Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz

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gypsy-tail-wind
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Phineas Newborn Jr. – C Jam Blues | Ein japanisches Album von 1986 (erst 1989 abgemischt und 1990 bei Paddle Wheel auf LP und CD erschienen) ist meine letzte Runde mit Phineas Newborn … und funktioniert leider für meine Ohren gar nicht, was vor allem am Line-Up liegt: Marvin Smitty Smith in Kombination mit Ray Brown – ein aktiver Drummer, mit oft ziemlich rockig klingenden Fills (und einem etwas aggressiv hellen, flachen Sound – Sage & Sound, Hollywood … das Klavier klingt allerdings recht gut, der Bass auch nicht so) passt einfach nicht zum Bassisten – und irgendwie geht darüber auch der Leader halb verloren, seine Läufe laufen ins Leere. Mich macht das irgendwie nervös – es wirkt, als fänden die drei einfach nie recht zusammen. Dass sie abgesehen vom „Harlem Blues“ von Newborn allesamt wohlbekannte Standards spielen (nebst dem Titeltrack/Opener noch „Night in Tunisia“, „The Champ“, „Take the ‚A‘ Train“ und „Bye Bye Blackbird“) macht die Sache nicht grad besser. Das Solo-Feature, „Body and Soul“, zeigt allerdings, dass Newborn noch immer einiges zu sagen hatte. Manchmal klingen seine Tremoli fast ein wenig nach Monk, aber klar: sie sind eingebettet in sein wie immer üppiges, virtuoses Spiel. Im auf das Solo folgenden „‚A‘ Train“ funktioniert das Trio dann leidlich gut: Smith trommelt eine Art Update eines altmodischen Beats, findet endlich mal gemeinsamen Boden mit Brown (dessen Bass hier der Körper fehlt: er hat Tiefe, man hört alles … aber dieser luxuriöse Ton, den er eigentlich hat, den kriegt man überhaupt nicht, quasi nur die Kontur ohne Füllung) – und das tut dann auch dem Pianisten gut, dessen Spiel gleich viel kohärenter wirkt. Nach dem Blues ist dann mit „Sophisticated Lady“ als zweitletztes noch ein tolles Solo zu hören, hier schafft Newborn einen Kontrast zwischen einer kargen Struktur, die er sehr deutlich und mit viel Raum aufstellt, und immer wieder perlenden Läufen – und er schafft in diesem Kontrast eine grosse Spannung.

Kyle Shepherd Trio – A Dance More Sweetly Played | Ich bin heute viel Zug gefahren und hab unterwegs auch dieses tolle Album wieder angehört, das @lotterlotta bereits erwähnt hat. Kyle Shepherd mit Shane Cooper und Jonno Sweetman im Mai 2024 in Kapstadt. Digital ist das Album einiges länger – und da ist echt keine Minute zu viel. Am liebsten mag ich es, wenn die Cape-Jazz-Grooves zum Vorschein kommen: im Opener „Liberation Movements“, im langen Titelstück und im Closer „Africa Major“ (leider nicht auf der LP).

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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba