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Gary Peacock / Keith Jarrett / Jack DeJohnette – Tales of Another | Und das muss jetzt doch auch noch sein, nachdem ich neulich das Album von Peacock mit Art Lande angehört habe… der verfrühte Prolog des späteren Standards Trios, zu dem ich danach gleich endlich komme. Natürlich ist das super, sehr frisch, sehr offen, eine etwas wärmere – so empfinde ich – Alternative zu den Trio-Experimenten von Chick Corea – vielleicht muss Trio Music doch auch wieder in den Player? Das das alles in recht unmittelbarer Nachbarschaft entsteht, dass aber Corea am Anfang der Dekade schon um Welten weiter scheint (danach aber nicht mehr weiter kommt) als Jarrett (der danach erst richtig loslegt, zumindest im Trio, die anderen Kapitel schloss er da ja schon ab – und klar waren die super, aber 1971, als „Now He Sings, Now He Sobs“ entsteht, hatte er auf dem Niveau noch nicht nichts vorzuweisen, erst recht nicht im Trio). Hier singen wenigstens zwei: der Mann am Bass und der Mann am Klavier – Rhapsoden gleichermassen, und das ist hier auch die Quintessenz: es wird gemeinsam gesungen, alles ist möglich, kaum etwas vorgegeben, aus einfachsten Elementen wird etwas Gemeinsames geschaffen. Im Rückblick tatsächlich Vorbote von Grossem, aber auch für sich genommen schon ziemlich verdammt gross!
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169 – 13.01.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tbaHighlights von Rolling-Stone.deWerbung
soulpope "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"Registriert seit: 02.12.2013
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Gary Peacock Keith Jarrett Jack DeJohnette „Major Major“(ECM) 1977 …. ein Track, der meinen monierten Punkt deutlich (=schmerzlich) darlegt : bis ca. 2.00 ein toller Soloeinstieg von Gary Peacock, Keith Jarrett und Jack DeJohnette steigen ebenso ein, der Groove baut sich in feinen Schichten auf und unvermittelt erschallt wie aus dem Nichts des Pianisten „Gesang“, der noch dazu zumindest gleichberechtigt neben den drei Instrumenten abgebildet steht .. und ebenso plötzlich ca. bei Minute 6.00 kommt die Erlösung, nur Piano Trio, Gary Peacocks Solospot und folgend ein wunderbar fließendes Piano Trio Outro …. und Gary Peacock „singt“ nur metamorphorisch aka durch sein Bassspiel, Gott sei Dank ….
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"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)



Keith Jarrett / Gary Peacock / Jack DeJohnette – Standards Vol. 1
Keith Jarrett / Gary Peacock / Jack DeJohnette – Standards Vol. 2
Keith Jarrett / Gary Peacock / Jack DeJohnette – Changes
Keith Jarrett / Gary Peacock / Jack DeJohnette – Standards LiveVon zartesten Tupfern im Intro von „It Never Entered My Mind“ bis zum federnden Rock-Beat im ekstatischen „God Bless the Child“ – was für ein Rausch! DeJohnette klingt hier wahnsinnig gut … ich muss hier ab und zu an Levon Helm denken, der den Beat vom langen Closer „God Bless the Child“ vermutlich eine Spur dreckiger aber ebenso federnd getrommelt hätte. Peacock hat anderes im Gepäck, wie @vorgarten ja bereits zu „Tales of Another“ geschrieben hat (Bley, Kikuchi, Japan überhaupt) Und da steckt eben viel mehr drin als die (Piano-)Jazz-Tradition, das ist auch ein genuin amerikanisches Projekt, um nicht „Americana“ zu sagen, eine Revue, wie sie bei ECM auch Pat Metheny – mit ganz anderen Mitteln allerdings – bot. Wie die Stücke sich entwickeln, schon der Opener „The Meaning of the Blues“, der in ein Riff mündet, bei dem kaum noch wer die Füsse stillhalten kann … wie Jarrett in „God Bless the Child“ juchzt – da springt der Funke sofort über. Davor kriegen wir noch „All the Things You Are“ und „The Masquerade Is Over“.
Das Konservative Element bei diesen Sessions in New York im Januar 1983 hat auch mit einer Setzung zu tun: das Great American Songbook wird quasi „klassisch“ durch dieses Projekt. Das Repertoire wird von recht weit her zusammengesucht, wirkt dabei jedoch alles andere als beliebig (aber die hätten auch ein Dutzend andere Songs nehmen können und genau so ein tolles Ergebnis hingekriegt). Auf Vol. 2 gibt es ein Jarrett-Stück zum Einstieg, danach Alec Wilder, Kern/Robins“ In Love in Vain“ und erst dann drei bekanntere Songs, „Never Let Me Go“, „If I Should Lose You“ und das immer mit Miles Davis verbundene „I Fall in Love Too Easily“, in dem Jarrett und Peacock sich gemeinsam in einen sehr getragenen Rausch spielen. Davis ist hier neben Bill Evans ein recht klarer Bezugspunkt, dünkt mich: die Eleganz, der Fokus auf die Melodie, und bei allem Rhapsodischen auch das Konzentrieren auf die Essenz. Die kleinen Verzierungen im Klavier am Ende von „Moon and Sand“ – wo man schon dachte, das Stück verklinge bereits – verraten, dass Jarrett sich auch für Barockmusik interessierte. Das Trio hat Fokus, es beschränkt sich – und zugleich ufert es aus, lässt alles rein, was nur denkbar ist. Gross!
Beim dritten Album dann ein anderes Konzept: „Flying“ von Jarrett dauert fast 31 Minuten, ein kleines Riff dient als Ausgangspunkt für eine mehrteilige Improvisation, in der Raum für lange Soli ist. Aber hauptsächlich geht es um das Spiel im Trio, das gemeinsame Suchen und Finden. Das Konzept der freien Improvisation sollte das Trio nur recht selten so ausgiebig umsetzen („Changeless“, „Inside Out“) – umso interessanter, dass es sowas auch schon bei diesen ersten Sessions gibt. Wobei mir nicht ganz klar ist, wie viel davon im Voraus ausgearbeitet worden ist. Jedenfalls ein toller Flug, der mit dem kurzen „Prism“ von Jarrett abgerundet wird (zuerst mit dem European Quartet aufgenommen, aber erst später, 1989, auf „Personal Mountains“ zu hören).
Hier kennt niemand Maloney, den schrulligen Privatdetektiv, der in der Schweiz seit langen Jahren ein Radio-Hit ist und es vor nicht allzu langer Zeit auch ins Fernsehen geschafft hat. Gerade laufen neue Folgen und heute guckte ich eine, in der er sagte, Tanzen gehöre nicht zu seinem Bewegungsrepertoire. Das passt doch zum Tanzen mit Kafka (Kochen mit Kafka ist ja auch gerade im Trend). Zunächst hatte Jarrett ja noch gesagt, dass das keine Live-Band sein werde – aber das änderte sich relativ bald. Ob diese Aufnahme vom 2. Juli 1985 aus dem Palais des Congrès in Paris von der ersten Tour stammt, weiss ich nicht, aber es ist genau, wie @vorgarten bereits geschrieben hat: wir kriegen „fantastische standard-versionen, vorher tausendmal gespielt, hier plötzlich ganz lebendig“. „Too Young to Go Steady“ ist mein grosses Highlight, aber Stück für Stück ist das ein tolles Album, das sich vor „Still Live“ oder „Tribute“ nicht zu verstecken braucht. Wilder ist mit „The Wrong Blues“ wieder vertreten, davor macht „Stella by Starlight“ (Miles) den Einstieg, danach folgt „Falling in Love with Love“. Nach „Too Young“ dann im zweiten Teil ein schnelles „The Way You Look Tonight“ und einen nur halben Standard zum Ausklang, „The Old Country“ von Nat Adderley und Curtis Reginald Lewis (nur Text oder Co-Composer?), vom selben Album, das ich bei Barry Harris schon erwähnte („Tadd“, seine Hommage an Dameron, ist auch zuerst auf „That’s Right!“ von Nat Adderley erschienen).
