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Paul Bley – Indian Summer | Men at work – Paul Bley, Ron McClure und Barry Altschul live in Kopenhagen im Mai 1987 – zwischen Duo-Aufnahmen mit Jesper Lundgaard (auch Steeplechase, ich kenne sie nicht) und Paul Motian („Notes“ auf Soul Note, mag ich nicht so sehr, wie ich gerne möchte). Es beginnt die Zeit, in der der alte Meister zum Klassiker wird. Ron McClure führt zum Wynton Kelly Trio zurück, Barry Altschul natürlich zu Bleys eigenem Trio der Sechziger. Los geht es tatsächlich mit Fats Waller, „Black and Blue“, dann folgen Bleys „Blue Waltz“ und „Lisbon Lights“ mit einem tollen Latin-Beat, den Altschul gleichzeitig durchzieht und unterläuft. Hier sind die drei warmgespielt, McClure rifft und soliert, der Drum-Part wird ebenfalls zu einer Art Dauer-Solo – und so entsteht ein immer dichteres Gewebe, das groovt wie der Teufel und doch maximal frei wirkt. Es folgen dann die ganzen Standards: „Long Ago and Far Away“ (toll!), „Goodbye“ (ausgerechnet das wird zu einer freien Performance, bleibt aber balladesk), „The More I See You“ (da spielt das Trio sich beinah in die Jarrett/Peacock/DeJohnette-Zone), „Diane“ (ähnlich toll, mit sehr flexiblem Beat) und als Closer das Titelstück (Altschul glänzt an den Besen, was McClure mehr Platz gibt, bley eskaliert cantando), vor das noch „Turnaround“ (hier „Blues“) von Ornette Coleman eingeschoben wird. Kazunori Sugiyama hat ausnahmsweise die Aufnahme gemacht, die sehr lebendig wirkt, fast als sitze man – etwas zu nah am Drum-Kit vielleicht – im Club. Das alles ist trotz der Live-Atmosphäre sehr poetisch, Bley summt mit hoher Stimme häufig leise mit – unterm Strich ein hervorragendes Album.
Und klar: auch bei Bley ist der Steeplechase-Katalog umfangreich … nebst den zwei direkt davor im März 1987 ebenfalls live aufgenommenen Duo-Alben mit Lundgaard („Live“ und „Live Again“ – wie immer einfallsreiche Titel) gab es davor schon zwei Trio-Alben, die ich nicht kenne („Questions“ mit Lundgaard und Aage Tanggaard vom Februar und „My Standard“ mit Lundgaard und Hart – siehe Duke Jordan oben – vom Dezember 1985). Bley hatte in den frühen Siebzigern zugleich das Solo-Spiel entdeckt, wie er im Gefolge der Synthesizer-Band ein wenig beim elektrischen blieb – nicht so sehr selbst, aber via Pat Metheny und Jaco Pastorius („Paul Bley“), Bill Connors und etwas E-Piano („Quiet Songs“ – beide auf dem eigenen Label IAI und von 1974), das hier schon erwähnte Album „Japan Suite“ (mit Peacock und Altschul und ebenfalls E-Piano) folgte dann 1976. Danach wird es stiller, 1979 entsteht „Axis“ (IAI), 1983 dann „Tears“ und „Tango Palace“ (beide Soul Note), drei Solo-Alben und im selben Jahr noch „Sonor“ (Soul Note, Duo mit George Cross McDonald an Percussion). Zwischen die ersten zwei Steeplechase-Trios fällt noch „Hot“ von der neuen Paul Bley Group mit John Scofield, Steve Swallow und Altschul (Soul Note, 1985), zwischen das zweite und die Duos mit Lundgaard noch „Fragments“, das ECM-Album mit Surman, Frisell und Motian – und so etabliert Bley sich wieder, zwischen Klassizismus und leiser Avantgarde, im Trio, als Solist, mit ECM-Bands oder auch nochmal mit seinem eigenen Quartet (1988 sind John Abercrombie, Red Mitchell und Altschul dabei – Bley hat also in den Achtzigern mit Abercrombie, Frisell und Scofield aufgenommen … und zehn Jahre früher wie erwähnt auch mit Metheny … etwas, was ich gerne mal zu vergessen tendiere, auch weil die Alben, von den ECMs mit Frisell abgesehen, weniger mein Fall sind).
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