blindfoldtest #23 – gypsy tail wind

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  • #10221139  | PERMALINK

    wahr

    Registriert seit: 18.04.2004

    Beiträge: 8,693

    gypsy-tail-windDeine Referenz bei #5 kenne ich übrigens nicht – gibt es das in der Tube, darf ich um einen Link bitten? Bzw. ist er das hier:

    Die Parallele leuchtet mir in dem Fall nicht ein, muss sie aber auch nicht, da ich den Track (und Veloso überhaupt) nicht kenne und sich solche Dinge ja oft nicht auf Anhieb erschliessen.

    Ja, um den Track von Veloso geht es. Ich meine den Klaviersound, der ab 2:28 zu hören ist. Für mich mit das beste Klavierspiel und der beste Klaviersound, den ich kenne. Reduziert, total auf den Punkt. Bei Trk 5 ist es besonders der ruhige, reduzierte Klaviereinstieg ab 1:53, der mich spontan daran erinnert hat. Später im Track dann eher nicht mehr. Hier noch mal „Julia/Moreno“ in etwas besserer Qualität:

    https://www.youtube.com/watch?v=vTLgOtrpax0

    zuletzt geändert von wahr
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    #10223281  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
    Biomasse

    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 50,392

    Hoffe, ich kriege morgen die Auflösung hin … gestern war ich durch Migräne lahmgelegt, heute morgen fand die Abi-Feier des Neffen meiner Freundin statt und obwohl wir eigentlich nur halb erwünscht waren (fragt nicht, nicht meine Familie … meine ist ziemlich intakt, aber das scheint wohl eher die Ausnahme) lud dieser uns dann auch zum Essen mit ein und es war sehr okay, einfach wieder verdammt heiss und verdammt alkoholisch (bei mir, was will man denn bei der Hitze und bei der Schlechtwetterintimität auch sonst, als ein grosses Bier am anderen zu kippen) … also jetzt ab in die verspätete Siesta. Vielleicht schaffe ich heute schon einen Teil, aber aufgrund der Anlage des ganzen möchte ich eher alles am Stück auflösen – oder ich löse mal mit Bildchen und Infos auf und bündele die Kommentare (die ja im Thread verstreut zum Teil längst dastehen) noch einmal.

    Pardon – und ich hoffe natürlich, wo hier alles längst sommerlich gallertig läuft, interessiert es überhaupt noch jemanden :-)

    --

    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #104: Goin' West: Lee Konitz in Kalifornien, tba | Slow Drive to South Africa, #6: tba | No Problem Saloon, #19: Klassikstunde #2, tba
    #10223353  | PERMALINK

    brandstand3000

    Registriert seit: 29.12.2016

    Beiträge: 222

    das interesse ist noch da! aber trinken und keine migräne haben soll natürlich vorgehen! schönen samstag an alle!

    --

    #10223457  | PERMALINK

    demon

    Registriert seit: 16.01.2010

    Beiträge: 59,410

    gypsy-tail-wind…– und ich hoffe natürlich, wo hier alles längst sommerlich gallertig läuft, interessiert es überhaupt noch jemanden

    Aber sicher doch! Wobei das „Gallertige“ – die mangelnde Präsenz hier – in meinem Fall nicht nur durch das Urlaubs-Sommer-Wetter, sondern auch durch einen plötzlich und unerwartet verstorbenen Rechner zu erklären ist.

    #10223707  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
    Biomasse

    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 50,392

    blindfoldtest #23 – Auflösung (Teil 1)

    Ich zitiere mal von oben: Worum es mir ging war nicht, neue „Strömungen“ vorzustellen sondern Stimmen. Stimmen, die ich für im relevante halte im Konzert der Gegenwart, wenn man so will. Ob dabei nun was rauskommt, was es – theoretisch – schon vor 30 oder 40 Jahren hätte geben können (oder tatsächlich gab, aber dann nennt bitte mal die Namen, an die Ihr denkt – und das meine ich nun aber ziemlich ironiefrei, denn es nimmt mich wirklich wunder!) war nicht der springende Punkt. Mir ist klar, dass das Klaviersolo (#6) oder das Klaviertrio (#5 und #9) recht ausgelatschte Formen sind, dass da käumlich noch Neues kommt (oder doch? b#1?) … aber gab es denn in den 80ern (oder den 70ern) jemanden, der mit einem Klavier so umsprang, wie das in #7 geschieht?

    Die Stimmen sind allesamt weiblich und die Aufnahmen stammen alle ungefähr aus dem letzten Jahrzehnt. Dabei hat sich bloss eine Veteranin eingeschlichen, deren Band aber mit jüngeren Musikerinnen besetzt ist, die ich ebenfalls vorstellen wollte.

    Wenn ich ein paar Hinweise auf die symmetrische Anlage des ganzen machte, dann ist das hier der Plan, der sich aber erst spontan bei der Auswahl ergab (sorry für die lausige Graphik und die kleine Schrift, ich habe gerade kein Profil mehr bei einer Bildchen-Hosting-Seite, nachdem Photofuckit raus ist – Bild anklicken und danach vergrössern müsste aber gehen, hoffe ich, man kann’s dann knapp lesen):

    Es gibt also ein Zentrum des BFTs, der beiden Zusammenstellungen: es ist Eve Risser, im Hauptteil nur mit diesem mittleren, siebten der dreizehn Tracks vertreten, den @vorgarten und @brandstand korrekt erkannt haben, da wir alle beim Konzert dieser Gruppe am Jazzfest Berlin dabei waren. Mir gefiel das Set – mit dem das Festival endete – sehr gut, besser als den anderen beiden, glaube ich? Den Bericht kann man hier nachlesen (ganz am Ende des Posts)

    Ich blieb an Risser dran, holte mir auch die andere Clean Feed-CD, auf der sie Solo am präparierten Flügel drei lange Stücke spielt – eines davon bildet die Mitte der Bonus-Zusammenstellung. Vom Trio mit Risser, Benjamin Duboc (b) und Edward Perraud (d) wusste ich schon länger, weil sein Album „en corps“ auf dem sehr kleinen und gerade so feinen Label DarkTree in Frankreich erschienen ist – allerdings war die CD vergriffen, es gab wenig Hoffnung … bis im Frühling ein zweites Album dieses Trios erschien und Bertrand Gastaut, der Mann hinter dem Label, den ich in der Zwischenzeit auch persönlich kennengelernt hatte, auch das erste Album nachpresste. Man kriegte die beiden im Doppelpack unanständig günstig – und nicht nur ich war völlig erschlagen von der Wucht dieser düsteren, wie eine gewaltige Welle anrollenden und durch nichts zu stoppenden Musik. Auch @nicht_vom_forum schlug zu und äusserte sich sehr positiv (Rezensionen von beiden findet man auf dem Free Jazz Blog: Klick 1, Klick 2) – für mein Empfinden zwei der besten Alben der letzten zwanzig oder so Jahre.

    Weiteres im ausführlichen Kommentar unten, hier erst mal alle Infos, gebündelt.

    ARAXI KARNUSIAN STRANGE SOUNDS – BEAUTIFUL MUSIC
    1. Interrupted Part II (Mvt. 1) (Araxi Karnusian)

    Araxi Karnusian (ts, alto cl, comp), Jürg Bucher (ts, bcl, contra alto clarinet), Colin Vallon (p), Daniel Schläppi (b), Dominic Egli (d), Misa Stefanovic (v), Sibylla Leuenberger (v), Renée Straub (vla), Nicolay Khalatyan (cello)

    Schweizer Radio DRS, Zürich, 3.–5. Februar 2007
    von: Interrupted (CD, yvp, 2007)

    http://www.araxikarnusian.ch

    https://de.wikipedia.org/wiki/Araxi_Karnusian
    https://www.birdistheworm.com/the-safety-net-araxi-karnusians-strange-sounds-beautiful-music-interrupted/

    KAJA DRAKSLER
    2. The Lives of Many Others (Kaja Draksler)

    Kaja Draksler (p)

    Cankarjev Dom, Ljubljana, 2. Juli 2013
    von: The Lives of Many Others (CD, Clean Feed, 2013)

    https://de.wikipedia.org/wiki/Kaja_Draksler
    http://www.kajadraksler.com
    http://www.kajadraksler.com/Taylor.pdf (immer noch nicht genauer angeschaut)
    http://www.freejazzblog.org/2014/02/kaja-draksler-lives-of-many-others.html

    GÉRALDINE LAURENT TIME OUT TRIO
    3. A Quiet (Géraldine Laurent)

    Géraldine Laurent (as), Yoni Zelnik (b), Laurent Bataille (d)

    Studio Sequenza, Paris, 19 & 20. Dezember 2006
    von: Time Out Trio (CD, Dreyfus Jazz, 2007

    https://www.geraldinelaurent.com
    https://de.wikipedia.org/wiki/Géraldine_Laurent (die frz. Version ist v.a. im Hinblick auf die Diskographie ausführlicher)
    https://www.allaboutjazz.com/time-out-trio-geraldine-laurent-dreyfus-records-review-by-john-barron.php
    https://www.allaboutjazz.com/time-out-trio-geraldine-laurent-dreyfus-records-review-by-chris-may.php
    https://www.theguardian.com/music/2007/oct/05/jazz.shopping4

    RHODA SCOTT LADY QUARTET
    4. Nizza (Rhoda Scott)

    Lisa Cat-Berro (as), Sophie Alour (ts), Rhoda Scott (org), Julie Saury (d)

    Live, Sunset, Paris, 2. Januar 2008
    von: Lady Quartet: Live at the Sunset – Paris (CD, Must Record, 2008)

    http://www.rhodascott.com
    https://de.wikipedia.org/wiki/Rhoda_Scott
    http://www.jazzwax.com/2011/10/interview-rhoda-scott.html

    ANGELICA SANCHEZ TRIO
    5. Substance of We Feeling (Angelica Sanchez)

    Angelica Sanchez (p), Michael Formanek (b), Tyshawn Sorey (d)

    Systems Two Studios, 12. Juli 2016
    von: Float the Edge (CD, Clean Feed, 2017)

    http://www.angelicasanchez.com
    https://de.wikipedia.org/wiki/Angelica_Sanchez
    http://www.freejazzblog.org/2017/06/the-angelica-sanchez-trio-float-edge.html

    KRIS DAVIS
    6. Good Citizen (Kris Davis)

    Kris Davis (p)

    Namouche Studios, Lissabon, 10. August 2009
    von: Aeriol Piano (CD, Clean Feed, 2011)

    http://krisdavis.net/news/
    https://en.wikipedia.org/wiki/Kris_Davis
    https://jazztimes.com/reviews/albums/kris-davis-aeriol-piano/

    EVE RISSER WHITE DESERT ORCHESTRA
    7. Earth Skin Cut (Eve Risser)

    Eivind Lønning (t), Fidel Fourneyron (tb), Sylvaine Hélary (fl), Antonin-Tri Hoang (as), Benjamin Dousteyssier (ts, bsx), Sophie Bernado (bsn), Eve Risser (p, comp), Julien Desprez (g), Fanny Lasfargus (b), Sylvain Darrifourcq (d, perc)

    Studio MidiLive, Villetaneuse, 18.–20. August 2016
    von: Les Deux versants se regardent (CD, Clean Feed, 2016)

    https://www.everisser.com
    https://de.wikipedia.org/wiki/Eve_Risser
    http://www.freejazzblog.org/2017/01/eve-risser-white-desert-orchestra-les.html

    RIDD QUARTET
    8. The Eye and the Telescope (RIDD Quartet)

    Jon Irabagon (ts), Kris Davis (p), Reuben Radding (b), Jeff Davis (d)

    Studio STATS, Brooklyn, Juni 2005
    von: Fiction Avalanche (CD, Clean Feed, 2008)

    http://www.reubenradding.com/
    https://de.wikipedia.org/wiki/Reuben_Radding
    http://jonirabagon.com
    https://de.wikipedia.org/wiki/Jon_Irabagon
    http://www.jeffdavisdrums.com
    http://www.freejazzblog.org/2008/10/ridd-quartet-fiction-avalanche-clean.html
    https://www.allaboutjazz.com/fiction-avalanche-ridd-quartet-clean-feed-records-review-by-troy-collins.php
    https://www.allaboutjazz.com/fiction-avalanche-ridd-quartet-clean-feed-records-review-by-john-sharpe.php
    Reuben Raddings Photographen-Website ist mehrfach verlinkt (Wiki, Discogs-Seite seines Labels Pine Ear Music etc.) – ich weiss nicht, ob er den Bass tatsächlich an den Nagel gehängt hat, wäre sehr schade! Jedenfalls scheint es derselbe Reuben Radding zu sein
    Links zu Kris Davis siehe oben #6

    MARIE KRÜTTLI TRIO
    9. Bout de lumière (Marie Krüttli)

    Marie Krüttli (p), Lukas Traxel (b), Martin Perret (d)

    Studio Gabriel Recording, Stalden, kein Datum
    von: Kartapousse (CD, Konnex, 2014)

    http://mariekruttli.com

    https://de.wikipedia.org/wiki/Marie_Krüttli
    https://www.allaboutjazz.com/kartapousse-marie-kruttli-konnex-records-review-by-bruce-lindsay.php

    SOPHIE ALOUR
    10. Ode à Arthur Cravan (Sophie Alour)

    Sophie Alour (ts), Yoni Zelnick (b), Karl Jannuska (d)

    Ferber Studio A, Paris, 21. & 22. September 2009
    von: Opus 3 (CD, Plus Loin, 2009)

    http://www.sophiealour.com
    https://fr.wikipedia.org/wiki/Sophie_Alour
    https://www.allaboutjazz.com/opus-3-sophie-alour-plus-loin-music-review-by-hrayr-attarian.php
    https://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_Cravan

    GÉRALDINE LAURENT TIME OUT TRIO
    11. Love Letters (Heyman–Young)

    Géraldine Laurent (as)

    Studio Sequenza, Paris, 19 & 20. Dezember 2006
    von: Time Out Trio (CD, Dreyfus Jazz, 2007

    Links siehe #3

    KAJA DRAKSLER & SUSANA SANTOS SILV
    12. This Love (Kaja Draksler)

    Susana Santos Silva (t, flh), Kaja Draksler (p)

    Culturgest, Lissabon, 22. März 2015
    von: This Love (CD, Clean Feed, 2015)

    http://www.freejazzblog.org/2015/11/the-various-faces-of-susana-santos.html
    https://www.allaboutjazz.com/this-love-kaja-draksler-clean-feed-records-review-by-john-sharpe.php

    ARAXI KARNUSIAN STRANGE SOUNDS – BEAUTIFUL MUSIC
    13. Interrupted Part II (Mvt. 4) (Araxi Karnusian)

    Araxi Karnusian (ts, alto cl, comp), Jürg Bucher (ts, bcl, contra alto clarinet), Colin Vallon (p), Daniel Schläppi (b), Dominic Egli (d), Misa Stefanovic (v), Sibylla Leuenberger (v), Renée Straub (vla), Nicolay Khalatyan (cello)

    Schweizer Radio DRS, Zürich, 3.–5. Februar 2007
    von: Interrupted (CD, yvp, 2007)

    Links siehe #1

    : : BONUS : :

    EVE RISSER/BENJAMIN DUBOC/EDWARD PERRAUD
    B1. des âmes (Duboc–Perraud–Risser)

    Eve Risser (p), Benjamin Duboc (b), Edward Perraud (d)

    Live, Artfacts ’16, Alte Gerberei, St. Johann im Tirol, 13. März 2016
    von: En Corps: Generation (CD, DarkTree, 2017)

    http://benjamin.duboc.free.fr
    https://www.edwardperraud.com/Home.html
    http://www.freejazzblog.org/2017/04/eve-risser-benjamin-duboc-edward.html
    Links zu Eve Risser siehe #7 des Hauptteils

    ALEXANDRA GRIMAL
    B2. Cassiopée (Alexandra Grimal)

    Alexandra Grimal (ts), Todd Neufeld (g), Thomas Morgan (b), Tyshawn Sorey (d)

    Sear Sound, New York City, 19. Dezember 2011
    von: Andromeda (CD, Ayler Records, 2012)

    http://www.alexandragrimal.com
    https://fr.wikipedia.org/wiki/Alexandra_Grimal
    http://www.freejazzblog.org/2012/07/alexandra-grimal-andromeda-ayler-2012.html

    EVE RISSER
    B3. des pas sur la neige (Eve Risser)

    Eve Risser (p)

    Studio Juillaguet, Juillaguet, September 2013
    von: des pas sur la neige (CD, Clean Feed, 2015)

    Links siehe #7 des Hauptteils

    ALEXANDRA GRIMAL
    B4. Diotime et les lions (Alexandra Grimal)

    Alexandra Grimal (ss)

    Théâtre du Châtelet, Paris, 21. & 22. Mai 2013
    von: Alexandra Grimal & Giovanni di Domenico – Chergui, solos & duets (2 CD, Ayler Records, 2014)

    http://www.freejazzblog.org/2015/01/alexandra-grimal-and-giovanni-domenico.html
    weitere Links siehe #B2

    EVE RISSER/BENJAMIN DUBOC/EDWARD PERRAUD
    B5. chant d‘entre (Duboc–Perraud–Risser)

    Eve Risser (p), Benjamin Duboc (b), Edward Perraud (d)

    Studio Sextan-La Fonderie, Malakoff, 16. März 2012
    von: En Corps (CD, DarkTree, 2012)

    http://www.freejazzblog.org/2012/10/eve-risser-benjamin-duboc-edward.html
    Weitere Links siehe #B1 oben

    KAJA DRAKSLER
    B5B. Delicious Irony (Kaja Draksler)

    Kaja Draksler (p)

    Cankarjev Dom, Ljubljana, 2. Juli 2013
    von: The Lives of Many Others (CD, Clean Feed, 2013)

    Links siehe #2 des Hauptteils

    --

    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #104: Goin' West: Lee Konitz in Kalifornien, tba | Slow Drive to South Africa, #6: tba | No Problem Saloon, #19: Klassikstunde #2, tba
    #10223709  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 50,392

    1. ARAXI KARNUSIAN STRANGE SOUNDS–BEAUTIFUL MUSIC – Interrupted Part II (Mvt. 1) (Araxi Karnusian)

    Ein minimalistischer Einstieg, entnommen einem Album der schweizerischen Saxophonistin Araxi Karnusian, das Erfahrungen verschiedener – örtlicher bzw. durch Ortswechsel bedingter – „Interrputionen“ musikalisch verarbeitet, wie sie in ihrem kurzen Text zur CD schreibt. Das Ergebnis sind drei Suiten, aus deren zweiter, einem Aufenthalt in Paris gewidmeten, ich #1 und #13 entnommen habe.

    Karnusian ist für mich auch nicht viel mehr als ein Name, sie scheint nicht mehr sehr aktiv zu sein. Ich hörte sie 2011 mit ihrem Miniatur Orchester am Jazzfestival Schaffhausen, demjenigen unter den grossen Jazzfestivals des Landes, das sehr stark auf die CH-Szene ausgerichtet ist (an dem Abend gab es zudem Irène Schweizer/Pierre Favre und Malcolm Braffs Voltage). Die CD des Miniatur Orchesters, „Pro specie rara“, liegt hier auch, sie ist von 2010, aber da Karnusian die Miniaturen gemeinsam mit den beiden Schlagzeugern Dominic Egli Simon Fankhauser eingerichtet hat, wählte ich Auszüge aus dem Ablum „Interrupted“, bei dem auch Colin Vallon zu hören ist, neben Egli und Daniel Schläppi, alles recht wichtige Figuren des aktuellen Schweizer Jazz.

    2. KAJA DRAKSLER – The Lives of Many Others (Kaja Draksler)

    Und noch ein Anfang … der Übergang schien mir sehr gelungen, er steht obendrein für das Zwiebelprinzip des ganzen BFTs, denn jede Schicht ist auch ein Neubeginn. Wie ich schon schrieb höre ich in Kaja Draksler eine eigenwillige neue Stimme am Piano, die das Instrument als Ganzes spielt – was für mich, um das nochmal aufzugreifen, gerade das Gegenteil von „Musikinstrumente gegen die Betriebsanleitung gespielt“ ist. Im Gegenteil, bei vielen Konzerten, die ich besuche, gehört es dazu, dass ein Instrument als Ganzes benützt wird, dass seine klanglichen Möglichkeiten über das Herkömmliche hinaus erforscht werden. Gerade in der freien Improvisation ist das natürlich längst nichts Neues mehr, aber es wird sich auch kaum jemals irgendwo einbürgern. Unbehaustheit ist aber wohl eines der zentralen Merkmale dieser Musik, so gesehen passt das schon auf. Was ich aber gerade in dem Track hier so toll finde ist, wie Draksler aus dem Geschabe und Gekratze plötzlich in diese leicht einfältige Melodie fällt, sich daraus ein Groove entwickelt, wie sie das freie Spiel mit dem konventionellen verbindet, Eigenes an verschiedene Traditionen zurückbindet, die natürlich nicht nur aus dem afro-amerikanischen Hauptstrang des Jazz kommen. Live hörte ich sie neulich mit ihrem Oktett, ein etwas schwieriges aber äusserst anregendes Konzert (Klick).

    3. GÉRALDINE LAURENT TIME OUT TRIO – A Quiet (Géraldine Laurent)

    Das Time Out Trio um Géraldine Laurent am Altsax ist für mich eine Art Fortschreibung der grossen Monk/Mingus/Ornette-Linie – die es gar nicht in der Form gibt, aber es gehört ja auch zu der postmodernen Freiheit, dass man sich da was zusammenstellen kann, was passt, und sich daraus dann zu dem inspirieren lässt, was man selbst machen will. Sehr erdig alles, das Saxophon nicht gerade virtuos, vielleicht auch nicht auratisch, aber doch ziemlich gut. Erstbegegnung mit Laurent und diesem Trio war ein Konzertmitschnitt im Radio, zweite dann ein Konzert in Zürich (mit hämmernden Kopfschmerzen, aber ich blieb dort), danach leise Enttäuschung über das endlich gekaufte Album, von dem der Track stammt … die hat sich nie ganz gelegt, aber rein musste halt doch was daraus. Neue Konzertgelegenheiten ergaben sich leider bisher auch nicht wieder und das spätere Album, das ich von Laurent noch kenne, ist eher etwas schwächer. Als ziemlich schön habe ich auch das Aldo Romano-Album „Just Jazz“ in Erinnerung, mit Mauro Negri (cl), Laurent und Henri Texier. Muss ich bald wieder einmal anhören.

    4. RHODA SCOTT LADY QUARTET – Nizza (Rhoda Scott)

    Hätte @redbeansandrice an diesem BFT teilgenommen, hätte er Rhoda Scott natürlich identifizieren müssen – wohl eher nach Ausschlussverfahren, hätte ich erwartet … und das hätte dann den Ball (alles französischer Jazz? alles Frauen) ins Rollen bringen können … beim nächsten Mal vielleicht wieder, es geht ja v.a. ums Hören oder gerade ums Hören, ohne zu wissen, was man genau hört. Rhoda Scott war die zweite Hammond-Legende, die ich im Konzert hören durfte, ein paar Jahre davor hatte ich Dr. Lonnie Smith schon live hören können:
    https://ubu-space.blogspot.ch/2008/02/dr-lonnie-smith-zurich-2007.html?m=0
    Für Scott fuhr ich nach St. Moritz, der Mann hinter dem dortigen Festival da Jazz war damals mit einer guten Freundin meiner Schwester liiert und wusste, dass Scott mit interessieren dürfte … daraus wurde ein unvergesslicher Abend, über den ich ebenfalls ausgiebig berichtet hatte:
    http://ubus-notizen.blogspot.ch/2010/11/rhoda-scott-hotel-schweizerhof-st.html
    Photos vom Konzert:
    http://www.fotoswiss.com/-/galleries/events/events-music-concerts/archive-concerts-engadin/rhoda-scott-jazz-lady-at-hotel-schweizerhof-stmo?search=Rhoda+Scott&search_in_gallery=1
    Als ich direkt nach dem Konzert mit Scott sprach, ein paar mir liebe Aufnahmen erwähnte etc. (ich hatte am selben Tag ihre damals neuste CD erhalten, „Beyond the Sea“ auf Doodlin, und erwähnte das natürlich, eine weitere liess ich mir ausnahmsweise signieren), fragte sie mich, ob ich denn Lisa Cat-Berro kennen würde, was ich verneinen musste. Daraufhin schickte Scott ihre Tochter hoch ins Zimmer, sie solle doch ein Exemplar der CD für mich bringen – und das war dann eben „Lady Quartet: Live at the Sunset–Paris“. Ich kenne Cat-Berro bis heute nur mit dieser Gruppe, die gerade ein zweites Album veröffentlicht hat, „We Free Queens“. Mir gefällt dieses etwas ältere Album allerdings besser, und ich wählte daraus die Scott-Ballade „Nizza“, in der Cat-Berro im Zentrum steht, gefolgt von einem in der Tat etwas grenzwertigen Solo von Scott an der Orgel. Doch Scott, das wurde mir beim zweiten Konzerterlebnis (und dritten, zwei aufeinanderfolgende Abende in Brüssel mit @redbeansandrice) klar, ist eben wenigstens so sehr Entertainerin der alten Schule als Jazzmusikerin – und dies, obwohl sie ins Reden kommt, wenn man sie auf die mangelnde Wertschätzung des Orgeljazz in den USA, den Chitlin Circuit etc. anspricht.

    Weil ich die andere Saxophonistin des Lady Quartet, Sophie Alour, sehr schätze, sie in diesem Track aber nicht zu hören ist, folgt von ihr später noch ein Track – gemäss dem Zwiebelprinzip muss es natürlich #10 sein, s.u.

    5. ANGELICA SANCHEZ TRIO – Substance of We Feeling (Angelica Sanchez)

    Über jeden Zwiefel erhaben ist dann aber die nächste Nummer, vom brandneuen, exakt vor einem Jahr eingespielten Trio-Album der Pianistin Angelica Sanchez. Sie lernte ich zunächst über ein paar Audience-Tapes auf Dime kennen, die schon lange wieder verschollen sind … sie hat u.a. mit Wadada Leo Smith aufgenommen, aus der jüngeren Generation auch mit Rob Mazurek, Matt Bauder, Harris Eisenstadt, und natürlich mit Tony Malaby, ihrem Ehemann. Der freie Groove, den sie im Trio mit Michael Formanek und Tyshawn Sorey herausspielt, gefällt mir enorm gut – und auch sie ist wohl eine der Pianist_innen, denen Geri Allen sehr viel bedeutet hat. Aber das schreibe ich jetzt so dahin, es ist ja bekannt, dass ich Geri Allen gerade erst halbwegs begriffen habe (bzw. mir das einbilde, weiss man ja am Ende nie so genau).

    6. KRIS DAVIS – Good Citizen (Kris Davis)

    Mit Kris Davis folgt gleich die nächste Pianistin – der BFT war trotz einer Gegenmeinung nun wirklich nicht saxophonlastig … Davis gehört wie Draksler zu den von einem Bekannten, der permanent an Konzerte in Deutschland, den Niederlanden, Polen etc. reist, sehr bewunderten jungen Musikerinnen. Ich hatte erst letzten Sommer die Gelegenheit, sie endlich einmal live zu hören – sie spielte ein beeindruckendes Solo-Set (und ein für mein Empfinden missglücktes Duo mit einem Saxophonisten aus Zürich) – ich hatte auch darüber berichtet:
    http://forum.rollingstone.de/foren/reply/2016-jazzgigs-konzerte-festivals-reply-id-3622777/
    Einiges von dem, was mich im Konzert schwer beeindruckte, ist auch hier zu hören. Für mein Empfinden wird die Virtuosität bei Davis jedenfalls nicht zum Selbstzweck, aber es mag sein, dass ein herausgelöster Track nicht so gut funktioniert. Dass ihr Spiel durchaus überfordernd sein kann, will ich aber überhaupt nicht in Abrede stellen.

    Die Trio-Alben unter Leitung von Eric Revis wären vielleicht der bessere Einstieg in ihr Werk, aber da sie von einem Mann geleitet werden, schieden sie leider aus. @vorgarten ist aber gewiss der beste Tipp-Geber im Forum, was Kris Davis betrifft.

    7. EVE RISSER WHITE DESERT ORCHESTRA – Earth Skin Cut (Eve Risser)

    Und hiermit sind wir im Mittelpunkt der Erde, äh, des BFT angelangt … es fiel mir nicht gerade leicht, aus dem tollen Album des White Desert Orchestra und seiner Leaderin Eve Risser ein Stück auszuwählen, am Ende hatte ich noch immer vier in er letzten Runde, doch schien mir dieses hier recht gut geeignet, um auf ein paar Dinge hinzuweisen, die mir bei Risser (und anderen jüngeren Gruppen) sehr gut gefallen: das Zusammenspiel in der Gruppe, aber zugleich die Freiheit, die der/dem Einzelnen dabei gelassen wird, das Ineinandergreifen von Komponiertem und Arrangiertem und freien Elementen, das Ausbrechen in wilde Improvisationen mitten aus dem Ensemble, in das nach dem Solo auch wieder zurückgefunden wird.

    Den Link zu meiner Konzertbesprechung sei hier der Vollständigkeit halber auch nochmal plaziert:
    http://forum.rollingstone.de/foren/reply/9997189/

    8. RIDD QUARTET – The Eye and the Telescope (RIDD Quartet)

    Dass dieses Album nicht sonderlich beliebt ist, wenigstens bei @vorgarten, habe ich so abgespeichert (ich mag irren). Ich erwähnte schon einige Male, dass es in der letzten Phase der Vorbereitung hier erneut lief, eben wegen Kris Davis, die auch hier wieder am Klavier sitzt – und es gefiel mir sehr gut. Tut es weiterhin, ich hörte es vorhin auszugsweise noch einmal, bevor ich mit dem Wiederhören des ganzen BFT anfing. Jon Irabagon spielt auch in der unsäglichen Hipster-Jazz-Combo „Mostly Other People Do the Killing“ (die mir auch mal 1,5 Tage lang gefiel, bevor sie abgelutscht war), Jeff Davis (any relation?) kenne ich sonst nicht. Reuben Radding ist ein phantastischer Bassist, der sich womöglich aus der Musik zurückgezogen hat, um sich ganz der Photographie zu widmen – ich weiss es nicht, siehe Links im vorherigen Post. Er fiel mir vor wohl fünfzehn Jahren einst auf, als es auf Org eine lebendige Diskussion über Free Jazz, freie Improvisation etc. gab (lebendig, aber in einem einzigen Thread, die legendäre „funny rat“). 2007 gab es von Radding jeden Monat eine Aufnahme aber seiner Website zu holen, 2006 hatte er auf Alben mit Matt Bauder und Mary Halvorson/Radding/Nate Wooley mitgewirkt, 2008 auf einem sehr schönen Album mit Denman Maroney … aber danach verlieren sich leider die Spuren.

    Dass dieser Track in der Diskussion über neue Ansätze im Jazz seit den Siebzigern oder Achtzigern aber nicht dienen kann, ist mir natürlich klar … dennoch höre ich hier sehr schöne Stimmungen, gutes Zusammenspiel und charaktervolle (wenngleich nicht eigenwillige oder gar einzigartige) Stimmen.

    9. MARIE KRÜTTLI TRIO – Bout de lumière (Marie Krüttli)

    Weiter mit Klavier, wieder ohne Saxophon … einer der konventionellsten Tracks aus dem BFT, gespielt vom Trio der jungen Schweizerin Marie Krüttli, die ihren Bill Evans gehört hat, aber auch ein paar weitere Dinge … sie gewann im Vorjahr den ZKB-Jazzpreis, einen jährlich verliehenen Preis, in dessen Vorfeld die nominierten Bands im wichtigsten Club der Stadt, dem Moods, auftreten. Ich hörte damals nur das Jury-Konzert, das jeweils zum Abschluss stattfindet – und bei der Gelegenheit schaffte ich es endlich einmal, David Murray live zu sehen:
    http://forum.rollingstone.de/foren/reply/2016-jazzgigs-konzerte-festivals-reply-id-3611815/
    In der zweiten Combo des Abends, dem Trio des Pianisten Jean-Paul Brodbeck, auf das ich mich im Vorfeld nicht sonderlich freute, das dann aber sehr gut war, spielte der junge Lukas Traxel den Bass. Er ist auch Mitglied von Marie Krüttlis Klaviertrio, mit Martin Perret am Schlagzeug. Ich komme dem Album nicht so wirklich auf die Schliche, aber es lief schon öfter, und auch weil ich Traxel im Konzert mit Jean-Paul Brodbeck damals wirklich gut fand, wählte ich einen Track, in dem sein Bassspiel auch wirklich zu hören ist.

    (Als Gegenpol zu Angelica Sanchez ist das hier natürlich viel zu konventionell, aber egal …)

    10. SOPHIE ALOUR – Ode à Arthur Cravan (Sophie Alour)

    Und nun kommen wir zu Sophie Alour, der zweiten Saxophonistin aus Rhoda Scotts Lady Quartet und einer weiteren Stimme aus Frankreich, die mich erstmals im Radio mit Live-Mitschnitten aus Clubs in Paris und aus dem Radiostudio beeindruckt hat. Ich suchte dann bald nach ihren CDs, die leider oft etwas konventionell und vielleicht auch kommerziell geraten sind. Aber dieser Blues aus Alours Feder, dem Proto-Dadaisten Arthur Cravan gewidmet, ist eine schnörkellose Angelegenheit, in der ihr tolles Spiel am Tenorsaxophon wie ich finde wunderbar zur Geltung kommt. Am Bass ist übrigens derselbe Mann wie im Time Out Trio um Géraldine Laurent zu hören, Yoni Leznik. In Alours Ton finden sich Spuren von Joe Henderson, mich dünkt aber, dass die daraus einen eigenen Stil geformt hat, der mich in einem solchen Rahmen (eher als auf dem jüngsten Album, das in die Fun-Orgeljazz-Kiste gehört) sehr anspricht.

    11. GÉRALDINE LAURENT TIME OUT TRIO – Love Letters (Heyman–Young)

    Schrieb ich gerade Géraldine Laurent? Hier ist sie noch einmal, ganz allein mit ihrem Altsaxophon und einer schönen Version des Filmsongs „Love Letters“ (der gleichnamige Film stammt aus dem Jahr 1945).

    Und verdammt nochmal, nein! Hier wird nicht geübt! ;-)

    12. KAJA DRAKSLER & SUSANA SANTOS SILVA – This Love (Kaja Draksler)

    Die Trompeterin Susana Santos Silva, hier im Duo mit Kaja Draksler zu hören, kenne ich von diesem Album abgesehen überhaupt nicht. Als ich nach dem oben erwähnten Konzert des Draksler Oktetts auch ihre beiden anderen Clean Feed-CDs bestellte (diese hier, und jene aus dem #2 stammt), verliebte ich mich sofort in diesen Ton. Als ich neulich mal wieder die Gelegenheit hatte, mit Alexander Hawkins zu Quatschen unterhielten wir uns auch darüber, dass in der gegenwärtigen Szene sehr viele tolle Musikerinnen unterwegs sind (Ingrid Laubröck und Mary Halvorson liess ich weg, weil ich dachte, da käme eh jeder gleich drauf). Hawkins meinte sogar, wenn er es sich’s recht überlege, kämen derzeit doch fast alle interessanten Impulse von Frauen. So weit würde ich wohl nicht gehen bzw. die Frage, die sich dann stellt ist: was ist interessant … zu Santos Silva meinte er, er liebe dieses Duo-Album auch sehr, aber leider sei sie sonst nirgends so frei, so toll zu hören. Wäre schade, denn ich möchte in der Tat noch mehr hiervon!

    13. ARAXI KARNUSIAN STRANGE SOUNDS–BEAUTIFUL MUSIC – Interrupted Part II (Mvt. 4) (Araxi Karnusian)

    Den Ausklang macht dann nochmal ein Segment aus der Paris-Suite von Araxi Karnusian.

    --

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    #10223711  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    : : BONUS : :

    B1. EVE RISSER/BENJAMIN DUBOC/EDWARD PERRAUD – des âmes (Duboc–Perraud–Risser)

    Dazu schrieb ich im Einleitungspost schon ein paar Worte … wie gesagt: grossartig, überwältigend. Edward Perraud Schlagzeugspiel wurde v.a. von @vorgarten herausgehoben, und ich pflichte natürlich bei. Mir gefällt aber die gesamte Klangkulisse enorm gut, und da würde ich auch nochmal ansetzen, wenn es um „Neues“ geht, denn etwas Vergleichbares kenne ich nun wirklich nicht. Dasselbe gilt für B5, zu dem ich gerade weiter nichts mehr schreiben mag … der Freund, mit dem ich gerade bei einem anderen Konzert von Eve Risser war (Klick), und dem ich die beiden CDs dort aufschwatzte, findet nach dem ersten Hören die erste von 2012 (B5 ist von dort) etwas stärker, mir gefällt die zweite eine Spur etwas besser. Aber gemeinsam kommen sie locker auf zehn Sternchen, keine Frage!

    B2. ALEXANDRA GRIMAL – Cassiopée (Alexandra Grimal)

    Alexandra Grimal ist neben Laurent und Alour die dritte Saxophon-Stimme aus Frankreich, die mich in den letzten Jahren immer wieder überrascht hat. Und sie gefällt mir insgesamt nochmal ein gutes Stück besser als die beiden anderen, auch weil sie stilistisch in viel abenteuerlicheren Gefilden unterwegs ist. Als klar war, dass ich einen zweiteiligen BFT zusammenstellen würde, verschwand sie – leider – aus dem Hauptteil, dafür wählte ich auch von ihr zwei längere Tracks, diesen ersten vom Ayler-Album „Andromeda“ – Ayler ist ja vor ein paar Jahren von Schweden nach Frankreich gezügelt bzw. in neuen Besitz gelangt, was dem Katalog auch eine ziemlich andere Richtung gab. Das Quartett mit Todd Neufeld (akustische und elektrische Gitarren), Thomas Morgan (Bass) und einmal mehr Tyshawn Sorey (Drums) gefällt mir sehr gut, das Album fängt mit zwei kurzen Stücken an, von den folgenden vieren ist eines siebeneinhalb Minuten lang, die anderen fast zwölf bis vierzehn. Wie sich hier allmählich etwas entwickelt, wie aus den vier sehr individuellen Stimmen ein Ganzes entsteht, wie Sorey am Schlagzeug punktiert, ruckelt, in einen freien Groove findet, der ohne festen Beat auskommt aber dennoch mächtig nach vorn geht, darüber dann Grimal mit ihrem tollen Ton am Tenorsaxophon, sehr entspannt und doch höchst fokussiert … vielleicht ist es die Konzentration, die dem RIDD Quartet (#8 des Hauptteils) etwas abgeht? (Aber gut kommt noch dazu dass Grimal auch viel interessanter ist als Irabagon). Die Souveränität half Grimal gewiss auch, als sie ein schönes Album mit Lee Konitz, Gary Peacock und Paul Motian einspielte, das ich auch denjenigen empfehlen mag und will, denen der vorliegende Track zu frei ist („Owl’s Talk“, 2009).

    B3. EVE RISSER – des pas sur la neige (Eve Risser)

    Eve Risser solo, am präparierten Flügel – eine andere Facette ihres Schaffens, die ich auch noch vorstellen wollte, als ruhende Mitte dieses zweiten Teiles. Auf dem Cover des in jeder Hinsicht minimalistischen Albums bedankt Risser sich übrigens u.a. bei Stephan Oliva, einem Musiker, den ich auch sehr schätze (es gab bei StoneFM mal eine Portrait-Sendung über ihn) – das passt schon auch, obgleich Risser in ganz andere Richtungen unterwegs ist. Das Album muss man wohl am Stück hören, in meinem Fall mehrfach, auch mehrmals am Stück oder innert weniger Tage … das hat wohl mehr mit Cage oder Feldman als mit Jazz zu tun, aber das ist ja auch gerade ein Grund, warum der aktuelle Jazz so interessant ist, wenn man ihn in seiner ganzen Vielschichtigkeit erforschen mag.

    B4. ALEXANDRA GRIMAL – Diotime et les lions (Alexandra Grimal)

    Grimal zum zweiten – eine gewachte Sache, zugegeben: eine Viertelstunde Sopransaxophon solo. Das machten natürlich schon Steve Lacy und auf seine nochmal völlig andere Art auch Evan Parker … entnommen ist der Track dem Doppel-Album „Chergui“, das wieder die französische Wandlung von Ayler Records dokumentiert, wobei da auch ein zweites Instrument zu hören, ist der Flügel von Giovanni di Domenico. Bei mir zählte das Album zu den schönsten aus dem Jahr 2014 und ich hätte wohl irgendwas rausgreifen können, denn auch die beiden CDs finde ich, hört man am besten komplett und am Stück, um richtig in die Musik hineinzufinden. Grimal spielt anderswo auch Tenorsaxophon und auch di Domenico ist als Solist zu hören. Auf Sans bruit gibt es noch ein Album des Duos, „ghibli“, von dem di Domenico noch Exemplare hat (sehr schlicht, also bloss eine CD in einer dünnen Papphülle, wie bei Magazin-Beigaben) – wird die nächsten Tage dann auch angehört, kam gerade erst an. Neben den bereits erwähnten und den hier auszugsweise vorgestellten Alben gibt es noch ein weiteres im Quartett mit di Domenico, Manolo Cabras und João Lobo, das wohl neben jenem mit Konitz das konventionelleste ist.

    B5. EVE RISSER/BENJAMIN DUBOC/EDWARD PERRAUD – chant d‘entre (Duboc–Perraud–Risser)

    Auch hier wählte ich wie bei B1 den kürzeren zweiten Track … und pappte dann noch einen Bonustrack dran, einfach darum …

    B5B. KAJA DRAKSLER – Delicious Irony (Kaja Draksler)

    … und der stammt erneut vom schönen Solo-Album Kaja Draklers auf Clean Feed, das schon an zweiter Stelle im Hauptteil zu hören war. Auch hier fiel mir die Auswahl schwer, und ähnlich schwer fällt es mir, die Musik konkreter zu beschreiben als das oben schon geschah. Hier ist gibt es eine Annäherung an ein Zentrum, dünkt mich, das selbst auch nie gänzlich ausformuliert wird, das Stück bewegt sich nicht in einer Form sondern spielt mit einer Form, das Tempo, der Groove, die Changes, das alles verfestigt sich nie völlig, wird immer wieder durchbrochen – mit viel Charme und eben: mit deliziöser Ironie. So sollte dies auch ein versöhnlicher Ausklang eines fordernden Programmes bilden.

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    #10223735  | PERMALINK

    nicht_vom_forum

    Registriert seit: 18.01.2009

    Beiträge: 3,332

    Hallo Flurin, Danke für die Auflösung. Ich hatte bei einigen Tracks auch Eve Risser identifiziert, dann aber Titel und Alben nicht mehr im Detail nachverfolgt. Grimal ist jedenfalls eine Neuentdeckung, die ich definitiv weiter hören werde. Die beiden Alben im BFT sind schon so gut wie gekauft. ;-) Alour erinnert mich an eine hier in Köln wohnhafte Französin: Christine Corvisier. Zum Thema des BFT: Kennst Du Elisabeth Coudoux (früher Fügemann)? Das ist für mich eine der Entdeckungen der letzten Jahre (im Juni auch mehrfach auf dem freejazzblog; ich war aber schon Fan, bevor sie berühmt wurde ;-) ) – und sie ist erfreulich aktiv in der jüngeren Kölner Szene.

    --

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    #10223739  | PERMALINK

    vorgarten

    Registriert seit: 07.10.2007

    Beiträge: 5,582

    gypsy-tail-wind
    Die Stimmen sind allesamt weiblich und die Aufnahmen stammen alle ungefähr aus dem letzten Jahrzehnt.

    wow, vielen dank, mit einem solch ausgefuchsten konzept hätte ich jetzt nicht gerechnet. und dass das hier alles frauen sind, kam mir nicht in den sinn, obwohl die drei sachen, die ich erkannt habe, alle von pianistinnen sind. finde ich jetzt im kontext freier, eher europäischer improvisierter musik auch nicht so besonders wichtig, aber so eine kombination mit einer afroamerikanischen organistin, die schon ein paar jährchen länger dabei ist, ist wiederum sehr interessant.

    sehr dankbar bin ich aber tatsächlich, dass diese stimmen hier in verschiedenen stücken und kontexten vorgestellt wurden, da komme ich ziemlich schnell zu einer einschätzung, wo ich demnächst weiterhören werde und wo eher nicht – mal ganz davon abgesehen, dass ich davon kaum jemanden kenne. eindeutige gewinnerin ist natürlich das eve risser trio (solo und in der großbesetzung eher nicht), aber auch kaja draksler ist hier als sehr individuelle stimme deutlich geworden. das duo mit santos silva muss ich haben, von letzterer, die mich hier z.t. an wadada leo smith erinnert hat (wollte ich so nicht sagen…), habe ich auch noch nie gehört. mit frau grimal werde ich wohl nicht warm, und géraldine laurent ist sicherlich eine hervorragende musikerin, aber mir fehlt da (genau wie bei frau alour) ein gewisses etwas zum glück.

    schwierig ist der fall bei angelica sanchez und kris davis. ich kenne von beiden wirklich überragende auftritte, aber auch sachen, wo ich schwierigkeiten habe, ihnen zu folgen. davis im ridd-quartet finde ich viel zu abgezirkelt und verkopft. sanchez braucht, glaube ich, noch etwas zeit, um nicht nur in den bands anderer zu glänzen, sondern auch in eigenen projekten. ein ähnlicher fall ist z.b. eri yamamoto, deren eigene trios mich bislang auch noch nicht überzeugen.

    toll, auf jeden fall, dieser bft. vielleicht ein bisschen heftig für diejenigen, die hier gerade lust auf das format haben (die, die mit der musik vertrauter sind, machen ja nicht mit), aber das muss mich ja nicht interessieren. ich weiß, in welche richtung ich zukünftig nochmal die ohren ausfahre. vielen dank!!!

    --

    #10223749  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
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    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 50,392

    Danke für die Rückmeldungen!

    Leider war die Teilnehmerzahl ja sehr überschaubar, aber es gab eine gute Diskussion (die für jene, die sie noch nicht gelesen haben, auch jetzt nach der Auflösung noch von Interesse sein dürfte) und wenn ein paar Sachen gut angekommen sind, freut es mich unt hat sich eh schon gelohnt!

    @nicht_vom_forum: nein, die beiden Musikerinnen kenne ich natürlich wieder nicht … von der Kölner Szene kriegt man hier sehr wenig mit (und Wogram ist ja schon so lange weg, dass man ihn kaum noch dazuzählen mag …)

    --

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    #10223757  | PERMALINK

    nicht_vom_forum

    Registriert seit: 18.01.2009

    Beiträge: 3,332

    gypsy-tail-wind
    @nicht_vom_forum: nein, die beiden Musikerinnen kenne ich natürlich wieder nicht … von der Kölner Szene kriegt man hier sehr wenig mit (und Wogram ist ja schon so lange weg, dass man ihn kaum noch dazuzählen mag …)

    Corvisier ist eher eine lokale Assoziation von mir. Gut, aber nicht Spitzenklasse. Coudoux ist dagegen eine echte Empfehlung – und da es jetzt auch zwei CDs von ihr bei Leo gibt, dürfte sogar was in der Schweiz zu bekommen sein. ;-)

    --

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    #10223767  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
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    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 50,392

    nicht_vom_forumCoudoux ist dagegen eine echte Empfehlung – und da es jetzt auch zwei CDs von ihr bei Leo gibt, dürfte sogar was in der Schweiz zu bekommen sein.

    Keine Ahnung, Läden gibt es ja eh nicht mehr, die sowas führen würden … und Leo-CDs standen auch vor 10 oder 15 Jahren nicht in den Regalen. Entweder kein Vertrieb oder aber keine Abnehmer (was dann wiederum wohl drauf hinauslief, dass: kein Vertrieb mehr).

    Aber den Namen merke ich mir auf alle Fälle, Feigin bringt ja auch Pakete zur Post :-)

    --

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    #10223869  | PERMALINK

    brandstand3000

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    Beiträge: 222

    ich bin sehr beeindruckt vom konzept deines bft. und natürlich von dem diagramm! wäre nie darauf gekommen, dass das alles frauen sind. kann man ja auch nicht, wenn man sie nicht kennt. und dann noch mehrmals die selben musikerinnen in verschiedenen zusammenhängen. sehr interessant. vielen dank für diesen tollen bft!

    --

    #10223877  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
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    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 50,392

    brandstand3000ich bin sehr beeindruckt … von dem diagramm!

    Ich dreh mir gleich selbst ne lange Nase  B-)

    Im Ernst, danke fürs Teilnehmen und die anregende Diskussion!

    --

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    #10224237  | PERMALINK

    wahr

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    Herzlichen Dank für den Monster-bft, gypsy!! Da ist einiges dabei, was ich interessant fand. Tut mir leid, dass ich nur zur Hälfte kommentiert habe. Vielleicht war es doch von der Menge her ein bisschen viel Stoff. Ich werde immer mal wieder reinhören und vielleicht demnächst mal um ein paar Tipps bitten, wo ich weiterforschen sollte. Es ist jedesmal beeindruckend, wieviel Jazz-Kompetenz sich hier im bft-Thread tummelt. Davon kann ich nur profitieren. : )

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