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169 – 13.01.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
Cedar Walton Trio – Cedar Walton | Ich springe ein wenig in der Zeit, morgen dann nochmal 1984, aber jetzt noch dieses feine Album aus Monster vom 19. April 1985. Walton mit seinen langjährigen Partnern David Williams und Billy Higgins – und im Gegensatz zu den früheren Begegnungen finde ich ihn hier wirklich gut. Nach Jarrett ist das natürlich eine Art Rückfall in eine andere Welt, näher an Wynton Kelly als an Bill Evans, mit ein paar Prisen Funk von der alten Sorte im Klavier, aber aber anderswo merkt man durchaus, dass das aus einer späteren Zeit ist – in Williams‘ Stück, „Magical Lady“ etwa, in dem der Bass zu einem Latin-Beat der Drums eine Art Funk-Riff repetiert und Walton seinen Klavierklang kurz hält, fast wie ein Fender Rhodes. Auch Higgins hat ein Stück dabei, „Short Comings“, das letzte der ersten Hälfte. Der Opener „Third Street Blues“ und die drei auf der B-Seite der LP stammen von Walton: „Voices Deep Within“, „I’ll Let You Know“ und als Closer das „Bleecker Street Theme“. Ich kenne ja nur einen Bruchteil von Waltons grosser Diskographie, aber das hier ist ganz vorn dabei – kann sich neben Alben von Kollegen wie Tommy Flanagan oder Hank Jones unbedingt sehen bzw. hören lassen. Gutes Material jedenfalls und Stück für Stück exzellente Soli von Walton und starke Beiträge von den Sidemen, ein sehr gut eingespieltes, sehr tightes Trio.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169 – 13.01.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tbaSchöne Beschreibung der Entwicklung des Standards Trios. Standards Live entstand nicht während der ersten Tour. Das Trio absolvierte zunächst im September 1983 ein einwöchiges Engagement im Village Vanguard und spielte Ende 1984 einen Gig in der Massey Hall, bevor es im Frühjahr 1985 zu einer fast dreiwöchigen Japan-Tour aufbrach. Bei dieser Tournee entstand der vorliegende Mitschnitt:

Bzw. die erweiterte ECM-Edition:

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Hey man, why don't we make a tune... just playin' the melody, not play the solos...Danke! Die DVD kenne ich leider gar nicht (ich gucke sowas halt nie, drum kaufe ich es in der Regel auch nicht.)
Ich wollte eigentlich noch gucken, aber es war spät und dann lief schon Walton … hier gibt es alle bekannten Gigs:
https://www.keithjarrett.org/past-concerts/#1983
Im Herbst 1985 folgte dann bereits die nächste Tour – und ab da verging ausser der Zwangspause (1997/98) bis zum Ende 2014 kein Jahr, in dem das Trio nicht tourte. In einzelnen Jahren sind sogar ausschliesslich Trio-Gigs dokumentiert (2001, 2003). Unverzeihlich, dass ich 2012 in Zürich (und/oder 2015 in Luzern, solo) nicht dabei war
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Steve Kuhn Trio – Life’s Magic
Steve Kuhn – The Vanguard DateIch bleibe nochmal im Jahr 1986, weil ich gerade den Vergleich von Jarrett/Peacock/DeJohnette mit Kuhn/Carter/Foster haben möchte. Das fängt mal damit an, dass hier ein viel weniger offener Aufnahmesound zu kriegen ist – kein grosser, leerer Konzertsaal (wie ihn ECM auch bei den 1983er Studio-Sessions suggeriert, und ja eigentlich ah immer), sondern eben der Club im Keller, wo alles von den Wänden reflektiert, enger wirkt. Damit hängt vielleicht zusammen, dass das noch stärker an Bill Evans und seine Trios erinnert, die ja im Club oft aufgenommen wurden. David Baker (mit Unterstützung von Jim Anderson) hat den Sound an diesen Abenden vom 28. bis 30. März 1986 natürlich im Griff, Carters Bass ist sehr gut erträglich, nur Fosters Becken fehlt es ein wenig an Brillanz und Höhe. Was die drei hier mit dem Material anstellen, ist super. Es gibt von fliessender Eleganz bis zum federnden Funk von „Trance“ eine grosse Bandbreite, Carter und Foster sind aktive Mitglieder des Trios, nicht blosse Begleiter, sie gestalten den Ablauf mit, der nicht vorabgesprochen wurde, wie Stanley Crouch in den Liner Notes berichtet: nur die Stücke sei man durchgegangen, alles andere – auch Tempi, Wechsel von Metren (in „Jitterbug Waltz“ improvisiert Kuhn in 4/4) sei spontan im Club entstanden. Aus den Liner Notes:
Stanley Crouch
Kuhn isnt‘ interested in hot chorusses“ that are only superficially held together, nor is he one who likes to drop phrases into a rhythm section the way messengers push piles of letters down the mouths of mailboxes. What he prefers is the compositional sense of improvising that allows for thematic variations and orchestral contributions from each player, eliminating the dated idea of foreground and background. In this music, you hear players inventing with a logic and an attentiveness to the subtleties of structure only the finest composers could equal.Es gibt etwas mehr eigenes Material von Kuhn als beim Jarrett Trio: „Two by Two“ und „Ulla“ als Intro zu „The Trance“ sowie „Mr. Calypso Kuhn“ auf dem ersten Album, „Clotilde“, „The Little Zoo“ und Lullaby“ auf dem zweiten, erst 1991 nachgereichten Album, das auch noch Ron Carters „Little Waltz“ enthält – das man heute als Standard zu bezeichnen kann, ob das 1986 schon ging weiss ich nicht. Dazu kommen diverse alte Songs, etwa der famose Opener „Little Old Lady“, „Never Let Me Go“ (wie bei Jarrett) und „Softly as in a Morning Sunrise“ sowie das obskurere „Yesterday’s Gardenias“ auf dem ersten, „I Thought About You“, „Dance Only with Me“ (auch eher obskur), Tadd Damerons „Superjet“ sowie „Music Prayer for Peace“ (von Phil Perry, der das mit Ernie Watts eingespielt hat – sagt mir nichts). Das Trio klingt phantastisch, es hat wirklich die von Crouch erwähnte Gestaltungsfähigkeit, was immer wieder für Überraschungsmomente sorgt. Die Texturen und Klangpaletten, über die alle drei Verfügen, sind auch immer wieder toll zu hören. Calypso spielt Foster einen mitreissenden Beat und Kuhn lässt das Klavier fast wie ein E-Piano klingen – um es direkt danach im kurzen „Never Let Me Go“ umso schöner singen zu lassen. Auf der zweiten CD finde ich das Segment mit „Little Waltz“, „The Zoo“ und „I Thought About You“ ein Highlight.
Ich habe noch ein Dutzend weitere Trio-Alben von Kuhn, die ich gerne mal wieder hören würde, aber das wird aus Zeitgründen nichts … als Favoriten (nach dem Trio hier) im Hinterkopf habe ich neben „Oceans in the Sky“, über das @vorgarten bereits geschrieben hat, vor allem „Countdown“ (Reservoir, 1998 mit David Finck und Billy Drummond) und „Live at Birdland“ (Blue Note, 2007, wieder mit Carter/Foster) abgelegt, aber auch „Looking Back“ (tatsächlich auf Concord, 1990 mit Finck und Lewis Nash), „Dedication“ (Reservoir, 1997 auch mit Finck und Drummond) und „Porgy“ (1988 auf Evidence/JazzCity mit Buster Williams bzw. Eddie Gomez, Foster und Gastsängerin Luciana Souza) erinnere ich alle auch als gut bis sehr gut. Die ECM-Alben („Remembering Tomorrow“, „Wisteria“) ebenfalls, aber die schafften es damals nicht in meine ECM Top 150, wo Kuhn nur mit „Playground“ drin war – und klar, es gibt auch was, was nicht im Trio ist (Karin Krog, Sheila Jordan 2002 auf HighNote nochmal, mit Finck/Drummond und Tom Harrell, und auch ECM).
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VASSILIS TSABROPOULOS / ARILD ANDERSEN / JOHN MARSHALL – Achirana (ECM, 2000)
ARILD ANDERSEN / VASSILIS TSABROPOULOS / JOHN MARSHALL – The Triangle (ECM, 2004)Ich mag diese beiden Alben des kurzlebigen Trios wirklich sehr, vor allem aber das ruhige und tastende Achirana. Der klassisch ausgebildete Tsabropoulos findet hier zu einer sehr eigenen Form des Jazz-Pianos – zurückhaltend, fast impressionistisch, manchmal vielleicht etwas zu sehr im Diffusen verhaftet, aber gerade das schafft diesen besonderen, schwebenden Klang. Andersen ist der heimliche Protagonist, sein Bassspiel von enormer Präsenz und gleichzeitig voller Takt. Marshall ergänzt mit luftigem, punktgenauem Spiel. Die Aufnahme im Rainbow Studio Oslo durch Jan Erik Kongshaug gibt dem Ganzen jenen kristallinen, weiträumigen ECM-Sound, der perfekt zur Musik passt.
Auf The Triangle hat sich Tsabropoulos merklich weiterentwickelt – linearer, präziser im Zusammenspiel, weniger ornamental. Besonders die Gruppen-Improvisation „European Triangle“ zeigt, wohin dieses Trio hätte gehen können. Schade, dass es bei diesen beiden Alben blieb.--
Hey man, why don't we make a tune... just playin' the melody, not play the solos...
Geri Allen Trio – The Printmakers | Eine neue Generation tritt an, lässt sich aber erstmal vom Altmeister Andrew Cyrille zwei Minuten lang den Teppich ausrollen. Und dann ein rollendes Riff über einen Zwei-Ton-Bass, der durch drei Akkorde geschoben wird – und sofort tanzt die Musik: „A Celebration of All Life“. Aufgenommen wurde das Trio mit Anthony Cox am Bass an zwei Tagen im Februar 1984 im Tonstudio Zuckerfabrik in Stuttgart, Geri Allen war 26 und das Album ihr erstes unter eigenem Namen. Das Album wirkt auf mich beim Wiederhören viel wärmer, als ich es erinnerte – es scheint sich mir allmählich zu öffnen. Das ist bei Allen ein Prozess, der schon seit 30 Jahren läuft und offensichtlich Zeit braucht(e). Die Härte im Anschlag gehört zur Brillanz des Spiels, das ist alles total präzise und wirkt doch frei, offen (steckt da etwas Corea drin?). Wird mit jedem Anlauf toller, finde ich, aber direkt ein Lieblingsalbum ist das (noch) nicht.

Amina Claudine Myers Trio – Jumping in the Sugar Bowl | Im März 1984 nahm Minor Music dann im Tonstudio Bauer in Ludwigsburg noch ein Trioalbum auf, dieses Mal mit einer Veteranin, die noch viel zu wenig bekannt war und an ihrer Seite Thomas Palmer (Kontrabass und elektrische Bassgitarre) und Reggie Nicholson hatte. Wie bei Allen ist das alles eigenes Material – durchaus im Doppelsinn des Wortes. Myers spielt auch etwas Orgel und sie und Nicholson setzen ihre Stimme ein, repetieren im Titelstück und Opener erst mal dessen Titel über einen hektischen Beat mit pulsierender Bassgitarre und heftigen Drums. Myers improvisiert dann am Klavier und bricht in wilde Cluster aus, während die Rhythmusmaschinerie gnadenlos weiterläuft. Auch das Album ist – vom kühlen Sound, der Härte, den oft rockigen Beats – keins, das mir direkt entgegenkommen würde. Ich kenne es noch weniger lang als das von Allen, es wird mir aber auch bei jedem Hören lieber. Der Einsatz der Stimme(n) – meistens mit Text, in „Guten Morgen“ ohne – , der E-Bass, die Orgel: Für mich klingt das alles ziemlich organisch und in sich sehr stimmig. Ich bin vorhersehbar – mein Lieblingsstück hier ist wohl „Mind Chambers“ im langsamen Tempo mit gestrichenem Bass und tanzenden Besen auf der Snare und den Toms.
Ich nehme die zwei Alben zusammen, weil ich hier auch einen Neuanfang höre, etwas, was ich davor im Klaviertrio so nicht kenne. Das hat mit der ganzen Ästhetik zu tun, die hier zu erleben ist … und es ist vielleicht kein Zufall, dass hier Frauen am Werk sind. Auch 1983 tauchte mit Michele Rosewoman noch eine neue Stimme auf – die aber zuerst im Quartett (das Debut auf Soul Note, kenne ich noch nicht) bzw. Quintett aufnahmen (Anthony Cox ist auf dem zweiten Album dabei, siehe Enja-Thread) und erst als viertes 1990 ein Trio-Album einspielte (das auf dem Stapel liegt, ich kenne es noch gar nicht).
Und Myers hatte natürlich 1980 schon ihr „Salutes Bessie Smith“ mit Cecil McBee und Jimmy Lovelace eingespielt – das sprengt den Piano-Trio-Rahmen aber noch etwas mehr.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169 – 13.01.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
….klar gehört das nicht hier her, ist aber im bereich ohne saxophon sowas von dermaßen klasse, scott la faro hier so schweine cool und relaxt, die leichtigkeit des guten basses, okay butler mir häufig zu sehr dominant, würde ich gern mal mit ausblendung von lands spiel hören…läuft zwischendurch zur auflockerung, hawes gehört für mich in die allererste reihe bei den pianisten….
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Hat Zappa und Bob Marley noch live erlebt!
John Hicks Trio – I’ll Give You Something to Remember Me By… | John Hicks war ein Jahr älter als Myers (er starb 2006 zu jung) – nach den progressiven Frauen wirkt sein Album allerdings recht konservativ. Da spielt sicher auch das Label rein denn Timeless war ja nie interessiert, aktuelle Strömungen des Jazz zu dokumentieren. Aufgenommen wurde das Album am 12. März 1987 in Monster, mit Curtis Lundy und Idris Muhammad, mit denen Hicks in den Achtzigern längere Zeit Pharoah Sanders begleitet hat (z.B. 1980 aus der Fabrik in Hamburg dokumentiert, 1987 auf dem Album „Africa“, auch bei Timeless – bei weiteren Aufnahmen waren Ray Drummond oder Walter Booker statt Lundy dabei). Eigentlich ist das auch ein Standards-Album – und das Material ist sehr gut gewählt. Den Einstieg macht „Hold It Down“ von Hicks/Lundy, gefolgt vom Walzer „Pas de trois“ von Paul Arslanian – das erste grosse Highlight hier (Arslanian hatte auch mit Sanders gespielt). Dann „Monk’s Mood“ als Klavier-Solo, „I Didn’t Know What Time It Was“, „My Foolish Heart“ (mein zweites Highlight) und nochmal drei Jazz-Tunes: „Blue in Green“ von Bill Evans (bzw. offiziell Miles Davis), „Coral Keys“ von Walter Bishop und als CD-Bonustrack noch „Tadd’s Delight“ (als „Ted’s Delight“) von Tadd Dameron.
Ich erinnere mich an den Post hier (alt genug, dass die Suche via Google geht) von @vorgarten? – mir fällt nichts auf (mittellaut über eine bescheidene Anlage gehört).
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Charlie Haden / Paul Motian feat. Geri Allen – Etudes | Zurück zu Allen zu den den Leuten – 14./15. September 1987, Sound Ideas Studios, New York (auch vom Sound her ein Fortschritt gegenüber dem Hicks-Album, wo man im Bass-Sound noch Reminiszenzen an die Siebziger kriegt). Ornette Coleman „Lonely Woman“ sorgt mit seinem Drone-Bass für einen enigmatischen Einstieg – und bietet ein erstes tolles Solo von Haden. Allens einziges Stück folgt, „Dolphy’s Dance“, dazu gibt es je drei Stücke von Haden (das traurig-schöne „Sandino“, „Blues in Motion“ und der Klassiker „Silence“) und von Motian (dessen „Etude II“ und „Etude I“ die erste bzw. zweite Plattenseite beenden, dazu kommt noch „Fiasco“) und an zweitletzter Stelle Herbie Nichols‘ „Shuffle Montgomery“. Und an Nichols erinnert mit auch Allens Stück hier sehr – viel mehr denn an Dolphy. Ich hab die inzwischen sechs Alben dieses Trios bis auf das aus Montréal alle erst verspätet kennengelernt – das hier als zweites, als 2010 die Box mit Hadens Soul Note-Alben herauskam. Brauchte etwas, bis ich damit richtig warm wurde, aber inzwischen mag ich diese Aufnahmen alle sehr gerne. Das wirkt alles sehr unforciert, es gibt viel Platz für alle, jeder Beitrag ist willkommen – sehr offene Musik. Im „Blues in Motion“ kriegt man auch nochmal den K.C.-Swing, den Allen kurz davor in Altmans Film spielte.
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….klar gehört das nicht hier her, ist aber im bereich ohne saxophon sowas von dermaßen klasse, scott la faro hier so schweine cool und relaxt, die leichtigkeit des guten basses, okay butler mir häufig zu sehr dominant, würde ich gern mal mit ausblendung von lands spiel hören…läuft zwischendurch zur auflockerung, hawes gehört für mich in die allererste reihe bei den pianisten….
gibt ja noch eine Viertelstunde extra von dieser Session minus Land auf „Bird Song“… die Lineups auf dieser CD sind zwar ein bisschen umstritten, aber das dürfte wohl vor allem die Tracks mit Paul Chambers bzw Red Mitchell betreffen, weniger die drei mit LaFaro…--
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Keith Jarrett / Gary Peacock / Jack DeJohnette – Changeless | Das ist kein Album, das ist der pure Rausch! Vier frei improvisierte stücke von vier Konzerten vom Oktober 1987 (Denver am 14., Dallas am 11., Lexington am 9. und Houston am 12.). Jarrett schreibt ausführliche Liner Notes über Partizipation, Identität, Persönlichkeit, wie die Aufnahmen dieses Albums Teil eines gemeinsamen Prozesses seien, das wahre Ich hinter der längst zur Gewohnheit gewordenen Persönlichkeit zu suchen, dabei „an expression of what is essential from the center of music, and of what is changeless“ zu erinnern. Sich verlieren, nicht mehr an etwas zu denken, nicht mehr auf Wissen zu rekurrieren, sondern einfach im Augenblick sein und dabei ein „Wir“ zu finden, das letztlich tiefer sei als ihre jeweiligen Vorlieben, lebendiger als ihre Oberflächen, tiefer denn ihre Gedanken. Das versteht Jarrett auch als eine gesellschaftskritische Praxis – einen Blick hinter die Lüge der Oberfläche, ein Offenbaren dessen, dass es gar keine Oberfläche geben kann ohne die Tiefe darunter. Jarrett auf der Suche nach einem ungeteilten Ganzen mit einer ziemlich radikalen Gesellschaftskritik und ähnliche radikaler Musik. Diese ist allerdings auch radikal zugänglich – vielleicht ja gerade wegen dem Zustand, den das Trio hier erreicht? Auch dieses Album hab ich viel zu spät entdeckt (ev. erst bei unserer ECM-Strecke hier?) – aber es schlug sofort heftig ein und gehört auf jeden Fall in die Top 10.
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Jimmy Rowles / Red Mitchell / Donald Bailey – Trio | Es passt zu Jarretts Zeitdiagnose („pathetically discontinuous“ sei unsere Zeit, schrieb er – noch vor dem Internet für die Massen und lang vor den Streichelwanzen), dass ich als nächstes – 11./12. August 1988, Sage & Sound, Hollywood – ein Album höre, das wieder aus einer anderen Zeit stammt. Einer anderen auch als das von John Hicks, und doch sehr frisch klingt. Das hat damit zu tun, dass das Programm zur Verweigerung von Routine praktisch eingebaut ist, wenn man Jimmy Rowles UND Donald Bailey für eine Session bucht. Dazu kommt Red Mitchell am Bass, ebenfalls immer noch ziemlich agil … und dazu kommt ein Konzept, in dem die drei wirklich als Co-Leader agieren, wie schon im Opener klar wird, „Have You Met Miss Jones?“ von Rodgers/Hart. Es gib insgesamt drei Mitchell- und ein Rowles-Original, dazu Ellington/Strayhorn („Day Dream“) und weitere zumeist bekannte Standards: „Crazy He Calls Me“, „Yes Sir, That’s My Baby“, „My One and Only Love“, „What Am I Here For“ als Closer, und direkt davor der eine weniger bekannte Son, „My Silent Love“ (Edward Hetman/Dana Suesse) – möglicherwiese die erste Instrumentalversion davon, während der Song unter Sänger*innen recht beliebt gewesen ist (es gibt Aufnahmen u.a. von Dick Haymes, Connee Boswell, Billy Eckstine, Peggy Lee, Sue Raney, den Mills Brothers oder Della Reese) – und tatsächlich eins der vielen Highlights hier.
Bailey ist natürlich wegen Hampton Hawes dabei. Red Mitchell hat ihn 1956 in Pittsburgh gehört (Mitchell mit Hawes, Bailey mit Jimmy Smith), später fragte Rowles Hawes bei einem Gewerkschaftstreffen nach dem besten Drummer für ein Trio, und die Antwort war „Without a doubt, Donald Bailey! Get him!“ – das dauerte noch eine Weile, da Bailey mit Esther Phillips unterwegs war und die ihn nicht hergeben wollte. „He’s my favorite drummer. Always has been, since the first time I worked with him!“, sagte Rowles später. Er hatte einen Gig im Playboy Club, den er mit Bailey und Buster Williams bestritt: „Gad! We played straight through without a break, just because we were enjoying ourselves to much we forgot the time. The club owner had to tell us it was quitting time!“.
Zu Aufnahmen kam es allerdings erst Jahre später, eben im August 1988, auf Mitchells Anregung hin, der aus seiner neuen Heimat Schweden nach Kalifornien an die International Society of Bassists‘ Convention reiste. Nach dem Opener glänzt der Bassist in „Day Dream“ im Lead, in Rowles‘ „After School“ spielt Bailey eine Art Marsch-Trommel-Beat, über den Rowles und Mitchell einen bluesigen Dialog führen. Rowles‘ Piano hat diesen Glow von Wilson, er spielt mit unglaublich schönem Ton wie üblich – und bringt z.B. „Crazy He Calls Me“ wirklich zum Glänzen. Wie sich hier ein durchaus aktives Trio (in der Evans-Tradition des Interplays) mit älterem Jazz verbindet, ist wirklich toll zu hören. Wenn hier etwas Wehmut aufkommt, dann höchstens, weil hier eine Kunst zelebriert wird, die es nicht mehr lange geben sollte (auch nicht bei Flanagan oder Jones, die ja noch länger unterwegs waren – Rowles bleibt für meine Ohren ein Solitär).
Auch das ein Album, das ich nur dank Guy Kopelowicz‘ Grosszügigkeit schon fast 20 Jahre kenne, aber die letzten Jahre viel zu selten hervorzog. Nur knapp am Favoritenkreis vorbei.
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Schlagwörter: Jazz, Piano, Piano Trio
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