiv ist und es echt nicht blickt, das er ganau das macht, was er doch gar nicht will.

    Der Beitrag zeigt, das es gar keine Nicht-Identitätspolitik gibt. Das ist nur eine neue Vokabel für altbekanntes, früher hieß das Interessenpolitik. Es gab schon immer die unterschiedlichsten gesellschaften Gruppen mit ihren jeweils unterschiedlichen Interessen, die sie gegen die anderen Gruppen durchsetzen müssen. Und dabei geht es immer um Macht und Previlegien, wie das heute heißt, früher hieß das Ressourcen. Die einen haben weniger davon und wollen mehr haben, was bedeutet, dass die anderen etwas von ihren abgeben müssen, das machen die aber nicht freiwillig, die wollen ihre behalten (Hier im Beispiel Thierse, der will als Normaler den Nicht-Normalen nix abgeben). Daher gibt es immer gesellschaftliche Konflikte. Der klassische Konflikt (für die Linken) war immer der zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Die Gesellschaft differenziert sich aber immer weiter aus, deswegen entstehen immer mehr unterschiedliche Gruppen. Entsprechend gibt es mehr Konflikte. Und diese Interessenkonflikte heißen heute halt Identitätspolitik. Und Thierse ist dann so naiv, dass er denkt: ‚Nein! Wir sind doch alle ein Volk von Normalen, alle mit den gleichen Interessen und alle mit den gleichen Ressourcen ausgestattet‘? Da sollte ihm aber mal ganz dringend jemand sagen, dass das nicht so ist!

    Die Hardcore-Linken früher haben von Haupt- und Nebenwidersprüchen gesprochen. Man müsse den Hauptwiderspruch (Arbeitnehmer vs Arbeitgeber) angehen, der ganze Rest löst sich dann von allein, da brauch man sich nicht drum kümmern. Das war halt ein Irrtum, den manche wiederholen wollen?

    Für mich persönlich ist das eine Scheindebatte um neue Vokabeln.

    https://www.tagesspiegel.de/meinung/neues-unwort-ein-hoch-auf-die-identitaetspolitik/26985732.html

    zuletzt geändert von plattensammler

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    #11443311  | PERMALINK

    nicht_vom_forum

    Registriert seit: 18.01.2009

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    bullschuetz

    plattensammler Ich fand diesen Beitrag zu Thierses Aussagen recht treffend: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/die-identitaetspolitik-des-wolfgang-thierse-normalitaet-ist-die-cancel-culture-des-alten-weissen-mannes/26996920.html

    Danke für den Link! In der Sache bin ich da allerdings ganz anderer Meinung. […]

    @bullschuetz Danke für den Text. Dem kan ich mich weitestgehend anschließen.

    --

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