Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz

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gypsy-tail-wind
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vorgarten

gypsy-tail-windIch höre in der Hinsicht eine recht grosse Ähnlichkeit zum Konzept vonn Jason Morans Bandwagon-Trio, aber vielleicht ist das der Chick Corea zu Morans Herbie Hancock? Ein total schiefer Vergleich, ich weiss, aber er zielt auf die Tonalitäten an, die hier heller, knackiger, vielleicht etwas säuerlicher sind, quecksilbriger und so gesehen vielleicht auch eine Spur agiler?

danke für den schönen text. der vergleich iyer/moran treibt mich auch schon seit jahren um, weil sie und ihre trios ja wirklich ähnlich tolle dinge erreichen (und sich ja auch kennen und seit jeher austauschen). großer einfluss für beide ist natürlich auch geri allen. ich finde moran aber eher jemanden, der den entertainment-aspekt anders herausarbeit, daher auch seine nähe zum alten oder proto-jazz, da kommt ein anarchischer spaß her, der live bei bandwagon sehr gut funktioniert. er hat es allerdings auch einfacher, sich in die schwarzen musiktraditionen einzuschreiben, da kommt vieles sehr smooth zusammen, während iyer immer auch spürbar seinen platz sucht, und das auch gar nicht kaschiert. ich finde es sehr überzeugend, wie er mit klassischen indischen elementen spielt, ohne daraus hommagen oder programmmusik zu machen, es geht immer um gegenwart und das dann-doch-nie-ganz-dazugehören, egal welche abschlüsse man hat oder welche professuren man bekleidet. was ich meine, ist vielleicht nur, dass bei iyer immer mehr reibung im spiel ist – ich aber gerade mag, wie moran traditionen aufruft und twistet.

Danke – ich war ja heute Vormittag im indischen Konzert (eins der besten, das ich je hörte), aber davon höre ich in diesem Album nicht viel … aber die anderen Punkte (und insgesamt, einfach nicht hier oder nicht hier und konkret, auch der mit indischer Musik) leuchten mir alle völlig ein. Klar, Moran hat seine Community (die pflegt er ja auch aktiv bzw. erweitert sie mit der gemeinsamen Kunst mit seiner Frau), Iyer ist anders aufgestellt … das mit dem Entertainment leuchtet mir sehr ein (und das wäre vielleicht noch einen Punkt für meinen schiefen Vergleich, Armando Corea spielte zwar früh auch Tanzmmusik mit Latin-Bands, aber dann erfand er sich erstmal neu, machte schwierigen, vielleicht kopflastigen Jazz, der mit Circle auch ganz schön spröde werden konnte, während Hancock eben auch Community-Musik machte). Aber klar, ich überspringe mit dem schiefen Vergleich so einiges an Einflüssen. Byard ist allerdings bei Moran ja ein direkter, ob es bei Iyer auch solche direkten Linien weiter zurück gibt, ist mir weniger klar – aber dass er mit Donald Bailey spielte, leuchtet natürlich sofort ein.

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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba