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Mein Eindruck ist der, daß heutzutage die finanzielle Komponente einen ungleich größeren Einfluss darauf hat, welchen Filmproduktionen überhaupt grünes Licht gegeben wird, und wenn ich mir dann das aktuelle Multiplexprogramm anschaue, dann stelle ich immer noch keine Trendwende hin zu anspruchsvolleren oder auch nur „intelligenteren“ Filmen fest, obwohl doch die Teenies, die sich Mitte der 90er inhaltsleere Effektspektakel angeschaut haben, inzwischen auch Mitte zwanzig sein müssten und nicht von heute auf morgen den Kinobesuch eingestellt haben dürften.
Insofern stelle ich jetzt einfach mal die These auf, daß sich bei dieser immer noch relativ jungen Generation der Filmgeschmack im Laufe von zehn Jahren nicht zum Besseren geändert hat, wohingegen ihre Eltern – trotz besserem Filmprogramm in den Jahrzehnten zuvor – ebenfalls mit Jugendwahn und Verflachung des Programms nicht mehr klargekommen sind und sich deshalb irgendwann lieber für die kostenlose „Wetten, daß..?“-Berieselung entschieden haben, als in's Kino zu gehen.
Schaue ich mir dann endlich die aktuelle Klingelton-Generation an, die nun größtenteils gar keine Ahnung mehr von Film hat, dann sehe ich auch gar keine Hoffnung mehr, wenn ich wie oben davon ausgehe, daß der Filmgeschmack im Laufe der Jahre anscheinend nicht anspruchsvoller werden muß…
Letztens habe ich bei Ebert von einer kleinen 2000-Seelen-Gemeinde irgendwo im amerikanischen Niemandsland gelesen, in der es der örtliche Kinobetreiber geschafft hat, die Bevölkerung in den letzten Jahren mangels Multiplex-Konkurrenz zu anspruchsvollem, internationalem Film zu erziehen, die Abendvorstellungen am Wochenende scheinen jedenfalls ausverkauft zu sein.
Da sehe ich auch die einzige Chance: Die Industrie muß von sich aus wieder den Mut finden, ihre Filmproduktion nicht von der Marketingabteilung abhängig zu machen, sondern wieder mehr in Filmemacher zu investieren. Das gleiche gilt für die Musikindustrie. Von alleine wirst du eine größere Öffentlichkeit nicht dazu bringen, den Multiplex-Tempeln den Rücken zu kehren und in's Programmkino zu gehen; vielmehr bleiben die Leute gleich zuhause, wo sie im TV die gleiche Ideenlosigkeit/Wiederholung für umme bekommen, und ehe sich mal eine für den Markt relevante Anzahl an Personen für anspruchsvollere Kinokost interessiert, sind die Leute auf ihren Wohnzimmersofas derart abgestumpft, daß ihnen selbständiges Denken Kopfschmerzen bereitet.
Fazit: Erst wenn sich Filme von z.B. Roland Emmerich nicht mehr rentieren, und nur noch 1,5 Millionen den Freitagabendskrimi, Musikantenstadl oder DSDS einschalten, dann wird sich etwas ändern, vorher leider nicht.
MfG
Anachronist
P.S. Kann sein, daß meine Argumentation zu so später Stunde nicht durchgehend kohärent ist. Wenn ich in Berlin wohnen und jedes Jahr die Berlinale besuchen könnte, wäre mein Kulturpessimismus vielleicht ebenfalls weniger ausgeprägt.
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Die eigene Schönheit verblasst immerzu im Angesicht der Schönheit der Geliebten.