Die besten Hard Bop Alben

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    gypsy-tail-wind
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    Es gibt keine „Ära des Hardbop“. Die 50er waren eine Zeit, in der man wohl so viele stilistische Richtungen des Jazz nebeneinander hören konnte, wie nie zuvor. Es gab die Bebopper, es gab die kühlen New Yorker, es gab die gemässigteren West Coast-Leute, es gab die Condon-Szene und auch richtig „harte“ Dixieland-Musiker. Es gab zudem die Strömungen, die gerne als „Third Stream“ bezeichnet werden – Hentoff gebraucht die Bezeichnung nicht, die wäre 1957 schon dagewesen, ja? Aber er fasst die Gruppe mit Mingus und Russell auch wesentlich weiter, was Sinn macht, finde ich. Und Ende der 50er gab’s auch schon diverse Richtungen, die dem Bebop endgültig den Garaus machen wollten (modaler Jazz mit Miles oder Russell, aufkeimende Avantgarde mit Ornette und Cecil Taylor).

    Von einer Blütezeit des Hardbop können wir aber gerne reden. Die würde ich dann allerdings noch längst nicht 1953 ansetzen, sondern erst 1955 oder 1956. Klar gab es vorher erste Aufnahmen, aber in den Jahren 1953-55 waren wohl noch die kühleren Klänge tonangebend, erst 1956 gibt es mehrere regelmässig aufnehmende Bands, die dem Hardbop zugerechnet werden können (Blakey, Silver, Dorham… klar, Blakey hat schon 1954 begonnen, Silver im Trio noch früher, KD ebenso… daneben Miles und Roach/Brown).

    Das Ende dieser Ära würde ich für mich selber fast noch früher ansetzen. 1959 oder 1960 wohl. Aber klar, es gab viele Musiker, die weiterhin Hardbop spielten (gerade so, wie es eben in den 50ern auch Dixieland, New Orleans, Swing, Bebop und Cool gab und auch später noch) – Blakey und Silver sind unter ihnen die bekanntesten und erfolgreichsten… allerdings: War Art Blakey wirklich ein Hardbopper? (Ernstgemeinte Frage, die ich wohl in beide Richtungen beantworten könnte.)

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    #3480837  | PERMALINK

    katharsis

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    gypsy tail windDa sind wir uns also im grossen ganzen weitgehend einig!

    Noch was: von Lee Morgan hätte man gerne ein frühes Album listen dürfen, vielleicht sogar „Take Twelve“ als etwas abwegigere Wahl (und für Clifford Jordan, den ich mir „Blowing in from Chicago“ nur halbwegs gut getroffen finde, auch wenn das natürlich eine der überraschenden und tollen Wahlen ist… „Starting Time“ wäre auch eine gute Wahl gewesen).

    Stimmt, Lee Morgan ist mir auch irgendwie abhanden gekommen. Ich könnte mich da nur schwer festlegen, da mir der spätere Morgan eindeutig besser gefällt, aber „Take Twelve“ halte ich auch für eine sehr gute Wahl. Die Band ist toll und Morgan selbst tritt als Komponist immer stärker in den Vordergund.
    „The Sidewinder“ ist halt irgendwie logisch, auch wenn es aus meiner Sicht eines der überschätztesten Blue Notes ist.
    „Starting Time“ wäre zumindest eine typischeres Jordan-Album gewesen. „Blowing…“ selbst habe ich gerade wenig bis gar nicht präsent.

    gypsy tail windWas Kenny Drew betrifft, verwirrt mich Dein Insistieren ein wenig. Warum findest Du, dass er unbedingt drin sein muss, wenn z.B. Red Garland, Wynton Kelly oder Junior Mance ebenso fehlen? (Dass Barry Harris fehlt find ich hingegen korrekt – er war ein Bebopper… allerdings hätte man durchaus eins seiner Alben als Hardbop klassieren und aufnehmen können… dasselbe wäre mit Duke Jordans einem schönen BN-Album möglich gewesen.)
    Mich stört Drews Fehlen wie gesagt nicht so sehr… aber das ist wohl auch persönlich. Würde Timmons fehlen, hätte ich mich auch nicht beklagt (aber hinsichtlich seiner tollen Tunes etwas gewunderthalte), bei Sonny Clark wäre es mir so gegangen wie Dir mit Drew… und dass Silver drin ist, war ja eh klar.

    Mit Drew ist das so eine Sache, denn ich finde ihn bspw. gar nicht so weit weg von Barry Harris, so dass sein Fehlen dann auch nur konsequent wäre. Ich sehe Drew aber auch irgendwo zwischen den Pianisten, die explizit in der Liste enthalten sind. Er hat den funky approach von Silver und die Leichtigkeit von Timmons, verbindet beide aber so, dass eine erdigere, dunklere Musik dabei rauskommt. Gerade auf „Undercurrent“ ist die Musik sehr von seinen Arrangements geprägt und für mich einfach klassischer Hardbop. Alle Stücke sind sehr auf den Groove komponiert, mittleren Tempos und mit Hubbard und Mobley sind auch zwei ausgewiesene Hardbopper am Werk.
    Über Kelly denke ich eigentlich recht ähnlich. Ich finde, dass er hauptsächlich als Begleiter glänzen durfte und dabei an echten Klassikern mitgearbeitet hat. „Kelly Blue“ würde ich aber nach kurzem Nachdenken durchaus als tauglich für diese Liste erachten, auch wenn es vielleicht weniger stringent als „Undercurrent“ ist – im direkten Vergleich.
    Mit Red Garland könnte ich mich durchaus anfreunden, allerdings fiele es mir schwer, da ein Album als wirklich wichtiges Hardbop-Album zu nennen. Mit die besten Alben sind jene, die mit Coltrane entstanden sind, aber ob die dann wiederum zu den besten Hardbop-Alben gehören?
    Junior Mance würde ich am ehesten als chancenlos betrachten. Mehr noch als Timmons kommt Mance für mich aus der Bop-Ecke und hat sehr nah am Soul Jazz gespielt, der für mich schon wieder einen Schritt weiter ist. Außerdem würde ich nicht behaupten, dass die Sessions, die ich kenne (gut, sind nicht viele) wirklich Klassiker-Status haben. Dazu ist das alles zu nett.
    Timmons finde ich übrigens als Komponisten wichtiger, denn als Pianisten. Ohne „Moanin'“ oder „Dat Dere“ hätte der HardBop vielleicht eine andere Richtung genommen?!

    gypsy tail windUnd zu McLean: wenn Du den frühen Jackie nicht magst, warum schlägst Du dann vor, das beste Album des frühen McLeans durch zwei mittelprächtige zu ersetzen ;-)

    Ganz einfach, weil es nicht das Beste für mich ist :-)

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    "There is a wealth of musical richness in the air if we will only pay attention." Grachan Moncur III
    #3480839  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 61,469

    katharsisStimmt, Lee Morgan ist mir auch irgendwie abhanden gekommen. Ich könnte mich da nur schwer festlegen, da mir der spätere Morgan eindeutig besser gefällt, aber „Take Twelve“ halte ich auch für eine sehr gute Wahl. Die Band ist toll und Morgan selbst tritt als Komponist immer stärker in den Vordergund.
    „The Sidewinder“ ist halt irgendwie logisch, auch wenn es aus meiner Sicht eines der überschätztesten Blue Notes ist.

    Geht mir ähnlich, ich mag Morgan wohl so um 1965 am liebsten – „Search for the New Land“ und „The Procrastinator“ sind wohl die Insel-Alben für mich. „The Sidewinder“ ist schon ganz spannend, finde ich – aber klar, nach dem Knaller zum Auftakt kann der Rest gar nicht anders als etwas abfallen.

    katharsisMit Drew ist das so eine Sache, denn ich finde ihn bspw. gar nicht so weit weg von Barry Harris, so dass sein Fehlen dann auch nur konsequent wäre. Ich sehe Drew aber auch irgendwo zwischen den Pianisten, die explizit in der Liste enthalten sind. Er hat den funky approach von Silver und die Leichtigkeit von Timmons, verbindet beide aber so, dass eine erdigere, dunklere Musik dabei rauskommt. Gerade auf „Undercurrent“ ist die Musik sehr von seinen Arrangements geprägt und für mich einfach klassischer Hardbop. Alle Stücke sind sehr auf den Groove komponiert, mittleren Tempos und mit Hubbard und Mobley sind auch zwei ausgewiesene Hardbopper am Werk.

    „Undercurrent“ ist ein absolut klassisches Hardbop-Album für mich – da sind wir uns komplett einig. Hubbard höre ich insgesamt aber als mit einem Fuss dem Hardbop entwachsen, avancierter (schon früh, aber nicht so früh wie „Undercurrent“, und um das geht’s hier ja).

    katharsisÜber Kelly denke ich eigentlich recht ähnlich. Ich finde, dass er hauptsächlich als Begleiter glänzen durfte und dabei an echten Klassikern mitgearbeitet hat. „Kelly Blue“ würde ich aber nach kurzem Nachdenken durchaus als tauglich für diese Liste erachten, auch wenn es vielleicht weniger stringent als „Undercurrent“ ist – im direkten Vergleich.
    Mit Red Garland könnte ich mich durchaus anfreunden, allerdings fiele es mir schwer, da ein Album als wirklich wichtiges Hardbop-Album zu nennen. Mit die besten Alben sind jene, die mit Coltrane entstanden sind, aber ob die dann wiederum zu den besten Hardbop-Alben gehören?

    Bei Garland ist das wirklich so… in der Menge der Trio-Alben, welches soll man nehmen? Ich mag „Red Garland’s Piano“ enorm gerne, schon nur wegen der grossartigen Version von „Please Send Me Someone to Love“. Aber das ist auch sehr subjektiv.

    katharsisJunior Mance würde ich am ehesten als chancenlos betrachten. Mehr noch als Timmons kommt Mance für mich aus der Bop-Ecke und hat sehr nah am Soul Jazz gespielt, der für mich schon wieder einen Schritt weiter ist. Außerdem würde ich nicht behaupten, dass die Sessions, die ich kenne (gut, sind nicht viele) wirklich Klassiker-Status haben. Dazu ist das alles zu nett.
    Timmons finde ich übrigens als Komponisten wichtiger, denn als Pianisten. Ohne „Moanin'“ oder „Dat Dere“ hätte der HardBop vielleicht eine andere Richtung genommen?!

    Diese Bemerkung hätte ich beinah selbst auch gemacht zu Timmons. Dennoch find ich’s fair genug, ihn in der Liste zu haben, gerade wo die Pianisten ja eher spärlich vertreten sind (also Timmons drin und Drew/Kelly draussen find ich diesbezüglich auch vertretbar).
    Bei Mance hast Du schon recht, ich hab mir überlegt, ob ich ihn überhaupt nennen sollte.

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    #3480841  | PERMALINK

    alexischicke

    Registriert seit: 09.06.2010

    Beiträge: 1,776

    Waren die hard Bopper für euch gefühlskalt?

    --

    #3480843  | PERMALINK

    nail75

    Registriert seit: 16.10.2006

    Beiträge: 44,055

    alexischickeWaren die hard Bopper für euch gefühlskalt?

    Sie haben nie mit mir geredet. ;(

    --

    Ohne Musik ist alles Leben ein Irrtum.
    #3480845  | PERMALINK

    redbeansandrice

    Registriert seit: 14.08.2009

    Beiträge: 11,575

    ich kannte nur einen näher, und von dessen Wärme können die meisten Menschen nur träumen (oder es lassen)…

    --

    .
    #3480847  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Registriert seit: 25.01.2010

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    Damals gab’s ja diese Leute, die fanden, Mobley, Coltrane und Rollins klängen alle gleich… genauso gab’s wohl auch Leute, die Hardbop pauschal als gefühlskalt (und West Coast Jazz als anämisch – damit dies schöne Wort mal wieder fällt) abgetan haben.

    Gerade weil er das schon 1957 nicht tut und differenzierter Urteilt, gefällt mir Hentoffs Text so gut, und darum hab ich auch ausgiebig draus zitiert (die zweite Hälfte befasst sich dann übrigens mit der Musik auf dem Album – ich hab hier und hier was dazu gepostet).

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