Stereolab, ou: The Groop

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  • #7660221  | PERMALINK

    Anonym
    Inaktiv

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    Die Re-Issues habe ich in Hamburg ganz regulär für um die 20 Euro in unterschiedlichen Plattenläden bekommen. Gute Pressungen, die LP´s enthalten zusätzlich Download-Gutscheine, was mir bei dieser Art von Musik nicht ganz unwichtig ist.

    Ich werde mal sehen, was ich zu deinen Besprechungen beisteuern kann, auch ich habe noch nicht alle Platten.

    Auf der Bühne bekommt diese Musik natürlich deutlich mehr Wärme und durch die STimme von Sadier auch ein wenig Soul.

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    #7660223  | PERMALINK

    friedrich

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    songbirdDie Re-Issues habe ich in Hamburg ganz regulär für um die 20 Euro in unterschiedlichen Plattenläden bekommen. Gute Pressungen, die LP´s enthalten zusätzlich Download-Gutscheine, was mir bei dieser Art von Musik nicht ganz unwichtig ist.

    Wo genau in HH hast Du die Platten gefunden? Bin selbst gelegentlich in meiner Geburtsstadt HH. Hier in B habe ich die Kompilation ALUMINIUM TUNES und FAB FOUR SUTURE entdeckt und sofort gekauft. Beide – soweit ich das nach oberflächlichem Hören beurteilen kann – sehr gut. Genaueres später.

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    "I said a hip-hop, the hippie, the hippie / To the hip, hip-hop and you don't stop the rockin' / To the bang-bang boogie, say up jump the boogie / To the rhythm of the boogie, the beat" (The Sugarhill Gang)
    #7660225  | PERMALINK

    friedrich

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    Wie ich bereits erwähnte, haben Stereolab zwischen 1992 und 2008 nicht nur 10 reguläre Alben veröffentlicht, sondern auch jede Menge Singles, EPs und Compilation-Beiträge, deren Aufnahmen oft nicht auf den Alben enthalten sind. Vieles davon ist in kleinen Auflagen ausschließlich auf Vinyl erschienen und heute bei Vinyl-Sammlern hoch begehrt – selbstverständlich zu entsprechenden Preisen. Für den normal begüterten Sterblichen haben Stereolab aber all diese verstreuten Aufnahmen auf einer ganzen Reihe von Compilations versammelt, die es teils recht preiswert gibt. Ich kenne nicht alle diese Platten, habe aber vor einigen Tagen u.a. die 3-fach LP ALUMINUM TUNES (sic! ALUMINUM mit nur einem I!) erworben. Darauf sind Aufnahmen von 1995 bis 1997 (+ eine einzige von 1994) versammelt. (Ist auch als Doppel-CD erhältlich.) Die Platte erschien nach DOTS & LOOPS und gehört gewissermaßen chronologisch hier an diese Stelle.

    Hört man die eine oder andere Compi von Stereolab, fragt man sich, was bei The Groop eigentlich den Ausschlag gegeben hat, welches Stück regulär auf einer LP erscheint und welches Stück irgendwo als B-Seite auf einer obskuren Single oder sonst wo landet. Vieles auf ALUMINUM TUNES ist allererste Güte, manches finde ich großartig und besonders begeistert mich AT, wenn ich dort Stücke höre, die noch mehr als von The Groop gewohnt, das vertraute Fahrwasser des Popsongs verlassen, Songformate sprengen und mit Klang und Rhythmus experimentieren.

    HOW TO PLAY YOUR INTERNAL ORGANS klingt wie eine Mischung aus Filmmusik und Gute-Nacht-Lied mit einem Text der nur aus „lalalala“ besteht, SPACE MOMENTS klingt mit seinen monoton schwebenden Streichern so, wie es heißt, IRON MAN ist ein perkussives Instrumental, THE LONG HAIR OF DEATH steckt irgendwo zwischen frühen Kraftwerk und Suicide, SPEEDY CAR bleibt mir in seiner polyrhythmischen Schichtung unbegreiflich, klingt irgendwie so, als würde man zwei verschiedene Stücke gleichzeitig spielen, ULAN BATOR ist ein unheimliches Notturno auf nur einem einzigen (?) Orgelakkord, GET CARTER ist ein toller, understateter Funk usw. usf. ONE NOTE SAMBA war mal ein Compi-Beitrag für ein A.C.JOBIM-Tribut, für den Stereolab mit dem Jazz-Flötisten Herbie Mann (!) zusammenarbeiteten. Von Rechts wegen hätte das der Sommerhit von 1996 sein müssen! An anderer Stelle wird Sun Ra zitiert und was weiß ich, was sich auf AT sonst noch so an Perlen, Kabinettstückchen und andern Überraschungen verbirgt. Manches ist auch nur einfach guter Durchschnitt, aber das fällt bei der Fülle des Materials nicht weiter ins Gewicht. Eine Wundertüte.

    Unbedingt zu empfehlen!

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    #7660227  | PERMALINK

    friedrich

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    aus Versehen doppelt gepostet: gelöscht!

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    #7660229  | PERMALINK

    Anonym
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    FriedrichWo genau in HH hast Du die Platten gefunden? Bin selbst gelegentlich in meiner Geburtsstadt HH. Hier in B habe ich die Kompilation ALUMINIUM TUNES und FAB FOUR SUTURE entdeckt und sofort gekauft. Beide – soweit ich das nach oberflächlichem Hören beurteilen kann – sehr gut. Genaueres später.

    Cobra and Phases Group Play Voltage in the Milky Night, Aluminium Tunes sowie Fab for Suture habe ich bei Freiheit und Rosen (St. Pauli) gekauft. The Groop Played Space Age Bachelor Pad Music und Peng sind Re-Issues und häufiger in den Läden.

    Was für Titel…

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    #7660231  | PERMALINK

    friedrich

    Registriert seit: 28.06.2008

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    songbirdCobra and Phases Group Play Voltage in the Milky Night, Aluminium Tunes sowie Fab for Suture habe ich bei Freiheit und Rosen (St. Pauli) gekauft. The Groop Played Space Age Bachelor Pad Music und Peng sind Re-Issues und häufiger in den Läden.

    Was für Titel…

    Danke!

    Ja: Was für Titel! Und was für Musik!

    AT und FFS besitze ich ja inzwischen auch als Vinyl, SPACE AGE habe ich heute bei FREAK OUT in Berlin-Prenzlauer Berg gesehen. Weiß aber nicht so recht, ob sich das lohnt. COBRA habe ich immerhin auf CD. Eine meiner Stereolab-Lieblingsplatten, zu der ich gerne demnächst noch was erzähle. Die würde ich mir glatt auch noch als Vinyl besorgen. Ist schließlich was fürs Leben! ;-)

    Wie gefallen Dir denn AT und FFS?

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    #7660233  | PERMALINK

    Anonym
    Inaktiv

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    Aluminium Tunes ist eine Wundertüte, auf der man nahezu alle Stilblüten zu Hören bekommmt. Jazz, Soul, Wave, Kraut. Sicher kein Album, das ich am Stück durchhöre (3 Platten!), aber mit einigen Perlen. FFS ist da natürlich das genaue Gegenteil, eingängig und fast poppig. Derzeitiger Favorit ist bei mir Cobra aufgrund seiner Nähe zu den High Llamas.

    Für den Herbst ist ein weiteres Album angekündigt, vermutlich eine erneute Compilation. Zunächst erscheint aber das Soloalbum von Laetitia Sadier.

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    #7660235  | PERMALINK

    friedrich

    Registriert seit: 28.06.2008

    Beiträge: 4,339

    songbirdAluminium Tunes ist eine Wundertüte, auf der man nahezu alle Stilblüten zu Hören bekommmt. Jazz, Soul, Wave, Kraut. Sicher kein Album, das ich am Stück durchhöre (3 Platten!), aber mit einigen Perlen. FFS ist da natürlich das genaue Gegenteil, eingängig und fast poppig. Derzeitiger Favorit ist bei mir Cobra aufgrund seiner Nähe zu den High Llamas.

    Für den Herbst ist ein weiteres Album angekündigt, vermutlich eine erneute Compilation. Zunächst erscheint aber das Soloalbum von Laetitia Sadier.

    ALUMINUM TUNES ist eine Wundertüte! Das Wort Stilblüten verstehe ich bei Dir so, dass es eine weit aufgefächerte Bandbreite an verschiedenen Stilen bietet. Die Pendelausschläge in Richtung der verschiedenen Extreme sind sehr weit. Das macht die Platte sehr uneinheitlich, aber auch sehr vielfältig und amüsant. Für mich bildet sie daher sehr schön das musikalische Spektrum von Stereolab ab. Man muss sie ja nicht in einem Stück durchhören. Ist halt eine Kompi und wohl kaum als LP im Sinne einer durchgehenden Dramaturgie konzipiert.

    FAB FOUR SUTURE dagegen funktioniert durchaus als LP. Zwar ist das auch eine Kompi, sie enthält aber nur die A- und B-Seiten von 6 Singles der Jahre 2005 und -06, von denen jeweils drei am gleichen Tag veröffentlicht wurden und die daher stilistisch sehr ähnlich sind – mit Ausnahme von KYBERNETICKA BABICKA, PT. 1 + 2 (Oh mein Gott, auf was verweist das noch mal? ist das Tschechisch?), die aber wiederum am Anfang bzw. am Ende von FFS stehen und somit das Ganze rahmen.

    Die Veröffentlichungspolitik von The Groop verstehe, wer will! Ist das jetzt besonders schlau oder besonders doof, an ein und demselben Tag drei Singles zu veröffentlichen, oder wollten Stereolab damit die Plattenindustrie unterwandern oder was?

    Beide Platten sind sehr unterschiedlich, auf jeweils ihre Art sehr schön und bei aller Verschiedenartigkeit doch typisch Stereolab.

    Das angekündigte neue Album enthält wohl Outtakes der letzten LAB-LP CHEMICAL CHORDS (die ich nicht kenne). Bin skeptisch … Laetitia Sadier ist im Herbst auch in D auf Tour. Unter anderem in Berlin im HAU. Freue mich schon!

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    #7660237  | PERMALINK

    friedrich

    Registriert seit: 28.06.2008

    Beiträge: 4,339

    Sollte sich jemand inspiriert fühlen, neu in den Stereolab-Kosmos einzusteigen, so möchte ich hier die zuletzt von mir besprochene Kompilation ALUMINUM TUNES noch mal wärmstens empfehlen. Hier wird s die Vielfalt der Musik von Stereolab in ihrer ganzen Breite wunderbar abgebildet.

    Es gilt hier aber auch noch etwas zu Ende zu bringen, denn der Stereolab-Backkatalog hat noch ein paar weitere Platten zu bieten. Nach der famosen DOTS AND LOOPS von 1997 ließen sich Stereolab zwei Jahre Zeit, bis sie ihre nächste reguläre Platte veröffentlichten. Die 1999 erschienene COBRA AND PHASES GROUP PLAY VOLTAGE IN THE MILKY NIGHT trägt den wohl verschraubtesten Titel im an verschraubten Titeln nicht gerade armen Oeuvre von The Groop. Das Wort COBRA spielt auf die gleichnamige Künstlergruppe an (http://de.wikipedia.org/wiki/CoBrA), ansonsten scheint der Titel eine Wortcollage zu sein, die in ihrer Rätselhaftigkeit (und Länge!) gut zu der Platte passt.

    COBRA ist eine Platte, an der sich die Geister offenbar scheiden. Zu keiner anderen Stereolab-Scheibe kenne ich einerseits solch vernichtende Verrisse, aber auch andererseits solch Lobeshymnen. Allmusic.com konstatiert „All fascinating in theory and often in practice, but COBRA still winds up being less than the sum of its parts.“ und vergibt gerade mal 2,5 von 5 Sternen. Das aber noch harmlos, verglichen mit dem Verriss des ehrwürdigen NME: „ this album is a sexless, emotionless, witless, cripplingly self-indulgent, pompously self-satisfied, intellectually hollow, achingly pretentious, stultifyingly bland, spiritually bereft, ideologically bankrupt, aesthetically repugnant, culturally pointless, musically sterile heap of shit.“ Autsch, das tut weh! Auf der Stereolab-Fanpage (http://www.koly.com/stereolab/index.php) hingegen wird COBRA zur zweitbesten von mehr als 20 Stereolab-Veröffentlichungen gekürt und auch anderenorts erfährt die Platte höchstes Lob. Auch auf diesen Seiten hat sie mindestens einen Anhänger. Auch ich bekenne, COBRA für eine der herausragenden Platten in der Diskographie von Stereolab zu halten.

    COBRA ist mit mehr als 75 Minuten nicht nur eine der längsten (die längste?) Platten von Stereolab, sie ist auch eine der am stilistisch vielfältigsten. Das erste Stück FUSES klingt wie eine Mischung aus Free Jazz und Popsong. Schräge Bläser, Vibraphon und dazu singen Laetitia Sadier und Mary Hansen „Doo be doo bah“. Hier passieren völlig verschiedene Dinge zur gleichen Zeit. Es geht dann aber deutlich übersichtlicher weiter. PEOPLE DO IT ALL THE TIME ist Pop. Nicht unbedingt herausragend, aber im Vergleich zum ersten Stück doch zumindest irgendwie beruhigend. THE FREE DESIGN bezieht sich im Titel auf die gleichnamige us-Popgruppe. Was ist das für ein Takt? 5/4? 6/7? Ein komplexes, perkussives Arrangements über das sich Bläser legen und zu dem LS in gewohnt unterkühlter Weise singt. Für mich ein erster Höhepunkt von COBRA. Elemente aus sehr verschiedenen musikalischen Kontexten, komplexe Arrangements, ungewöhnliche Instrumentierungen und Songstrukturen begegnen dem Hörer auf COBRA immer wieder. ITALIAN SHOES CONTINUUM ist aus verschiedenen Segmenten montiert, INFINITY GIRL ist ein toller Popsong. Der Höhepunkt ist für mich aber die Abfolge von VELVET WATER, BLUE MILK und CALEIDOSCOPE GAZE. VELVET WATER klingt wie ein verträumtes, aber auch verstörendes Wiegenlied, bei dem LS und MH wunderbaren zweitstimmigen Gesang bieten, BLUE MILK ist ein mehr als 11-minütiges Stück, das ausgiebig Terry Riley/Steve Reich/ Phil Glass zitiert, absolut hypnotisch, und bei CALEIDOSCOPE weiß ich nicht, ob ich das unter Pop oder Avantgarde verbuchen soll. Zwischendurch hört man auf COBRA aber auch Anklänge an Brian Wilson und vielleicht die Beatles der SGT. PEPPER Phase. Keine Ahnung, was das sonst noch alles ist und woher das kommt. In jedem Falle aber ein Füllhorn an musikalischen Ideen und Zitaten, von denen man als Hörer – und das wäre mein so ziemlich einziger Kritikpunkt – aber über eine Strecke von 75 Minuten auch schon mal überfordert ist. Vielleicht sind auch nicht alle Stücke wirklich zwingend. Aber das ist ein Problem, das man mit den meisten Platten in Doppel-LP-Länge hat. Nimmt man 3-4 Stücke raus, hat man aber eine brillante LP!

    Mit COBRA entfernen sich Stereolab weit von dem Konzept der „Rockgruppe“ (die sie auf ihren ersten LPs waren) und dehnen selbst das Konzept „Pop“ bis an die Grenzen. Songstrukturen werden auseinander genommen und anders wieder zusammengesetzt, ungewöhnliche Instrumentierungen (ist das am Anfang von CALEIDOSCOPE ein Theremin?), Popsongs treffen auf Jazz und Minimalismus. Nichts ist unvermittelt und direkt, alles ist durchdacht und sorgfältig konstruiert. Und trotzdem bleibt das Pop, mal mit Ohrwurmqualität, mal verstörend. Immer dreimal um die Ecke gedacht, aber toll!

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    #7660239  | PERMALINK

    kugayama

    Registriert seit: 13.01.2011

    Beiträge: 5

    Ich mochte bei Stereolab immer die Instrumentals am Liebsten, da ich mit der Gesangsstimme nicht viel anfangen kann.

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    #7660241  | PERMALINK

    friedrich

    Registriert seit: 28.06.2008

    Beiträge: 4,339

    kugayamaIch mochte bei Stereolab immer die Instrumentals am Liebsten, da ich mit der Gesangsstimme nicht viel anfangen kann.

    Ah, eine Reaktion! :-)

    Ob man mit einer Gesangsstimme etwas anfangen kann oder nicht ist in der Musik meist noch mehr Geschmackssache als vieles andere. Ich kann das nachvollziehen.

    Laetitia Sadiers Gesang ist ja meistens sehr kühl und understated. Große Gefühlsausbrüche kann man da nicht erwarten. Ich vermute das ist auch einer der Gründe, warum The Lab niemals den ganz großen Durchbruch geschafft haben oder einen Hit landen konnten: Dafür fehlt einfach die charismatische Rampensau mit prägnanter Stimme.

    Für mich steht der Gesang bei Stereolab aber auch nicht so im Vordergrund, in dem Sinne, dass ich ihre Stücke als Gesang + Begleitung betrachten würde. Die Gesangsstimme ist nur eine unter mehreren Stimmen. Da passiert soviel instrumental, das ist so komplex, dass der Songcharakter der Stücke für mich oft in den Hintergrund tritt. Oft wird die Gesangsstimme auch als wortloser Gesang, also als Klang, quasi instrumental eingesetzt. Auf der letzten hier von mir vorgestellten Platte COBRA … MILKY NIGHT ist das ja ganz ausgeprägt. Ich mag die Instrumentals von Stereolab auch sehr gerne. Auf ALUMINUM TUNES gibt’s auch eine ganze Reihe davon. Aber instrumentale Popmusik hat es schwer am Markt.

    Das heißt aber nicht, dass ich Laetitia Sadier als Sängerin nicht mag. Ihre unterkühlte Art hat ja auf ihre Weise auch eine gewisse Prägnanz. Zu ganz großer Form laufen The Groop dann auf, wenn Laetitia und Mary Hansen zweistimmig singen. Da gibt es bewegende Momente. Leider schied Mary Hansen aber dann auf tragische Weise aus der Gruppe aus.

    Ich habe noch das eine oder andere Album zu besprechen. Als nächstes wäre SOUND-DUST dran. Eine weitere Glanztat von Stereolab, die meines Wissens aber kaum Beachtung gefunden hat.

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    #7660243  | PERMALINK

    waldtroll

    Registriert seit: 28.09.2008

    Beiträge: 25

    …aber hier habe ich dann doch mal halt gemacht. Stereolab begleiten mich schon eine ziemlich lange Zeit. Ich muss allerdings zugeben dass ich die neueren Alben noch nicht „wahrgenommen“ habe.

    Ich glaube ich bin wegen des „Teppichsounds“ (z.B. bei Exploding Head Movie vom Album Refried Ectoplasm) bei ihnen hängen geblieben. Irgendwie haben sie mir damals die Brücke zur Electrosparte geschlagen.

    Ganz große Stücke sind natürlich French Disco (Refried Ectoplasm) wurde z.B. gerne von Kante als Zugabe, bzw. Last Song gecovert. Und Tomorrow Is Already Here und Les Yper-Sound vom Empero Tomato Ketchup Album….. gaaannnnzzzzz groß.

    Auf der Rare Trax vol. 08. Heimliche Hits 98 gabs das Stück St.Elmo’s Fire von Stereolab und Ui (Uilab). Ist auch ganz Stark.

    Einer meiner liebsten „Dance“ Stücke ist Mass Riff von der Instand o in the Universe Maxi. Wunderbarer Spannungsbogen der zum Ende ordentlich in die Beine geht.

    Ich höre sie immer wieder gerne und jedes mal entdecke ich neue „alte“ Songs.

    Gruß

    --

    "Wenn ich nicht hier bin, bin ich aufm Sonnendeck" (PeterLicht)[/SIZE]
    #7660245  | PERMALINK

    friedrich

    Registriert seit: 28.06.2008

    Beiträge: 4,339

    waldtroll…aber hier habe ich dann doch mal halt gemacht. Stereolab begleiten mich schon eine ziemlich lange Zeit. Ich muss allerdings zugeben dass ich die neueren Alben noch nicht „wahrgenommen“ habe.

    Hallo,

    ich freue mich über die Reaktion!

    Die meisten der von dir genannten Stücke kenne ich nicht, komischerweise obwohl ich die meisten Alben von Stereolab besitze. Aber die Diskographie von The Groop ist ja ebenso umfangreich wie unübersichtlich und da fällt schon mal was durchs Sieb.

    Ich möchte dir auch die „neueren“ Alben wärmstens empfehlen, falls man Alben einer Band, die 2008 das zeitliche gesegnet hat überhaupt noch als „neu“ bezeichnen kann.

    Ich bin mit diesem Thread ja eigentlich noch nicht zu Ende und wollte als nächstes SOUND-DUST von 2001 besprechen, für mich nach DOTS AND LOOPS und COBRA AND PHASES ein weiterer Höhepunkt im Oeuvre von Stereolab. Brauche noch etwas Zeit. Oder hat jemand anderes Lust dazu?

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    #7660247  | PERMALINK

    friedrich

    Registriert seit: 28.06.2008

    Beiträge: 4,339

    Lang, lang ist’s her, dass ich hier etwas über Stereolab geschrieben habe. Und dass, obwohl die Stereolab-Diskographie noch keineswegs abgearbeitet ist.

    Mir erscheint es manchmal so, dass The Lab mit EMPEROR TOMATO KETCHUP den Höhepunkt ihrer Medienpräsenz erlebt haben, mit DOTS AND LOOPS ihren kommerziellen Höhepunkt erreichten, danach aber etwas der Aufmerksamkeit der Fachpresse und des Publikums entglitten. Die etwas sperrige, aber von mir sehr geschätzte COBRA AND PHASES … MILKY NIGHT war wohl nicht nur Kassengift, auch die Kritiken waren teilweise vernichtend. Völlig zu Unrecht, meine ich. Aber vielleicht haben Stereolab sich davon nicht mehr so richtig erholt. Jedenfalls konnte The Groop nie mehr an die Erfolge von ETK oder D&L anschließen. Das ist schade, denn auch danach haben Stereolab noch sehr gute Platten gemacht. Eine davon, und in meinen Ohren eine der besten Lab-Alben überhaupt, ist SOUND-DUST von 2001.

    Es gibt Stimmen, die behaupten, eine Stereolab-Platte klingt wie die andere. Das Gegenteil ist richtig! Zwischen TRANSIENT RANDOM-NOISE und DOTS & LOOPS liegt eine erstaunliche Entwicklung von monotonen Gitarrendrones à la Kraut und Velvet Underground bis zur raffinierten Bossa Nova-Electronica. Und dazwischen liegen gerade mal 4 Jahre. Und auch danach haben sich Stereolab immer weiter entwickelt. Gemein geblieben ist der Musik von The Lab aber über die ganze Zeit das Interesse an und das Verarbeiten von verschiedenen (pop-)musikalischen Avantgarden aus unterschiedlichsten Quellen. Damit klingen sie immer anders, aber bleiben doch immer typisch Stereolab.

    SOUND-DUST macht da keine Ausnahme. Es ist ein weit her geholter Vergleich, der auf beiden Beinen hinkt, aber ich wage es trotzdem mal: War COBRA in seinen collagen-artigen Kontrasten so etwas wie Stereolabs WHITE ALBUM, dann ist SOUND-DUST so etwas wie Stereolabs PET SOUNDS. Nicht, dass Stereolab klingen wie die Beach Boys, wenngleich Brian Wilson einer von vielen Einflüssen gewesen sein dürfte. SOUND-DUST ist aber ähnlich wie PET SOUNDS ein reifes Werk, musikalisch sehr komplex, nachdenklich, melancholisch, manchmal fast düster, irgendwie erwachsen. Stilistisch ist es weit geschlossener als das Vorgängeralbum. Prallten bei COBRA Gegensätze aufeinander, so ist hier alles fein miteinander verwoben. Dabei beginnt SD eigentlich recht ungewöhnlich – aber damit auch wieder typisch Stereolab: Das erste Stück BLACK ANTS IN SOUND-DUST ist eine kurze Übung in Minimal Music goes Pop. Von da an nimmt sich SD aber viel Zeit und entwickelt sich in langsam ausformulierten großen Spannungsbögen. Das zweite Stück SPACE MOTH spannt den Hörer minutenlang auf die Folter, bis es eine Wendung nimmt und erst dann richtig Fahrt aufnimmt. Noch ausgeprägter ist das bei CAPTAIN EASYCHORD, das sich auf halber Strecke in etwas völlig anderes verwandelt, und dem bedrohlichen SUGGESTION DIABOLIQUE, das sich langsam in 7:30 min. aufbaut

    Typisch an SD ist aber etwas anderes: Auf keiner andere Stereolab-Platte gibt es so komplexe Arrangements. Hier schichten sich unzählige Instrumental- und Gesangsstimmen übereinander. Während E-Gitarren anders als auf den frühen Lab-Platten kaum mal eine tragende Rolle spielen, dominieren hier Keyboards – das Booklet listet u.a. Piano, Wurlitzer, Farfisa und Cembalo auf, dazu auch noch Marimba, Vibraphon und Glockenspiel – und komplexe Bläserarrangements – gleich zu Anfang sogar mit einer flatternden Flöte – und nicht zuletzt der mehrstimmige Gesang von Laetitia Sadier und Mary Hansen. Auf NOTHING TO DO WITH ME gibt es ein anrührendes Duett der beiden. NAUGHT MORE TERRIFIC THAN MAN klingt fast so als hätten Burt Bacharach und Curtis Mayfield gemeinsam ein Stück geschrieben und arrangiert. Produziert haben übrigens John McEntire und Jim O’Rourke, und die haben einen wirklich guten Job gemacht, diese Fülle an Klang schön abzubilden.

    Nach DOTS und COBRA ist SOUND-DUST für mich die dritte Großtat von Stereolab in Folge. Ich will nicht entscheiden, welche Lab-Platte die beste ist. Wenn man TRANSIENT, EMPEROR, DOTS, COBRA und SOUND-DUST nebeneinander stellt, muss man zunächst feststellen, dass sie jeweils einen ganz eigenen Charakter haben und daher nur schwer zu vergleichen sind. Jede hat ihre ganz eigenen Qualitäten. Ich gebe aber gerne zu, das SOUND-DUST die Stereolab-Platte ist, die ich bestimmt am häufigsten gehört habe und nach der ich zeitweise geradezu süchtig war, so sehr konnte und kann sie mich immer noch in ihre melancholisch nachdenkliche Klangwelt hineinziehen.

    Nach SOUND-DUST ereilt Stereolab ein Schicksalsschlag: Mary Hansen, die zweite Sängerin (und Gitarristin) neben Laetitia Sadier stirbt am 9. Dezember 2002 in London bei einem Verkehrsunfall. Fahrrad gegen Lastwagen. Sie wird 36 Jahre alt.

    Hier ein Nachruf im GUARDIAN: http://www.guardian.co.uk/news/2002/dec/14/guardianobituaries.artsobituaries

    Und um noch mal die Werbetrommel für SOUND-DUST zu rühren:

    http://www.youtube.com/watch?v=kfA8PiGzVg8&feature=related

    Ich glaube auf BABY LULU gibt es sogar eine Harfe zu hören!

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    #7660249  | PERMALINK

    waldtroll

    Registriert seit: 28.09.2008

    Beiträge: 25

    Vielen Dank Friedrich!!!!

    Ich mag an Sound Dust das Verspielte und die unglaubliche Detaildichte. Teilweise hat es schon orchestralischen (wird das so geschrieben????) Charakter und verblüfft mit immer wieder neuen Richtungswechseln. Was für wunderbare Bläser Arrangements in Baby Lulu.

    Definitiv eine der großen Platte von Stereolab und unbedingt in Ruhe und wenn es geht mit guten Kopfhörern genießen und entdecken. Die Platte ist nichts für den Alltag im Auto oder in der Bahn.

    Gruß

    --

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