Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz

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gypsy-tail-wind
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Curtis Clark Trio – Táági | Das Album war meine erste Begegnung mit Curtis Clark, einfach weil auf dem richtigen Label erschienen, von dem ich gerade Solo-Aufnahmen von Howard Riley haben wollte und guckte, was man da sonst noch kriegen konnte. Neben Iyer ist das natürlich auch wieder eine Ungleichzeitigkeit, aber auch hier gibt es mit den González-Söhnen Aaron (Bass) und Stefan (Drums) eine Stilvielfalt zumindest im Hinter- oder Untergrund, denn die beiden spielten nicht nur in Bands ihres Vaters, Dennis und anderen Jazz-Gruppen, sondern machten alles von Mariachi über Hardcore-Punk bis hin zu experimenteller Musik. Die Aufnahmen, die auf dem litauischen Label NoBusiness erschienen sind, entstanden bei zwei Konzerten, das erste am 1. Mai 2009 in Dallas, das zweite am Folgetag in Austin. Los geht es mit einem mehrminütigen Piano-Intro zu „Suite: Joy/Blessings“, in denen Clark seine Wurzeln in Blues und Gospel offenbart. Wenn die anderen beiden einsetzen, öffnet sich sofort etwas, die Musik wird multiperspektivisch, mit rasendem Bass und fliessenden Drums. Später gerät auch alles in Stottern, es gibt nicht nur im zweiten Stück („Suite: Water Colors/New York City Wildlife“) eine Art ständig unterbrochenen Flow. Auch hier mit einem recht trockenen Bass (den Mix machte Dennis González direkt danach vom 4.-6. Mai, ich vermute, die Aufnahme machte der Familienbetrieb) und sehr beweglichen Drums, die aber eher in der Nachfolge von Free-Jazz-Percussion-Meistern wie Andrew Cyrille stehen, als dass sie von Hip Hop oder anderen Quellen für den damals aktuellen Jazz getränkt wären. Das reiht sich entschieden anders in die grosse schwarze Jazzlinie ein, mit Material, das sämtlich von Clark stammt, bis auf den Closer „Beautiful Love“. Eine Beruhigung gibt es davor schon mi“ Joy“, das wir schon vom Beginn des Albums kennen – hier nun nicht als Teil einer Suite sondern einfach solo, freier und verspielter dieses Mal, es dauert bis die Wurzeln zum Vorschein kommen und Clark zieht auch gleich weiter. „Blessings“ folgt als separater Track vor dem abschliessenden Standard – beide bewegt aber auch in sich ruhend, was vielleicht das grosse Geheimnis von Curtis Clarks Musik ist.

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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba