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Junko Onishi Trio – Wow | 50 Minuten kinetische Wucht mit der Pianistin, die wir vermutlich alle dank eines Albums mit Jackie McLean kennenlernten … und die ich danach lange überhaupt nicht weiterverfolgt habe. Drei Tage kriegte die Debütantin im September 1992 in Tokyo Zeit für ihr erstes Album, das mit Tomoyuki Shima und Dairiki hara aufgenommen wurde. „The Jungular“ heisst der Opener, auf den ein „Wow!“ die absolut korrekte Reaktion ist. Das Trio ist eng verzahnt und überrollt uns mit seiner wuchtigen Musik wie ein Tsunami. „Rockin‘ in Rhythm“ ist das zweite Stück, die Beats wecken bereits da und dort leise Hip-Hop-Assoziationen, während der Klavierpart und überhaupt das ganze Arrangement komplett durchchoreographiert wirken. Gedanken an Jamal, an Monk, im dritten Stück, „B-Rush“, wie der Opener von Onishi“, gibt es eigenwillige Voicings und einen ein Zwei-Takt-Phrasen auf- und abwalkenden Bass zu Besen-Drums – auf halbem Weg zwischen Shearing und Jamal. Nach zwei weiteren Originals von der Pianistin – die Ballade „Prospect Park West“ mit Monk-Einschlag und „Point-Counter-Point“, das im mittelschnellen Tempo mit seinen Haken noch mehr nach Monk klingt –, gibt es drei Klassiker. Folgerichtig nun Monk selbst mit „Brilliant Corners“. Und das Stück erweist sich mit seiner kantigen und sprunghaften Montagetechnik als perfekte Wahl für die Pianistin. In „Nature Boy“ spielt Hara eine Art Slow-Motion-Version eines Vernel Fournier-Beats und Shima findet die passenden Töne in der langsam walkenden Begleitung – es entsteht mit dem sparsamen Piano der Leaderin eine sehr tolle Stimmung. Als Closer kriegen wir noch Ornette Coleman zu hören, mit dem „Broadway Blues“ – denn selbstverständlich beackert man hier nicht nur die Klassiker des konventionellen Jazz. Die Version schlägt den Bogen zum Opener: wuchtig, zweihändig, es werden Kürzel, harte Akkorde, Melodiefetzen aneinandergereiht, immer wieder ein Innehalten, ein Insistieren, eine Wiederholung – und doch entwickelt sich ein Flow, der immer mitreissender wird. Ein verblüffendes Debüt für eine 26jährige Japanerin aus Kyoto – die allerdings in Berklee studiert hat, dann nach New York zog, wo sie gemäss Wikipedia u.a. mit Joe Henderson, Kenny Garrett, Betty Carter und der Mingus Dynasty gespielt hat. Fertig geformt klingt der Stil hier für meine Ohren noch gar nicht, aber es gibt tolle Musik zu hören,
Ich hatte zu Onishis Trio-Tätigkeit auf Platte schon ein paar Zeilen geschrieben, weil sie den Nachschlag von Geri Allen/Charlie Haden/Paul Motian aus dem Village Vanguard kuratiert hat:
Die Pianistin, die den Nachschlag von 2021 auswählte und programmierte, Junko Onishi (*1967), tauchte hier im Faden noch nicht auf, glaube ich … ich habe ihre Trio-Alben in der Pandemie entdeckt und darüber hinaus auch diverse jüngere Japan-Veröffentlichungen zusammengesucht. In einigen Wochen erscheint wieder ein neues Album – im Trio hat sie allerdings die letzten Jahre nur noch hie und da aufgenommen, zuletzt 2019 mit Robert Hurst/Karriem Riggins. 1994 nahm sie mit Reginald Veal und Herlin Riley selbst zwei tolle Live-Alben im Village Vanguard auf. Vermutlich überspringe ich die Trio-Alben, weil ich ihre Aufnahmen mal insgesamt etwas vertiefen möchte. Onishi hörte 1999, als ihr Mentor Jaki Byard ermordet wurde, komplett zu spielen auf – ihr Comeback 2009 nahm sie mit Yosuke Inoue/Gene Jackson auf, liess 2010 „Baroque“ folgen und machte dann bis 2016 gleich wieder Pause.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba