Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz

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gypsy-tail-wind
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Geri Allen Trio with Ron Carter, Tony Williams – Twenty One | Der Bulldozer im Feld der Neotradition (klick) – ein ruppiges Album, das wirklich hart an die Grenze geht, was den Sound anbelangt. Tony Williams schiesst aus allen Löchern, Carter findet die Balance zwischen den gehämmerten Klavierakkorden und -linien und den ruppigen Beats. Spätestens wenn die drei in „Thelonious“ einbiegen, haben sie mich. Das klingt nicht gut – das will es nicht tun. Das ist nicht elegant – will es nicht sein. Das ist nicht abgeklärt oder souverän oder sonst irgendwas … es IST. Und im Augenblick ist es dann eben doch alles: unglaublich elegant, vollkommen souverän und abgeklärt – und der Sound entpuppt sich als genau richtig, wenn man das laut aufdreht, den Bass wummern und die Bass-Drum so richtig kicken lässt. Teo Macero hat mit Herb Jordan (wer?) produziert, aber dahinter steht auch hier Somethin‘ Else (executive producer ist Hitoshi Namekata) – und klar: wie DiNovi spielt Allen einen Steinway – aber die Differenz könnte kaum grösser sein. Gefällt mir heute so gut wie noch nie, dieses wundersame Album. Es gibt eine ganze Menge Originals (vom Repertoire her waren hier wohl weniger Konzessionen als bei Onishi angesagt?): „RTG“ (Ron, Tony, Geri) zum Einstieg, „Drummer’s Song“, „In the Morning (for Sister Leola)“, „Feed the Fire“ (hier ist der Sound besonders krass, im fast maschinenartigen Intro und Outro zumal), „A Place of Power“ und „In the Middle“, das letzte Stück, das Allen allein spielt. Dazwischen stehen ein paar Standards: „If I Should Lose You“ ist eigentlich totgenudelt, aber wenn das so kubistisch daherkommt wie hier, klingt es wie neu. Vor „Thelonious“ steht als Intro noch Monks „Introspective“, an alten Klassiker haben die drei noch „A Beautiful Friendship“ (Styne/Cahn – glaub das kenn ich gar nicht?), „Tea for Two“ (Faux-Stride nach Williams‘ aggressiv-rockigem Intro – auch keine richtig gute Lösung finde ich … als Duo von Allen mit Williams wär das besser als mit dem komprimierten Überdruck-Bass, der mit seiner Klang-Dominanz bei langweiligster Ton-Wahl die Balance total stört), „Lullaby of the Leaves“ (irgendwo schwirrt eben auch hier Ahmad Jamal herum) und „Old Folks“ dabei. In letzterem wird es für einen Moment fast im herkömmlichen Sinn schön – und Allen glänzt mit einem tollen Balladen-Solo. Erst im tollen Outro erfolgt doch ein Bruch.

(Ich höre hier nach wie vor meine alte CD von 1994 oder eine Nachpressung der Ausgabe … weiss es nicht genau, gekauft wohl so um 1998 herum? War jedenfalls mein erstes Album von Allen und definitiv kein geeigneter Einstieg – ich wartete danach lange, bis ich mehr kaufte, nicht mal das Trio mit Haden/Motian hab ich über das Montréal-Konzert hinaus bald nachgeholt – aber gut, DIW war in den Tagen vor dem Internet auch nicht zu kriegen.)

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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba