Central Avenue – L.A. (then & now)

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  • #11593875  | PERMALINK

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    Ich habe mir gedacht, ich mache eine kleine Fotostrecke zur Lebensader der “black communities” im Süden von L.A.

    Im zweiten post gibt es dann Fotos wie es heute dort aussieht (ich habe vor nächste Woche die Central Avenue abzufahren und ein paar Fotos zu machen. Ich hoffe, ich finde die Stellen/Gebäude von damals und hoffe, man kann dort einigermaßen “sicher” herumlaufen).

    Zuerst eine kleine Zeitreise (die Fotos & Texte stammen aus der L.A. Times):

     

     

     

     

     

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    Highlights von Rolling-Stone.de
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    #11593877  | PERMALINK

    Anonym
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    Central Avenue (now):

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    #11593949  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Schöne Idee, bin gespannt auf die Fotos und Eindrücke von jetzt!

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #125: Intakt Records, 2021 - 14.12., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #7: tba | No Problem Saloon, #29: tba
    #11593953  | PERMALINK

    soulpope
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    gypsy-tail-windSchöne Idee, bin gespannt auf die Fotos und Eindrücke von jetzt!

    Same here  :bye: ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #11594367  | PERMALINK

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    @gypsy-tail-wind & @soulpope: Bin selbst auch gespannt 😉.

    Hier noch vorab eine kleine Episode Vergangenheit:

    Ein weiteres interessantes und wichtiges Thema entlang der “Central Avenvue” ist “Dolphins of Hollywood”. Besonders im Bereich R&B hatte er großen Einfluss in L.A. und über die Grenzen hinaus. Er unterstütze natuerlich auch Jazz Musiker.

    Los Angeles war bis weit in die 1950er Jahre “segregated”. Als der ehemalige Autoverkäufer John Dolphin Ende der 40er Jahre, auf Anraten eines Freundes, in Los Angeles ankam, bekam er dies direkt zu spüren. Er hatte eine Vision: Die Eröffnung eines Plattenladens (24-hour-store, der erste seiner Art) mit integriertem Radio Sender, einem Recording Studio und einem eigenen Plattenlabel. Er wollte einen Ort erschaffen, an dem Menschen Musik genießen konnten, ein Ort für Musiker, um deren Musik bekannt zu machen.

    Dolphin wollte nach Hollywood. Doch als Schwarzer war es ihm nicht erlaubt dort ein Geschäft anzumieten. Also ging er an die Central Avenue, Ecke Vernon und eröffnete seinen Plattenladen 1948 dort.

    Der Zusatz “Of Hollywood” spiegelte seine großen Ambitionen wieder. Das Motto Dolphin’s lautete: “We’ll record you today and have you a hit by tonight!” Allerdings war auch etwas Trotz zu spüren: “If Negroes can’t get to Hollywood, than I bring Hollywood to Negroes”, war ein weiterer seiner bekannten Sprüche.

    Und tatsächlich gelang es ihm Sendezeit bei einem Radiosender zu erwerben und so konnte er seine frisch aufgenommen Platten unmittelbar unter die Menschen bringen. Bekannte weiße DJ’s spielten die ganze Nacht am großen Schaufenster, seine Radiosendungen erreichten vor allem weißes Publikum und der Mix aus eigenen und fremden Produktionen war ein Erfolg.

    Jazz Musikern wie Charles Mingus oder vor allem R&B Künstler wie Sam Cooke verhalf er die weißen Bevölkerungsschichten L.A.’s und darüber hinaus zu erreichen.

    Der Laden besaß einen großen Parkplatz, wo die Menschen abhängen konnten, im Auto den Radiosender hören, Platten kaufen und wieder auf den Parkplatz gehen konnten. So entwickelte sich eine Szene, die vorwiegend aus jüngeren Musik Fans bestand, die aus allen Ecken L.A.’s kamen und auch darüber hinaus.

    Doch den Behörden schmeckte das nicht, man sorgte sich um die weißen Mädchen, die mit schwarzen Jungs im Laden oder davor tanzten. So kam es, dass der Laden sogar einige Male deswegen polizeilich geschlossen wurde.

    Doch Dolphin gelang es immer wieder den Laden erneut aufmachen zu dürfen. Einmal wurde er sogar verhaftet. Doch er blieb ein erfolgreicher Geschäftsmann.

    In seinem Laden konnte man Persönlichkeiten wie Billie Holiday, Louis Armstrong treffen. Sogar Sam Cooke und James Brown wurden gesichtet. “Dolphins Of Hollywood” war der Szenetreff der damaligen Zeit (ähnlich wie “Tower Records” in den 1980er Jahren auf dem Sunset Strip, natuerlich fuer ein anderes Publikum).

    1958 wurde Dolphin ermordet. Es gab Streit über Geld mit einem Musiker im Büro von John Dolphin und er wurde erschossen.

    Seine Frau führte anschließend den Laden weiter, bis er Ende der 80er Jahre geschlossen wurde.

    Jahre später wurde ein Musical zu Ehren Dolphins in L.A. aufgeführt: Recorded In Hollywood: The John Dolphin Story.

    --

    #11599997  | PERMALINK

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    So, gestern habe ich eine Fahrt nach Los Angeles mit dem Abstecher zur “Central Avenue” genutzt 😊! Konnte einige Eindrücke sammeln und muss aber alles erstmal sortieren und die Fotos dann online verfügbar machen.

    Das Viertel ist heute interessanterweise komplett in spanischer Hand  den Menschen nach zu urteilen, die mir über den Weg liefen, 75% “Hispanics”, nur wenige “Black People”. Außer mir habe ich keinen “Weißen” gesehen. Zumindest um ca. 15 Uhr nachmittags.

    Tagsüber ist es ok dort herumzulaufen. Nachts würde ich es meiden und man sollte immer etwas schauen, wo man sein Auto parkt.

    Doch es gibt Hinweise auf die reiche Jazzgeschichte und die Bedeutung des Viertels für die Rechte der Afro-Amerikaner.

    Näheres in den kommenden Tagen.

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    #11604465  | PERMALINK

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    Ich starte einmal mit der kleinen Fotostrecke.

    Habe mich jetzt doch für einen direkten Vergleich entschieden, wenn möglich. Mehr dann in einigen Tagen. Das “Dunbar Hotel” ist heute noch immer (oder besser gesagt, wieder) das “Dunbar Hotel” (nachdem man fuer $ 30 Millionen renoviert hat) und es ist das Gebäude mit der besten Bausubstanz des Abschnittes, den ich abgelaufen bin. Das Gebäude des ehemaligen “Lincoln Theaters” existiert ebenfalls, hier ist eine religiöse Gemeinschaft eingezogen. Dieses Gebäude stellt auch eine Art unsichtbare Grenzen dar, an der das Leben Richtung Downtown nicht mehr als menschenwürdig bezeichnet werden kann. Zeugnis einer nicht enden wollenden Zivilisationskrise für mittlerweile ca 43.000 Obdachlose in LA (City). Ein Anstieg von 20% gegenüber 2019.

     

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    #11604467  | PERMALINK

    Anonym
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    Hier ein trauriger Blick hinter die Straßen des “Lincoln Theater”, diese Zelte durchziehen weite Teile L.A.’s, von Hollywood bis South L.A. -> Quelle des Fotos: The Guardian, 2019, das Foto stammt aus einem südlicheren Teil L.A.‘s und soll als Beispiel dienen. Zeltansiedlingen wie auf dem Foto zu sehen, findet man ab ca. Höhe des Lincoln Theaters, das nimmt nordwärts zu. Wenn man die „Central Avenue“ nordwärts weiter fährt landet man im traurigen „Skid Row“ Bezirk.

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    #11604487  | PERMALINK

    soulpope
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    mr-badlandsHier ein trauriger Blick hinter die Straßen des “Lincoln Theater”, diese Zelte durchziehen weite Teile L.A.’s, von Hollywood bis South L.A.

    Das „Great America“ …. traurig wie Du sagst ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #11604491  | PERMALINK

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    @soulpope: Ja, leider! Es sind schlimme Zustände, vor allem in den GroßStädten. Ist jetzt etwas “Off-Topic”, doch in San Francisco gibt einen neuen “Trend”: Familien, die in Autos wohnen, Kinder, die in Autos aufwachsen. Und die Eltern gehen dann morgens ein paar Blocks weiter zur Arbeit, zu Apple, Google oder Facebook. Das ist kein schlechter Scherz, sondern bittere Wahrheit. Menschen die reguläre Jobs haben, können sich oft keine Wohnung oder Apartment mehr leisten, wohnen in Autos. Eine neue Umfrage in der Bay Area zeigt: 50% der Bevölkerung möchte weg von dort, aufgrund der unbezahlbaren Lebenshaltungskosten.

    Es ist immer das gleiche Bild. Große Tech Giganten ziehen aus dem Silicon Valley weil ihnen die Mieten etc. zu teuer werden. Doch in ihrer neuen Heimat, z.B. Seattle das gleiche Bild. Die Mieten steigen explosionsartig. Seattle-Tacoma ist der Stadtteil in den USA mit der höchsten Dichte an Obdachlosen mittlerweile. Bevor die großen Tech Riesen dort Einzug erhalten haben, kannte man das Problem Obdachlosigkeit nur aus New York oder San Francisco.

    Doch zurück zur “Central Avenue”, die sich noch recht achtbar schlägt. Es herrscht zwar recht viel Armut, doch Zustände nicht noch nicht so katastrophal wie einige Blocks weiter.

    --

    #11604503  | PERMALINK

    soulpope
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    mr-badlands@soulpope: Ja, leider! Es sind schlimme Zustände, vor allem in den GroßStädten. Ist jetzt etwas “Off-Topic”, doch in San Francisco gibt einen neuen “Trend”: Familien, die in Autos wohnen, Kinder, die in Autos aufwachsen. Und die Eltern gehen dann morgens ein paar Blocks weiter zur Arbeit, zu Apple, Google oder Facebook. Das ist kein schlechter Scherz, sondern bittere Wahrheit. Menschen die reguläre Jobs haben, können sich oft keine Wohnung oder Apartment mehr leisten, wohnen in Autos. Eine neue Umfrage in der Bay Area zeigt: 50% der Bevölkerung möchte weg von dort, aufgrund der unbezahlbaren Lebenshaltungskosten. Es ist immer das gleiche Bild. Große Tech Giganten ziehen aus dem Silicon Valley weil ihnen die Mieten etc. zu teuer werden. Doch in ihrer neuen Heimat, z.B. Seattle das gleiche Bild. Die Mieten steigen explosionsartig. Seattle-Tacoma ist der Stadtteil in den USA mit der höchsten Dichte an Obdachlosen mittlerweile. Bevor die großen Tech Riesen dort Einzug erhalten haben, kannte man das Problem Obdachlosigkeit nur aus New York oder San Francisco ….

    Aber solange bei vielen Amerikenern bei dem Begriff „sozial“ die Schnappatmung wegen „Kommunismus“ einsetzt …

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #11604505  | PERMALINK

    cloudy
    braucht noch immer keinen Benutzertitel

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    @mr-badlands

    Vielen Dank für Deine Ausführungen hier!  :good:

    Gleichzeitig natürlich unfassbar, welchen Zuständen die Menschen dort ausgesetzt sind. Und das in den USA und das im Jahr 2021. Man fasst es einfach nicht.

    --

    #11604619  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Registriert seit: 25.01.2010

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    Herzlichen Dank @mr-badlands!

    Was die „homeless people“ angeht, vielleicht hast Du diese Reportage von letztem Jahr damals auch gelesen?
    https://www.newyorker.com/magazine/2020/06/01/a-window-onto-an-american-nightmare

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #125: Intakt Records, 2021 - 14.12., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #7: tba | No Problem Saloon, #29: tba
    #11604649  | PERMALINK

    kurganrs

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    @mr-badlands: Dank auch von mir. Interessante Fotos und sehr schön geschrieben.

    #11605043  | PERMALINK

    Anonym
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    gypsy-tail-windHerzlichen Dank @mr-badlands! Was die „homeless people“ angeht, vielleicht hast Du diese Reportage von letztem Jahr damals auch gelesen? https://www.newyorker.com/magazine/2020/06/01/a-window-onto-an-american

    Vielen Dank für den interessanten Artikel :-)!

    Ja, das Thema “Homelessness” ist viel zu komplex um es in wenigen posts abzudecken. Und es gibt natürlich auch täglich ca. 200 Menschen, die es schaffen, aus dem Teufelskreis auszubrechen. Doch leider einige mehr, die jeden Tag dort hineinrutschen. Das ist jetzt auf Los Angeles bezogen. Und die High Tech Riesen sind nicht immer ausschlaggebend für die Krise, sie spielen jedoch leider auch eine gewichtige Rolle.

    Noch kurz zu San Francisco: Hier schließt eine landesweite Drogeriekette mit integrierter Apotheke mind. 5 Filialen. Hintergrund sind organisierte Ladendiebstähle, welche in den letzten zwei, drei Jahren derart zugenommen haben, dass man derer nicht mehr Herr wird. Oder in Chinatown werden Inhaber von kleinen Supermärkten aus ihren Mietverträgen juristisch “rausgejagt”. Von den einst vielzähligen grossen Buffet Restaurants, in denen man relativ günstig essen kann, ist nur noch eines übrig

    In anderen Metropolen ist die Entwicklung ähnlich. Leidtragende sind die “neighborhoods”, denen immer mehr Lebensqualität verloren geht.

    Und in Los Angeles spielt natürlich das Thema “Wasser” eine bedeutende Rolle. “Central was like a river…” schrieb einst Clifford Solomon über die Central Avenue in ihrer Hochzeit. Los Angeles selbst hatte noch nie einen wirklichen Fluss. Es gibt zwar trostlose Betonrinnen und Aquädukte, die das Wasser aus dem Ownes Valley stehlen oder von Nordkalifornien über hunderte Meilen nach Los Angeles transportieren oder den Colorado River, der immer noch genügend Wasser auch für Kalifornien bereitstellt. Die Frage ist halt, wie lange noch. Denn der Lake Mead (größter Stausee der USA und entscheidend für die Wasserversorgung mehrerer westlicher Staaten in den USA) hat seit diesem Jahr nur eine Kapazität von ca. 30%.

    Viele Staaten westlich des 100 Längengrades erfahren die zunehmende Wasserarmut und haben mit extremen Dürren zu kämpfen. Doch solange man die 250.000 Swimming Pools in LA County noch füllen kann, scheint diese Thema nicht akut zu sein. Und der Rasen soll natürlich auch täglich gewassert werden.

    Und im Central Valley (das landwirtschaftliche Herz Kaliforniens und auch zum Teil der USA) bohrt man täglich immer tiefere Brunnen, bis unter das Grundwasser, in die dortigen Lehmschichten, so dass dieses Gebiet die grösste Senkungsrate weltweit besitzt. An einigen Stellen ist das Land im Laufe der letzten 50 Jahre um mehrere Meter abgesunken.

    Mark Arax (kalifornischer Schriftsteller) hat dies in seinem Aufsatz (A Kingdom From Dust) für das “California Sunday Magazine” schön beschrieben:

    “The Yokut had a saying that when the farmer drained the last drops of snowmelt from Tulare Lake, the water would return. It would return as Tule Fog to remind the white man of his theft.” – The fog is our history.

    Vielleicht sollte man mal die Indianer fragen, wie sie mit den natürlichen Gegebenheiten (u.a. Trockenheit und dem Feuer) umgegangen sind. Und warum sie den Boden, auf dem L.A. heute steht, “giftiges Land” genannt haben.

    Aber ich schweife ab ;-)…Sorry. Ein paar wenige Fotos habe ich noch, rund um die ehemalige Lebensader “Central Avenue”, die in Kürze kommen.

     

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