Das Piano-Trio im Jazz

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    soulpope
    "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"

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    Paul Bley Gary Peacock Paul Motian “ Live in Essen 1999″ …. dieser auch soundtechnisch hochwertigste Konzertmitschnitt vom 15ten März 1999 belegt klar das nachtwandlerische Verständnis der drei Musiker ….  ECM Archiv bitte zeitnah melden ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
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    gypsy-tail-wind
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    Bobby Timmons – Sweet and Soulful Sounds + Born to Be Blue | Den Twofer (Jazzplus-CD von 2012) hatte ich neulich nicht gefunden … Tomaten auf den Augen, stand genau da, wo ich geguckt hatte … das erste Album ist vom Juni 1962 mit Sam Jones und Roy McCurdy, Timmons spielt den üblichen Mix aus eigenen Stücken (längst keine mehr, die zu Klassikern wurden, „Turn Left“ und „Another Live One“ heissen die beiden) und Standards („The Sweetest Sounds“ zum Einstieg, „Why Was I Born?“ als Closer, dazwischen noch „You’d Be So Nice to Come Home To“ und „Spring Can Really Hang You Up the Most“), und wie seit dem Debut gibt es ein paar Solo-Nummern, hier „God Bless the Child“ und „Spring Can Really Hang You Up the Most“. Auf dem zweiten Album spielt Sam Jones auf vier, Ron Carter auf drei Stücken und Connie Kay übernimmt am Schlagzeug (je eine Session im August und September 1963, es gibt den Titelsong von Mel Tormé zum Einstieg und dann ein eher noch interessanteres Programm mit „Malice Towards None“ (Tom McIntosh), dem Traditional „Sometimes I Feel Like a Motherless Child“, den Originals „Know Not One“, „The Sit-In“ und „Often Annie“, vor das noch DePaul/Mercers „Namely You“ eingeschoben ist. Die Alben sind wirklich gut, das zweite mit Kay vielleicht aktuell mein liebstes überhaupt von Timmons. Der wirkt hier gelassener, muss weniger zuspitzen als sonst, lässt die Musik mehr fliessen – und das kommt richtig gut.

    The Bob James Trio – Bold Conceptions | Und dann ein Album, das ich nicht hervorgeholt hatte … aber dann das andere auf ESP-Disk‘ wieder so interessant fand, dass ich auch dieses mal wieder anhören wollte – im August 1962 mit Ron Brooks und Bob Pozar aufgenommen und von Quincy Jones produziert. Das geht konventionell los, mit Evans-inspiriertem Trio und nach dem Opener „Moment’s Notice“ (Ernie Wilkins) auch gleich -Repertoire („Nardis“). Als drittes ist mit „The Night We Called It a Day“ ein Klassiker zu hören, bevor in James‘ „Trilogy“, dem Closer der ersten Seite, die experimentelle Seite zum Vorschein kommt. Nicht nur etwas Elektronik, sondern wie Ira Gitler in den Liner Notes erläutert, kommen hier zum Einsatz: „3 different sized oil drums, played with mallets, brushes, marbles and golf ball; temple blocks, 3 triangles; tam-tam; tambourine; gourd; pipes (a set of metal pipes of various lengths played with a metal beater or with mallets); slide whistle; tonette; glass wind chimes; bamboo wind chimes; magnetic tape (a form of musique concrete using the sounds of the trio, altered electronically and played back in the studio at their discretion as an auxiliary sound element); piano (sounds were produced by the use off paper on the strings, mallets on the strings and frame, pizzicato and harmonics on the strings, as well as conventionally from the keyboard); string bass (pizzicato and with mallets); regular drum set.“ Auf der B-Seite hören wir James‘ zweites Original „Quest“, „My Love“ aus Bernsteins „Candide“, eine Balladenversion von „Fly Me to the Moon“ und ein rasendes „Bird’s Work“ zum Abschluss. Auf der CD gibt es als Bonus noch „Softly As in a Morning Sunrise“ und den Cowboy-Song „Ghost Riders in the Sky“ (den ich mit Johnny Cash verbinde) – da wird dann noch eine Art kreisender Fade-Out gemacht, der Song verblasst, wird nochmal geholt, verschwindet wieder, wird nochmal aufgedreht … eine kleine Studio-Spielerei. Vom einen experimentellen Track abgesehen ist das ziemlich konventionell, aber auch ziemlich gut, immerhin.

