Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz

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gypsy-tail-wind
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Keith Jarrett / Gary Peacock / Jack DeJohnette – Changeless | Das ist kein Album, das ist der pure Rausch! Vier frei improvisierte stücke von vier Konzerten vom Oktober 1987 (Denver am 14., Dallas am 11., Lexington am 9. und Houston am 12.). Jarrett schreibt ausführliche Liner Notes über Partizipation, Identität, Persönlichkeit, wie die Aufnahmen dieses Albums Teil eines gemeinsamen Prozesses seien, das wahre Ich hinter der längst zur Gewohnheit gewordenen Persönlichkeit zu suchen, dabei „an expression of what is essential from the center of music, and of what is changeless“ zu erinnern. Sich verlieren, nicht mehr an etwas zu denken, nicht mehr auf Wissen zu rekurrieren, sondern einfach im Augenblick sein und dabei ein „Wir“ zu finden, das letztlich tiefer sei als ihre jeweiligen Vorlieben, lebendiger als ihre Oberflächen, tiefer denn ihre Gedanken. Das versteht Jarrett auch als eine gesellschaftskritische Praxis – einen Blick hinter die Lüge der Oberfläche, ein Offenbaren dessen, dass es gar keine Oberfläche geben kann ohne die Tiefe darunter. Jarrett auf der Suche nach einem ungeteilten Ganzen mit einer ziemlich radikalen Gesellschaftskritik und ähnliche radikaler Musik. Diese ist allerdings auch radikal zugänglich – vielleicht ja gerade wegen dem Zustand, den das Trio hier erreicht? Auch dieses Album hab ich viel zu spät entdeckt (ev. erst bei unserer ECM-Strecke hier?) – aber es schlug sofort heftig ein und gehört auf jeden Fall in die Top 10.

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