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Keith Jarrett / Gary Peacock / Jack DeJohnette – Standards Vol. 1
Keith Jarrett / Gary Peacock / Jack DeJohnette – Standards Vol. 2
Keith Jarrett / Gary Peacock / Jack DeJohnette – Changes
Keith Jarrett / Gary Peacock / Jack DeJohnette – Standards Live
Von zartesten Tupfern im Intro von „It Never Entered My Mind“ bis zum federnden Rock-Beat im ekstatischen „God Bless the Child“ – was für ein Rausch! DeJohnette klingt hier wahnsinnig gut … ich muss hier ab und zu an Levon Helm denken, der den Beat vom langen Closer „God Bless the Child“ vermutlich eine Spur dreckiger aber ebenso federnd getrommelt hätte. Peacock hat anderes im Gepäck, wie @vorgarten ja bereits zu „Tales of Another“ geschrieben hat (Bley, Kikuchi, Japan überhaupt) Und da steckt eben viel mehr drin als die (Piano-)Jazz-Tradition, das ist auch ein genuin amerikanisches Projekt, um nicht „Americana“ zu sagen, eine Revue, wie sie bei ECM auch Pat Metheny – mit ganz anderen Mitteln allerdings – bot. Wie die Stücke sich entwickeln, schon der Opener „The Meaning of the Blues“, der in ein Riff mündet, bei dem kaum noch wer die Füsse stillhalten kann … wie Jarrett in „God Bless the Child“ juchzt – da springt der Funke sofort über. Davor kriegen wir noch „All the Things You Are“ und „The Masquerade Is Over“.
Das Konservative Element bei diesen Sessions in New York im Januar 1983 hat auch mit einer Setzung zu tun: das Great American Songbook wird quasi „klassisch“ durch dieses Projekt. Das Repertoire wird von recht weit her zusammengesucht, wirkt dabei jedoch alles andere als beliebig (aber die hätten auch ein Dutzend andere Songs nehmen können und genau so ein tolles Ergebnis hingekriegt). Auf Vol. 2 gibt es ein Jarrett-Stück zum Einstieg, danach Alec Wilder, Kern/Robins“ In Love in Vain“ und erst dann drei bekanntere Songs, „Never Let Me Go“, „If I Should Lose You“ und das immer mit Miles Davis verbundene „I Fall in Love Too Easily“, in dem Jarrett und Peacock sich gemeinsam in einen sehr getragenen Rausch spielen. Davis ist hier neben Bill Evans ein recht klarer Bezugspunkt, dünkt mich: die Eleganz, der Fokus auf die Melodie, und bei allem Rhapsodischen auch das Konzentrieren auf die Essenz. Die kleinen Verzierungen im Klavier am Ende von „Moon and Sand“ – wo man schon dachte, das Stück verklinge bereits – verraten, dass Jarrett sich auch für Barockmusik interessierte. Das Trio hat Fokus, es beschränkt sich – und zugleich ufert es aus, lässt alles rein, was nur denkbar ist. Gross!
Beim dritten Album dann ein anderes Konzept: „Flying“ von Jarrett dauert fast 31 Minuten, ein kleines Riff dient als Ausgangspunkt für eine mehrteilige Improvisation, in der Raum für lange Soli ist. Aber hauptsächlich geht es um das Spiel im Trio, das gemeinsame Suchen und Finden. Das Konzept der freien Improvisation sollte das Trio nur recht selten so ausgiebig umsetzen („Changeless“, „Inside Out“) – umso interessanter, dass es sowas auch schon bei diesen ersten Sessions gibt. Wobei mir nicht ganz klar ist, wie viel davon im Voraus ausgearbeitet worden ist. Jedenfalls ein toller Flug, der mit dem kurzen „Prism“ von Jarrett abgerundet wird (zuerst mit dem European Quartet aufgenommen, aber erst später, 1989, auf „Personal Mountains“ zu hören).
Hier kennt niemand Maloney, den schrulligen Privatdetektiv, der in der Schweiz seit langen Jahren ein Radio-Hit ist und es vor nicht allzu langer Zeit auch ins Fernsehen geschafft hat. Gerade laufen neue Folgen und heute guckte ich eine, in der er sagte, Tanzen gehöre nicht zu seinem Bewegungsrepertoire. Das passt doch zum Tanzen mit Kafka (Kochen mit Kafka ist ja auch gerade im Trend). Zunächst hatte Jarrett ja noch gesagt, dass das keine Live-Band sein werde – aber das änderte sich relativ bald. Ob diese Aufnahme vom 2. Juli 1985 aus dem Palais des Congrès in Paris von der ersten Tour stammt, weiss ich nicht, aber es ist genau, wie @vorgarten bereits geschrieben hat: wir kriegen „fantastische standard-versionen, vorher tausendmal gespielt, hier plötzlich ganz lebendig“. „Too Young to Go Steady“ ist mein grosses Highlight, aber Stück für Stück ist das ein tolles Album, das sich vor „Still Live“ oder „Tribute“ nicht zu verstecken braucht. Wilder ist mit „The Wrong Blues“ wieder vertreten, davor macht „Stella by Starlight“ (Miles) den Einstieg, danach folgt „Falling in Love with Love“. Nach „Too Young“ dann im zweiten Teil ein schnelles „The Way You Look Tonight“ und einen nur halben Standard zum Ausklang, „The Old Country“ von Nat Adderley und Curtis Reginald Lewis (nur Text oder Co-Composer?), vom selben Album, das ich bei Barry Harris schon erwähnte („Tadd“, seine Hommage an Dameron, ist auch zuerst auf „That’s Right!“ von Nat Adderley erschienen).
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