    Martial Solal – At Newport ’63 | In Newport spielte Solal 1963 tatsächlich, aber beim Album handelt es sich um eine Art Rekonstruktion im Studio, bei drei Sessions einige Tage später im Juli. Mit dabei sind Teddy Kotick und Paul Motian und schon im Opener „Poinciana“ helfen sie, die alles überrollende algerisch-französische Virtuosen-Welle auszulösen und in Gang zu halten. Bevor es mit „Nuages“ von Django besinnlicher wird. Die Begleiter – aus dem Umfeld von Bill Evans – sind eine ganz gute Wahl, Kotick ist schön eingefangen und wird gerade in den ruhigeren Momenten zur zweiten Stimme. George Avakian schreibt in den Liner Notes, dass die beiden tatsächlich gerade von Evans zurückgelassen worden seien, als der nach Kalifornien ging … keine Ahnung, ob das stimmt (er war schon Mitte Mai 1963 mit Israels/Bunker im Shelly’s Manne-Hole, davor hat er vor allem mit Israels/Motian aufgenommen, aber es ist natürlich gut möglich, dass Kotick auch mal wieder dabei war, wie 1966 auch wieder). Dass Solals Auftritt in den USA hohe Wellen schlug, kann man aufgrund dieser Aufnahmen allerdings gut nachvollziehen. Im Gegensatz zu anderen damals aktiven Virtuosen – Oscar Peterson, Phineas Newborn – scheint Solal stets eine Richtung, ein Ziel zu haben, sein Spiel ufert nie aus, es ist klar gestaltet, wirkt rhythmisch und von den Klangfarben her sehr aus einem Guss – was es umso beeindruckender macht, finde ich. Er spielt zwischen weiteren Klassikern („Stella by Starlight“, „What Is This Thing Called Love“, „‚Round Midnight“, „Boplicity“ und als Closer das von allen Boppern rasend genommene „All God’s Chillun Got Rhythm“) auch seine eigene „Suite pour une frise“, 12 Minuten in mehreren Teilen und das ist vielleicht der wichtigste Teil der Visitenkarte, die er hier mit Hilfe von George Wein und George Avakian bei RCA abgeben kann. Verstecken braucht sich Solal jedenfalls nicht, auch seine Monk-Interpretation ist um einiges spannender und eigenwilliger, als die meisten Pianisten dies hinkriegen. Das Album ist gut programmiert mit dem rasenden „All God’s Chillun“ zum Abschluss. Noch irrer ist der erste Bonustrack der (meisten?) CD-Ausgaben: die Rhythmusgruppe stompt und Solal rast und torkelt durch „Fine and Dandy“ und nach gerade mal 1:45 ist das Pulver verschossen. Es folgen noch drei ebenfalls kurze Takes von „I Got Rhythm“. Den eingeblendeten Applaus und die Fake-Ansagen von Solal, die wirklich aufgesetzt wirken, wurden leider zumindest auf den gebräuchlichen Ausgaben nie entfernt – sie gehören halt auch zur Geschichte des Albums.

    Phineas Newborn Jr. Trio – The Newborn Touch | Und genau zu einem dieser Virtuosen kehre ich auch nochmal zurück. Das Album vom April 1964 war mein Einstieg bei Newborn, das einzige, was ich von ihm kaufte, als damals Zweitausendeins die ganzen Fantasy-Bestände verramscht hat. Leroy Vinnegar und Frank Butler sind dabei – und wie ich im Fragen/Empfehlungen-Faden vorhin schrieb, hat mich die aktuelle Trio-Strecke zur Vermutung gebracht, dass Newborn erst bei Contemporary zu sich gefunden hat – wo er neben ein paar guten Trio-Alben auch auf „Together Again“, dem Reunion-Album von Teddy Edwards und Howard McGhee, einen hervorragenden Auftritt hat. Hier spielt er zehn kurze und kürzere Stücke von einer Reihe illustrer und weniger bekannter Kollegen: Benny Carters „A Walkin‘ Thing“ ist der Opener, es folgen „Double Play“ von Russ Freeman, „The Sermon“ von Hampton Hawes, „Diane“ von Art Pepper und „The Blessing“ von Ornette Coleman. Auf Seite der LP dann „Grooveyard“ von Walter Perkins, Fran Rosolinos Walzer „Blue Daniel“, „Hard to Find“ vom Bassisten der Session, „Pazmuerte“ von Jimmy Woods und „Be Deedle Dee Do“ von Barney Kessel. Alle diese Musiker nahmen auch mal für Contemporary auf (Freeman und Rosolino allerdings nie als Leader glaub ich). Auf der CD gibt es noch „Good Lil‘ Man“ von Marvin Jenkins, einem Sänger, der mit vielen Leuten aus der ersten Garde der schwarzen kalifornischen Jazzer arbeitete (ich glaub nicht, dass ich ihn kenne) sowie einen Alternate Take von Kessels Stück. Das klingt alles sehr frisch und ist – auch dank der guten Stücke – höcsht abwechslungsreich.

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    The Three Sounds Featuring Gene Harris – Groovin‘ Hard (Live At The Penthouse 1964-1968) | „Jazz from the Penthouse“ unter Jim Wilkes lief stets donnerstags von Februar 1962 bis August 1968 auf KING-FM in Seattle mit einer „special broadcast-quality phone line between the club and the studio“, die bald nach der Eröffnung installiert wurde, wie Wilke im Booklet schreibt. Und im Studio lief während der live ausgestrahlten Sets immer auch ein „Ampex 350 stereo tube tape recorded, which was the state-of-the-art tape machine of that era“. Gene Harris steht 2010 am Anfang des Unterfangens von Resonance Records, historische Aufnahmen zu veröffentlichen. Und dieses Album mit ausgewählten Aufnahmen von Auftritten der Three Sounds im Penthouse von 1964 bis 1968 straft Michael Cuscunas Ansicht Lügen, das sei eigentlich nur noch das Gene Harris Trio gewesen. Und wenn, dann war das – egal ob noch mit Bill Dowdy (20. Februar und 22. Oktober 1964) oder mit den hier zu hörenden Nachfolgern Kalil Madi (23. und 30. Juni 1966) und Carl Burnett (23. August 1968) eine so tighte Einheit, dass das eigentlich einfach weit am Punkt vorbei ist, um den es geht.

    Das Booklet von Resonance habe ich in einem früheren Post zu den Three Sounds schon ein wenig ausgewertet, weil darin ganz gut die besondere Eigenschaft des Trios beschrieben wird, dessen Leader von sich sagte: „I call myself a blues piano player with chops“. Es gibt hier ein schönes „Girl Talk“ (1968) zum Einstieg, später im It Club (mit Henry Franklin/Carl Burnett) auch dokumentiert, einen Bossa-Funk über „The Night Has a Thousand Eyes“ (1966 – im Vorjahr mit Streichern für Limelight eingespielt und auf „Three Moods“ zu finden), einen Boogie-Woogie-Shuffle namens „Blue Genes“ (1964 – eine Aufnahme davon gibt es auf dem Verve-Album von 1962), die erste Version, die Harris von „The Shadow of Your Smile“ (1968) einspielte mit einem Wechsel zwischen einer Art Tango- und swingendem 4/4-Rhythmus, und einen weiteren eigenen Boogie-Shuffle, „Rat Down Front“ (1965, aufgenommen für eine Mercury-LP von 1963). Teil zwei öffnet mit Lehars „Yours Is My Heart Alone“ (1968, zu hören auf „Vibrations„), gefolgt von Ray Browns „A.M. Blues“ (1966 – im selben Jahr auch bei Limelight auf „Live at the London House“), der einzigen bekannten und sehr tollen Three Sounds-Version von Toots Thielemans‘ „Bluesette“ (1964), Alex Norths „Theme from Caesar and Cleopatra (1964, im Vorjahr bei Mercury zu hören) und schliesslich als Closer die einzige bekannte Version von Harris‘ „The Boogaloo“ (1966). Trotz der wechselnden Drummer und Jahre ist das für meine Ohren ein überaus kompaktes Set mit einem tollen Flow geworden.

    Wynton Kelly Trio – Unissued in Boston | Wynton Kelly kam leider nicht in den Genuss einer schönen historischen Ausgabe … man interessiert sich bei Resonance für ihn nur, wenn er Wes Montgomery begleitet (und auch da ist die Half Note-Ausgabe nicht direkt schön, da war bei den Bändern wohl nicht mehr viel zu machen gewesen). Dieses Bootleg versammelt drei Stücke (fast eine halbe Stunde) vom Oktober 1967 mit Cecil McBee und Jimmy Cobb (kurz vor dem dokumentierten Auftritt mit Hank Mobley in der Left Bank Jazz Society, auch mit McBee) sowie vier kürzere vom März 1965 mit Paul Chambers und Jimmy, auf deren beiden letzten noch Roy Eldridge dazu stösst. Ich habe nie rauszukriegen versucht, woher die Piraten an diese Aufnahmen gekommen sind (also ob sie wirklich zuvor nirgends erschienen sind), aber zum Glück ist der Sound hier sehr okay, man braucht bloss den Bass etwas hochzudrehen.

    Im Herbst 1967 gibt es „Confirmation“ im mittelschnellen tempo, „Old Folks“ und „Speak Low“. Auch mit McBee ist das ein eingespieltes Trio, Cobb gibt der Gruppe diesen Flow, wie ihn sein Nachfolger Tony Williams bei Miles Davis dann quasi patentierte, Kelly glänzt wie immer mit einem unglaublichen Ideenreichtum und einer geradezu perfekten Delivery, klingt wie immer total frisch. Im Parker-Stück gibt es nach dem Bass-Solo auch ein paar Runden für Cobb im Austausch mit Kelly zu hören, bevor dieser ein zweites Mal soliert. Dann sagt Kelly die Band an und beginnt „Old Folks“ als Ballade mit einem kurzen Klavier-Intro. Bald steigen die anderen beiden ein und irgendwann wechseln sie in double time. McBee hat die typische „in two“-Begleitung von Chambers natürlich drauf, Kelly verdichtet immer mehr, ohne den Charakter des Stückes zu sehr zu verfremden, wird gegen Ende seiner Improvisation auch etwas funky, streut dann Block-Akkorde ein – und es ist toll zu hören, wie Cobb ständig auf das Geschehen reagiert. Das Stück von Weill kommt dann als schneller Romp, der zwischen Latin-Beat und 4/4-Swing hin- und herwechselt – und hier spielt McBee vor dem abschliessenden Schlagzeugsolo ein tolles, sehr bewegliches Bass-Solo, das zeigt, dass er musikalisch gesehen der nächsten Generation nach Chambers angehört. Im Thema wird das Stück dann rasch ausgeblendet – vermutlich war die knappe halbe Stunde des Broadcasts um.

    Im zweiten Teil vom März 1965 ist der Sound ist leider etwas weniger gut. Los geht es mit „Blues on Purpose“ von Rudy Stevenson – und klar, Kelly war ein Blues-Spezialist und es ist ein Genuss, ihn hier zu hören. Chambers‘ Bass ist viel dunkler und wuchtiger, bliebt mehr in der Tiefe. Nach dem ersten Stück stellt Kelly die Band vor und spricht ein wenig mit dem Radio-Host Herb Pomeroy, der ein paar Boston-Bezüge zu den Stationen herstellt, die Kelly nennt (bei der Gillespie Big Band erwähnt er den Trompeter Joe Gordon). Dann geht es mit Tadd Damerons „If You Could See Me Now“ weiter. Dann stellt Pomeroy „the other half of our guest this evening“ vor, einer der „four greats in trumpet jazz along with Louis Armstrong, Dizzy Gillespie and Miles Davis“ – und das ist dann eben Roy Eldridge, der im Blues sofort charakteristisch mit Dämpfer einsteigt, das kleine Riff bald verlässt, um es wieder aufzugreifen und sein Solo zu strukturieren. Ein weiteres Highlight hier ist Chambers‘ Solo – in der Tiefe und viel einfacher gemacht als die von McBee zweieinhalb Jahre später, aber im Endeffekt gerade so toll. Dann spricht Eldrdige kurz mit Pomeroy, freut sich über die tolle Combo, mit der er spielt – doch die Zeit ist bald um und los geht’s mit „Lady Be Good/Hackensack/Rifftide“. Dieses letzte Stück dauert nur noch etwas mehr als zwei Minuten – schade, aber zwei tolle Dokumente auf dieser CD, die ich obwohl spottbillig einst nur widerwillig gekauft habe.

    Al Haig – Today! | Der mutmassliche Frauenmörder, der auch ein so begnadeter Pianist war, nahm für Mint Records vermutlich am 6. Juli 1965 (Discogs sagt allerdings, die Platte sei von 1964) ein Trio-Album mit Eddie de Haas und Jim Kappes auf, von dem es nebst einigen Japan-Reissues (LP und CD) auch eins von Fresh Sound auf CD gab, das ich irgendwann gekauft habe, als ich Aufnahmen von Haig suchte, bloss um sie dann doch nie zu hören – aus den bekannten Gründen. Zehn Stücke in weniger als 35 Minuten, Klassiker wie „Bags‘ Groove“, „You Don’t Know What Love Is“, „Satin Doll“, schon wieder „Bluesette“, „Polka Dots and Moonbeams“, „Willow Weep for Me“, dazu auf Seite 1 Sacha Distels „The Good Life“, während Seite 2 von zwei Originals gerahmt wird, Haigs „Thrio“ und de Haas‘ „Saudade“. Der Bassist hat immer wieder tolle Momente (schon im Opener von Milt Jackson spielt er ein tolles Solo), der Drummer bleibt diskret, Haig ist wie üblich wunderbar, zart, mit einem unvergleichlichen Anschlag – aber zumindest auf der Fresh Sound-CD klingt das alles reichlich dumpf, ein wenig wie durch einen Vorhang hindurch. Halt was man kriegt, wenn man wie ich unterwegs ist, schon klar – immerhin einigermassen gut genug, um das Album zu würdigen.

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    Wolfgang Dauner Trio – Klavierfeuer | Die „Band als Jukebox“ hatte ich auch mal bei den Three Sounds – aber seit gestern ist tatsächlich dieses Album im japanischen CD-Reissue von Atelier Sawano hier und bereitet auch mir viel Freude. Mit Eberhard Weber und Pierre Favre spielt Dauner sich durch Pop-Songs aller Art: Bécaud („What Now My Love“ zum Einstieg), Hazlewood („These Boots Are Made for Walking“), The Beatles („Yesterday“, „Michelle“, „A Hard Day’s Night“ – keine Stones hier, klar, war ja ne Blues-Band), dazu auch ein Bricusse/Newley-Song („Typically English“, der Closer – eine eher notdürftig verkleitete Kopie eines von Ahmad Jamals Signature-Tunes, dem Traditional „Billy Boy“), ein paar halbwegs aktuelle Flim-Songs („The Shadow of Your Smile“, „A Man and a Woman“ und vielleicht – da kriegt fast man nur Myazaki-Treffer – „Merry-Go-Round“ von einem P. Hepburn – es gibt einen Film von 1966, Harrison Fords Debut), Herbie Hancocks „Watermelon Man“, Jobims „Girl from Ipanema“ und ein Stück von Dauner, „Noa Noa“. Das ist alles super knapp, zwei bis drei Minuten und von Kurt Rapp im Tonstudio Bauer gut aufgenommen – etwas hallig, mit einem so satten Bass, dass er manchmal fast nach E-Bass klingt (und auch erahnen lässt, woher bald der Gummisound kommen sollte) … Favre finde ich überraschend frisch, aber so ist das ganze Album, das auch gar nichts will, als die Stücke als Vignetten zu präsentieren – und gerade darum wohl so erfolgreich ist. Selbst „Michelle“ mag ich in der Version dieses Trios plötzlich sehr gern. Eine kleine Entdeckung und dafür Dank @atom – und das eine von zwei Alben, die ich effektiv dank dieses und des Umfrage-Threads gekauft habe (das andere ist „Dream“ von Roland Hanna, das gestern im selben Umschlag lag).

    Jaki Byard Trio – Sunshine of My Soul | Es ist mir immer noch rätselhaft, warum dieses tolle Album bisher hier null Liebe kriegte (keine einzige Erwähnung glaub ich, nur von mir, als ich das Fehlen zum ersten Mal bemerkt hatte). Am 31. Oktober 1967 ging Byard mit David Izenzon und Elvin Jones in New York ins Studio, Richard Alderson produzierte für Prestige – und nach den Vignetten von Dauner und Co. gibt es hier wieder ausgewachsene Improvisationen. „Sunshine“, der Opener, dauert neueinhalb Minuten, der Closer „Trendsition Zildjian“ sogar elf, das Album gönnt sich 46 Minuten für sechs Stücke – alle von Byard bis auf W. C. Handys „St. Louis Blues“. Wo ich jetzt doch nochmal einiges hervorgekramt habe, gehörten eigentlich auch die früheren Trio-Alben von Byard, besonders „Hi Fly“, das ich sehr gerne mag, auch noch ins Programm. Wie auch immer … hier scheint schon nach wenigen Takten alles auseinanderzufliegen, Izenzon rifft und soliert gleichzeitig, Jones legt einen glockenartigen Beckenteppich, Byard rifft und soliert drüber – und jeder scheint im eigenen Tempo unterwegs zu sein, was ein dichtes Gewebe ergibt, irgendwo zwischen Andrew Hills progressivem Hard Bop und dem Free Jazz von Cecil Taylor (dem man zwar im März 1964 das Handgelenk gebrochen hatte, aber zum Verstummen brachte man ihn damit nicht, auch wenn die Sechziger eine schwierige Zeit mit Höhe- und Tiefpunkten waren). Byard beherrscht die ganze Klaviatur, spielt in der tiefsten Lage, rifft im Diskant dazu, manchmal fliegen die Hände dann über die Tastatur und treffen in der Mitte aufeinander … ein eigentliches Solo gibt es hier allerdings nicht, das Stück bleibt ein einziges dichtes Trio-Gewebe im Dreiviertel, das hypnotische Qualitäten entwickelt. In „Cast Away“ greift Byard sich eins seiner anderen Instrumente (die Gitarre, er spielte ja auch Saxophon), doch zunächst öffnet Izenzon allein am gestrichenen Bass. Jones spielt Kesselpauken, die Gitarre steigt ein, einsam und verloren wie der einsame Schiffbrüchige auf seiner Insel – doch der jetzt gezupfte Bass wird zu einer Art Dialogstimmme – und der Leader wechselt bald ans Klavier.

    „Chandra“ ist dann eine Bebop-Nummer, die an Byards frühe Zeit in Boston erinnert. Gleich nach dem Thema spielt Izenzon ein zum grössten Teil unbegleitetes Solo. Als Byard dann einsteigt, kriegt das eine Nervosität, die nicht vom Bebop sondern wieder aus dem aktuellen Jazz zu kommen scheint. Jones stapelt Rythmen übereinander, Izenzon kommentiert und interveniert, Byard stompt zwischen altem und freiem Jazz und findet doch immer wieder den Weg zurück zum Stück. Den „St. Louis Blues“ sagt Byard (?) an, bevor Jones an den Kesselpauken für Drama sorgt. Byard spielt das Thema und Izenzon schlittert am Bass rein, bis sich alles in einem Duett mit Stride Piano und walkendem Bass beruhigt, zu dem Jones dann am Drum-Kit einsteigt. Doch bald wird es wieder dramatisch: Tremoli, wuchtige Bass-Linien, unberechenbare Fills von den Drums. Und klar, die Kesselpauken und der gespenstische Arco-Bass kehren auch wieder zurück, spielen eine Art Geister-Duett mit Klavierbegleitung (von irgendwoher musste Tom Waits seine Ideen für „Bone Machine“ ja her haben). Die Stimmung setzt sich in Byards „Diane’s Melody“ fast nahtlos fort – obwohl das ein altes Stück ist, schon 1951 mit Charlie Mariano eingespielt – doch das merkt man erst nach eineinhalb Minuten, wenn das eigentliche Thema vorgestellt wird. Im Closer brechen Klangwellen über uns herein – und hier wird wirklich frei im Trio improvisiert: „It has no predetermined key or shape and the pace is decidedly presto.“ – Ein wilder Abschluss. Kein einfaches Album – eines, bei dem ich zunächst bei grössten Erwartungen sogar ziemlich enttäuscht war. Aber auch eines, das mich mit den Jahren immer stärker in seinen Bann zieht. Irgendwie muss man sich hier durch das Dickicht oder Chaos schlagen, um zum Kern vorzudringen, und das ist keine leichte Aufgabe. Dass man dem Album ein seltsames Flower-Power-Cover verpasste, passt vielleicht zur Irritation, die ein so freies Album im Prestige-Katalog auslöst.

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
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    Hampton Hawes – Spanish Steps / Blues for Bud | Ein Nachkauf im Rahmen dieser Strecke … aber natürlich keiner, der nicht eh für irgendwann geplant gewesen wäre. Aufnahmen aus dem Polydor Studio Paris vom 10. März 1968 mit Jimmy Woode und Art Taylor – und im Vergleich mit der LP enthält die CD fünf Bonustracks: „They Say It’s Wonderful“ (ein Piano-Solo), „Children’s Play“ (mit über neun Minuten das längste Stück der Session, beginnt als eine Art Groove-Samba, wird später ruhiger und sehr frei – spannend!) und „Blues for Bud“ (ein funky Blues, der mit den Begleitern nicht wirklich funky wird, was ebenfalls interessant ist; Woode singt im Bass-Solo die halbe Zeit mit). hätten eine dritte Plattenseite füllen können, dazu kommen noch je ein Alternate Take vom LP-Titeltrack und „Black Forest“. Bis auf „My Romance“, den Closer der LP, und den Berlin-Klassiker im Bonussegment, hat Hawes das ganze Material selbst komponiert. Das Trio ist spätestens im (spanisch tanzenden) „Sonora“ im 3/4-Takt wirklich zusammen, Taylor klingt für meine Ohren selten so frisch und so fokussiert wie hier, Woode erweist sich als überaus vielseitiger Musiker, der seine Bassläufe zur Begleitstimme werden lässt. In „Black Forest“ spielt Taylor einen sehr tollen Beat mit den Besen, nicht weniger zupackend als er das mit Sticks tun würde. Woode Bass grummelt in der Tiefe und Hawes ist offensichtlich gut aufgelegt und wird von seinem Stück mit sehr reduzierten Changes zu einem guten Solo angeregt. „Dangerous“ rast dahin, die Drums so knackig wie das Klavier, das recht karge Linien mit längeren Pausen spielt, punktiert von Akkorden – in der Offenheit seines Spiels hier erinnert mich Hawes ein wenig an das, was Herbie Hancock in den Jahren direkt davor auf Blue Note gemacht hat. „Spanish Steps“, wieder im 3/4, geht in eine ähnliche Richtung wie „Sonora“, Taylor bindet auffällige Schläge auf eine Glocke (oder die Glocke eines kleines Beckens) ein, Woode öffnet den Raum, den Hawes bespielt. „My Romance“ ist beinah so lang wie „They Say It’s Wonderful“ und ein letztes Highlight, in dem das Trio zeigt, dass es auch bei Standards ganz vorn mithalten kann. Hawes spielt auch hier recht sparsam, mit einem wunderschönen Klaviersound und einem tollen Flow. Woode ist in der Begleitung etwas zu aufdringlich, aber hat einen hervorragenden Beat, der wiederum Taylor bei seiner ruckelnden Besen-Begleitung (da steckt etwas Krupa im Time-Feel, dünkt mich) grösseren Freiraum gibt. Im Bass-Solo feuert Woode sich selbst an, singt und brummt wieder einzelne Phrasen mit. Alte Schule natürlich, was im Vergleich mit Izenzon oder McBee deutlich wird – aber exzellent nichtsdestotrotz. Duke Ellington wusste immer, was er tat, wenn er Bassisten auswählte. Der Alternate Take von „Spanish Steps“ ist deutlich kürzer (2:35 vs. 3:14), mit einer ähnlichen Glocken-Begleitung – so richtig geht hier nichts auf, das ist fast eine Vignette. Für sich genommen auch schön, aber ich verstehe die Wahl des Master Takes. Der Alternate von „Black Forest“ kommt noch ohne Intro daher und der Groove sitzt noch nicht wirklich – aber klar, es gibt noch ein schönes Solo von Hawes zu hören, und das ist ja an sich schon ein Mehrwert.

    Hampton Hawes – This Guy’s in Love With You / Live at the Montmartre | Bei der zweiten Runde auf Black Lion ist es etwas komplizierter. Das Album erschien in Japan (1974) und Europa (1975) als „This Guy’s …“, in den USA (1975) als „Live …“ mit anderem Cover, und die CD (1995) fügt noch  zwei Stücke hinzu, die B-Seite von „A Little Copenhagen Night Music“: „Spanish Way“ und „Dexter’s Deck“ (eigentlich „Long Tall Dexter“, und klar, Dexter Gordon ist der Gast hier). Die LP ist am selben Tag entstanden wie „This Guy’s …“, Reissues gab es nach der Erstveröffentlichung (Arista/Freedom in den USA und Trio/Freedom in Japan in 1977, Freedom im UK in 1978) nie. Heutzutage hätte das auf einer CD alles Platz (78 Minuten oder so), aber das ging 1995 noch nicht – schade. Die Aufnahmen mit Henry Franklin und Michael Carvin sind am 2. September 1971 im Jazzhus Montmartre entstanden, im passenden Rahmen und, wie Michael Cuscuna in den Liner Notes (US-LP und interessanterweise Black Lion-CD, wo ich eher die Liner Notes von Alun Morgan erwartet hätte) schreibt, während „a fruitful and happy period in Hamp’s too often tragic and frustrated career. That joy is communicated in this rare glimpse at Hamp in a totally informal setting“.

    Für die Black Lion-CD hat man die Reihenfolge der LP-Seiten umgestellt – und das finde ich eine tolle Idee, denn so ein Stück wie „The Camel“ (aus der Feder von Michael Carvin), mit dem das Programm nun beginnt, gibt es bis dahin bei Hawes nicht. Leider ist der Sound der CD dumpf (ganz anders als bei der ersten, die von 1989 ist und völlig okay klingt), was mich damals wohl auch abgehalten hatte, die Aufnahme aus Paris auch zeitnah zu suchen … denn „Live at the Montmartre“ habe ich schon eine Ewigkeit da, und es galt mir – mit dem üblen Sound – lange als Zeichen dafür, warum der späte Hawes eher nichts für mich ist. Das habt ihr hier ja zum Glück inzwischen zu ändern geholfen. Mit Franklin/Carvin ist Hawes beinah im Spiritual Jazz angekommen, der Bass wummert und dröhnt, die Drums sind zupackend und doch frei und offen. Es folgen Franklins charmantes „Little Miss Laurie“, eine mittelschnelle Ballade mit langem Bass-Solo, und Hawes‘ schneller Blues „Broad Blue Acres“, mit dem die LP-Ausgaben enden – je ein 7minütiges Stück pro Mitglied des Trios, auch das doch eigentlich ein schöner Einstieg. Die A-Seite der LP enthält „This Guy’s in Love with You“ – 12 Minuten lang und absolut umwerfend, ein grosses Hawes-Showcase mit toller Bass-Begleitung – und „South Hampton“, bei dem es sich in Wahrheit um „Footprints“ von Wayne Shorter handelt – nichts, was man bei Hawes direkt erwartet würde, aber auch da findet Hawes natürlich seinen Weg. Vermutlich ist die Hälfte auch die besser, aber „The Camel“ bleibt halt – zumindest vor den elektrischen Experimenten, die ich noch praktisch gar nicht kenne – eine grosse Ausnahme im Werk von Hawes. Der erste Bonustrack, „Spanish Way“ von Hawes, setzt fast nahtlos an, wieder ein Orgelpunkt vom Bass, über den sich erst allmählich eine Melodie herausschält, dramatisch von den Drums punktiert (die Kesselpauken von Jones bei Byard lassen grüssen) – ein frei mäanderndes Stück, bei dem ich von der Stimmung her wieder ein wenig an Hancock denken muss, obwohl Hawes immer wieder seine typischen Läufe unterbringt. Zum Abschluss dann ein Jam mit Dexter Gordon, dreizehneinhalb Minuten – und so sehr ich den Saxophonisten schätze (der hier natürlich wie ein musikalische Nebelhorn klingt), hätte ich lieber die drei weiteren Trio-Stücke als Bonus gekriegt (den Track mit Gordon hätte man gut auf eine seiner Black Lion-CDs verschieben können). Ein faszinierendes Album, von dem ich mir tatsächlich mal eine LP suchen muss, weil die CD echt keine Freude bereitet (Treble hoch drehen und Bass raus nehmen hilft, aber nicht genug, da hatte wohl wer beim Kassettentransfer „Dolby C“ eingestellt).

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
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    Howard Riley Trio – Angle | Teil der Faszination ist ja der neue Kontext – und hier, dass der Einstieg in dieses Album, aufgenommen bei einer Session am 3. Dezember 1968 und einer am 2. Januar 1969, sich fast nahtlos an das Hawes-Trio von 1971 andockt. Barry Guy ist natürlich am Bass zu hören, zu der Zeit war Alan Jackson der Schlagzeuger. Das Material geht von Skizzen bis komplett auskomponiert – vor allem die „Three Fragments“, drei Minuten im Duo von Riley mit Barbara Thompson an der Querflöte. Riley hat alles komponiert, „with the players and a variety of atmospheres and ideas in mind“ – und fürs CD-Reissue von 1999 hat er einen kurzen rückblickenden Text beigesteuert, in dem er die Stücke als „a general springboard for improvising“ bezeichnet (mit Ausnahme der Duos) und auch wieder (er tat das schon bei einem der Alben, die ich hier bereits erwähnt habe) betont, dass das Trio eine echte Working Band war, die ihr Material bei den Gigs entwickelte. Und er erwähnt, wie sich der europäische und englische Jazz im Lauf der zweiten Hälfte der Sechziger emanzipierte: „I was aware of other piano trios up to and including that period, and remember feeling that it was essential to arrive at a distinctive group sound.“ – Auch hier scheint Hancock in Sachen Stimmungen und offene Stücke nicht allzu weit weg zu ein … und vielleicht ist das das Album, das dem verblüffenden „Dream Talk“ von Dauner am nächsten kommt? (Kennt ihr das @lotterlotta und @vorgarten? Sorry fürs Taggen, ich führe hier ja inzwischen einen Monolog, aber da hätte ich mich schon damals über eine Reaktion gefreut und stellte mir die Frage, auf die ich halt noch keine Antwort habe ;-) )

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    #12591281  | PERMALINK

    vorgarten

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    also ich kenne weder das riley-, noch das dauner-album. KLAVIERFEUER habe ich mir dank dieses threads angeschafft, dachte danach aber auch nicht, dass ich jetzt jedes weitere dauner-album brauche ;-)

    was byard angeht, hatte ich nach deiner lobeshymne auf SUNSHINE OF MY SOUL skrupel, mich dazu zu äußern – ich mag das album überhaupt nicht, habe mich damit aber auch noch nie tiefreichender beschäftigt.

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    #12591287  | PERMALINK

    redbeansandrice

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    Das Byard Album hab ich vor langer Zeit mal viel gehört, sollt es wieder rauskramen… Dream Talk hab ich auch, ewig nicht gehört, da gilt das gleiche, die Texte machen auf jeden Fall Lust auf mehr… (und bei Hawes hab ich von beiden Konvoluten bislang nur eine Platte… Weiss noch nicht, wie es da weiter gehen soll, aber langfristig muss es…)

    --

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    #12591291  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Danke für die Rückmeldungen!

    Kein Ding wegen Byard, ich hab da auch lange vergebens Zugang gesucht @vorgarten. Bei Dir kommt Izenzon noch erschwerend dazu?

    Hatte Dich zu „Dream Talk“ nicht getaggt @redbeans weil ich dachte, das sei Dir eher zu frei?

    Die Riley-Alben finde ich als Serie sehr toll, man kann da wirklich die schnelle Entwicklung des Trios verfolgen. Welches mein Favorit ist, kann ich nicht sagen … eins steht noch an (eine Emanem-CD mit verspätet veröffentlichten Aufnahmen; die BBC-Sessions kenne ich noch nicht).

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    lotterlotta
    Schaffnerlos

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    @gypsy-tail-wind ….dauner spielte bis dato in meiner sammlung nur eine winzige nebenrolle bei mangelsdorff! dream talk gehört aber zu den alben das mir als sehr frühes cbs-jazz album mit deutschen musikern zumindest dem namen nach geläufig war und natürlich her musste, nachdem du es erwähnt hattest und es liegt gleich beim weiteren einsortieren aller zugänge auf dem dreher, kam die woche, ….dauner hatte ich in den siebzigern aber mehrfach mit dem „united jazz&rock ensemble“ als pubertier live erlebt, war aber zur damaligen zeit noch bis auf wenige ausnahmen nicht so sehr im jazz verwurzelt….weather report auf platte und später dann garbarek und dem ujre als erste live erlebnisse mit 16 lenzen, nächstes jahr fünfzigjähriges jubiläum als jazzkonzert-besucher….. werde mich ggf. zu dream talk nach ausreichendem hören äußern….howard riley kenn ich gar nicht! hampton hawes „this guy’s“ gehört zu meinen favoriten bei ihm, hab die freedom-ausgabe….

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    Hat Zappa und Bob Marley noch live erlebt!  
    #12591337  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Gary Peacock – Voices
    Masabumi Kikuchi, Masahiko Togashi, Gary Peacock – Poesy 〜 The Man Who Keeps Washing His Hands

    Zwei halbe Trio-Alben … beim ersten spielen die meiste Zeit zwei Drummer, beim zweiten nicht immer einer. Verblüffend sind sie beide. „Voices“ ist tatsächlich eine Art freier Gesang. Der Bass singt, das Klavier kriegt irre schönes Cantabile … und natürlich brummt und ächzt Kikuchi auch mit. Im April 1971 entstand „Voices“ mit Peacock, Kikuchi, Hiroshi Murakami, der auf dem vielleicht schönsten, dem längsten Stück „Voice from the Past“, pausiert, und Masahiko Togashi, der auf dem direkt folgenden „Requiem“ aussetzt. Kikuchi spielt auch ein paar Male ein elektrisches Piano und das passt alles wunderbar. Die beiden Percussionisten spielen zusammen in der Regel weniger als ein Jazz-Drummer, der Bass prägt die dunkle Stimmung (passendes Cover-Portrait), aber immer wieder erhebt sich das singende Klavier. Auch da werden Dinge geöffnet, es gibt einen immensen Raum, den niemand vollstellen will, den aber alle ab und zu bespielen, zurückhaltend, so, dass ein Gefühl für die immense Leere entsteht, die da draussen im Dunkel um uns ist.

    Mit „Poesy“ kann ich tatsächlich deutlich weniger anfangen (heisst meine Erinnerung täuschte mich nicht, „Voices“ ist mein liebstes von den dreien). Togashi macht die Räume hier zu, Kikuchi füllt auf, ist viel aktiver, bringt mehr Effekte. „Drums, Percussion, Glocken, Marimba, Gong“ steht in den Credits, was nur ein halber Hinweis ist, es gibt Becken mit asymmetrischen Klängen, zu denen sich manchmal Kikuchis Gesang auf fast gespentische Weise gesellt … es gibt aber auch hier, gerade in den Trio-Stücken, wieder diese Momente unglaublicher Klarheit – eben den drei (von sieben) Stücken mit Peacock. Es sind die drei längsten, wie @redbeans, der das Album offenbar lieber mag als ich, betont hat, klar, aber es dauert dennoch fast eine Viertelstunde, bis der Bass im elfminütigen „Apple“ zum ersten Mal zu hören ist Er bleibt dann für „Get Magic Again“ gleich dabei und kehrt im zweitletzten Stück, „Aspiration“, zurück. Abgesehen von Togashis Opener „The Milky Way“ hat Kikuchi alle Stück komponiert: „Dreams“, „The Trap“, „Roaming Around Sound“ und „Ending“ (der Closer) heissen sie. Das im Juni und Juli bei drei Sessions mit jeweils einer Woche Abstand aufgenommene Album dauert eine Dreiviertelstunde, „Voices noch acht Minuten mehr, beide grosszügig bemessen und bei beiden kommt keine Langweile auf – mir gefällt einfach die Offenheit von „Voices“ besser.

    Von dem, was ich kenne, ist das glaub ich in etwa der Moment, in dem Kikuchi sich emanzipiert. Bei „Eastward“ (Februar 1970) hatte ich noch an Hancock gedacht, das tat ich bei „Voices“ heute Nachmittag tatsächlich auch nochmal, aber nur noch oberflächlich, eher weil die Musik eine vergleichbare Offenheit hat, nicht wegen direkter Ähnlichkeiten. In die Gruppe von Alben gehört dann natürlich auch noch das im Oktober 1970 eingespielte „銀界 = Ginkai“ (Silver World) mit Hozan Yamamoto und Hiroshi Murakami (und Kikuchi und Peacock). Diese Gruppe von Alben war meine erste grosse Kikuchi-Entdeckung , als ihr hier den Kikuchi-Faden am Laufen hattet und ich mal wieder nicht in Echtzeit mit dabei war … schön, das (fast) alles wieder mal anzuhören!

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    #12591345  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    lotterlotta… werde mich ggf. zu dream talk nach ausreichendem hören äußern …

    Ich bitte darum @lotterlotta – hoffe, die Platte wird gefallen!

    Das UJRE war nie für mich, befürchte ich – irgendwie klinisch sauber klingender, quasi handgemachter Jazz-Rock (so mit ordentlichem Arbeits-Ethos) – da bin ich auch einfach zu jung für, denke ich. Gerade Dauner gefiel mir da gar nicht – aber ist viele Jahre her, dass ich mich an Aufnahmen heran gewagt habe, gut möglich, dass ich das heute anders hören würde.

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    #12591459  | PERMALINK

    lotterlotta
    Schaffnerlos

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    ….dream talk ist musikalisch sehr interessant, leider hat meine bellaphon pressung von 2012 ein paar leichte verzerrer, muss ich nochmals intensiv waschen und hoffen das die verschwinden…..

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    Hat Zappa und Bob Marley noch live erlebt!  
    #12591473  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Das freut ich zu hören @lotterlotta – gutes Gelingen beim Waschen! Ich fand das Album bei dieser ganzen Hörstrecke wirklich speziell … es gehört ja auch nicht in die klare Avantgarde-Richtung wie z.B. frühe Schlippenbach-Aufnahmen (weiss gar nicht, wann es da die ersten im Trio gibt) oder das Favre/Schweizer-Trio – von dem kann man hier ein frühes Album hören, „Santana“, 1969 mit Peter Kowald:

    Vom Schweizer Trio (Mani Neumeier, Uli Trepte) kam später noch was vom Januar 1967:
    https://destination-out.bandcamp.com/album/early-tapes

    Aber so dezidiert Avantgarde ist „Dream Talk“ ja eben nicht … und dennoch oder gerade darum dünkt es mich ziemlich einzigartig. @atom hatte ich gestern dazu gar nicht getaggt – kennst Du es eventuell auch?

    Weil heute ihr Geburtstag ist … neben „Trinity“ (Sato/Warren/Favre) wäre „Song for Hope“ von Aki Takase hier definitiv eine grosse Entdeckung gewesen, wenn ich es nicht schon im Rahmen der Enja-Strecke entdeckt hätte:

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    lotterlotta
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    …eins der erstaunlichsten alben aus 2024, ein grower mit dem man auch musik untergejubelt bekommt die man eigentlich nicht in seinem schrank hätte, z.b. „teardrop“ von massiv attack oder „don’t stop believing“ von …..geht mir nicht aus der tastatur, finger verweigern den dienst…. ist auf dem weg ein top 20 album zu werden, hoffe auf weitere großtaten von shepherd, auch im trio…..

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    Hat Zappa und Bob Marley noch live erlebt!  
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