Ich höre gerade … Jazz!

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  • #12015005  | PERMALINK

    lotterlotta
    Schaffnerlos

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    ..das ist schon ein ziemlich cooler Auftritt gewesen, da liegen bestimmt noch tausende von tollen Aufnahmen in den Archiven der Radiosender aus Mitte der 60er bis Mitte der 70er, von denen der eine oder andere die genau so gute Sorgfalt zur Veröffentlichung verdient wie dieser…..

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    Hat Zappa und Bob Marley noch live erlebt!  
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    #12015055  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Grad überlegt, wo ich neulich Nat Phipps hatte … „Soul“ von Barbara Long, Trompeter Billy Howell wird dort als der gefeaturte Mann angekündigt, von ihm und Phipps abgesehen ist das allerdings die Ervin/Parlan-Combo (also Booker Ervin, George Tucker und Al Harewood). Auf Discogs ist das das Phipps einziger Credit … stimmt das?

    Was Freddie Hubbard in Paris angeht: das geht schon anders ab – mich hat der Mitschnitt jedenfalls umgehauen! Ich kenne ein halbes Dutzend anderer Hubbard-Mitschnitte aus ca. derselben Zeit und keiner davon kommt an dieses wirklich explosive Konzert heran, finde ich!

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #162: Neuentdeckungen aus dem Katalog von CTI Records, 8.4., 22:00; # 163: 13.5., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
    #12015087  | PERMALINK

    vorgarten

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    gypsy-tail-windGrad überlegt, wo ich neulich Nat Phipps hatte … „Soul“ von Barbara Long, Trompeter Billy Howell wird dort als der gefeaturte Mann angekündigt, von ihm und Phipps abgesehen ist das allerdings die Ervin/Parlan-Combo (also Booker Ervin, George Tucker und Al Harewood). Auf Discogs ist das das Phipps einziger Credit … stimmt das?

    genau. ich habe da auch was durcheinander gebracht. das orchester von phipps war ende der 40er in newark sehr erfolgreich im swing-idiom unterwegs, davon haben sich die shorters, moncur und davis jr. in einem eher unpopulären bebop-orchester abgesetzt (der leader hieß jackie bland, konnte nicht eine note spielen, dirigierte im leopardenanzug mit sonnenbrille), aber da waren die ja alle erst 15, 16 oder so. später fingen wayne und moncur selbst bei phipps an, da hatte der sein repertoire aber schon richtung bebop erweitert – für wayne ein reiner brotjob neben dem musikstudium.

    edit. ein bisschen bekannter ist wohl der bruder bill phipps, der später mit mcduff und gillespie gespielt hat, hier steht ein bisschen über die familie.

    zuletzt geändert von vorgarten

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    #12015111  | PERMALINK

    vorgarten

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    walter davis jr trio, illumination (1977)

    das zweite leaderalbum nach DAVIS CUP, der pianist hatte zwischenzeitlich ja seine karriere für das schneiderhandwerk an den nagel gehängt. das erste stück heißt „scorpio rising“, auf dem cover sitzt der pianist im astronautenanzug an einem miniaturklavier (das instrument auf der aufnahme ist dagegen gehörig verstimmt). vergleichbar surrealistisch ist die musik aber nicht, das hält sich – wie immer bei davis – an die gängigen formeln und wirkt darin sehr souverän, hier hört man ihn mit buster williams und alternierend blakey und carr an den drums in variationen eines tyner-infizierten power trios. (es gibt noch die spätere komposition „uranus“ von ihm, hatten die jazz messengers im programm, aber daraus kann man jetzt auch keine nähe zu kompositionen der shorters oder von moncur konstruieren – der adäquate pianist in diesem genre wäre und war ja auch eher dave burrell).

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    #12015185  | PERMALINK

    vorgarten

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    dave burrell, high won – high two (1968/76)

    pastiche mit burrell, gospel, bernstein und hartes freejazz-brett, hier noch relativ sauber getrennt. stanley crouch schreibt 1976 in den liner notes von der klavierskepsis der schwarzen fire-musiker, von der späten würdigung dessen, was cecil taylor, muhal richard abrams, dave burrell und don pullen dieser musik hinzugefügt haben. macht man sich vielleich auch nicht immer so klar. sun ra wird bei sowas natürlich vergessen, und die weißen pianisten und pianistinnen absichtlich ausgeklammert.

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    #12015191  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Art Blakey (um die Zeit wieder mal als Sideman?) und Bruno Carr?

    Und den Bill Phipps habe ich tatsächlich als Sideman (glaub nicht, dass man ihn wirklich zu hören kriegt) auf „Gin and Oranges“ von Jack McDuff.

    Mit dem bekannteren Art Phipps (manchmal Arthur Phipps), der u.a. mit Babs Gonzalez, Jackie McLean oder auch auf dem „Pull My Daisy“ – surrealistischer Jazz ;-) – Soundtrack Bass spielte, haben diese Phippses nichts zu tun, nehme ich an, sonst würde das da wohl erwähnt.
    Bei Erskine Hawkins gibt es um 1946/47 noch einen Pianisten namens Jimmy Phipps – vermutlich ebenfalls nicht mit den Zwillingen aus Newark verwandt:
    https://www.allmusic.com/artist/mn0001489609

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #162: Neuentdeckungen aus dem Katalog von CTI Records, 8.4., 22:00; # 163: 13.5., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
    #12015199  | PERMALINK

    redbeansandrice

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    das sind schoene posts, vorgarten!

    Dick Marx / Buddy Collette – Marks Makes Broadway

    1 Euro… und dass es ein gut erhaltenes Original und kein Reissue ist, erkennt man schon daran, dass alle spaeteren Ausgaben die Namen der Leader korrekt schreiben, Marx/Collette statt Marks/Colette… (ist uebrigens interessant, dass man bei discogs nicht auf den falschen Schreibweisen besteht… allerdings ist es auf dem Backcover und Label auch richtig…) der Name Dick Marx tauchte hier in den letzten Wochen immer mal auf, mein ich, er war an Alben von Lucy Reed und Helen Merrill beteiligt… Eigentlich war er ein vielbeschaeftigter Studiomusiker aus Chicago, hier kam irgendwer auf die Idee, ihn mit zwei anderen Staedten zu konfrontieren, Material vom New Yorker Broadway wird in Los Angeles mit den dortigen Helden der Aufnahmestudios eingespielt… Haette man auch alles mit Nat Pierce in New York aufnehmen koennen, aber muss natuerlich nicht… das Repertoire ist nicht besonders exotisch, Baubles, Bangles and Beads, All of Me, Too Close for Comfort, If I were a bell… haben damals in den spaeten 50ern auch andere aufgenommen… die Bands sind super, Collette floetet, dazu gibt es Irving Ashby oder Howard Roberts, Red Mitchell oder Carson Smith sowie Frank Capp… ich wette, bei einem bft wuerden manche denken, es kommt aus Europa… und das wuerde dann viel an Marx selber liegen, er ist gut, aber halt auch 100% Unterhaltungsmusiker, ist in dem vielleicht einem Horst Jankowski naeher als einem Nat Pierce… das heisst nicht, dass er keinen Jazz kann, ist ja kein Hexenwerk, oder dass das hier nicht irgendwie auch als Jazzalbum funktioniert… ich denk fast, was das Album ein bisschen heraushebt sind die g/b Teams in den Bands… gerade Red Mitchell ist schon ein besonders toller Bassist…

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    #12015203  | PERMALINK

    vorgarten

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    alles von facebook, es gibt einen dokumentarfilm über das mister kelly’s und dazu ein social-media-angebot. da wird der post so anmoderiert:

    Dick Marx and John Frigo were not just a house band, they were Mister Kelly’s house band during it’s hottest years. While booked on the same bills as legends (Ella Fitzgerald, Lenny Bruce, Billie Holiday, Mort Sahl), many came just to see them– especially fellow performers. Their piano and bass were integral to the club’s sound.

    ich hatte jüngst auch ein bisschen nachgeforscht, wer die beiden eigentlich sind, weil ich sie speziell auf dem lucy-reed-album sehr interessant fand (und durchaus mit sehr viel jazzgefühl ausgestattet).

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    #12015249  | PERMALINK

    redbeansandrice

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    danke dir!

    Rampart Street Paraders – Dixieland My Dixieland

    der alte Frust, wenn eine Platte in der 1 Euro Kiste liegt, obwohl sie eigentlich aus der 2 Euro Kiste kommt und auch so viel kostet, das doppelte quasi… in dem Fall kein Hindernis, denn ich wollt sie schon laenger haben, die anonymen liner notes erklaeren es ganz gut: mit Saxophonen laesst sich der klassische Dixieland veredeln, natuerlich muss man ein bisschen besser arrangieren, wenn man ploetzlich fuenf Blaeser hat statt drei (wobei man auf dem Cover schoen sieht, dass der Basssaxophonist ganz hinten platznehmen muss, hinter der Gitarre), aber Mitte der 50er hatte man im Jazz auch ausgepuzzelt, wie sowas geht… dass Dixieland Dixieland heisst, weil in Louisiana noch recht lang „dix dollar“ neben „ten dollar“ auf den Geldscheinen stand, wusst ich auch nicht… gute Linernotes, huebsches Album…

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    #12015271  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    I Love John Frigo … He Swings – John Frigo and His Quintet with Dick Marx | Das war in der Verve LPR-Reihe sicher eins der seltsameren Alben, zwei Namen, die ich überhaupt nicht einordnen konnte. Und die Connection zum Mister Kelly’s kannte ich bis heute auch nicht – also Zeit, mit neuem Kontext wieder mal ein Ohr voll zu nehmen. Auf dem Rückcover zeigt uns Frigo sein (Platt-)Füsse und statt Liner Notes ist ein Portrait von Don Gold abgedrückt, das im selben Jahr wie die Platte in Down Beat erschien (1957).

    Thirty-nine-year-old John Frigo is a bassist, violinist, trumpeter, lyricist, artist and satisfied suburbanite.

    He digs Ray Brown („he plays the instrument properly“), daily commuting („it gives me time to think of lyrics and TV jingles“), and pastel paints („but without that smooth look found in most pastel works“).

    Although the Chicago-born musician never has had a formal lesson on bass or painting, he has found justified success in both. With more than 30 years of study and experience as a violinist, however, Frigo hopes to crash through the jazz barrier on that instrument.

    Er begann als mit sieben, genoss Unterricht bis zum 15. Lebensjahr, in der High School suchte die Band einen Bassisten: „With self-taught rudiments as a basis, he won the chair.“ Drei Jahre in der Coast Guard folgten, er spielte in „service bands“ mit Kai Winding und Al Haig, stiess zur Band von Chico Marx, „on bass and ‚comedy fiddle,‘ in 1941“. Und von 1945-47 war er dann der Bassist der Band von Jimmy Dorsey.

    Danach gründete er mit Herb Ellis und Lou Carter das „Soft Winds“-Trio: „Detour Ahead“ ist das später dank Bill Evans richtig berühmt gewordene Stück, das die drei gemeinsam komponierten, „I Told Ya I Love Ya“ und „Now Get Out“ sind zwei weitere, die Gold erwähnt. Und Frigos „99 Guys“ wurde von Woody Herman eingespielt. Sechs Jahre auf Tour mit dem Trio, dann Rückkehr nach Chicago.

    Once settled in his home town, he turned his attention to the development of his violin talent in a jazz atmosphere. He joined pianist Dick Marx and singer Lucy Reed in a successful engagement at the Lei Aloha. This lasted three years. Then, Frigo and Marx moved into the Cloister Inn. Recently, they moved north on Rush St. to Mister Kelly’s.

    Neben der Arbeit mit Marx war Frigo als Freelancer für ABC tätig und nahm für Mercury auf. „He’s scheduled to cut a jazz violin LP soon, with voices and rhythm. He says he feels that his bass playing has benefited from his efforts on the violin.

    „My bass style has developed in respect to my violin playing; the latter has developed through playing with jazz groups,“ he says.

    „Many so-called jazz violinists improvise, but maintain that schmaltzy, gypsy feeling. Their changes don’t reflect real jazz expression.

    „Sound classical training usually means little exposure to jazz. I had a good background on violin, left it for years to play bass, returned to it to find that the jazz influence had permeated my approach on both instruments.“

    Frigo is aware of the demands made on the bassist by his instrument. He notes, „There is a necessity to created more than a walking bass line. I play aggressive bass; I don’t feel it to be a secondary instrument. It contributes, by an inspiring beat, to the performance of the other musicians. This is what provides the bass player with satisfaction. And, of course, this inspiration works as a reward for him, too, since the other musicians pass it back to him.

    „Full maturity comes when one is entirely aware of his role in a group, his integration with the other members of that group.“

    As a jazz violinist, he is embarking on a crusade to win recognition for his instruments, on conceptual as well as technical grounds.

    „My violin style reflects all my likes,“ he says. „Because I paint, I search for tone colors in playing, almost playing in terms of colors. The violin can lure you to playing so many phrases which fall easily on the instrument. In jazz, there is a constant temptation to play for technique0s sake, rather than in terms of flowing concepts.“

    Frigo’s diversified activities keep him busy but never too busy, because he does what he enjoys doing and little else. This results in a self-accusation.

    „I’ve never taken music too seriously, “ he says. „I suppose if I did, I’d want to concentrate on one instrument. I play violin, bass, and trumpet now. I paint, too. I want a normal home life. I have to sacrifice some things, but I want a comfortable life, with the opportunity to express myself creatively.

    „I enjoy this diversification of interests. I enjoy playing violin on the WLS National Barn Dance show. It’s not jazz, but you can’t fool those people. I don’t feel it to be square, and I enjoy it because it’s another way of expressing myself. It’s a challenge to be authentic and be appreciated.“

    Auf das Album kommt Gold dann doch noch zu sprechen, hält die Basstrompete für eine Posaune, meint, „the violin was use like a horn playing with and against both Tenor Sax and Trombone.“ – „A truly unique sound was obtained on this album which takes it out of the realm of being just another violin album.“

    He says he wants to see Europe and he hopes that a successful LP will help him get there. Some day he’d like to have his own trio. Above all, he refuses to limit himself.

    „I don’t want to be limited to any one form,“ he says. „I’m taking advantage of suburban commuting to write lyrics and TV jingles, for example. I don’t want to restrict myself. Most important, I want to play as creatively as possible. When I’m 50, I want to feel I’m playing as modern as the 20-year-old cats.“

    Und wie ist denn die Musik? Frigo spielt hier überall Violine – auf dem Closer im Trio mit Marx an der Celesta und Norm Jeffries am Schlagzeug auch Bass. Davor gibt es vier Stücke mit Cy Touff (bass-tp), Vic Val (ts), Marx (p), Ray Brown (b) und Phil Faieta (d), zwei mit Mike Simpson (fl/ts), Marx (p), Herb Ellis (g), Brown (b) und Jeffries (d), zwei Duos mit Marx und ein Quartett mit Marx, Brown und Jeffries. Die Stücke sind kurz, viele laufen in der Kategorie Evergreen: „What a Difference a Day Made“, „Polka Dots and Moon Beams“, „Gone with the Wind“, „Squeeze Me“, „You Stepped Out of a Dream“, „Moonlight in Vermont“ – die etwas weniger bekannten sind „Blue Orchids“ von Hoagy Carmichael, „If Love Is Good to Me“ (Spielman-Evans), und dann gibt es noch zwei Originals von Frigo, „Blow Fiddle Blow“ und den Closer, „Big Me-Little Me“ – Bass und Violine halt, im Overdub-Dialog mit dezenten Glockentupfern und Besen-Drums.

    Dass das Geigenspiel ohne den Zucker auskommt stimmt tatsächlich, das klingt schnörkellos, direkt, im Ton manchmal fast etwas schroff. Und er improvisiert tatsächlich richtig (nicht wie, sagen wir Grappelli, der bei seiner Eleganz eigentlich auch ständig das Thema hätte repetieren können und aller Bewunderung dafür geerntet hätte). Die Musiker drum herum sind allerdings ziemlich unterkühlt und sehr brav (Brown schert das nicht, und das freut Frigo sicherlich, Ellis wird auch mal kurz etwas heisser), aber die Bläser sind zahnlos und auch gar nicht hip in ihren konventionellen Soli, Marx spielt ein paar Klischees mit steifer Time und wird in den Duos weicher („Moonlight in Vermont“ ist schon sehr hübsch). Aber wenn ich die Sätze oben im Licht der Musik noch einmal lese, frage ich mich halt schon auch, ob hier diese „flowing concepts“ umgesetzt werden – auch von den Sidemen, die dann eben sehr brav rüberkommen, kaum Ecken und Kanten haben? Eine Art Konzept, das in der Hinsicht der unbedingten Melodiösität vielleicht gar nicht so weit von einem anderen weissen Chicagoer weg ist, Lennie Tristano? Ein sehr weisser Lifestyle auch, den Frigo verkörpert. Und einer, der seine Privilegien vermutlich nicht gross hinterfragt haben dürfte (da waren die Dixieland-Leute vermutlich trotz allem – aus der Ecke kommt ja auch die ganze „farbenblind“-Haltung im Jazz – näher dran). Mir kommt das am Ende bei all den Bezeugungen, die Gold widergibt, mehr als ein wenig biedermeierlich vor. Durchaus schön, aber wenn ich nur die Worte kennen würde, würde ich sehr viel mehr von der Musik erwarten, als ich bei all den „intricacies“, der „sophistication“ und vor allem dem wirklich bemerkenswerten Geigenspiel hören kann.

    Mit Marx listet Discogs ein Album auf Brunswick (1955) und zwei auf Coral (1957) – das erwähnte Album mit Gesang und Rhythmusgruppe kam wie es scheint nicht zustande (oder wurde nicht veröffentlicht). Mit Roy Kral ist er auf einer Anita O’Day-Session von Norman Granz zu hören, er hat in den Sechzigern Alben mit Musik gemacht, die als Begleitung für „Jazz Dance“ gedacht war – auf einer der Ausgaben steht, das Album enthalte „six long band selections adaptable for Modern Dance, Primitive, Modern Jazz Walks, Progressions and Technique“. Dass seine eigenen Alben danach bei Labeln wie Concord, Chiaroscuro und Chesky herauskamen (er starb 2007 mit über 90 Jahren) passt wohl auch ganz gut ins Gesamtbild.

    Mike Simpson (heir nur auf zwei Stücken, die Flöte dezent – sehr – vokalisiert) ist übrigens (vom Merrill-Album mit Marx und Frigo abgesehen) auch auf diesem sehr seltsamen Clark Terry-Album mit Willie Jones, Remo Biondi usw. dabei („Daylight Express“).

    PS: gependelt ist er dann wohl noch mit dem Zug … heile Welt ;-)

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    #12015361  | PERMALINK

    vorgarten

    Registriert seit: 07.10.2007

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    danke für den kurzen einblick in eine eher skurrile welt. mit lucy reed zusammen betrieben die beiden ja eher ein kleines forschungslabor, das habe ich sehr ernst genommen.

    holland, eubanks, calvaire, another land (2021)

    nochmal im schönen flow dieses albums. natürlich unter dem eindruck des live-sets gestern, konzise 75 minuten, hierarchiefreier organismus, da kommunizierte alles miteinander, die autoritären fetten bass-grooves, die angeschmiegten komplexen akkorde und ein alles im konstanten fluss haltendes schlagzeug, ich habe selten live die musiker so wenig isoliert, auch wenn ich 2 meter vor eubanks saß und er natürlich die meiste arbeit hatte. ich bin mir ziemlich sicher, dass das erste set nicht so war wie das zweite (das ich gehört habe), und dass sie mit eric harland nochmal völlig anderes material gespielt haben als in den fünf auftritten mit marvin smitty smith am ende der tour (jetzt stehen nur noch imola und ankara auf dem spielplan). spätestens als sie tatsächlich den opener „nemesis“ gespielt haben, wurde mir bewusst, dass da ja 3/4 der band meines lieblingsalbums EXTENSIONS vor mir stand, 33 jahre später. aber meinstens schwebte und groovte das alles so materialunabhängig und frei, dass man eh in ein anderes hören kam, e-bass plötzlich, sich anlächelnde musiker aus unterschiedlichen versenkungen heraus, die haben es wahrscheinlich am allermeisten von den anwesenden, zusammengerückten, 90 leuten genossen, einfach zusammen zu sein. hatte erwartet, distanzierter draufzuschauen und war nach 2 minuten völlig eingewebt.

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    #12015379  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Sehr schön, dass es geklappt hat mit dem Konzert! Das Album klingt auch hörenswert?

    Und ja, die Sachen mit Lucy Reed nehme ich durchaus ernster als dieses eine mir bekannte Frigo(/Marx)-Album. Vielleicht tu ich denen ja ein wenig Unrecht, aber ich bin ja sehr durchaus offen für kühle und auch hart-weisse Spielweisen des Jazz der Fünfziger … mit einer gewissen emotionalen Distanz meistens, aber eben: sehr interessiert. Mir kommt das aber einfach echt zu beschaulich rüber (drum der Biedermeier-Vergleich oben), halt wirklich so aus dem Vorstadt-Lifestyle heraus, kleines Häuschen, heile Welt … bei Tristano oder Konitz oder die ganzen kühlen New Yorker (Mulligan, Fruscella usw.) öffnen sich ganz andere Welten (hat wohl schon auch was mit „dues“ zu tun, was jetzt bitte nicht als Drogenromantik verstanden werden soll … aber die Lebenswelt hat nunmal einen Einfluss auf die Kunst, und dass wir Jazzfans – gerade wenn wir in so abgelegenere Ecken wie den weissen Cooljazz der Fünfziger eintauchen – es oft mit gebrochenen und schwierigen Biographien zu tun haben, ist ja bekannt). Dabei ist aber schon festzuhalten, dass eben Frigos Geigenspiel wirklich besonders ist.

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    #12015383  | PERMALINK

    soulpope
    "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"

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    vorgarten   holland, eubanks, calvaire, another land (2021) nochmal im schönen flow dieses albums. natürlich unter dem eindruck des live-sets gestern, konzise 75 minuten, hierarchiefreier organismus, da kommunizierte alles miteinander, die autoritären fetten bass-grooves, die angeschmiegten komplexen akkorde und ein alles im konstanten fluss haltendes schlagzeug…. die anwesenden, zusammengerückten, 90 leuten genossen, einfach zusammen zu sein. hatte erwartet, distanzierter draufzuschauen und war nach 2 minuten völlig eingewebt.

    Schön, dass Du es zu diesem Konzert geschafft hast ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #12015391  | PERMALINK

    vorgarten

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    gypsy-tail-windSehr schön, dass es geklappt hat mit dem Konzert! Das Album klingt auch hörenswert?

    das album mochte ich damals schon, es bildet auch den live-flow ab, aber es ist trotzdem nochmal was anderes, direkt davor zu sitzen… holland ist aus der nähe eine wirklich beeindruckende figur, erstaunlich fit, und der wechsel zum e-bass war – auch klanglich – ein echtes happening. ich hatte ihn mit dem person/nelson/jackson-quartett schon mal live gesehen, aber das ist ja auch schon fast 30 jahre her. eubanks war mir am nächsten, aber körperlich halb abgewandt, also weiß ich immer noch nicht, wie er diese akkorde greift ;-) aber das plektrumlose spiel (tatsächlich mit allen fünf fingern) auf der superkleinen gitarre sah ziemlich spetakulär aus. und smitty smith mit seiner masterclass, die lautstärke halbwegs angepasst (war ja ein sehr kleiner club) – aber eben, es gab keine egonummern, da hat sich niemand herausgeschält, das war ein lebendiger organismus, eine feer des einander zuhörens – und sowas kriegt man auf konserve nicht so mit.

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    #12015393  | PERMALINK

    vorgarten

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    soulpope

    vorgarten holland, eubanks, calvaire, another land (2021) nochmal im schönen flow dieses albums. natürlich unter dem eindruck des live-sets gestern, konzise 75 minuten, hierarchiefreier organismus, da kommunizierte alles miteinander, die autoritären fetten bass-grooves, die angeschmiegten komplexen akkorde und ein alles im konstanten fluss haltendes schlagzeug…. die anwesenden, zusammengerückten, 90 leuten genossen, einfach zusammen zu sein. hatte erwartet, distanzierter draufzuschauen und war nach 2 minuten völlig eingewebt.

    Schön, dass Du es zu diesem Konzert geschafft hast ….

    schade, dass ihr es nicht geschafft habt ;-)

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