Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz

#12584595  | PERMALINK

gypsy-tail-wind
Moderator
Biomasse

Registriert seit: 25.01.2010

Beiträge: 69,788

Junko Onishi Trio – Cruisin‘ | Die zweite Runde von Junko Onishi, hier schon erwähnt als etwas weniger gut denn das Debut, mit einer US-Rhythmusgruppe, die aus Rodney Whitaker und Billy Higgins besteht und an zwei Tagen im April 1993 in der Power Station in New York aufgenommen (Jim Anderson). Nach DiNovi ein rechter Bruch: hier geht es wieder um Energie, um Drive, Eleganz gibt es durchaus auch, aber sie ist gestählt und kommt von Jamal, nicht von Wilson (obwohl es jene ohne diesen ja auch nicht gäbe). Im Opener, ihrer „Eulogia“, spielt Onishi ein Single-Note-Solo, während die Drums von Higgins viel mehr ausufern als die des Kollegen auf dem Debut, und Whitaker mit dunklem Ton in der tiefsten Lage die Atmosphäre prägt. Das ist ein ziemlich toller Einstieg, der durchaus eine Gemeinsamkeit mit DiNovi verrät: ein Interesse für das Spiel von Lennie Tristano nämlich – und ihre Improvisation über fast neun Minuten entwickelt einen grossen Sog und fügt dem Debut wenigstens eine neue Facette hinzu.

Danach gibt es nicht nur Ornette („Congeniality“) sondern – vielleicht weil das Album wie auch schon erwähnt als erstes und wie die meisten folgenden Somethin‘ Else-Alben von Onishi auch beim US-Partner-Label Blue Note herauskam – einen Strauss von Klassikern: gleich dreimal Ellington mit „The Shepherd“ (klingt wie ein Mix aus dem Duke und Timmons), „Melancholia und „Caravan“ (na ja, Tizol eigentlich – und die Version ist total in the pocket, Higgins/Whitacker sind spitze), dazu „Summertime“ und als Closer „Blue Seven“ von Rollins, dazwischen noch „Roz“ von Whitaker und „Switchin‘ In“ als zweiten Beitrag von Onishi – und die zwei Originals verraten, dass auch dieses Trio mehr Potential gehabt hätte: atmosphärisch dunkel das Whitacker-Stück, mitreissender Drive in dem von Onishi. Unterm Strich ist das tatsächlich konventioneller als das Debüt, vielleicht aber zugleich vielseitiger? Ein gutes Album voller frischer Musik, mit tollen Beats, Tempowechseln, interessanten Arrangement-Ideen … aber im Gegensatz zum ähnlich langen von DiNovi langweile ich mich hie und da.

--

"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba