Das Piano-Trio im Jazz

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    atom
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    @lotterlotta: Folgende Oscar Peterson Trio-Alben haben es bisher in meine Sammlung geschafft:

    The Jazz Soul of Oscar Peterson
    The Trio
    The Sound of the Trio
    West Side Story
    Night Train

    Ich möchte mir auf jeden Fall die fehlenden The London House-Alben sowie ein paar der 1959er Songbook-Alben besorgen und vielleicht noch ein paar spätere Alben.

    --

    Hey man, why don't we make a tune... just playin' the melody, not play the solos...
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    #12588343  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Schön, Dich wieder zu lesen @atom! Lustigerweise hab ich ausgerechnet „West Side Story“ vor ein paar Wochen auch mal wieder angehört, als einziges herausgezogen zum Wiederhören, aber hier dann nichts dazu geschrieben.

    „The Jazz Soul of Oscar Peterson“ ist bei mir ganz oben bei Peterson … es gibt eine Menge starker Alben von ihm, aber richtige Lieblingsalben sind bei mir keine dabei, dafür berührt er mich dann doch zu wenig.

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
    #12588357  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Steve Kuhn Trio – Live at Birdland | Reunion von Steve Kuhn mit Ron Carter und Al Foster, zwei Jahrzehnte später für Blue Note (jetzt auch das Label von „State of the Tenor“) im Juli 2006 im Birdland, hervorragend aufgenommen (Katherine Miller, die auch den Mix machte). Kuhn hat ja mit so vielen superben Rhythmusgruppen aufgenommen (bei mir vertreten sind u.a.: Williams/Foster, Williams/Drummond, Gomez/Foster, Gomez/Drummond, Peacock/Drummond, Finck/Drummond, Finck/Nash, Finck/Baron, Mraz/Foster, Mraz/La Roca (Sims), natürlich auch Vitous/Romano und Swallow/Baron), dass ausgerechnet die Kombi zu den vielleicht besten Resultaten führt, hat möglicherweise mit der auf Souveränität und tiefem Wissen beruhenden Spontanität zu tun, die Carter und Foster mit Kuhn pflegen. Ein Foto im CD-Booklet zeigt, dass Flügel schräg steht, so dass Kuhn die zwei Kollegen im Blick hat, dafür dem Publikum so halb den Rücken (nicht wie oft eher/fast die Seite) zudreht. Und im Moment, als das Foto gemacht wurde, gucken die beiden auch zu Kuhn und er zu ihnen. Das ist kommunikative Musik, in der ständig ganz vieles möglich ist und einiges davon auch passiert. Grooves, Block-Akkorde, Riffs, Patterns – und dann wieder raus aus all dem. Es gibt alte Klassiker wie den Opener „If I Were a Bell“, „Stella By Starlight“ oder den „Jitterbug Waltz“ (schon 1986 Teil des Repertoires), eine tolle Jazz-Version von Debussys „La plus que lente“, die in Strayhorns „Passion Flower“ übergeht, „Lotus Blossom“ von Kenny Dorham, Carters „Little Waltz“, Kuhns „Two by Two“ und „Clotilde“ (alle drei auch schon 1986 dabei), Mancini/Gimbels „Slow Hot Wind“, und als Closer noch etwas Bebop, passend zum Club, in dem das Album aufgenommen wurde, „Confirmation“ von Charlie Parker. Das Repertoire reflektiert auch „personal heroes“ von Kuhn: Dorham, Mancini, Debussy, Strayhorn, und seine Mutter Stella.

    In den Liner Notes von Ashley Kahn äussert sich Kuhn zum Trio-Format und sagt ein paar Dinge, bei denen ihm die allermeisten Pianist*innen in diesem Faden wohl zustimmen würden: „It is probably my favorite format. I have nothing against playing in a quartet, but with a trio, you get that interaction, that support, and you’re able to state the melody the way you want. It gives me a chance to really express the whole picture. I find that in terms of being able to select a repertoire and really being in control, it’s challenging for me with a trio. And I welcome that challenge.“

    Beim ersten Treffen zwanzig Jahre früher hatten die drei nie zusammen gespielt gehabt. Für das Jubiläum mietete Kuhn einen Hamburger Steinway-D, wählte die Tonmeisterin, und dann auch die besten Takes von vier Abenden, an denen das Trio mitgeschnitten wurde (die Stücke auf dem Album stammen vom 7. und 8. Juli). Kuhn wollte auch deswegen ein paar der Stücke nochmal spielen, weil 1986, „being completely candid, I was a little bit intimidated working with these guys […] Now I feel much stronger as a soloist and in the way I approach things.“ Über die Sidemen sagt er: „We were, we are, all of an age. We grew up listening to the same sort of music. And so the frames of reference are very similar. That is the essence of what a trio is; it’s a democracy, a conversation. Both Ron and Al are really not afraid to take chances. Ron – harmonically he’s incredible. He’ll do something with the time, or Al will respond to something I do, but then he’ll take it a little further. ‚Let0s try this and go that way.‘ I love that, I love to be pushed. Let’s put it this way – I like to be fucked with.“

    Kuhn zitiert mal was von den Beatles, schrammt an „Sunny“ oder „As Time Goes By“ vorbei – und auch da verweist er auf die gemeinsame Erfahrung, besonders mit Carter: sie haben über so lange Zeit so viele Songs gespielt, dass sie einen immensen Fundus abrufen können – und beide hätten denselben trockenen Humor, so Kuhn. Natürlich gab es keine Proben vor den Gigs: „We just played. There was the greatest amount of mutual respect. We’re all twenty years older and we’ve mellowed a lot. It was really just an enjoyable week.“ Die Freude am gemeinsamen Musizieren, die gegenseitigen Herausforderungen, die Spontanität, das lebendige Zusammenspiel – all das macht, dass auch diese neue Aufnahme des Trios voller wunderbarer Musik ist, die mit den ersten Aufnahmen unbedingt mithalten kann.

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    #12588395  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Vijay Iyer Trio – Historicity | Die Gleichzeitigkeit ist in den Nullern und Zehnern nicht mehr die von Leuten, die noch direkt alles von Teddy Wilson bis Bud Powell channelten sondern die von Leuten wie Steve Kuhn oder Don Friedman mit jüngeren Musiker*innen. Bei Vijay Iver brauchte ich ein paar Anläufe, geklickt haben ein Live-Konzert (die Suche ist wieder top, finde nur tote Links aber nicht den eigentlichen Post, jedenfalls Februar 2013 im Moods in Zürich) und dann „Break Stuff“, das auch in meine Top 20 musste. Die beiden früheren Alben desselben Trios mit Stephan Crump und Marcus Gilmore holte ich danach erst nach und sie haben sich bisher keine vergleichbare Position erstritten – auch wenn sie fraglos toll sind. Iyer produziert hier selbst und hat interessantes Material zusammengetragen: Andrew Hill, Stevie Wonder, Julius Hemphill und Ronnie Foster folgen in der Mitte der Albums in der Reihenfolge aufeinander, davor gibt es schon Bernstein/Sondheim („Somewhere“) und M.I.A. („Galang [Trio Riot Version]“). Und natürlich gibt es ein paar eigene Stücke, das Titelstück zum Einstieg, „Helix“ zwischen den Covern und am Ende noch zwei („Trident: 2010“ und „Segment for Sentiment #2“). Aufgenommen wurde das Album von Joe Marciano an zwei Tagen im November 2008 und im März 2009 im Systems Two in Brooklyn. Die ganzen Pop-Referenzen kenne ich nicht (weil ich in den Nullerjahren praktisch keinen Pop hörte, M.I.A. ist für mich nur ein Name), aber es ist dennoch völlig klar, dass sich hier Neues öffnet, teils aber auch Altes gekappt wird – die Jazztradition ist nur noch indirekt da, via Hill oder Hemphill natürlich, via Bernstein, dessen Song andere Pianisten gespielt haben.

    Es geht hier nicht mehr um Swing und Glow, der Ton ist allerdings ebenfalls klasse. Und wenn es nicht mehr um die Eleganz geht, die aus dem Swing kommt, dann gibt es hier eine neue, eine andere Eleganz. Es gibt auch nicht mehr das spontan-offene Interplay, wie es gerade bei Kuhn, Carter und Foster zu bewundern war, sondern das Trio als eng verwobene Einheit, die gemeinsam die Wellen reitet, die Grooves erforscht, Momentum erzeugt. Ich höre in der Hinsicht eine recht grosse Ähnlichkeit zum Konzept von Jason Morans Bandwagon-Trio, aber vielleicht ist das der Chick Corea zu Morans Herbie Hancock? Ein total schiefer Vergleich, ich weiss, aber er zielt auf die Tonalitäten an, die hier heller, knackiger, vielleicht etwas säuerlicher sind, quecksilbriger und so gesehen vielleicht auch eine Spur agiler? Beide Trios haben einen Bass mit Wumms, der trocken die richtigen Töne in die Tiefe wuchtet und dennoch in ständiger Bewegung bleibt, nie einfach nur einen Beat spielen würde. Dazu kommen dann die besten, die beweglichsten Drummer der Zeit (und sie gehören auch heute noch dazu oder sind es noch immer), die wirklich alles hinkriegen, die ihre Break-Beats intus haben, aber durch das menschliche Element so viel spannender gestalten können, als das mit Samples und Drum-Machines möglich ist: ständige kleine Verschiebungen, immer neue Akzente, eine schiefe Ebene auf instabilem Untergrund, mal mit, mal gegen den Thump des Basses, darüber ein irrlichterndes Klavier, mal mit linearem Spiel, dann akkordisch verzahnt mit den Drums und dem Bass … und eine Virtuosität und Stilvielfalt, die auch hier manchmal ein wenig an Jaki Byard erinnert – auch wenn vielleicht bei Iyer tatsächlich eher Andrew Hill die Quelle ist – die Version von „Smoke Stack“ hier ist jedenfalls atemberaubend, auch das Schlagzeugsolo, das sich organisch aus dem Trio herausschält und vom Bass begleitet wird, als wäre er eine weitere Trommel. Toll auch der rabenschwarze Funk von „Dogon A.D.“ mit Crump im Wechsel zwischen gequält-druckvollem Arco- und trockenem Pizzicato-Siel. Ein durch und durch phänomenales Debutalbum dieses grossartigen Trios* – wenn ich eine Top 50 oder 100 erstellen würde (oder 250, bis alles drin ist, was irgendwie rein muss), wäre das weit oben dabei.

    Wenn Iyer in seinen Liner Notes herausstreicht, dass die meisten Stücke, die er hier covert, eine „disruptive quality“ hätten, die sein Trio reproduzieren wolle – dann ist das eine Wortwahl aus einer anderen Zeit. So schnell kann das gehen – heute werden wir halt von faschistischen Milliardären zwangs-disrupted und sind in vielen Fälle noch so blöd, freiwillig mitzumachen.


    *) Das ich übrigens immer lieber mochte als das aktuelle von Iyer mit Oh und Sorey, so gut dieses auch ist.

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    #12588399  | PERMALINK

    lotterlotta
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    atom@lotterlotta: Folgende Oscar Peterson Trio-Alben haben es bisher in meine Sammlung geschafft: The Jazz Soul of Oscar Peterson The Trio The Sound of the Trio West Side Story Night Train Ich möchte mir auf jeden Fall die fehlenden The London House-Alben sowie ein paar der 1959er Songbook-Alben besorgen und vielleicht noch ein paar spätere Alben.

    danke für die antwort, da „the sound of the trio“ so mit mein liebstes ist, wird ein versuch mit der „west side story“ sicher nicht verkehrt sein…

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    #12588421  | PERMALINK

    vorgarten

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    gypsy-tail-windIch höre in der Hinsicht eine recht grosse Ähnlichkeit zum Konzept vonn Jason Morans Bandwagon-Trio, aber vielleicht ist das der Chick Corea zu Morans Herbie Hancock? Ein total schiefer Vergleich, ich weiss, aber er zielt auf die Tonalitäten an, die hier heller, knackiger, vielleicht etwas säuerlicher sind, quecksilbriger und so gesehen vielleicht auch eine Spur agiler?

    danke für den schönen text. der vergleich iyer/moran treibt mich auch schon seit jahren um, weil sie und ihre trios ja wirklich ähnlich tolle dinge erreichen (und sich ja auch kennen und seit jeher austauschen). großer einfluss für beide ist natürlich auch geri allen. ich finde moran aber eher jemanden, der den entertainment-aspekt anders herausarbeit, daher auch seine nähe zum alten oder proto-jazz, da kommt ein anarchischer spaß her, der live bei bandwagon sehr gut funktioniert. er hat es allerdings auch einfacher, sich in die schwarzen musiktraditionen einzuschreiben, da kommt vieles sehr smooth zusammen, während iyer immer auch spürbar seinen platz sucht, und das auch gar nicht kaschiert. ich finde es sehr überzeugend, wie er mit klassischen indischen elementen spielt, ohne daraus hommagen oder programmmusik zu machen, es geht immer um gegenwart und das dann-doch-nie-ganz-dazugehören, egal welche abschlüsse man hat oder welche professuren man bekleidet. was ich meine, ist vielleicht nur, dass bei iyer immer mehr reibung im spiel ist – ich aber gerade mag, wie moran traditionen aufruft und twistet.

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    #12588431  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    vorgarten

    gypsy-tail-windIch höre in der Hinsicht eine recht grosse Ähnlichkeit zum Konzept vonn Jason Morans Bandwagon-Trio, aber vielleicht ist das der Chick Corea zu Morans Herbie Hancock? Ein total schiefer Vergleich, ich weiss, aber er zielt auf die Tonalitäten an, die hier heller, knackiger, vielleicht etwas säuerlicher sind, quecksilbriger und so gesehen vielleicht auch eine Spur agiler?

    danke für den schönen text. der vergleich iyer/moran treibt mich auch schon seit jahren um, weil sie und ihre trios ja wirklich ähnlich tolle dinge erreichen (und sich ja auch kennen und seit jeher austauschen). großer einfluss für beide ist natürlich auch geri allen. ich finde moran aber eher jemanden, der den entertainment-aspekt anders herausarbeit, daher auch seine nähe zum alten oder proto-jazz, da kommt ein anarchischer spaß her, der live bei bandwagon sehr gut funktioniert. er hat es allerdings auch einfacher, sich in die schwarzen musiktraditionen einzuschreiben, da kommt vieles sehr smooth zusammen, während iyer immer auch spürbar seinen platz sucht, und das auch gar nicht kaschiert. ich finde es sehr überzeugend, wie er mit klassischen indischen elementen spielt, ohne daraus hommagen oder programmmusik zu machen, es geht immer um gegenwart und das dann-doch-nie-ganz-dazugehören, egal welche abschlüsse man hat oder welche professuren man bekleidet. was ich meine, ist vielleicht nur, dass bei iyer immer mehr reibung im spiel ist – ich aber gerade mag, wie moran traditionen aufruft und twistet.

    Danke – ich war ja heute Vormittag im indischen Konzert (eins der besten, das ich je hörte), aber davon höre ich in diesem Album nicht viel … aber die anderen Punkte (und insgesamt, einfach nicht hier oder nicht hier und konkret, auch der mit indischer Musik) leuchten mir alle völlig ein. Klar, Moran hat seine Community (die pflegt er ja auch aktiv bzw. erweitert sie mit der gemeinsamen Kunst mit seiner Frau), Iyer ist anders aufgestellt … das mit dem Entertainment leuchtet mir sehr ein (und das wäre vielleicht noch einen Punkt für meinen schiefen Vergleich, Armando Corea spielte zwar früh auch Tanzmmusik mit Latin-Bands, aber dann erfand er sich erstmal neu, machte schwierigen, vielleicht kopflastigen Jazz, der mit Circle auch ganz schön spröde werden konnte, während Hancock eben auch Community-Musik machte). Aber klar, ich überspringe mit dem schiefen Vergleich so einiges an Einflüssen. Byard ist allerdings bei Moran ja ein direkter, ob es bei Iyer auch solche direkten Linien weiter zurück gibt, ist mir weniger klar – aber dass er mit Donald Bailey spielte, leuchtet natürlich sofort ein.

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    #12588435  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Curtis Clark Trio – Táági | Das Album war meine erste Begegnung mit Curtis Clark, einfach weil auf dem richtigen Label erschienen, von dem ich gerade Solo-Aufnahmen von Howard Riley haben wollte und guckte, was man da sonst noch kriegen konnte. Neben Iyer ist das natürlich auch wieder eine Ungleichzeitigkeit, aber auch hier gibt es mit den González-Söhnen Aaron (Bass) und Stefan (Drums) eine Stilvielfalt zumindest im Hinter- oder Untergrund, denn die beiden spielten nicht nur in Bands ihres Vaters, Dennis und anderen Jazz-Gruppen, sondern machten alles von Mariachi über Hardcore-Punk bis hin zu experimenteller Musik. Die Aufnahmen, die auf dem litauischen Label NoBusiness erschienen sind, entstanden bei zwei Konzerten, das erste am 1. Mai 2009 in Dallas, das zweite am Folgetag in Austin. Los geht es mit einem mehrminütigen Piano-Intro zu „Suite: Joy/Blessings“, in denen Clark seine Wurzeln in Blues und Gospel offenbart. Wenn die anderen beiden einsetzen, öffnet sich sofort etwas, die Musik wird multiperspektivisch, mit rasendem Bass und fliessenden Drums. Später gerät auch alles in Stottern, es gibt nicht nur im zweiten Stück („Suite: Water Colors/New York City Wildlife“) eine Art ständig unterbrochenen Flow. Auch hier mit einem recht trockenen Bass (den Mix machte Dennis González direkt danach vom 4.-6. Mai, ich vermute, die Aufnahme machte der Familienbetrieb) und sehr beweglichen Drums, die aber eher in der Nachfolge von Free-Jazz-Percussion-Meistern wie Andrew Cyrille stehen, als dass sie von Hip Hop oder anderen Quellen für den damals aktuellen Jazz getränkt wären. Das reiht sich entschieden anders in die grosse schwarze Jazzlinie ein, mit Material, das sämtlich von Clark stammt, bis auf den Closer „Beautiful Love“. Eine Beruhigung gibt es davor schon mi“ Joy“, das wir schon vom Beginn des Albums kennen – hier nun nicht als Teil einer Suite sondern einfach solo, freier und verspielter dieses Mal, es dauert bis die Wurzeln zum Vorschein kommen und Clark zieht auch gleich weiter. „Blessings“ folgt als separater Track vor dem abschliessenden Standard – beide bewegt aber auch in sich ruhend, was vielleicht das grosse Geheimnis von Curtis Clarks Musik ist.

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    lotterlotta
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    fundstück im eigenen schrank, 1965 erschienen, keinen blassen dunst mehr wann ich das wohl als zugabe in einem laden erworben habe, cover sieht auch arg ramponiert aus, mit paul chambers am bass und jimmy cobb an der schießbude, es geht recht forsch zur sache, klang eher mäßig, im opener bobo kommt noch kurz eine flöte zum einsatz, gibt dem stück einen leichten latin einschlag im ersten moment. beim hören eben kam mir das alles völlig unbekannt vor, wahrscheinlich damals nach dem waschen einfach einsortiert ohne es angehört zu haben….wird sich eher in den hinteren regionen der trio-liste einsortieren….

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    #12588481  | PERMALINK

    thelonica

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    BUD POWELL – The Complete Bud Powell (Disc 4)

    Das ist die Session zu „Piano Interpretations By Bud Powell“. Mir war gar nicht klar, dass Leroy Lovett produziert hatte. Hier ist das Trio mit Powell, Duvivier und Art Taylor im April 1955 zu hören, Charlie Parker verstarb im März 1955. Parker Stücke wurden aufgenommen, die befinden sich dann aber auf Disc 5. „Lady Bird“ von Tadd Dameron mit insgesamt 3 kompletten Takes gibt es zu hören, obwohl auf der Rückseite (LADYBIRD) der LP Charlie Parker als Komponist angezeigt wird. Auf der LP wurde „Williow Grove“ (Groove) von Powell zu Willow Groove“. Willow Grove ist in Pennsylvania und selbst auf den ganzen Reissues steht wohl Groove. Zusätzlich wurden „East of the Sun“ und „Stairway To The Stars“ eingespielt.  Bei dieser Session entstanden ca. 23 komplette Takes. Art Taylor gefällt mir auch wieder ganz gut, Duvivier klingt toll.

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    #12588495  | PERMALINK

    redbeansandrice

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    Die Powell Box hab ich auch vor einigen Jahren für 5-6 Euro gekauft, mich sehr gefreut… Aber viel zu lang nicht gehört… Manchmal denk ich, wenn sie 20 Euro gekostet hätte, hätte ich sie trotzdem gekauft aber inzwischen gründlicher gehört, so wie die Joe Henderson Milestone Box… Ich muss sie jedenfalls wieder raussuchen…

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    #12588519  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Ich hab mich ein paar Male durch sie durchgehört … -gearbeitet, mit dem ganzen, hervorragenden Booklet und so. Ist halt in der Form, mit den vielen Alternate Takes, nicht optimal zum Hörgenuss, und generell finde ich auch, dass Powell auf Blue Note in aller Regel besser drauf ist, frischer klingt … auch hatte Verve nicht immer das optimale Händchen bei den Sidemen. Buddy Rich in Ehren, er ist ja auch mit Parker/Gillespie nicht halb so schlecht, wie viele sagen … und wer ist Lloyd Trotman und warum darf der hier mitspielen? (Beeindruckende Credits, aber hier halt doch nicht die beste Wahl.) – Irgendwie sind auch die feinen Begleit-Combos (Duvivier/Taylor, gibt’s bei Blue Note ja auch, und auch später wieder bei RCA, Heath/Clarke, Brown/Johnson) eine Spur konservativer aufgestellt, Blue Note setzte Powell etwas neuem aus, wenn nicht Art Blakey sondern Philly Joe Jones ans Schlagzeug gesetzt, Paul Chambers oder Sam Jones angeheuert wurden. Aber klar, es gibt an offiziellem nicht super viel von Powell und die Verve-Box ist voller klasse Aufnahmen. Wenn ich „mal wieder etwas Powell hören“ möchte, dann greife ich aber fast immer zu den Blue Note-Aufnahmen … oder zu „Bud Plays Bird“ (Roulette, auch mit Duvivier/Taylor) oder „Portrait of Thelonious“. Von der Aufmachung her ist die Verve-Box schwer zu schlagen.

    Bei der riesigen Biographie von Pullman hab ich kapituliert, bevor die Jahre kamen, in denen Powell als Musiker aktiv wurde … aber so weit, dass es da um Stride Piano-Einflüsse ging, bin ich schon gekommen. Die Biographie lässt vermutlich in ihrer Gründlichkeit kaum Wünsche frei. Man kriegt sie auch als Taschenbusch, der Versand kostet halt mehr als das Buch selbst, aber ich sollte mir das echt mal überlegen:
    https://budpowellbio.square.site/

    Ich kriege gerade Lust, mal wieder die Verve-Box zu hören und meine (relativen) Vorbehalte zu überprüfen :-)

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    soulpope
    "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"

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    Bud Powell  „Yardbird Suite“ (Roulette) 1996 …. ich stimme also auch in den Bud Powell Kanon ein …. die spät 1957er bzw früh 1958er Aufnahmen werfen Licht auf den Pianisten im Kampf des sich vertiefenden Dunkels …. dass die vormals brillante, ja fast halsbrecherische Technik einem vergleichsweise sparsamen Stil gewichen ist bedeutet keine Nachteil, ganz im Gegenteil gelingen leuchtende Klangfarben und Detaildarstellung nun deutlich besser …. der Weltklasseinsatz von George Duvivier ist hier die halbe Miete und das „Zaubern“ von Art Taylor verbindet verschiedene Ordnungen perfekt ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #12588561  | PERMALINK

    redbeansandrice

    Registriert seit: 14.08.2009

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    Ich hab das Pullman Buch tatsächlich am Bildschirm durchgelesen, und vor ein paar Jahren auch nochmal was darin nachgeschlagen… aber es ist schon echt ein grosser Nachteil, dass es kein gedrucktes Buch ist…

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    #12588563  | PERMALINK

    kathisi

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    lotterlotta

    gypsy-tail-windTolles Album – bei mir etwas im Schatten des ersten (von zwei, der zweite mit anderen Leuten) Live-Gigs, der unfassbar toll war. Hab ich nicht hervorgekramt (liegt eh griffbereit, auch wenn’s eben nicht so oft lief). Hab Migräne-Tag, allmählich geht’s wieder, Sammelpost in Arbeit, noch ein gutes Dutzend Alben auf dem Stapel und dann vielleicht nochmal so viele ältere, die ich ausliess oder neu kaufte … oder auch nicht, weil mir wie gesagt allmählich die Puste ausgeht hier.

    leg es gleich auf, mittlere lautstärke, das ist kein jazz, das ist magie, es ist balsam für die seele, makhathini sieht sich ja nicht nur als musiker sondern mehr als heiler, hab die scheibe wegen des sprechgesangs nicht in meiner pianotrio-liste drin, käme aber auch nicht in die obersten ränge, es hat aber eine sanfte ausstrahlung die es einzigartig macht….

    Am 05.03.2026 im Domicil in Dortmund wieder mit dem Trio live zu erleben. Werde da sein.

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    Love goes on anyway!
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