Robert Schumann

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  • #4001919  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Ich höre gerade die Gesamteinspielung der Werke für Violine und Klavier von Jenny Abel und Roberto Szidon:

    Schumanns Klaviermusik packt mich streckenweise sehr – etwa Horowitz‘ „Kreisleriana“ (Die Columbia-Aufnahme von 1969, ich glaube es gibt mehrere), mit den Violinsonaten freunde ich mich langsam an (ich habe die Aufnahmen von Christian Ferras mit Pierre Barbizet und von Thomas Zehetmair mit Cyprien Katsaris, in beiden Fällen nur Opp. 105 und 212, bei Ferras noch die Drei Romanzen Op. 94, bei Zehetmair die Märchenbilder Op. 94).

    Bei Abel/Szidon packt mich gerade die zweite CD sehr. Die erste enthält die drei Sonaten (die dritte in a-moll von 1953 ohne Opuszahl scheint selten gespielt zu werden?), die zweite neben der Fantasie (in der Version mit Klavier natürlich) die Stücke, die Schumann für Horn, Klarinette, Oboe, Cello oder Viola geschrieben hat, stets mit dem Vermerk „ad libitum Violine“, in den Fälle des Adagio und Allegro Op. 70 und der Fantasiestücke Op. 73 auch „ad libitum Violoncello“. Gerade die Fantasie Op. 131 gefällt mir in Abel/Szidons Einspielung hervorragend. Die bisher einzige andere Einspielung davon, die ich habe, ist von Leonid Kogan mit Andrei Mytnik, eine Live-Aufnahme von 1953.

    Gibt es andere, unbedingt zu empfehlende Einspielungen dieser Werke? Andere Meinungen zu Abel/Szidon, über deren Schumann-Aufnahmen ich im Netz überhaupt nichts finden konnte?

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM - Corona-Extraprogramm im April und Mai: gypsy goes jazz, #99: 14.4., 22:00 (mit McCoy Tyner, Mike Longo u.a.); #100: Tenor Giants - Yusef Lateef (1920-2013), 12.5., 21:00 (2 Stunden!); #101: 9.6., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #5: The Pain and Joy of ZA Jazz, 23.4., 22:00 | No Problem Saloon, #14: Funky Longtracks, 11.4., 20:30; #15: 28.4., 21:00 | nicht verpassen: Die große Versteigerung, 28.3., 20:00
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    #4001921  | PERMALINK

    clasjaz

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    Schumanns Violinsonaten werden wirklich etwas vernachlässigt. Was Jenny Abel heute macht, weiß ich leider auch nicht, Szidon ist verstorben. Ich kenne nur diese Schumann-Aufnahmen von ihnen. Über Ferras hinaus – also nicht über ihn hinaus, weil das viel flotter ist – kann ich für einmal Kremer und Argerich empfehlen, bei DG erschienen. Dann sehe ich, es gibt noch Menuhin mit seiner Schwester Hephzibah für die zweite Sonate, dazu Brahms I und III, Du weißt ja, dass ich Menuhin für diese Romantiker sehr wünschenswert halte, von der viel zu wenig bekannten Hephzibah Menuhin zu schweigen. Ob die ECM-Veröffentlichung mit Carolin Widmann und Dénes Várjon etwas taugt? Das könnte schon sein, da sie in die Werke wie Abel und Szidon etwas ausholender hineingegangen sind, was aufmerksam macht. Die Einspielungen kenne ich leider auch nicht. Vielleicht ist hier ja wirklich jemand, der mehr Aufschluss geben könnte und möchte. – Dann, nebenbei, für andere Kammermusik Schumanns, z. B. die Klaviertrios, würde ich das Abegg-Trio notieren, die spielen eine Temporegieanweisung wie „Mit Feuer“ tatsächlich so, dass es brennt.

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    #4001923  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Zu Abel fand ich im Netz nur das hier:
    http://www.conductor.de/neu/english/e_instrumentalisten/e_abel_bio.html

    Das Violinist-Forum hilft da auch nicht weiter, dort landete ich schon. Aber Rostal, Szeryng, Rosbaud, Kempff – das sind alles keine üblen Referenzen! Und die ausführlichen Kommentare im CD-Booklet stammen ja auch von ihr.

    Abel/Szidon scheinen auch Sonaten von Bartók, Brahms und Villa-Lobos eingespielt zu haben (wiki).

    Das wenige, was ich von Widmann bisher hörte (ein paar Kleinigkeiten und ein längeres Gespräch über das Festival, das sie leitet – von da stammte dann auch die Musik), hat mir durchaus Lust auf mehr gemacht. Von ihren CDs spricht mich aber die „Reflections I“ am meisten an. Neben der Schumann-CD gibt es bei ECM auch eine Schubert-CD (mit Alexander Lonquich), die ebenfalls gut aussieht. Mit Bruder Jörg und dem Cellisten Nicolas Altstaedt gibt’s auch Messiaens „Quatuor pour la fin du temps“ (bei Orfeo). Auch die CD mit Simon Lepper (Feldman, Zimmermann, Schönberg, Xenakis, wieder bei ECM) sieht gut aus. Aber das hat mit Schumann nichts mehr zu tun, pardon.

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    #4001925  | PERMALINK

    clasjaz

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    Danke für den Link zu Jenny Abel, sonst scheint es ja kaum etwas zu geben. Seltsam. Das Berg-Violinkonzert würde ich gerne einmal hören!

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    #4001927  | PERMALINK

    clasjaz

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    Es gibt ja das Wort von den „unspielbaren Werken“ – meist stellt es sich als übertrieben oder anders gemeint heraus. Von Schumanns Violinkonzert habe ich es noch nicht gehört und dennoch ist gerade dieses Konzert dasjenige, dessen Interpretationen mich fast immer ein wenig enttäuscht zurücklassen. Ein Ungleichgewicht zwischen Orchester und Violine zumeist, das wäre das Übliche der Kritik, wenn es sich nicht selbst bei den Größeren so anhörte, als liege das an der Komposition. Genau das kann ich aber nicht glauben. Was die Violine angeht, ist meine liebste Einspielung die, die ich gerade hervorgeholt habe: Peter Rybar, Lausanne Symphony Orchestra, Leitung: Victor Desarzens, von 1948, erschienen 1951. Das Orchester verplaudert sich nur in wenigen Momenten, ist dann zu flächig, gerade im ersten Satz. Anderes von Rybar kenne ich nicht, von seinem Ton bin ich sehr angezogen: streng, durchdringend, dann wieder behende wie eine Spatzenbande, er scheint alles zu können, und zwar zugleich; erinnert mich an Taschner.

    Gibt es zum Violinkonzert Empfehlungen?

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    #10460307  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Ich höre die ganze CD – Daniel Sepec auf einer Violine von Laurentius Storioni aus Cremnoa, 1780, Andreas Staier auf einem Érard von 1837 … es gibt die Bach’sche Chaconne in Schumanns Bearbeitung für Violine und Klavier zum Auftakt, danach die erste und die zweite Violinsonate – die dritte ging ja unter (Isabelle Faust, Carolin Widmann und natürlich Jenny Abel haben sie aber z.B. auch eingespielt), sie stammt von 1853, demselben Jahr, in dem Schumann die völlig irren Gesänge der Frühe Op. 133 schrieb, die Staier zwischen den beiden Sonaten spielt. Alexander Hawkins hat mich auf dieses Spätwerk hingewiesen, das voller Überraschungen steckt. Ich holte mir daraufhin die kleine Box mit Maurizio Pollinis Schumann-Einspielungen – doch so richtig gepackt hat mich erst heute diese Einspielung von Andreas Staier aus dem Jahr 2009 (ansonsten findet man das Ding wohl fast nur in Gesamteinspielungen von Schumanns Klavierwerk, in meinem Fall in den Boxen von Jörg Demus und Eric Le Sage, an die ich mich noch nicht gemacht habe).

    Ich zitiere aus Michael Strucks Liner Notes zur abgebildeten CD:

    Die Gesänge der Frühe sind Schumanns letztes zur Veröffentlichung bestimmtes Klavierwerk. Sie entstanden Mitte Oktober 1853 – unmittelbar nach dem legendären Aufsatz Neue Bahnen, durch den Schumann so treffend und musikhistorisch folgenreich auf den jungen Johannes Brahms hingewiesen hatte. Mit einigem Recht darf man sie als musikalisches Gegenstück zu Neue Bahnen ansehen, mit denen sie den feierlich-hymnischen Tonfall und den erwartungsvollen Enthusiasmus teilen, ohne freilich ein ‚Werk über Brahms‘ zu sein. „Es sind Musikstücke, die die Empfindungen beim Herannahen und Wachsen des Morgens schildern, aber mehr aus Gefühlsausdruck als Malerei“, kennzeichnete Schumann das Werk – mit fast den gleichen Worten übrigens, die Beethoven eins zur Charakterisierung seiner Pastoral-Symphonie verwendet hatte. Ursprünglich sollte der Klavierzyklus neben dem Haupttitel Gesänge der Frühe noch die ‚poetische‘ Zueignung An Diotima tragen. Damit war offenbar Friedrich Hölderlins Diotima gemeint – Idealgestalt der Liebe, die in verschiedenen Gedichten gepriesen wir und auch die weibliche Hauptgestalt des 1797/99 erschienenen Briefromans Hyperion oder der Eremit in Griechenland ist. Die klangschöne Wortverbindung Gesänge der Frühe war wohl Schumanns eigene Erfindung. Sie verweist auf Eindrücke, die vor allem für den Hyperion-Roman wesentlich sind: den Übergang der Nacht zum Morgen, das Erwachen der Natur, den feierlichen Moment des Sonnenaufganges – Symbole für Hoffnung und Neubeginn. Ist es ein Zufall, dass das Kernmotiv, das zu Beginn des 1. Stückes im Unisono erklingt und die fünf Gesänge der Frühe zyklisch verknüpft, aus den Tönen d–a–h–e(–g–fis) besteht – den einzigen ‚musikalischen‘ Buchstaben der beiden Hauptgestalten des Romans: Diotima und Hyperion? Offiziell gewidmet wurde das Werk schließlich indes „der hohen Dichterin Bettina“ (von Arnim).

    Wie es der Titel verheißt, verkörpern die fünf Stücke unterschiedliche Arten des Klavier-„Gesanges“. Wie ein Choral wirkt das strophisch gegliederte 1. Stück (D-dur) mit seinen archaisierenden, dissonanzgesättigten Quintschritt-Sequenzen. Nr. 2 (D-dur) ist als imaginäres Duett mit Klavierfiguration angelegt, das sich in einer Miniatur-Sonatenform entfaltet. Dagegen mutet Nr. 3 (A-dur) wie ein chorischer Jagd- oder Kampfgesang an, der nach mehreren Steigerungswellen am Schluss unerwartet ins anfängliche Piano zurückfällt und als Invention über einen punktierten Rhythmus mit immer neuen Synkopen-Stauungen gestaltet ist. In starkem Kontrast dazu steht das 4. Stück (fis-moll) – ein elegisches, durch Akzente rhetorisch aufgeladenes ‚Lied ohne Worte‘, das im mittleren Abschnitt erinnernd auf das 2. Stück zurückblickt und in eine innige, todessehnsüchtige Fis-dur-Coda mündet. Das 5. Stück (D-Dur) erinnert an ein Choral- oder Liedvorspiel: Ein ausdrucksvolles Thema wird intoniert, von Figurationen abgelöst, schließlich mit diesen verbunden und erweitert. In ihrer komplexen, beziehungsreichen Struktur und ihrer Ausdrucksintensität bilden reizvoll esoterischen Stücke, in denen Schumann selbst wieder einmal „neue Bahnen“ betrat, einen wirklichen Zyklus. Dessen Verständnis wird durch das Wissen um die Hölderlin-Inspiration zweifellos erleichtert.

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    #10460465  | PERMALINK

    clasjaz

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    Beiträge: 1,695

    @gypsy-tail-wind Die „Gesänge der Frühe“ habe ich jetzt auch eingelegt, mit András Schiff, darauf (ich binde das so ein, weil discogs-Bildchen hier ja verschwinden, glaube ich?). Noch mehr gespannt bin ich aber auf das Wiederhören der „Nachtstücke“. Jedenfalls vielen Dank für die Liner Notes von Michael Struck! Persönlich höre ich kaum einen Zusammenhang zu Hölderlin – außer den von Schumann bekannten Tonsymboliken -, auch wenn Schumann ihn beabsichtigt hat. Hölderlin hätte das womöglich anders gesehen und einen Zusammenhang begrüßt oder erkannt.

    Zu Staier und Sepec gehe ich dann später, danke Dir für das Teilen!

    Ach so, András Schiff ist mir ja oft zu aufgeplauscht, ich höre bei ihm einen Ton oft so, als ob er zwei Tasten anspiele oder die Taste doppelt so breit wie üblich wäre, über die er dann selbst noch im Staccato rutscht. Aber im ersten Stück der „Gesänge“ hat er mich mit seinem fragenden Spiel.

    Schumanns Chaconne-Überarbeitung kenne ich nur in einer Einspielung mit Kantorow, den Pianisten habe ich vergessen, wie ich auch die CD irgendwo verschludert habe. Aber Schumann wusste gewiss genau wie Mendelssohn und all die anderen, wer Bach war, und dass er nicht zu vergessen sei.

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    #10460915  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Biomasse

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    @clasjaz Discogs-Bildchen können inzwischen eingebettet werden, das Problem löste (bzw. die Politik von Discogs änderte) sich vor einigen Monaten schon. Schiff kenne ich noch fast gar nicht … Sepec ist in den „Gesängen“ natürlich nicht dabei.

    Dann man solche Zusammenhänge hören kann – so lange sie innerhalb der Musik bleiben, sich auf andere Werke beziehen – vielleicht. Ansonsten ist das Beigemüse, das mehr oder weniger einleuchten kann, aber interessant finde ich es schon, wenn solche Bezüge aufgezeigt werden.

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    #10461123  | PERMALINK

    clasjaz

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    @gypsy-tail-wind Danke für die Auskunft zu den discogs-Bildchen, dann nehme ich künftig lieber sie.

    Sepec ist natürlich nicht bei den „Gesängen“ dabei – ich habe sie vorhin mit Staier gehört. Große Miniaturen sind das, aber damals sang man auch leichter und tiefer zugleich, da wäre dann doch eine Verbindung zu Hölderlin. Ich sehe das auch gar nicht als Beigemüse, mich interessieren die Bezüge, die man ziehen kann, ja auch – gerade dann, wenn ich selbst nicht auf sie komme.

    Der fünfte „Gesang“, in seiner vorgeschriebenen Steigerung, nimmt mich sehr ein und – ein anderer Bezug – hört sich an, als wäre Ravel (G-Dur-Konzert, zweiter Satz) ein Mann auch früherer Zeiten gewesen.

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