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Hampton Hawes – The Green Leaves of Summer | Ich kann es nicht ändern, im ersten Stück, „Vierd Blues“, macht mich die Rhythmik ständig nervös, irgendwas passt nicht. Montgomery rennt davon, Ellington und Hawes finden sich zwar, aber irgendwie ist das alles nie zusammen … und Hawes finde ich hier halt auch nicht super. Er hat knapp zwei Ideen im Solo und was er mit ihnen anstellt, wirkt recht einfallslos – wäre da nicht Steve Ellington, wäre nicht viel los. Und dann das Bass-„Solo“, einfach weiter walken – im Februar 1964, bei all dem, was rundherum los ist. Und gut klingen tut das (in der OJCCD von 1990) gerade im Vergleich mit „Trio 64“ (aus der CD-Box mit Evans Verve-Aufnahmen von 1997) auch nicht. Aber gut, nach dem Opener kann es nur besser werden, und das tut es auch, Hawes langes Solo-Intro zum Titelstück ist super, der Einstieg der Rhythmusgruppe gelingt dann zum Glück auch, die drei finden sich, Montgomery fällt nur selten halb zum Beat raus und findet gleich wieder rein (ist ja ein 3/4, uff) – und Hawes ist jetzt wirklich super, auch wenn er im Trio wieder nur ein Riff verschiebt und das ganze zwischendurch fast in eine Art beschaulichen Third-Stream-Groove fällt – das konnte er ja und das ist auch nichts, womit ich generell mühe hätte, absolut nicht … einfach nicht im Opener hier, den ich ihn wohl künftig überspringen sollte. „Ill Wind“ geht ebenfalls solo los, und wird dann mittelschnell und zwischendurch funky im Trio, bevor die drei zum langsamen Tempo zurückkehren – und hier passt für mich dann auch alles. Dann Calypso mit „St. Thomas“, dem Traditional, den Sonny Rollins in den Jazz einführte. Hawes phrasiert das etwas verschleppt, was ich nicht die beste Idee finde, aber Ellington trommelt einen tollen Beat, und Hawes findet einen superben Einstieg ins Solo, während Montgomery grad so knapp mithalten kann (er hat mehr Mühe, wenn er einfach in Zwei spielt, als wenn er das kleine Riff spielen soll, das immer wiederkehrt).
„Secret Love“ ist ein Lieblingsstück und da passt der Groove zum Einstieg in die zweite Hälfte. Montgomery wieder in Zwei, Ellington mit den Besen und in der Bridge und dann als das Thema durch ist mit Sticks. Er klingt wirklich gut, streut kleine Fills ein, da ein kurzer Roll, dort ein paar Extra-Schläge, vornehmlich auf der Snare – aber sein Ride ist doch recht monoton. Montgomery spielt dafür ein gutes Solo und das Stück ist wirklich gelungen, finde ich. Hawes‘ Stimme, die man hier nicht zum ersten Mal hört, scheint (vom Stereo-Bild her) nicht von den Piano-Mikros eingefangen sondern von anderswo im Raum zu kommen – vielleicht von einem Overhead-Mikro bei den Drums? Auch „Blue Skies“ ist ein Song, den ich sehr mag – und auch der funktioniert hier prächtig – wieder fast klassische Klänge vom Klavier, zwischendurch ein Orgelpunkt vom Bass, Besen von den Drums – und da finden die drei auch Anschluss ans Geschehen rundherum. Hawes klingt im Intro sehr offen, zitiert noch kurz „Fran Dance“, bevor er wieder mit fast klassischen Passagen erstmals zum Thema überleitet, dann Arpeggien reiht und mit einer kurzen Verschnaufpause den Auftakt für die anderen zwei gibt. Mit dem Thema von Irving Berlin springt Hawes dann frei um, schmückt es aus, wandelt es ab – und respektiert es dennoch. Der Groove von Bass und Drums wirkt fast wie Art Stop-and-Go, obwohl sie ständig durchspielen. Montgomery hat jedenfalls hier seine Rolle wirklich gefunden und weiss sich im Geschehen hervorragend zu behaupten. Eine eigenwillige Version von „The More I See You“ folgt – und ja, auch wieder toll, auch alles gut hier (vielleicht wieder vom Ride-Becken abgesehen – hat Lester Koenig auch ein Metronom bestellt, und es im Gegensatz zu Creed Taylor mit Peacock/Motian gekriegt?). Hawes entlockt dem Stück tolle Ideen und wird zwischendurch fast bluesig und ziemlich funky, lässt dabei aber ständig das Thema durchschimmern – toll. Schön auch der Übergang zurück zum Thema, von Ellington total unkonventionell gestaltet. Als Closer dann nochmal ein Blues, dieses Mal von Hawes (sein einziges Original hier) – und ich frage mich, ob ich besser vorher ausschalte, wo die drei Stücke davor so wunderbar sind? Wäre vielleicht besser gewesen. Auch wenn ich das Stück deutlich lieber mag als den Opener, juckt es mich hier wieder. Hawes spielt aber ein tolles Solo hier, mit ein paar fast schon wagemutigen Einfällen, kollabierenden Linien, in denen einfach mal ein Beat verschluckt wird … er ist zurück und das ist natürlich toll!
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba