Die besten Hard Bop Alben

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  • #3480805  | PERMALINK

    katharsis

    Registriert seit: 05.11.2005

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    Und täglich grüßt der Hard Bop.
    Ich habe heute morgen mit großem Genuss obigen Scheibe gehört und will nun gerne mal mit den ganzen angesammelten Höreindrücken beginnen.

    Die Musik wurde im April 1960 für das kleine Label Vee-Jay aufgenommen und stellt Hayes‘ einziges Leaderalbum in den 60ern dar. Die Gruppe besteht hauptsächlich aus Musiker der damaligen Cannonball Adderley Working-band, namentlich Nat Adderley am Kornett, Barry Harris (p) und Sam Jones (b). Anstelle von Cannonball ist der große Yusef Lateef (ausschließlich) auf dem Tenorsaxophon zu hören.

    Die Musik ist Hard Bop im allerbesten Sinne und lässt sich mühelos in die besseren Prestige/Blue Note-Sessions einordnen. Wie das meist mit Leaderalben von Drummern damaliger Zeiten so ist, hält sich dieser eher im Hintergrund und strukturiert die Musik eher, als dass er sie prägt. Das übernehmen fast ausnahmslos Nat und Lateef durch ihre teilweise konträren Beiträge. Ohne dass ich allzuviele Aufnahmen von Nat kenne, würde ich sagen, dass er hier einen Höhepunkt erreicht hat, da sein Spiel unheimlich frisch, entdeckerisch und nach vorne stürmend klingt. Insbesondere in der Eigenkomposition „Rip de Boom“ mischt sich sein schnelles, virtuoses Spiel mit einigen Ideen. Natürlich ist er dabei kein Neuerer, aber mehr als ein solider Solist allemal. Lateef hält nicht dagegen, vielmehr spielt er von einem ganz anderen Startpunkt aus. Ohne den Rückgriff auf andere Instrumente zeigt sich Lateef als bluesgetränkter, dunkel spielender Tenorist mit funkelndem Klang. „I need you“ ist eine wirklich schöne Ballade, auf der das gänzlich zum Tragen kommt. Dabei wirkt die Musik nicht entspannend oder vielleicht sogar leichtgewichtig, sondern immer bedeutungsvoll und ein bißchen mystisch. Sam Jones und vor allem Barry Harris präsentieren sich erneut als sichere Begleiter, die erheblich zum Fundament der Musik beitragen, auch wenn die Bläser deutlich im Mittelpunkt stehen.
    Hayes selbst ist ein sehr sicherer Drummer, der vielleicht selten die Abwechslung und Spannung ander Drummer erreicht, was der Musik aber keinen Abbruch tut. Er setzt die Becken sehr dezent aber effektiv ein und hat wirklich tolle Momente im letzten Stück „Sassy Ann“, bei dem er durchaus polytonale Rythmen hinbekommt, die mich im ersten Moment an (den frühen) Elvin Jones erinnert haben.

    Insgesamt ist die Platte gefüllt mit sehr schöner Musik, die in einigen Stücken großartige Momente hat, ansonsten aber sehr gleichmäßig und ausbalanciert wirkt. Wie eingangs beschrieben, duchaus in der oberen Liga der besten Hard Bop-Alben, aber (noch) kein Primus.
    Meine LP hat ein paar Clicks und Pops, ansonsten aber einen schönen Sound, so dass ich die etwas öfter herauskramen werde. Leider kann ich sie nicht noch einmal hören, während ich das schreibe, um etwas genauer zu sein, was die Solos betrifft, da ich viel unterwegs bin. Aber vielleicht trage ich das mal nach.

    --

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    #3480807  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Lou Donaldson – Quartet, Quintet, Sextet (1952-54, Blue Note)
    Horace Silver Trio (1952-53, Blue Note)
    Clifford Brown Memorial Album (1953, Blue Note)
    The Eminent Jay Jay Johnson, Vol. 1 (1953, Blue Note)
    Art Blakey Quintet – A Night at Birdland (1954, Blue Note)
    Miles Davis – Walkin‘ (1954, Prestige)
    Clifford Brown / Max Roach (1954, EmArcy)
    Introducing Joe Gordon (1954, EmArcy)
    Horace Silver and the Jazz Messengers (1954-55, Blue Note)
    Cannonball Adderley – Spontaneous Combustion (1955, Savoy)
    Introducing Johnny Griffin (1956, Blue Note)
    Kenny Dorham – ‚Round Midnight at the Café Bohemia (1956, Blue Note)
    Sonny Rollins – Saxophone Colossus (1956, Prestige)
    Curtis Counce Group – Landslide (1956, Contemporary)
    Cliff Jordan / John Gilmore – Blowing in from Chicago (1957, Blue Note)
    Gigi Gryce / Donald Byrd – New Formulas from the Jazz Lab (1957, VIK)
    John Coltrane – Blue Train (1957, Blue Note)
    Sonny Rollins – Newk’s Time (1957, Blue Note)
    Benny Golson – The Modern Touch (1957, Riverside)
    The Montgomery Brothers Plus Five Others (1957, World Pacific)
    Here Comes Louis Smith (1957, Blue Note)
    Sonny Clark – Cool Struttin‘ (1958, Blue Note)
    Wilbur Harden / John Coltrane – The Complete Savvoy Sessions (1958, Savoy)
    Dizzy Reece – Blues in Trinity (1958, Blue Note)
    Chet Baker in New York (1958, Riverside)
    Art Blakey & The Jazz Messengers – Moanin‘ (1958, Blue Note)
    Blue Mitchell – Out of the Blue (1959, Riverside)
    Jackie McLean – Jackie’s Bag (1959-60, Blue Note)
    Curtis Fuller – Blues-ette (1959, Savoy)
    Jimmy Smith – Home Cookin‘ (1959, Blue Note)
    Horace Silver – Blowing the Blues Away (1959, Blue Note)
    This Here Is Bobby Timmons (1960, Riverside)
    Nat Adderley – Work Song (1960, Riverside)
    Art Farmer / Benny Golson – Meet the Jazztet (1960, Argo)
    Charlie Rouse – Takin‘ Care of Business (1960, Jazzland)
    Oliver Nelson – Screamin‘ the Blues (1960, Prestige)
    Tina Brooks – True Blue (1960, Blue Note)
    Freddie Redd – Shades of Redd (1960, Blue Note)
    Hank Mobley – Workout (1960, Blue Note)
    Freddie Hubbard – Hub Cap (1960, Blue Note)
    Dexter Gordon – Doin‘ Allright (1961, Blue Note)
    Horace Parlan – Up & Down (1961, Blue Note)
    Leo Parker – Let Me Tell You ‚Bout It (1961, Blue Note)
    Donald Byrd – Royal Flush (1961, Blue Note)
    Dave Bailey – Two Feet in the Gutter (1961, Epic)
    Jimmy Heath – Triple Threat (1961, Riverside)
    Lee Morgan – The Sidewinder (1963, Blue Note)
    Art Blakey & The Jazz Messengers – Indestructible (1964, Blue Note)
    Cannonball Adderley – Mercy, Mercy, Mercy (1966, Capitol)
    Lou Donaldson – Alligator Bogaloo (1967, Blue Note)

    Anmerkung: bei Donaldson und Silver Trio werden jeweils die 1952er Sessions als Stichdatum angegeben, bei Harden/Coltrane jene vom 13. März 1958.
    Mitchell und McLean sind zwar richtig eingeordnet im Heft, aber es steht bei beiden 1958 statt 1959 (Tippfehler).

    Quelle: Jazz Magazine / Jazzman N° 632, Decembre 2011

    __________________________

    Find ich auf den ersten Blick eine ganz gute Liste! Ein paar schöne Erwähnungen (Joe Gordon, Louis Smith, Wilbur Harden – auch wenn bei letzterem geschummelt wurde -, Counce, Jordan/Gilmore, Bailey, Parlan), daneben manches, was einfach rein muss (Brown/Roach, Silver, Blakey, Cannonball) aber auch da manche überraschende Wahl (Home Cookin‘ für Smith etwa, auch die Savoy-Scheibe für Adderley – gut, das war halt die erste).

    Insgesamt etwas Blue Note-lastig, aber das wundert ja wohl keinen, wenn’s um Hardbop geht. Zudem fehlt Miles fast komplett (andere Kandidaten: Bag’s Groove, die … with the MD Quintet-Alben, Milestones), was ich aber nicht schlimm finde, denn ihm wird eh (durchaus verdiente) grosse Aufmerksamkeit zuteil, im Gegensatz zu vielen anderen in der Liste. Dasselbe gilt für Coltrane, der natürlich auch mit weiteren Alben aufgeführt werden könnte (Soultrane etwa).

    Bei Hubbard, Timmons, Mobley und ein paar anderen könnte man sich wohl darüber streiten, welches Album reingehört. Üblicherweise scheinen die frühen Alben stärker gewichtet worden sein, was auch sinnvoll ist, denn sie prägten, was folgte. Dass dann bei Blue Mitchell aber nicht das etwas unter den Erwartungen bleibende Debut (Big 6) sondern das nachfolgende Album genannt wird, gefällt mir.
    Die Wahl bei McLean gefällt mir (und redbeans) natürlich auch!
    Schön finde ich auch, dass Dexter Gordon und Leo Parker Eingang gefunden haben. Beides keine Hardbopper, aber grad Parker verdient jede Aufmerksamkeit!

    Die paar eher eigenwilligen Nennungen sind wohl die letzen – gehört das wirklich noch rein? Interessant ist ja die Lücke 1962. Nach meinem Empfinden endet da eben die Hardbop-Ära, auch wenn Musiker wie Blakey oder Silver (ersterer kommt nochmal vor, wieder mit einer schönen, etwas abseitigeren Nennung, von letzterem wird dann „Song for My Father“ übergangen) natürlich weiterhin Hardbop gemacht haben.

    --

    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #133: Revivals und Comebacks in den 90ern - 14.6., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #7: tba | No Problem Saloon, #29: tba
    #3480809  | PERMALINK

    katharsis

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    gypsy tail wind
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    Find ich auf den ersten Blick eine ganz gute Liste! Ein paar schöne Erwähnungen (Joe Gordon, Louis Smith, Wilbur Harden – auch wenn bei letzterem geschummelt wurde -, Counce, Jordan/Gilmore, Bailey, Parlan), daneben manches, was einfach rein muss (Brown/Roach, Silver, Blakey, Cannonball) aber auch da manche überraschende Wahl (Home Cookin‘ für Smith etwa, auch die Savoy-Scheibe für Adderley – gut, das war halt die erste).

    Insgesamt etwas Blue Note-lastig, aber das wundert ja wohl keinen, wenn’s um Hardbop geht. Zudem fehlt Miles fast komplett (andere Kandidaten: Bag’s Groove, die … with the MD Quintet-Alben, Milestones), was ich aber nicht schlimm finde, denn ihm wird eh (durchaus verdiente) grosse Aufmerksamkeit zuteil, im Gegensatz zu vielen anderen in der Liste. Dasselbe gilt für Coltrane, der natürlich auch mit weiteren Alben aufgeführt werden könnte (Soultrane etwa).

    Bei Hubbard, Timmons, Mobley und ein paar anderen könnte man sich wohl darüber streiten, welches Album reingehört. Üblicherweise scheinen die frühen Alben stärker gewichtet worden sein, was auch sinnvoll ist, denn sie prägten, was folgte. Dass dann bei Blue Mitchell aber nicht das etwas unter den Erwartungen bleibende Debut (Big 6) sondern das nachfolgende Album genannt wird, gefällt mir.
    Die Wahl bei McLean gefällt mir (und redbeans) natürlich auch!
    Schön finde ich auch, dass Dexter Gordon und Leo Parker Eingang gefunden haben. Beides keine Hardbopper, aber grad Parker verdient jede Aufmerksamkeit!

    Die paar eher eigenwilligen Nennungen sind wohl die letzen – gehört das wirklich noch rein? Interessant ist ja die Lücke 1962. Nach meinem Empfinden endet da eben die Hardbop-Ära, auch wenn Musiker wie Blakey oder Silver (ersterer kommt nochmal vor, wieder mit einer schönen, etwas abseitigeren Nennung, von letzterem wird dann „Song for My Father“ übergangen) natürlich weiterhin Hardbop gemacht haben.

    Danke für die Liste. Zu weiten Teilen finde ich sie dann auch wirklich sehr gelungen. Aus meiner Sicht wurde nicht versucht, unbekannte Alben unterzubringen, um dadurch den Schein des Exklusiven zu erwecken (obwohl ich Serrano’s „Blues Holiday“ gerne mal lesen würde). Demgegenüber wurden aber auch einige Leute genannt, die nicht allzuoft in solchen Listen zu finden sind, es aber verdient haben, die hast Du alle schon genannt (insbesondere Gordon, Counce und Bailey).
    Im Großen und Ganzen bin ich auch mit Miles/Coltrane zufrieden. „Blue Train“ ist einfach der HardBop-Klassiker von Trane, vor allem auch wegen Curtis Fuller. Miles fehlt dagegen zwar, aber seine Meriten liegen vielleicht wirklich woanders und sich nicht nahe genug an dem dran, was in dieser Liste zu dokumentieren versucht wurde.
    Über einige Alben könnte man sich streiten, das ginge dann aber eher in Richtung persönliche Gewichtung, persönlicher Geschmack (Dizzy Reece, McLean, Hubbard oder Byrd wären das etwa bei mir).

    Womit ich jedoch wenig bis gar nicht einverstanden bin, sind folgende Nennungen:

    Cannonball Adderley – Spontaneous Combustion (1955, Savoy)
    Charlie Rouse – Takin‘ Care of Business (1960, Jazzland)
    Oliver Nelson – Screamin‘ the Blues (1960, Prestige)
    Freddie Redd – Shades of Redd (1960, Blue Note)
    Hank Mobley – Workout (1960, Blue Note)
    Dexter Gordon – Doin‘ Allright (1961, Blue Note)
    Leo Parker – Let Me Tell You ‚Bout It (1961, Blue Note)
    Cannonball Adderley – Mercy, Mercy, Mercy (1966, Capitol)
    Lou Donaldson – Alligator Bogaloo (1967, Blue Note)

    Von Cannonball hätte aus meiner Sicht „Something else“ gewählt werden müssen, einfach weil es der erste Meilenstein seiner Aufnahmen ist. Die Alben für Savoy sind gut, keine Frage, aber haben aus meiner Sicht noch nicht das Zeug zum Hardbop-Klassiker. Dann schon eher etwas aus den Mercury-Jahren.
    „Takin‘ Care of Business“ ist aus meiner Sicht nichts anderes, als ein solides Album. Da hätten es andere wesentlich mehr verdient gehabt, genannt zu werden. Um bei Jazzland zu bleiben, möglicherweise sogar Don Sleet, oder Sonny Red. Rouse selbst mag ich zwar, letztlich ist er aber ein ordentlicher Handwerker. Möglicherweise wäre „Yeah“ die bessere Wahl gewesen.
    „Screamin the Blues“ ist vielleicht der Versuch, Dolphy unterzubringen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob Nelson hier überhaupt passt. Das Album ist toll, keine Frage – „The Blues and the Abstract Truth“ würde ich dann aber eher nennen wollen.
    „Shades of Redd“ geneißt bei vielen hohes Ansehen, ich mag es einfach nicht. McLean nervt hier extrem und Redd spielt nett. Eine Nennung hat das Album aus meiner Sicht keinesfalls verdient. Auch aus meiner ablehnenden Haltung gegenüber „Doin‘ alright“ mache ich keinen Hehl. Hubbard und Gordon sind hier einfach nur lahm dokumentiert, da gäbe es bessere Alternativen, „Dexter Calling“ bspw.
    Auch Mobley halte ich auf „Workout“ für weniger aussagekräftig. „Roll Call“ und/oder „Soul Station“ erscheinen mir passender.
    Bei Leo Parker wäre ich auch sehr vorsichtig. Ich finde es toll, dass er hier Erwähnung findet, seine beiden Blue Notes sind großartig und verdienen jede Anerkennung. Aber ob sie in einer Hardbop-Liste wirklich drin sein sollten?
    Die letzten beiden Nennungen sind absoluter Nonsens.

    Dagegen fehlt bspw. Kenny Drew’s „Walking & Talking“, vielleicht das Transition-Album von Doug Watkins, oder ein anderes Album von McLean – „Jackie’s Pal“, oder „The New Tradition“. Auch „Quiet Kenny“ von Dorham fände ich nicht falsch.

    --

    "There is a wealth of musical richness in the air if we will only pay attention." Grachan Moncur III
    #3480811  | PERMALINK

    redbeansandrice

    Registriert seit: 14.08.2009

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    glaub mir fehlen am ehesten Mingus und Grant Green, aber bei beiden kann man wohl debattieren, Doin‘ Alright find ich eine hervorragende wahl, das gleiche für Screamin‘ the Blues und Redd, die bedenken gegen workout kann ich aber verstehen…

    --

    .
    #3480813  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    katharsisDanke für die Liste. Zu weiten Teilen finde ich sie dann auch wirklich sehr gelungen. Aus meiner Sicht wurde nicht versucht, unbekannte Alben unterzubringen, um dadurch den Schein des Exklusiven zu erwecken (obwohl ich Serrano’s „Blues Holiday“ gerne mal lesen würde). Demgegenüber wurden aber auch einige Leute genannt, die nicht allzuoft in solchen Listen zu finden sind, es aber verdient haben, die hast Du alle schon genannt (insbesondere Gordon, Counce und Bailey).
    Im Großen und Ganzen bin ich auch mit Miles/Coltrane zufrieden. „Blue Train“ ist einfach der HardBop-Klassiker von Trane, vor allem auch wegen Curtis Fuller. Miles fehlt dagegen zwar, aber seine Meriten liegen vielleicht wirklich woanders und sich nicht nahe genug an dem dran, was in dieser Liste zu dokumentieren versucht wurde.

    Miles war schon eine der prägendsten Figuren für den Hardbop – es gibt ja welche, die Behaupten, auf seiner „Dig“ seien zum ersten Mal die zentralen ryhthmischen Eigenschften des Hardbop zu hören… bin da selber nicht so sattelfest, aber alle seine Sessions mit Silver (manchmal im Quartett, manchmal im Quintett mit Dave Schildkraut oder v.a. Sonny Rollins, oder eben „Walkin'“, mit der Miles ja doch in der Liste mal kurz vorbeischaut) sind absolut prägender, früher Hardbop. Klar, Silver und Blakey (und Heath!) mögen letztlich die Leute sein, die Hardbop erfunden haben und bei Miles diese Elemente schon in nuce zum besten geben, aber es waren eben doch Miles‘ Sessions, Miles‘ Bands, Miles‘ Ideen, die da umgesetzt wurden. Würd ich nicht unterschätzen…

    katharsisÜber einige Alben könnte man sich streiten, das ginge dann aber eher in Richtung persönliche Gewichtung, persönlicher Geschmack (Dizzy Reece, McLean, Hubbard oder Byrd wären das etwa bei mir).

    Reece fand ich auch erstaunlich – aber das schöne ist, dass man so noch Tubby Hayes drin hat und sich mal kurz ein Fenster nach Europa öffnet. Das tut Reece ja auch schon, aber ich find’s irgendwie eine schöne Wahl (schöner als das Album mit Mobley und Kelly, allerdings hätte sich das Prestige-Album sehr wohl als Alternative angeboten).
    Byrd müsste bei mir gar nicht unbedingt als Leader rein – mit dem Jazzlab ist das ja hervorzüglich gelöst, auch wenn ich sonst von Gryce auch gerne eines der Quintett-Alben mit Williams gesehen hätte („Rat Race Blues“ wohl am ehesten… oder „Art Farmer Quintet Feat. Gigi Gryce“).

    katharsisWomit ich jedoch wenig bis gar nicht einverstanden bin, sind folgende Nennungen:

    Cannonball Adderley – Spontaneous Combustion (1955, Savoy)
    Charlie Rouse – Takin‘ Care of Business (1960, Jazzland)
    Oliver Nelson – Screamin‘ the Blues (1960, Prestige)
    Freddie Redd – Shades of Redd (1960, Blue Note)
    Hank Mobley – Workout (1960, Blue Note)
    Dexter Gordon – Doin‘ Allright (1961, Blue Note)
    Leo Parker – Let Me Tell You ‚Bout It (1961, Blue Note)
    Cannonball Adderley – Mercy, Mercy, Mercy (1966, Capitol)
    Lou Donaldson – Alligator Bogaloo (1967, Blue Note)

    Von Cannonball hätte aus meiner Sicht „Something else“ gewählt werden müssen, einfach weil es der erste Meilenstein seiner Aufnahmen ist. Die Alben für Savoy sind gut, keine Frage, aber haben aus meiner Sicht noch nicht das Zeug zum Hardbop-Klassiker. Dann schon eher etwas aus den Mercury-Jahren.
    „Takin‘ Care of Business“ ist aus meiner Sicht nichts anderes, als ein solides Album. Da hätten es andere wesentlich mehr verdient gehabt, genannt zu werden. Um bei Jazzland zu bleiben, möglicherweise sogar Don Sleet, oder Sonny Red. Rouse selbst mag ich zwar, letztlich ist er aber ein ordentlicher Handwerker. Möglicherweise wäre „Yeah“ die bessere Wahl gewesen.
    „Screamin the Blues“ ist vielleicht der Versuch, Dolphy unterzubringen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob Nelson hier überhaupt passt. Das Album ist toll, keine Frage – „The Blues and the Abstract Truth“ würde ich dann aber eher nennen wollen.
    „Shades of Redd“ geneißt bei vielen hohes Ansehen, ich mag es einfach nicht. McLean nervt hier extrem und Redd spielt nett. Eine Nennung hat das Album aus meiner Sicht keinesfalls verdient. Auch aus meiner ablehnenden Haltung gegenüber „Doin‘ alright“ mache ich keinen Hehl. Hubbard und Gordon sind hier einfach nur lahm dokumentiert, da gäbe es bessere Alternativen, „Dexter Calling“ bspw.
    Auch Mobley halte ich auf „Workout“ für weniger aussagekräftig. „Roll Call“ und/oder „Soul Station“ erscheinen mir passender.
    Bei Leo Parker wäre ich auch sehr vorsichtig. Ich finde es toll, dass er hier Erwähnung findet, seine beiden Blue Notes sind großartig und verdienen jede Anerkennung. Aber ob sie in einer Hardbop-Liste wirklich drin sein sollten?
    Die letzten beiden Nennungen sind absoluter Nonsens.

    Die letzten beiden Nennungen sind nur Nonsens mit dem engeren Hardbop-Begriff (den ich selber ja bekanntlich auch favorisiere). Sonst gehen sie schon – aber dann fehlen wie redbeans angemerkt hat noch weitere Alben, es müsste etwa „Idle Moments“ auftauchen…
    Mobley find ich in Ordnung, auch wenn ich persönlich „Hank Mobley and His All-Stars“ oder „Soul Station“ gewählt hätte.
    Bei Rouse pflichte ich Dir bei – nett, dass man an ihn denken wollte, aber nein, er muss überhaupt nicht rein.
    Was McLean, Gordon und Redd betrifft bin ich gänzlich anderer Meinung, aber das ist ja hinlänglich bekannt. Die drei Alben halte ich alle für vorzüglich gewählt. (Und Redd spielt ja – seien wir mal ehrlich – eigentlich nie besser als nett, auch wenn seine Musik einen ganz eigenen Charm hat.)
    Bei Nelson hatte ich zuerst auch meine Zweifel – aber das Album passt schon, und es ist im Gegensatz zu „Blues and the Abstract Truth“ auch wirklich ein Hardbop-Album. Letzteres höre ich eher in der Richtung vom Hardbop weg, wie sie auch Andrew Hill, Joe Henderson oder Larry Young eingeschlagen haben, wenn auch noch näher dran (was ja auch zeitlich so ist).
    Bei Parker… ja, wenn er rein muss müsste James Moody auch rein… und die Abgrenzung zum Bebop, zum R&B gar, ist da nicht mehr wirklich gewährleistet. Kann ich nachvollziehen, aber ich find’s doch schön, dass er reindurfte. Und genaugenommen ist Gordon ja auch so ein Fall… er hat vielleicht ein paar Hardbop-Alben gemacht (allen voran „Go“), aber er war immer ein Bebopper.

    katharsisDagegen fehlt bspw. Kenny Drew’s „Walking & Talking“, vielleicht das Transition-Album von Doug Watkins, oder ein anderes Album von McLean – „Jackie’s Pal“, oder „The New Tradition“. Auch „Quiet Kenny“ von Dorham fände ich nicht falsch.

    Die McLean- und Dorham-Wahlen finde ich beide vorzüglich. KD geht nicht besser, behaupte ich mal. Als zweites würde ich dann eher das frühe Debut-Album vorschlagen (und mit dem gleichen Grund: früh – halte ich auch die Adderley-Wahl für sehr vertretbar, zudem halte ich die Savoy-Aufnahmen allesamt für besser als die irgendwie etwas gedämpften EmArcy-Sessions).
    Watkins wäre eine weitere, tolle Nennung gewesen (statt Rouse, von mir aus)!
    Von Drew hätte ich wohl eher das BN-Album vorgeschlagen, aber dass er fehlt finde ich unproblematisch (Kelly fehlt auch, Pianisten sind überhaupt nicht so viele drin in der Liste).

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    #3480815  | PERMALINK

    redbeansandrice

    Registriert seit: 14.08.2009

    Beiträge: 11,598

    Dorham geht nicht besser sei nochmal unterstrichen…

    --

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    #3480817  | PERMALINK

    alexischicke

    Registriert seit: 09.06.2010

    Beiträge: 1,776

    Wie wird der Hard Bop definiert? Also einfach schnelleres Tempo als der Bepop?

    --

    #3480819  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Beiträge: 61,527

    alexischickeWie wird der Hard Bop definiert? Also einfach schnelleres Tempo als der Bepop?

    Blättest Du 1 Seite zurück #165.
    Das ist aber keine perfekte Definition.

    Tempo ist langsamer als im Bebop – mehr auf Groove aus, weniger hektisch (allerdings klingt Parker ja selbst wenn er völlig frenetisch losjagt nie wirklich hektisch).

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    #3480821  | PERMALINK

    katharsis

    Registriert seit: 05.11.2005

    Beiträge: 1,737

    gypsy tail windMiles war schon eine der prägendsten Figuren für den Hardbop – es gibt ja welche, die Behaupten, auf seiner „Dig“ seien zum ersten Mal die zentralen ryhthmischen Eigenschften des Hardbop zu hören… bin da selber nicht so sattelfest, aber alle seine Sessions mit Silver (manchmal im Quartett, manchmal im Quintett mit Dave Schildkraut oder v.a. Sonny Rollins, oder eben „Walkin'“, mit der Miles ja doch in der Liste mal kurz vorbeischaut) sind absolut prägender, früher Hardbop. Klar, Silver und Blakey (und Heath!) mögen letztlich die Leute sein, die Hardbop erfunden haben und bei Miles diese Elemente schon in nuce zum besten geben, aber es waren eben doch Miles‘ Sessions, Miles‘ Bands, Miles‘ Ideen, die da umgesetzt wurden. Würd ich nicht unterschätzen…

    Klar, da ist etwas dran. Allen voran würde ich da auch die Reihe an Alben mit Garland/Chambers/Jones nennen. Trotzdem beschleicht mich das Gefühl, dass der wirklich ganz enge, klassische Hardbop-Begriff – den jeder für sich wahrscheinlich anders definiert – damit nicht ganz übereinstimmt. Miles war irgendwie von Anfang an schon ‚mehr‘ als klassischer Hardbop. Mir fällt es auch schwer, das auseinanderzudröseln, aber ich habe jedenfalls kein schlechtes Gefühl, wenn er da nicht auftaucht.

    gypsy tail windReece fand ich auch erstaunlich – aber das schöne ist, dass man so noch Tubby Hayes drin hat und sich mal kurz ein Fenster nach Europa öffnet. Das tut Reece ja auch schon, aber ich find’s irgendwie eine schöne Wahl (schöner als das Album mit Mobley und Kelly, allerdings hätte sich das Prestige-Album sehr wohl als Alternative angeboten).
    Byrd müsste bei mir gar nicht unbedingt als Leader rein – mit dem Jazzlab ist das ja hervorzüglich gelöst, auch wenn ich sonst von Gryce auch gerne eines der Quintett-Alben mit Williams gesehen hätte („Rat Race Blues“ wohl am ehesten… oder „Art Farmer Quintet Feat. Gigi Gryce“).

    Ja, Reece war eine tolle Nennung. Ich glaube, dass es letztlich egal ist, was von ihm in eine Liste aufgenommen wird. Da spielen persönliche Vorlieben wahrscheinlich eine weit größere Rolle (Ich hätte auch „Asia Minor“ genommen) und wichtig sind seine Alben in der Tat.
    Byrd finde ich absolut in Ordnung, da er eine Reihe wirklich guter Alben vorgelegt hat, die alle prototypisch für den damaligen BN-Sound waren. In Bezug auf nur Byrd habe ich auch andere Vorlieben. Das Jazz Lab-Album kenne ich nicht, kann dazu nichts sagen. Meine Wahl wäre vielleicht das Riverside-Album geworden, das dann auf Jazzland wiederveröffentlicht wurde.
    Gryce wäre auch wirklich erfreulich gewesen, allerdings bin ich mir noch im Unklaren, welches der NJ-Alben ich priorisieren würde. Vor allem finde ich es toll, dass Gryce/Williams einen anderen Sound entwickelt haben, als es bei Gryce/Byrd der Fall gewesen ist. Insofern hätte eine doppelte Nennung auch nicht geschadet.

    gypsy tail windDie letzten beiden Nennungen sind nur Nonsens mit dem engeren Hardbop-Begriff (den ich selber ja bekanntlich auch favorisiere). Sonst gehen sie schon – aber dann fehlen wie redbeans angemerkt hat noch weitere Alben, es müsste etwa „Idle Moments“ auftauchen…
    Mobley find ich in Ordnung, auch wenn ich persönlich „Hank Mobley and His All-Stars“ oder „Soul Station“ gewählt hätte.
    Bei Rouse pflichte ich Dir bei – nett, dass man an ihn denken wollte, aber nein, er muss überhaupt nicht rein.
    Was McLean, Gordon und Redd betrifft bin ich gänzlich anderer Meinung, aber das ist ja hinlänglich bekannt. Die drei Alben halte ich alle für vorzüglich gewählt. (Und Redd spielt ja – seien wir mal ehrlich – eigentlich nie besser als nett, auch wenn seine Musik einen ganz eigenen Charm hat.)
    Bei Nelson hatte ich zuerst auch meine Zweifel – aber das Album passt schon, und es ist im Gegensatz zu „Blues and the Abstract Truth“ auch wirklich ein Hardbop-Album. Letzteres höre ich eher in der Richtung vom Hardbop weg, wie sie auch Andrew Hill, Joe Henderson oder Larry Young eingeschlagen haben, wenn auch noch näher dran (was ja auch zeitlich so ist).
    Bei Parker… ja, wenn er rein muss müsste James Moody auch rein… und die Abgrenzung zum Bebop, zum R&B gar, ist da nicht mehr wirklich gewährleistet. Kann ich nachvollziehen, aber ich find’s doch schön, dass er reindurfte. Und genaugenommen ist Gordon ja auch so ein Fall… er hat vielleicht ein paar Hardbop-Alben gemacht (allen voran „Go“), aber er war immer ein Bebopper.

    Die letzten Nennungen habe ich genau wegen des enger umrissenen Hardbop-Begriffs als Nonsens abgetan. Dass es schlechte Alben sind, wollte ich nicht sagen. Cannonball und Zawinul waren ja auf „Mercy“ schon ganz nah an neuen Ufern, das ist für mich kein klassischer Hardbop mehr.
    Bei Nelson pflichte ich Dir gerne bei. Klar ist, dass sich Nelson schon von Anfang an vom Hardbop wegbewegte, auch mit Dolphy’s Hilfe. Die ersten Prestige-Aufnahmen sind da aber schon nah dran, so dass die Nennung natürlich vollkommen okay ist und es auch wichtig ist Nelson mal dahingehend in den Vordergrund zu stellen.
    Wie gesagt, ich habe rein gar nichts gegen L. Parker – ganz im Gegenteil. Aber Hardbop ist das nach meinem Empfinden nicht. Und wie Du sagst, öffnet diese Nennung dann auch jede Menge Türen, um andere in die Liste zu nehmen. Moody, warum nicht?

    gypsy tail windDie McLean- und Dorham-Wahlen finde ich beide vorzüglich. KD geht nicht besser, behaupte ich mal. Als zweites würde ich dann eher das frühe Debut-Album vorschlagen (und mit dem gleichen Grund: früh – halte ich auch die Adderley-Wahl für sehr vertretbar, zudem halte ich die Savoy-Aufnahmen allesamt für besser als die irgendwie etwas gedämpften EmArcy-Sessions).
    Watkins wäre eine weitere, tolle Nennung gewesen (statt Rouse, von mir aus)!
    Von Drew hätte ich wohl eher das BN-Album vorgeschlagen, aber dass er fehlt finde ich unproblematisch (Kelly fehlt auch, Pianisten sind überhaupt nicht so viele drin in der Liste).

    „Jackie’s Bag“ ist ein Album, das mir nie besonders erschien. Dafür sind aber hauptsächlich meine Probleme mit dem frühen McLean verantwortlich.
    Bei KD habe ich tatsächlich die Nennung übersehen. „Café Bohemia“ ist da ganz klar richtig. Darüber hinaus finde ich „Quiet Kenny“ aber nicht ganz falsch, da ich es zumindest für Dorham als gut passend erachte. Trotzdem ist gerade Dorham natürlich sehr schwer, bei der Reihe an wirklich guten Sessions.
    Drew finde ich ganz und gar nicht unproblematisch, auch nicht die relativ starke Konzentration auf Saxophonisten (obwohl fast überall Trompeter in den Line Up’s sitzen). „Talkin‘ & Walkin'“ ist vielleicht ein etwas obskurer Vorschlag, noch dazu, weil eine gehörige Tendenz West Coast Jazz drin steckt. Aber gerade „Undercurrent“ ist ein kleiner, irgendwie verschütt gegangener Meilenstein im BN-Katalog. Wahrscheinlich ist Drew auch heute nicht mehr sonderlich im US-amerikanischen Gedächtnis verankert, aufgrund seines strategisch ungeschickten Weggangs nach Europa.
    „Undercurrent“ hätte, gerade wegen der vielen Blue Note-Nennungen drin sein müssen.

    --

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    #3480823  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Da sind wir uns also im grossen ganzen weitgehend einig!

    Noch was: von Lee Morgan hätte man gerne ein frühes Album listen dürfen, vielleicht sogar „Take Twelve“ als etwas abwegigere Wahl (und für Clifford Jordan, den ich mir „Blowing in from Chicago“ nur halbwegs gut getroffen finde, auch wenn das natürlich eine der überraschenden und tollen Wahlen ist… „Starting Time“ wäre auch eine gute Wahl gewesen).

    Was Kenny Drew betrifft, verwirrt mich Dein Insistieren ein wenig. Warum findest Du, dass er unbedingt drin sein muss, wenn z.B. Red Garland, Wynton Kelly oder Junior Mance ebenso fehlen? (Dass Barry Harris fehlt find ich hingegen korrekt – er war ein Bebopper… allerdings hätte man durchaus eins seiner Alben als Hardbop klassieren und aufnehmen können… dasselbe wäre mit Duke Jordans einem schönen BN-Album möglich gewesen.)
    Mich stört Drews Fehlen wie gesagt nicht so sehr… aber das ist wohl auch persönlich. Würde Timmons fehlen, hätte ich mich auch nicht beklagt (aber hinsichtlich seiner tollen Tunes etwas gewunderthalte), bei Sonny Clark wäre es mir so gegangen wie Dir mit Drew… und dass Silver drin ist, war ja eh klar.

    Und zu McLean: wenn Du den frühen Jackie nicht magst, warum schlägst Du dann vor, das beste Album des frühen McLeans durch zwei mittelprächtige zu ersetzen ;-)

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    #3480825  | PERMALINK

    thelonica

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    gypsy tail wind
    Was Kenny Drew betrifft, verwirrt mich Dein Insistieren ein wenig. Warum findest Du, dass er unbedingt drin sein muss, wenn z.B. Red Garland, Wynton Kelly oder Junior Mance ebenso fehlen?

    Das hat sicherlich auch mit dem Sammeln von Vinyl zu tun.
    Die Kenny Drew-LP (Talkin‘ & Walkin‘) hätte ich auch gerne, schätze ihn ebenfalls sehr.

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    #3480827  | PERMALINK

    alexischicke

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    Danke Gypsy jetzt ist mir das klarer.Und was drück dann das Wort „Hard“ genau aus im Namen? Bezieht sich das auf die Lieder?

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    #3480829  | PERMALINK

    redbeansandrice

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    gute frage – ich hätte jetzt gesagt, es meint, dass der groove massiver, solider, fühlbarer ist – also härter…

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    #3480831  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Beiträge: 61,527

    redbeansandricegute frage – ich hätte jetzt gesagt, es meint, dass der groove massiver, solider, fühlbarer ist – also härter…

    Das hätte ich auch gesagt. Weiss es aber auch nicht wirklich… woher stammt überhaupt die Bezeichnung?

    Nat Hentoff schrieb in den Liner Notes zu Art Blakeys Album „Hard Bop“ (Columbia CL 1040, 1957):

    The term „hard bop“ appears to have been originated by critic-pianist John Mehegan, jazz reviewer for the New York Herald Tribune. Like all labels applied to as assertively individualistic a medium as jazz, the term should be utilized with caution as indicating only a general direction whose practitioners also are apt to wander into other frames of jazz reference.

    Among the qualities that might be said to identify „hard bop“ is its direct continuation, as the term indicates, of the early modern jazz language first self-discovered and deepened by the late Charlie Parker, Dizzy Gillespie, Bud Powell, Kenny Clarke and others. The softer, cooler developments of modern jazz, as were exemplified for a time by musicians like Stan Getz and the Gil Evans-infused Miles Davis sessions for 1949-50 (with influential instrumentation of trumpet, trombone, French horn, tuba, alto, baritone saxophone and rhythm) seem to have affected the hard boppers relatively little. Nor certainly is the increased emphasis on exploring the possibilities of more challenging written jazz – as in the current work of George Russell, Charles Mingus, John Lewis, Jimmy Giuffre, Teddy Charles, etc. – reflected among the hard boppers.

    Improvisation remains the essential concern of the hard boppers. For the most part, such originals as those which they write are rather slight and are actually basing-points for extended improvisation. (A cautionary sentence is in order here to indicate again that there are musicians who may have begun as „hard boppers“ and may still play occasionally in that context, but tho whom much of this definition does not apply. I mean men like Sonny Rollins and Thelonious Monk. Monk, in fact, has never been categorizable. In any case, the responsibility of the listener is to listen to each musician and each group as individual jazzmen and individual units, and not to prejudge by label. Labels are only conveniences, and should not be abused.)

    Hentoff beschreibt dann, wie Hardbopper üblicherweise Balladen spielen: „taken at medium tempo or up-tempo, or often at explosive tempos“ – „there is often minimal softness or tone and minimal romantic expansiveness of conception“ (ich nehme an „of tone“, aber in der Mosaic-CD, aus der ich die Liners zitiere, steht „or“) und dass „the kind of rich, breathy and unabashedly enveloping ballad playing that characterizes a swing era master like Ben Webster is largely alien to the hard boppers“. Aber:

    The hard boppers are not without lyricism, but there is a leaping, raw ardor that is impatient with rounding the corners or searching out the more shaded and the more convoluted areas of expression. Their music is „hard,“ not in the sense that it lacks emotion, but in the sense that it is, or intends to be, as unsentimental and as spontaneously direct emotionally as it is possible to be.

    Hentoff bezieht sich dann auf Raymond Horricks, der in einem Essay im Melody Maker (gibt’s den online irgendwo?) den Einfluss Charlie Parkers auf die Hardbopper hervorgehoben hat, auch was die schlanken Line-Ups betrifft: Blakey, Dorhams Jazz Prophets, Roachs Quintett, die Adderleys und viele andere haben die Quintett-Formation mit Trompete/Sax übernommen.

    Ich finde diese Aussagen von Hentoff gerade im Lichte dessen, dass sie 1957 niedergeschrieben wurden, erstaunlich luzide und auch fair im Urteil. Klar, man kann sagen Leute wie Mobley oder Clark hätten die dunkleren Ecken des Lyrizismus ausgeleuchtet… haben sie auch, Hentoff verbietet sich ja jegliches Generalisieren sowieso. Aber dass zwischen dem Balladenspiel eines Hodges, eines Lawrence Brown, eines Benny Carter, Coleman Hawkins oder Ben Websters und demjenigen der Hardbopper wesentliche Unterschiede bestehen, wird wohl niemand leugnen – und die finde ich, hat Hentoff schon 1957 ganz gut in Worte gefasst.

    --

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    #3480833  | PERMALINK

    alexischicke

    Registriert seit: 09.06.2010

    Beiträge: 1,776

    Tur mir leid,will dich nicht mit meiner Fragerei Nerven,Gypsy.

    Wenn ich dich richtig verstehe,dann bezeichnet du die Ära des Hard Bop von 53-62? Aber es gab ja auch danach Alben im Hard Pop Spiel.Aber wohl keine neue Entwicklung mehr im Hard Bop Spiel?

    Ja stimmt der Sound von Ben Webster klingt doch wesentlich sentimentaler,nostalgischer. Der von Sonny Rollins wesentlich nüchterner und zukunftsorientierter.Der Hard Bopper ist wenig sentimental und versucht seine Gefühle klar und offen darzulegen.

    --

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