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Originally posted by latho@11 Apr 2004, 17:06
Das ist aber genau der Punkt: Hollywood (also das Massenkino) ist nicht dumm, irgendeinen Trick/effekt klaut man regelmäßig bei einem eher unbekannten Film oder es wird eben ein neuer Publikumsmagnet, CGI, die neue Julia Roberts, etc. eingesetzt und schon gibt es genügend Veränderung, so dass die Leute doch nicht abspringen. Dass die Drehbücher/Charaktere/Handlungen dieselben bleiben, fällt den meisten nicht weiter auf. Aber das ist auch der Grund, warum man „eigentlich“ ins Kino geht. Die ersten Filmvorführungen zeigten eine Lokomotive, die auf das Publikum zuraste: vorhersehbare Handlung, ausdrucksarmer Hauptdarsteller.
Ich denke, dass es wie bei Literatur, Musik etc verschiedene Ansprüche an das zu Sehende/zu Hörende gestellt wird. Die „breite Masse“ interessiert sich für den schnellen Kick und hat den Film dann wieder vergessen.
Aber wie kann ich mir einen „schnellen Kick“ holen, wenn ich die Struktur doch eigentlich schon zum Erbrechen vorhersehen kann, wo bleibt da die Überraschung? Es muß ja nicht wahnsinnig anspruchsvoll sein, aber wenn ich mir alleine schon die größtenteils langweilige, vollkommen auf unrealistische CGIs setzende Inszenierung von Action anschaue, dann frage ich mich, wer das überhaupt noch spannend finden soll. Natürlich spielt der Wiedererkennungswert eine große Rolle beim Kinobesuch, aber wenn das soweit geht, daß man bereits im Trailer die wichtigsten Handlungspunkte vorwegnimmt, damit das Publikum auch garantiert weiß, was es erwartet, dann finde ich das keinen müden Cent wert.
Es gäbe ja schon den ein oder anderen Film, dem einfach nur die Marketingpower fehlt, als daß er auch mal regulär in einem mittelgroßen Multiplexsaal laufen könnte. Und würde man solchen Filmen dauerhaft einen Platz im Mainstreamprogramm einräumen, dann würde bestimmt auch der Geschmack des Publikums anspruchsvoller werden.
Ein Beispiel: Vor einigen Wochen startete bekanntlich „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ in den Staaten. Laut „Rotten Tomatoes“ hat der Film bisher insgesamt $21 Mio. eingespielt, war gerade mal zwei Wochen lang in den Top 10 vertreten, und die höchste Platzierung war an siebter Stelle. Die Gründe hiefür IMO: Einerseits das R-Rating, andererseits aber vor allem die Tatsache, daß solche Filme einfach nicht genügend beworben werden, obwohl es sich in diesem Fall um eine Romantic Comedy mit wirklichen Kassenmagneten als Hauptdarstellern handelt: Jim Carrey in der Hauptrolle, das zieht eigentlich immer. Ihm zur Seite steht Kate Winslet, die kennt auch jeder seit Titanic. (Und ich glaube jetzt nicht, daß man sich wegen Titanic keine anderen Filme mehr anschaut, in denen sie mitwirkt.) Ebenfalls dabei: Kirsten Dunst (Spiderman) und Elijah Wood (LOTR). 92 Prozent der US-Kritiker stehen dem Film wohlwollend gegenüber, und trotzdem gibt es in der Startwoche sechs andere Filme, die dem Mainstreampublikum geläufiger sind – ob sie nun gute Besprechungen oder Verrisse erhalten haben.
Natürlich gäbe es auch wieder Zuschauer, die hinterher enttäuscht aus dem Film kommen, weil sie einen grimassenschneidenden Carrey erwartet haben. Aber bei „Goodbye, Lenin!“ gab es auch Leute, die eine Schenkelklopfer-Komödie à la „Der Schuh des Manitu“ erwartet haben, ohne das dies den Erfolg des Films auch in Multiplexen irgendwie nachträglich beeinträchtigt hätte.
Ich bleibe dabei: Wenn man das Marketing für gute Filme verbesserte, dann würde sich auch auf mittelfristige Sicht das Niveau des Multiplex-Programms verbessern.
MfG
Anachronist
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Die eigene Schönheit verblasst immerzu im Angesicht der Schönheit der Geliebten.