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soulpope "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"Registriert seit: 02.12.2013
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Mal WaldronTrio „A Touch of the Blues“ (Enja Records) …. eine Aufnahme @ Jazz Ost-West Festival, Nürnberg vom 6ten Mai 1972 mit Jimmy Woode (b) + Alan Blairman (dr) …. vor allem der Bassist spielt gross (!) auf und unterlegt die schwarzen Piano-Legostrukturen mit wuchtigem Fundament …. btw schade dass nicht der „vollständige“ Auftritt veröffentlicht wurde denn der letzte Track wird gefühllos vor dem Bass Solo ausgeblendet 😡 ….
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"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)Highlights von Rolling-Stone.deStephen Kings „Es“: Warum der Roman nicht ganz so groß ist, wie wir ihn uns wünschen
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Phineas Newborn Jr. – C Jam Blues | Ein japanisches Album von 1986 (erst 1989 abgemischt und 1990 bei Paddle Wheel auf LP und CD erschienen) ist meine letzte Runde mit Phineas Newborn … und funktioniert leider für meine Ohren gar nicht, was vor allem am Line-Up liegt: Marvin Smitty Smith in Kombination mit Ray Brown – ein aktiver Drummer, mit oft ziemlich rockig klingenden Fills (und einem etwas aggressiv hellen, flachen Sound – Sage & Sound, Hollywood … das Klavier klingt allerdings recht gut, der Bass auch nicht so) passt einfach nicht zum Bassisten – und irgendwie geht darüber auch der Leader halb verloren, seine Läufe laufen ins Leere. Mich macht das irgendwie nervös – es wirkt, als fänden die drei einfach nie recht zusammen. Dass sie abgesehen vom „Harlem Blues“ von Newborn allesamt wohlbekannte Standards spielen (nebst dem Titeltrack/Opener noch „Night in Tunisia“, „The Champ“, „Take the ‚A‘ Train“ und „Bye Bye Blackbird“) macht die Sache nicht grad besser. Das Solo-Feature, „Body and Soul“, zeigt allerdings, dass Newborn noch immer einiges zu sagen hatte. Manchmal klingen seine Tremoli fast ein wenig nach Monk, aber klar: sie sind eingebettet in sein wie immer üppiges, virtuoses Spiel. Im auf das Solo folgenden „‚A‘ Train“ funktioniert das Trio dann leidlich gut: Smith trommelt eine Art Update eines altmodischen Beats, findet endlich mal gemeinsamen Boden mit Brown (dessen Bass hier der Körper fehlt: er hat Tiefe, man hört alles … aber dieser luxuriöse Ton, den er eigentlich hat, den kriegt man überhaupt nicht, quasi nur die Kontur ohne Füllung) – und das tut dann auch dem Pianisten gut, dessen Spiel gleich viel kohärenter wirkt. Nach dem Blues ist dann mit „Sophisticated Lady“ als zweitletztes noch ein tolles Solo zu hören, hier schafft Newborn einen Kontrast zwischen einer kargen Struktur, die er sehr deutlich und mit viel Raum aufstellt, und immer wieder perlenden Läufen – und er schafft in diesem Kontrast eine grosse Spannung.

Kyle Shepherd Trio – A Dance More Sweetly Played | Ich bin heute viel Zug gefahren und hab unterwegs auch dieses tolle Album wieder angehört, das @lotterlotta bereits erwähnt hat. Kyle Shepherd mit Shane Cooper und Jonno Sweetman im Mai 2024 in Kapstadt. Digital ist das Album einiges länger – und da ist echt keine Minute zu viel. Am liebsten mag ich es, wenn die Cape-Jazz-Grooves zum Vorschein kommen: im Opener „Liberation Movements“, im langen Titelstück und im Closer „Africa Major“ (leider nicht auf der LP).
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
STEVE KUHN TRIO – Years Later (Concord Jazz, 1993)
Nicht gerade ein gelungenes Cover – diese generischen Concord-Jazz-Artworks der frühen 90er haben wahrlich keinen Designpreis verdient. Dennoch ein ziemlich tolles Album des Steve Kuhn Trios mit David Finck am Bass und Lewis Nash am Schlagzeug, das nahtlos an den Vorgänger Looking Back anknüpft. Die Besonderheit dieser Formation liegt in der Balance zwischen lyrischer Intimität und rhythmischer Präzision. Steve Kuhn entwickelte hier einen reifen, poetischen Ansatz – weniger die harmonischen Experimente der frühen Jahre, mehr Konzentration auf melodische Entwicklung und subtile Interaktion. Finck und Nash geben ihm dabei genau den Raum, den er braucht, ohne je ins Begleitende abzurutschen. Es bleibt dabei viel Raum für Tempo. Das Album umfasst zehn Tracks, darunter wie beim Vorgänger die titelgebende Eigenkomposition.
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Hey man, why don't we make a tune... just playin' the melody, not play the solos...
Dorothy Donegan – Live at the Widder Bar | Gestern die grosse Dorothy Donegan-Show aus einer Bar in der Zürcher Altstadt, Dezember 1986 mit Jimmy Woode und Norman Fearrington. Das meiste kommt in Form von Medleys daher: „Lover“ macht allein den Einstieg, dann führt „Tea for Two“ zu „Honeysuckle Rose“, zwischen die alten Klassiker fügen sich auch mal Richard Addinsells „Warsaw Concerto“ oder Miles Davis‘ „All Blues“ ein. Und später – ich glaube im Ellington-Medley? und nicht in der Trackliste aufgeführt – auch noch dessen „Milestones“. Eine gute Stunde hochvirtuoses Klavierspiel mit sachdienlichen Begleitern und zur Freude des Publikums. Das ist eine Mischung aus Jazz und Cocktail-Piano, aber von allererster Güte, überbordend, mitreissend, in jedem Augenblick hart swingend, manchmal etwas atemlos aber immer souverän dargeboten. Oft hören muss ich das wohl dennoch nicht, aber das das hier aus Zürich stammt, musste es her.

Duke Jordan Trio – When You’re Smiling | Dann zur Nacht die Tage dieser CD-Twofer von 1996 … mit den zwei Alben „Time On My Hands“ und „As Time Goes By“ (schon wieder eine mich überzeugende Version des „Casablanca“-Songs, den ich irgendwie nicht recht mögen kann). Duke Jordan am 29. Juli 1985 in Kopenhagen mit Jesper Lundgaard und Billy Hart – und ein immenser Kontrast zu Donegan, weil Jordan einer der grossen Lyriker des Bebop-Pianos ist, dem nichts ferne liegt als eine Leistungsschau. Die zwei Trio-LPs entstanden in einem Tag. Für die CD-Reissues (mit denselben Covern) wurden noch zehn meist recht kurze Solo-Stücke beigegeben – vermutlich zuvor unveröffentlichte Takes vom Januar/Februar 1979, als Jordan mehrere umfangreiche Solo-Sessions für Steeplechase machte („Solo Masterpieces“ Vol. 1 und Vol. 2 bzw. die 5-LP-Box „Solo Piano“, die in Japan auch als Einzel-LPs erschien). Das ist sehr schöne Musik, feines Repertoire auch, und natürlich setzt Billy Hart seine eigenen Akzente, während Jesper Lundgaard sehr souverän agiert. Bei Jordan geht es mir so, dass ich unter den gefühlt 50-100 Steeplechase-Alben einfach keine Auswahl treffen kann. Ist auch nicht mehr leicht, das Zeug zu kriegen, zudem ständig CD-R-Gefahr bei dem Label … und viel zum Mitnehmen sah ich bisher nicht … und dass Nils Winther einem Album den Titel „One for the Library“ gab, ist ja fast schon ein zynischer Kommentar zur selbstgeschafften Situation. (Irgendwo hab ich seit einer Ewigkeit „Flight to Japan“ und dann eine offizielle CD-R von „In Concert from Japan“, aka „Live in Japan“ Vol. 1 und Vol. 2 – alles 1976 mit Wilbur Little und Roy Haynes … und ich hab v.a. das eine Album, das heraussticht, „Duke’s Delight“, ein Quintett mit Richard Williams und Charlie Rouse, Sam Jones und Al Foster).


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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
Bobo Stenson Trio – Very Early | „Underwear“ hab ich auch noch nicht wieder angehört, nur diese Aufnahme von zwei Tagen Anfang Dezember 1986 mit Anders Jormin und Rune Carlsson hervorgeholt … auf CD um drei Stücke erweitert, neben Faurés „Pavane“ und Jormins „Sorg“ ist da Coltranes „Satellite“ dazugekommen. Sonst gibt es „Moon and Sand“ von Alec Wilder zum Einstieg, gefolgt von „Some Other Spring“ aus dem Repertoire von Bill Evans, der direkt danach mit dem Titelstück vertreten ist. Seite zwei der LP öffnet mit „Autumn in New York“, gefolgt „Coming on the Bike“ von Stenson (danach folgen auf der CD die drei Bonustracks) und dann als Closer „Ramblin'“ von Ornette Coleman. Bill Evans ist also die Referenz, aber das Trio geht mit Coleman auch darüber hinaus – es lassen sich bestimmt einige Spuren von Paul Bley ausmachen (der ja ein Album im Katalog hat, dem das Coleman-Stück den Namen gibt). Ein feines Album, sehr lyrisch, sehr warm (toller Sound auch, besonders vom Piano (Studio Bohus, Kungälv, Schweden, digital aufgenommen von Åke Linton), aber auch recht zupackend und swingend – mehr als die späteren ECM-Alben auf jeden Fall, die mir in dem Fall aber doch lieber sind.
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Paul Bley – Indian Summer | Men at work – Paul Bley, Ron McClure und Barry Altschul live in Kopenhagen im Mai 1987 – zwischen Duo-Aufnahmen mit Jesper Lundgaard (auch Steeplechase, ich kenne sie nicht) und Paul Motian („Notes“ auf Soul Note, mag ich nicht so sehr, wie ich gerne möchte). Es beginnt die Zeit, in der der alte Meister zum Klassiker wird. Ron McClure führt zum Wynton Kelly Trio zurück, Barry Altschul natürlich zu Bleys eigenem Trio der Sechziger. Los geht es tatsächlich mit Fats Waller, „Black and Blue“, dann folgen Bleys „Blue Waltz“ und „Lisbon Lights“ mit einem tollen Latin-Beat, den Altschul gleichzeitig durchzieht und unterläuft. Hier sind die drei warmgespielt, McClure rifft und soliert, der Drum-Part wird ebenfalls zu einer Art Dauer-Solo – und so entsteht ein immer dichteres Gewebe, das groovt wie der Teufel und doch maximal frei wirkt. Es folgen dann die ganzen Standards: „Long Ago and Far Away“ (toll!), „Goodbye“ (ausgerechnet das wird zu einer freien Performance, bleibt aber balladesk), „The More I See You“ (da spielt das Trio sich beinah in die Jarrett/Peacock/DeJohnette-Zone), „Diane“ (ähnlich toll, mit sehr flexiblem Beat) und als Closer das Titelstück (Altschul glänzt an den Besen, was McClure mehr Platz gibt, bley eskaliert cantando), vor das noch „Turnaround“ (hier „Blues“) von Ornette Coleman eingeschoben wird. Kazunori Sugiyama hat ausnahmsweise die Aufnahme gemacht, die sehr lebendig wirkt, fast als sitze man – etwas zu nah am Drum-Kit vielleicht – im Club. Das alles ist trotz der Live-Atmosphäre sehr poetisch, Bley summt mit hoher Stimme häufig leise mit – unterm Strich ein hervorragendes Album.
Und klar: auch bei Bley ist der Steeplechase-Katalog umfangreich … nebst den zwei direkt davor im März 1987 ebenfalls live aufgenommenen Duo-Alben mit Lundgaard („Live“ und „Live Again“ – wie immer einfallsreiche Titel) gab es davor schon zwei Trio-Alben, die ich nicht kenne („Questions“ mit Lundgaard und Aage Tanggaard vom Februar und „My Standard“ mit Lundgaard und Hart – siehe Duke Jordan oben – vom Dezember 1985). Bley hatte in den frühen Siebzigern zugleich das Solo-Spiel entdeckt, wie er im Gefolge der Synthesizer-Band ein wenig beim elektrischen blieb – nicht so sehr selbst, aber via Pat Metheny und Jaco Pastorius („Paul Bley“), Bill Connors und etwas E-Piano („Quiet Songs“ – beide auf dem eigenen Label IAI und von 1974), das hier schon erwähnte Album „Japan Suite“ (mit Peacock und Altschul und ebenfalls E-Piano) folgte dann 1976. Danach wird es stiller, 1979 entsteht „Axis“ (IAI), 1983 dann „Tears“ und „Tango Palace“ (beide Soul Note), drei Solo-Alben und im selben Jahr noch „Sonor“ (Soul Note, Duo mit George Cross McDonald an Percussion). Zwischen die ersten zwei Steeplechase-Trios fällt noch „Hot“ von der neuen Paul Bley Group mit John Scofield, Steve Swallow und Altschul (Soul Note, 1985), zwischen das zweite und die Duos mit Lundgaard noch „Fragments“, das ECM-Album mit Surman, Frisell und Motian – und so etabliert Bley sich wieder, zwischen Klassizismus und leiser Avantgarde, im Trio, als Solist, mit ECM-Bands oder auch nochmal mit seinem eigenen Quartet (1988 sind John Abercrombie, Red Mitchell und Altschul dabei – Bley hat also in den Achtzigern mit Abercrombie, Frisell und Scofield aufgenommen … und zehn Jahre früher wie erwähnt auch mit Metheny … etwas, was ich gerne mal zu vergessen tendiere, auch weil die Alben, von den ECMs mit Frisell abgesehen, weniger mein Fall sind).
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
Steve Kuhn – Porgy | Steve Kuhn wurde 1988 fünfzig Jahre alt … im Vorjahr erschien bei New World das 1984 eingespielte Solo-Album „Mostly Ballads“, das ich leider noch nicht kenne. Und 1986 war er mit den fabelhaften Live-Aufnahmen aus dem Village Vanguard quasi neu gestartet. „Porgy“ erschien 1989 bei Jazz City (Cover unten) und 1998 bei Evidence mit anderem Cover (oben, die Ausgabe, die ich habe). Kuhn war zurück und es folgte eine lange Reihe von Alben, von denen die meisten im Trio entstanden, allesamt mit erstklassigen Formationen. Hier sind Buster Williams bzw. Eddie Gomez und Al Foster dabei und auf zwei Stücken noch die Sängerin Laura Anne Taylor („Isotope“ von Joe Henderson und „Lullaby“ von Kuhn – jeweils mit Texten von Taylor). Los geht das Album mit „Shoutin‘ Out“ von Horace Silver, dann folgen Ellington („Squeeze Me“), Dameron („Tadd’s Delight“), Gershwin („I Loves You Porgy“, klar), dann das Henderson-Stück mit Gesang (ein dahingehauchter zweideutiger Text, quasi die Dearie-Version von Annie Ross). Teil zwei beginn mit Alec Wilder („Where Do You Go?“), dann Swallow („Ladies in Mercedes“), Hefti („Repetition“), Rudy Stevenson („On Stage“ – kann man wohl als eine neuerliche Wynton Kelly-Connection sehen?), das zweite Gesangsstück, und als Closer noch ein kurzes Solo-Stück Bacharach („A House Is Not a Home“) – was also relativ konventionell losgeht, öffnet sich allmählich in diverse Richtungen. Gomez spielt auf vier Stücken (Gershwin, Wilder, Swallow und Kuhn), Williams auf den restlichen sieben. So lebendig wie im Vanguard geht das nicht zu und her, aber das sind sehr schöne, manchmal zarte, manchmal zupackende Aufnahmen, oft mit kleinen Arrangement-Ideen, die sehr gut wirken (zum Beispiel eine kleine rhythmische Bassfigur im Titelstück, Gomez‘ erstem Auftritt hier). Ira Gitler verrät in den Liner Notes auch, dass die beiden Bassisten hier die Einspringer sind, auf die Kuhn damals zurückgriff, wenn Ron Carter keine Zeit hatte. Für meine Ohren nicht ganz auf der Höhe der besten Kuhn-Alben, aber sehr hörenswert (wie ganz viele … dasselbe „Problem“ auch hier, aber eher im japanischen Hochpreis-Segment mit vielen Venus-Alben).

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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
Freddie Redd – Live at the Studio Grill | „Living Proof Series“ heisst die Reihe beim Labe Triloka, in der dieses späte Dokument von Freddie Redd erschienen ist. Im Trio mit Al McKibbon und Billy Higgins wurde der Pianist am 19. und 26. Mai 1988 im Studio Grill in Hollywood live aufgenommen. Eine hervorragende Rhythmusgruppe also und dazu ein gut gelaunter Pianist, der in Powell’scher Manier mitbrummt (auch beim einen oder anderen Bass-Solo, wo er eher mit McKibbon als mit seinen Begleit-Akkorden mitzugehen scheint). „I’m Gonna Be Happy“ heisst Redds Opener, in dem es ein schönes Bass-Solo und ein paar Runden Fours mit Higgins gibt – und einen leidlich fokussierten Pianisten, der aber eher durch die Changes schlurft, als ein kohärentes Statement oder eine spezielle Stimmung aufzubauen (die im Stück durchaus angelegt wäre, der erste Akkorde erinnert ein wenig an „Bye Bye Blackbird“, aber dann geht es eigene Wege). „Don’t Lose the Blues“ und „Waltzin‘ In“ sind die weiteren Redd-Originals, die zwischen „I’ll Remember April“, „For Heaven’s Sake“ (solo), „All the Things You Are“ sowie zwei feinen Bebop-Balladen stehen: Bud Powells „I’ll Keep Loving You“ in einer wunderbaren Solo-Version und Monks „`Round Midnight“. Kann man alles sehr gut hören, die Atmosphäre ist ansprechend, die drei haben Spass, das Publikum auch … aber so richtig gute Soli spielt Redd halt nicht. Seine Chops sind gut genug, als dass er überall unbeschadet durchkommt (z.B. ein schnelles „April“ mit tollem Higgins, der dann auch ein packendes Solo spielt). Das Album aus Paris ist von der Stimmung her eindeutig mein liebstes unter Redds Trio-Alben.
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soulpope "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"Registriert seit: 02.12.2013
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Frank Kimbrough Trio „The Sunflower“ (Pirouet) 2016 …. bei der Frage nach grossen Entdeckungen dieser Umfrage (werde darauf noch via „Spezialthread“ eingehen) ist es die individuelle Entwicklung einzelner Musiker und deren Querverflechtung in diversen Piano Trio Formationen …. Pianist Frank Kimbrough hier mit einem sehr berührenden musikalischen Gedenkdienst an frühere Weggefährten/-innen …. der ggstdl Track eine Komposition von Paul Motian …. dieser gemeinsam „durchleuchtet“ mit Jay Anderson (b) und Jeff Hirshfield (dr) …. waren die Letztgenannten für mich früher noch potentielle „qualitative Fragezeichen“, so hat sich die vertiefte Wertschätzung via deren Kooperation mit bspws. Paul Bley auf „Notes on Ornette“ und Harold Danko „Fantasy Exit“ bzw „Trilix“ uswt. (noch) weiter verfestigt …. gehört gehört ….
P.S Vieles in den vorgenannten Aufnahmen führt in unterschiedlichen „Dosierungen“ zu Thelonious Monk und Herbie Nichols, was mittlerweile einen für mich ganz wesentlichen Maßstab darstellt ….
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"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
Frank Strazzeri Trio – I Remember You | Gestern spät lief noch dieses fürchterlich becoverte Fresh Sound-Album von Frank Strazzeri, aufgenommen in Barcelona am 31. Januar 1989 mit Horacio am Bass und Peer Wyboris am Schlagzeug. Der Pianist klingt wie immer super, sehr frisch und knackig, mit perkussivem Anschlag und sehr klar abgesetzten Tönen, näher an Leuten wie John Williams oder Carl Perkins als an Horace Silver, an den ich doch zuerst immer denken muss … bzw. nah am ganz frühen Silver (die Trio-Aufnahmen von 1952 oder von wann die halt sind). Die Rhythmusgruppe findet allerdings kaum statt bzw. bewegt sich so zurückhaltend, dass das auch wieder Prä-Evans-Pianotrio ist, einfach mit einem moderneren Pianisten als sonst. Das Repertoire ist etwas breiter als das Cover suggeriert, zwischen „Let’s Get Lost“, „This Time the Dream’s on Me“, dem „September Song“ und „Goodbye“ am Anfang und „I Want a Little Girl“ und „I Remember You“ am Ende gibt es zwei Originals von Strazzeri („Here We Go Again“ und „Strazz-Blues“), „Nostalgia“ von Fats Navarro und „Solar“ von Miles Davis. An sich beste Voraussetzungen für ein richtig gutes Album, hätte man ein paar aktivere Begleiter gesucht. So ist es halt ein mittelgutes mit einem richtig guten Pianisten geworden.
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soulpope "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"Registriert seit: 02.12.2013
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gypsy-tail-wind
Frank Strazzeri Trio – I Remember You …. An sich beste Voraussetzungen für ein richtig gutes Album, hätte man ein paar aktivere Begleiter gesucht. So ist es halt ein mittelgutes mit einem richtig guten Pianisten geworden.Yep …. dies um so bedauerlicher, als Horacio Fumero und Peer Wyboris auch ganz anders können (wenn sie dürfen) ….
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soulpope "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"Registriert seit: 02.12.2013
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Fred Hersch Trio „All Blues“ (Red Records) 1990 …. aus der Kolumne „Aber der EINE Track“ …. Fred Hersch in diesem Thread eher unterbelichtet, jedoch der versierte Piano Trio Conoisseur Sergio Veschi schaffte im Mai 1988 Aussergewöhnliches …. insgesamt eine sehr gute Scheibe …. aber im ggstdl Track wird das bekannte Intro des Miles Davis Klassikers in eine quasi schwebend gleitende Eröffnung der feinen Kombo mit Steve LaSpina (b) und Jeff Hirshfield (dr) umgewandelt und folgend dann schrittweise gesteigert …. btw. der Bassist hat sich offenbar überhaupt einen Supermananzug übergestreifft und performt hier deutlichst über seine Verhältnisse …. sehr toll …. gehört gehört ….
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"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
MARC COPLAND – Some Love Songs (Pirouet, 2005)
Nach Haunted Heart & Other Ballads (2001) die zweite Standards-und-Balladen-Session mit Drew Gress (Bass) und Jochen Rückert (Drums) – und eine seiner stärksten Piano-Trio-Aufnahmen der 2000er Jahre.
Copland bewegt sich hier in einem Raum zwischen Schönheit und Melancholie, der durch seine impressionistisch gefärbte Harmonik und die rhythmische Raffinesse des Trios noch verstärkt wird.
Highlight ist Coplands Version von Wayne Shorters Footprints, die parallel zu Monks Misterioso läuft – ein Verfahren, das er bereits in den 90ern entwickelt hatte. Toll auch Joni Mitchells Rainy Night House als Intro sowie das Spartacus Love Theme.--
Hey man, why don't we make a tune... just playin' the melody, not play the solos...das klingt sehr attraktiv. gress & rückert kann ich mir zusammen auch gut vorstellen.
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Es gibt auch noch eine Fortsetzung von 2012, die ich aber noch nicht kenne – möchte ich aber auch noch weiter vertiefen:

Ich habe Copland leider nie im Trio geshen, dafür vor ein paar Jahren mit Daniel Schläppi im Duo – toller Abend.
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Hey man, why don't we make a tune... just playin' the melody, not play the solos... -
Schlagwörter: Jazz, Piano, Piano Trio
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