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soulpope "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"Registriert seit: 02.12.2013
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gypsy-tail-wind
Don Friedman Trio – Flashback | Neues Jahr, neues Trio – Plaza Sound im Mai 1963, Riverside natürlich, Friedman mit Dick Kniss (b) und Dick Berk (d) und zum Einstieg ins Album ein Bass-Intro, das erst allmählich den gespielten Song, „Alone Together“, offenbart. Dann mittelschnelles Tempo mit einem Groove à la Miles Davis Quintet von vor ein paar Jahren. Doch dann ein Wechsel: „Ballade in C-sharp minor“ nennt Friedman sein erstes Original hier – und das ist ein klasse Stück, auch wieder mit präsentem Bass – Kniss nahm hauptsächlich mit Peter, Paul & Mary und John Denver auf – interessant, dass der sich hier so hervorragend macht ! In der Tat, ein „missing link“ (wurde in der Folge der Hausbassist von John Denver) …. und „Flashback“ in der Kombo mit Dick Berk ein sehr hörenswertes Album …
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beirach, mraz, dejohnette, elm (1979)
das ist für mich ein ewiges heiß-kalt-album. der lange opener gehört für mich zum besten, was ich in dieser zeit an klaviertriojazz gehört habe – mit der großartigen entwicklung, dass dejohnette quasi nach dem ende einfach im pianissimo weiterspielt und sich das stück noch mal neu aufbaut. danach kommen zwei gefühlige filler, die für mich nirgendwo hingehen. der „snow leopard“ ist dann die große dejohnette-show, bei der ich mir fast etwas gegengewicht wünsche. das titelstück ist dann wieder sehr schön, einfach eine gute, komplexe komposition, in die viel können und überlegung reingeflossen ist.
und damit sind die heißkalten 70er zuende, mit (lediglich) masahiko sato, mary lou williams und sun ra als top20-kandidaten.
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The Charles Bell Trio in Concert | Charles Bell nahm ein paar Jahre davor zwei Alben mit dem Contemporary Jazz Quartet (mit Bill Smith an der Gitarre, Allen Blairman am Schlagzeug und auf dem zweiten Album von 1962 Ron Carter am Bass) auf, die ich noch nicht kenne (eins ohne Titel für Columbia und „Another Dimension“ für Atlantic) … aber auf der Fresh Sound Doppel-CD, auf der sie wieder aufgelegt wurden, ist auch noch dieses Trio-Album zu finden, aufgenommen live am 9. November 1963 in der Carnegie Lecture Hall in Pittsburgh, Bells Heimatstadt. Tommy Sewell (b) und William Harris (d) sind dabei (keine weiteren Credits bei Discogs), der Klang der Ausgabe lässt zu wünschen übrig, aber vermutlich klang dieser Mitschnitt von Anfang an nie gut (man hört auch mal wen husten, der vermutlich nah beim einen (?) Mikrophon sitzt). Bell hatte 1960 einen Wettbewerb gewonnen, bei dem es als Preis eine Album-Einspielung für Columbia und einen Gig im Birdland gab. Down Beat gab der Platte fünf Sterne. Bell spielte 1962 in Washington und wurde nach Helsinki eingeladen. Im selben Jahr führte auch die Pittsburgh Symphony unter William Steinberg sein Concerto No. 1 für Jazzquartett und Symphonieorchester auf. Auch im Trio bewegt die Musik zwischen Komposition und Improvisation, einiges wirkt vollständig ausgearbeitet oder zumindest im Voraus konzipiert, anderes sehr spontan. Der Flow des Sets ist toll, das Trio versteht sich gut und wechselt auch mal mittendrin das Tempo. Die Aufstellung mit Pianist und Begleitern bleibt aber recht konventionell. Es gibt Jazz-Tunes von Miles Davis („Prancing“ aka „No Blues“), Nat Adderley („Work Song“), Benny Golson („Whisper Not“ – zu einer semi-klassischen Mini-Suite verarbeitet und kaum wiederzuerkennen) und Paul Demond („Take Five“, der Closer), zwei eigene Stücke („Tommy’s Blues“ vom Bassisten und „Memories of Home“ von Bell) und zwei Standards, den Opener „On Green Dolphin Street“ und „Summertime“. In den komponierten Passagen kippt das manchmal etwas in Süssliche, da drücken die Third-Stream-Elemente zu sehr durch. Anderswo wird das Brubeck-mässig massiv. Aber unterm Strich finde ich das alles ziemlich charmant.
Als Bonus packte Fresh Sound noch zwei Stücke von 1965 drauf, auch live in Pittsburgh im Trio, mit Larry Gales und Ben Riley beim Piano Jazz Workshop im Rahmen des Pittsburgh Jazz Festival. „Whisper Not“ erschien auf der RCA-Platte „The Jazz Piano“, die diesen Workshop dokumentierte, Toots Thielemans „Bluesette“ folgte 2007 auf dem CD-Reissue von Mosaic in dessen Singles-Reihe, wo Fresh Sound sind vermutlich bedient hat. Die FSR Doppel-CD von 2013 enthält dann wohl den gesamten Output von Bell (bei Discogs ist noch was aktuelles dabei, eine falsche Verlinkung wohl). Und ja, Bell ist der Vater vom Drummer Charles „Poogie“ Bell.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
JUNIOR MANCE HIS PIANO AND TRIO AND THE BOB BAIN BRASS ENSEMBLE – get ready, set, jump!!!
Ein Piano Trio aufgemotzt mit einem Brass Ensemble und in Stereo, für eine Umfrage kommt das nicht in Frage, aber tatsächlich höre ich es sehr gerne. Es gibt einige Alben mit Brass Ensembles (Jackie Davis, Budd Johnson, James Moody)…das Mance Album hätte auch eine Idee von Quincy Jones, Jimmy Heath oder Johnny Pate sein können. Die Band/Musik höre ich fast mehr bei Basie (nicht ausschließlich), Shelly Manne an den Drums ist ein Plus, obwohl viele ihn wohl lieber mit kleinen Gruppen hören (sein Gershwin Album ist ähnlich gut). Ansonsten sehr gute Stücke (Moten Swing, „D“ Waltz von Jimmy Heath, Nat Adderley, September Song). Schon eher Mainstream, es könnte ein Soundtrack (romantische Komödie, Drama…) sein und es hat aber viele schöne Details, die Spaß machen.
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hill, silva, waits, strange serenade (1980)
2 trioalben von hill aus den 70ern habe ich nicht nochmal gehört, auch dieses ist nicht existenziell, aber natürlich interessant. wenig kommunikation, hill und silva gehen eigene wege, waits wirkt etwas hilflos, aber entspannt. am ende entschließt er sich einfach für einen autarken, durchgehenden swing, das passt auch irgendwie. dazwischen ist viel dekonstruktion, silva hat längere streichpassagen, die ziemlich abstrakt wirken, von kompositionen kann man eigentlich nicht sprechen, mir scheint das eher ein loser jam zu sein, bei dem ein bisschen ausgeblendet wird, dass man nicht allein ist, weil man weiß, dass irgendwas schon zusammenfließen wird. hill führt in den 70ern und 80ern eine art schattenexistenz, unterrichtet an der westküste, tritt ab und zu auf, die blue-note-alben sind ziemlich vergessen, bis sie ende der 80er wiederentdeckt werden, er einen neuen vertrag dort bekommt und plötzlich mit leuten aus dem m-base-umfeld spielt.
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Bill Evans – Trio 64 | Ende 1963 war Gary Peacock kurz im Trio von Evans – und Paul Motian zurück. Im Booklet der Complete Verve-Box gibt es zwei Gesprächsrunden, denen dieselben Stücke vorgespielt werden. Von „Trio 64“ gibt es „Santa Claus Is Coming to Town“ und Peacock und Motian erzählen ihre Erinnerungen:
MOTIAN: What he did at the end of that tune – he never talked about that kind of stuff, it just happened automatically. A lot of the tunes that he played after I [stopped playing] with him, those tunes became arrangements. But we didn’t say, „Well, let’s do“ this or that. Not very much, [anyway].
[MARC] JOHNSON: And would the endings change from night to night?
MOTIAN: Once we got into a certain ending, we would probably keep doing it.
PEACOCK: The circumstances [of this date] were unbelievable. Creed Taylor had come down to the [Village] Vanguard, and he’d heard us playing, so he knew exactly what we were about, what we were doing. We got into the studio, and we played a little bit to get a sound level. We were listening to it back in the booth and I said, „Wow, that sounds great, man, let’s go.“ Creed Taylor said, „Ah, hmm,“ and I said, „What’s wrong?“ and he said, „Well, you know, I don’t really hear you playing the time.“ I thought he was joking. I couldn’t believe he was serious, but [he continued], „I want you to play more time.“ And I said, „Why?“
I mean, I ended up laying time, but he wanted more straight quarter-note beats. And he also, before I played a solo, he wanted it to be in time, floating in bebop time or something.
But he kept after me, so finally we had a little tiff about it. I just said, „I’m gonna do what I’m gonna do, and if you don’t like it tell me to leave – but just stay away.“ And Bill was having problems with listening to all that, so he was leaving.
But the one that go me, [Taylor] came out and took the tom-tom away. If you listen to this track, it has no tom-tom on it.
MOTIAN: He did? I don’t remember that.
PEACOCK: He took your drum away because they couldn’t get a good sound on it. That’s when I went ballistic.
MOTIAN: The vibe on that date was awful.
PEACOCK: It was the worst vibe I ever heard.
MOTIAN: I just wanted to finish the date. We said, „Let’s get this over with, man, let’s finish this date and get the fuck out of here. Let’s do what we have to do and leave.“
PEACOCK: In that particular track, the aspect of Bill’s playing that’s just absolutely uncanny is his ability to hear long spans of time. No matter what’s going on rhythmically or whatever’s going on underneath that, to hear not just two bars but sections … whole metric sections … because when he came back in he came to exactly where it was supposed to be.
When I first heard this [played] back, I said, „Jeez, guys, what are you doing? You sound like you’re all over the place.“ When I look back at the date, I knew exactly where I was all the time, and when I thought about it later, I thought that Bill could literally hear all that. A lot of pianist I’ve worked with would get lost [when I did] do anything like that, but his [ability] tl hear time, not just in a pulse form or in four bars, but in whole sections – it’s unbelievable.
[ELIOT] ZIGMUND: How do you feel about the record now when you go back and listen to it?
PEACOCK: Well, it took me a long time before I could listen to it.
ZIGMUND: I think it’s great. When I was growing up, man, it was one of the hippest.
PEACOCK: Anyone who does a record has a lot of problems listening to himself, but there’s still a part of me that feels, „Well, we did the best we could do.“ But it was so far below what we had been doing up to that point in clubs, just in terms of all of us playing together.
Was will man dazu sagen? Natürlich, dass es toll wäre, die Fliege an der Wand zu sein im Vanguard, ein paar Wochen vor dieser Session, die am 18. Dezember 1963 in der Webster Hall stattfand. Aber auch so ist das eine sehr tolle Aufnahme geworden. Ständig passieren Dinge, die man nicht erwartet. Motian hat seine Spielweise gefunden, klingt leicht und hell (klar, er hat ja kein Tom-Tom), Peacock seinerseits ist umwerfend, spielt wuchtig und doch enorm beweglich, grundiert und begleitet, soliert und kommentiert stets simultan, und da kriegt man auf jeden Fall eine gute Vorstellung davon, was das Trio anstellen konnte, wenn es im Club entfesselt war.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tbakrass, das wusste ich alles gar nicht, hatte nur irgendwo abgespeichert, dass die session nicht ideal verlaufen war.
kann ein bisschen anschließen:

peacock, lande, zigmund, shift in the wind (1980)
new york im februar 1980, bill evans ist seit 5 monaten tot, peacock darf alben für ecm aufnehmen, hier sein zweites klaviertrio, mit evans-drummer zigmund und art lande, den ich ja irgendwie sehr mag. das ist ein tolles album aus einem guss, zwischen sehr freien kollektivimprovisationen (sowas kann zigmund auch) und schönen kompositionsgerüsten, aus denen peacock und lande sehr unterschiedliche dinge machen, ohne einen hauch generisch zu werden. das ist feinfühlig und dabei völlig unkitschig, zwischendurch auch frei, und im vorletzten stück geht auch mal die post ab. gut produziert, der sound ist gut, der mix ist besser, da passt sehr viel zusammen. vielleicht hätte sich nur frau wojirsch für ein motiv aus der serie entscheiden sollen. (und zigmunds vorname ist falsch geschrieben.)
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Hampton Hawes – The Green Leaves of Summer | Ich kann es nicht ändern, im ersten Stück, „Vierd Blues“, macht mich die Rhythmik ständig nervös, irgendwas passt nicht. Montgomery rennt davon, Ellington und Hawes finden sich zwar, aber irgendwie ist das alles nie zusammen … und Hawes finde ich hier halt auch nicht super. Er hat knapp zwei Ideen im Solo und was er mit ihnen anstellt, wirkt recht einfallslos – wäre da nicht Steve Ellington, wäre nicht viel los. Und dann das Bass-„Solo“, einfach weiter walken – im Februar 1964, bei all dem, was rundherum los ist. Und gut klingen tut das (in der OJCCD von 1990) gerade im Vergleich mit „Trio 64“ (aus der CD-Box mit Evans Verve-Aufnahmen von 1997) auch nicht. Aber gut, nach dem Opener kann es nur besser werden, und das tut es auch, Hawes langes Solo-Intro zum Titelstück ist super, der Einstieg der Rhythmusgruppe gelingt dann zum Glück auch, die drei finden sich, Montgomery fällt nur selten halb zum Beat raus und findet gleich wieder rein (ist ja ein 3/4, uff) – und Hawes ist jetzt wirklich super, auch wenn er im Trio wieder nur ein Riff verschiebt und das ganze zwischendurch fast in eine Art beschaulichen Third-Stream-Groove fällt – das konnte er ja und das ist auch nichts, womit ich generell mühe hätte, absolut nicht … einfach nicht im Opener hier, den ich ihn wohl künftig überspringen sollte. „Ill Wind“ geht ebenfalls solo los, und wird dann mittelschnell und zwischendurch funky im Trio, bevor die drei zum langsamen Tempo zurückkehren – und hier passt für mich dann auch alles. Dann Calypso mit „St. Thomas“, dem Traditional, den Sonny Rollins in den Jazz einführte. Hawes phrasiert das etwas verschleppt, was ich nicht die beste Idee finde, aber Ellington trommelt einen tollen Beat, und Hawes findet einen superben Einstieg ins Solo, während Montgomery grad so knapp mithalten kann (er hat mehr Mühe, wenn er einfach in Zwei spielt, als wenn er das kleine Riff spielen soll, das immer wiederkehrt).
„Secret Love“ ist ein Lieblingsstück und da passt der Groove zum Einstieg in die zweite Hälfte. Montgomery wieder in Zwei, Ellington mit den Besen und in der Bridge und dann als das Thema durch ist mit Sticks. Er klingt wirklich gut, streut kleine Fills ein, da ein kurzer Roll, dort ein paar Extra-Schläge, vornehmlich auf der Snare – aber sein Ride ist doch recht monoton. Montgomery spielt dafür ein gutes Solo und das Stück ist wirklich gelungen, finde ich. Hawes‘ Stimme, die man hier nicht zum ersten Mal hört, scheint (vom Stereo-Bild her) nicht von den Piano-Mikros eingefangen sondern von anderswo im Raum zu kommen – vielleicht von einem Overhead-Mikro bei den Drums? Auch „Blue Skies“ ist ein Song, den ich sehr mag – und auch der funktioniert hier prächtig – wieder fast klassische Klänge vom Klavier, zwischendurch ein Orgelpunkt vom Bass, Besen von den Drums – und da finden die drei auch Anschluss ans Geschehen rundherum. Hawes klingt im Intro sehr offen, zitiert noch kurz „Fran Dance“, bevor er wieder mit fast klassischen Passagen erstmals zum Thema überleitet, dann Arpeggien reiht und mit einer kurzen Verschnaufpause den Auftakt für die anderen zwei gibt. Mit dem Thema von Irving Berlin springt Hawes dann frei um, schmückt es aus, wandelt es ab – und respektiert es dennoch. Der Groove von Bass und Drums wirkt fast wie Art Stop-and-Go, obwohl sie ständig durchspielen. Montgomery hat jedenfalls hier seine Rolle wirklich gefunden und weiss sich im Geschehen hervorragend zu behaupten. Eine eigenwillige Version von „The More I See You“ folgt – und ja, auch wieder toll, auch alles gut hier (vielleicht wieder vom Ride-Becken abgesehen – hat Lester Koenig auch ein Metronom bestellt, und es im Gegensatz zu Creed Taylor mit Peacock/Motian gekriegt?). Hawes entlockt dem Stück tolle Ideen und wird zwischendurch fast bluesig und ziemlich funky, lässt dabei aber ständig das Thema durchschimmern – toll. Schön auch der Übergang zurück zum Thema, von Ellington total unkonventionell gestaltet. Als Closer dann nochmal ein Blues, dieses Mal von Hawes (sein einziges Original hier) – und ich frage mich, ob ich besser vorher ausschalte, wo die drei Stücke davor so wunderbar sind? Wäre vielleicht besser gewesen. Auch wenn ich das Stück deutlich lieber mag als den Opener, juckt es mich hier wieder. Hawes spielt aber ein tolles Solo hier, mit ein paar fast schon wagemutigen Einfällen, kollabierenden Linien, in denen einfach mal ein Beat verschluckt wird … er ist zurück und das ist natürlich toll!
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
petrucciani, jenny-clark, romano, michel petruccciani (1981)
mein einziges petrucciani-album, sein zweites, da ist er gerade mal 18, von seinem mentor romano nach paris entführt. er klingt durchaus reif hier, ein bisschen angeberisch vielleicht (er will schon zeigen, wie schnell er „cherokee“ spielen kann), aber ich höre hier nicht so viel nachgemachtes (angeblich großer evans-einfluss, ich höre eher hancock), sondern schöne, ziemlich eigene entscheidungen – z.b. das äußerst langsame tempo von „days of wine and roses“. auch die beiden eigenen kompositionen sind komplex. fan werde ich trotzdem nie.
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Denny Zeitlin – Cathexis | Es ist schon irre, wie viel das Klavier-Trio als Format her gibt, welch unterschiedliche Ansätze es zu jedem Zeitpunkt ab den mittleren Fünfzigern oder so gegeben hat! Denny Zeitlin habe ich tatsächlich durch das Mosaic Select 3-CD von 2009 entdeckt, in dem Mosaic seine Studio-Aufnahmen für Columbia sammelte (und wie bei Clare Fischer im „Pacific Jazz Piano Trios“ Select fanden sich auch hier ein paar Extras, dafür war kein Platz für das Live-Album aus dem Trident). Nach einem Album mit dem Flötisten Jeremy Steig (beider Debut, von Jonathan Horwich auf seinem Kleinstlabel auf CD wieder aufgelegt und auch sehr gut) ist „Cathexis“ das erste von insgesamt vier Trio-Alben, die Zeitlin Mitte der Sechziger einspielte, alle für Columbia und alle mit exzellenten Sidemen. Bei den zwei „Cathexis“-Sessions im Februar und März 1964 sind das Cecil McBee und Freddie Waits. Dem Fazit „ein bisschen überdreht, das ganze“ von @vorgarten kann ich mich anschliessen – mir geht es ähnlich: ich finde das sehr frisch, oft spritzig, manchmal etwas zu viel, aber immer hörenswert – und bin am Ende auch nicht begeistert davon, höre aber mit grossem Interesse zu. Kühler als Don Friedman wirkt das auf mich, aber packender als Clare Fischer … ich bin jetzt auf das offizielle Trio-Debut von Steve Kuhn gespannt – doch bis dahin dauert es noch etwas, denn 1964/65 ist mehr los als 1963 (oder: mehr, was mir vorliegt und ich wieder anhören möchte), wo ich grad im Eiltempo durch bin. Ob das Material ein Grund ist, dass die Begeisterung sich nicht ganz einstellen will? Die meisten Stücke sind so um die fünf Minuten lang, am Ende steht die viertelstündige Suite in drei Teilen, „Blue Phoenix“, davor gibt es schon fünf weitere Zeitlin-Stücke („Repeat“, der Opener, ist wirklich toll, auch da bin ich ganz bei vorgarten), dazwischen aber auch eine eigenwillige Version von „Soon“ von Gershwin (mit neuen Changes), Monks „‚Round Midnight“ (hier gibt’s ein Aufatmen – und tollen McBee) und „Nica’s Tempo“ von Gigi Gryce (mit freiem Intro und auch starkem McBee). In der dreiteiligen Suite höre ich vor allem im sehr schönen letzten Teil Anklänge an Herbie Hancock. Das Album hat ordentlich Überlänge (53 Minuten) – und als Bonus hat Mosaic noch Horace Silvers „Nica’s Dream“ und Zeitlins „Requiem for Lili“ (ein Trauerlied für Lili Boulanger) ausgegraben. Alles etwas viel – als breche da die ganze Kreativität aufs Mal heraus. Und so gut kann sie nicht immer kanalisiert werden, dünkt mich.

Denny Zeitlin mit Cecil McBee und Freddie Waits im 30th Street Studio von Columbia, während einer der „Cathexis“-Sessions
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
takase, ino, moriyama, song of hope (1981)
eine solche attacke am klavier habe ich jetzt auch schon lange nicht mehr gehört. natürlich kapiert man, dass yosuke yamashita ihr lehrer war, aber vor allem im solostück verbindet sie alte jazzklaviertechniken (bass in der linken hand) mit free-kaskaden und plötzlichen reflektierenden passagen, dass ich eher an geri allen oder jason moran denke. alles ist sehr überzeugend hier, im grunde ein kompletter festivalauftritt in vier sehr unterschiedlichen stücken, clever programmiert, z.t. hatte horst weber schon eine wunschliste geschrieben. sehr toll, was sie aus der pharoah-sanders-figur herausholt, die sie immer leise mitsingt. nach wie vor große entdeckung aus dem enja-thread.
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gypsy-tail-windAlles etwas viel – als breche da die ganze Kreativität aufs Mal heraus. Und so gut kann sie nicht immer kanalisiert werden, dünkt mich.
der eindruck hat sich leider auch bei den folgealben bestätigt. ein bisschen hängen geblieben ist ZEITGEIST.
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Takase ist eine Entdeckung aus der Enja-Strecke! Neben Masahiko Sato in Sachen Klaviertrios meine grösste, glaub ich?
Bei mir jetzt ein anderer Kalifornier:

Jack Wilson with Philly Joe Jones & Leroy Vinnegar – The Two Sides of Jack Wilson | Das Label von der anderen Küste, Atlantic Records, nahm die ersten paar Alben von Wilson auf, bevor der für Blue Note das hervorragende „Something Personal“ einspielte, das einst eine unerwartete Entdeckung für mich war. Im Trio spielte Wilson nicht oft, bei dem Debut hatte er Roy Ayers dabei, bei Blue Note ebenso (und zudem Ray Brown auch mal am Cello und dafür einen Extra-Bassisten). Aber für seinen Zweitling wurde Wilson im Mi 1964 mit Leroy Vinnegar und Philly Joe Jones eine exzellente Rhythmusgruppe beigestellt. Die Aufnahme entstand in Los Angeles (Produzent war ein gewisser Jack Lewerke) und stellt Wilson auf der A-Seite mit Jazz-Tunes und zwei Originals und auf der B-Seite mit Pop-Songs vor. Los geht es mit Tadd Dameron („The Scene Is Clean“) und Bud Powell („Glass Enclosure“), dann folgen die eigenen „Good Time Joe“ und „Kinta“. Wilson erweist sich immer wieder als hochvirtuoser Pianist, weiss seine Technik aber die meiste Zeit musikalisch einzusetzen. Die Rollenverteilung ist recht konventionell (bei Atlantic erwartet man ja auch nichts anderes, oder?), die Begleiter allerdings hellwach und hervorragend aufgelegt.
Auf Seite 2 dann die Pop-Songs, drei ziemlich neue, ein etwas älterer. Los geht es mit „Once Upon a Summertime“ und einem flirrenden Piano-Intro, fast klassisch wird es im Übergang vom Intro zum Thema stellenweise mit zwei Melodien parallel. Das ist getragen, wird aber sehr intensiv, Jones punktiert ungewöhnlich, während auf Vinnegar jeden Moment Verlass ist. Noch jünger ist „Sometime Ago“ von Sergio Mihanovich – sofern ich dem Netz da trauen kann, erstmals 1963 vom Art Farmer Quartet (auch für Atlantic) eingespielt. Ein entspannter Walzer, in dem Wilson die Temperatur für einmal nicht bis zum Siedepunkt steigen lässt. Jones tanzt zurückhaltend an den Besen, Vinnegars Walking Bass könnte bei lautem Hören die Boxen beschädigen (auch eine Atlantic-Eigenheit, dass die Aufnahmen dem Bass ehr viel Gewicht geben, dünkt mich?). Sacha Distels „The Good Life“ ist ein Jahr älter, von 1962, aber schon auf dem Weg zum Klassiker – Wilson findet nicht nur hier schöne Voicings, sein sehr farbenreiches Klavierspiel ist überhaupt toll abgebildet (Howard Holzer ist der Tonmeister, war bei Capitol bis ihn 1956 oder 1957 sein Ex-Kollege Roy DuNann auch zu Contemporary lockte, leitete später eine eigene Audio-Firma und arbeitet auch für A&M … ob die Session im Contemporary-Studio oder sonstwo in L.A. abgehalten wurde, weiss ich leider nicht). Als Closer gibt es dann den einen etwas älteren Song, „The End of a Love Affair“ von 1951. Da dreht Wilson in seinem Intro schon wieder ziemlich auf – aber das mag es leiden, da die ganze B-Seite fast als eine Art Balladen-Medley daherkommt … vielleicht hätte man das Album etwas anders programmieren können. Die Liner Notes sind überall zu klein, als dass ich gucken könnte, ob dazu was drin steht (Leonard Feather hat sie geschrieben) – ich hab die Japan-CD von 2012, wo es sie einfach im Kleinformat gibt. Trotz der stellenweise überbordenden Virtuosität des Leaders ein schönes Album, das ich noch gar nie so richtig angehört habe – jedenfalls noch nie mit der gebürhenden Aufmerksamkeit.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tbaLiebe Leute (vor allem gypsy und vorgarten),
ich finde das super, was ihr hier macht.
Ich kann aber nicht so schnell folgen.Ihr beiden seid vor allem der Grund,
warum ich hier einschalte.Aber das hier geht mir zu schnell.
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Free Jazz doesn't seem to care about getting paid, it sounds like truth. (Henry Rollins, Jan. 2013)Tolle Posts mal wieder, ja! Das Hawes Album hör ich fast immer ab dem zweiten Track… Und ja, ich kann sehen, warum das in mancher Hinsicht die Disqualifikation für solche Spiele ist… Wegen Wilson: hatten wir den nicht oben im Thread schon mit was aus seiner Chicagoer Phase? (Richard Evans? Wenn ich bei Discogs so gucke…)
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Schlagwörter: Jazz, Piano, Piano Trio
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