Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz

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gypsy-tail-wind
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Dorothy Donegan – Live at the Widder Bar | Gestern die grosse Dorothy Donegan-Show aus einer Bar in der Zürcher Altstadt, Dezember 1986 mit Jimmy Woode und Norman Fearrington. Das meiste kommt in Form von Medleys daher: „Lover“ macht allein den Einstieg, dann führt „Tea for Two“ zu „Honeysuckle Rose“, zwischen die alten Klassiker fügen sich auch mal Richard Addinsells „Warsaw Concerto“ oder Miles Davis‘ „All Blues“ ein. Und später – ich glaube im Ellington-Medley? und nicht in der Trackliste aufgeführt – auch noch dessen „Milestones“. Eine gute Stunde hochvirtuoses Klavierspiel mit sachdienlichen Begleitern und zur Freude des Publikums. Das ist eine Mischung aus Jazz und Cocktail-Piano, aber von allererster Güte, überbordend, mitreissend, in jedem Augenblick hart swingend, manchmal etwas atemlos aber immer souverän dargeboten. Oft hören muss ich das wohl dennoch nicht, aber das das hier aus Zürich stammt, musste es her.

Duke Jordan Trio – When You’re Smiling | Dann zur Nacht die Tage dieser CD-Twofer von 1996 … mit den zwei Alben „Time On My Hands“ und „As Time Goes By“ (schon wieder eine mich überzeugende Version des „Casablanca“-Songs, den ich irgendwie nicht recht mögen kann). Duke Jordan am 29. Juli 1985 in Kopenhagen mit Jesper Lundgaard und Billy Hart – und ein immenser Kontrast zu Donegan, weil Jordan einer der grossen Lyriker des Bebop-Pianos ist, dem nichts ferne liegt als eine Leistungsschau. Die zwei Trio-LPs entstanden in einem Tag. Für die CD-Reissues (mit denselben Covern) wurden noch zehn meist recht kurze Solo-Stücke beigegeben – vermutlich zuvor unveröffentlichte Takes vom Januar/Februar 1979, als Jordan mehrere umfangreiche Solo-Sessions für Steeplechase machte („Solo Masterpieces“ Vol. 1 und Vol. 2 bzw. die 5-LP-Box „Solo Piano“, die in Japan auch als Einzel-LPs erschien). Das ist sehr schöne Musik, feines Repertoire auch, und natürlich setzt Billy Hart seine eigenen Akzente, während Jesper Lundgaard sehr souverän agiert. Bei Jordan geht es mir so, dass ich unter den gefühlt 50-100 Steeplechase-Alben einfach keine Auswahl treffen kann. Ist auch nicht mehr leicht, das Zeug zu kriegen, zudem ständig CD-R-Gefahr bei dem Label … und viel zum Mitnehmen sah ich bisher nicht … und dass Nils Winther einem Album den Titel „One for the Library“ gab, ist ja fast schon ein zynischer Kommentar zur selbstgeschafften Situation. (Irgendwo hab ich seit einer Ewigkeit „Flight to Japan“ und dann eine offizielle CD-R von „In Concert from Japan“, aka „Live in Japan“ Vol. 1 und Vol. 2 – alles 1976 mit Wilbur Little und Roy Haynes … und ich hab v.a. das eine Album, das heraussticht, „Duke’s Delight“, ein Quintett mit Richard Williams und Charlie Rouse, Sam Jones und Al Foster).

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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba