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Denny Zeitlin – Cathexis | Es ist schon irre, wie viel das Klavier-Trio als Format her gibt, welch unterschiedliche Ansätze es zu jedem Zeitpunkt ab den mittleren Fünfzigern oder so gegeben hat! Denny Zeitlin habe ich tatsächlich durch das Mosaic Select 3-CD von 2009 entdeckt, in dem Mosaic seine Studio-Aufnahmen für Columbia sammelte (und wie bei Clare Fischer im „Pacific Jazz Piano Trios“ Select fanden sich auch hier ein paar Extras, dafür war kein Platz für das Live-Album aus dem Trident). Nach einem Album mit dem Flötisten Jeremy Steig (beider Debut, von Jonathan Horwich auf seinem Kleinstlabel auf CD wieder aufgelegt und auch sehr gut) ist „Cathexis“ das erste von insgesamt vier Trio-Alben, die Zeitlin Mitte der Sechziger einspielte, alle für Columbia und alle mit exzellenten Sidemen. Bei den zwei „Cathexis“-Sessions im Februar und März 1964 sind das Cecil McBee und Freddie Waits. Dem Fazit „ein bisschen überdreht, das ganze“ von @vorgarten kann ich mich anschliessen – mir geht es ähnlich: ich finde das sehr frisch, oft spritzig, manchmal etwas zu viel, aber immer hörenswert – und bin am Ende auch nicht begeistert davon, höre aber mit grossem Interesse zu. Kühler als Don Friedman wirkt das auf mich, aber packender als Clare Fischer … ich bin jetzt auf das offizielle Trio-Debut von Steve Kuhn gespannt – doch bis dahin dauert es noch etwas, denn 1964/65 ist mehr los als 1963 (oder: mehr, was mir vorliegt und ich wieder anhören möchte), wo ich grad im Eiltempo durch bin. Ob das Material ein Grund ist, dass die Begeisterung sich nicht ganz einstellen will? Die meisten Stücke sind so um die fünf Minuten lang, am Ende steht die viertelstündige Suite in drei Teilen, „Blue Phoenix“, davor gibt es schon fünf weitere Zeitlin-Stücke („Repeat“, der Opener, ist wirklich toll, auch da bin ich ganz bei vorgarten), dazwischen aber auch eine eigenwillige Version von „Soon“ von Gershwin (mit neuen Changes), Monks „‚Round Midnight“ (hier gibt’s ein Aufatmen – und tollen McBee) und „Nica’s Tempo“ von Gigi Gryce (mit freiem Intro und auch starkem McBee). In der dreiteiligen Suite höre ich vor allem im sehr schönen letzten Teil Anklänge an Herbie Hancock. Das Album hat ordentlich Überlänge (53 Minuten) – und als Bonus hat Mosaic noch Horace Silvers „Nica’s Dream“ und Zeitlins „Requiem for Lili“ (ein Trauerlied für Lili Boulanger) ausgegraben. Alles etwas viel – als breche da die ganze Kreativität aufs Mal heraus. Und so gut kann sie nicht immer kanalisiert werden, dünkt mich.

Denny Zeitlin mit Cecil McBee und Freddie Waits im 30th Street Studio von Columbia, während einer der „Cathexis“-Sessions
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba