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Takase ist eine Entdeckung aus der Enja-Strecke! Neben Masahiko Sato in Sachen Klaviertrios meine grösste, glaub ich?
Bei mir jetzt ein anderer Kalifornier:

Jack Wilson with Philly Joe Jones & Leroy Vinnegar – The Two Sides of Jack Wilson | Das Label von der anderen Küste, Atlantic Records, nahm die ersten paar Alben von Wilson auf, bevor der für Blue Note das hervorragende „Something Personal“ einspielte, das einst eine unerwartete Entdeckung für mich war. Im Trio spielte Wilson nicht oft, bei dem Debut hatte er Roy Ayers dabei, bei Blue Note ebenso (und zudem Ray Brown auch mal am Cello und dafür einen Extra-Bassisten). Aber für seinen Zweitling wurde Wilson im Mi 1964 mit Leroy Vinnegar und Philly Joe Jones eine exzellente Rhythmusgruppe beigestellt. Die Aufnahme entstand in Los Angeles (Produzent war ein gewisser Jack Lewerke) und stellt Wilson auf der A-Seite mit Jazz-Tunes und zwei Originals und auf der B-Seite mit Pop-Songs vor. Los geht es mit Tadd Dameron („The Scene Is Clean“) und Bud Powell („Glass Enclosure“), dann folgen die eigenen „Good Time Joe“ und „Kinta“. Wilson erweist sich immer wieder als hochvirtuoser Pianist, weiss seine Technik aber die meiste Zeit musikalisch einzusetzen. Die Rollenverteilung ist recht konventionell (bei Atlantic erwartet man ja auch nichts anderes, oder?), die Begleiter allerdings hellwach und hervorragend aufgelegt.
Auf Seite 2 dann die Pop-Songs, drei ziemlich neue, ein etwas älterer. Los geht es mit „Once Upon a Summertime“ und einem flirrenden Piano-Intro, fast klassisch wird es im Übergang vom Intro zum Thema stellenweise mit zwei Melodien parallel. Das ist getragen, wird aber sehr intensiv, Jones punktiert ungewöhnlich, während auf Vinnegar jeden Moment Verlass ist. Noch jünger ist „Sometime Ago“ von Sergio Mihanovich – sofern ich dem Netz da trauen kann, erstmals 1963 vom Art Farmer Quartet (auch für Atlantic) eingespielt. Ein entspannter Walzer, in dem Wilson die Temperatur für einmal nicht bis zum Siedepunkt steigen lässt. Jones tanzt zurückhaltend an den Besen, Vinnegars Walking Bass könnte bei lautem Hören die Boxen beschädigen (auch eine Atlantic-Eigenheit, dass die Aufnahmen dem Bass ehr viel Gewicht geben, dünkt mich?). Sacha Distels „The Good Life“ ist ein Jahr älter, von 1962, aber schon auf dem Weg zum Klassiker – Wilson findet nicht nur hier schöne Voicings, sein sehr farbenreiches Klavierspiel ist überhaupt toll abgebildet (Howard Holzer ist der Tonmeister, war bei Capitol bis ihn 1956 oder 1957 sein Ex-Kollege Roy DuNann auch zu Contemporary lockte, leitete später eine eigene Audio-Firma und arbeitet auch für A&M … ob die Session im Contemporary-Studio oder sonstwo in L.A. abgehalten wurde, weiss ich leider nicht). Als Closer gibt es dann den einen etwas älteren Song, „The End of a Love Affair“ von 1951. Da dreht Wilson in seinem Intro schon wieder ziemlich auf – aber das mag es leiden, da die ganze B-Seite fast als eine Art Balladen-Medley daherkommt … vielleicht hätte man das Album etwas anders programmieren können. Die Liner Notes sind überall zu klein, als dass ich gucken könnte, ob dazu was drin steht (Leonard Feather hat sie geschrieben) – ich hab die Japan-CD von 2012, wo es sie einfach im Kleinformat gibt. Trotz der stellenweise überbordenden Virtuosität des Leaders ein schönes Album, das ich noch gar nie so richtig angehört habe – jedenfalls noch nie mit der gebürhenden Aufmerksamkeit.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba