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Geri Allen Trio – The Printmakers | Eine neue Generation tritt an, lässt sich aber erstmal vom Altmeister Andrew Cyrille zwei Minuten lang den Teppich ausrollen. Und dann ein rollendes Riff über einen Zwei-Ton-Bass, der durch drei Akkorde geschoben wird – und sofort tanzt die Musik: „A Celebration of All Life“. Aufgenommen wurde das Trio mit Anthony Cox am Bass an zwei Tagen im Februar 1984 im Tonstudio Zuckerfabrik in Stuttgart, Geri Allen war 26 und das Album ihr erstes unter eigenem Namen. Das Album wirkt auf mich beim Wiederhören viel wärmer, als ich es erinnerte – es scheint sich mir allmählich zu öffnen. Das ist bei Allen ein Prozess, der schon seit 30 Jahren läuft und offensichtlich Zeit braucht(e). Die Härte im Anschlag gehört zur Brillanz des Spiels, das ist alles total präzise und wirkt doch frei, offen (steckt da etwas Corea drin?). Wird mit jedem Anlauf toller, finde ich, aber direkt ein Lieblingsalbum ist das (noch) nicht.

Amina Claudine Myers Trio – Jumping in the Sugar Bowl | Im März 1984 nahm Minor Music dann im Tonstudio Bauer in Ludwigsburg noch ein Trioalbum auf, dieses Mal mit einer Veteranin, die noch viel zu wenig bekannt war und an ihrer Seite Thomas Palmer (Kontrabass und elektrische Bassgitarre) und Reggie Nicholson hatte. Wie bei Allen ist das alles eigenes Material – durchaus im Doppelsinn des Wortes. Myers spielt auch etwas Orgel und sie und Nicholson setzen ihre Stimme ein, repetieren im Titelstück und Opener erst mal dessen Titel über einen hektischen Beat mit pulsierender Bassgitarre und heftigen Drums. Myers improvisiert dann am Klavier und bricht in wilde Cluster aus, während die Rhythmusmaschinerie gnadenlos weiterläuft. Auch das Album ist – vom kühlen Sound, der Härte, den oft rockigen Beats – keins, das mir direkt entgegenkommen würde. Ich kenne es noch weniger lang als das von Allen, es wird mir aber auch bei jedem Hören lieber. Der Einsatz der Stimme(n) – meistens mit Text, in „Guten Morgen“ ohne – , der E-Bass, die Orgel: Für mich klingt das alles ziemlich organisch und in sich sehr stimmig. Ich bin vorhersehbar – mein Lieblingsstück hier ist wohl „Mind Chambers“ im langsamen Tempo mit gestrichenem Bass und tanzenden Besen auf der Snare und den Toms.
Ich nehme die zwei Alben zusammen, weil ich hier auch einen Neuanfang höre, etwas, was ich davor im Klaviertrio so nicht kenne. Das hat mit der ganzen Ästhetik zu tun, die hier zu erleben ist … und es ist vielleicht kein Zufall, dass hier Frauen am Werk sind. Auch 1983 tauchte mit Michele Rosewoman noch eine neue Stimme auf – die aber zuerst im Quartett (das Debut auf Soul Note, kenne ich noch nicht) bzw. Quintett aufnahmen (Anthony Cox ist auf dem zweiten Album dabei, siehe Enja-Thread) und erst als viertes 1990 ein Trio-Album einspielte (das auf dem Stapel liegt, ich kenne es noch gar nicht).
Und Myers hatte natürlich 1980 schon ihr „Salutes Bessie Smith“ mit Cecil McBee und Jimmy Lovelace eingespielt – das sprengt den Piano-Trio-Rahmen aber noch etwas mehr.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169 – 13.01.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba