james 'blood' ulmer

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  • #11731309  | PERMALINK

    soulpope
    "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"

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    Und nach dem Tanzen anno 1982 …. :

    Aber zurück (oder eher nach vor) zu James Blood Ulmer ….

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    #11731381  | PERMALINK

    vorgarten

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    third rail, wings, live at zurich jazz festival 1988, bill laswell bandcamp 2020, rec. 4.11.1988, volkshaus zürich
    ulmer (g & voc), bill laswell (eb & effects), ronald shannon jackson (dm & per)

    das ulmer/laswell/jackson-projekt, später (nach einer weiteren zusammenarbeit) einfach auch „third rail“ getauft, hier mit dem programm von AMERICA – DO YOU REMEMBER THE LOVE? beim zürcher jazzfestival, mit etwas größerer geste, durchaus dramatisch (vor allem ulmers gesang hat eine eigenartige dringlichkeit), aber auch mit einigen verspielern des gitarristen (sehr ungewöhnlich), also ein irgendwie betrunkener auftritt, in dem die drei manchmal leerlauf produzieren, immer wieder aber auch toll zusammenfinden. den interessanten minimalismus des studioalbums verfolgen sie hier jedenfalls nicht.

    das ding ist eine soundboard-aufnahme, von der mehrere bootlegs und vielleicht auch mittlerweile lizensierte fassungen existieren, laswell hat es wohl ein bisschen bearbeitet, ich habe diese inoffizielle JF-ausgabe aus dem aufnahmejahr:

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    #11731413  | PERMALINK

    vorgarten

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    the james blood ulmer blues experience, blues allnight, in + out 1990, rec. 5/1989
    ulmer (voc & g), ronnie drayton (g), amin ali (eb), grant calvin weston (dm), winnie leyh (key & back voc)

    stand anfang der 90er in allen hifi-studios, in denen ich war (also so 3). hab das musikalisch nie verstanden und versuche es gerade wieder. neutral formuliert ist das eine saubere, ja kristalline, rock-platte, die sich sehr stark auf ulmers stimme konzentriert (wirklich beeindruckend, aber hörbar mit hohem effekt-aufwand herausgearbeitet) und ihn in eine idee von professionellem studiosetting versetzt. alles darum herum wird reine funktion, und wenn eine zu große lücke im sound auftaucht, spielt der toningenieur einfach ein funktionales keyboard (wahrscheinlich nachträglich) dazu. nix mit blues, aber so genau kenne ich mich nicht aus, das will aber irgendwas anderes, und da steckt auch viel liebe zum detail drin, aber dabei geht was vor die hunde. männerschweiß, der sehr schnell eiskalt wird, während die technik funktioniert. ich hoffe, das hat sich kommerziell gelohnt, außerdem muss erwähnt werden, dass in + out dazu noch das ulmer-debüt REVEALING herausbrachte, aber so richtig hingehört haben sie da nicht, war ihnen wahrscheinlich zu unprofessionell aufgenommen (und stand dann auch in keinem hifi-studio, obwohl ich ja jeden verstärker genau daran messen würde).

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    #11733081  | PERMALINK

    vorgarten

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    music revelation ensemble, elec. jazz, diw 1990, rec. 12./13.3.1990
    ulmer (g), david murray (ts), amin ali (eb), cornell rochester (dm).

    erstes aus den 90ern, die cover werden nicht unbedingt kreativer, die musik schon, und jim anderson (für diw) weiß, anders als die freiburger kollegen, wie man eine elektrische jazzband audiophil aufnimmt, ohne das draufzuschreiben.

    keine zärtliche angelegenheit, was klar wird, wenn man die beiden herren in der hinteren reihe ansieht, mit ihnen hat das music revelation ensemble seinen sound gefunden, für mich eine der besten und originellsten jazzbands der 90er. eine ultraharte ausgabe von captain black, bleibt irgendwie auf ornette coleman bezogen (ich könnte mir jederzeit vorstellen, ihn hier mitspielen zu hören), verbindet völlig frei (tatsächlich: free) funk- und swingelemente, das ist hier quasi symmetrisches konzept: 2 stücke kommen in verscheidenen takes, eins mit ulmer-solo, eins mit murray-solo, bei „exit“ (der rahmen des albums) geht das soweit, dass sie beim ersten funk spielen, beim zweiten behällt ali die funk-basslinie bei, während rochester dazu gegenläufig swing spielt. das irre ist, dass sie währenddessen mit dem jeweils anderen idiom flirten können. im zweiten stück (swing), setzt ulmer im murray-solo aus, wir haben also nacheinander zwei trios. ein anderes stück („taps dance“) ist anders gesplittet, da spielt ulmer solo über gleichfalls solierende dm und b, während letztere für murray einleitend in eine art calypso fallen.

    ulmer ist ziemlich unglaublich hier, sehr viele single notes, mit wahwah unterschiedlich strukturiert, meist im anderen rhythmus als die kollegen vorgeben, harmonisch trotzdem immer wieder verankert, mit vokalen qualitäten, stotternd, brabbelnd, beschwörend. murray dagegen als schwerstarbeiter, wühlt sich in die soli, dreht die themen hin und her, schraubt sich hoch, baut höhepunkte, in denen er entweder überblasend noch melodien spielt (mit vibrato!) oder nur noch sounds von sich gibt (mehrfach mache ich mir sorgen und hoffe, dass sie ihn zwschendurch ins sauerstoffzelt geschickt haben). powerplay, das miteinander kommuniziert, bei rochester ist jeder schlag definiert, trotzdem schafft er es noch, auf die solisten einzugehen.

    sehr interessant ein langsamer blues in der mitte („no more“), den ulmer ähnlich angeht wie der kollege scofield, viele noten über die struktur hinweg, aber wie anders: keine technisch perfekten läufe, die die meisterschüler fehlerfrei transkribieren können, sondern eruptiv, aus dem verschmierten kommen die einzelnen pfeile, aus dem gemurmel der ausruf. kann man nicht immer hören, und wenn dann nur sehr laut, unbedingt die nachbarn vorwarnen, oder eben kopfhörer nehmen, hat gerade super geklappt.

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    #11734359  | PERMALINK

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    when I was 19, I had a choice – go to work or become a musician. and I liked the musician’s lifestyle better. then when I arrived in pittsburgh, the first thing I see is little george benson, who couldn’t have been more thant 13 years old, standing on the street corner with his guitar, playing and singing his heart out. it like to scare me to death, and I was ready to go back down south on the first bus.

    JBU, liner notes zu PREACH PREACHER.

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    #11735617  | PERMALINK

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    james blood ulmer, black and blues
    , diw 1991, rec. oct/nov 1990
    ulmer (g & voc), ronald drayton (g), amin ali (eb), grant calvin weston (dm)

    zweiter versuch mit der blues experience, diesmal für diw, herauskommt das definitive blood funk/rock-studioalbum. anders als bei in + out, wo man die besonderheiten der gitarrenarbeit im mix glättete und sich auf ulmers gesang konzentrierte, ist das hier ein gitarrenfetisch-mix (kein wunder, robert musso ist ja selbst gitarrist), der mehrere spuren um ulmers alternativgestimmtes sprechspiel und draytons generische kreissäge baut, die trotzdem erstaunlich durchhörbar bleiben. ali & weston spielen dazu das allernötigste, hart, präzise, ohne dabei wie maschinen zu wirken. sehr viele schöne details in all den schichten, auch noch mal in der postproduktion besser freigelegt, die komplexität bringt hier den maximalen in-your-face-effekt. ganz am ende reduziert sich die band ohne drayton auf ein jazznäheres trio, ulmer hört auf zu singen, jetzt könnte eigentlich david murray einsteigen. sehr toll das stück „sign language“: viereinhalb minuten ulmer solo, der immer wieder einen flow versucht, abbricht, neu ansetzt, bis endlich, erlösend, bass und schlagzeug einsteigen, in einem schwebenden swing, der kurz danach nochmal für ein paar takte zum rock & roll wechselt…

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    #11735673  | PERMALINK

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    music revelation ensemble, after dark, diw 1992, rec. oct.1991
    ulmer (g), david murray (ts), amin ali (eb), cornell rochester (dm), intercity string quartet

    ein jahr später ist murray tatsächlich wieder dabei, in der unveränderten besetzung des music revelation ensembles, das danach allerdings andere saxofonisten präsentieren wird. hier funktioniert die kommunikation der beiden co-leader gewohnt ideenreich, auch für die beiden anderen bandmitglieder gibt es ausreichend vorgaben, um sich nicht zu langweilen. „interview“ von ARE YOU GLAD… wird in frenetischer geschwindigkeit aktualisiert, es gibt eine ballade, in der das schlagzeug freidreht, eine variation von „baby talk“ mit entspanntem backbeat (allerdings nur während des themas), eine latin-vorgabe am ende, und ein ganz klassisches jazz-swing-stück, zu dem murray einen sehr weiten bogen spannt und ein perfekt dramatisiertes solo spielt (eins der besten, das ich von ihm kenne). auch ulmer – ganz klassisch, melodisch fast – danach lässt sich nicht lumpen. größte überraschung aber ist die verlängerung der harmolodischen gitarre in die saiten eines streichquartetts, nur im titelstück, dazu mit kurzem schlagzeugeinsatz zwischendrin. eine sich stimmungsvoll ausbreitende melancholie, mit schwebenden sounds, kleinen akzenten, einer sanften wellenbewegung und ein bisschen verschieben der thematischen vorgabe. die idee wird bald nochmal aufgegriffen, dann sind gitarre und das streichquartett ganz allein (ich mag aber den schlagzeugpart gerade hier sehr gerne). tolles album.

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    #11736091  | PERMALINK

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    noch vor AFTER DARK waren ulmer, drayton, ali & weston auf tour in europa im rahmen eines knitting-factory-programms, zu dem auch eine kompilations-cd erschien, auf dem 2 stücke der ulmer-band den anfang machen (ist unterwegs, kommt hier später zur sprache). im herbst 1992 ist das bluesrock-outlet wieder im studio, für diw, aber columbia spendiert auch eine us-amerikanische ausgabe und gute liner notes.

    james blood ulmer, blues preacher, diw/columbia 1994, rec. sept-oct 1992.
    ulmer (g, voc, fl), ronnie drayton (g), mark e. peterson (eb), aubrey dayle (dm); auf einem track zusätzlich irene datcher (voc), william „spaceman“ patterson (synth bass, drums & keys), delmar brown (keys).

    neue, leichtere, feinnervigere, aber auch etwas unentschiedenere rhythm section, im mix auch nicht sehr dominant, der sich hier mal wieder vor allem auf ulmers schweren gesang konzentriert. der titel markiert den unterschied zwischen singen und beschwören, in den liner notes datiert ulmer seinen futuristischen gitarrenstil auf alte, verschüttete spieltraditionen („things that people lived through that are barely remembered“). die montage verschiedener gitarrenstile in der verbindung mit drayton ist hier wieder das eigentlich faszinierende, das generische & das idiosynkratische, aber auch der bezug aufeinander. klingt hier alles poppiger, ist an bluesrock anschlussfähig, ist keineswegs „rather primitive music“, wie yanow auf allmusic abwinkt (und leser-widerspruch kassiert), aber auch nicht allzu herausfordernd, wenn man kein gitarrenfetischist ist (und die hören eh nochmal woanders).

    am ende kommt noch eine duett von ulmer mit irene datcher im gewand eines synthetischen r&b-popsongs, was erstaunlich gut funktioniert, gegen das allerdings ulmers gitarre von der seite aus angrummelt. da schwingen leere saiten über eine schiefe ebene, und niemand kriegt sie wieder eingefangen.

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    #11736141  | PERMALINK

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    james blood ulmer, harmolodic guitar with strings
    , diw 1993, rec. jun/jul 1993
    ulmer (g, voc, arr), quartette indigo w/ john blake: gayle dixon / john blake (vl), ron lawrence (va), akua dixon (vc), alice e. mcclelland (arr).

    ein ambitioniertes projekt, ulmer unbegleitet mit streichquartett, wortwörtlich: nicht von einem streichquartett begleitet, sondern als streichquintett konzipiert. 3 suiten, dazwischen arrangements von „maya“ (von AFTER DARK) und „tales of captain black“, wobei alles sich hier aus ulmers gitarrenstimmung heraus ableitet und dabei einzelne bekannte themen verwendet, die sowieso immer wieder auftauchen und immer anders heißen.

    rein klanglich funktioniert das schon super, die anders schwingende gitarre ist aufregend integriert, das streichquartett wiederum spielt großartig, kratzt, vibriert, lädt auf, das gebilde, was da entsteht, ist völlig originell. aber es gibt auch im detail wunderschöne momente, die kein bisschen schematisch wirken, selbst dann nicht, wenn die streicher ein einzelnes motiv ein bisschen riffen, damit ulmer ein kleines solo spielen kann. in „maya“ wird sogar sein heiserer gesang integriert, unisono mit dem cello von akua dixon, da rutscht dann das quartett doch in die begleitung einer schmelzenden ballade. und das thema für captain black darf dann ein bisschen frei improvisierte kommunikationen von fünf emanzipierten stimmen sein.

    man merkt hier sehr deutlich, welchen zugang ulmer zur gitarre hat, nicht auf linie & melodie und auch nicht auf effekt aus, sondern auf schwingung und textur, die sich im rhythmus entfalten.

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    #11737421  | PERMALINK

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    sam rivers!

    im oktober 1993 trat ulmer in leverkusen mit einem überraschenden quartett auf, in dem nur der neue blues-experience-drummer aubrey dayle als besetzung nahelag. die defunkt-bassistin kim clarke (die übrigens zur erstformation von steve coleman’s five elements gehörte) liegt mit ihrem autoritären ebass-stil zwar als alternative zu amin ali nahe, hatte vorher aber nicht mit ulmer aufgenommen (es hält sich ja das wahrscheinlich islamophobe gerücht, ulmer würde musikerinnen nichts zutrauen und nur mit männern spielen), aber die große überraschung ist natürlich sam rivers.

    fantastisches set, das einmal durch alle ulmer-outlets rauscht, gleich zu beginn, wenn ein bluesrocksong in eine freie, unverabredete swingnummer ausläuft, die ulmer mit einem melancholischen unbegleiteten zwischenspiel zu einem music-revelation-groove über eine variation von „after dark“ überführt. der hier 70-jährige rivers, im vollbesitz seiner vielen möglichkeiten, spielt eigentlich durch, eine gute idee nach der anderen, und die instrumentenwechsel nur, damit es ihm nicht zu langweilig wird. wie toll die alle miteinander kommunizieren, es sieht nicht nach viel-geübt aus, aber auch nicht nach freier jam-session, eher nach einem tieferen verständnis für die gemeinsamen verbindungen, durch die alles sehr organisch an seinen plätz fällt. toll immer wieder auch die stimmung, die ulmer zwischendrin mit seinen freien akkorden (hier auf der steinberger in blood-skordatur) erzeugt. und wie dann plötzlich ulmer & clarke blues spielen, mit kleinen ornamenten von rivers.

    music revelation ensemble, in the name of…, diw 1994, rec. 6./7.12.1993
    ulmer (g), amin ali (eb), cornell rochester (dm), sam rivers (ss, fl, ts), artur blythe (as), hamiet bluiett (bs).

    und hier ist rivers auch im studio und im revelation ensemble dabei, neben zwei anderen powerplay-saxofonisten, die david murray natürlich sehr gut vertreten. durch die gaststars (rives mit unterschiedlichen instrumenten auf drei stücken, blythe ebenso, bluiett auf einem) kommt zwar abwechslung, aber wenig ruhe rein, alle gehen sehr schnell in die vollen, was die harte und sehr energetische rhythm section natürlich nahelegt. die schönen, einfachen themen werden meist schon gegen den rhythmus gespielt, ali löst dann danach seine feste basslinie auf, rochester begleitet und spielt permanent solo gleichzeitig, ulmers verzerrte gibson verdichtet den raum zusätzlich. sehr schön, fast geheimnisvoll, fällt darunter die rubato-flötenballade von rivers auf, die eine ganz eigene after-hour-stimmung setzt, aber hier funktional als pause vor dem nächsten sturm dient. blythe tänzelt dagegen mehr über die dichten grooves (seine stücke sind auch etwas variabler arrangiert, manchmal mit gegenläufigen bass/drums-strukturen, sehr sophisticated), während bluiett ein reines powerplay ansetzt, das am ende in unglaublichen geräusch-sounds ausschwingt. kann ich alles am stück nicht gut durchhören, aber das ist ja mein problem.

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    #11737433  | PERMALINK

    wahr

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    wahnsinn, was du da alles zusammenträgst, vorgarten!

    #11737479  | PERMALINK

    vorgarten

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    wahrwahnsinn, was du da alles zusammenträgst, vorgarten!

    was soll ich machen, das ist einfach großartige musik!

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    #11737529  | PERMALINK

    vorgarten

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    karl berger, conversations
    , in + out 1994, rec. 11.-14.3.1994
    berger (p & vib), ulmer (g), carlos ward (as, fl), ray anderson (tb), dave holland (b), mark feldman (vl), ingrid sertso (voc).

    ein duo-projekt, je zwei stücke mit allen, berger alterniert zwischen klavier und vibrafon. ich mag eigentlich alles, auch wenn anderson (monk- & rollins-material) ein eher vordergründiges vergnügen ist, ansonsten geht aber alles durchaus in die tiefe, entsteht viel schönes in unterschiedlichen stimmungen. die kombination mit ulmer ist wohl die gewagteste, funktioniert aber hervorragend. die beiden coleman-schüler improvisieren völlig frei, bauen dabei an interessanten organischen sounds, ulmer wirkt dabei ziemlich inspiriert. als farbe zwischen den eher integrativen gebilden (mit holland und ward vor allem) setzt das wache spitzen, aber konversationen sind ja ohnehin ulmers ding.

    klingt alles übrigens super, gibt es auch auf vinyl.

    (notiz an mich selbst: endlich mal mit karl berger beschäftigen.)

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    #11738157  | PERMALINK

    vorgarten

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    james blood ulmer blues experience, live at the bayerischer hof
    , in + out 1994, rec. 25.4.1994
    ulmer (g & voc), amin ali (eb), aubrey dayle (dm)

    hier treffen sich endlich innovative aufnahmetechnik, das richtige material, eine effiziente band und etwas magie. laut ulmer das definitve album, was seine musik angeht, auch das definitive trio (ali ist wieder dabei), ich kann dem nicht widersprechen. ohne einen zweiten, ‚richtig gestimmten‘ gitarristen liegt das ganze spotlicht auf ulmers spiel, schon im ersten stück, in dem er vor allem rhtyhmusgitarre spielt, ist das atemberaubend: welcher ton da nur angerissen wird, welcher ausschwingt, welche idee da nur angedeutet, welche durchgearbeitet wird, in wie vielen farben das klingt. jeden song hier gibt es auch in anderen aufnahmen, aber wenn man die essenz und nicht den überschuss hören will, und manchmal gehört der überschuss zur essenz, dann ist man mit diesem album richtig. einschränkung meinerseits: das durchgeknallte der frühen sachen fehlt, die jugendliche energie, und von seinem jazzmaterial ist das nicht ganz weit weg, aber mir dann doch ein bisschen zu weit. aber klar, es sind die 90er und wir sind hier in münchen.

    As far as I can recall this was my 21st recording and, to tell you the truth, I think it’s the best damn record I did up to that point because we were really making music that night. I was especially happy with the way I played. The vibes where right, the inspiration was there and it was just one of those rare nights where you can feel the electricity in the air, you are hot to play and you just sense that everything you go for you are going to achieve.

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    #11740381  | PERMALINK

    vorgarten

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    blood in laswell land

    liu sola, blues in the east, axiom 1994
    liu (voc), amina claudine myers (org, p, voc), wu man (pipa), ulmer (g), henry threadgill (as), jason hwang (vl), umar bin hassan (storytelling), ralph samuelson (shakuhachi), ned rothenberg (shakuhachi, woodwinds), fernando saundrs (eb), jerome brailey (dm), yukio tsuji (japanese perc), aiyb dieng (african perc).

    das debütalbum der auch als autorin bekannt gewordenen liu sola entstand nach einer 3-wöchentlichen blues-recherche in memphis und ist ein amalgam aus folkloristischen formen, mikrotonalen phrasierungen, fetten beats, erzählten geschichten. ob und wie das funktioniert, ist dann immer die frage, und was einem davon eigentlich nah ist, so dass man die anderen weltmusikelemente als erweiterung oder kontrast hört – ist das also eine peking oper mit us-amerikanischen einschreibungen oder höre ich hier eine pipa als bluesinstrument? liu solas gesang jedenfalls ist so dominant, dass er sehr viel zudeckt. dazwischen und darin ergeben sich aber immer wieder interessante momente, und insgesamt ist das so dicht und durcharrangiert, dass man denkt, man hat es mit einem hörspiel zu tun. typische laswell-produktion also, die vor allem zeigt, wie viele hochkarätigen leute er aus allen möglichen ecken für ein solches projekt zusammentrommeln kann.

    ein paar blood-momente gibt es, in ausgesprochenen blues-teilen am ende, spannender jedoch im dialog mit der pipa. und die beats von fernando saunders und parliaments/funkadelic-drummer jerome brailey sind schon immer wieder sehr lässig.

    third rail, south delta space age, verve antilles 1995
    ulmer (g & voc), bernie worrell (org & clavinet), amina claudine myers (org, ep & voc), bill laswell (eb), joseph ‚zigaboo‘ modeliste (dm & per).

    das wiederum ist eine richtige band, mit leuten, die, wie ulmer sagt, alle ein eigenes (und für die anderen rätselhaftes) „konzept“ für diese art musik haben. laswell spielt einen sehr groovenden e-bass über dem new-orleans-drumming von modeliste (the meters), ulmer stochert sexy in diesen verschleppten grooves herum, raunt heisere beschwörungsformeln, und myers & worrell geben noch ein bisschen altes psychedelisches mojo dazu. viel bekanntes blood-material hier in schönen neuen version, dazu ein paar lose jams, die auch wunderbar platz nehmen, kein hörspiel hier, sondern ein paar dehnübungen von lauter leuten, die wissen, was sie können. schönes wiederhören.

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