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Junior Mance – Holy Mama | Junior Mance war nie wirklich weg – er nahm die Sechziger hindurch für Atlantic auf, zwischendurch und danach auch mal ein Album für Tuba, Milestone, Polydor … erst in den Achtzigern wurde es stiller, da hatte man ja die elegant gekleideten Retro-Leute und brauchte keine Alten mehr, die bloss das hübsche Bild stören würden. 1976 kam Mance allerdings auch in den Genuss einer East Wind-Produktion, auch in den Vanguard Studios in New York eingespielt mit Martin Rivera und Salvatore LaRocca. Das Album ist hauptsächlich funky, aber eher aus seiner Zeit denn vom Funk und Soul Jazz der späten Fünfziger und frühen Sechziger geprägt. Rivera hat einen merklich anderen, viel trockeneren Sound, LaRocca klingt fast etwas giftig, Mance setzt drauf sein fettes Klavier, sehr schön eingefangen. Blues, Riffs, ein souliger Sechser im Titelstück mit Hooks, wie sie Horace Silver nicht besser hingekriegt hätte … als Opener gibt es „By the Time We Get to Phoenix“, direkt danach eine schöne Version von „God Bless the Child“ und mit „That Mellow Feeling“ das erste Mance-Stück. Teil zwei enthält derer drei, nach dem Titelstück unterbrochen vom Mance-Solo „Miss Otis Regrets“ (Cole Porter). Dann folgen „That Good Old Days“ und „Blues for the Schnug“ (wer? was? ein elsässischer Hund?). Das rollt alles mächtig, geht vielleicht nicht besonders tief, aber das muss es auch nicht, denn alles ist da, direkt an der Oberfläche. Wer die Sidemen sind, weiss ich nicht wirklich, bzw. bei Rivera schon, der hat ja Credits bis zurück zu den Jazz Modes 1956, spielte mit Kenny Burrell und bliebe eine Weile bei Mance (das Trio-Album auf Nilva mit Mance und natürlich Alvin Queen würde mich in völliger Unkenntnis auch noch reizen), aber verfolgt habe ich ihn nie. Sein Solo in „The Good Old Days“ ist ziemlich toll. LaRocca hat auf Discogs keinen weiteren Credit, was dann doch etwas verwunderlich ist, denn er spielt hier absolut auf der Höhe. Vielleichtt ist das Album auch etwas besser, weil die drei zwei Tage Zeit im Studio kriegten? (3. und 4. Mai 1976, warum mancherorts steht, das sei ein Live-Album, weiss ich nicht.)
Die grösste Erkenntnis heute ist, wie unterschiedlich selbst diese in so kurzen Zeiträumen entstandenen Japan-Produktionen geraten sind. Anders als später z.B. bei Venus, wo man Balladen/Standards-Alben orderte, scheint man bei East Wind den Musikern recht viel Freiheit gelassen zu haben und so ist eben Bishop im Bebop noir daheim, Sample macht sein elegantes Community-Ding, Mance sein down home Community-Ding, Walton seine zeitlose Eleganz und Matthews … der nutzt einfach die Chance, endlich wieder mal ein Album aufnehmen zu können.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba