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Barry Harris – Live In Tokyo | Der Unterschied ist deutlich: Barry Harris ist kein Veteran, den irgendwen dokumentieren will, sondern ein grossartiger Musik auf der Höhe seines Könnens. Die Wurzeln in Bud Powell teilt es sich mit Bishop, aber hier ist schon im Opener der Fokus klar gestellt, „A Soft Spot“ von Harris, das ziemlich direkt aus Powells Küche zu kommen scheint. Don Schlitten war 1976 in Japan, mit dabei natürlich sein Hauspianist mit Trio (Sam Jones und Leroy Williams – die auch ein Trio mit Jimmy Raney aufnahmen; Charles McPherson war wohl auch dabei, im CD-Booklet gibt’s ein Gruppenfoto). Die Aufnahmen auf diesem Album stammen vom 1., 12. und 14. April. Neben ein paar Powell-Stücken („Dance of the Infidels, „Un poco loco“) gibt es Standards („Tea for Two“, „I’ll Remember April“), eine schöne Version von „‚Round Midnight“ und ein zweites Harris-Original, „Fukai Aijo“ – ein zartes Solo, das vor der tollen Rekonstruktion von „Un poco loco“ das Album abschliesst. Die CD-Ausgabe(n) bieten als halbstündigen Bonus noch zwei Versionen von „Ornithology“ sowie sehr lange von „A Night in Tunisia“ und „Like Someone in Love“. Im direkten Vergleich ist das vielleicht etwas hart, weil Harris einfach alles kann, was Bishop kann, und alles besser kann und kompakter und fokussierter umzusetzen in der Lage ist.
Ich bin damit mit Harris für den Moment durch und „Preminado“ ist nach wie vor mein Lieblingsalbum. Das hier ist mir vielleicht eine Spur zu klassisch, zu ruhig? Allerdings hab ich da auch kein einziges gehört, das ich nicht gut bis sehr gut gefunden hätte, das Niveau ist – ähnlich wie bei Flanagan – durchgängig hoch.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tbaHighlights von Rolling-Stone.de„Bad“ von Michael Jackson: Der König ist gestürzt
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The Monty Alexander Trio – Montreux Alexander: Live! At The Montreux Festival | Nach einer Woche im Ronnie Scott’s in London reiste das Trio mit John Clayton und Jeff Hamilton an den Genfersee. „We were firing on all cylinders; there was a special chemistry and cohesiveness that we shared – it was a special sound we had. I felt that my every musical statement on the piano was lovingly caressed by JC’s bass and „Hammer“ Hamilton would add his sizzling groove“ – so erinnert sich Alexander für die 30th Anniversary Edition von 2007, die 20 Minuten mehr vom Konzert enthält, das am 10. Juli 1976 stattfand. Für MPS produziert hat Willi Fruth, man nutzte die in Montreux zur Verfügung stehende Ausrüstung (aka Mountain Recording Studios – Claude Nobs war ja ein Technik-Fanatiker und hatte immer das Neuste und Beste da), und das ist nicht nur musikalisch phantastisch sondern klingt auch so. Wirklich ein besonderes Dokument. Ahmad Jamals „Night Mist Blues“ setzt den Groove, Alexander irgendwo zwischen Funk und Peterson, manchmal recht nah an Gene Harris, dünkt mich. „Feelings“ (siehe Barbara Carroll oben) und „Satin Doll“ folgen auf der A-Seite, die B-Seite öffnet mit Nat Adderleys „Work Song“ und das Trio ist in the pocket, tief im Two-Beat-Groove, aus dem sich ein dreizehnminütiges Drama entfaltet – und nahtlos geht es weiter mit „I’ll Drown in My Own Tears“ von Henry Glover und danach Alexanders eigenem Arrangement der „Battle Hymn of the Republic“. Als Bonustracks gibt es Richard Evans‘ „Montevideo“, Thom Bell/Linda Creeds „You Make Me Feel Brand New“, nochmal episch mit fast elf Minuten, und zum Abschluss das einzige Original, „That’s the Way It Is“ von Alexander.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
Junior Mance – Holy Mama | Junior Mance war nie wirklich weg – er nahm die Sechziger hindurch für Atlantic auf, zwischendurch und danach auch mal ein Album für Tuba, Milestone, Polydor … erst in den Achtzigern wurde es stiller, da hatte man ja die elegant gekleideten Retro-Leute und brauchte keine Alten mehr, die bloss das hübsche Bild stören würden. 1976 kam Mance allerdings auch in den Genuss einer East Wind-Produktion, auch in den Vanguard Studios in New York eingespielt mit Martin Rivera und Salvatore LaRocca. Das Album ist hauptsächlich funky, aber eher aus seiner Zeit denn vom Funk und Soul Jazz der späten Fünfziger und frühen Sechziger geprägt. Rivera hat einen merklich anderen, viel trockeneren Sound, LaRocca klingt fast etwas giftig, Mance setzt drauf sein fettes Klavier, sehr schön eingefangen. Blues, Riffs, ein souliger Sechser im Titelstück mit Hooks, wie sie Horace Silver nicht besser hingekriegt hätte … als Opener gibt es „By the Time We Get to Phoenix“, direkt danach eine schöne Version von „God Bless the Child“ und mit „That Mellow Feeling“ das erste Mance-Stück. Teil zwei enthält derer drei, nach dem Titelstück unterbrochen vom Mance-Solo „Miss Otis Regrets“ (Cole Porter). Dann folgen „That Good Old Days“ und „Blues for the Schnug“ (wer? was? ein elsässischer Hund?). Das rollt alles mächtig, geht vielleicht nicht besonders tief, aber das muss es auch nicht, denn alles ist da, direkt an der Oberfläche. Wer die Sidemen sind, weiss ich nicht wirklich, bzw. bei Rivera schon, der hat ja Credits bis zurück zu den Jazz Modes 1956, spielte mit Kenny Burrell und bliebe eine Weile bei Mance (das Trio-Album auf Nilva mit Mance und natürlich Alvin Queen würde mich in völliger Unkenntnis auch noch reizen), aber verfolgt habe ich ihn nie. Sein Solo in „The Good Old Days“ ist ziemlich toll. LaRocca hat auf Discogs keinen weiteren Credit, was dann doch etwas verwunderlich ist, denn er spielt hier absolut auf der Höhe. Vielleichtt ist das Album auch etwas besser, weil die drei zwei Tage Zeit im Studio kriegten? (3. und 4. Mai 1976, warum mancherorts steht, das sei ein Live-Album, weiss ich nicht.)
Die grösste Erkenntnis heute ist, wie unterschiedlich selbst diese in so kurzen Zeiträumen entstandenen Japan-Produktionen geraten sind. Anders als später z.B. bei Venus, wo man Balladen/Standards-Alben orderte, scheint man bei East Wind den Musikern recht viel Freiheit gelassen zu haben und so ist eben Bishop im Bebop noir daheim, Sample macht sein elegantes Community-Ding, Mance sein down home Community-Ding, Walton seine zeitlose Eleganz und Matthews … der nutzt einfach die Chance, endlich wieder mal ein Album aufnehmen zu können.
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Joanne Brackeen Trio – Invitation | Runde zwei, am 14. Juli 1976 in Weesp (NL) für Freedom, mit Clint Houston und Billy Hart und ein paar derselben eigenen Stücke im Gepäck wie beim Debut („Six Ate“, „C-Sri“), einem damals beliebten Standard („Invitation“), einem neuen Stück von Wayne Shorter („Iris“), einem neuen eigenen Stück („Echoes“) und einem von Mark Levine („Canyon Lady“). Letzteres ist vielleicht das Highlight hier, überhaupt finde ich das Album tatsächlich besser, es wirkt insgesamt kompakter, klanglich ausgewogener, auch wenn Brackeens Klavier nicht mal so anders wirkt. Vermutlich half es, dass man gerade in der Konstellation mit Stan Getz durch Europa tourte (unter anderem Ronnie Scott’s, Jazzhus Montmartre, Montreux Jazz Festival). Den neuen Bassisten finde ich allerdings keinen Fortschritt: Er hat keinen Wumms und rast oft eher unmotiviert herum, geht gerne in die Höhe bei seinem Walking Bass – und trägt auch keine wirklich überzeugenden Soli bei. Hart ist auf meiner Black Lion CD-Ausgabe leider leise im Mix, aber wie üblich immer interessant. Aber gut, auf jeden Fall interessante Musik und wie gesagt, für meine Ohren trotzdem ein Fortschritt gegenüber dem Debut.
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soulpope "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"Registriert seit: 02.12.2013
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Ronnie Mathews Trio „Hackensack“ (Sound Hills Records) 1995 .. während DIW bezüglich Thema Piano Trio trotz qualitativer Musiker weitgehend aurabefreit agierte, stellt sich bei dieser David Murray (!) Produktion für das japanischen Sound Hills Label im Mai 1994 der Zauber ein …. die Qualität einer Interpretation des Thelonious Monk Songbook ein für mich untrüglicher Maßstab …. und der Pianist mit souligem Ansatz fackelt wahrlich nicht lange herum …. das Gespann Buster Williams (b) + Kenny Washington (dr) hat die passende Erfolgsrezeptur eh im kleinen Finger .. gehört gehört ….
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"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
Kikuchi – PMPendlich wieder am Schreibtisch und bei meiner Musik… ja, da habt ihr recht, das hier ist ein grossartiges Kikuchi Album… irgendwie hatte ich es weniger auf dem Schirm, vielleicht weil Peacock nicht dabei ist, ganz sicher auch, weil ich die CD nicht hab…
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.schön, dass dir das auch so geht – ich habe mit selbst nicht mehr getraut, bevor ich das gestern überprüft habe, aber bin dann doch wieder sofort überzeugt gewesen. cd lohnt sich.




great 3 – begin the beguine, tennessee waltz, straight noch chaser / tethered moon play kurt weill (alles 1994)
togashi, kikuchi & peacock im studio und live (cd und lp haben überschneidungen, alles inkl. bonusmaterial gibt es auf einem box-set, aber box-sets berücksichtige ich hier nicht), große unterschiede, im studio läuft alles gut, togashi ist etwas unpräzise, wird aber mitgenommen; live kommt von ihm dann kaum ein impuls mehr, peacocks ego wächst dagegen so gewaltig, dass er nicht mehr auf den pianisten hört, der zwar sehr schön spielt, aber dessen unvorhersehbare time vielleicht auch irgendwann nervt… nur wenn peacock tatsächlich mal eine bass-linie spielt, kommen sie zusammen, ansonsten finde ich es ganz schön verkrampft.
bei tethered moon ist dagegen alles sofort magisch, bei maximaler reibung, aber vielleicht haben da rudimentäre absprachen geholfen. motian überraschend stark im swing-modus, peacock hört zu und kikuchi erfindet und versenkt sich. kurt weill hilft vielleicht (eher als die folgenden piaf- und puccini-programme) insofern, als dass er nicht per se melodienselig ist, sondern man noch etwas herausarbeiten kann.
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soulpope "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"Registriert seit: 02.12.2013
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John Hicks Trio „Avojca“ (Strata East) 1980 …. im Mai 1975 nimmt sich der Pianist ein Herz und lässt seinen Mitstreitern aka dem enorm dynamisch Bassvirtuosen Clint Houston und flinken Schlagzeuger Cliff Barbaro freien Lauf …. dies wohl Musik welche nicht „überwältigt“ sondern Energie vermittelt …. btw nie war John Hicks noch näher an seinem besten Piano Trio Album wie hier ….
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"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
ibrahim, mclaurine, johnson, yarona (1995)
eine viel zu späte entdeckung, aber besser spät als nie. trotz der hinweise von @gypsy-tail-wind hatte ich das noch nicht mal zur enja-umfrage angeschafft, dann fiel es mir in tokio in die hände. ich weiß nicht, wie man es geschafft hat, dass das sweet basils klingt wie die elbphilharmonie (plus aktiviertem publikum), und ich verbreite als kirchenaustreter auch nicht gerne weihrauch, aber das ist ein heiliges album. so wie ibrahim hier spielt, kann das sonst niemand. und dann hat er noch eine hipster-begleitband, die garantiert auch hiphop gehört hat, weshalb das tatsächlich nach den 90ern klingt. eine lange suite durch das eigene songbook, aber so, dass alles nur angedeutet wird, groovt, schwebt, absinkt. really deep shit. klingt fast auskomponiert, aber am ende zählt halt doch, wie das abgleiten in die tiefen tasten und dazu der besen auf dem ridebecken in diesem raum in diesem moment klingen. und mein verstärker sagt: nie mehr außer reichweite legen. top 10.
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Freddie Redd – Straight Ahead!dem Bassisten zum Trost für den schrecklichen Sound eine Tüte Gummibärchen bis nach Amerika schicken, das wäre durchaus gerechtfertigt… Henry Skipper Franklin ist vielleicht sogar noch am Leben… aber mit etwas Glück darüber hinweggekommen, wie man ihn hier hat klingen lassen… Carl Burnett (dr) hält sich zurück… natürlich ist hier nicht alles schlecht dran, aber ich werd es wohl erst wieder hören, wenn wir eine Freddie Fredd Umfrage machen.
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.redbeansandriceich werd es wohl erst wieder hören, wenn wir eine Freddie Redd Umfrage machen.
ich mach mit!
zum ausklang:

the necks mit dem umfrage-thema (1996).
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ich hab mich in das Redd Album jetzt tatsächlich doch irgendwie reingehört… aber Redd ist tatsächlich kein schlechtes Thema…. auf youtube gibt es ein tolles Gespräch zwischen AJ Albany und Flea, über die Junkie Bebop Pianisten im jeweiligen Haushalt (Joe Albany vs Redd, beide natürlich nur im Haushalt wenn sie da waren, und Redd quasi als Gast des Stiefvaters), wie die zwei endlose Stunden am Klavier sassen und übten, nächtelang und dabei ketterauchend…
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.Redd Top 1?
Die Zeilen zu „Yarona“ lese ich natürlich sehr gerne! Bei mir ist das gesetzt.
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Ja, glaub schon – aber das hab ich leider noch nicht physisch auftreiben können… 20 sind einfach zu wenig, vielleicht käme es rein, wenn wir das ganze in 10 oder 15 Jahren nochmal machen. Aktuell sind The Necks bei mir noch sowas unfassend Rauschhaftes, da konnte sich noch nichts setzen.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba -
Schlagwörter: Jazz, Piano, Piano Trio
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