Kill Bill: Vol. 2

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  • #1901047  | PERMALINK

    latho
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    Originally posted by Anachronist@10 Apr 2004, 01:30
    Ich hoffe ja, daß im Zuge der Überalterung unserer Gesselschaft wenigstens der Kino-Mainstream an Qualität gewinnt, damit die 80-Millionen-plus-x-Budgets auch mal für Projekte ausgegeben werden, die nachher keine PG-13-Freigabe vorweisen müssen.

    Andererseits bleibt zu befürchten, daß die Klingeltöne- und SMS-Generation mit zunehmendem Alter sich nicht zwingend für anspruchsvollere Unterhaltung interessieren und sich im Zuge der Desillusionierung in eventueller Verbindung mit früher Elternschaft und genereller Überforderung/Geldmangel doch mit dem Hauptabendprogramm der dt. Fernsehlandschaft zufrieden geben…

    Ich bin mir nicht sicher ob kommende Generationen dümmer/anspruchsloser sind als wir. Die vorangehenden waren's ja auch nicht. Für jeden „Citizen Kane“ ein „Grün ist die Heide“ (um bei den negativen Beispielen mal in Deutschland zu bleiben), für jeden „Blow up“ ein tolle Tanten-Film (oder wie die auch immer hiessen). Das einzige was sich ändern wird (bzw sich schon geändert hat), ist die Namensgebung: schlechte Filme haben immer öfter eine Zahl hinter ihrem Namen. Men in Black 2, Matrix 3 etc…

    --

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    #1901049  | PERMALINK

    anachronist

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    Mein Eindruck ist der, daß heutzutage die finanzielle Komponente einen ungleich größeren Einfluss darauf hat, welchen Filmproduktionen überhaupt grünes Licht gegeben wird, und wenn ich mir dann das aktuelle Multiplexprogramm anschaue, dann stelle ich immer noch keine Trendwende hin zu anspruchsvolleren oder auch nur „intelligenteren“ Filmen fest, obwohl doch die Teenies, die sich Mitte der 90er inhaltsleere Effektspektakel angeschaut haben, inzwischen auch Mitte zwanzig sein müssten und nicht von heute auf morgen den Kinobesuch eingestellt haben dürften.

    Insofern stelle ich jetzt einfach mal die These auf, daß sich bei dieser immer noch relativ jungen Generation der Filmgeschmack im Laufe von zehn Jahren nicht zum Besseren geändert hat, wohingegen ihre Eltern – trotz besserem Filmprogramm in den Jahrzehnten zuvor – ebenfalls mit Jugendwahn und Verflachung des Programms nicht mehr klargekommen sind und sich deshalb irgendwann lieber für die kostenlose „Wetten, daß..?“-Berieselung entschieden haben, als in's Kino zu gehen.

    Schaue ich mir dann endlich die aktuelle Klingelton-Generation an, die nun größtenteils gar keine Ahnung mehr von Film hat, dann sehe ich auch gar keine Hoffnung mehr, wenn ich wie oben davon ausgehe, daß der Filmgeschmack im Laufe der Jahre anscheinend nicht anspruchsvoller werden muß…

    Letztens habe ich bei Ebert von einer kleinen 2000-Seelen-Gemeinde irgendwo im amerikanischen Niemandsland gelesen, in der es der örtliche Kinobetreiber geschafft hat, die Bevölkerung in den letzten Jahren mangels Multiplex-Konkurrenz zu anspruchsvollem, internationalem Film zu erziehen, die Abendvorstellungen am Wochenende scheinen jedenfalls ausverkauft zu sein.

    Da sehe ich auch die einzige Chance: Die Industrie muß von sich aus wieder den Mut finden, ihre Filmproduktion nicht von der Marketingabteilung abhängig zu machen, sondern wieder mehr in Filmemacher zu investieren. Das gleiche gilt für die Musikindustrie. Von alleine wirst du eine größere Öffentlichkeit nicht dazu bringen, den Multiplex-Tempeln den Rücken zu kehren und in's Programmkino zu gehen; vielmehr bleiben die Leute gleich zuhause, wo sie im TV die gleiche Ideenlosigkeit/Wiederholung für umme bekommen, und ehe sich mal eine für den Markt relevante Anzahl an Personen für anspruchsvollere Kinokost interessiert, sind die Leute auf ihren Wohnzimmersofas derart abgestumpft, daß ihnen selbständiges Denken Kopfschmerzen bereitet.

    Fazit: Erst wenn sich Filme von z.B. Roland Emmerich nicht mehr rentieren, und nur noch 1,5 Millionen den Freitagabendskrimi, Musikantenstadl oder DSDS einschalten, dann wird sich etwas ändern, vorher leider nicht.

    MfG

    Anachronist

    P.S. Kann sein, daß meine Argumentation zu so später Stunde nicht durchgehend kohärent ist. Wenn ich in Berlin wohnen und jedes Jahr die Berlinale besuchen könnte, wäre mein Kulturpessimismus vielleicht ebenfalls weniger ausgeprägt.

    --

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    #1901051  | PERMALINK

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    Originally posted by Anachronist@11 Apr 2004, 02:26
    und wenn ich mir dann das aktuelle Multiplexprogramm anschaue, dann stelle ich immer noch keine Trendwende hin zu anspruchsvolleren oder auch nur „intelligenteren“ Filmen fest

    wieso auch, und wieso grade im Multiplex? Das ist genauso, als würdest du in der Bild-Zeitung Kultur erwarten. Der einzige Zweck der Multiplexe ist, die Deppen aus den alten kleinen Kinos in die Paläste zu ziehen – was zum Vorteil hat, dass man in ebendiesen alten Kinos jetzt wirklich gute Filme zu sehen bekommt. Und das über einen wesentlich längeren Zeitraum als früher.

    Ansonsten sehe ich weder ein filmisches Endzeitszenario noch eine kulturelle Fimoffensive auf uns zukommen – warum auch? Wieso erwartest du von Leuten, die in den 80ern und 90ern stumpfe Hollywood-Produktionen gesehen haben, dass sie dies nicht mehr tun. Und wieso denkst du, dass der Vorstadtbauer mit seinem tiefergelegten 3er BMW plötzlich etwas anderes sehen will als „Misson Impossible IV“. Die von dir hochgelobten „Indiana Jones“ und „Back To The Future“-Filme sind für mich übrigens kein Stück besser als Emmerich-Produktionen – Massen-Konfektions-Hollywood bleibt Massen-Konfektions-Hollywood, wo ziehst du da eine Grenze?

    (achja, manchmal mag ich den Freitagskrimi – und 50% aller deutschen Tatorte sind besser als 90% des Kinoprogramms. Und es lohnt sich manchmal wirklich Fernsehfilme im Öffentlich-Rechtlichen zu schauen, auch wenn man dazu natürlich keine Kommentare von Ebert gratis dazu bekommt…)

    --

    #1901053  | PERMALINK

    latho
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    Ich kann den Pessimismus auch nicht teilen. Das Verhältnis guter zu schlechter Filme wird bleiben – so wie es immer schon war. Wenig gute, viele schlechte Filme. Das es gelegentlich so scheint, als würde es in der Vergangenheit besser gewesen sein, liegt daran, dass nur die guten Filme überdauern. Zumindest ich habe die 80 miterlebt und deswegen auch allen Multiplex-Schrott. Durch's Miterleben ist die Wahrnehmung verzerrt.

    Ach ja – nicht alle erfolgreichen Filme (um mal nicht „Multiplex“ zu sagen sind per se schlecht – einfach aber wahr). Und Indiana Jones ist meisterlich (Back to the Future nicht). Aber das hatten wir schon im entsprechenden Thread. :)

    Das mit den Tatorten kann ich gar nicht nachvollziehen. Ich mache die an und sehe nur „sprechende Köpfe“. Nur weil es Fernsehen ist, muss man ja nicht die Bildregie vergessen.

    Und um bei 90% zu bleiben. Roger Ebert schreibt bessere Kritiken als 90% des deutschen Feuilletons (gerade eben wieder die Zeit gelesen – schrecklich).

    --

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    #1901055  | PERMALINK

    artaxerxes

    Registriert seit: 14.01.2004

    Beiträge: 114

    In dem Zusammenhang könnte dieser Artikel passen. Filme als Schulfach, mit einem interessanten Filmkanon. Vielleicht kann ja dadurch auf indirekte Weise die Filmqualität gesteigert werden :

    http://www.bpb.de/presse/FQ41ZZ,0,0,Filmka…orgestellt.html

    --

    #1901057  | PERMALINK

    anachronist

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    Originally posted by NiteOwl
    Ansonsten sehe ich weder ein filmisches Endzeitszenario noch eine kulturelle Fimoffensive auf uns zukommen – warum auch? Wieso erwartest du von Leuten, die in den 80ern und 90ern stumpfe Hollywood-Produktionen gesehen haben, dass sie dies nicht mehr tun. Und wieso denkst du, dass der Vorstadtbauer mit seinem tiefergelegten 3er BMW plötzlich etwas anderes sehen will als „Misson Impossible IV“.

    Ich gehe halt nach wie vor davon aus, daß auch mal dem einfältigsten „Vorstadtbauern“ repetitive Elemente im Mainstream-Kino auffallen und zu langweilen beginnen könnten; außerdem sprach ich ja ganz allgemein vom Multiplex-Publikum, wo eben nicht nur Prols vertreten sind, und genau da kann ich es nicht nachvollziehen, wenn im Laufe von zehn Jahren der Anspruch derselbe bleibt, während man in allen anderen Lebensbereichen für sich in Anspruch nimmt, endlich als erwachsene und selbständige Person angesehen werden zu wollen, sich im Kino aber gleichzeitig immer noch den gleichen Scheiß anschaut.

    Die von dir hochgelobten „Indiana Jones“ und „Back To The Future“-Filme sind für mich übrigens kein Stück besser als Emmerich-Produktionen – Massen-Konfektions-Hollywood bleibt Massen-Konfektions-Hollywood, wo ziehst du da eine Grenze?

    Mag ja sein, daß du keinen Unterschied zwischen „Indiana Jones“ und „ID4“ siehst (auch wenn mir das nicht einleuchtet), aber nur weil beide Filme ein Millionenpublikum in die Kinos ziehen, heißt das noch lange nicht „Indiana Jones“ = „ID4“. Auch wenn du das nicht nachvollziehen kannst: Bei ersterem fühle ich mich uneingeschränkt auf intelligente Art und Weise unterhalten, bei letzterem rege ich mich spätestens nach dreißig Minuten nur noch darüber auf, wie dämlich die Dialoge und vorhersehbar der ganze Rest des Films ist. Und wenn du jetzt wieder mit Emmerichs „Sichtweise eines Zwölfjährigen“ anfangen solltest: Die hatte Spielberg nicht nur bei „Indiana Jones“, und einen ähnlich grandiosen Film wie „E.T.“ hat Emmerich bisher noch nicht vorgelegt, und wird es wahrscheinlich auch nie tun. (Über „Back To The Futrure“ sage ich jetzt nichts, deine Probleme mit Fox sind nicht meine, er ist für seine Rolle einfach die perfekte Besetzung.)

    (achja, manchmal mag ich den Freitagskrimi – und 50% aller deutschen Tatorte sind besser als 90% des Kinoprogramms. Und es lohnt sich manchmal wirklich Fernsehfilme im Öffentlich-Rechtlichen zu schauen, auch wenn man dazu natürlich keine Kommentare von Ebert gratis dazu bekommt…)

    Ach NiteOwl, einmal „Ebert“ lesen, und schon (sorry) durchdrehen… Wieso sagst du denn nichts zu dem, was Ebert berichtet hat, sondern stößt dich nur daran, daß ich seinen Namen erwähnt habe?! Nächstes Mal lasse ich halt die Quelle weg, und schreibe nur, daß es besagtes Programmkino in der amerikanischen Provinz gibt, wenn es dich denn beruhigen sollte…

    Außerdem war meinerseits ausdrücklich von Freitagabendkrimis die Rede, gestern habe ich mir „Sperling“ im ZDF angeschaut, und morgen werde ich dies ebenfalls mit dem Kölner Tatort tun; ferner werde ich mir beim nächsten 3sat-„Zuschauerpreis“ wieder einen Überblick über dt. Fernsehfilme verschaffen, und die Grimmepreisverleihung habe ich mir letzten Samstag auch reingezogen. Und das alles, ohne daß Ebert etwas dazu geschrieben hätte.

    Aber wenn dir der stereotypische Anachronist, der sich jeden Film erst nach 'Ebert approval' anschaut, mehr zusagt, dann will ich dich nicht in deinem Glauben bekehren…

    MfG

    Anachronist

    --

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    #1901059  | PERMALINK

    anachronist

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    Originally posted by „latho“
    Ich kann den Pessimismus auch nicht teilen. Das Verhältnis guter zu schlechter Filme wird bleiben – so wie es immer schon war. Wenig gute, viele schlechte Filme. Das es gelegentlich so scheint, als würde es in der Vergangenheit besser gewesen sein, liegt daran, dass nur die guten Filme überdauern. Zumindest ich habe die 80 miterlebt und deswegen auch allen Multiplex-Schrott. Durch's Miterleben ist die Wahrnehmung verzerrt.

    Na ja, ich glaube trotzdem, daß man sich damals erzähltechnisch noch mehr Mühe gegeben hat, um den Zuschauer bei der Stange zu halten. Gerade in den 90ern war es doch so, daß ein bißchen CGI genügte, und die Leute sind in's Kino gestürmt. (Mich eingeschlossen.) Und die erwartete Verbesserung auf Seiten der verfilmten Drehbücher ist bisher auch ausgeblieben. Vielmehr hat die Anzahl der Effekte nochmals zugenommen, aber qualitativ verbessert haben sie sich nicht unbedingt.

    Das mit den Tatorten kann ich gar nicht nachvollziehen. Ich mache die an und sehe nur „sprechende Köpfe“. Nur weil es Fernsehen ist, muss man ja nicht die Bildregie vergessen.

    Die Qualität der Tatorte hängt ja sehr von den einzelnen Standorten ab, und wenn es dort zufällig eine Filmhochschule gibt, dann sehen sie IMO nicht zwingend danach aus, als hätte man die Bildregie vergessen, wenngleich ich den Teilen eine speziell deutsche Fernseh“ästhetik“ nicht absprechen kann.

    Und um bei 90% zu bleiben. Roger Ebert schreibt bessere Kritiken als 90% des deutschen Feuilletons (gerade eben wieder die Zeit gelesen – schrecklich).

    Das scheint es um's Feuilleton ja ziemlich schlecht bestellt zu sein… ;) (Welche ZEIT-Kritik meintest du denn?)

    Ebert rezensiert eben so gut wie jeden Film, der in Übersee startet. Wenn du das über 30 Jahre lang machst, hast du eben eine gewisse Routine entwickelt; gleichzeitig bist du aber auch angreifbarer, weil sich wirklich jede andere Kritik mit der von Ebert zu einem bestimmten Film vergleichen lässt, und da findet sich eben viel einfacher auch mal eine Kritik, bei der Ebert u.U. nicht auf der Höhe seines Handwerks war…

    MfG

    Anachronist

    --

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    #1901061  | PERMALINK

    latho
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    Originally posted by Anachronist+11 Apr 2004, 16:07–>

    QUOTE (Anachronist @ 11 Apr 2004, 16:07)
    Na ja, ich glaube trotzdem, daß man sich damals erzähltechnisch noch mehr Mühe gegeben hat, um den Zuschauer bei der Stange zu halten. Gerade in den 90ern war es doch so, daß ein bißchen CGI genügte, und die Leute sind in's Kino gestürmt. (Mich eingeschlossen.) Und die erwartete Verbesserung auf Seiten der verfilmten Drehbücher ist bisher auch ausgeblieben. Vielmehr hat die Anzahl der Effekte nochmals zugenommen, aber qualitativ verbessert haben sie sich nicht unbedingt.

    Das ist aber genau der Punkt: Hollywood (also das Massenkino) ist nicht dumm, irgendeinen Trick/effekt klaut man regelmäßig bei einem eher unbekannten Film oder es wird eben ein neuer Publikumsmagnet, CGI, die neue Julia Roberts, etc. eingesetzt und schon gibt es genügend Veränderung, so dass die Leute doch nicht abspringen. Dass die Drehbücher/Charaktere/Handlungen dieselben bleiben, fällt den meisten nicht weiter auf. Aber das ist auch der Grund, warum man „eigentlich“ ins Kino geht. Die ersten Filmvorführungen zeigten eine Lokomotive, die auf das Publikum zuraste: vorhersehbare Handlung, ausdrucksarmer Hauptdarsteller.
    Ich denke, dass es wie bei Literatur, Musik etc verschiedene Ansprüche an das zu Sehende/zu Hörende gestellt wird. Die „breite Masse“ interessiert sich für den schnellen Kick und hat den Film dann wieder vergessen.

    Originally posted by Anachronist@11 Apr 2004, 16:07
    Die Qualität der Tatorte hängt ja sehr von den einzelnen Standorten ab, und wenn es dort zufällig eine Filmhochschule gibt, dann sehen sie IMO nicht zwingend danach aus, als hätte man die Bildregie vergessen, wenngleich ich den Teilen eine speziell deutsche Fernseh“ästhetik“ nicht absprechen kann.

    Das ist alles so langweilig und vorhersehbar – mit dem deutschen Fernsehen (privat wie öffentlich) habe ich im allgemeinen abgeschlossen.

    Originally posted by Anachronist@11 Apr 2004, 16:07

    Das scheint es um's Feuilleton ja ziemlich schlecht bestellt zu sein… ;) (Welche ZEIT-Kritik meintest du denn?)

    Eigentlich alle. Die letzte gute Kritik aus der Zeit, an die ich mich erinnere, ist Michael Althens Besprechung von Fabulous Baker Boys – die ist von 1989…
    Heute sind es immer wieder diese ganzen Struktualisten, die keinen Job an der Uni bekommen haben und jetzt Filmkritiken schreiben müssen (ohne auf dem Gebiet besonders bewandert zu sein). Also wird jeder Film (vor allem die amerikanischen) völlig vorhersehbar auf „Zeichen“ ausgewertet und seziert. Am Ende weiß man nichts über den Film, nur über die scheinbare Brillianz der Autoren. Geht mir schon länger auf die Nerven.
    Ohne die genaue Übersicht zu haben: die taz ist ganz gut.

    #1901063  | PERMALINK

    anachronist

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    Originally posted by latho@11 Apr 2004, 17:06
    Das ist aber genau der Punkt: Hollywood (also das Massenkino) ist nicht dumm, irgendeinen Trick/effekt klaut man regelmäßig bei einem eher unbekannten Film oder es wird eben ein neuer Publikumsmagnet, CGI, die neue Julia Roberts, etc. eingesetzt und schon gibt es genügend Veränderung, so dass die Leute doch nicht abspringen. Dass die Drehbücher/Charaktere/Handlungen dieselben bleiben, fällt den meisten nicht weiter auf. Aber das ist auch der Grund, warum man „eigentlich“ ins Kino geht. Die ersten Filmvorführungen zeigten eine Lokomotive, die auf das Publikum zuraste: vorhersehbare Handlung, ausdrucksarmer Hauptdarsteller.
    Ich denke, dass es wie bei Literatur, Musik etc verschiedene Ansprüche an das zu Sehende/zu Hörende gestellt wird. Die „breite Masse“ interessiert sich für den schnellen Kick und hat den Film dann wieder vergessen.

    Aber wie kann ich mir einen „schnellen Kick“ holen, wenn ich die Struktur doch eigentlich schon zum Erbrechen vorhersehen kann, wo bleibt da die Überraschung? Es muß ja nicht wahnsinnig anspruchsvoll sein, aber wenn ich mir alleine schon die größtenteils langweilige, vollkommen auf unrealistische CGIs setzende Inszenierung von Action anschaue, dann frage ich mich, wer das überhaupt noch spannend finden soll. Natürlich spielt der Wiedererkennungswert eine große Rolle beim Kinobesuch, aber wenn das soweit geht, daß man bereits im Trailer die wichtigsten Handlungspunkte vorwegnimmt, damit das Publikum auch garantiert weiß, was es erwartet, dann finde ich das keinen müden Cent wert.

    Es gäbe ja schon den ein oder anderen Film, dem einfach nur die Marketingpower fehlt, als daß er auch mal regulär in einem mittelgroßen Multiplexsaal laufen könnte. Und würde man solchen Filmen dauerhaft einen Platz im Mainstreamprogramm einräumen, dann würde bestimmt auch der Geschmack des Publikums anspruchsvoller werden.

    Ein Beispiel: Vor einigen Wochen startete bekanntlich „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ in den Staaten. Laut „Rotten Tomatoes“ hat der Film bisher insgesamt $21 Mio. eingespielt, war gerade mal zwei Wochen lang in den Top 10 vertreten, und die höchste Platzierung war an siebter Stelle. Die Gründe hiefür IMO: Einerseits das R-Rating, andererseits aber vor allem die Tatsache, daß solche Filme einfach nicht genügend beworben werden, obwohl es sich in diesem Fall um eine Romantic Comedy mit wirklichen Kassenmagneten als Hauptdarstellern handelt: Jim Carrey in der Hauptrolle, das zieht eigentlich immer. Ihm zur Seite steht Kate Winslet, die kennt auch jeder seit Titanic. (Und ich glaube jetzt nicht, daß man sich wegen Titanic keine anderen Filme mehr anschaut, in denen sie mitwirkt.) Ebenfalls dabei: Kirsten Dunst (Spiderman) und Elijah Wood (LOTR). 92 Prozent der US-Kritiker stehen dem Film wohlwollend gegenüber, und trotzdem gibt es in der Startwoche sechs andere Filme, die dem Mainstreampublikum geläufiger sind – ob sie nun gute Besprechungen oder Verrisse erhalten haben.

    Natürlich gäbe es auch wieder Zuschauer, die hinterher enttäuscht aus dem Film kommen, weil sie einen grimassenschneidenden Carrey erwartet haben. Aber bei „Goodbye, Lenin!“ gab es auch Leute, die eine Schenkelklopfer-Komödie à la „Der Schuh des Manitu“ erwartet haben, ohne das dies den Erfolg des Films auch in Multiplexen irgendwie nachträglich beeinträchtigt hätte.

    Ich bleibe dabei: Wenn man das Marketing für gute Filme verbesserte, dann würde sich auch auf mittelfristige Sicht das Niveau des Multiplex-Programms verbessern.

    MfG

    Anachronist

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    #1901065  | PERMALINK

    latho
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    Natürlich ist das Marketing ein entscheidender Faktor. Word of mouth reicht zum Erfolg nicht aus.

    Die Struktur ist immer die gleiche, weil die meisten Leute ja im Kino eines nicht wollen: Überraschung. Von daher wundert mich der Erfolg von Filmen wie Seven.

    --

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    #1901067  | PERMALINK

    anachronist

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    Originally posted by latho@11 Apr 2004, 18:27
    Natürlich ist das Marketing ein entscheidender Faktor. Word of mouth reicht zum Erfolg nicht aus.

    Die Struktur ist immer die gleiche, weil die meisten Leute ja im Kino eines nicht wollen: Überraschung. Von daher wundert mich der Erfolg von Filmen wie Seven.

    Wieso? Psychothriller waren zu der Zeit gerade mächtig angesagt, und Brad Pitt in der Hauptrolle dürfte ebenfalls nicht unwesentlich zum Erfolg des Films beigetragen haben.

    Das Paradoxe ist doch: Auf jedem Filmplakat/jeder DVD-Hülle wird mit Kritiker-Zitaten für den jeweiligen Film geworben, aber bevor sich die Leute einen Film anschauen, der eine gute Kritik bekommen hat, schauen sie sich eher den an, dessen Trailer sie schon zehnmal gesehn haben. Man müsste den Leuten nur klarmachen, daß eine gute Kritik nicht gleich bedeutet, sie müssten zwei Stunden lang einen artsy fartsy Film über sich ergehen lassen, sondern daß man auch unterhalten werden konn, ohne gleich seine Denke am Eingangsportal auf Durchzug zu stellen.

    Nochmal Ebert: Der wurde mal gefragt, was er von einem bestimmten Film halte, und als er antwortete, daß es sich seiner Meinung nach um einen der besten Filme des Jahres handelte, bekam er zur Antwort: „Ich glaube nicht, daß das ein Film ist, den ich mir anschauen möchte.“ (NiteOwl könnte jetzt bemerken, die Kritik richte sich gegen Eberts Filmgeschmack…)

    MfG

    Anachronist

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    #1901069  | PERMALINK

    candycolouredclown
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    Originally posted by Anachronist@9 Apr 2004, 20:03
    Die FSK versteht eben keinen Spaß, sonst hätten sie „Vol. 1“ auch ab 16 freigegeben.

    Ja genau. Und weil „Dawn Of The Dead“ eine Satire ist, wiegt die Gewalt gleich viel weniger. :hau
    „Braindead“ ist ja auch lustig.

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    #1901071  | PERMALINK

    anachronist

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    Originally posted by candycolouredclown@11 Apr 2004, 21:36
    Ja genau. Und weil „Dawn Of The Dead“ eine Satire ist, wiegt die Gewalt gleich viel weniger. :hau
    „Braindead“ ist ja auch lustig.

    Glaubst du wirklich, daß die zwei Jahre einen großen Unterschied machen? Hat die Erkennung von Sarkasmus/Übertreibung/Ironie etwas mit zwei Jahren Altersunnterschied zu tun? Wieso sollte sich ein 18jähriger bei „Kill Bill“ amüsieren dürfen, ein 16jähriger aber nicht? Ist letzterer anfälliger für Nachahmungen, und müssen wir demnächst auch die Ausstrahlung von „Viva La Bam“ auf MTV einstellen?

    Wenn ich mir das Durchschnittalter der „Gang“ hier im Forum anschaue, dann glaube ich kaum, das sich da jeder an die Altersfreigaben gehalten hat. So what?

    Fragend,

    Anachronist

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    #1901073  | PERMALINK

    candycolouredclown
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    Originally posted by Anachronist@11 Apr 2004, 23:22

    Wenn ich mir das Durchschnittalter der „Gang“ hier im Forum anschaue, dann glaube ich kaum, das sich da jeder an die Altersfreigaben gehalten hat. So what?

    Es geht nicht darum, dass man sich als Zuschauer an die Altersfreigabe hält (habe ich auch nicht gemacht) sondern, dass doch eine gewisse Grenze aufrechterhalten wird, und sei es nur als Empfehlung. Also von der FSK. Wege, diese Grenze dann zu umgehen wird es immer geben.
    Und Deine Argumentation was das Alter anbelangt und damit verbundenes (eventuelles) Verständnis, finde ich nicht griffig. Dann könnte man dann ja auch Hardcore-Pornos ab 23 Uhr im Fernsehen zeigen. (etwas übertrieben ausgedrückt)
    Finde nicht dass man mit Hilfe von Sarkasmus und Ironie alles rechtfertigen kann. Du musst doch zugeben: Die Gewalt ist in „Kill Bill“ (kenne nur Ausschnitte) schon ziemlich heftig.

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    #1901075  | PERMALINK

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    Originally posted by candycolouredclown@11 Apr 2004, 22:43
    Und Deine Argumentation was das Alter anbelangt und damit verbundenes (eventuelles) Verständnis, finde ich nicht griffig. Dann könnte man dann ja auch Hardcore-Pornos ab 23 Uhr im Fernsehen zeigen. (etwas übertrieben ausgedrückt)

    Sagen wir Mitternacht, und ich frage die: Was spricht dagegen? Bei Pornos würde man schon genauer als bei Gewaltstreifen darauf achten, daß nichts Menschenverachtendes gezeigt wird. (Es sei denn, man hält Pornographie grundsätzlich für tabu.) Wie hörte ich doch mal von einem Dozenten in „Angewandte Ethik“: Bei Pornos ist höchstens die Herstellung verwerflich.

    Finde nicht dass man mit Hilfe von Sarkasmus und Ironie alles rechtfertigen kann. Du musst doch zugeben: Die Gewalt ist in „Kill Bill“ (kenne nur Ausschnitte) schon ziemlich heftig.

    Und auf den Kontext kommt es an. Einzig und allein als „heftig“ würde ich eventuell noch den anfänglichen Kampf mit Vernita Green nennen, wobei ich den auch nicht kaltblütiger als z.B. die Kofferaum-Erschießung in „Jackie Brown“ fand. Der vielzitierte Endkampf mit seinen Blutfontänen ist jedenfalls nicht mehr ernst zu nehmen.

    MfG

    Anachronist

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