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The Charles Bell Trio in Concert | Charles Bell nahm ein paar Jahre davor zwei Alben mit dem Contemporary Jazz Quartet (mit Bill Smith an der Gitarre, Allen Blairman am Schlagzeug und auf dem zweiten Album von 1962 Ron Carter am Bass) auf, die ich noch nicht kenne (eins ohne Titel für Columbia und „Another Dimension“ für Atlantic) … aber auf der Fresh Sound Doppel-CD, auf der sie wieder aufgelegt wurden, ist auch noch dieses Trio-Album zu finden, aufgenommen live am 9. November 1963 in der Carnegie Lecture Hall in Pittsburgh, Bells Heimatstadt. Tommy Sewell (b) und William Harris (d) sind dabei (keine weiteren Credits bei Discogs), der Klang der Ausgabe lässt zu wünschen übrig, aber vermutlich klang dieser Mitschnitt von Anfang an nie gut (man hört auch mal wen husten, der vermutlich nah beim einen (?) Mikrophon sitzt). Bell hatte 1960 einen Wettbewerb gewonnen, bei dem es als Preis eine Album-Einspielung für Columbia und einen Gig im Birdland gab. Down Beat gab der Platte fünf Sterne. Bell spielte 1962 in Washington und wurde nach Helsinki eingeladen. Im selben Jahr führte auch die Pittsburgh Symphony unter William Steinberg sein Concerto No. 1 für Jazzquartett und Symphonieorchester auf. Auch im Trio bewegt die Musik zwischen Komposition und Improvisation, einiges wirkt vollständig ausgearbeitet oder zumindest im Voraus konzipiert, anderes sehr spontan. Der Flow des Sets ist toll, das Trio versteht sich gut und wechselt auch mal mittendrin das Tempo. Die Aufstellung mit Pianist und Begleitern bleibt aber recht konventionell. Es gibt Jazz-Tunes von Miles Davis („Prancing“ aka „No Blues“), Nat Adderley („Work Song“), Benny Golson („Whisper Not“ – zu einer semi-klassischen Mini-Suite verarbeitet und kaum wiederzuerkennen) und Paul Demond („Take Five“, der Closer), zwei eigene Stücke („Tommy’s Blues“ vom Bassisten und „Memories of Home“ von Bell) und zwei Standards, den Opener „On Green Dolphin Street“ und „Summertime“. In den komponierten Passagen kippt das manchmal etwas in Süssliche, da drücken die Third-Stream-Elemente zu sehr durch. Anderswo wird das Brubeck-mässig massiv. Aber unterm Strich finde ich das alles ziemlich charmant.
Als Bonus packte Fresh Sound noch zwei Stücke von 1965 drauf, auch live in Pittsburgh im Trio, mit Larry Gales und Ben Riley beim Piano Jazz Workshop im Rahmen des Pittsburgh Jazz Festival. „Whisper Not“ erschien auf der RCA-Platte „The Jazz Piano“, die diesen Workshop dokumentierte, Toots Thielemans „Bluesette“ folgte 2007 auf dem CD-Reissue von Mosaic in dessen Singles-Reihe, wo Fresh Sound sind vermutlich bedient hat. Die FSR Doppel-CD von 2013 enthält dann wohl den gesamten Output von Bell (bei Discogs ist noch was aktuelles dabei, eine falsche Verlinkung wohl). Und ja, Bell ist der Vater vom Drummer Charles „Poogie“ Bell.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba