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soulpope "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"Registriert seit: 02.12.2013
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gypsy-tail-wind
Dick Katz – 3wayPlay | Ich bin jetzt in einer teils etwas langweiligen Zeit angelangt … hat vielleicht mit meiner Auswahl zu tun, aber: es gibt nicht mehr ständig neue Stimmen zu hören – die Neunziger sind halt auch eine Phase der klassizistischen Konsolidierung, eine Zeit, in der Jazz nochmal zum Lifestyle-Gut wurde, oft mit Eleganz oder gar Luxus assoziiert, und manchmal auch so klingt. Das will ich Dick Katz allerdings echt nicht zum Vorwurf machen, der im März und August 1992 an insgesamt drei Tagen im Studio von Van Gelder war, um dieses feine Album für Reservoir einzuspielen. Mit dabei Steve LaSpina und Ben Riley, im Gepäck ein Strauss interessanter Klassiker: auf „Three Little Words“ folgt „Solar“, dann „You’re My Thrill“ und „Steeplechase“ – da werden Bögen von Roy Eldridge (ein einstiger Boss des jungen Katz) zu Miles Davis aufgespannt, von Teddy Wilson zu Charlie Parker, von Balladen zu Bop, von klassischen Changes bis zum relativ linearen „Solar“. Wilson, den man bei Katz vielleicht noch stärker hört als bei Flanagan oder Jones, ist mit „The Little Things That Mean So Much“ auch als Komponist präsent (eine Art Stride-Ballade – das Tempo scheint eine gute Lösung, um nach dem Solo-Intro auch in einem Stride-Stück die Rhythmusgruppe einzubinden), direkt gefolgt von einer Art von Antipoden: „Monk’s Dream“ (wieder mit kurzem Solo-Intro) – und das ist erst die Hälfte der Stücke auf dem Album. „Limehouse Blues“ – eine ungewöhnliche, recht langsame Version mit funky Bass und einem tollen unregelmässigen Beat – und die Ballade „Star-Crossed Love“ gucken weit zurück in den alten Jazz und zu Strayhorn/Ellington, der langsame funky „Blues in My Heart“ stammt von Benny Carter (noch eine Grösse, mit der Katz schon früh gearbeitet hat), für „The Night Has a Thousand Eyes“ hat Katz eine Bass-Linie komponiert, „Samburan“ ist ein Stück der Pianistin/Sängerin Daryl Sherman (da sind wir in der Club-Szene) und als Closer gibt es „There Is No Greater Love“. LaSpina steuert einen soliden, tiefen Bass bei, der auch mal in die hoe Lage aufschwingt oder in der Tiefe schnarrt, während Riley seine üblichen hellen, leichten Beats spielt, knapp und auf den Punkt.Deine Eindrücke decken sich sehr mit meiner Beschreibung des Albums, die vorort via Link bereits hinterlegt ist.
Ich habe diese CD plus ein paar handvoll Piano Trios mit in die geplante lange „Winterfrische“ genommen und welche ich daher seit Wochen wiederkehrend spiele …. keine der Scheiben hat dadurch „verloren“ – ganz im Gegenteil – aber neben Horace Parlan Trio „Pannonica“ (Enja) ist mir auch Dick Katz Trio „3way Play“ sehr nahegerückt .. kein „hipper“ Firlefanz, einfach exzellente Musik(er) ….
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soulpope "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"Registriert seit: 02.12.2013
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Ronnie Mathews „Summertime“ (East Wind) 1975 …. dies ein weiterer Bestandteil meiner aktuellen „Piano Trio Jukebox“ …. hier ist die (Mit)arbeit von Yoshio Suzuki (b) + Louis Hayes (dr) ausgesprochen soulful, diese knüpft für den Pianisten ein dichtes Sicherheitsnetz …. btw die East Wind Reissues aus 2015 erhielten einen 😍superben😍 Transfer ….
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"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)


standortbestimmung bzgl. listenrelevanz…..ohne e.s.t. wären viele piano trio alben nicht in meinen besitz gelangt! sie waren für mich anfang der 2000er die türöffner zum königsformat im jazz…..ohne saxophon und trompete ging da bei mir fast nichts im jazz…
beim anhören des bonus tracks auf live 1995 habe ich immer noch die hoffnung, dass act mal den ganzen gig in montreux vom 16.07.1999 herausbringt….habe die band selbst zwei mal live erlebt, zu ihrer zeit gab es imo nichts besseres auf der bühne in diesem format…
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Hat Zappa und Bob Marley noch live erlebt!
Junko Onishi Trio – Wow | 50 Minuten kinetische Wucht mit der Pianistin, die wir vermutlich alle dank eines Albums mit Jackie McLean kennenlernten … und die ich danach lange überhaupt nicht weiterverfolgt habe. Drei Tage kriegte die Debütantin im September 1992 in Tokyo Zeit für ihr erstes Album, das mit Tomoyuki Shima und Dairiki hara aufgenommen wurde. „The Jungular“ heisst der Opener, auf den ein „Wow!“ die absolut korrekte Reaktion ist. Das Trio ist eng verzahnt und überrollt uns mit seiner wuchtigen Musik wie ein Tsunami. „Rockin‘ in Rhythm“ ist das zweite Stück, die Beats wecken bereits da und dort leise Hip-Hop-Assoziationen, während der Klavierpart und überhaupt das ganze Arrangement komplett durchchoreographiert wirken. Gedanken an Jamal, an Monk, im dritten Stück, „B-Rush“, wie der Opener von Onishi“, gibt es eigenwillige Voicings und einen ein Zwei-Takt-Phrasen auf- und abwalkenden Bass zu Besen-Drums – auf halbem Weg zwischen Shearing und Jamal. Nach zwei weiteren Originals von der Pianistin – die Ballade „Prospect Park West“ mit Monk-Einschlag und „Point-Counter-Point“, das im mittelschnellen Tempo mit seinen Haken noch mehr nach Monk klingt –, gibt es drei Klassiker. Folgerichtig nun Monk selbst mit „Brilliant Corners“. Und das Stück erweist sich mit seiner kantigen und sprunghaften Montagetechnik als perfekte Wahl für die Pianistin. In „Nature Boy“ spielt Hara eine Art Slow-Motion-Version eines Vernel Fournier-Beats und Shima findet die passenden Töne in der langsam walkenden Begleitung – es entsteht mit dem sparsamen Piano der Leaderin eine sehr tolle Stimmung. Als Closer kriegen wir noch Ornette Coleman zu hören, mit dem „Broadway Blues“ – denn selbstverständlich beackert man hier nicht nur die Klassiker des konventionellen Jazz. Die Version schlägt den Bogen zum Opener: wuchtig, zweihändig, es werden Kürzel, harte Akkorde, Melodiefetzen aneinandergereiht, immer wieder ein Innehalten, ein Insistieren, eine Wiederholung – und doch entwickelt sich ein Flow, der immer mitreissender wird. Ein verblüffendes Debüt für eine 26jährige Japanerin aus Kyoto – die allerdings in Berklee studiert hat, dann nach New York zog, wo sie gemäss Wikipedia u.a. mit Joe Henderson, Kenny Garrett, Betty Carter und der Mingus Dynasty gespielt hat. Fertig geformt klingt der Stil hier für meine Ohren noch gar nicht, aber es gibt tolle Musik zu hören,
Ich hatte zu Onishis Trio-Tätigkeit auf Platte schon ein paar Zeilen geschrieben, weil sie den Nachschlag von Geri Allen/Charlie Haden/Paul Motian aus dem Village Vanguard kuratiert hat:
Die Pianistin, die den Nachschlag von 2021 auswählte und programmierte, Junko Onishi (*1967), tauchte hier im Faden noch nicht auf, glaube ich … ich habe ihre Trio-Alben in der Pandemie entdeckt und darüber hinaus auch diverse jüngere Japan-Veröffentlichungen zusammengesucht. In einigen Wochen erscheint wieder ein neues Album – im Trio hat sie allerdings die letzten Jahre nur noch hie und da aufgenommen, zuletzt 2019 mit Robert Hurst/Karriem Riggins. 1994 nahm sie mit Reginald Veal und Herlin Riley selbst zwei tolle Live-Alben im Village Vanguard auf. Vermutlich überspringe ich die Trio-Alben, weil ich ihre Aufnahmen mal insgesamt etwas vertiefen möchte. Onishi hörte 1999, als ihr Mentor Jaki Byard ermordet wurde, komplett zu spielen auf – ihr Comeback 2009 nahm sie mit Yosuke Inoue/Gene Jackson auf, liess 2010 „Baroque“ folgen und machte dann bis 2016 gleich wieder Pause.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba

Matthew Shipp Trio – Prism | Mit William Parker und Whit Dickey nahm Matthew Shipp schon 1990 ein Album auf („Circular Temple“, 1992 bei Quinton erschienen). Ende März 1993 wurde im Roulette in New York ein Set mitgeschnitten, das 1996 in den Niederlanden bei Ectoplasm/Brinkman und 2000 wieder bei Hat Hut in der Schweiz erschien. Es gibt zwei Tracks, 30 und 26 Minuten lang, der einzige einigermassen taugliche Vergleich, den wir hier im Faden schon hatten, dürfte das Feel Trio sein mit demselben Bassisten sowie Cecil Taylor und Tony Oxley. Dickey spielt ein ganz anderes Schlagzeug als Oxley, aber auch eins, das in viele Richtungen geht, sehr offen wirkt. Shipp sucht nicht ständig die Höhepunkte und Verdichtungen, kann das Energielevel auch hoch halten, ohne ständig laut zu spielen. Immer wieder setzt er neu an, im tiefen Register, mit einfachen repetitiven Figuren, aus denen der nächste Strang entsteht, der sich über mehrere Minuten erstrecken kann, während der Bass und die Drums sich einmischen oder den Ball aufgreifen und auch mal in den Vordergrund treten. Am Ende geht es mir hier aber nicht unähnlich wie bei Katz oder Onishi: es gibt Momente, in denen ich denke, etwas weniger Musik hätte auch gereicht – die Gedanken schweifen aber, nur um von einem musikalischen Ereignis, das aufhorchen lässt (einem Cluster von Shipp, einer beckenlastigen Passage von Dickey), wieder zurückzukehren.
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soulpope "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"Registriert seit: 02.12.2013
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Hod O’Brien Trio „Yardbird Suite“ (Reservoir „New York Piano Series“) 1990 …. ein deutlich eigenständiger BeBop Pianist auf heimatlichem Songterritorium ….hier mit dem zu dieser Zeit im Piano Trio Segment (gottseidank) de facto unausweichlichen „Rhythmus Backstop“ Ray Drummond (b) – welchen ich im Zuge dieser Umfrage substantiell mehr zu schätzen lernte – und Kenny Washington (dr) .. aufgenommen von Rudy Van Gelder …. was sollte da schon schiefgehen ….
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"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
Ayumi Tanaka Trio – Memento | Das Ayumi Tanaka Trio mit Christian Meas Svendsen und Per Oddvar Johansen flog gestern zum Begleiten eines schwedischen Stummfilms ein (mit Unterstützung der norwegischen Botschaft, das städtische Programmkino könnte sich das allein kaum leisten) – und es war toll. Geräuschafter, manchmal auch im Geräuschhaften strukturierter als die ECM-CD, die ich die letzten Tage auch wieder im Player hatte. Das erste Album stammt von 2015 und erschien bei AMP Music & Records – vermutlich grad noch bevor das eigene Label (Nakama, nach der gleichnamigen Band, in der Tanaka und Svendsen auch spielen) gegründet wurde? Jedenfalls hatten sie die beiden CDs mit und es gab sie zum Freundschaftspreis, daher musste diese hier mit. Die Musik hier ist ähnlich wie beim ECM-Album: mal filmisch, mal fragmentarisch, mal werden innert kürzester Zeit Bögen gespannt, dann nehmen die drei sich etwas mehr Zeit, es gibt auch ein paar Stücke mit Strukturen, festen Beats und so … scheint mir insgesamt vom ersten Eindruck her fast näher an dem, was ich gestern hörte, als am ECM-Album. Und wie dieses ist auch das Album hier sehr kurz, noch kürzer, nicht mal ganz 31 Minuten lang.
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Gene DiNovi – Renaissance of a Jazz Master | Auch die Japaner waren nicht immer gründlich – jedenfalls übersahen sie in den Siebzigern DiNovi, den 1928 in Brooklyn geborenen Eugene Salvatore Patrick DiNovi, der neben George Wallington, Dodo Marmarosa oder Joe Albany zu denjenigen Pianisten gehört, die eigene Wege zwischen Swing und Bebop beschritten. DiNovi zog 1972 nach Toronto und war wohl nicht aufzufinden, als die Japaner herumzogen – und natürlich auch Marmarosa nicht fanden … das waren halt nicht die Leute, die sie im Blick gehabt haben, vermute ich.
DiNovi hörte Basie, Ellington und die anderen Swing-Bands, Teddy Wilson und Art Tatum waren frühe Einflüsse, dann Nat Cole – aber nicht Earl Hines. Schliesslich entdeckte er Bud Powell und Thelonious Monk, interessierte sich auch für den Ansatz von Lennie Tristano. Daraus formte er bald einen eigenen Stil – er spielte schon als Kind und Jugendlicher mit Jerry Jerome, Boyd Raeburn, Buddy DeFranco und anderen und wirkte dann bei einer der Aladdin-Sessions von Lester Young mit. DiNovi pflegt einen klar modernen Stil, aber mit dem Glow von Wilson und derselben Eleganz der Detroiter (Flanagan, Harris) – ich höre bei ihm aber mehr alten Jazz und eine grössere Wärme, ein stärkeres Gewicht der Klangfarben im Klaviersound, der hier, am 31. März 1993 in den Phase One Studios in Toronto, wirklich unfassbar schön eingefangen ist.
Nach den schnellen Anfängen ging DiNovi einen anderen Weg als all diejenigen in seinem Umfeld, die lichterloh brannten und früh starben (Berman, Navarro, Gray, Parker…) – er heiratete, gründete Familie … und begleitete Sänger*innen, um einen stabilen Lebenswandel führen zu können: Peggy Lee, Tony Bennett (auch aus Brooklyn), Lena Horne, Anita O’Day. Von da ging es nach Hollywood in die Studios, die Freundschaft mit Hornes Ehemann Lennie Hayton öffnete ihm Türen und Johnny Mercer fand einige von DiNovis Melodien gut genug, um Texte zu schreiben. In den Sechzigern leitete er eine Gesangsgruppe, zog wie erwähnt in den frühen Siebzigern nach Kanada. In den Achtzigern zog es ihn – er machte nur gelegentlich mal eine Aufnahme – wieder zurück in den Jazz. 1990 reiste er nach Japan und daraus ergab sich ein erstes Trio-Album. Es wurden rasch drei daraus, alle bei Marshmallow erschienen und mir bisher unbekannt.
Alan Bates hörte 1992 ein Tape aus Montréal und nahm ihn unter Vertrag. „Renaissance“ ist das Ergebnis davon, eine Reise nach Europa ergab sich dann auch noch … und es zeigte sich, dass DiNovi jung geblieben war, auch verfolgt hatte, was sich im Jazz der letzten Jahre getan hatte. Seine Phrasierung ist klasse, sein Touch wie gesagt wirklich toll, und sein Beat unfehlbar. Die tiefe Kenntnis der Songbooks vom Broadway und aus Hollywood führt zudem zu einem Repertoire voller selten gehörter Songs, unter ihnen Perlen wie „A Cockeyed Optimist“ von Rodgers/Hammerstein II, mit dem das Album öffnet, ohne „Bill“ von Kern/Wodehouse/Hammerstein II. Dazwischen spielt DiNovi ein paar eigene Stücke (darunter „Have a Heart“ das Mercer vertextet hat – und ausgerechnet in seiner „Elegy“ wird er zwischenzeitlich auch mal ein klein wenig funky) und Carisis „Springsville“ und auch ein paar bekanntere Songs wie „It Never Entered My Mind“ und „My Old Flame“, als Closer gibt es dann „Speak Low“. Mit Dave Young und Terry Clarke hat DiNovi die besten Leute hinter sich, die es damals in Kanada gab … das ist schon ein Prä-Evans-Trio, aber die Begleiter sind ziemlich aktiv und vor allem sehr souverän.
Das Album ist pure delight – eine warme Empfehlung für alle, die irgendwas zwischen Haig und Flanagan mögen … ich hab noch ein Trio-Album – und das dringende Gefühl, dass ich da noch tiefer schürfen sollte.
PS: DiNovi summt oft leise mit – eigentlich singt er … oft verschmilzt das praktisch ganz mit dem Piano und klingt wie ein leises Echo – mich berührt das ziemlich. Jedenfalls alles andere als störend (und möglicherweise das nächste am Erlebnis, das ich mit dem späten McCoy Tyner hatte, der das recht ähnlich aber noch leiser auch tat).
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
Junko Onishi Trio – Cruisin‘ | Die zweite Runde von Junko Onishi, hier schon erwähnt als etwas weniger gut denn das Debut, mit einer US-Rhythmusgruppe, die aus Rodney Whitaker und Billy Higgins besteht und an zwei Tagen im April 1993 in der Power Station in New York aufgenommen (Jim Anderson). Nach DiNovi ein rechter Bruch: hier geht es wieder um Energie, um Drive, Eleganz gibt es durchaus auch, aber sie ist gestählt und kommt von Jamal, nicht von Wilson (obwohl es jene ohne diesen ja auch nicht gäbe). Im Opener, ihrer „Eulogia“, spielt Onishi ein Single-Note-Solo, während die Drums von Higgins viel mehr ausufern als die des Kollegen auf dem Debut, und Whitaker mit dunklem Ton in der tiefsten Lage die Atmosphäre prägt. Das ist ein ziemlich toller Einstieg, der durchaus eine Gemeinsamkeit mit DiNovi verrät: ein Interesse für das Spiel von Lennie Tristano nämlich – und ihre Improvisation über fast neun Minuten entwickelt einen grossen Sog und fügt dem Debut wenigstens eine neue Facette hinzu.
Danach gibt es nicht nur Ornette („Congeniality“) sondern – vielleicht weil das Album wie auch schon erwähnt als erstes und wie die meisten folgenden Somethin‘ Else-Alben von Onishi auch beim US-Partner-Label Blue Note herauskam – einen Strauss von Klassikern: gleich dreimal Ellington mit „The Shepherd“ (klingt wie ein Mix aus dem Duke und Timmons), „Melancholia und „Caravan“ (na ja, Tizol eigentlich – und die Version ist total in the pocket, Higgins/Whitacker sind spitze), dazu „Summertime“ und als Closer „Blue Seven“ von Rollins, dazwischen noch „Roz“ von Whitaker und „Switchin‘ In“ als zweiten Beitrag von Onishi – und die zwei Originals verraten, dass auch dieses Trio mehr Potential gehabt hätte: atmosphärisch dunkel das Whitacker-Stück, mitreissender Drive in dem von Onishi. Unterm Strich ist das tatsächlich konventioneller als das Debüt, vielleicht aber zugleich vielseitiger? Ein gutes Album voller frischer Musik, mit tollen Beats, Tempowechseln, interessanten Arrangement-Ideen … aber im Gegensatz zum ähnlich langen von DiNovi langweile ich mich hie und da.
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Junko Onishi Trio – Cruisin‘ | Die zweite Runde von Junko Onishi, hier schon erwähnt als etwas weniger gut denn das Debut, mit einer US-Rhythmusgruppe, die aus Rodney Whitaker und Billy Higgins besteht und an zwei Tagen im April 1993 in der Power Station in New York aufgenommen (Jim Anderson) …. die zwei Originals verraten, dass auch dieses Trio mehr Potential gehabt hätte: atmosphärisch dunkel das Whitacker-Stück, mitreissender Drive in dem von Onishi. Unterm Strich ist das tatsächlich konventioneller als das Debüt, vielleicht aber zugleich vielseitiger? Ein gutes Album voller frischer Musik, mit tollen Beats, Tempowechseln, interessanten Arrangement-Ideen … aber im Gegensatz zum ähnlich langen von DiNovi langweile ich mich hie und da.Ehre wem Ehre gebührt, denn das epische Solo Bass Intro von Rodney Whitaker ist nicht nur herausragend aufgebaut, sondern auch superb umgesetzt …. btw und der stimmige Übergang zum Piano Trio Segment ist ebenso klasse ….
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Gene DiNovi – Renaissance of a Jazz Master | Auch die Japaner waren nicht immer gründlich – jedenfalls übersahen sie in den Siebzigern DiNovi, den 1928 in Brooklyn geborenen Eugene Salvatore Patrick DiNovi, der neben George Wallington, Dodo Marmarosa oder Joe Albany zu denjenigen Pianisten gehört, die eigene Wege zwischen Swing und Bebop beschritten. DiNovi zog 1972 nach Toronto und war wohl nicht aufzufinden, als die Japaner herumzogen …. Alan Bates hörte 1992 ein Tape aus Montréal und nahm ihn unter Vertrag. „Renaissance“ ist das Ergebnis davon, eine Reise nach Europa ergab sich dann auch noch … und es zeigte sich, dass DiNovi jung geblieben war, auch verfolgt hatte, was sich im Jazz der letzten Jahre getan hatte. Seine Phrasierung ist klasse, sein Touch wie gesagt wirklich toll, und sein Beat unfehlbar …. Mit Dave Young und Terry Clarke hat DiNovi die besten Leute hinter sich, die es damals in Kanada gab … das ist schon ein Prä-Evans-Trio, aber die Begleiter sind ziemlich aktiv und vor allem sehr souverän. Das Album ist pure delight … ich hab …. das dringende Gefühl, dass ich noch tiefer schürfen sollte ….Dank für die Erinnerung …. Dave Young (b) und Terry Clarke (dr) hier die halbe Miete und „Speak Low“ sicherlich eine der stärksten Coverversionen der Kurt Weill Komposition ….
P.S von den Marshmellow Alben kenne/eigne ich nur „Remembrance“ mir Don Thompson (b) und Memo Acevedo (dr) …. dies ebenfalls ausgezeichnet ….
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Gene DiNovi Trio – Live at the Montreal Bistro, Toronto | Ted O’Reilly (früher auf Organissimo aktiv) kündet die Band an und dann geht es lost, elf Stücke, über eine Stunde Musik, aufgenommen an drei Tagen im Oktober 1993 und bei Candid erschienen (ich habe in diesem Fall ein Japan-Reissue von 2022, das auf Discogs nicht gelistet ist). Dave Young und Terry Clark sind wieder dabei, das Repertoire ist auch hier top: „T.N.T.“, der Opener, und „Tiny’s Blues“, der Closer, stammen von Tiny Kahn, dem das Album auch gewidmet ist („one of my dearest friends). Dazwischen gibt es ein zentrales Segment mit Originals („Terry’s Little Tune“, „Nieves“, „A Tune for Mac“ und „A.B.’s Blues“, alle von DiNovi) auch wieder ein paar selten gehörte Songs: „Happy Harvest“ (Harry Warren) sowie ein Medley aus zwei bekannten Songs, „The Things We Did Last Summer“ und „Indian Summer“ vor den eigenen Stücken, danach wieder weniger oft zu hörende Songs: „It Happened in Monterey“ (Wayne/Rose), „You Better Go Now“ (Graham/Reichner) und „Coffee Time“ (Warren/Freed). Der Sound ist nicht so schön wie im Studio, dafür wirkt das alles vielleicht eine Spur lebendiger, die Begleiter auch etwas stärker eingebunden. Auch hier gibt es zahlreiche Highlights, zum Beispiel das eigene „Nieves“, neun Minuten im langsamen 3/4 und mit Changes, die geradezu süffig sind.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
Geri Allen Trio with Ron Carter, Tony Williams – Twenty One | Der Bulldozer im Feld der Neotradition (klick) – ein ruppiges Album, das wirklich hart an die Grenze geht, was den Sound anbelangt. Tony Williams schiesst aus allen Löchern, Carter findet die Balance zwischen den gehämmerten Klavierakkorden und -linien und den ruppigen Beats. Spätestens wenn die drei in „Thelonious“ einbiegen, haben sie mich. Das klingt nicht gut – das will es nicht tun. Das ist nicht elegant – will es nicht sein. Das ist nicht abgeklärt oder souverän oder sonst irgendwas … es IST. Und im Augenblick ist es dann eben doch alles: unglaublich elegant, vollkommen souverän und abgeklärt – und der Sound entpuppt sich als genau richtig, wenn man das laut aufdreht, den Bass wummern und die Bass-Drum so richtig kicken lässt. Teo Macero hat mit Herb Jordan (wer?) produziert, aber dahinter steht auch hier Somethin‘ Else (executive producer ist Hitoshi Namekata) – und klar: wie DiNovi spielt Allen einen Steinway – aber die Differenz könnte kaum grösser sein. Gefällt mir heute so gut wie noch nie, dieses wundersame Album. Es gibt eine ganze Menge Originals (vom Repertoire her waren hier wohl weniger Konzessionen als bei Onishi angesagt?): „RTG“ (Ron, Tony, Geri) zum Einstieg, „Drummer’s Song“, „In the Morning (for Sister Leola)“, „Feed the Fire“ (hier ist der Sound besonders krass, im fast maschinenartigen Intro und Outro zumal), „A Place of Power“ und „In the Middle“, das letzte Stück, das Allen allein spielt. Dazwischen stehen ein paar Standards: „If I Should Lose You“ ist eigentlich totgenudelt, aber wenn das so kubistisch daherkommt wie hier, klingt es wie neu. Vor „Thelonious“ steht als Intro noch Monks „Introspective“, an alten Klassiker haben die drei noch „A Beautiful Friendship“ (Styne/Cahn – glaub das kenn ich gar nicht?), „Tea for Two“ (Faux-Stride nach Williams‘ aggressiv-rockigem Intro – auch keine richtig gute Lösung finde ich … als Duo von Allen mit Williams wär das besser als mit dem komprimierten Überdruck-Bass, der mit seiner Klang-Dominanz bei langweiligster Ton-Wahl die Balance total stört), „Lullaby of the Leaves“ (irgendwo schwirrt eben auch hier Ahmad Jamal herum) und „Old Folks“ dabei. In letzterem wird es für einen Moment fast im herkömmlichen Sinn schön – und Allen glänzt mit einem tollen Balladen-Solo. Erst im tollen Outro erfolgt doch ein Bruch.
(Ich höre hier nach wie vor meine alte CD von 1994 oder eine Nachpressung der Ausgabe … weiss es nicht genau, gekauft wohl so um 1998 herum? War jedenfalls mein erstes Album von Allen und definitiv kein geeigneter Einstieg – ich wartete danach lange, bis ich mehr kaufte, nicht mal das Trio mit Haden/Motian hab ich über das Montréal-Konzert hinaus bald nachgeholt – aber gut, DIW war in den Tagen vor dem Internet auch nicht zu kriegen.)
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tbaMeine StoneFM-Sendung vom kommenden Dienstag um 22 Uhr ist zum Thema:
https://radiostonefm.de/naechste-sendungen/9862-260113-gypsy-goes-jazz-169--
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schöne idee!
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Schlagwörter: Jazz, Piano, Piano Trio
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